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Full text of "Das verbum reflexivum und die superlative im west-nordischen"

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P ^J/i:*i-ü'AiDW[VERSHY-U 




miüOED •^W'MSIIY" um 



ACTA GERMANICA. 

Organ für deutsche Philologie 

herausgegeben 



TOB 



Rudolf Henning und Julius Hoffory. 



Band lU. 



-:»^^^€^^ 



Berlin. 

Hayer & ÜülUr. 

1894. 



336281 



; - - - .•,•-•< 



^ 



INHALT. 

Seite 



Verbnm refleziTom and die Superlaüve im Wmt- 
nordtBchen toq Friedrich Specht. 1 

■^Die HreniBche Chronik in diplomatiBchein Abdmck nach 
der Stockholmer HandBohrifb nebet den Zeugnissen 
YedelB und StephanioB and den HreniBChen Volte- 
flberlieferuogen herausgaben von Otto Lai^d 
Jiriczek. 57 

Teofellitteratnr des XVI. Jahrhunderts von Max Osbora. 97 
)ie Mondaee-Wienei Liederhandschrift and der MOnch von 
Salzburg. I. Teil, von F. Arnold Uajer und Heinrich 
Rietsch. 332 



ACTA GEKMANICA. 



Organ für deutsche Philologie 



herausgegeben 



Rudolf Henning und Julius Hoffory. 



I. 



Fr. Specht: Das Verbum reflexivum und die Superlative 
im Westnordischen. 



Berlin, 

Mayer & Müller. 
1891. 



DasVerbum reflexivum und die 
Superlative im Westnordischen. 



Ein Beitrag zur nordisclien Graioniatik 



Friedrich Specht. 



j-*-^ 



Berlin. 

Mayer & Müller. 






Die gcnnaiiisclicu Spraohen haben IJi» nnf ^-cnige Trümmer 
das untit« iuiIugormuiiiHoho Mediopnasiv Verijyrc-n. In das 
iiderli'beii der nordisclieu Sprachen bat sich lieitt 'i^-lt wi'rilc 

;«tituint, runisob ImU« (Krogebul), hti/i/le-kn (Ll^ilHoUn). 
Mti-ka {Se«l. bract,), got. •A«»(a, m. *hixte (nber ae.--JÄi!(t 
(kittte) -^ g. hifitada, Etttnüller. Lex. ags. 445. 447, Grbiii,- 
Ablaut 37. — idiuD. ftfti,'^ Krniick, Kl. W'tb.) als ttiuzige Spur 
binabfli^eroltöt (ScbortT, Z. Ü. I>. 8'197 »307 ; Sievers, P. B. 
B6, 661 f; Job. Schrnidt. K. Z. 26, 43 f; Norecn. An. Gr. 
I p. 186; Kr. Burg, D. iitt. imni. Uuiieninscbrift«it p. 37; 
Kluge, Urumlriss d. gcrm. Phil. 1383). Wäbrcjid die deut- 
schen nnd angliscben Dialekte diose Lüirke durrb Umscbreiblingen 

uszufUllen strebten, erwuchs di?n imrdiHchon Hpraohoii rin st-hr 
tietut's und scbäucs Au»dnu'ksuiitti;I d<*M tni;<l)0|MUisiTon Vcr- 
baituisses aas dem Anwachsen eines -mk resp. -tk an die 
Activfonueit, in denen man Verkürzungen der pei'SÜnlicIten 
Fürwörter mik and lii: sieht. Inst-briftlich sind solche Formen 
seitdem 9, Jahrhundert bezeugt in BARPUSK {Ata-has) und 
KU-tSK (kva*l oder /.-w^t, cf. P. G. Thonten, De danake rune- 
tiiii>desma!rkcr Ull>3> auf dem Aars-runen«teiu «. a. In 
unseren itlteslcn HnndsrbriAen ist das Verbum rellexivurn voil- 
»ttäudig cingvbQrgert und gern verwiuidt. Das frült^eitigc Fest- 
irerdeo diaser Endungen hestütigen Entlehnungen wie noueng- 
lisrli liatt (Skeat, Etyiu. dirt. 53) und no litigh (aus an. huaskj, 
das schon mittelengliscli (bnarJa) TolUtüixIig wie ein ererbtes 
Verb conjuffirt und dann, worauf mich Dr. J, Luther aufmerk- 
sam macht, Ton neuem mit dem BeEexiprDuomen Tersebcn 
wird, ib. iu Jobn Barbour's The Bruce I, HS; he bwhft 
kym; 9, 179 Ikai hukU thamt. So nimmt os nicht wunder, 

1 



SpM&t 



I 



dass "nk, -fk trotz des daneben rorliegenden miic. »ik iiT 
unseren Hnadsoltriftcn als blosse JSndung<^'n gcfüMt uiid al» 
solche allmähUdi bis zur Unkenntlichkeit umgestaltet werden 
konuteii, letzteres erscheint zlf. als sk, zk, z, ts, stk, z», st, 
ztt, tt und f. — •': '•■• 

Die Geschichte diewr-XPaAdlungen an der Hand eingehen- 
der StofTsammlung fea.trjiMällen, ist der Vom-urf der folgendet ~ 
üntcrsucbuug.. ._ :''•■. 

Um spät^rdil licsouclertfn Erürtvrungeii vorzubeugen, geh« 
ich nnchstebeiid eine Übt'r8i(;ht über die von mir benutzten 
Hapds^hriftcH in zeitlicher Folge. Ich beziehe mich dabei för™ 
dip «rSten fünlzehu islündischeu und die ersti-n dri-izehn uor-^ 

;,:wögi9chen Handschriften auf J. Hoffory's Verzeichniss (G. G. 

■ A. 1884 p. 478 ff), filr die späteren auf die Angaben der 
HeiftUJtgeher, auf O. Bi-ennei-'a Altnordisrlies Haudbucli und 
den AmurnKguroaitischcn Cntalog (Kopcnhiigeu I 1888) mit 
Zuziehung von G. Vigfusaon's Ginicitung in seine Ausgabe de 
Sturlunga-saga (London 1879). 



I. Isländische Handschriften. 



e derJa 



1. Aui. 237. fol. In den Leifar fonira kristinna frccda 
fslenzkra p. 162 — 67 mit beibehaltenen Kürzungen von 
Bjarnarson Kaupmaunaböfn 1878 herausgegeben. Älter : et 
1160 bis 1176. 

2. Reykjabolts-ni&ldagi. 1885 zu Kopenhagen neu hernusg. 
von di-tu Samfund til udgit'else af gammel nurdisk iitteratur. 
Teil I: 1170—1193. 

3. Cd. 1812, 4'', öml. kgl. Sml. der kgl. Bibliothek zu 
Kop. Der altesiti Toil ist mit peinlicher Genauigkeit und 
cursivirten Kürzungen herausgegeben von L. Larsson : Äldsta 
delen af Cd. 1812, 4^ Gml. kg). Sml. Kop. 1883. Aus der- 
selben Zeit wie Nrr. 1 u- 8- ' 

4. Am. 674, A, 4", das älteste Bruchstück des isländi- 
schen ElucidariuA. Ein photolitliographischer Abdruck ist be* 
sorgt von der Kommission fUr dnii Amainaguitauischc Le^t 



1 



d 



3 IiRn^wbe HaadKhrUten. 3 

Kop. 1869. Kit ciir»iv-irt«n Kürzungen gat» es K. Gislasoa 
tu den 'Atinaler for iionlUk oKlkjndighiMl 1B&8 p. hl S. 
UtTüua. Oitirt ist dieec Ausgabe unter Eine. A)t«r: «rsto 
Jalire de.t 13. Jahrhunderts. 

6. Cd. Holm. 15, 4", Sl(oildiolmer) H(omilienboch). Mit 
curiivirten Kürzungen gab es Th. Wiscn 187S 2U Lund Iteraus 
als 'Islindska Homilier*. Tgl. daiu Ij. Larsso», Studier over 
den Stockholmska Homilieboken. 1— II. Lund IHBl; Tb. 
Wisin, Textkritiska aiiinürknlugar til di>n St. H. ; L. Larsson, 
Srar p& profässor Wisäna ^Fextkrit anm. til den St. U.', Lund 
1888; Wis^n. KAgra nrU oiii den St. H. (Lund I8ä8). ArHv 
für nordisk filotogi IV. 193. Alt4.'r: ersXe Jalire des 13 
' Jahrb. 

6. Am. 673 A, 4 ". Jetrt iimi bcniusg. von V. Dahlerop : 
PhTsioIogus i to isbindtike bcarbeidelser. Atit Fac^imile. Aarboger 
for nordiskoldkj-ndighed 1889, 199 ff. Vorher zuin Teil von Tb. 
Möbio», AnaJecta*. p. S46 — 51, zuin Teil von B. Kölhing, 
^.ZtfiChr. t deutsch. Alt«rt. 23, 358—61. Glichen Altern mit 6. 
^P 7. Am. 673, B, 4^ jetzt heraosg. als PlilcitAsdr&pa öfter 
I H». 678 B, 4 •, etc. von F. Jorssoq. Separatabdnick aun den 
^K'OpniiCuta pliilologica', udgivut af dct pliil. bist. samf. Kop. 
^n887. — Gleichzeitig mit Nr. 6. 

^P 8. Am. 113 A. u. B. fol. — Am. 113 B. ist mit bei« 
bebaltcufn Kürzuiigvu und don abwoJclionduu Li-sailcn aus 
Am. 113 .\. abgedruckt in den Islendiaga »Ögur I 362 — 383, 
Kop. 1843. Etwas jänger ala Kr. 7. 

9. Am. 3Iö fol. litr. Ü. Mit cursivirten Kürzungen 
beraosg. von V. Finsen, Grägfis II 319—226, Kop. 1853. 
Kar wenig« Jahre jilnger als Eluc. o. St. H. 

10. Am. 677.4*, hcrausg. von |>. Bjarnarsou mit cui-si- 
[▼irten KOraunge» in dt'n Lmfar etc. Kop. 1878 pp. 1 — 16, 

9 — 160. Vgl. Üahlerups ßfcension, TicUkrift for filologi, a. 
T. IV. 149-54. Wohl otwfts jünger als Nr. 8 n. 9. 

11. Am. 931, uuoditi. 

12. Am. 645, 4". Der ältere Teil ist vortrefflich herausg. 
Toa L. X4ir»«on : Isltiodskii handskriften nr. 645,4' i *^^° Arnam. 

x- 




Specht 



itiDl. pA. Huiv^rHiti^tKbiMioteltet i Kop. i (liitlomatariskt aflryck,' 
I. Lund 1886. GK-icbzt-itig mit Am. 677, 4". 

Von dem etwas jüngeren Twil II !i«t mir Herr Dr. h- LarssctiuH 
in Iiel>enä\vilrrligei' Bereitwilligkeit eine eigenbändiffe Äb- 
sclirill überlastttiu, wufQr ich ihm hier meiiieu ijesteii Uank 
ausspreche. , 

13. Am. 65r>, 4 ", eine BAiumluiig värschip<]etii>r Fragmecta^B 
gMStlich«« Iiili(ütC8, vou dwieii U-IV. XIV. XV. XIX.^ 
XXIIL aus dem Anfniig des 13. .lahrhundcrtä stanimeii. 
VI ist aus der Zeit d«* Elucidarius, XXIIl gleichaltrig mtttfl 
-Am. 645,4". II. Iluratisgi'gybeii sind a) mit aurgel<jf<t*;i» 
Kürzungeu, wie alle Üugerhcheii Ausgaben, von C. R. Uiig'-r 
i» deii H(eilagi-a} m(anna) ä(ögiir), KrisLianiä 1877 : Frg. III 
iü Bd. II 41 -41). Frg. IV ia Kd. II 281—««, Prg. V in [ 
363—68 11 aao. öl.Frg. XV in I 27H. 79; b) diplotimlisch 
getreu sind von K. Gislason in den 'Um fniniparta istenzki'iir 
tüiigu f foruüld' (Kop. 1846) Imrau-fgegcben Frg. I p. LXVII- 
LXIX, vou Frg. II ein« Piobo p. LXIX f„ Frg. XXIIf," 
soweit i*liiiidiscb, p. LXXXII f. Die übrigen Fragmente sind 
teils unedirt. teils kommen tiie liier nicht in betracht. 

14- Am. 686 B. u. C, — B. ist mit beibL-haltfucit Kürxnngen 
h«ratisg. von |i. Bj anmraon , Leilar Iti? — 68, 175—79; 
Am. 686 O. diploniati!«cli getreu von Gislason, Frumpart:i 
0— C II r. Ungofiibr gleielizeitig mit Am. R4ö, 4", 11. 

15. Aui. 623, 4". herausg. von C. E, Unger, H. m. 8 It' 
9—14, 211—19, 236—40; I 23—27. 256—64. 265-60 und 
P(ostola)8(ögur) Kristiania 1874 p. 4.55— 65. Alter: ca. IS30. 

16. Xr. 137 fol. Kgl. Sinl.. berausg. von V. Fiusvu untor 
dem Titel 'üriigäs, Islaindenics Lovbog i Fristatens Tid efter 
dut kgl. BibUutheks Raandskrift' Kop. 1850. 52. Citirt unter] 
Grg. Kaum viel jünger als Nr. 15, Vgl. tudi-a K. Maurer,] 
Germanin 16, 1—17; Th. Möbius, Bibliographisches Ver-j 
zeichiitss, Leipzig 1880. 

17. Kgl. Sml. Nr. 1009 der kgl. üuivcrsitätsbibUothcll 
zu Kopenhagen, herauBg. von C. ß. Uiiger Kristiania 18H1 
uaterdcm Titel : MurkiQ^inna,Pergamentäbog fra äirsteHaIvdeeLl 







afilet trettendeÄarliujidretli'. Vigfusson (a.n.O. CCXIIdaürt: 
]£t>0, dor HcruiisgebtT uikI Möbius, Anal*X\'II u. a.: Kietnlicb 
Eoitig in der ersten Hallte des 13. .lalirliundertü. 

18. P«rgamenÜuintl8chrifl der grosse» OUfitag« heraus^;. 
TOD P. A. MuDcIi & 0. B. UngcT iils 'Saga Olafs knnuuc^s 
ens helgaS Kristiania 1853. Aosführlichere 8ngA von Küiiig 
Olaf dem Heiligen nach der ältesten vollständigen P<?rgament- 
bandscbrttt in der groKscn kgl. Bibliothek in Htockliolm. 
Alt«r: 1. Hälfte des 13. Jahrb. 

19, Aiu.291,4". Danacli iitt von C. afP«ter8«DBhereiu8g.: 
.[('imsTikittga sag» efterAm. 291, 4" i diplomatariRkt aftryck. 
Ciürt unter Jämsr.») Alter: 2. Hälfte des 13. Jiilirb. 

. 20. Am. 334 fol-, Sta<r';(rliAlabük. Von V. Finsen herausg. 

■als GrÄgÄa efter Am 334 fol., Kop. 1879. Citirt unter OrÄg. 
Alter: ca. lS60-128t). 

Für die folgenden Hss-, soweit sie die Gr&gäs betreffen, 
folg« ich den Angaben in 'Gr/igAa, Stykker som ßndes i det 
A. M. HMtDdskrift Nr. 3ßl fol., .SkAlboIt«)>ök og en Bffikke 
andre Ha-^ndskriftcr' Kop. 1883, p. XXXVI ff. Dieselben 
»ind mit karaivirt«n Kürzungen hemnsgegcben. Citirt unter 

[ 8käUi. 

\ 81. Am. 279a, 4", ]iingeynib6fc, Lemusg. Skiilh. p. 379 ff., 
Pncsimile V. Alter: ci. 1280. 

23. Skiniibokon Nr. 7. 4 " der kgl. Bibliothek 20 Stockholm. 
Danach hat G. Oederschiöld berausg, 'Jömsvikinga sag« efter 

Skb. 7, 4 • 'in Lunds nnirereitets irskrift. XI 1874/75. 

Ciürt oiiter .lömsv. Vgl. auch R. C. Boer. Orvar • oddssaga 
LeideD 188S. — Alter: Anfang des 14. Jahrb. 

I 23, Am. 675,4*,ein FragmentdesiitlandidchenEIuddftrius. 
Abgedruckt mit b<-ibchalti'nen Ktirzungon von K. (Jisilason 
in den Annaler 1Ö58 p. 99 ff. Citirt unter Ekc II. Alter: 
ungefähr 1300. 

t 84. Am 132 foL Danach ist ron H. Gering berausg.: 

Finiiboga saga hins raroma. Haue 1879, Alter: ca. 1300. 

25. Am. 315 fo^.. lilr. A. Skülh. p. 447 ff. Alter: ca. 1320- 



8]>eclil 



4 



26. Am. 346 fol., Sta9arfel)st)6k. SkAlh. p. 55 ff, Facti, vfl 
Alter: ca. 1330. 

27. Ära. 173 C. 4*. Sfcälh. p. 275, Paca. VI. Alter ;_| 
ca. 1340. ü 

28. Am. 34'la, i", bcnutst von 0. B. Boer fiir di« 
Qrvar-oddssaga, Leidt-n 188H. Alter: ca. 1350 bis 1400. 

29. Am. 675 B, 4", älterei- Teil, zu gi-mide gelegt in H. 
Gering Iiilendzlc ^ventyri, Halle 1882. 83. Alter: ca. 1360. 

30. Am. 351 foL, Sk&lholtsbfik. Skilh. p. 1 ff., Facs. VI. 
Alter: ca. 1360. 

31. Am. 226 fol., Sammelhaudsclirift. Nach üir siud 
herausg. 1) von Unger: Stjörn, Kristiania 184B, 2) Ton Q. 
])orl&ks8on : Gyäinga eaga, en bearbeidelse fra loidten af dct 
13. irh. vcd Brandt Jönsson, Kop. 1881. Vgl. ferner 
K. Gislasoii, Fnirapartar TX— XI. Alter: ca 1360—1370. 

32. 347 fol., Bflgsdalsbik, Skälh. p. 93 ff., Fac8. VI. 
Alter: ca. 137Ü. 

33. Nr. 1005, 6ml. kgl. Sml. in der kgt. BibUothek zu 
Kopenhagen, Flatfjjarbc'ik. Mit aufgelösten KUmingeu in 
drei Bänden berausgegobeu Kristiania 1860. 1862. 1868. Die 
älteren Teile: ca. 137ü bis 1380. 

34. Vatnshyrna oder Codex Besenianua, verbrannt 1728; 
\gl. Eyrbyggja i^^aga, herausg. von G. Vigfu880U, Leipzig 1864, 
p. XXIU ff. Alter; ca. 1380. 

35. Am. 135,4«, Aniavbreliabök (Skälh. p. 147 ff, Facs. Yl). 
Alter: ca. 1380. 

36. Nr. 1008, ThomaBskinna . Gml. Sml. der kgl. Bibl. 
KU Kopenhagen, zu gründe gelegt dem Teil LI von 'Thomastiaga 
erkibyscups', herausg. vou C. R. Ungcr, Kria. 1869. h 

Die beiden ältesten Teile aus dem Scliluss des 14. Jabrh. 

37. Am. 657, B, 4*, Teil C, benntzt von H. Ger 
Istenäzk iEventyri. Alter: ca. 1400. 

3B. Am. 158 B, 4^ Skälfa. p. 193 ff. Alter: ca. 1420. 

39. Am. 173 D, 4^ 8kjll]i. p. 465 ff. Alter: ca. 1420. 

40. Am. 162 B. fol., sieben lose Pergamentblätter, von 



Dri.^ 
120.1 



J 



7 Nonre^Khe HuiibcliriftciL. 7 

denen ein Blatt bvrausg. bei H. Gering, Finnbogasaga, XXI bis 
XXrV. Alter: 1. HiÜfte des 15. Jahrh. 

41. Am. 238 foL. drei Bruchstücke (A,B,C^dv«i8)S]tdifiohcD 
Elueidarias, diplümatisch getreu herausg. Ton K. Gislason, 
Annaler 18S8. Citirt unter Elac. HI. Alter: 1. HiUrte des 
15. Jahrb. 

43. Am. 604 A, 4 ", der Universitätsbibliothek zu Kopen- 
hagen, zu gninde gelegt, mit Nortnalisirang, iu den 'Kiddarft- 
rfniur' , efler Itanilskrifterna utgifua af TIl Wib^u. £op. 
1881. Alter: Uitte des 15. Jahrh. 

43. Am. 136, 4", SkinnastaSabök. Skälli. p. 463. Alter: 
CA. 1480. 

44. Am. 148, 4 ^ SkAlh. p. 369. Alter: ca. 1480? Aniam. 
Cat. I 103 iodes: Alter: 1651. 

45. Am. 471, 4*; zii gmnde gelegt iu 'KrükareGfsagft 
Og Krökarefuimur' von P. Pül»>Mti. Xop. 1883. Vgl. J. 
Signrffaaao, Isl sögnr (1846) II p. XliVIII. — Alter: 3. 
Hälfte des 16. Jahrb. 

46. Am. 68, 8* Skälli. 231 IT.. Alter: ca. 1500? Nach 
dem Amam. Citt p. 36 aus dvm 17, Jahrh. 

47. Am. 510, 4 ", mitbenatzt in Gering Finnboga saga, 
za gründe gelegt in C. af PetJT^i-iis' Doctorschrill: Jörn»* 
vikinga saga samt Jömsvfkiuga dräpa, Land 1879. Alter: 
ca. IfiOO. 

48. Am. 551 c, 4*, zu gninde gelegt id K. Kälimd'a 
Aa8gsh«:'Fljütsd(ela hin moiri eller den Ucngere Droplaugar 
8onfr«aga, Eop. 1883. Alter: ca. 1600—1630. 

49. Am. 181, 4 * Skiilh. p. 291, datirt vom 29. Oct. 168.5. 



n. Norwegische Handschriften. 

1. Aid. 655, 4% Prag. IX A. B. C, Ton C R. Unger 
heransg. in den H. m. a. II 307-309, I 369— S71 und 
P. B. 883—25. Alter: 12. Jahrh. 

2. Drei Pergamonthlatter im iteich»archiir zu Kristiania, 
mit kursiTirten Ettrznngen heransg. in O. Brenner Speculum 




Speolil 



regftW, Müuchfii 1881, pp. 6—16. 21—33, 24—27, 85—89. 
Citirt uutei- Fr. N. AUl-v: Aiilimg de» 13. Jahrh. fl 

3. Drei in Am. 315 fol. (.'titlmlteiK! Fragmente des älteren 
Qnlutliingisfti.'^setx'j», Iicrausg. von R. Keyser & F. Ä. Aluiich 
in ihrer Äusgsbc *N(orge8) gCanile) I(ovo)', I lll— 115 ihi1> 
Ca, Cb, Oc. Uügefalir gleicliüeitig mit Nr. 2. . ^H 

4. Im Reichsarchiv zii Kristiania aufgetiiiMleneH Fragmen^B 
des iUtereiiGuUitliiHg8gest^^tze»(N. g. 1. II 495—500). G^leidi- 
xcitig uiit Nr. 3. fl 

5. Ebenda au fgc fluiden es, Fragment des älteren EiSsiva^" 
tlüng»> oder BorgarthingsgesetzeH ; cf. K. g. 1. tl 522—33. 
Gleichzeitig mit Nr. 4. d| 

6. Am. H19i 4", das norwepiscbt- Homilivnbiicli , als' 
Gramme I norsk Hi>mili<?büg mit aufgelösten Kürzungen von 
C K. üiiger Kria. 1864 Iicrau8ge,ij;eben. Älter: Anfang des 
13. Jahrh. 

7. Am. 243 B. fol., unter dem Titel 'Speculum regale, 
Mflncheii 1881, mit aiifgelüüteu XUrziingen von O. Brenner edirt. 
Etwas jünger als das ICorw. Hum. ^^ 

«. Cod 23.i, g, 4 ", Ny. kgl. Sml. der kgl. ßibl. zu Koi)en" 
hfl^en, hernu^g. mit cursivirten Kürzungen in O. Brenners 
S]>ec reg. p. 89—93- ^ 

9. Cd. 137, 4 ", '8 donatione varioruni', in der Universitäts- 
bibliothek zu Kopenhagen, llaupthandschrift des alteren Ciu- 
lathingsgeActzea, cf. N. g. 1. 1 3 — HO, Wohl gleichen Alters 
mit Spec. reg. 

10. lu Am. 315 fol. euthaltenes Fragment des älteren 
GolathingagesetKea. cf. N. g. 1. I 115- 118 sub D. Uugefdhr 
gleiciiKeitig mit Nr. 9. 

11. Brei im norwegiach^'n Kcicbsarcbiv aufgefundene Fnig- 
mcnto des älteren Frostathingsgesetzes, cf. N. g. L U 501 bis 
615, 520—21, 621. 22. Uugcfiihr glcicbzwtig mit Nr. 10. 

12. Zwei in Am. 315 fol. enthaltene Fragmente dfs älteren 
Frostathingsgesetzes und ein ebendat^elbsl vorhandenes Fragment 
de« Bjarltörecbtes, cf. N. g. 1. I 121 ff. sub X, N. g. l. I 
121 »üb y N. g. L, I 834—86. Gleichzeitig mit Nr. H. 



J 




13. Cd. 8 fol. (Ii'r Delagardescliim 3lftuuskriptsa.nimliu)g 
in der Unicenitätflbibliothek zu Upsala. die 'legeiidarisclic 
Ol&fsaga', Iiei-ftu»g. von C. R. Uugßr (Krin. 1849) uiiU-r dem 
Titel: Olnf» eaga hius bciga. En bort Siig» am KoDg Olaf 
dea Hellige fra auden Halvd^el af det tolfte Aarliiindre<tc. 
Wohl aas aar Mitte des 13. .lalirli. 

14. Cd. uiL-mbr. Nr. 4 — 7 fol. dcrDcIagai-doscliouMauuiikript- 
samtulang tn der Upsaler UDiversitütsbibliotliek. Blatt 17. 
S— 43 diese« Cod. sind mit aurgf-lilstoi) Klir/imgen (Kria. 
ISöO) TOB R. Keysei- & C fi. Uiigi-r hcrausg, unter dum 
Titel : Strengleikar edia Lj63'al>Äk. Eine Sammiimg rotnuntischer 
Krzählniigeii nach I>r«toiiischen Volksgesäiigen (Laift). Ueber- 
6i'tzt auf Veriiist^iltuiit; von Küiiig Hnakoii HaakoDS^uii auit 
dem Französisctien ins Noi'disclie am die Mitte des 13. Jalir- 
boiiderts. 

lü. Pergnnientscodex Nr. 6 fol. in der kgl. Bcliwetlischen 
ß«iclisbibliotlick, zu gnind« gelegt in Key&er & Uiigcr's Aas- 
fiab« der Barlaams og ■loHaphats Saga KriatianLi 1S51. 
Alter: Mittfl dps 13. Jahrh. 

16. Meli, 2 in der kgl. UaiTenjitätabibliollick zu Tübiiigfu, 
beraoAg. von G. Sierers als 'TUbingoi* brncbstflclie der älteren 
KrostnthiDRslÖg', Tübingen 1886. Alter: ca. 12fi0— 1270. 

17. Cd.Nr. 17, 4 ", norwegisch-islündiBche Pt^rgninentbaDd" 
scbiid io der kgl. Bibl. zu Stocklmlni, abgedruckt in 'TfaooisB 
&aga erkibfskaps', Teil I. (Ausgabe von 0. R. Uuger, Kria. 
1Ö&9). Alter: ca. 1300. 

18. En nolitsbog paa vostavler fra middeialderen vod 
H. J. Huitfeldt-Kaas, Kristiania 16ä(i. Alter: ca. 1300. 

19. Cdii. Nrr. 98 a. 99,4", der Univoi-siUitsbibliothek in 
Kopenhagen, bi/ntusg. von P. A. Muncii (Kria. 1843) unter 
dem Titel: Codex diploiuatarius tnoDasterü aancti Michaelis, 
Bergcnsis DioioesiH, \-uIgo Muiikalif dicti, conscriptus auno 
Chr. MCCCXXVII. 

Uan vergleiche ferner das 'Biplomatarium Nonegicum", 
Kristiania 1849 ff. bia jetzt, herausg. von Lange & Uuger. 
Ain. 3ä5, (8), 4 **, eudlich ist eine nach einer norwegischen 



10 



Spwdit 




Vorlage abgt-Khriebene iulRndtsche PergarüenthabtUehrift; si« 
ist (Kop. I8U0) <)iploinati»ch getreu ron V. Dahlemp herausg. 
nntfr dem Titel: Agrip af Noregs konung« s^gum. Nicht 
viel junger nls Am. 677, 4". 




I. 
Schicksale der Uvdio-PasHiv- Endung -sc in den iaiä 
dlscheu Uandst-hiiften. 

Das eigcntliclie 0enii.ixeic1ieQ des Medio-Paesivs in den 
Jltcstcn islämliäclicu Haiidsclinften ist, wenn wir von den 
iN«t«u Personen absehen, sc rcsp. -»k. 

Die Sclireil/uiiir -»k fUr diese Enduitg tritt immer nur ver- 
einzelt aut 8o hat zb. L. Lursson im Cod. 1812, 4", fiO -«c 
neben nur 2 -»k, im Cd. Am. 64ö. 4 ", I 44ä -■■•<: neben 8 -tk 
gefunden, und ich habe im St. H. neben 1018 Endungen -tc 
nur 6 -tut gezSJiIt, ungerechnet da.i Dutxeud -zk netien -^fl 
Einen ähnlich geringen Procentsatz von .'t-formen «inl dt* 
Xhirchforschung der Übrigen alten Handschriften ergeben. Auf 
die Verwendung von -»A oder -*c (vgL auch L. Larsson, Am. 
645,4", 1 p, LXXII)hjit sich somit ein Unterschied nicht er- 
streckt, wie der für die Benutzung der einfachen Zcichtn h 
und (.-, dass nämlich k vorwiegend vor hellen Vokalen, c an 
allen anderen Stellen eintritt (vgl, u. a. Holtzmann, Ältd. Gr. 
I'105, Dahlcrup, Ägr. p. XXV; E. Sievcrs, Literatnrbl. f. 
germ. u. rom. Phil. 1882 p. 51, Tübinger BnichstQcke der 
ilUeren Frustuthingslog p. 14; h. Larsson, Cd. 1812 p. XVI, 
.im. 645,4", Ip. LXXII; Noreen, An. Gr. § 40; Dahlerup, 
Aarbflger I88d p. 2al). 

Vor diesem m vurcinfachten sich verdoppelte VorscliUiss- 
laute oder Spiranten (HofFoiy, Altnord. Consonantenstudie», 
B. B. ?.. K. d. idg. Spr. IX 57): l.Utr Eine 4„ filr •Wt'wl: 
•Wf « -«A. /wi (= */thk. */ekkfk} Am. 645, 4 ", I 27^ prert 
ebenda 83„ o. 16, meitk (Part. Prt. Refi.); St. H. ffritk 
f= »griU -«t vcm gripatk) 156^^, «rtnc (Part Prt. Refl. von 



A 



11 Die l[t^diopftMiv«ndllng«n in den isläaOitcheu UnnJMlmft«n. H 

t^atk) &4.„ mecuk (P. P. von mUa*k) 128^ ; Morlt. /ertk 226,, 
/nrs 208,,; OH. /«er 2I,„, 67j,ff., g*t' 194, u. a. — 

TriGß K auf eiii ( oder li. so tritt es mit demselben, 
ebenso wie mit dem p unbetonter Endungen (vgl. Qber dae- 
sdbe DaUemp, Agr. XIX. XX.; Hofforj-, Aa. Cons. 30, 
31 Anm. , L. Larsson, Am. 645, 4 ", I p. LXV und LXVU; 
A. Noreeo, An. Gr. § IfiS und Grnndriss für gi-rm. Pliü. I 471) 
>(« zusammen ; Tgl. aus dvm St. H. die Partt. Prtet. j'aritec 
169„, ntrapette 131,,, vüraUc 132^, mtrUuc 19.5„; die 3. Sg. 
Pr«8. 1ml. »tmze (— •j««(-*i für **tem!iik) 31,, 142,,, Aelh 
(^•lullfk Kr *MtUk) 71g, and die 2. Perss. Plur. Pms. 
UpttM I95jg, gfritse 163.jp u. s,w. aus "bipep-tk, *gtrip-ik. 

In einigen vielgeliranchten W'örteni geht selbst das wurzel- 
hafte p Tor dem * der Reßejuvt^nduDg in t über: qmt»c 8t. H. 
7„ 9„ 95j. Am. 677, 4", 70„ 126,„, Am. 645, 4^ 11 112^, ; 
hr^uk St H. 192,,. Am. 677, 4", 27,^ 46„ filr qvapee (St. H. 
139, 153,, II. tt.) und Ar/;u<- (6inla.soD, Um fruniparta UleuKkr* 
ar tüogH i fomöld p. 93; Hoffory, An. Ccms. 31). 

Für und neben diesem u verwendet Am. 237 fol. das 
ZeiciicJi C {vift^k .1, für vitrazk St. H. 132^), diti Pläcili'i-tdräpa 
r« (jätflc 4.), te, tfe (Irmflc 4,,, retck B,, hehc 9j, litfe 9,, 
nebcD titt 9,,) und : {»udlz ],„. Im: 10,, u. a.). Dieses ; 
Ua u verwenden noch in der Minderheit der Fülle neben Es 
Cd. 1812 (zb. yV-'c 32,. /:"--r 31, „ neben »*(/-31„), Am. 677, 4% 
(»3. Hrtzcpu 129,, 135,, neben hrttte 27,^ 46„) und St H. 
{I.B. /»«»«c (3 PI. Prs.) 62„ aber öeUe 87,„; lizk (3. Sg. Prt.) 
58,,, oifc* (P.P. Kfll.) 76,,, aber malluc (y. P. Refl.) 195„ 
o. fi. C). Mit der Abfassungszeit von Am. 645, 4*, I ist die 
Schreibaag (s durch die Schreibung z verdrängt. 

Den Lantwcrt dieses ; als '* hat I. HotTorr (a. a. O. 69 ff.) 
sof Unind der älteren isländischen Haudscliriften festgestellt. 
PUrdeoaelbenliautwertdes: auchüi den späteren Handsehriften 
sprechen genau dieselben Grtlnde. Ich begnüge mich daher 
damit, auf einige verbale RofiexiTformen der späteren Hand- 
Khriften hinzuweisen, die durch ifai- -f; neben gewöhnlichem 
bloenen -s di« Existenz des l -= elementea beweisen : gtritts 



13 



SpMbt 



IS 



(3. Plur. Pi^.R*fl.)Grg.II161^,jUÄot (P. P. R<.fl.) Gig. T 
17»,,. setjau Am. 344 a, ^'», 102,^, i«rt; Flatey. b. I 33„, 
biou i braut OH. 13„./mV(;CP.P. B«fl.) Grßg. -168,„ ebeiwo 
»wüfcr 86,, und selbst teku (3 Sg. Prs.; vgl. tone StrengL 40,,) 
Thomassaga (Frag, aus der 1. Hälfte des 13. Jaliili.) 473,.. 
DaüH fripxftz (Superl. neben j'rlpmt) Grg. I 83,^ u. a. 

Gelegentlich gt-lit dieses : {^= ts) in <p und f> Üb^r : 
Ägr. 19« heipt (=belat), 67,, bwphi. S% qvapc (= <jv<u<^), 
51,, iu^e (s= ftoii-), 31, gerap pa {= geraz pa) U. s. f. (siehe 
bes. Bugge, Äariwger 1870 [>. 19'i; Dahlerup, Agi-. p. XXI.; 
Noreen, An. Gr.§43; über denphoiietiscben Vorgang bei «iQcm 
Wandel von /? > tp, p handdt K. Lenz. K. Z. 29, 27. 44). 
Vtrcinzfiti! Fonneu wie «;/'*■ (für sfjf) Cd. 1812, 4", 31, und 
andererseits undraziee (fiir uitdiapi»/- 239,,) Am fi23, 4 ", H. m. 
s. 239; und ivoz^ir (für impr:r) Leg. Ol. Sag. 13,,, sind da- 
g«g«n wohl lediglich vcrsclirii-beu. 



I 



1. Entwlckelniig der Endung 8c>'Ze>'Z. 

Nftcli den gemnchten \'ot'1ii^mi:-i'I(iiii^en haben viralsMedin- 
I^usir-Bndung zu erwarten: :<■ rcsp. '>"•, wo *•■ Kaclibar eines 
(, d oder p (unbetonter Endungen odi>r im Stammausguiig häutig 
gebmuchlor Wßiter) wurde, an allen übriKon Stellen -»c. Dieser 
Zustand wird frühzeitig in verschiedener Hichtimg durehbrochen. 

Diese Thataacben werden wir im folgenden durch über« 
sichten über das betrefTendc Material feststellen und in einem 
anscldiessenden Teile zu erklären versuche». h 

A. sc an stelle von zc (tsc) 

zeigen: in Am. 113 A lÜ: B die Parti. /«nV 371,, jfrootk 
B 379,: im Pbys. ghl-tfe (?) (2. PI. Prs.) IX,, in Am. 677, 
4 **, die 2. Perss. Plur. h^p'iM h%^ (aber lirepUc 20,), deltli: 
43,, und da-s Part. Prt. mninr,- 146,„; in Am. 645, 4*, I vmh 
rapMc (P. P.) ii„ ; in Am. G45, 4", II W« do^c (P. P.) ISl.^; 
in Am. 623, 4", die Partt. yyr»> mehc H. m. s. II 217,, vmb- 

8. 461^0, muhe 



rapi*c II 12,,. ""iiük 1 S62,,. lignarc P. 



P. 8. 462s "1*^ 'l'*^ *■ Perss. Plui-. i/itf H. m. s. II 9^,, hrepite 



13 Die UcdiopOMivciKluaj!«!! Ea (l«n itl'iiidi><;}i«a iLuHbchrifton. 13 



II 9,„ ttyrkxtc n 31-%., hr.J>bc l 266,s, A'-X"-; I 263j„ 
»«<«*«■ P. s. 462„; ixi Uorkinsk. fUnn.' 105,,, vgl. ilt///it/>c 
St. H. 1S2„; eniUich qmfc Am. 677, 4% 87,, 92j. ^ua^jfe 
Am. 65S, 4", IV {Löifar 282,,,) und in deni norwegischen 
Am. 655, 4 ", IX C (1*. s. 824,,) nelwn >/mU.: St. H. 7^^ 9,„ 
95,, Am. G45 U 112,,, Am. 677, 4", 126„ et«, und .jeoPf-o 
8t. HL U9. 153,, a. 8. - 

Ofta cntspi-ecbontl zeigen aucU einige Superlative -it an 
tttUt TOM 'it: <iff'-*tr Am. 113 A & B 376,,, helA Am. 677, 
** 6« 7a 13j. A'^'Ä 7.» ö«l>en httt/t St, H. 107„ 1H„. 
t/h- PläcitHsilr. XIj hfben öf/fer» 9„, Am. 655,4", IV Aeiil 
(Leifkr 283,) u. a. (Uebcr MiA, hfltt u, s. w. vgl. noch 
Hoflbrjr. a. a. O. 8^, Anm. 2.) 

Qitafk kaut) nun diu Hi'flexivforni zu der von Sievera 
(P. B. B. 6j,,) t-r&ciilofi&eDen, in der jungen Finnboga zweimal 
— allerdings vor /u (NuriMMt, An. Gr. SÜ9 ÄJini, 1.) — bi^lcgttii 
Pr«tetitalfonn kva sein. JedwilaUs spvtcht KU-iSK auf d«m 
Kuueoatein von Aars Itli' ein betrilcbt liebes Alter der Form 
knuk (Tgl, Biiggo, Tidskrift 18fiÖ,t>7 p. 250; V. Ö. Thorsen, 
D« daodcv nuivmiodi-jniäTkLT I 33, U 103). 

Die Übrigen Bildungeu verdaukun offeub&r 
dorn Übergewicht der Fortucii mit blossem ac resp, 
»' aU Endung; ihre Gntstoiiung. Denn an ein« Äugleicliung 
de» DentaU an das folgende « oder etwa einen Auelitufer der 
•cbiMi urgermitDischeu Vemiclitung eine3 Deutais vor e, in der 
Regel «+ CoDsuiianl (got. x« au» gcrm. "x/t, .1. Schmidt, Idg. 
Xeutra 230 Aum.; g. andavkiin neben vUtt n. a.) ftir diese 
Furm«ii zii <Ieiil«'U, it,t durch d;is Danebeidiegen der zahl- 
riitbcrcn regeln-fbltn <*, - in dcrsi-lbin Uaiidscliril^ verwehrL 

Einen grüaseren Umfang gewinnt 

B. AtA Kin drin gen von : an die Stelle rOQ 8. 

a) Die Übersicht über den Stoff 
seigt ans 

(t) z an stelle Ton s, sc der Endung dea Mediopassivs< 
Das Eindrbgen eines t vor • bat noch U und nii seine 




spracligeschichtliclie BcgrüiiduDg (Hoffor}-, a. a. O. 78 (. ; Mogk, 
Anzeiger fUr deutsch. Alt. X fi2 f.). In dieser Stellung ist ts 
daher am früLcMten ht>imi3ch. leb nenne von reflexiven Ver- 
bulformeD und Superlativen verwandter Art"): 

Cd. 1813, -1 ", i-i„:c 26„ St. H. /jv.-A 8, 82„ 121„- /""" 
8,4 neben _/i"A-«i! 91,,. „, mif/stu 192^, nnn:ptt 68,,. ,,, in Supcrll. 
iNtto 80,, (Larsson, Hoffory ; itiiito WisÄn, die Vermitteluugs- 
Kchreibung nach iA'atj- 11Ö,„.,,, iN«ta 103^, 12.\), Wn;( 126, I 
neben mimi 157,„ 207,., uuNtta H0,„; Pbysiologus ßnzc \ 
248,,: Jimc 249,; Am. 113 A & B j'aNzc 370,; Am. 315 fol. 
litr. noch iml* 22J,; Am. 677, 4 ", nmc 64,o.,«,/<"i« 60,j 
neben yitiA' 36,<, und w(«/l« 37,, 39^^ 42„,, Superll. mimt 96„, 
min:(o 76,, Mtnrfan 105, „ »eben "li"^" 37,„ 39,, 42,,. ,,.,,.,„ 
138,j, im'jt/lo 38„ 60. : Am. 645, 4", X/aNie \ 8,. j. ,, 22,.. ,„ 
23, 90,, Janzk2.Q^^, kein/ajvat; witjvif 18,, mtwi/ 19,,, min:. 
116,4, '"^'^ '"'""'• 

Mit der Abfassuugszcit von Am. 645, 4", I — dem S. 
Viertel des 13. .Tahrliunderts — ist ( in diesen Stellmigcn 
auerkouut. 

In den übrigen Formen macht es erst seit dieser Zeit, 
in der die Schreibung to gegenüber ä verschwindet, eigeutlicbu 
Fort»chriltf. 

Im St. H. ßuden wir unorgauisches ( in minnette 110,^ 
(3. Sg. Prs. Conj. Refl.), opiaUc (Iiif. Pr»8,) 168,,, ^tal»t (3 PI. 
Prs. Ijid.) 96,, und in f)_i»tfit<j (3. Sg. Prt. Ind.) 144,,, bei 
welchem, entsprechend qvülagik (Part. Prt.) 156,, (Larsson, 
Hoffor}- a. a. 0. 21; Wisßn: ^ixlanrk) und /orp,f4le {2. PI. 
Pl-8.) 104^ wie auch «"«/«rt.- (Part. Prt.) Am. G77, 4», 139„,, 
das UmstoilungszcicUcn für « und ( vergessen oder undeutlich 
geworden sein konnte; ich erinnere r.b. an WisgD-Larsson's 

in 



M 



Streit, ob lelkx oder icLtk 60. steht u. a. D«s zweite et 



*) Statt n» wird b Jen Hm. meist S geschrieben, auch ii kommt 
rop, — Vcrlmirorraen und Superlative kuf lU begegnen Hu«*crli&lb dei , 
Wortes iwlda & h«ldr kaum. i 



t 



15 bte Uediopunrendnngeii tu d«n isländiicbeQ BandMhririen. 15 

fyatate könnt« allerdings nach dem ersten lediglich \er- 
schriebcm sein. 

In Pläcit- dr., Am. 677, 4", und Am. 645, 4",! fehlen 
Terb&le Beflexivformen mit unorgaiiiscliom -l» resp. :. Am. 
9il, 4^ ixt leider uocb unedirt; es zeigt wabraclieinlich hier 
einschlagende Formen. Denn in dem allerdings etwas jüngo- 
reii Am. 645, 4*, TI babeii schon ein Drittel aller Formen 
Uo«w» 2 aU Endung (67 postvocalische -x : liH pustvocaü- 
schen -4C + 6 poetconsonantischen •*■:), ZwiKchen -sc and -s 
in der Mitte el^-ht i\m -;c iji wfce 112,, und etwa in UUc 
llÄj^. Am. 665, 4", zeigt in seinen älteren Teilen an ;-fi>rmen 
Ulk H. m. s. II 42„.„ und vpp !w:k H. m. s. II 44,^ ^^ 
*taHktk, etw a eine Erleichterung eines vorauszusetzenden 
•Ändb* (Tgl. ufze Am. 64511 112,,, /-rti/rc Jlork 129,, u.a. 
inder Art von (//t (= (W-d) Am. 181». 4", 37,,, jeyr(=^j!'(..) 
Agr. 36„ etc., wenn Hoflforj-, Altn. Cons. 74,, und Noreen, 
An. Gr. § 194 Anm., darin Beeilt Imben, da-ss in dem in dieser 
fiaadschiift nichrnials für j- emchoinenden : {aviztar, o:n, 
heHoi) eis dialektischer Übergang van ^ >f« zu sehen ist. 
In den erhaltenen Resten von Am. 686 C finden wir nur -«■. 
la Am. 686 B aber Inuigen nur noch 7 Können am allher* 
gebrachten ->c (postvocaUscb)^ 14 huldigen dem neuen -s (posU 
ransonantisches r nur in /rrvp: 178,^); ^ilattze (3, Sg. Prt.) 
I7a„ steht iu der Mitte, neben ihm die 2. PI. Prs. **;.- I79,j. 
Am. 683, 4 *, scheint einen ctwasälteronZufitandwie^lonUGpiegehi. 
Bier hat die Mittelpart«i -ze (28 Formen) im Bunde mit dem 
altadeligen ■»< (160 [xwtrocalisch, 6 postcomwnaDtiiu;h) dem 
extremen -s nur 4 Sitxe Uberhuisea {arplaz Hl H. m. h. I 268,^. 
mmat tÜ I 267^,, mtdrapü pmmt I 27, + mimtu I 23, ,); die 
IS Ton Alten her berechtigten zc (in 2, Flur., Part. Prt„ nach 
tm, p, (/. () haben 13 unorganische -zc nach »ich gezogen 
{räpue ^ H. m. s. n 216,,; (Aau») mäaäze I 268,, (hann) 
hreddize V. 8. 456,,, (Aan«) ryndize H. m. S. I 26,,, 
miKc I 23,(; Inff.: ottazi II 215,,. vp koi>Mzc 1 266„, vip 
tarne 1 263,,, egnact: I 25,,, eomazc I 27,,, wim«- P. 8. 459,, 
tänaic F. s. 460,, a»d hrtddxize I 257,,), dafUr aber an -m 



16 Specit 16 

wieder 13 Plätze abgetreten, die p. 13 genaimteii 3. Flor. 
(Itfrkisc, ifUf, href>isi; miiUe, pickUc, und Parti. Prt. umb rajnsc, 
bgpUf eignasf, f^rir melte, twme, tnuitk. Im Cod. reg. der 
Grägäs ist die -:c ^ gmppe auf 17 znsammeDgesclinimpft 
(14 davon postcoasonantiscli, 3 postrocalisch), zc zählea vir 
46 (36 postrocalisch, 10 postconsonantisch, darooter die 3. 
Perss. Sg. Prs. hef::- epp I 29, 36,, h>fi:e II 86^, »eäzü I 
224,,,), von denen nur etwa die zc in den Partt. gerzc I 73, 
und telhe I 313,., sowie die Formen mit Bewahrung des stamm- 
hatten ( lat:l: I 42i„ 51^,, ItHze I 131^, letzt I 42,, ihr Becbt 
verbrieft haben. Der -- sind es 613 (postvokalisch 513, post> 
consonantiscb 100) geworden. Dasselbe Spiel in der Morkin- 
skinna : 950 -:: (nach Consonanten davon 94), 112 -zc (37 nach 
A'ocalen, 75 nach CousoDanten, darunter die Inff. ittaze 194, 
und minna:c 188^, und die 3. Perss. Sg. pra/zc 129,, und 
l;/i:y:c 215,„), 152 ji- (54 davon postconsonantisch) und die 
vielleicht zc zu lesenden -( in frattrazt mioL- (Inf.) 106., und 
ijre:t 62,,; und ebenso in der O. H.: 1250 -: (ca. 100 post* 
consonantiscb), 21 -zt' (darunter hua/estizL- (3. Sg. Prt.) 73^^,, 
emirazc (3. PI. Prs.) 223^, jahzr (3. PI. Prt.) 18„)und 17 .*i 
(ohne danebenliegendes : oder -c darunter barsc 71^, 73.,, 
btnc 215,j, j'ahc 39„, Ulsc 10G„). Die Jonisv* zeigt 370 
■; (postconsonantisch 25); 45 -rc (uur einsilbige Formen, 
darunter /W-i 36^, 50,,. r-rpzL- 52,,): 11 -fk ((wr/i 112,4, 
J.i-rk 4„ IS.«.,,, 43., rpyrfk- 21. 42,', 48,,, ^Icelfk 43„ lelfk 
58, und koinf-- 119g). Die Staffarholsbök bringt 900 -.- (davon 
126 nach Consonanten). 12 -:c (unorganische Formen : amlazc 
92jj. f-izc 137.. p,iri,azh 320,; dazu .•<rt:c 341,,, mel:c 299,, 
308^„ 356,) und 57 -«<■ idarunter 54 einsilbige Formen, in 
denen fast immer dem xc ein r. l vorhergeht). Eine. II, um 
1300 geschrieben, hat nur noch 3 -ei- {herf l-iO.. jorft: 114,^, 
/iliop£ 115,, der Annaler f. uord, olk, von I85S) zu 12 uner- 
warteten -;i- \3. Perss. Sg. Prs.: kiiUi>:c lOU^,. rokkdzc 111,,, 
/jru-.: 101, j, Awfcv 99,., :ir?i.-,- 106,,: 3. PI. Prs.: ß/izc 
138,, P/A.-i- 100,, hra(i)nr<i:c 136,, h/fuzc 99,,: 3. PI. Prt, 
£öSczc nO^ri, ^i/rkSrze 106,,; Inf. /dr.i,.- 114,) und 200 post- 




1 



[Me )lediopui»-oa«lan(«n in d»D UUndischen UamUcliriftcD. 17 

Tokalischen -:. piageynMk hui -k aur iii tehJt und ptnzk 
(SkÜh. 401, & 605J und Am. 315 fol, )itr. Ä (circA 1320 
geschr.) in i*rfk (Skälli. 453.). sonst -r. 

Cm 1320 ist swmit der Sieg dvs blossau -: auf der gaoien 
Linie eut«cliicdcn. Id dem vielleicht noch etwas älterea Cod. 
Hulm. 7, 4°, (Jomsv.) und io Am. 132 fol. sttfht kein e'umgtsa 
K oder ze mehr, aber schon sind dort ein« Reihe Formen mit 
den jüngeren Endungen -zt und -»i versehen und deuten so 
Beae Vervickelungen an. Allerdings finden sich in dem von 
Ti{[fus8on iw Jahr I3»0 gerückten Cod. B, der Sturlujiga, 
Am. 12Sa fol., ein schwacher Procentaatz von -;<■• nnd noch 
schwächerer Proc«nt&atE von -«(T-fonneu, der Codex ist aber 
möglicherweise noch ein wenig älter als Cd. Holm. 7, 4 ", und 
Am. 13Ä, die um 1320 geschrieben sind. Wenn aber im 
ebrigenText der Sturlunga Saga (Oxford 1878, 2 Bdd.), der 
auf den 24 'scbmutKigen und vorbtasetcn Fetzen' von Am. 
1 23 h KU« dem Jabre 1 350 (n>teb Vi^fussou) oder 1400 (Arn. 
Cat. I p. 85) und seinen Abschriften von 1690, ItifiO und 
1735 Torwieftend beruht, die Uedioptissivendungen wie im 
St. H. verteilt sind, nur noch genauer in -*Ä- und -r* geiwbiedün, 
nnd mir hin nnd wieder sich ein sf, :, :i in den sehr umfang- 
rvicben Text verirrt, so wiii« dies eine Erhaltung der alten 
Formen durch fast zwei Jaiirhuiidcrtc Itiudnrch, die nur in 
einer Brabnianenschule oder al)^ bewu§ste WicdoraufniihmL' einer 
vornehmen Zierform aus der Urväter Hausrat denkbar ist. Für 
gmmmatiscbe Zwecke scheint mir diese Ausgabe der Sturlunga 
Saga nur in itussentt bescheidenem Masse brauchbar. 
fi. f an stelle von -i-, -st der Soperlativvndungua. 

Par die richtige Würdigung der fiinschmuggeluug des x 
ta das Verbum reöexivum ist das Verhalten der Superlativ- 
enduogen recht lehrreich. Auch bei ihnen drän;*t sich 2 
an die Stelle von ■»-. !■(, imd dieses Vordringen hält, nur etwas 
beecheidener, ungefähr gleichen Hchritl mit der Umgestaltung 
des verbalen -»t m -;. 

tlu den Hiiüdschriften Nit. 1 bis 15 unserer Zählung geht 
gesehen von •Überladenen' Formen, wie balzt St. H. 219,^ 





IB 



hetnt 44,4, */"''" ^^%v «P^ 1*3,^; ha^iti Am. 677, 2„, 
Ae&l£< l^K ii- «• f- regelmässig zu, soweit Superlative iii Frag« 
kommen. Die Formen mit nn, ü vor dem SaperlatirzeicheD 
sind schon (p. 16 f.) genannt. ErwUhiienswert ist nocb etwa 
iptnxli Am. 623 c (H. m. s. II. 218, = *imi»t{) ueben ynff*ti 
317,^ (vgl. Qialaton, Fnimpartar 103 : Holtzmann, Altd. 6r. I, 
p. 111 u. 130; Noreen, An. Gr. 34 Anm. 3 n. a.). 

Im Cd. r*g.derGrÄgä8 bedeuten dit^ mit dem neumodischen 
'£ geschmückten opUu I 172,, II 197,,, rata; II 1U4,, 1 81, 
79,,, rftlas I 80, 81„ 120,,, >ihut 1 1%, ritiait I S5„ 
120^,, rttUut I 85,,. rtttazta I 18S,, und faivaxt I 46„ KO, 
85,, 120,,^, (daneben noch retCatt I 46^, 231,, und seine 
Ableitungen I 53,, 62,, I63„) schon 2.<> Pi-ocent allerSiiperlatir- 
formen. In der Morkinskiona machon die ;/., :<foi-meu zwar 
ein \'i»rtvl aller vorkommenden Supurlstivfurmen aus, als un- 
organisch siod mir indes nur qi-enna friputz 83,„ (neben /ri/io*( 
121,,, fripotl 174,0 "°'^ *"" f*^^ (Hoffory. a. a. O. 38) lß„), 
opla:t i 174,,, herieaziiT 87,, aufgefallen. O. H. bietet uns 
rund 300 ri- gegenüber vin^ni halben Hundert c-formen, un- 
OTiganiscb darunter /n'öpj 77 ^.^, j'riivzi 122,, „ (aber /n/w»/r 
143, 99, 27,,), apiii: 71, „ (aber optart 71,) 134,. 161,, 
«■Mte.- ISlj,. «dottut 199,, (aber tkiotattr ll?,, 29„ 144,, ff.). 
tegndüiga: 62,, (teyjuUUgaet 37. 42,,, ff.), iiSa: 14^,, wndiii'ia: 
B9„, vilrajtU'r 103,, (neben i-Ura»lr 30,^ 60„ ff.). Wie mau 
»icht, steht hier z stfits poslvocoliscb. In Jomsv* (Am. 291. 4 ",) 
stehen 48 t^-fonncn 36 (postvocaUscbeu) ^-formen (11 -zt, 
24 -j) + tmpfeUdazftr 66,, und üg(r:{tr 64,, (; Über der Zeile 
bemerkt der Heransgeber) gt^geniiber, abgerechnet die drcissjg 
und einige erwarteten r-formeii. Die juristische Stailiirbölsbi'ik 
«teilt opiaz 73,, 338,j und Eluc, II unter den wenigen Super- 
lativen trvUffa: 118,. Piunh. (Am. 132) i-.eigt in 34 Formen 
(ßO'/o aller) unorganiscbes, postvocaliscboB -;, -zt (-; in: Uz 
47,,, dolffligaz 72,,, /attat 45,, AerjUigai 6,„ haffligaz 78„, 
Wm: 82,,, eamiiffa: 90,, »kiola: 31,.); und .Fomsv. (C<I. Holm. 
7, 4 *,) bat, wiederum von Inzt, minnzt u. Gen. abgesehen, 23 
moderne -zt (darunter postconsouantisches zt in j'r^iUt/zU 76,,, 



d 



19 Die UediopftMiv^ndnn^D in de« iaÜbuliKiiea HaailKliriftcn. 19 

friyzti 77j,, lämjzt 71, j. et marptiijUa 39,,) bei nur 21 a- 
formen. Zur AIk'iiiliorr«>ciiaft kommt itides -:, •.-< aucJi in 
den spitt«rcD Handschriftt-n aicht Jvk (Ani. 510, 4*^, um 
1500 geachriebeo, hat ausser ia finti 48,,, wmlvr 10„ u. a. 
•ehon wieder «* in /rnntttr 78,,, jr^gtuUir 10,g, btsMw 22,„ 
(Tgl. hittmn hazta Gyfl. Sag. 53,), kr<auuuti 99,, und i/nffsta 
47,, (Tgl. ynyrltt Gy3. Sag. 58,,), und selbst Thomassldniift 
fNr. 1008 fol,), Atii. fi7.-. B teil B. Am. 226 fol. (GyS. Sag.) 
ood dif Flateyjarlxik, Eüiudsrhril'tfU dvs 14. .T»hrlmnderts, dip 
Bull Vocalen kaum noch -H im Superlativ (aussar iu Worten 
wie fitttt und /*''<) aufwoiseii, bewahren e» nach dem compara- 
tnrea r (H. Gt-riug, Isl. svont. p. XVIUJ, dem «tammhalten 
r (/yntr. nemlr, j'tffrxtr, letzt«res 7.b. Gy», S. 77,^ Flatey. b. 
I 84,) and IiSofig nach uiufacfaem /, n (vdixhtr, mntalttr, 
gf4H»tr, V^nttr U, S. W.). 

b. ErklArender Teil. 

a) Die Endung -zc 

FrafttD wir nun, wie hat -r als RotlexiTzoicheu das ältere 
-*e abgelöst, so «rgiebt unsere Übersicht Über die würkitch 
rorkommenden Fnrmeii deutlich zwei Proct^üse : den Ersats de« 
M* durch ~r und di<! ^'e^lichtllng de» ftuslautendeti r. 

Was zunächst den emtcreu betrifft, so bat -:e allerdings 
ts in keiner der Handschriften zur Alleinherrschaft gebracht ; 
anst're Belege £>ad indes zahlreich genug und zeitlich so ver- 
teilt, dass an dem einstigen Vorhandensein einer wfirklivhoQ 
Übrrgaugsstuie •:« nicht gezweifelt werden kann. Der Anatoss 
IU d4!r Greetzaiig des -»e durcli -zc ging natürlich von den 
Fomien aos, in dcueu iautgctiülzlich ein -:tr entstand, also von 
Formeu der S. Plur., 2. Sg. Prt. Ind. starker Verben, des Part. 
Prt., und bei ittai'kcn Verben, die (. J, nn. U als Wurxelauslaut 
haben, noch Ton cinigco anderen Fonnen (cf. Hofforj-, a. «. O. 85), 
Am wenigsten Hindemisse fand das vordringende : im Vcrbiim 
RflexiTom wie im Superlativ nacli Vokalen. So zog schon 
im St. H. das Part. Prt. qi^cate 159,, 210,, u. 5. den Inf. 
^pUa^c 158,, und die 3. PI. Prs. <iPlaUe 96^, die 2. Plur. Prs. 




*mnnettc (vgl. bipetv 195^,, girit*e 158,,, ^lektt*c 49„, /•//*- 
eeUe 114,„ u. a.) und Participia vrie h»pfX^ 129,,. ,,, /nritw 
169,, die 3. Pens, auf i. <* vor der Beflexivendung nach sich 
(TgL St. H. mitmei*c, 8. Sg. Prs., I10„ und /y*U»te 144,o, 
wenn es für *fystetifc steht), 80 zogen endlicli ä. Porss, Plur. 
Prt. wie wjtozc Am. 645 I 50, die 3. PI. Prt, wie ja/otc 
O- H. 18,^ und ftyrkSvzr Eluc. II Aunaler 1858, 106,, nach 
sich. Die Stimme auf im, IL in denen ; das * der Eu^ung 
fi^zeitig ersetete (s. p. 14), sowie die Stämme auf alrcolareo 
Dental, die häufig ihren stammhaften Dental vor t bewahrten 
(ab. liizc O. H. 45,„, Mork. S2, 38..,, mUc Mork. 138,.,, 
O. H. 67,^) und iu den späteren Handschriften fast dui-cbw(^ 
wieder eingefubi-t haben (vgl. jib. \m. 657 B, 4 *, Oeriug's 
Ausgabe p. XVIII f.), venschleppteu dann das x hiuter die 
übrigen Consuuäuten. Als Möbitis (Hättatal I p. Sl f.) die 
Einsilbigkeit fiir die Erhaltung des -■^e als ausschlaggebend 
ansah, batt« «r also insofern nicht ganz Unrecht, als die 
Formen mit Vokal vor -sc, -zc, ■= der Endung fast durchweg 
mehrsilbig sind. 

ß. Schwund des auslautenden Consonanton c im 
Verbnm reflexivuni, t im Superlativ. 

Di-m Schwund des auslautenden e medio-passiver Formen 
begegnen wir schon in den ältesten Deukwülern. Einen festen 
Stfltzpunkt finden diese c-loseu Formen au der mit dorn nacb- 
gestellluri Pronomen der 2, Fers. Sg. versehenen 2. Pers, Sg., 
deren Endung mit dem ^ > -Ktu (-zlu) versclmulzt. Diesen 
Vorgang haben schon Mtiucb und ünger 1847, Norrona sprogct« 
granunatik, Kria. 1847, § 127; ebenso P.A. Muucfa, Ponis- 
venskaofi och Fornnorakans ttprÄkbyggiiad , Stockholm 1849, 
g 46, ajigemerkt, während die spateren Qrammiitikon ") ihn 

*) Von gTÖMeren Untersuchuugen und Graiiiuiatik«u, di« tUi K6dii>* 
pauiv raitbohflndeln, wien noch geuanHt: RabIc Vcjicditiiig lU det old- 
ngrdüke «prog*, Eopeubagen 18M. ■; US; von demselben: AnvUninK 
tili Islttmibkaa, Stockholm 1818; J. Orimin. Deutsche Omni., boonden 
B. IV, 89 IT.; C. A. flolmbut^, Del oidiii>nk? vcrbum oplyst red Mmoun- 




k 



^l tfi« KcdiofMwiTeiidiiiig«n In iea itlüiiditcben Hunbchriden. 21 

gur Dicht erwähnen, diu] die Ansgahcn oinsulilngende Konneu 
m der Kegel nur aU besondere ümegolnui«sigkwteu der be- 
tnfiiudeu Bitiidschrift aafubreii. Ansätze zu denelheu Neigtmg; 
das r abzuweirfen. zeigen dann in denselben ftlUiii Haudscbrifteii 
dif Mediopas^ivfortiiüu, denen init />, (, " oder A anlautendo 
Enklitiken und Shntivbe Worte folgen. 

Eü sei mir gestatlet, diese B«obttchtungen utwas nnsfllbr- 
lieber zu belegen. 



I. We 2. Per». Sg. Rcfl. + ßü. 

Am. 837, R. M., Cd 1812, 4^ und Eluc. zeige» keine 
i. Pers. Sg. Red, St. H. lial ifirmlu 5U,, (LSs ipnur /"t 
bemerkt daeii Wisin). kräMu 1^2,^, »f<fsut 193,^, m^ttü 51,,. 
MUk'^iM 174,, li*Ä,-, ffiniMu 192,„. Im Pliysiologus, der Pläcitüs- 
irkfn. Am. 113 A li: B und Am. 113 lol. litr. D Iclilun 
Wiederam 2. Peres. Sg. BciL Am. 677, 4", zeigt w««rte 37„ 
3»,, 43„, wiiiw/lc 141,, 142., Am. 645, 4', I ilraj/lv &i^^, 
gfr/tv 128,,, fftüctv &4,,, pil-iHv 40„. Uorkiu'^kiiui» bringt 
Ajftte 47,,, ytrfle 127„, und Sturltinga II 130,, mmMtü. 

Uierlier gi'bören ft-roer die -z flir -zc nach n« In miK:tu 
SL H. 192,, ./i*n.>K 68,4.,;. Ml»««? Am. G4fi, 4», I 115,^ 
and minclH Am. 623, 4", e, H. m. s. 1 23,,. Schon in der 
Itork. i«t über, entsprechend di.-m HUgemeiucn Eindringen dee 
i in die Stellung de« 1^ Utt häutiger alti stu (vgl aeiztr> lUO^j, 
pierizlv 188„ 11, a.). 

lu twrttj des »püten Codex Ain. 510, 4". (Jvk. 49,,) liegt 
ucb Ausweis von fiann btrr"! ö6„, kann btrM 56,, »( + ^* 
EU Orrunde. In den spKteren Uaudsf-hriften ist die geiröhiilicbe 

ttjpiit^ med «uukrit .... Eria. 1M8, p. Srft— 38; RydiiviM, 8v«a>ka 
^f4keU lagu* I, Stlibn. 1B50, p. 463 fT.; H. Uepie, Kam Lnut- und 
rkaMmadetm d«r Klifiuno. Spr., PtMlerhurn IBAS, g 6fi; Wimnu»', PliiL- 
Urt. mmI nindtMlirUt 184 IT. nnd An. Hr.. d«Dt«ch von £. 8iet«n. Halle 
1S77. § 167, lowic FurODordUk fnrmlun, I.,and 1874, g IB7 t; (>. itrauiier. 
Altiwid. Hudlmcb, Uipn« ISaS, ^m-, A. Nc>r««n. An- Or. 1, lUU« lS8i. 
t «S7 ff.) Tb. yi'v*R, Arkiv for nord. phil. I 870-81; J. Bofforx, AU- 
MrdJwbe CoBionatitcnBludkii B. B. i. K. d. idg. Spr. IX, 1 ff.; OrandrUi 
(Er Renn. PbiL, £d. 1, Altootd. Gr, 



32 



SiMebt 



SS 



McdiopaHsiren^ting -^, und »o kam auch -fC» wieder zu Ehr«) 
(zb. Flji)t»(l(ela iii^ L^fffiu nüliu) und ist im Neuiidändisclioii 
derVwrtrtitcr des singulaR-n Impeintivo gi>wordeii (bersfu, kaUcuia, 
(d»ut (gesclirieben /.üi«) u. s. w., Carpeuter, Neuisl. Gr., 1>ipzjg 
1881. § 115). 

l>vv Ülicrgatig von -j-c + ^ > i*" vollzog sich augen- 
scheinlich 80 1 dass üunächt das c zwischen den tgnloMu 
Spiranten h und (> Ühnlich, wie liänfig di'r mitttenr dreier 
zuSftmjnonti'ofTGndcrCuDsonuiiU-u, schwand (G^is1n8ou,FrunipartAr 
llO&115;Koreeii, An.Gr.§224,Grdr. f. genn. Phil. 1464 ff.). 
Durch das nnnmehi- unmittelbar vorangehende * «rurde dann 
diu toulosc iuUTduuta,lc Spii-iius k (>) 2u l gewandelt (Hoffory, 
a. a. O. 28 ff.)» wie die iDschriftUch mehrfach hezcugten müfit, 
rm»/ru > rtüti. wMt« worden. Es wurde aho eiu ■«hhc -*m 
> '»nvs -i^M > 'KttimUi. vgl, *nfW" pu St. H. 106,» > «nw /w 
Norw. Hotu. 82g > mMiü St. H. 5I5, und «honso hre:eptt 
Am, 677, 4*, 129j„ : mxNzpu St. H. 68ij,. g., ww»»; >u Norw. 
Hom. 16»,„, «PL- ^i 97, 170,^; Amisd/ St. H. 198,,, mteizlv 
St. H. 192„ u. a, I>enn Formen wie qvimgwt pu Mork. 83,,, 
näml pni N. H. 154„ 196, und iuscliriftlicli ra'utfn (Litj«giin), 
Buimrkunder Nr. 1128) heweisen wohl nichts für einen Über- 
gang von nk -|- k" > "' + P<t > »t" . sondern werden durch das 
gleiclifalls inscliriftliche rifptH (Li^«greii 1181) als nachtrug* 
liehe Co luproniisB versuche zwiaclion rai'pi und reitH, qvan- 
ffcuc pu und 'jvatiffdflu verraten. 

AuaualimsloR durchgefühi-t ist dieses Gesetz nicht. Wir 
treffen schon imSt-H. imy'r-pu 193,,, teUd-pu (H),,,«cifec^i<200,, 
u. a. und in Am. 677, 4", auf iiUpC-- )■« 129,^, f«mg<: Pu 31,, 
lt. 8. f. Ob diese Foi-mcn auf RecDDiposition beruhen oder 
von Tom herein unter gcwigscu Bcdiu^uugcu sich i-rhieltea und 
etwa mit dem Wt-ihsel von betontem pü und unbetontem 3« 
irgendwie Kusamineahangen (Noreeu, An. Gr. J 184, 2 ; J. Schmidt, 
Idg. Neutra 219 ff. Anm.), wird sich schwer entscheiden Ussen; 
letzteres wii-d schon aus dem Grunde sich schwer heweisea 
lassen, weil zb. im SU H. unter den 230 pt* — darunter 1S8 
nachgestellte Pu — nur eins gleiclisam aus Verseben acceutuii't 



i 



33 IM' MtdiopunvenduRgMi in lUn UUadbclH'n Handwhriften. 23 

ist fP. HemnanD, Stadi«n flbei- dm 8t. H. |>. 15; vgl. uucli 
L. lawsKon, Aiii. 646. 4", I p. LXV & LX\'II). 

II. Sonstiger St^hwand des aaslnuteiKleii e der Xedfo- 
IwsslveiiduiiK in den älteren Uaudsobrirten. 

Warnm auu andere mit p be^iinende Encliticji iiriiicipivU 
■nf ilen rorlierf^enden Auslnut aodent gcwiirkl luiben sollten 
alu pv. ist oicJit aljxu6i'1i«ii. üiul so ÜDileu wir deim auch 
würklich docIi Sparen der3eH>eu Keignng das e zu vernicht«» 
anss^^rhalti der 2. Pers. 8g., so in Cd. I«12. 4*, 37,^ drvgt 
fxä, l^r pal 13,,.,,.,, 14,,. fycf pal 15„ : in St, H. 68j, 
Uifirette» pviat: in Morlc 93,, abt/rg« pie. In diesem Zasammen- 
bange 7.<>pgfn auch Vei-9cl>reil>unften wie peixf^ii pi St. H. 4, , 
fLamsun: prhxe:t, Tgl. aber fnrezet Akt/VT« Norw. Uoin. 73,j) 
ttod fyttott pa St. H. 18,, fiir eine Au»5priiche *pekeea6, 
*cyttotta: oder *pekcez Po, \ytto* ß>a>. 

Vor « und f finden wii- den Scliwund in UngtF Jim Cd. 
1812. 32»; St. H. 18,, /«>w tf/uptr, 26, ".ywd« «Par. 18,» 
«riMtw fi/ (vgl. ufeiaßy, b€i»(k)t etc. Noreen, An. Gr. § 224); 
in Am. 677.4", 150,, Ititiffit fjwmaHitnf nnd endli«!» in 
htlh M (3. 8g. Prs. lud.) St. H. 71,,, und htt: nwifc CfÜr 
tatesli S. PI. Prs.J Am, 645 I 98^,. 

Auch ror A knnnte das r leicht unterdrückt wetxlen: 
qoept A«fi» Sl. H. 141,,,, Äery» Aaw« Qn'ig 197,. fvndi» hofpom 
(rarfMwdüi, P. P. Bea.)OrvaroddBSaga 188,,, luid vor BUa- 
biaUn schwand es in varaf viü Am. 677, 4", 73,„, /efifkf eip 
JoniBT* S»„ ItynoM fra Am. 645, 4*. II llä^, helgoPw votn 
St.H.80,,, fft wrSt. H. 21„ und^r/Wa/tw* Cd. 1812,16,. 

Formen wie *befeK, 'jwijw, "/e^c, deren « zwischen zwei 
Gutiunilen stand, berfitctcii der Atisaprache der Nordländer 
wärklichf Sfhwifrigkeiten, das lehrt der andere Versuch der 
Brleicbt^rung der Aussprache dieser Formen durch Ausstossung 
des Btammbaften e in Formen wi« Utk Am. 1812, 4*, 37„. 
gttc Ägr. 36„, rttc Ägr. 93,,, u>te Agr. 39^; /^mA K. H. 
ITS,, ja»c 171i,, (tW 168,, u. a. Bildung«n von solcUea 




S4 



Specht 



VJ^T^^' 



Outluralgtämm«!! ltHtt«n also sclion g»iu abg(>iw}ten von 
folgeudcr Consonimz oiu Be<lürfnis8 zur Abwerftmg von Conso^ 
nanten, das dch ün Sandbi nur noch erhöhte. Und sie v- 
schleppten daher den Schwand des e auch vor vokalisch' 
jliilaut (St. H. 3,, iH-Hg' ü, 119„ U<j* ä: Joaisv" 90,, UreJ" 
nnd gaheo den Anstoss zu einer nachlässigeron Aussprachi 
die schlie»sUc]i ein ävd* efiir Mork. 107,.^ und muo« ■ St. H.) 
63,, durcliscblüpffii lics-s. 




lU. Allsemefner Schwund Am k der Endnng; -kIi. 

Mit der Ersetzung der MediopassivenduDg te durch tc 
vnrca dii.- Keilexivformen noch schwerfälliger geworden. Dur 
Abfall dos r- kam sonach tilur einer noch dringenderen Porderuug 
der Aussprache entgegen als bei »e. Ich hahe nun leider 
nicht vom Anheginn meiner Excerpte auf die den Mediopassiv- 
furmeti folgenden Würter geachtet, glaube aber docli behaupten 
zu dürfen, dass zh. in den Sagas, die in der altnordischen 
Prosa einen so breiten Raum einnehmen, gut einem Drittel 
aller Mediopassivformen mit /■. '. » und h nidnutetidi; Pron6- 
niiuit und Pftrtikelclien folgten. Kecliuuu wir die mit anderen 
Conaonanten anlautenden Enklitiken und sonstige an die Verbal- 
form sich anlehnende ünbetootheiten hinzu, so leuchtet ein, 
das» die Bewegung auf Vernichtung des c, erst einmal dui-cb 
den thatkräftigen Vorstosa der folgenden f>, t, » und A ina 
Hollen gekommen, nicht eher zum Stillstand gelangte, als bis 
sie auch die letzten e vor voculischem Anlaut erdiückt hatte, 
unterstützt durch übermässige Consonantenhäulung, man denke 
an entstehende *geHfflgc, 'bergUe, **o/;(AJ(«A nnd ühuliche 
Lautnngetflnie. 



I 




IT, Schwund de» auKlautenden t Im Siiperlatlr. 

Doss der Anstos» xur \^emiL<litung des Endoonsonan 
nicht in den beti-offenen Formen itelber xu suchen ist, hilft 
uns, ausser den S. Porss. 8g. Prt. wie l*':, veü tnr Uzt und 
twüt (Iloreou, Grdr. f. germ. Phil. I 474), der Superlativ 




SS IHe Unliopueircndongcn in d«n iilBiid>Mb«D Haodtcbriftca. S5 

arli&rt«D. Deiin auch soinem t wird, vfoü zwar vorwi«gpii<i 
bei v(X'«li»t:)R-ui l^leiii«iit im SuiKTlntivtbeiiiA , der Pro«vss 
gemtcbt. Die Hauptmasse dieser f-tosen Pomieii stellen natur- 
gemäse die Adverbien, derai ei-HtArrt« Formdiirch kt^ine Plexions- 
eoduiig beoDruliigt vird. 

Icl nenne: St, H. tlu\,»iu rir 85, , 168„, Grg. optaz*) 
(9 mal), rittoi (6 mal) mtiaz (3 mal) ; 0- H. fr^vz, oytat 
(3 mal). Ktota: , ic;/ndiliifaz , UStu, vetfltliifaz; Jomsv*: /!;, 
Kßgaz, tsfyv:, liarpai, likiU, oplai, raUiffaz, mnoz, »eiotaz, (//w;. 
mgU^as, vitrtigaz, weaUgoxt 6rAg. oplaz (ä mal), «ü; .Tomsv. 
/ri»r,*, kaftigai, »n,'4az. itSaz (2 «lal); Eluc. U Irvtegaz: Finnb. 
hti, ihl'ßigaz, faMaz, fier^liffoz, h<gff/tff<u, likai, MinUgaz, «tdotas. 

Ceber Mit, käz und di« sonstigen Scbi-eibnngen des 
SaperUtiv» htUt vgl. ,1. Hoffory, a. a. O. 82. 

In vitiigcii Bi>ii(cn.u Banilacbriftcn ist es Bi<fiul gt-wordou, 
anslaotendes t der Superlative . deren Nom. Maec. auf ■«■ztr 
«üdigeai würde, abzuwerfen, »b. in Am. 657 B, 4 ", B ((iering, 
Ul. «»tut. 1 p. XVIII). 

2. Uabei^tang der Modio-passiv-Eudung 2 in zt, st. 

Mit der Biiinihruug des blotweu - inr ßezeicbnuug der 
Ssperlatirfunction war die Endung dcsVi-rbuin redcxivum mit 
der des Superlativ» idenliscb geworden. Ein weiterer Wandel 
der einen wird dcrnuacli ohne Berücksichtigung der anderen 
nicht zn erklären sein. Sueben wir wiederom zuniicbst fUr 
die weitere Entwickelung 

A. eine Übersicht ober den Thiitb«8laBd 

m gewinnen! — 

JoniST. hat neben 170 r 9 r/ (tmnlizt el 29,,, ahyrffzt 
pit/ nalj'r 65„, htllu (Part. Prt.), Ugzt nn 63„, UUt ud Ö5j, 
iäzi pa 69„, rwknaSizt ok 55,,, t4zt sidan 58,,, teriazt ^\^^ 
Pinnh. (Am. 132) 95 i: 8 ;i {tezl 68,, qiuzt 38,, 40,o, Äyrf 
39„ «y-' i* 45„. ««/ 19j, htlUi 64,, nut 14,). 

*J Dm Bel«c« mA p. IB f. Kogcben. 



96 



&p«c]it 



Die önigiishaudsrliiiflen fuhren fast nur -z, ao |)inge}Tfib<l 
Am. 316 foL litr. A, Su9arfoU«b6k (nur 2 -zt: abyrffizi m 6C 
a^ffüt hann 77,), Am, 17^ C, 4", HkiilhoIttiLök (auB«^ 
A^/ti (Pari. Prt.) 38,u), Belgsdalsbök. ArnarijfflUbök, Am. 1« 
B, 4**, Skinuastajtabök, Am. ÜB, 4", and selbst noch Am. 
8 *. Ebenso hat Gy&. Sag. uur ;. Dagegi-n bringt Am. 344i 
4 ", Hiuitl I gewiitmlioh j(, Hand IT gewöhnlicii t. In A4 
Flatvyjarbök tritt mi stalle und neben r, ;( auf ztt (Fiat«) 
jarb6k p. XXII) und zwar gebraucht die 'melir ialändta 
Hand :>r mit Vorliebe. Die YatDshjrrna mag ein ähnlicfafl 
Vorhitltiiiss g«.-zoigt liaben (V'igfusson, Ejrbvggja p. XLJ 
Nr. 1008 fol., Thoniasskinna, hat :tl neben :t und : (a 
^ndii 295,,, atn{a.lh 297. : Ukzt 299,, /nrffüt 299^: Fa 
344„). Am. 657 B, 4*, C scbi-iiit zH vor -.-( m he»orzog 
(Gering, Isl. wveut. p. XXIII), ebcns« Am. 173 D, 4% (d _ 
Fragment zeigt noch 9 ;«f: 3 ;). Dietie z^t leiten dann — 
wenn wir von den ;' des Cod. Am. 162 B. fol. nbsebea — 
übLT zu dem iu Am. 238 fül. (Eine. IIl) allein henw:heH(len 
<t-. Dies Fragment zeigt nämlicli Aber ein lialbt>a Hundert 
-*/ n^ben nur 1 :( (/%yH'/e.-(, Ännalor f. u. n. 1858, 169,,), 
Dieser Cd. Am. 238 fol. stammt nach K. (Üslason ( AnnaU-r 
f. n. 0. 1858) und dem Ai-nam. Cat.il. I, p. 20.3, aits der 
ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Uud du nun die Annahme 
wenig Glauben tinden dürfte, es habe ein einzelner Schreiber 
zu einer J!eit, wo alle Welt ;. zt achrieb und sprach, den Mut 
gehabt, ohne irgend welche Kiitigung au« blosser Liebhaberei 
dem Verbum rcflcxi^iim in dem «f L'iue neue Knduug zu geben, 
80 sind wir berechtigt, für den Sieg des «l in der Änaspracbe 
der Endung des Mcdiopassivs — und fflr den Superlativ gilt 
dasselbe — das Jahr 14öO anzusetzen. 

A. Noreen nimmt (De nordiska spr&ken, UpsaJa. 1887, 
p. 17 & Grdr. f. germ. Phil. 428 vom Jahre 1889) wolJ im 
Anschluss an Vigfutsson-MtebiuM (Eyrbyggja Saga XL) fUr 
dieMu Übergang die Zeit der fieformation (1560) an. 

SelbstT erstand lieh ist die Schreibung zi und sogar r noch 
nicht sofort ans den Handsthriftea verschwunden. In der 




Di« MedtopuMrivendungea in Atta iiBadücbeo Hkadsohriftcn. 37 

»aaga. in Am. 471, 4*, und Am. RIO, 4 •, (Jvk) bilden 
tifpa die UtMÜopas&JT- and die Superlfttivfonuvii mit st und 
Hübet 2 uocb die Helirii«it. Aber die Schrift bleibt ja bintvr 
Aa AasEprache immer zurück. Uebcrdies hatt« sieb in dieHer 
OKhklaMiscbeii Periode eine rege Abechrcibertbiitigkeit ent- 
Cdlet, die den Sinn Tür orlhogmpliiscbo Coitsequenz, ohne 
dtssen Grvaclien das f^nldenc Zeitalter der ialündisclien OrUith 
iinverstiindlicli bleibt, im ADitcbluss an ihre Vorbilder 
Ich erinnere als deutliclistc« Muster ähnlicher 
Binmgeo nach Bewahrung alten Sprachgutes an die 
aabuie de» z aU KeflexiTenduitg in den Jahivß 1770 
1794 (Vigritsawn, Ej-rhyggja XL). Die Berechtigung, in 
• Zeit auch deu würklidi gesprochenen Lant aiu vertreten, 
zudem dem ^ gleichxeitige fieime nb, wie die der 
iluur vannz: itanf: 'onn*: mawu (Konr. Rini. VII 
FütHä.- w««; (K. R. VIII 8), rann:.- hat,» (K. R. VUL 
iy, matm*: Fiwi: (Herb. Bim. II 12). wen« auf dieselben 
rieileicht kein votier Verlas» ist. 

B. ErkUrenaer Teil. 

Das te/tlMT-t der Mediopassif-formen aufrf verdankt seilte 
^infähruuf; aiigeiLScheinlich der EinwUi-kimg dei- £ndung ■:/ des 
ipyrfcitiv» und der Ü. Sg. Prt. Ind. Act. starker Verben mit 
iUj Mammen. Wareu docli durch den Abfall des f eine 
diGiMn- Fornieii (ti. p. 24 f.) mit solchen de» Vcrbum 
lexinuu lautlich idcntisdi gewordeu. Ein U:tu, lc(l}: fnt 
A yw /,^().- (zb. Mork. 17,. 7y„ 188,,) kann activisch 
ur^pnliiglicbera li:i) nnd me<lial (gleicli Ui{e) + pu) 
rdeiif lUul einem 'tzlu. biizlu kann W;' 7"'. bast 
pu, ba:('-) fni zu Grunde liegen. Ue/h iat St. H. 
fL, 3. Sg. Prs. Uid. Refl.. dagegen Am. 645 II, 4 *•. 98„, Grg. 
Snperbatlv. Ebenso können Formen wie miitz, Uttaz. likas,, 
Muu'iis a. a. iluer lautlii^hen Ge»talt nach in dieser Zeit 1 
Superlative »iu vt-rbalcRertexivformcn »sein. War man 
^oo gewohnt, in dem eratereii Falle die 2. äg. Prt Act. an 



1 



88 Sipeclit 

Refl. dareh dii-scUic Laatrcrbiniliuifi ausxudrücken , «o ktninte 
man leicht (laxu Übergehen, »uch die Formen auf u, die 
eigentlich nnr <l«r S. Hg. Prt. Act. Kukanion, (lir Activ and 
UediopusstT zu vcrvmiden ; und hatte man einmal laatlio^H 
identisclie, blosse ;-foniien sowohl fflr Aon Süperlatir wie fa^™ 
das Vi-rbum rwflexivum im Gebrauch, so war e« nur eine Frage 
der Zeit, aucli die cf-fonaon, dio tirs))rüiigUcb die Bt-sonderheit 
des Superlativs wan-ii, för beide Arten yon Bildungen zu 
benutzen. Waren aber erst eininnl einige Keihen r(-fünaLTi^ 
Reechaffen. su fanden diese :l eifrige Unterstützong an daldH 
Superlativ-rf, die durch gebeugt« Formen immer wieder in 
Erinnerung gfsliraclit wnrden, und Kraft zu allgemeiiicr<^>r Ver- 
breitung. Und fiir die Annahme einer luutnicchaiiis<.'hen 
AVechsel Wirkung zwischen Superlativ und Uediopasair ist die 
Thatsachc, dass Verschreibnngen wie /ramaur 8t. H. 58,„ und 
«ni s-vpfiijiuc Am. 686 C, 4", H. ni. a. II 816,,, im Super- 
lativ Oberhaupt möglieb wai-en, immerhin beachtenswert, wenn 
man ihr auch kein besondere.« Oe wicht einzuriliinten willens ist, 

Nun Uüniite Jemand, der nicht mi die Mögliclikeit einer 
Beeinflussung der Mediopassivendung durch die des Supei^ 
lativs gUuben will, die.se verbalen ^/-formen dem BintJusse de» 
NorwegiBchen zuschreiben (vgl. Flateyjarb6k p. XX), in 
welchem in dieser Zeit des Anschlusses von Island an Nor- 
wegen -:t im Mediopassiv einen breiten Kaum einnahm. Sin« 
solche ßeeinfliiHsung mil-sste sich indes «icher in den aus 
Norwegen eiiigefiihrten Gesetzbüchern vorwifgond geltend 
machen, und gerade die GrigAshandschriften dieser Periode 
bieten nur äussei-st .spärlich niediopassive cf-foroieri. ^d 

Die UbergarigszL'it der Eiiduiig :t in er wird cfaaraklcrisii^B 
durch die Schreiltung :»L Wir &nden sie in grSssereni 
Umfange verwandt in .\m. 657 B, 4", C, Klatey. b., VaUis« 
bj-ma, Thouinsskimia und Am. 173 D, 4", also von der Hitt« 
des 14. bis gugen die Mitte des 15. Jalu-hunderts. Dies« 
Schreibung z*. z»t ait stelle von s ist nicht aul' den Superlativ 
und das Mediopas^iv beschränkt, sondern tritt überall nnd 
für jedes ; ein, Flatey. b. schreibt «b. aucli »uertiain» I 46,j, 



29 Dw UediopMnveodunmn in d«D uli(n<li>clien Haudschrifleti. 39 



ftez^it m Ö„ Ö^, priotfku I 9,^, Ozsurr I -JSj. ,„, innlfnzkl 
1 57.^, u. e. f. Einer vielleicht gleiche« bciwockcudvu Schrei- 
biini* begegnen wir in de» althochcli-utocben t», st» (auch as) 
Isiiiliin« und anderer tHoltzmann , Altd. Gr. p. 395 ff.; W. 
BratiiK-, Älid. Gi-. § 160 Annu 2.). 

Die Endtmg xf selber nun ist tutdi r sowohl im .Sup^rlatir 
wie im Uediopassiv nicht durcli s, zt hindurchgegangen. ]ltUn 
übtirsc'haue die unonterbrodiene Folge der KeHoxivfonnen von 



«r>rf in: O. H. bar"- 71, 



73„, hrr>^. 216,,; 



JomsT* btrfk 



\\■S,^. fa-fk 4,. I8„.„ 43„ %r/i 21, 42,. 48„; StaÄ«y 
bölsb. bar^r 137„. btrK (bet^) 8S„ 127„„ 128^ 137,, 161„ 



166. 



19 7„ 300. 



3»y„ 383„ 382. 



438„ 477,, 496,„. 



'is" »s »"'a """i«*!* ^•••'M "w"»» ""•n 
/»•«t 43,. S17,u, /öMi 52S,„ npyrse 71,., 4.,, 95,. ^ 368^,, 
KW (t*™t) 13„ H6„ 157,, 163« 166,,. „ S19„ 241„ 254,„ 
a65„ 342,, 351,, 430„ — fast die einzigen «-tonnen der 
Sud. ii. b. gegenüber fast tausend 2-fortnen (p. 18); Jornsv, 
»pyrH 60,^; Eine. II btrf 140., /yrer forn- A 114,»; Finnb. 

38.; in dun in Sk&lh. ver- 



mrri 49,,. ^^, fortt 51,^, tjiortt 



"•' 



ÖfTeiitlicliten Am. 3ir> foL litr. A versk 452,, Sta&arfellsb. 
cfutrM i 63„ frrj<( i 82», Am. 173 C, 4", vmil h 281,«; aoa 
Aiu344a, 4', erwähnt Boer (QrvaiwldR.)«/!«*** (für .7<w"() 107,; 
SkUh. b. vertt h 10,»; Belgsd. b. eer» A 105,,, ArnarbieUtibOk 
«MTrt 165,, Am. 158B, i", vtrH i 200,,. Elite. HI bat nur 
rt {jrrtt 167^) und Kröksrefe». bringt /«■*( 23,„. bem 33„, 
»Ifl-at 21,i,iw*f 33,,, endlich Jvlc. (Am. BIO, 4",) beretv 49,,, 
Ä«r(« 56,,, herrvl 56,,. -k, -r*/, die nicht aus -rfitCk) resp. 
•r^r entstanden sind (Uoffory, a. a. O. 78') fluden sicli nur 
gans verciQZ<>lt. 

Zu dieser Thatsache stimmt anf das schünjrte, dass die 
SupfHative bei Benahi-ung des stantmbaften r oder des compa- 
ratiriecben r ihr «' beibelmlteu und sich so ein Gegensatz von 
.:lr: -ntt heranahUdet: Finnb . /raina.** 36,,; Staftarf. h./ramtui 
7Ö,«: nparet 61,„ »OarH 60,; Am. 173 C, 4*. nur ndast 
280,; Am. 675 B, B luit die Begcl -«.-fr.- -aritr durchgeführt 
(ßeriog, I3L KV. I p. XVIII); SkÄlli. nJasH 7,, sidaz 9„, 
G]r^ S. siSarit 21„ 75„, fe^rMa 77,,, tierMa 99,i: fa«(at 10,„ 



30 



Spedit 



aluorligax, ributSr 27,„ ftc und selbst fimUt 53, nnd gnffttu 
88,,; Belgsd. b. nSarHa 141,,: Wjtarf 1 1 2, ; FUt b. /rowia^ 
I 4?aj «iV/ajjiifr 1 46,u: /if^Kfitm 34,; Aruarb. b. nda^ l^äm 
mtiuta 188,,: «icterftlSÄ, a. B. f. 

Eine ähnliche Fi>fitif;keit besitzt die Verbindang -J- (nicht 
-fl»-) uud -p*-: Grg. (/;»W- I 43,,. dU I 5, 7,,. ,tU 1 248,»; 
Mork. t€ihe pu 16^^, t «ri&c 17„ 27, 110„, /a/« 148,.,, 
149,,; JoniBV* rfw^A- 43,, fflfk 68,; GrÄg. c/a; 6,., »rfw 
^11-19 ^35,; 266,j, (?te488,; Finnb. </r(/«/ 45,, i Am. 344a, 
4", hvUft 88,; SkÄlh. b. «i«/ ;' 3,, el*l ««i 6,^, Belgad. b. «*■/» 
«w 101,,, al* j vt 99„ Am. 168 B, 4", tU j 195^,. 

Mork. hraufmc 220,, r«iw^« S26,, /*/■«.■ 109,,, re3*r 118,,? 
Gräg. t>f/Sf. 139,, r'/iJ«-- 99, 'rrTff«,? 409,, u. t. w. Weitere 
Beispiele der späteren Zeit siehe bei Gering, IsL ser. p. 
XVm II. a. ^ 

Für das Verhalten des einfachen -n + «• im MedioiHissn^ 
fehlen mir Belege, doch lässt der Vergleich der Superlatire 
(zb. Fitinb. stüts ipmtiHr, ffegnstr, «et'n^fr. itanstr n. a.) äbnlichcs 
vermuten. 

Von der Stellung hinter diesen Consonanten, denen sich 
hin und wieder noch p und y, k anreihen, eroberte da» •«( 
das ganz» Gebiet wii-dcr, das einst das mediopasgive i-k und 
das Bupfrlativc M an s, st verloren hatten, vmd hat es bis 
heute auf Island behauptet (Uühzmann, Altd. Gr. V p, 131; 
Carpenter, Ist Gr. § 3, e.). 




IL 

Schlcbsalp der Medlo-Passiv-Kndung in den norwegischen 
Uandschrlften. 

Sc als durchgehende Retlexiv-Endiing zeigt von den no 
wvgisclien Handschriften nur der noch dem 19. Jahrhundert 
tBgehurig6 Ood. Am. 655 IX (ausser in minuiu H. ni. 
8S3,„ durchweg -sc. darunter -yiwiM P. n. 824,,). Sclion Pr. IT.' 
(aus dem Anfange des 13. Jhdts.) zeigt neben j«« pu 19,,, 





31. Di« lIediopaBsirendunK«(i in den iMra«iiüch«n HandKcbriftun. 31 

«y>M^<- l-l,„, dazu die Iiiff. andasu 39,,, hfram IS,,, fw^asc 
28,) 2 .;( in !?/■ «.:/ um 7,g, «■.-< n'^i 22,, unil l ■*! in/imiaH 
at 7j„, sowie 27 : ("jtÄmi 37.., haldei 13,,, A^yres 37„, »y»ei 
umtS;,,. 13,, etc. wiriMu.». f.). .4hc1i diekleiiiMi Frufiuioulo Nrr. 
3. 4, n unserer Zählung (p. S.) liiKiffn uocb <lifsen iruiii^ einlioit- 
tichoti Cbankter ihrer eiiiHtigen vollstilndigeii Handschriften 
abueo: Am. 315 fol. C. hriagi jiri ntmasr N. g. 1. I tll,,-i4-,o< 
Jiri nesnte IM,, nebeu den uiiuT;giiniHcIien eaUazc 113|, rirrUI: 
114,,, patidx Hl,, aiyrffizk 115„, /hekiaze 112,; Nr. 4 
(Galath. Pr.) Wa«jä/V N. V l. H 49fi,. „. ir^riA: 497,,, ((^yc 
497,,, atyrffiarr 499,, /irr 49B,„ (iber Nr. 5 (Borgarth. Fr.) 
*/ A* WrmojJt N. g. 1. II 623^ und vinnz 5S8„,. Das norw. 
Hom. bat rund 650 -le (darunter lotue l?.*)., taac 171,,, Uige 
168a, mit VerluBt d<m stauHiiIiftftcn A) : 25 ^ (darunter /^itftM 
AunN Iö3„, jrWfet' Aoiin lf>5^,): öO -r: 10 ■« («iN«(t» 3,, 56, j, 
wnaapa 32,, fcFjrMft* 17,, /ffyrfu 17, — app lueßtctu, WOhl 
verscliricben ftlr '/unjititt ^— /yr» mpp 33^, li/i-t oe Sft,. sö'ja 
y/r 49„ 51, 53, 54,): 12 •#( {rmimt fxrir 129„. ßtiüjrt >cp*i» 
83,,, »ny*t til 23j, noA/tut frÜ 144,^, mxfit kvarr 2^, «ijrt 
apf/ 22,. /nelffa*iS8, 132,, l^^^- t. JO»"** ^Sm-jo)- Die gleiche 
UiuiRtgfiUtigkeit zeigt Spec. rfg. : 4 «r {tynUli iiSuUga 62,^, 
f ji^irwAr irm 76,, p^/Satroe 76j, j^/tfrt»c Ä 76,), 45 unorganische 
postvocaliscbo «•+ iwic (P. P. Uefl.) 101,,, 470 ; (darunter 
müntftu 178,. tninnzpit 162,„, .',rt; fru 97, 170,4, /in: Pat 
100,), 100 s (darunter mmnii ^i 154, 1%J, 2 ol ($iilal pat 
124,„. iar«t noeect 189,,). und so geht es fort. Cd. 235 
g, 4": 2 Inff. auf -rc (ilrfitenzk') ißr 9I,„, /y^«jt. flc 91,,), 
6 ftntecousouantischv postvocalist;he r, 2 rf i«d<ut oUiV 91,,, 
Intimi liirrrwina 93,,) und 2 * (iapff* tÜ 90„i, tejrjr« wMut/tr 
»0„); Cd. 137. 4", (e donatione rariorum): 102 i^«ij, 2 tf 
/TtwJ5M 30,,, urvtzc 59„), 64 meist post- nnd antevocalische 
.f, 20 postrocalische rf (ausser fc^* N. g. 1. 1 1Ö.,„ 27,. 36,^ 36, 
tmd dem Part. Prs. Hndan fistO. 86„); Am. 315 fol. D.: 5 



^ Hit «F Iwzeioh&el d«r R«ratwg«bar lU* gntchwünite V dM Textes. 




81 



postvocaliwbe -zFi (tlldh/t N, g. I. I lir.„, fynün H7,„ 
abyrgizH 117,; Inff. on^ir/» 116-,. fff/a^fi 116,^) utxl 2 A 
(ayklt Ilß.„ .-»//t 116, J; Prostalh. Fr. (Nr. U): 7 fc {berfr 
H. g. I. IT 502,^ S04,^ 510,, 61%, ftV tolA 604,,, aemfc 507,,. 
ßitHntfrl 507j,), 4 w ('Wk 608,„ w« 504„. ma^izc 5I2„, 
*y« (P. P. ßefl.) 514,. 4 / (Aar/" tU 504,,, tay/" mrfT 605,,, 
Ketof kawnädar manne 61S,,, fTypf a. b. m. 610,«), 13 :; 
Am. 315 (Bjarköret): 4 A (/«p/.a*r N. g. 1. I 366,,.,„.,„ 
ktr/fe 336,,), 6 poirtTocalisclie rf (/«wKrf N. g. I. I 131^, 
ab^giit 131,,, jCTrrt 166,,, ptvkizt 155,j. ,,, ntyr^tut '^it): 
Leg. Ol. Sag.: 18 »e eimilbiger Formen und zwar 10 luich r, l 
(bmkec 53,^, /*/■*(■ 29,;, f?<r*: 33,, /xw^c^h 68,,. iojw41,(, 
/or«! 13„, (/y*f 37„. ilvcrhi: 37^. /a/*t 53„, ./wa/w (F. Pi-t. 
Refi.!) 11^,; da«i ffite9*k 33,, fftfik 82,,, itwwjt 27j„ 46,., 
^/*Jt 86sj, ffop*^ 83;„. iwjwmJ; 49,i und ftarttew II,): 11 st 
(ilyUt 83,, fciltt. Kn (p. prt. refl.) 64„, fiy^tt 33„, rör8wt 
75„, >idtwe 32jo, Jt<Mw«( 81,, 82„. toit*t 26,^ 71,, «nXvM2,,, 
roynwf 43,^) : dylxln 73,„ : rund 270 •;'■ (fast nur postvocaliscll) ; 
174 it (tut nur postvocalisch) : 18 ; (hotz 44^, (piG 3,,. piheit 
43,,, itW 28j,, /aw£ 11„ /aniu 60^^, *wa; 5„. ^^ 71,^, hxi£ 
7^,, «(Ftti; 71,,, tamfiycttiz 14., Woffa; 31«,,), ^Ä/fc'" 50,„, 
Strcngl. bringt 17 s« {ävieUk 8,, /joyi-sA 16,,,, rrw** 12. 



homtk 4j 10g 34,, kwaSfh 



tw 



7,, 35,^, 



rtoiJv* 32^, fhaldegk 4„, 



ffimlhk 24j„, kanwkifiiifk 35,o, huldük 8,,, /nndutk 13,,,, 
duaKatk 7,„, ^'ömn^i 11,,, «hmW- 27„„): S -8( {(plskaSoft frait 
S6j^, /rctff3osl oe 1,^): ß -n {//ler-Set kann 39,, <"y* Auj^r 39,,, 
/o/» eituaman ßß^, foiaSü orr« 25,^, (/m/« i 85,u. iiwn» w 88j,): 
3 MC {^rniisk (8. Sg. Pi-s.) 29,,,, layniz'k (3. Sg. Prs.) 1,^): 
1 -Sil (/rcfffizit i 2j) : i-und 300 -ic (selbst toezc 45,, , (»jjj> 
k^ie 67„ u. &.): 100 ■£: 60 ■=(. Die Tab. Brachst, finth&lten 
1 -fc (iienuc 8,): 3 •<■ (r-rffeit d(iu9a 1,,, (ynin Ifirh'u 2„g «Fnu 
«wjrf 3*) : 30 -z (fallaz, falUz, rinz. fasUz, »mkkis, ittxkiz, haUdaz, 
üQttui:), Bari. og. Jos. s. nind 900 -rf f;«^: l 'S<( (Mutasst 
14,,): 12 -it* ((i«affwwt»( «■ 197 (198), fftrtt a/WWji (Ipei.) 192 
(192), orM8M(^ 111 (118), »hmifl frn (2. Pl.Ipr.!) 173 (172), 
firir j'ertt eiffi 78 (78), i'ffmi itütn« 116 (121), »yndüt h ottom 



33 Mt ]fediopMaiv«ti(langeii in lUa norwc^Klieo H>utlKlirinra. 33 



SOS (SOS), JtoOest tadtlr 199 (198), »iMreH nir 1Ö4 (156), ve/rt 
(detenta, ß 86,„ A, wr*t) 86^,, /j«/i*( aZ/c 87,, uniJ *«■*« 
(3 Sr. Pn.) 87 (88) ). Die 'Notitsbog p. voxt.' liat cndlicti 
8. 6 Z. 8: bfFitdixgt. 

ScbÖpfi'ii u-ir Iiicr einmal AU-iu uuil siich«n wir den Faden 
m (tewinueu, d«r tmii aus diiscin buiiUn Wirrsal anKcheiuend 
glwicIiWrechtiRter Formen heraus führt ! D«nn »«Ibst w«-im wir 
lumehnicii, dawt einige dieser Lesiinge» durch «twuigc s|MitorB 
diploniHtisch gt^trcoe TcxUhdrücke wit-dcr beseitigt werdtu, 
fto ist die Masse der Beispii'lo duch x.n ßbem-ältigend, am das 
Nebeneinander von sk :k t»i:, st zt ^k(, z und » als Jledio- 
passiTenduDgeQ des 13. Jahrbimderts zu leugnen. In diesen 
Zeitraam drängen ach also dio UmvriilztiDgi^D in dor Bezeicn- 
BODg der mediopaasiren Function zusammen, die die Bewohner 
d«a at^legenen lD»«Uand«A im QrnKät^n nnd^Cranzcn hQbsch 
nach einander in Angriff nahmen und'sich auf mvbrero Jahr- 
hundert« rerteilten. So sehen vrtr eich kreuzen die Bewe- 
gongen : 

1. auf Yerdräiigung des * durch : (vgl. Norw. Hom. 
660 »c: 36 »s Li-g- O). s. 18 se: 870 .v, Strengl. 17 m; 300 
xt) und 

S. auf Vomichtuiig di>a c res)>. Eräetzung desselben durch 
t, die «c in it, « und zc in :t, : umwandelt Erhalten i<it * 
auch Doi'Wcgi<u-h, freilich nicht so rogelmässtg wie im Islän- 
diBcben, vorwiegc^nd nach r, l und gelegentlich einigen anderen 
Oinsonanten. Die Bichtung auf Krhaltung des s im Amte 
bl<äbt aber vorläutig eine Unterströmung," rgh N. H. 674 *«", 
Ä, .-• 75 2c z. Cd. 137, 4*, 122 /c, A: 64 :r, zt. Leg. 01.8. 
» w, «<: 488 », c(, :. Strengt. 85 »e, U, *: i ttc, uti 460 
ic. z, zt, Spec. reg. 6 *c, rt; 616 zc, z. zt, Bari, og ^«9. s. 
13 W." 900 Zt. ztt. 

Die rloseo Eodungen (z, ») sind nun norwegisch, wie 
u scheint, nicht älter als die mit t (zt, at). Beide treten in 
drn Handschriften von vom hiToin neben einander auf. In- 
hi-zng auf 'ihren Wechsel unter einander babo ich Überdies 
gefondcn, dass z. B. Ton den lllO -zt de. Spec. reg. (: 470 -s) 

Z 







47 Tor Tocalischvtn Anlaut 8t«keu, 18 vor }>, IS vor 
4 vor n (nnch Farmen wie itnuait «tc. besoDtlers ia der Bari. 
c% Jot. »., wohl nicht unint«r««sant), 3 vor ( n. s. f. Reclinon 
vir ä&za das Dalzond -:' vor grossea Int«riJUi]ktioDL-ii, so 
wird wahrscheinlich, da»s dos r, unter gewissen Bedingungen 
direct aoa k «ntwiclielt (cf. Jjenx, K. Z. 39, 37. 43), erhallen 
bliob Tor Vocalcu. in der Pmise und zum Toil vor ^. t, «. «, 
denen sich <■ anähnlichte. Blosses -z begegnet allcrdingB ebeu- 
fatls in «tlen diesen Lagen, aber ■* erscheint neben -ti bo 
gut wie nur vor Consonanti-'n, wie die Beispiele lehren : ich 
erinnere atich an da» analoge Verhalten der isliüuliscbc 
Rellexivenduiig -«. 

Die wenigen -zte und -z*t dieser Kuihe sind Verniittlun 
versuche zwischen »c und ze, et und j, zt. 

Id der Bari, og Jos. s. trafen wir keine -»c- oder -ic-form 
mehr — es verschwand das all norwegische f.- also schon io 
der 2. Hiilfte des 13. Jfthrlnmderts — herrschend ist ;/ {M) 
neben n( geivurdeii. Und das nimmt hei der tiiinlogon Ent- 
wicklung des Superlativs nicht Wunder. Schon in Fr, M^| 
des Speo. reg. weiche» die postvocalischen siiperlnliTischeß 
■iit dem -:( (ÄUünahmen : Uoi^tulr SSn und varraHan 8)i). 
Norw. Hom. hat, wie beim Verbuin reflexivuin -««, so hier 
mit wenigen Ausnahmi-u -jrf bewahrt (:t in aJih/^ifvazIa 29,, 
and iaznio 91, u. (ien.). Spec reg. führt neben seltenem *( 
(/■«■jW'rt 9»,, 184,, 164,,. siäarit ÖÜ, 60. 144„ I74„, Ma/riUer 
86, 65„ marrst 79,, 166„, l<enij»Ur 48,,. „ 4'J,, mifkium- 
MMMute 160, und ßfMr, menlr, ttctHr u. Ä.) durch^ehends -^; 
Leg. Ol. 8. neben selleoen» ■«( {»tirr*tQ 35, 62,,. fiep»la 66,,, 
vanHr 30,, 34„ UcitcHan 79,,. /rargulr 31,. dyrbg»la 70„, 
tangttr u. u.) erwartetes zt utid 34 unorganische postvocnlische 
Zt. Die Strengleikar verwenden -«( und -zt ungefähr gleich- 
berechti^ neben einander (nacli r steht nur «(); Bari, og Jos. s. 
aber hat neben verschwindonden f^formeo (dantnter nalürltcb 
fegtftr 74,, 153, „ 161, „ 186,,,, ttaerflal^, lutrstr (an Stell« 
von gewöhnlichem /iirMr) 135, „ 18,, 41,, 127,,, 141,,, 17«,,, 
192,,, 107,,,, verelr und fyrttr. auch ImgaC 81,, 198,,, neben 



A 



35 I)w UediopiMirGndanfctn in d«n norw<g>»c]i«ii IlandMihrineo. 35 



Imfzt 156, j,) nur il, von deneo ruml 150 -it postrocaliscb 
steJieii. ^ Forinon auf -:tt gi«bt es nnr wenige, wi« in:«lo N. H. 
91^ e«rvj;<rMr-rfaBarl, A Jos. S. \Ö2 (IM), lurzMom Strenjtl. 3,,. 
2!iir Alleiuberrschafl gelangt -zt im Norwe^chen weder 
iu Superlativ nnch im Verbniii reäexivnro. l>eu Rest des 
IS, and Aag ganxc 14. Jalirliiitii)Art hindurch treffen wir 
nrar immi-r noch rt und ;, die Ponni-n loit » aber (:stf *t) 
rSck«u BtStig vor. Einige Belege, die ich dem Dipl. Norv. 
I A II entnehme, mügeii geuQgeti. Allerdings ttcheinen eine 
B^'ilie die»^r ViTkjtufi^urkuudon und Verti-ngsiostrunieiile nicht 
in r«.'invm Kom'ef^i^di ubgcfus«!, sondern mit rnaur Art Kauf- 
nunnswäUcb durchsetzt zu sein, sie bieten indes andererseits 
deji VoTEug, datin /u sein. 

1. rf mgen: oSttut af \ 73,, (Tom Jahr 1292), pro/aSul 
I 7ö, 83 (12Ö4), »yndüt ot» II 32, 35 (1295). >ot> raynazt 
1 83. 91 (1300), iafdozl {nrir I 1 75, 215 (1332), »käxt ok jUtlä 
tdir I 230 (1341), ktnäUl vi 1 307, -102 (1368). -ynÜzt f-a 
MS, 470 (1382), fäffhizf at, nmma:t j, ßrirumst oi 11 3Ö7, 
)1 (1367), OuEndast ly (~ ok kandtizt} I 429, 594 (1404) u. a. 
8. ; zeigen; f'On hatldez viZr I 28. 29 (I29t). iHruiz fv^ 
8S, 90 i,V2Q^), wfUa: mtlhm I 174, 213 (1331) ek i^.H.e; 
I 270, 340 (1364), kaindh ßr I 302, 393 (1367), An« 
[/r at I 337. 451 (1378), mytz pe« I S«0, 491 (1384), 
><«. I 377, 516 (1389), /anz nietr I 405, 559 (1397) u. a. 

3. 2*t: iolnasM a II 11, 13 (1266), /»> ttintiUtt al I 79, 
86 (1897); btroist. ItrffffizM lil, lykiH Itfffffiaztt I 85, 92 (1300); 
M^'auf, KalitiaiKt und ndadtHa (SuperL) U 132. 154 (1324); 
mmfnUM 11 253, 308 (1351); /yrn«.n;rf I 223, 280 (1342); 
kirmlütt medtt I 285, 367 (1360); gafteozU 1 323, 426 (1374); 
par/ttaz^ II 3-17. 449 (1377), »em/nazft I 378, 516 (1389); 
fodiMdiri (Inf. ßell.) I 417, 577 (1401), h^az^ (Inf.) II 434, 
S71 (1402) u. B. V. 

4. *t: at koma^t II 20. 20 (1288), ba>wt firi 29, 31 (1292), 
i<ut I 90. 98 (1303), okÜdüt I 151, 178 (1324), <K«/tfrf H 

237, 161 (1327), iiKdadeit I 279. 355 (1358), kmdist I 31B, 
U (1371), k*hdi*t II 352. 452 (1379), vider kemist *t I 343, 

a' 



86 



BpMbt 



461 (1380), ktvndUt pa I 36«, 4»9 (1386), ki(r«nUt ek I 41S,67i 
(UOO), kendo^l ad /^u 1 421, 582 (1402) «. b. f. 

Da» Jttkr 1319 luitlu Nurwi-gCD mit Sdiwvdvii in Personal- 
iiDion vereint; das 15. Jahrhuiidcrt vereinigte es auch mit 
Diinemark. Uie^t! Unionon bringen dem Noi'K'egiscbon ein« 
Reih« 8veciiitD«ii und viiie grosse Mango DunlsmuD (Koreen, 
Do nord. BprAkeü ÄS. (Jrdr, f. genu. Pliil. I 430). OstnnnliKch 
ist Dun die Aledio-PaH^iT-Enduiig schon so frühzeitig > « go- 
wordt'ii, dtiss A. Nareeii diese Endung nicht au» -»k, Borid«ni 
uns einem voriiuszustitKL-udo-u -*«b ('*ifii) nblciu-u zu müssen 
geglaubt hat (Grd. f. g. Ph. I 425 sub 9, 4^4 aub 22) 
Ihren baldigen Sieg in der noi-wegiscben Scliriftsprache wird 
daher die Endung •* dt-iu EiuHusse des O^tuonliscfacu zu 
d»nkou liiibeu. Denn seit dem 2. Viertel d('s 14. Jahrhunderts 
wird das Vfrbum reflexivuui durch die Endungen zt & sz, ;m 
& a»z bexeichnet, die um die Mitte dietieg Jahrhunderts durch 
«9 and t ftbgelöntt wt^rden. Ich gebe einige Belege aus dem 
DipL Norw. 1 & II : 

1. »c, ssz, iS, Jm; kaupgerdtt: II 137. 161 (1327); va^Utz 
_fyr,fet^iz pau, umn/diez, »yntyKz oan I 244, 307 ^1347); hu^dit: 
I 260, 817 (1349), «k himn!*: p-Hl I 299. 390 (1366), semaij\u 
kalladeä»z vera II 340, 439 (1375), .fl-y'.w.-M II 349, 452 (1378), 
mditfki^rmluzs U 363, 467 (1381), k(nudi»z fia l d^d. 431 (1375), 
vidrr krndnz, I 333, 442 (1377), h-ndu.'z I 340, 454 (1379), 
janfz vier 1 4U5, 559 {1397J, kemhisz pa II 427, 562 (1400), 

kenäosz pau II 432, 568 (1401), rintfiass Par I 417, 577 (1401), 

2. », m; Iiou andadM* ok II 349, 452 (1378). dirfuan til 
81t, 408 (1370), ba-UrM, at I 312, 409 (1370), kfimaa pa 
I 388, Ö34 (1391), Jach kiamiteg t/iet I 415. 575 (1401). itaw 
htntieg irnth I 477, 619 (1409), k^muh» pa (,adr I 454, 627 
(1410), kandf» }'a I 498, 695 (1424), (her (jfi/m* fflofuwar I 
502, 699 (1424), taijd':» *''k II 513, 690 (1426), htmdU ptti 
I 515. 718 (1427), »n-m/ntu tili II 624, 699 (1429), kmdiu 
pfM I 526, 733 (1431), i«,<(<'. forunnd I 532, 737 (1432), 
kiMiUtek I 560, 774(1440), A^w.Jw />a 11 600, 799 (1453) u. 8. f. 

In der Schriftspmcliv ist -a als Endung des Verbum 



M 





Die CNtm Personen. 



»flexjmni seit 14R0 — aI^o um ()i«>8e)be Zeit, wie -tt im 
Uliiiidisclien — die Regel. Oi-lvtgvntliclie Sclireibungeu wie 
r/ hiin pro/irtutt I 721. 999 (1500) oder heUthf fSiipt-rl.) 
I 703. 976 (1493) kciiineQ diese That»aclie nicht umstürxeo. 
In der VolfcsaprÄche Imt sich -*( (auch n»^- /"nft etc.) neben 
'» erlialten, hat aber seine pASsire Verwundung fast ganz ein- 
gvbBBst (J. Aai)«n. J)«t Qonke foUiesprogä grainiii.atik, Kristi* 
ania. 1848, g§ 168, 262, 278, 298). Für den Sujierliitiv ist 
•tt die alljee-im^iiiL' Endung geworden (aucli ÜMf«, miiist etc. 



J. Aueo, D. n. f. gr. § 252). 



ni. Die ersten Personen. 

fisbfrli<'ksicht)g( habvn wir in uiiMvrer bisherigen ünter- 
div onten Personen gelaeeen. 



H L Die 1. Pen. Stug. Befl. 

^^P Ist&ndisoh 

^st für die I . Sk- RefL die Endung -me eicher die älttirc. In 
Am. 237 fol., R. M. und Cd. 1812, 4", bogegneu Km-men der 
1. Sg.Beä. leider nieht. Am. 674 A, 4", bringt Am/i/tmir )«, 
du St. H. 13 -iM, 2 -m, kein -rn«c: hiöpomc 194]:, efimumc 
97,. fC*momf 97„ c6momk 97,i, hräddome SOifj. g^rpome 202,, 
titrome 113,,, «Xro^owi-^ 132,,, AJ(<»nA- 86,,, /nw/Kr<wi»c Iß^, 66,, 
202, ; dazu ytrom «• 118,, «e pyciwm fite 195,. Am. 677, 4", 
zeigt ff qutUonte 37,„, 39,,, 42,^, 138,,, ee Ir^ftomc 54,,. Erst 
Am. 64S, 4', 1 stellt, wenn wir von dem ee mofia fc 'Agr. 14,„ 
abfiehen, neben 15 -mc (fyiumtr 68,,, formlHOpomc 64i(, hr^dome 
127,^, hr^fivmr 127m, bcertcfirtne 89,, fynotnr 45,,.,^, mdrome 
**'ln 82,4 127, 128a, fit/Hottw 87,, 40^ öl,„ /witonn; 61,,) 
das £ine «>- ffintwufe 102,^. nnd auch Am. 64-^ II hat neben 
jorpome t^ 98,j, ie firfipomc 98,,, rt/ntlome 99,,, W fiotome 109,^ 
nur ^ i/^d&tr <? (^— ffiruäomK eigi) 93«. 

Am. 65.^, 4°, ftllirt in den uns hier angehenden Fragmenten 
nur otlomc tc (H. m. «. I 366,,), Am. 623, 4 ", ausser /«rronw »w 
(Prg. d, H, m. s. I 260,,) nur die lO-Htr-formen: pottonie ee 
H. HI. .1. II 13,,. tc »titnn<tome P. s. 463,,, /htttome ee H. m. 



SB 



SpooM 



^ 



8. II 217,,, lirejrome te H. m. s. I 361» 36S)g- h-^Pome «e 
ä6ßiiD, undnnni- ff 266,,, um/rwinr fr 260,., ec Urtf'Oine 11 240j, 
vUhme ee II 239^, und Grg,. C<!. rog., nur ^ &cm«j *"" 
SSm, das erste •»u: unserer Reihe. Die Morkinskinoa bai^H 
neben fk Poltvmz 99, nur 23 -ntc (und zwar ebenfalls nur 
■oini; vmc, kein -eme), kein -trt«i\ O- H. 6 -/« frcmrwi; 140jb. 
hittvinr 216„, fiiiprmj 174j„, »fttrtnz 206,, pottvim Itt^,) neben 
10 -me (ffUit durchweg in dun eiugeB)renU*u SkaMenveraeu und 
ausser tjaiw 80, gleichfalls nur -otnr, -umr). Joiasr* hat »«r 
-ww (feilpvmz ßO,j , tokvmz 89,„, poltomz 41-, pottvmz 41,. 
Pf/diom: 8, 17, 47,„ 57„ 88,„ 94,„ lt4,,), Sta^arhölabok 
w (rftwnc 195,^, liei-vnir tc 329a5-a.i ""«1 t^H'"»- f 196,^, Jomsr, 
(7,4".) wieder nur -mz (ek KkilSuut: G'i,^, pickmmz ek 7'iti, fk 
fioltum: 60a.j). Eluc II (Am. 675, 4", vom Jahr 1300J ist 
dnnn mit seineu fk f^A-mk I46„, ek hrirddOc 99,, ek lyfcmk 
l'i'\ die letzte Handschrift unBer«r Reihe, die noch -mi auf- 
weist. Die späteren HiindHcliriflen liaheu nur -in: (z. B. 
Gyö, ».: et fiNum: 42,«, ftKOin: 44,, (lUhtmz rk 57,, potttim: ft 
91i., n. a.) und seine Vertreter. 

Diese Übersicht beweist, daaa -in»e als Endung der I. 8g. 
Refl. erst zur Zrit unserer Haudsdiririeii. wahrscheinlich erst 
nach 12110 (Am. 645. 4", I untstiimmt dem I. Viertel de»i 
13. Jahrhunderts) enstanden ist. Die I. Sg. Uefl. uof-msc statt 
•TiK ist gowisa «ine Folge des Übergewichtes der ausser der 
1. Sg. allgemein gUItigen Formen auf -nc, daAir sprii^ht auch 
seine baldige W'iodvriiblösniig durch -m:, eiit^pri'chend der 
des -K" durcb -;, während -7ne sich neben dem letzteren noch 
über ein Itlenschenalter erhii'lt. ^t 

Die rereiBicIten ^-losen Formen, wie pyh'i/m pir 8t H,^" 
198, u. a., sind gi'nuu entstanden wie die p. 20 ff. behandelten 
k-lasen Formen.*) Hänüger treiben wir die Endung -ttm tHr umk 
in den bei den Hkaideu belii-bten Congliitinatioiiöfonnpo na» 
der 3. Pers. Act. + m(i)k, in denen mik den D^itiv und Accusativ 
vertritt (z. B. rdht-mk (rdh* mik), aber Höpu-mk (gtöpn mir). 



-) Vgl. auch Wi»fu. Ark. I 877. 




Die enteil Penou«ii. 



8» 



Anrsfulirliclier kaiidi-lo fihvT «Ucse Fortnen Ä. Wiiompr, Fom- 
bordisk fonnlära, Lund 1874, p. 167 Anm. und Ä. Wia^n, 
ArlÜT 1 383 f.). Aber such dieaeii •um liegt so wi^nig wiv 
ilwi oben g<;iiuitnli:ii ■*« + m(e)r ia Grunde, t>utid«rn sie rer- 
datikcti ibre W-rwcndung fiir -wnt dem metxiscliou Grunde, 
Poüitioiuilänge in Xi>benäilben zu vermeiden, die vor <;nnso> 
nautischem Anlaut bei Verwendung von .itwiir doppelt einpliiid- 
licb wirkt-n niiiäsU' (Wisön, Ark. 1. 384). 

War nun iriumal -z in die Endung der l. Sg. eingedrun;jon, 
to ist selbstT erstand lieh, dass sie entsprechend den Wandlungen 
dl» -; in den Übrigen Porsoiicn nnigeruruit werden mii-süte. 
Dcmgfinilsft bringt z. B. Flutcyjarbök FormGn wie /tr<Tjmnz$t 

j tk I 89,,, fnrtiumza ek 89^ neben solchen ron der Form 

BiUunu ft nr Un, eJt berdwtiz III 13,„, und Am. 162 B. 

^Bl. (Sr. 40) fk ollumzt l 48„ Knik«rcf»s. vjtilrutnzt fj 2«„. 

^B Di« anagcscbriebcui-n Fonueu von Jvk. (Am. Bin, 4".) 
ea ^«NUKtt Btt & tk fwk(i)imi 34, zeigen ans Assimilation des 
labialen »> na da!t dentale :. Demzufolge hat dur sp&K Cd. 
Am. 551 O, 4*, 'nat (z. B. li'j fnituni^ 15,,-«-« If»,* ff., «y 
komiaut 16,, ( re ritduntt 65,. tff koimwft 73,,, ab«r friktimut 

Formen auf -»nut (-imtk), wie sie Wis^n, (.lirk. I 383) 
fiir die 1. Sg. Conj. Kvfl. 'temligen tidigt' in Anwendung 8Cii) 
Uut, kann ich, wie die Übenicht lehrt, aua der ganzen JU'ih« 
der &lt«ren islündwchen — und, wie wir sehen werden, nor- 
wegischen — Prosahandticliriflcti bis berab auf Kluc [I nicht 
belegen. Wohl aber bi^egnea wir jetzt völligeo Augloichungea 
der I. Pers. 8g. Retl. an die 2. 3. Sg. Beß., die, anfänglich 
Torwiegend tm (.'onjuncliT auftretend, wohl zur Unterscheidung 
desselben vom IndicatiT goschaffun wurden. So bringt schon 
(Nr. 1008) neben alaii/i hr^ffyium (zf tk 395,, a. a. 
MÜnirie 40ä„, at tk potltz SM,,, finÜ: ek 411,, u. ». 
Pinb. (Am. 13» fol.) stellt M'- 77„ 80„ 91, „ oUoi 69, 79„ 
tix 91,, und Flatey. b, z. B. a< tk amUizM eUift (>// ai,, 

so geht es weiter. — Neuiüländisch sind diese nasallosen 
Formen im ganxen tiingolar hen-schend geworden ; e» heis&t im 




40 



Singnlar dee Indicalivs fcnt (geschrieben meiast IteH), 

kalhtl', Ijest, haräUt, kaf/aSist und in di-i- 1. 2. 3. Sg. 

Utüt, berjüt, kailUt; Ijttiat, berSüt, kal/aSUt (CArpeater, 

Ncuisl. Or. %Ub). 

Horwegisoh 

macht sich die Bfoiuflussung der ersten FvTMnea dorch 
nbri^eu verbalen Itefli'xivfonnfii noch bedeutender und früher 
fühlbar. Die Ültest b«legte Endun;; ist -me, m ist •mw 
Singular mir gar nicht beg«gn6t. Man vergleicJie: 

Norw. Hom.: a-ii/naSornr et- 35,^, minmime ec 1,. reWi 
ec 194joi Spec, reg.: S -"ic {iSmmf ck 190,,, ftWrV«fvm<- 
ft4,a): 11 -Viz (ec hceidituinz i 68,. J'yswm ec 5ji, ec ^imunu 
1S3)4, HC raituTtu 137,,, rtrftaua ec I42gt, er. skanutumi 130,^, 
K trfif'tum: 5k, p;/f.kiiim: fv 59^,, p^cHuniz *■ 683,. ^oUwmr te 
173« und ftfnimz « 143,,): 4 •mzt (ec neSumcl I&4|t-,fT •■*■ 



lier ' 



äximit 
Oh e,; 



154,j, pi/ckiunat 124,), dazu skylUlaz ec 124, 



m* 



18 -K«: (btriSnmc 17|,„, iffrw/u; 74,,, iffricmA 71 



Leg. 

(et- 
32. 



toirtt 41m. ti7iJrT»"it 27,^, rf((<)mi 40,j , trtti/iititmr 2g, «*j, 
pikinutnc 66jg, pottoiM )«.«, pottoink 45,,) neben Aar«!: « 
&3iD, aC M skiHic 7iig, a< «c hui/Sht 54j;; Strengl.: 8 •m^H 
(fi/rir faramr BÖd, lUrfSuink Tu, Iiui/Sainr 23||, hug'Smnc 14^^^ 
hani»kiptumk 'ASa, otlumk 31}), ottonik 31,., tynemr 25,,), dazu 
/»MH« öf 38„ und 3 -mrc (m ^unui; 82,,, jiVnum« ec 60, j, Jtomttmcc 
'''■ 76.,,). Bari, og Jos. s. hat fttisser oUaSumut t^r 197 (196) 
nur Furincn auf -i»tri und zwar 22 -nm^, IG 'Onul und 1 -w«r 
Cctf «e tej>ffiu( 1&5, 157). ^ 

Die eine Singularform auf -ejnc unserer Reihe {tyneme 
Stren^h 2r>,, und «war in der Verbindufig: hellilr r-n w fyrir 
faronic or tj/nemc a/) ist ZU *tymime gebildet sicher nach dem 
Muster von *l_'/nemsc: *tt/nuititf des Plur. Itefl. oder *tifi>em; 
't;/n'im de« PI. Act, Sonst uhi'r dürfen wir schwerlich von 
einer besonderen Einwürkuug der 1. PI. Refl. auf die 1. Sg. 
ßeä. sprechen. Denn die jüngeren ttfiMm (Spec. reg.) luid 
tapfinH (Bari, og Jos. 5.) vfilrden ihrerseits schon eine durch 
die Analogie der übrigen HediO'PttEsiv'Foruivn umgestaltete 
1. Plur. Bofl. voraussetzen, und ganz deutlich zeigen den di- 



A 




Wo nr»l«ii Penon«». 



rect«n Ginfluss jener Formen die BiMungen auf •iitr« und die- 
leenannteR Unvk, »i^liztr. m-r/ilila:. hngitht. In dem lioiiai:fa harten 
Scliwfdon Iiatle nucti die 1. %■ Act. kcIiod früher die Formen 
der 9. 3. 8^. Actiri angenommen (Noreen, De nnrd. spr. 30, 
Grdr. f. g. Ph. I 434). 

Durch Einführung der nasnllosen Formen war der gnnze 
Sing. Kefl. gleich geworden. Die weitere Entwickelunj* der 
1. Sg. Rffl. ist daher identisch mit der der 2. 3. Sä- Itefl- 
So bringen denn einige Handschriften noch -mz, k. R Od. 
17. 4", der Thiimassags (ktMium: rk 139,,, fk pollum: IM,.,,, 
ti lyfffftMn: lä4,„ vinnumz 154j, u. a-)r hi-TrscIiiind vri'rdeu 
al»er bald die nasallosen Formen, die ent^iirechcnd den fibrigen 
KedexiTformen :, m. :t, :si, it geschrieben werden, z. R- im 
Diid. Kor«.: tk Amuä: II 28. 29 (1291), at «k kmatu: iwr 
1 270. 340 (I3&4), kemtift tk I 2d2, 361 (13&8), at ek k(tnm»! 
pal I 299, 390 (136G). at ek kiaMHZ fiai I 305, 399 (1368), 
ti kennizft (2 mal) I 325, 430 (1375), al ei: kteinütz ptna, 
hn>>ids tk I 331, 439 (1376). milfrkeMniM ek I 343, 4Öl (1880). 
htntüzM ek I 364, 496 (1385), hrnuizst (2 mal) I 368, &0S 
(1386), atek tdenwls 1394, 543(1393), kennitt ek \ AU, BIO 
^1400), *«-wrf -114, 572 (1400), ke>weM ek 414, 673 (1400). 

Mit dem Beginne de^ 15. .Tabrhiindertis tauchen bIo»<>e 
-», -M als Endungen der 1. Pers. Sg. imf. die am die Mitte 
des Jahrhunderts, genau wie im Obrigen Medio - Passivnni, 
ia der Schriftspntcha die Allcinlierrschafl nn sich gerissen 
haben. Tgl. aus dem Dipl. Norw.; Jack kianntr» Iftet I 415, 
575 (1401) Oslo, aber noch hnnomst I 461, 639 (1413), ek 
hmnM l hO-r,, 703 (1425). 

Im Munidifi (1427) nocli: lxitntz/l 50,,, 80,,,, kenniA ek 
52.. 98,.. 

Im Dipl Nor«.: peu kenMÜ» el I 560, 774 (1440), 
tttma ffH I 558, 809 (1449), kenni* I/ms II 591, 786 (1450). 
knam jef (2 nial) I 612, 836 (1456), ktmle* jak I 659. 915 
(1476). 

In der VolltRspracfae hat «ich die Endung -ft neben -« 
trhalt«n (.1. Aasen, a. a. 0.)- 



49 



SpeoU 



2. Die L r#M, Plor. Uefl. 



iBlflndisch 



1P 
J 



deul«n fUr die 1. Plur. Kefl. die Uau(lflchrift«ii die Gadung 
-msf als die Ülterc au. Schon Am, 237 zeigt /ji/i/m/V Ifi?,,. 
iBimiö/!; 1G7,^. In K. M. und CJ. 1«12, 4", fohluD I. PeiW- PI. 
Befl. Am. 674 Ä. (Eluc.) bat zweJm&l Mmofe Se,^. 

8t H. bringt 40 -»uic: 34 -mc: 1 -m (Icollom tiper 81, J. 
DlUCU komtllüD veniomk» (ttir ri'*iMt«**tJ 24,, und rontf*e 122„, i 
helgosk 197g. b«i dviiOQ wobl nur der m>stricli über e, o vei* 
gfSKon oder undeutlich gi-worden ist. unter diesen Pluralen 
Sndc-n wir -«/wr, -eim: in gani', sUittlicber Zahl : Imtmjn' 21 8«. 
ßA'eiiifc iHif, /orpemM Üllj, y//^«"".'!- 177ji, gmrnnic 194«, 194*. 
tieigemtc 33;«, fiialpetnK 27j, IHUeimc 24j,. snu**iMc 19|«, «(äa-- 
(ifirMT 32^6 Mail »yi'ttiuir 194;, puaenuk I07|o, ofilumnk 48)^H 
apleinfc 65ia, frvUnfmsc 76|ii und ronietc (fßr *romii!c) H^a^^ 
— gkpemk löl«, fflihmc 70», «yneme 217,6, (i}m«niA 27«. — 
Die Bbrigen Formen zeigen -oinvr, •omc, mit Aiisnalime von 
bttitnisc 108,3, «num^r 42it. 

Der Phjsiologas hat /yr /«j-3/(r cw 10,n (= Anal. • 249( , 
foromfc): Am. 677, 4", 14 -mc : 4 -i/iyc (danmter lirepiuu: SO«, i 
repm'/nc lOu, rnuemc G7»; ramtrnQtmre 7ö|i, trtvIXimCr 93j, ri/- 
rim/rt 84j,); Am. 64f), 4", I. ipiomnc 98,: lyllomc lüÖ»;; Am. 
66I>, 4% IV »cm«: H. m. s. II 281«, hedomte II 281«: 
travtomc 284). Am. 623 bringt nur 8 -wwp, darunter tvr «(an- 
Jimxc P. s. 464,. ' 

Um diese Zeit vcrBchielit sich das Verhältniss. -mte bot 
durch scioeu »-buslandteil dem vordringenden -z willkommenen 
Anhalt, festeu Fuss zu lassen, während -mc im engen Anscldu«» 
ftii die 1. Sg. Kell., der es entslammtc, ihm noch eine Zeitlang 
erfulgroich widerstand. Somit bekommen wir jetzt das Ver- { 
hältniss mi^ : iiiz. [ 

Morkinsk. liat 12 •»)[! (darunter «jpW viS ISOm vU />/h- | 
dnitc 77 it : 4 -nu (hiopiim: tlt 140,4, viS ßnnitns rva SOi», fynntu ' 
Vfr 17m, vift jirmimt oe 107») ; O. H. 16 -me (darunter fo- \ 
miink 8fi«, seilimc 1 19gu> 1 19jr) - ^ -»^ (Ailtotns 



»IS» 




Die enleii PcrMoen. 



22<>M, »rUpvmt St6i, aollomi 39^. PoUrm: l&O«), Jchsst.* hat 
uur 5 -ni; (darunter i^riti: 104}*) »iiti Jomav. nur Aerii«; 74,. 
Uit lit« Eine II knifr/e^tinik ver (Annalvr ld5d p. I2ä|) iiclimeu 
vir Yon den Endungen mit dem k-elemeDt endgültig Absclücd. 

inz «nd seine Vertreter betialten eine gernnme Zeit lang 
die Herrscluift (z. B. Finnb. «r finnuiia Ü,, Am. 3-14 a, 4 ", 
II Htuxl hanU:, Flatuj-, b. i^Hpiniz XU IS,,, e/umi 1112%, v'>- 
rmmcu I5ji, Krökar. b. hugtlumz ver 17»), bis mit Jvk, (Am. 
ftlO, 4*) -Hzt Boineii Platz emmmmi (jSntnzl 7S,,), da» wiederum 
bald dem •»<( weicht (x. B. Fljut^duila : hiututft IG^, lnn'%intt 
SSm« witwut 43» a. s. £). 

Neiüsländisch ist, wenig<<tens in der Schrift, daa m aus 
<leo Aotirformeii wieder eiiigt-nilirl (läimift, berjumst, köllumH 

0. s. w.), dimebea aber hat sich eine um die Activenduug der 

1. Wut. -»m crvfciterte Form herausgebildet, die ihrim Ursprung 
wohl im Präteritum hat, vgl. die 1. PI. Piiet. ijututt-mn, börSiut- 
tun, kaüuSHst-um mit den Prresentjen Litvtt\im, bfrjattwn, ki-l- 
luttum (Carpeut«r, Neuisl. Gr. § 115). 

norwegisch 

Imscd aich ans den ältesten Hflndschiiflen 1. Pens. PI. Refl. 
nicht belegeo. Im Korw. Hom. iib«r bilden die Formen auf 
*m»c schon die Miaderhoit: 10 -mtc (darunter vir biargem&c 
lOttt fy"'' /tot"*»' I99i) + 1 -mte (nrSiume I87u) + 1 -»»« O'y- 
nani I38«i): 30 -nii; (darunter kein -emc). Spec reg. zeigt 
Dur vit iiati^um:i{ : nänhim: 64it, nkiUutiL: I43|i: tnitiHumc 168i), 
ßtutime 64m, Cd. 137, 4", meFffiuoie 9m; I«vg. Ol. 8. nur 10 -mc 
(darunter ntbarimk 34» Mt*, /"•>'*»>^ ^^m)', Streugl. viShiUomzc 
S3x)r "^ »IdtJeaizi: 73j, vil ßnnwnz 53ii- Die UBgcf^bv gleich 
alte )>i^^«k8Baga (Stockh. Nr. 4) hat, wiewohl in den übrigen 
Punaen 'almindeltgst' -n geschrieben wird, in der 1. Pers. 
'almindelig' -mk (rgL Vorrede ji. XVI). 

I>i« BarL Og Jos. s. bat nur -imt (6 •umst-, tlMiünnzt 
Iliu fl/»>*'mt 7ln, tikitiitut 30m, »kilivmzt 30nr »t/n^wnzt 90», 
tillimnzt 113„t; 4 -oont: /orüomtt 65t*, fffromU 106iu> mSomiX 
lOöiM, nffraSmrut IöOmi). 



44 



Spedit 




Diese Übersicht ttrgiebt. daüs in den norwe^sdien Hand- 
Bcliriftou ra«'- si'lii- viel frliliec aligewirth»c!iftftet und in grAsserem 
Umfange durch >nc der I. Sg. nud durch i'i: u. Gen. RiseUt 
ist-, lofolge dieser geringeren "WiderstandsfahigVcit gleiclil 
sich die norwegische 1. Plur. Refl. in der Folgezeit in der- 
selben Weise wie die l. 8g. RctI. völlig den Übrigen Personen 
an. Zunächst trefifen wir im Dipl, Norw. noch; Xrftmuim ixr 
U 58. m (1302), gfltotiiirt ver I 240, 303 ('1347), *«iw»iurt 
mit I 441, 610 (U07), kfaitomp» tri (2 mal) I 467, 647 (1415), 
aber schon 144iJ Intnaiie* urcrr- 1 568, "Ö^ 0442), noch henttewu 
mit I 634, 872 (1465), ktmopm^ viilH I 652, 902 (1473). 
aber Wi! .... »fflte» I 684. 9.">l (1486). kennhs wn I 708, 
983 (1496), h^mU r,' I 709, »84 (149«), ianmU vtj II 745, 
1013 (1500). 

In der heutigen norwegisch-dänischen Schriftsprache sind 
diese blossen s-formen die allein gebräuchlichen, in der Volks- 
spmche haben sich, wie sthon erwähnt, die «(-formen daneben 
erhalten. 



IV. Zur EatstehtiQg des Verbum reflexivuni. 

Bezuglich der 1. Pens. Plur. habe ich vorausgesetzt, daS! 
■m*e die Üitwe Endung ist. Die Belege ans den isländiachen 
Handschriften geben diese Annahme an die Hand, die nor- 
vegiüchen sprechen nicht dagegen, und Winimers Äunicht 
(Oldn. La>seh.- |). XIX, Forn. Forml. p. 157), dass -mk m 
den SlteMten Handschriften die häufigere Form ist, in den 
Dichtungen indess gegen -tmk die Ausnahme bildet, scheint 
mir in ihrem er-iten Teile nicht erwiesen uud um ho weniger, 
wenn man erwägt, dass die späteren -mz neben -m/- in der 
I , Plur. die Fortsetxer und Vertrster von -nwc und nicht von 
■wr sein werden. 

Einer organischen Entstehung dieier Formen aus der 
1 . Plur. + ow, wie sie J. Grimm, Gr. IV 39 ff. nnd für -mt, 
das er als die älteste Endung der 1, Plur. ansah, noch im 
Jahre 1862 M. Heyne (Kurze Laut- und Foruicnlehre der 



r>i« EnUteliuBg d«a Verbuiu rvSexivuin. 



45 



■dernuuiiseheQ Spr. g Ö5) sich daoht«u, wird U«ute niemand 
^■hr «las Wurt nMlen. 

*k Dan aU VerkUnang ciD«K redeuTcn Accii»ativ« reHp. 
0*tin «üt aller drei Gesclilechter iu beideu Numeri in Art 
A» ütaaüciiflii Prouuiiit-n rvüeuvuiu (äuhloichvr, Lit. Gr. § 135 
Asm. 3) odur des sanakritiseken Pronomen poöseasiTum «wi- 
MÜnfiuaeo, wio mehrfach ftcschehen ist, haben wir kein Koclit, 
«ad «Lu »elb8tändij;<e «üfr dcrgleiclieu Neijjuugeu iiiclit verrät 
wai wOrklichv Analoga auf germatii«cbeDi Sprackgebiete nicht 
wnhlpiTrirern sind. (Wis«n. Arkiv I 379). — AVeun uiia nun 
mtxdtuu di« HandscJiriftuu zwingen, 'msc nU die ülter« i'^u- 
dimg der 1. Plur. anzasuLzen, so Ist damit der Zagang zu ciuisr 
bkUraug des Zustandekommens der 1. Flur. ReÜ. auf rein 
OTgaaiKhem Wege verlegt. Wir werden uns daher nach einer 
odsTBo ErkJüxuug uiiu.u»«lten haben, und die^ kaou uur im 
Zaummcnhaog des Gcsanimtmediopassirs sich ergeben. Sehuu 
■ir Olli demnach die einzehien iu Betracht kommenden Formen 
niber an. 

l>ie in den Handschriften üblichen Formen I. Plur. 8g. 
Bwfl wie bjt'punik, f<iruiiJi\ /nrnlunii; tl^iiiiiini:, verjumjk u. ä. 
kabtn nicht diu Actiffurmen dervelheu Hundschriften bfip, /er, 
himi, tt^tm, «fr o. a. zar Voraussetxung, itoiidem fordern Grund* 
ffbrmen wie l'ji-pu, y^ru, *bmdii. MitmM, 'vfrJH (Th. APis^n, 
Die Di>nl. Uedialformen am' -uml: in der L. Fers. Sg., Ark. X 
370— 3d4). Inschrit\Uch fehlt ttir diese Bildungen ein uchcr«r 
B«tcg (^j^f Kragehuli Noreen, An. Gr. § 415); sie estt- 
ifmtba jeitochdeD altbochdeutachen OiiUu./aru. binlu. iuoin(m)u, 
mm im den altsftoluischcu /om, hUpu, tieriu, ullin, »Akia, luMiu, 
irad den 1. Fersa. Sg. der ältesten altenglischuu Urkunden 
bimtu, inTifii. tJrti, Sr-iiciu u. a. (K. Sievers. .\gs. Gr. !; 3ä&) 

afiber den gothi»cheD biuJi, fara, biinlii. ilomja, vaija. 

För die Klanen Tun Verben, deren 1. Veras. Sg. Act. 
Jen Handfccliriften auf -u ansgehen, nimmt WisÖn (_a. a. O.) 
-i«jt «ei au «iiesc Formen anKCtrelen erst, nachdem der 
AnaLutt derwlben, der umoidisch aU '-ö an «rscUiossen ist 
(»|L ». B. gut. aaiit6: uni. *ImIIv an. k^la, g. fanut: um. *j<irä 



*(i 



Speeht 



1 



an. jara etc.), > a gewandelt sei, und sein in Babs dann d«8 
a^H verdumpft. Aber seine Analoga ttn. ntnnutn. qtmpum, 
d^gum: got. stainam, ifipam, ilaijain beweisen luerflir nieht^ 
da die nUnordisoli-wostgerniaJiiHclic ÜbereiuHtiminuiif>; in den 
Endungen der Dative Pluralis von «-StämmeQ (an. 'lo^um, ae. 
itaffum, as. dagun, ahd. lagum) gegeoliber got da^am diese ■■ 
der Kndung eher lüs dirclcte Fortsetzer urgermaiiiftcher o 
(urgerm. "dayom) erscheinou lässt (Klugv, (Jrdr. f. r. Pb. I 
361 8ub. 7; 3G3 § 30. 2; 364 § 31a), woföni diese I-Vjige 
ll))ei'haupt ent«cbiedcn werden kann, und niniach fionima (ütvu- 
toftcii) und pi-ftmn« [Stentoften, wegen den r statt des a vgl. 
Noreen, Grdi-. f. G. Ph. 423 § 6, 3) dicHe Annabme erhärten 
könnten, selbst wenn sie nur Nachahmungen älterer Vor- 
bilder sind. 

Nun lauteten nach Ausweis von runisch tawido (GallehuB), 
ujorafilo (Tune), hlaalwido (Strand) die ältesten Personen 1, Sg. 
Prt. etwa *den»«Jo, 'tanäiO, *pv!f6f>, *Jkallödö (vgl. got, flfUnida, 
taiiinl'r, fitduida, salboda) für die gewühuliLli unterscbiodeiien 

vier Klassen schwacher Verba, und nach got. /nmu, dOmjaM^ 

famjaii, fndan, talbö sind die uruurdischen 1. 8g. Coig. PraojH 
als */(tr!>, *dOiiijo "domo, *t<tmj5 *ttmji}, *polo. *kfdlii aitzuKctien. 
denen die handschriftliciien fara, dima, temja, pota, ia/la ent- 
sprechen. Als 1. 9g. Onny Pr»t. erwarten wir nach g. fOrjau 
und dem spütercn au. j'di-a um. *jörji^ "föro und na«h got. 
dümidt'djaii und au. dimpa etwa 'dOmtdjO u. s. f. ^ 

Trat nun an diese Formen mk an, noclt ehe das o dwl 
Endung zu a wurde, (Noruen, Grdr. 1 422), so wurde 0, das 
vielleicht um diese Zeit schon gekürzt war, vor dem m von ml- 
ebenso zu u (Noreen, Grdr. I 448 g 3B, .\n, Gr. g 113), wie im 
Pluralis femininer O-Stäuune, (Au. gj^'^fn, ac. gi/tm, aa. pAun, 
gehon: g. cfib&m, ahd. gehöm, um. •'7^^'''"*> wegen des « vgL 
horvmii, geelum'i (Stentoften)) and der 1. Plur. Ind. & Conj, 
PriK». der schwacheu Verba auf -ö (g. mlh/iin, laihOma, um. 
*kallOm, 'kaliöm/af: an. k^Uuin) u. a. 

iUt Eintritt der Sj'ncopen von *. o. des damit xitsamiae 
bängündon i-umlantee, der a-brechuug, deren WUrkung«a 




K» EnUlcUong du Verbnin redexivuiu. 

sind, (Nort-«ii, Or>lr. 48S § 6), den vntsprccheiidL-n 
Igen langer Vocal« luid dem N-uialiiute Terändera Hielt 
wput, *hailodo-»ik, '/aro-mi; tUrnttnik, 'lamja-iak, 'fn^thmk, 
]k; *j'6rjö-mi,firo-tni, Möwiidjö-mi ; 'kaUo-nik >^mftumk, 
ndt k^upuntk, */artimk f^rumk, d4otumk, temjionk, 
, t^iami; jirnmk; ilänipuHik, kMtink. *poUäii-mk 
um diese Zeit etw» *poliiSo->nk */w(iduink, und dii-scs 
«in i' vi«Iloivht zu i^k'iclitM' Zeit mit tli>r Class« 'faiHidomk 
mk, d. b. erst, aU das 8vi)copirungtt-i ketoen Umlaut 
lewUrict« (Iforcen, Grdr. I 454), douii sie lauten an. 
i vdA polfmmlc {vokiumk). Indessen hatten einig« kiim- 
Verba der <ii-Kliuwe Ton Anfang an, wie es scheint, 
»cnlloee Prwtorita (Hicver», Agrs. Ur. § 416; Bntune, 
Gr. g 368, Änm. 2; Noiwn, Ünlr. I 512 § 226, 1?), 
I diesen aus konnten die i^yncopirten Formen allgemein 
et Elaase werden. In der 1. Sg. Prs. Ind. scheinen 
'erb* urnordis<.-h uof l ua8g«laut«t 2u haben (au. fioti: 
>if: s-puta^skr. Mar! au. heiti: um, IL-HTE, Kragehul- 
cJiaft: g. •fijnVa'J), •^»ft.wufc sollte an. *poHfnk weiden, 
t. */orfmf<t/, got, jnraiaia > an. farim. Soviel von den 
«. Sing. 

u nan die Uhrigen Können anlangt, so fugt« eich an 
tten Personen -»i (»ik) in derselben Weise, wie das 
\ ejmcopirte -mk an die 1. Pont, 8g. Ohne Schwierig« 
uinte t{i)k mit der 3. Sinji. Prt. Ind. starker Verba 
iten, die der Mehrxahl nach einsilbifi waren und auf 
Lm Coi)«ODant«n schon um. (tea*, Tanum; varait, Istaby) 
etOD. zb. föffk. y\f-n; (irripn; rkait-»« ». ». w. 
e biaher behandelten Medio-Passiv-Fomien sind in der 
ihl gewiss Bcbijii vor dem Ktntritt der allgemeinen Ver- 
^ea und Syncopeo, den Korcen, Gnlr. T. g. Pb. I 422, 



Deber die YMireUuig d«r uraprflaglkh mulliintGndcii oi und <tt 
duidi gitX. -a. an. -i n. ». «. vgl. liMOndttn J. Scbmidt. K. K. 
Uff. — Ob iW THlucirli^ Vocal lor ilem 1 (d«r /tcl) & oAvr » 
'^U} um wftr. iil Tür iwMr« Frage »OU untorgwtdtictcr ßeden- 
ii MhlieaM micb an Fr. Bsrg, RmteBiiMohriltea p. IB Anm. an. 



48 



Specht 



um 7O0 ausetzt, iMit»tttii<l«n. Da nun »hw die übrigen U«tl)i 
formen nicht iii dersellwn Wi'isv, «'<-■ Jiu 1. Pi-rs. 8g, Jle( 
uns nötigen, ältere Formen des Äctirs als die der späteren 
Inschriften und ält«:iteii Handschriften filr die Bislang des 
Verbum ruAoxivuin vor&usziisctKen, und gewisse Formen de^ 
selben wie die 3, Sg. Ind. Itctl, (fari->& beruht nicht auf /ari^ 
»iJk, Tgl. Mritttip, Steiitofton , g. j'ariP) jüngere Äctivformen 
erhoisclicu, so rückuii wir, um das Gebiet der reinen Hypo- 
these tliuiiliclist zu lui-idvii, die w<;itcr<! Ausbildung dL-t> JUe<liu- 
paasivs in die Zeit uacli 700. Seit dem Jalire 700 etwa sind 
nun aligeiiicine Verkürzungen der Hiidungen belegt (Noreen, 
Grdr. I 4aa Ij li). uo dor Ubergaug tou ü > a, Öyucope de* 
unbetuntcti a, i uiid damit zusanimcubüngeude o-brcchung und 
/•umkut, und ein SchlusB auf die bisher aus dieser Zeit nicbt 
belegten Übergänge von -?, i > i ist hiernach wohl niclit 
XU kühn. Hü gewinnen wii- tur diu 3. Hg. Ounj. Pr8. statt 
der um. */ari (g. j'arai), 'äö7ii(j)i 'dorne fg. ä&mjai), *tam(j}i 
g. (tamjai), *poti fg. pulai), 'katlo fg. xalbv) jetzt fori, dimi, 
teiiü, pitU, i-alla (inCo, Etelhuui: wonüiid Tuue), ebenso für die 
3. Sing. CüHJ. Priut. statt "jon got. */(irei pri jetit /in, statt 
Vflnwil, *tai)iiil (g, tlü7tiii(i:li) zunächst dimpi, 'tanüdi, da 
Syncope und der damit verbundene Umlaut nach langer Silbe 
frUher einti-at aU nach kurzer (Norcen, Grdt. 1 463 § 49, 1). 
Letzteres wurde dainn 'tampi tempi (Grdr. I 454 sab S). 
Zur si'lhuu Zeit bekommen wir in der 3, Sg. Prt. Ind. 
schwacher Verben statt uru. 'äomidf, H-aUade, tajniäf, 'potfdf. 
zunäclist döuiPf, iüllape, aber 'Uiinidf, 'poti^e (vgl. p. 47) und 
für die beiden letzten im 8, Jahrhundert durch die spätere 
Sjiicöpe tampe, polpi (Noreen, a. a. O. bes. 512 § 22ij). In- 
schriftlich sind eine Reihe 3. Sg. Prt. belegt, z. B. «-wrt* 
tTjörkö), »ale (Gonimi.r), daupr (ßjörketorp), r(a)ifpi (B.ygbja;rg), 
garpi (KJ. Ja^lliiigi-KanoustoinJ u, s. f. 

Trat an diese 3. Perss. »k etwa im 8. Jahrhundert an, 

. JK^^lgeben sich im Allgemuiuen die auch in üvv, Handschi-ifton 

^(äfHuchliciien Reflexiv formen, also jm-isk, dtmisk. Umitk. 

polUk, aber 'kaUatk ; Jirük. dimpitk, tempUk, piilpi»k, kaUapitk. 



A 



49 ^* Entstcbimg ilea T«rb«im relWxivuin. 49 

VifllüU'ht schon vor ditser Zeit «cliwund n vor fo1g«ndcm 
<, im Aiislnut tkciiwand eo im 3. Jalirliimdert (Koreeit) (Irdr. 
I. 4S3 sub 13). Högiicli ist dali«r, dass »k üchon etwa um 
700 ocI«r frillier an die tiocl) mit Najsul versohuucD InS. und 
3. Pens. Pliir. trat und n vor * unterging. Bei dieser Än- 
luüune wänlen sicli die an. DitöalloHen 3. Perss. Plur. Conj. 
Act. (z. G. isl. norv. fori: asdiv. /arin) als Übertraj^angea aas 
dtr :). PI. Conj. Refl. erklären. Die hier in Beti-aclit kommen- 
den Formiin sind: g. /arami, janin: um. 'jaran, an. j'ta-a; 
g, fanüna: um. yar^/a/, aschw. farin, an. fori; g. fiirvn: 
um- "/(*wi(, an. /«ro; g. ßreina: um. ßirfn/a/ *f6rin, an, /ifiV; 
ebenso um. 'dOmjim 'd^mafn/; 'df'm(j)tnfaf *dömtn, uo. (^«hRi; 
am. *tamjan, 'Jtoiaii. an. Inn/T. fßola; g. larnjama, ptä<üna: um. 
*tAm(j}fnfo/ 'teiniti. *pctfn/af *polin, an. (^mj, ^o/»; aber g, 
«aUtfmJ, MillMia, »albüna: urn. 'iatlOn >au. *kailu, irie g. tuggOn»: 
ttm. IffingoM {ha/aK, SUtnatad) > an. (ufrjru (as. fun^im. abd. 
^■mjrw); Tgl. Barg, Kuneninschrirten p. 124 Anm.; Lyngby, 
Tidskrift VI 48; Winimcr, „Nanioord" p. 119, AarbÄger 
1B68 p. 287 f; Heimel p. 384, Srherer, Z. G. I). S. »570, 
Mtüdow i*. 1I4„ J. Sclimidt, Idg. Neutra p. 7-*, 113 ff.; — 
Jind«nt Mr.lK-r, P. B. B. VII 543 f., Noreen» An. Gr. I § 318, 
Aiim. S, Grdr. I p. 4!)(> u. a.). Ferner sind nach dalidun 
(Tone) als 3. Plur. Ind. Prtet. anzusetzen um. *d^niiuH 
*dimdH{n/, hiüloiim *jtatfoiw/n/, 'UiimSxu *lamdH/n/, *Pvleiun 
•^ö/iju/«/.- an. dimpu, JMltifiu, tomPu, fiotfia. 

InscbrifÜicli belegt ist zu dvu Irtxtgunanutiiu Avtivformcu 
das reÜexire Prt. Plor. BAR\y VSKtM^ dorn verhältnisHmäsaig 
jnngen Roneiwtein von Aarhu«. (P. G. Thorsen, De danske 
mowniudewnicrker (1«80) II p. 93 f.). 

Die 8. 8g. Ind. Prs. Act endigte nach Ausweis von 
B.iRnmj' (Stentoften) ent-iprpchend got./im'/-, ttasjil> etc. um 
700 uocb auf />. Solche Formen liegen den 3. Purs». Sg. 
Ind. Prs. Refl. (faritk, dinütk . . , . ) offenbar nicbt zu Grunde, 
äh, f> nr » nicbt ausföllt, sondern — in Hid)etontea Silben 
_ vor »>t wird (p. 11). Die 2. Sg. Ind. Prs. Act. endlich 
', nai'h got. Jan», dOmeU, Uititjit, pidtiit, *albiy» ZU urlcili^Il. 



1t 




fiO 



Speckt 



50 



um. */aris, V«»»IB, *tan^J)i«, *J>oli», •-taflfl«, nach 700 etwa 
*/arix */eTK , dimtn , 'letitiK *UtiHR , *jH>ieJi *f>oiiii , "Miau . 
Wir wUrden somit xuuächst folg«u<lvs Pxrudigtna gewinnen. 

PraeMfins. 

schwach 



stark 
IniJ.Sg. 1. foni-mk 

l'ftrit 



4 



J-ik 



iliimu-mk 
*rf«>ntB /jJt 



kflla-mk 
'kaOaS pa 



»ik 



.r' 

3, fAriuu 
Inr. faraso 
Onj.Sg.I. ffni-rok 

3. fiiri-iic 
PI. l.ßrim 0" 
1t: /bri/ !/kr 
8. farisc 



'dimif gik 

Jimiim DK! 
Aimif' ykr 

t\iira»»e, 
d Kinase 
dtiulu-ink 
•dimi« J-ik 
i!(Smi-so 
dömim Ott 
diini^ ykr 
iliiinuc 



*kaaa)> »ik 



|*ola«o 

pullfDlk 

'Polin pik 
pnlip ykr 



k^Uum ot$ 

•hülaf- ,/fo- 

'kalliMu 

"knUusi: 

kgllu-mk 

*i..i:..Ä pik 

•kRilft-»: 

**'/"'"" M» 

*kan>i«c 



(cinfuMi 0»» 
trmip gkr 
iviujutu 

lernju-mk 
•UmiK pik 

Ifmim OH» 
tetnip j/kr 
t«niitc 

Das Praeteritum wUrdo, (Li nach Noreeiia AusfUhrDitgen 
(Grdr. I 454) <liv »pütereii uimiijj^elauU'tcn schwa^^'hru Pn^ 
teritA etwa im ä. .luhrhundert ihre Gi^atalt erhielten . un- 
gefähr <lie Tolgciide GesUilt hnbeii. 

ütttrk schwach 

1. /3r müc ildiiipunik. a1:ier 'tnmfij^u-mk > lynlhamk 

S, f&ri pik dimpitt pik 'tamüi« pik > tampin pik 

8. Tär-tp- dAmY't-sf ■tamiJi-aa > Unit>i-M: 

I. ftrvm «*» dimP«m os» *lamiSum o»ii > t^m^umtM 

dämpup j/ti- 'tamiHup ykr > t^mP\^ ylr 

dtimpiisc *taiuiJuin]»a > IfinpiiM 



4 



lod. Sg. 



ij. förua« 



I. Mru-iiik ilirii|>u-mk 

S. /i« lÄ /i* Aimpitt pik 

8. Mri-Bc (lönipi-iiti 
1. /Vrimo«! cläm^jni on» 

9, /^rt/ iftr ilimpip ykr 

Übei-schaitcu wir unu das Paradigma, ho sehen wir, daas 
aus dw- Analogie aller abrigeu Klagen lierauüfalleo die Punneti 



■tamiJjU'iiik .> Ifmf>uink 
'lamiSiB pik > •Uuipikpik 
*tnmiJf-H > tMa|H>*c 
'tamiStm ow >> trmpim ot* 
'tamiSiPykr ^ tempip ykr 
•tamüli-ac > lerapi-tc 



\ 



5 1 i>ie Kntutofaaitg de« Verbum roücxivam. g] 

1) *f>oUmt (I. Sg. Ind. Pra.) ») »Mitui (Inf. & 3. PI. Priea. 
Ind.) 3) 'W/n4 (3.Sg. Conj. Piws.) 4; •|vi//>Mjt (3. PI. Conj. 
Prx».). Was Wunder, da»s sie aiiironuirt wurden xn I) pohitnk, 
2j ifl//aij^. 3) & 4) in/Üi'ir; Ebenso wurde die 1. 8g. Prt. Ind. 
sUirker Verba (ffir mik resp. y'iirmk) iu di« Analogie der 
übrig«» 1. Personen Sing, hincing«Kog«n und xn /Ommk, und 
wohl am so k-icb(er, als gleichlautende Congliitinattonsfumica 
ans der 3. PL PrL + tmk (jimtmi = /vni mik) gowiaa schon ror- 
handen warea. 

Vm 700 b«g^iet die erste Erst^tzung der 3 Sg. Vm. 
Ind. Act, durch Hie 2. Sg. Pr*. Ind. Art.: Aar«/« (Bjürkt- 
ti>rp)i. aisl. brjftr aus uru. *briulut, ahcr Doeh Imriutip (Sten- 
toftttn). Somit gewinnen die 3 Persa. Sg. Pr». Ind. R«fL die 
Gestalt: yem-tk, *tUiniit-»k, *ieinB-sk, *Jmlitt-*k, ^kallaa-ek, 
dagegen die 2. Per«». 8g. Ind. Pn*.: 'jera-pk, *diinis.pk, 
*ttirta-pk. ßoHn-pie, kallafi-pk und die 2. Sg. Gong. Prs.: 
'/ariJt-pk, ;UmiK-pk, 'UmiR-pk, •poliB.pt, *l-aliait-f>A. 

«-* ging schon niniKch in -«», -f über, rgl. m»cliw. runiHch 
g«n. 8g. AtAü aus *-jeiiit zu altisl. 'Mijfirr (Noreen, Grdr. I 
466 sub S). Die 3. Sg. Ind. Pn«s. verllndcrt »ich dftdurcb 
^ 'fmtt, /o-y/;; *€Umü*jt, tUniifi; tem(f)tkf *poii«*^, poli^i, 
^taäas^, ialUuJ:. 

JJer Übergiuig rou •« + > (alveolares r, Hoffory, Arkiv 
I 41 + itidort^ntale Spirans) > * + » (alreolares r + al- 
Tcolare Spirana) erfonlert nur eine geringe Hebung dos 
spirautischen VvrHcb1ussi-s nach der ArticulntionaRtelle dea 
■ zu. Der Annahme einer Anähnlichung deti p n» das s, 
di« durch die vorhandenen •«*- {-H-ak neben b-M) befördert 
sein mag, ei:hciiurn mir folglich keine Schwit^rigkeiten <!iit- 
gegen zu Htehen *). Bit'ses a* ist dann in derselben Weise 
> u, I geworden, wie d.ts urAprüiigÜche nf. 

*) Id ^mu •cbwauiipn I*nii;toritiim par/tt von rrrja 'uiDhUlleu' 
kötuiUt B bmI / cnt ruMininei(g«tmfrp[i «oin itkcb WärkiuiK diacn Laut- 
«nnddt, yntir 4»» (Ttit«rblL-ibeii d>^ i-niulaut«« (g. ixwüla vm. 'tmirtd't 
ao. wpa) ipr«oU«a kaaa (Xor««n, (ir<lr. 1 4U} mhir aber, «» ver<l*nkt 
ilu )• MtDu Erliallung der ÜbvrinMlit des Hk<ia<-Ii«n Prwlorila auf -pa 
i, B. McAum verja 'licnunun, got. vur^nn. 



69 



S|<r«ht 



1 









Nunmehr sind 2. & 3. Pers. Sg. l'rws. wie im Activ so 
auch im Mediopassiv id««tUch: •*a//<iÄ-M > *MltaB.ik > 
l-ali'u{>i)it, ebenso "ferf-pk > '/erB-^JI: *ftr«iJc > jertk and 
*dimiR'Pk, *lrmB'pk, *ftdU'l>k > *doimK'*i, •(««»-«*,■ 
"Polin -sk >■ dimisr, poliff, UtMC, 

Kach diesen Mustern erseUte sich /^rt-pü durch /& 
und BCliuf sich rlor Imper. Sp. Reil. l-aUa-tc, far-tc, ilisn- 
ttrii-»i; Poli-«e neu. 

-tc un das Newtrum Sing, des Part, Prt, gefügt — in Vi 
bindung mit ha/a steht das Vnrt. Pit. gewöhnlich im Nciitrniu 
ei^i<'ht dfts Part. Prt. R*fl.: farit-t«; *iliml-»^ (vgl maJiUe 
8tH. lyS,, , r/„r;(«* 128^ voi» mittuk, 
•*tamU-se "lamt-te (vgl. StH. Kriliur 78 
AM 64ß, 4". I 52„. %.•( AM 677, 4", 97„ u. a.), *polit-ic 
(liajbtc StH. l(iL;,(; pleonasÜsch für haßte, haj'ac IM«»), 
kaUttUte- 

Mit dL-m Niutrum des Part. Pnot, vfiir nun die Mehrzahl 
<Ier entsprechenden 2. Peres. Plur. Pra?s. Act. bis »uf den 
Endcon^onanteii p identisch fa. B. fani aber j'crip). NoboB 
dem /> hügejfnet, wvuigEtens in den Hiindschriften, i in der 
2. PL Prs. recht bäußR , vielleicbt beeinflusst duroh de« M- 
jCeuden Anlant, ?.. B etwa durch s-anlautende Wörter (*gl. 
Dahlcrup, 'Agr. XIX. XX., Hüffory, An. Cons. Stud. 
31 Anm-, der di« St. Per». PI. auf -it neben -ip dem Einfluss 
der reflexiven Formen (nach talcU-ik zu Ud-ip iiucb eiu taiii) 
zuschreibt; L. Larsson, AM. 64-5, 4". X i>. LXV&LXVII; 
A. MoreiMi, A.11. tir. ^ 1Ö8 u. a.). Wie man nun icu den 
PaJ'tt. Prt. farit, tamit, *potil, katlat ein /ai-/(«i', lamitsc, *pvfit*c, 
iaUtUte bildete, so wird niAii sich uiclit mehr gestrttubt liaben, 
durch Anhängung Ao» nunmehr als Mediopassivcndung ou- 
geüebenen ■*!'. ^a j'arip farit, Uimip il^imt, polip, Cttmip und 
*kaltap 11. s, w. eine 2. PI. Prs. Kefl. jarit-31; ilAinit^ic, polU-ec, 
tamit-rc, und *kallat-se zu biideu. Vor dem * von « musste, 
wie wir (p. 11) gesehen, p > ( werden. *liiUap {vgl. got. 
tathöp > uni. "kaUfip) mag indes schon früh, etwa schon vor 
dem Antritt des m, die Endung -ip Hllvr übrigen 8. Pi'ms. 



63 



Dut EftUi^iing äf Vorbum reflexiv um. 



53 



PI. Pr«. ad genommen haben und zu iallif; l-<tUU-»f geworden sein. 
Die 2. PersH. Flur. I'rt. fwigten buld dum Muster dfS Pra-aciis. 
Aofdidsfir Stufe der Entwickelung wird auch die l. I'lur. sich 
iddit mehr mit der unbeiiD«uicD UmHcliroibung durch ms bc- 
gnii);t. Boud<.'rD nn ilire fertigen Activformcn. die di<; Ge<>tält 
der ha ndst^hrift liehen Formen erlangt hatten, das •*•■ der 
übrigoii M>'dio-Pa88iv> Formen »ngehüngt hnbea. Verdankte 
die 1. PI. R*ll. der Einvriirkonfi besonders der I. 8g. Heß, 
ihre Hintstehnug , viirde man •'»£ a.\» die iiltere Form er- 
wurtmii gerade die -m^-formcn der 1. Plur. Keil, sind aber, 
wie wir p. 4<iff. sahen, die späteren. 

Nach den behnndelten Vorgüngen gewinnen wir folgendes 
Paradigm«. ") 

Praesens. 



lnd.Sg.1. rpra-iuk 


<)iiinii*nik 


Icniju-mk 


fiotu-mk 


kQllii.tnk 


a. fme 


dimUc 


Um*t 


Poli*f 


kfilUisi: 


fi.ftne 


J«ini«r 


trm*c 


Politc 


kaliatc 


Plur. l- f^umtc 


ifpUlUllUC 


temi<tm»e 


PoIhhuc 


k^llumac 


8. farilK 


AimUte 


Itmihc 


PotitK 


f'kallaUk 


9. [ante 


ildnaao 


IcmjaBf 


yo\aae 


kallate 


Inf. tu*»o 


Aituxne 


Ictnjniu 


]>olllK 


kitUatc 


C'atg3t;.l> fffnuiik 


dAmumk 


leinjuink 


l'olunik 


kgllomk 


S.fariK 


äömiK 


Irmiic 


/•oli$a 


kallüe 


S. briKi 


'l^iaisc 


tetaiK 


Coline 


kallite 


Flpr. l.farimK 


(Umimcc 


IrmimK 


Polimsc 


kaUim»! 


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8. (wtto 


(MlBML- 


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kallUe 


laiper. Sg. far-ic 


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Mia-K, 




Prsuteritum 






ItMl.S?> l> fin*mk 


, ilänifuiiik tQinlhuiüc 






'i.ßrUe 


Aiia/-i4C 


tam/nac 






3. fiyno 


dtSnir>»u 


UniPiwi 




P 


. \. f&rtmu^f. 


d^m/'umsc (^m^duc 






i. fiml-K: 


it^m/fia-ti: ti>m}'ut-»e 




■ 


ft.löni»c 


d^iafiuü 


t^mlhiM 





• LHe gCBpcrrl g«drackt«ii Varm«n iiud der Znu-ai-h* KCKctiüber <l»m 
Pandigni» p. M f. 




Pr« 


toritam. 




Coiy.Sg:. 1. rjriimk 


dänipunik 


Ulli F"» nie 


S. f^rite 


däm^Uc 


rnn/üc 


S. feriira 


diSni|'i<o 


tcmßiiH! 


Plur. I. /Ürinwo 


iUm/>imfr. 


(«m^inuc 


i-fifitlC 


dimf'HK 


Icm/iiUe 


8. PiSriiic 


dlSinf>i«u 


l«!ml>ii(;. 



IVrt, Pr»t. farit-K d^mt-»c tamit-se, («ml-sc u. e. w. 

Das Part. Frss, Refl. habe ich nicht im Faradigr 
aufgofUhrt- J<'oi'fflclt kijiinte e« sehr alt sein. Ich habe es 
aber isländii>cti kthI Thoiiiassagn, II Teil, 316,^ gefunden in 
oftanitü und bier Hcheiiit ea in NacbabtDung lateintsch- 
gricchiscber Vorbilder entstanden zu sei« : t ynngr ntrS >/finiin 
HtHa Pott vmik oUandis. Im Norwegischen bringt schon das 
Spea reg-, die gelehrte Abhandlung über die Pflichte» des 
König» UDil seiner Diener, ilie beiden Pari. Pr»!S. Rcfl. rei- 
itandts 165,, und iMlgande: 141,, , aber auch norwegisch 
scheint es nur aaHhulfswcise verwandt zu sein, mir ist es er»t 
wieder im Dipl. Norw. 11717, 974 in ijfiraiuUe vom 27. Marx 
1493 aufgerallen. 

Kach unserer Untersuchung hat sich als iirsprDngliche R&- 
flexivenduiig -nir für lUo 1. Pers. Sg-, -"c für die flbrigcn Formen 
ergeben. Noreen, Gntr. f, g. Ph, 1 433.424. ruckt die Entstehung 
de» Uedio-Passivs ins 10. Jalirbundert und setzt neben '«li (»ik) 
eine tündung sn fm'n / ,in. Er begründet dieae letzter» An- 
nahme nur durch den Hinweis auf ai/ri/ttipU (»schw. tentafiia.) 
'starb' (Högby), dessen » aus -*im, -•«(, -*scb entstunden sei. 
Nun ist mir aber von einer Kfflcxivendung -*» resp. -ma 
(w« & iHc«) uirgendii eine unzweideutige Spur bekannt geworden. 
Zudem sind diese inschrirtlicheu Formen auf •n — etwa ein 
Butscnd entapit, eniap%u (z. B. mtnp!«, mtp R, Dybeck, Sveiiaka 
Runiirkunder Nrr. 82, Ö5. 32 u. a.. enlapiis Ijilje^gren, Run- 
urkuuder 851), fiiar hriU» M<iria Liijegren, R. U. 1978 u.a. — 
sämmtlich in den jüngsten Runen, den punktirten, eingeritüt, 
können also nach Noroen, Ad. Gr. 32 n. a., ent »m das Jahr 
1000 entstanden sein. Unsere Untersucliuiig hat aber ergeben, 



5S 



Die Entttehnng dea Twbnm raflexiram. 



66 



dsss eine B«ibe vod ReflaxtTfonuen, z. B. die 1. 8g., mehrere 
Jahrhnoderte fiüher entataaden sein mtiBsen, und die Mehrzahl 
der übrigen Formen wahrscheinlich frfiher entstanden ist. 
Und da wir schon in den ältesten Handschriften die Neigung 
fanden (p. 80 ff. S3 f.), c Ton -nc im Satzeandhi schwinden zu 
lassen, so schreckt mich das Vorkommen solcher blossen 
-«-formen auch vor vocalischem Anlaut nicht ah, diese in- 
schriftlichen -s-formen ebenfalls anf sc zurUckzufllhren. Je 
mehr noch Schweden zu, je frühere und allgemeinere Yei^ 
breitang haben diese -i-formeD gefnnden. 



Bertin. 



Im December 1889. 



Inhalt. 



Einleitung. Die benutzten Huidiohrifleii und Auagabsn; 

I. Isländische Handichriiten S— 7 

n. Norweg^iBche Handsohriften 7—10 

Abhandlung: Baa Uediopauiv und die SapArUtiva im Weat- 

nordiKhen 10-'S6 

I. Die Schicksale der Uediopaasivendang -lo in den i*liiii- 

dischen Handschriflen 10—80 

1. Entwickelung der Endung h ^ ec ^ c 19—86 

A. tc an stelle von zo (tse) IS — U 

B. Das Eindringen von t an die Stelle von ■ . ■ 18~S6 

a) Überaicht über den Stofi 18-19 

a) E an (teile von b, ms der Endung des Uedio' 

pauivs IJ— 17 

ß) z an stelle von s, SC der Saperlati vendungen 17 — 19 

b) Erklärender Teil 19—25 

n) Die Endung -tc 19—30 

ß) Schwund des auslautenden Consonanten c 

im VerbumrefleKivum, t im Superlativ . 20— 2S 

I. Die 9. Pen. Sg. ReH. + 1>ä ... 91— S3 
II. Sonstiger Schwund des auslautenden 
c der Kediopassivendungen in den 

älteren Handschriften 23—94 

III. Allgemeiner Schwund des c der 
Endung -zc 94 

IV. Schwund des auslautenden t im Su- 
perlativ 24-96 

9. Übergang der UediopasBivendang z in zt, st . . . 25—30 

A. Übersicht über den Thatheatand 25—27 

B. Erklärung 97-30 

II. Schicksale der Uediopassivendung in den norwegischen 

Handschriften 30-37 

III. Die ersten Personen ■ 37 -44 

1. Die 1. Pers. 8g. Heil 37-42 

A. Isländisch 37 40 

B. Norwegisch 40--41 

2. Die 1. Pers. Plor. Keil 42-44 

A. Isländisch 42-43 

B. Norwegisch 43—44 

IV. Zur Entstehung des Verbum roHcxivum 44 - 55 



unick »n A. Hastn Ib Bliiib 



ACTA GEEMANICA. 

Organ für deutsche PMologle 

beraoBgegeben 



nm 



Rudolf Henning tmd Julius Hoffory. 
Band lU, Heft S. 

Die Hvenische Chronik. 

• Yoii 

Otto ILiüitpoIt Jlriozelc 



c^-O0C^ 



Berlin, 

Mayer & Müller. 
1892. 



Die Hvenische Chronik 

in diplomatiBchem Abdruck nach der Stockholmer 

HandBchrift 

neM den Zeugnissen Vedels und Stephanlus 

und den 

Hvenisclien Volksüberlieferungen 

herauBgegeben von 



Otto Loitpolt Jiriozek. 



i 

Berlin. 

Mayer & MtiUer. 
. 18M. 



Vorwort 



Die Hv«iu«clie OLronik wuidu xuiu cnteu MaIv von 
Svend Grundtrig in Danmarks gamle Folkeviser (DgF) I 
(1853) S. 38—44 iiadi der Kopenhagen pr Hniidiidirirt lientus* 
g<.-gvt>cR. Bvroits in den Naclitriigeii eu cl<!iusi-lb«ti Bande S. 
423 machte Grundtvi^ auf eine von ihm übersehene Notir. 
Mtilh*>chs (Bist. Tid*«kr. 1843 IV 138) Oliev eine Stockholmer 
Han.ischrin d«r H». Clir. aufiiiL-rkünm. In DgP III (76Ö f.) 
kam er aof diese Stockholmer IlandHcbrift zurUck, erkannte 
in ihr das Original der Kopenhagener und üuaserte sich Qber 
ihren Wert dahin: 'sie gibt uns z«'!ir nur v'mv niittolmSssigt; 
Abschrift, die Kopenhagener jedoch noch weniger, nämhcli 
«&•• Hchleuderbafte Abschrid jener.' Doch musste er sich 
dikmit begnügen, dii- wichtigsten Lesarten mitzutoilcu. 

Eine neue Ausgabe der Ht. Chronik, welche den ältesten 
o&A erreiclibaren Text zum ersten Male vei'üffentlicbt, dOrfte 
dmher nicht liberfltbsig erscheinen. Erinüglicht wurde dieselbe 
ht erster Linie durch die Güte des Hrn. Grafen C. Sooittiky, 
Oberbibliothekars der Kgl. Bibliothek zu Stockholm, der nicht 
dar die Zosoudung der Handschrift nach K<ii)enhdgeii gestattetv, 
soadorn auch, ab sich der Druck verzögerte, den Termin 7.u 
ihrer Senütmng bereitwilligst verUingerte. Der Herausgeber 
hui hicfUr auch an dieser Stelle Hm. Grafen Snoüsky 
setneo aufrichtigsten und ergebensten Dank auszudrücken, der 
in gleichem Kasse auch Hrn. Universität»bliotbekar 8. B i r k e t- 
Smitb, rter das Gesuch um Übersendung der Handschrift 
gütigst nnterstfitzte und die Benützung dursellien dem Heraus- 
gcber in jeder Weise erleichterte, gebührt, 

Kopenhagen, den 18. Pebnmr lSii2. 

Der Herausgeber, 



Einleitung. 



Die Hvenische Chronik*) ist uns in zvei Hand- 
•cliriften erhalten, der Stockliolmer (S) und der Kupen- 
hageoer (E). 

1. Der Handschrift«nband der kgl. Bibliothek zu Stock- 
bolm /irw. M««fc. i:. a^. in 4" (19- 7x15 -7 du) entliält 
nebrere orsprönglich aelbststündige Papierhandscbriften, die 
durch ZuidUimieDbindeii Ter«inigt worden sind. 

I. Auf iöü uu|>ugiuiertea Seiten (in 10 Lagen m 8 
Bt&Uem) steht: 

a) eine düoische Beimchronik, die mir Hr. 
Axel Olrik rreoDdlichst als Jrer Berthnlsong (f 1569) 
rim oiu dan»ke kon^r (gedruckt in O. Bang, Sämling af ad- 
«kÜlig« opbjggelig« ug nftttge Materier [1743— 47j II 170— 9S 
S38— 8S) nachgewiesen bat. 

Die Retuichrouik bi^gtitnt auf Bl. Ü (Bl. 1 leer) und endet 
auf Bl. 74 r. (8. 147): 74 v. (S. 148} und Bl. 75 sind frei; die 
Handschrift tot Ton einer Hand nm 1600 herum geschrieben. 

b) Ein Prosastück; Om lUe Meeti^e Höre KrigHier"' 
(bic) OfA yWcA fom t fonlum äage ere vddragne äff Danmareh 
metl feaheti oeh ttrie tjUr Krt^» leUx. Dieses Prosastflck steht 
ftof Bl. 76—80, doch sind Bl. 79 v und 80 t leer; die Hand 
ist eine andere als in a, jcdoob ungefUhr gleichzeitig; daes 
dieaes ProsaatUck keine selbsl^tHndige FIaiitli<chrift gebildet hat, 
gttbt daraus horror, dass es in einer Lage begiuut, deren erste 
drei Seiten nmih von der Beimchronik geftillt werden. Diesw 
u. W. ungedmckte ProsastUck ist ein kuner Auszug aus; 
£n teJKfiri/l aß giimblt kr/ftmickfr om nogle ilaatft jotk oek 
klfdimffer (Ohr. Pedersen» Danske Skrifter udg. af C. .T. 



') Der Nune i*( iticbt hatK^Kliriftlich bewagt, kotiimt jedoch bei 
r«d«J «B„ vor. 



VI 




juacztx. 



Brandt, V 334—53), welches Werk nach Brandt (1. c. S. 538) 
im j. 1631 von C%r. P«*<IerseD Terf»«'t woHcn ist. 

2. Eino finden; Üdschr. von IH unpagi liierten BlStteni' 
(in zwei Lagen 8 -f* 10 B'O onthält ein däiiiHche<i Lied von 
der Eroberoiig Calniars durch Kmtinn TV (1611) in 
150 uiimeriertpD Strofen mit dem Kefrain: Saa Uihrr hau 
Caimar tiiii ffma ttnder Itanmareh (in verschiedenen Variationen). 
Dm Lied beginnt auf dem itweiten Blatte (dessen RUckseite firei 
ist) init dem weitläufigen Titel, der die ganze Seite filllt; Aa* 
letzte Blatt ist frei. Die Handschrift fallt in die erstun Jahr- 
xehnte dei« 17. Jhd». Auf die Vorderseite des frei^hliebenen 
ersten Blatte« hat eine fi-emdc Hand ein latetn. Citat ans 
Polyb, lib. fJ m/U gesetzt: Augenzeugen seien die bebten 
ßeschichtsschreiber. — Das Lied wird (nach Klitteil. A. Olrilra) 
in DgK aufgenommen werden. 

3. Eine andere Hauduchrift enthält die Hveiiisohe Chronik 
auf 16 anpaginierten BtiUtern (in den Lagen: 6 -|- 8-)-6 -|- 3 Bl.); 
durch Einfallen ist ein 8 oni breiter Hand gei^hafien, der an- 
h«tschriebon ist ; das leiste Blatt ist ganz frvi. Die HandBchrifl 
ist ron einer Hand geschrieben, <Iie wol jünger ist als das in 
der Nacfasolu^fl genannte Datuw 1603, aber keinesßilU Über 
die crete Hälfte des 17. Jhds. reicht; Gnindtrigs Anualuno 
(DgF ni 769 a), die Hdsclir. stamme aus der zweiten Hälfte 
des 17. Jhds. kann nicht richtig i«ein. 8 ist also nicht das 
Original ron 1603, sondern eine Abschrift. 

In der Hditchr. hat eine jüngereHand VerbeBserungen 
vorgenommen: sie fügt Inlerpnnctiontaeicheu (3„,,,, 5,,, U,,), 
vergossene i-Punktv und ö-Striche (19,, |l,j] — 1,, 4,,, 12,) 
hinzu, frischt undeuthche Buchstaben auf (1,4). oder ändert 
ihre Form (l,j, 3,,, 10,,. 11,,,,», 12,, !4,s : alles gotische e 
[der form nach etwa durch n wiedentugebenj, die in lateiniscb« 
e verwandelt sind; das u-zeicheo musa der jüngeren Hand 
lästig oder schwei' leebar gewesen sein ; ein System ist jedoch 
nicht befolgt, dt-un alle übrigen e (dh. u) sind tinverändort 
geblieben); 1, ändert sie itngU zu rtögeÜ; 4,, beseitigt sie eine 
Dittographie ; 11„ , schiebt sie je ein Wort ein, was sie auch 




9,,, 15,i, l», heab«i<:htipt zu lialien scheint: endlich »tAmmt 
dsM Marginale S,, Ton ihr. Au« den Schriftxügen des Margi- 

l«e oiid der Giaschäbe euUiiaiint mau da» Recht von einer 
itin^<^r«n Hand ku reden; an der hiebci Terwcndcton geliilicti«ii 
Tiutu «.-rkonnt luun auch mit Sicberlieit jeuu anderen unindivi- 
dnelleD ZuHÜtz«, Andomngon etc. aU der jQng. Hand zagehörig. 
8cliwierigkeiten macht die Zuweisung der ZusStzc 13,,, 3&„, 
S7,j, 28, und dprAndening von ö bu c 3,,: die SchriftzQge 
stimmen xu iler jängvron Hand, die Tintu ist jedoch t^ine andere, 
von jener der Hdechr. kaum zu unterscheiden; diene Ghnippe 
nenne ich H' (H' ^ jöngei-e Hand.) Da indes die Aiidening 
u : e unmöglich vom umpr. Sclireiber kann Tor^cnommeu worden 
sein, da femei' die Zusätze H' in der Absdirit^ K sich nicht 

den, kann nur an eine fremde Hand zu denken ^in. Ob 
lOS« dieselb« ist wie H- — diu Schriftzägo Hprfrcheu dafür 

oder diese Änderungen ron einem anderen Individuum her- 
rßliren, Iftsst sich nicht entiKheiden, ebensowenig, oh die Bin- 
tragttog«!! TOD H* jeneu von H' vorangchon oder folgen; 
die Abachrifl kennt weder H' noch H" (s. b. IX)*; die ver- 
schiedene Tinte beweist, das-'« sie nicht gleichzeitig erfolgt sind. 
U. Die Kopenhagener PupivrhandHchrifl IHM. Univ. 
Ilamt. Aää. 107. fol. enthalt auf 7 Blättern (1 eingelegt -f- 
eioe Lage von 6 Bl.) die Hreniscbe Clironik von einer Hand 

CBt» dem S4.-h1usH0 dos 17. Jhds. Nach dieser Hand^clirifl ist 
äie Hv, Clir. bei Grundtvig a, a. o. buchstabengeti-eu (jedoch 
tinter Durchfühniug der I)gP I 8. VI f. auseinandergesetzten 
Nonnatisierongspi-incipien) ahgedmokt.**) 
I Das Verhältnis beider Handschriften zu ein- 

ander h«t schon Grundlvig wkaunt: K ist eine Abschrift von 



M1U 



•I lianua wgibl aicb sucli die verhlltnitiniUdif »pit« Kintr«i;nti^«- 
<«it i!«r h«iiJeii GmppoD. 

") An Kclilcm •Ins Abdrucko« h«bo iofa nur tiuiuerkl. it»*« ST,, var. 
« in der Hl. hcU^ked irtAht (()r. AmlcAm), und Or. bei (in Ü4, tcr^umt 
bat tn bemerken, ilw« M über >ler Zeil« (von iler««lt>eii Haml) DAChf^etrftK«» 
i>t; Kltinigkcitro, wie Ana idi hie und lU AtcicAen, et \\. 9. tu \ooen 
|kwh*. w» ('r. ArilrArn, tt u»w. Ueit, flbergeba ii4). 




a HicfÜr hflbon wir, worauf bereits Ör. (DgP III 770» 
Anm.) hinweist, einen graplmclien Beweis: ftlr miuUn«/« 38, 
liat K muftcftUi; das ist eine Conjectur von K, veranUitist d: 
durcli datiH dvr Laiigstrioli des p in p'ia SH„ tief lierabgi 
ist und zwisctieu mu und k ... . durcligoht, sodass »tufk . . 
zu stellen scheiot; das war natürlich unverstöudUcJi und g*b 
Anlfts» tn der Oonjeinur. Diesem graphischen Beweis kann 
noch ein jiwi-itor hiozugefugt werden: die Jfeile &,, fehlt toU- 
stiudig in K, da G,, ebenfalls mit fi-uäe beginnt; diese Aus- 
lassung sntzt 8 als Vorlage fQr K. voraus. Endlich könne» 
iu divsvm Zusaminenbange auch jene Fehler von K in Betracht 
kuinmeu, die auf falscher Lesung vun eiii/,ehK-u Buchstaben be- 
ruhen : das ( erscheint in S oft nur als kurzer Strich, der lei 
verkannt werden kann, namentlich It ist oft von n kaaut 2U 
uutvr»cheiduu : daraus urkliircii sicli die falschen Lesartea /ii 
für litt 18^, nogm f. non^t 19,^, huUcken f. hnUehit ai„ 
umgekehrt kann daher ein anderer Buchstabe auch als t aa^ 
geüwst worden; so crklürt »ich die morlcwürdigc Porm d 
doAorg filr Caiheidtburg (heute Karlmja ausgesprücb«n), 
sinnlose Eff(er 16, für o/Wr u. dergl. m. — IMe Abschri 
K mniü eine höchst schleuderhafte gciiauut werden; ganx ab- 
gcüebfu davon, dass der Schreiber sich nicht streng au die 
Vorlage liält , sondern Wortforinen und Constructionen varii 
bzw. modernisiert, lässt er sich tlie gröbsten Versehen n 
Auslasäuiigoii zu Schulden kommen, durch die ganz«.' Satze 
siimtos werden: man vrgl. 1 var. ,„ 3 var. ,, 6 var. ,,, 10 
var. „, „, 12 var. ,^, ,,, 22 var. ,„ 27 var. ,o, 27 var. „.— „ 
u. a. to. Diese Schk'uderbaftigkoit schliefst uatflrlich nicht 
aus, das« hie und da Zusätze gemacht und Bcsst^rungen vt-r- 
Bucht worden sind: vrgl. 5 var ,, 9 var. „, 15 var. ,., 83 var. ,„ 
u. a. m.; mitunter mögen dictse Verbesserungen das Kichti 
treffen, kritischen Wert haben sie jedoch natÜrÜch nicht. 

Die Abschnfl K wurde von S genommen, als darin H 
und H' noch fehlteD. Betrachtet man nämlich die in Pragi 
kommeuden Fälle von H', so stimmt K allerdings zu 1^' 
mgeU (H*; «ögU H'j und hat 4,, die Dittograpliie htiiieixn 







EISLBITUN« rX 

(das erst« Ton H* diu-cfastncben) vennieilei). Ab«r K hat 
aberhftupt iibi^rall M'fftt für nö^ (S), uud vermeidet such 
15,, oßtl !!:>,, di«: Dittographie vod S, ohne durch eine 
Stnöchung veiunlasst tu a«in. Ditgegen fehlt der Eineoliub 
TOD H* 11« in K und jeu«r 11, ist wol von K BflbtitsUiDdie 
Tori^eDOiiuiien wonlen, wi« die umgekehrte Wortatellung watu'- 
«dieiiüicli macht; £ ergänzt aaoh ohue Vorgang niituutei- 
onenthebrliche "Wörter (s. oben). W«s H* bi-trifft, so stimmt 
K 27,« uiid ÄÖ, zu H^, aber diiMo Päfli! beweisen niclits, da 
K diese unenthehrHchen Zusätte »elbstHtändig gethan haben 
kann, spcciell zu 28, vrgl. SS^, wo K selbsUtundig da« Gen. 
5 binzuguliigt liat; dag^ea fetdt In K der Zusatt 35,,, und 
13,,, wo der itangel eine» PQss.-Pron. besonders fllblbar \«t. 
Iiat K vor, H' An: ein klarer Beweis, dasB K H^ noch 
nicht Tcirfiuid, 



Ueber die bei vorliegender Ausgabe b«folgt«n Grund- 
täix« ist folgendem zu bemerken. Die Blattzahleu von S und 
K Htfheo am l. bzw. r. Bande. Der Text von S ist in diplo- 
matischem Abdruck wiedergegeben, so genau, als e& die t}-po- 
graphiscben Mittel suliesseo. Da die Zeilenlänge der Hdscbr. 
sich in das Pormat di» Buches eiiit^gl«, ist sie bvibvhulton 
«nrdeoi der Nachteil der unschönen Unregelmässigkeit wird 
durch da^ Vermeid Uchwerden der ebenso unschiineo und weit 
«töreodereu Zeileustriche aufgewogen. Die luterpuuctioii der 
Hdscbr., die mitunter recht wichtig ist (vrgL SS,^ und rar. 16), 
Ht heibebalten worden; bei der Leichtigkeit des Textes ist au 
St«Uen, wo sie minder richtig ist, ein Uissversländnis nicht tm 
InfBrchten; nur wo besondere Qründe dufiir sprachvu, ist »om 
Hcniaitgeber eine Interpunction ergänzt worden, worüber die 
Anmerkungen Rechenschaft geben. Kbenso ist mit der Hdschr. 
di^r Ctiti^TSchicd von Mignski^ln und Uimiskeln, f und s, J und I 
bstgehalten. Componierte Wörter, die in der Hdschr. getrennt 
feschrieben sind, wer<)en in dem Abdruck ebenso beibehalten *) ; 
diK UogcQteil, dass zwei Wurtei- /.usoimniengeschrioben »ind. 

10,« kein Sjiy^BpDUiigMtricb hinUr 



X 



JI&IOKBK 



kommt nur S3,^ vor, wo das Congloroerat der Yerständlichlteit 
halber aufgelöst ufi«) in den Aiimerkangen darUber Kerlioiiiitcliaft 
gogeben ist. Mituut«r kann o« Kwoifelhafl sein, ob da« Spatium 
in hinein Wort« zufällig oder beabsichtigt ist; der Abdruck 
befolgt dns Priticip, in solclien Fällen daa Spatium zu belassen, 
wenn üio Tri'uoung zwei CoiiipositioDst«ilvu entHpricht- — Ft^bler 
der Hdfichr. sind in den Anmeikungen als solclie bcisuicltni^t *} 
und rerbeuert; nur fehlend» Punkte llber i (j) und Strich« 
Über 6 "*) sowie iihul. Kleinigkeiten »iinil in dem 'YcxXe ergjinzt 
worden (doch unter ausdrücklicher Angabe in d^^n Anm.). — 
Vollütündig kann kein Abdruck die KandiH-lirift ersetzen: so 
mu»Hten au» typographiüclien Kücksichtcn der Bogen Aber u 
und die zwei Punkte über >/ (das Fehlen d«rsölbeu in der Hs. 
Terzeichnen die Anra.), sowie Querstiiclie über Zahlen wegfallen; 
ebensowenig lieasen isic.li die Ligaturen von fk, fl, ft u. s. w. 
wiedergeben. Die grÖBste Veränderung liegt in der Anwendung 
lateiniücher liurhstaben ffir die „goti»clien" („deut9cben*')der 
Handschrift. Alk-Eigenboiten dir Hdsflii-.,Oorrecturen, Rasuren 
usw. finden sich in den Anmerkungen verzeichnet; diese werden 
im Verein mit dem Texte, auf dessen Correctur ich die grösste 
Sorgfalt verwendet babe, und in den kein Strich eingetragen 
istf ohne €la,ss darüber in den Anmerkungen Uecliensebaft 
gegeben wäre, die Handschrift hoffentlich so weit reproducieren. 
als AB mit den gegebenen Mitteln erreichbar war***). 

•j Nicht geachehcn ist ilict bei rdn orthOBTaphUchen Fehlern, 
da «ich biet eine OrenM schwer xiehen lüsst; so künate man thyrannnj 
SB, wol «icher als Fehler liutrachtcn, jweifelhiifler »imi seLon die »wei ü 
hnückiitt 83,, lt. ci., iin<) gnr Fehler wie n für u nnd in den altdait. 
Hdaohr. uni) Drucken so häufig, dnsi iiiad hierin fuil eiue vom Ciua 
MactioniHTle Recht ichreibungzii lehcn hnl. Über ■iiöuilige SoluMibuii^eo. 
ilie leiU hIi iiulividuolle, teilii nln lüalp^utiBohe EigeobeiUii de» Suhreitier« 
KO betrnclit^u sinJ, geben liit Anmerk. .\askmifl; vrgl. «u 2,, 1,. -1,„ u. o. 

"*) itiN!vit:hnct Bj si> schreiben die IKiii«ii nodi heule ilir 
Druuk-a {n) ; du sich typogmphinch die genaiie Wieiicri.'abe erreiuhcn lie«», 
xog ich r»r diu Zeichen 6 zu hchnlten, ilnmit ilcr (nllerdings rdn iuuorlinli«)) 
Untcrscbiod, den die Udschr. xw. 6 iind o mnchl, nicht verwimht wUrd«. 

**') Till Zueifeln, die Imj Äbweicliiju«*n dor von Onindlvig \\V 
m 78P f. mitgeUilton Lesnrlen von vorliegender Au«g«l>a «nl«tehen 



m 




ErXLEITI.TNG 



XI 



TJa bisiier die Hveuische Chronik nur in dem Text K 
brkatint wnr, glaubte ich die VitrüiBten von K vollstUadig 
mitteileu zn sollen; dornt du alle UDti'rsuchuitgen über die 
Obronik sich auf den Text K grfindea, musA es la den Wünsctien 
Jedes Fontcber« auf diesem Gebiet« lief;eD, Hieb bei jedciu Citat« 
ftbotzeagen zu kSnin-n, ob und inwiewüit der vorliegende Text 
eine Andernnjt brüi)^. ohne selbst dif llUhe der CoUationimng 
m baben. Die Orundsütze, die micb bei der Milteiloag der 
Varianten gvlviw-t habvu, sind folgende. Rein ortbograpliiüch« 
Variaat«o sind nicht aufgenoromeo, ausser bei de« Cigennumen, 
da diese bei den Untersuchungen nach der Quelle der Chronik 
ein wichttgea Uateriui gebildet babon (<lic nia graphischen 
Tari«iit«o zwischen f und s, h und c, .1 und I sind nicht 
berSdcstchtigi).*) Ebensowenig sind Varianten von gleicfa- 
i>erechtigteß Wortfonncn mitgeteilt, wie Var. zwischen Aa»i und 
AmtiHm, (Um und dmitem, ii^e und ttagel (dass I rar. ,, hjs.'k^ 
mit(|;etettt ist, erklärt sich a<ts dem besonderen Verhältnis 
der Stelle s. Anm. za Zeile 6), xwiscben zwei- und drei- 
lilbigen »chwachen Pnr>teritis x. fi. herttte und hertiUii«, talte 
und taietU u. s. w. ; hingegen sind alle syntactischeu Varianten 
(ndi wo der Spraohgebraucb im Düiiiüchen keinen Unterschied 
macht, wie z. B. in der Anwendung der Singniarfortn des 
Verbutns für den Plural u. äliul.) mit aufgenommen. Ab- 
weichungen der Interpunktion, worunter ich auch die Anwendung 



kÖBsten, «■Toibeagen, bemerke ich, Jam &Uc AbwMcbung«n a. a. u. ent- 

witdar N<>nakliMertui|[ea uder Fehler siiul; amilrüoklieh *ei borvar^^lwrben. 

ilw* fblgeuJe An|^b«ii (trumllvign fidscli «nd: 1»,, II*. tltr 4er imle 

ll*r. lief iitde). IS,, offair (Or. offuer\ 18,, ägd (Or. ilflJ. beBonJoi-« 

boTTun-vliab«])), 18,, iiiti^/ligf (Ür. manJflige), ^i bmigrtt (Or. 

hiuigrrtt). 25, Htirff/< («r. rtratfV), 28, muit«i«f« (Or. muektnede), 

se, , Uaitdien (Ör. Auücfte»«), »,, Hucnn rrgl «L Anm. (Hr. ifu«I»it). 

- i>ie ltiolilit(kci( meiner L«»DnK warilc mir dnrub eine Collationieniug 

irr bntr. HteUeti in Stockbnim, vfilcho Hr. Ortf C. Sooiliky auf meine 

BiUe götigrt v»ni<linwll licm, bOKtüCi;^ ; alt ich auf j«u« A)inilidinn;^u »iif- 

BUtfcMm wurde, wnr nämlicli <li« l]nn(b>cbri(l aiehl mehr in iDrin«n Hümlon. 

•) De« PhndpM halber «i hier nachfeuagcti, »1»« T, K Sigei^ 

lte<m tial ^K«rft««na SV 



XII 




JIRICZEK 



von Klammern rechne, sind uidit aufgcuoinnK-B, ausser wo sie 
ein« ftinn««abweichung verursachen. — Die Variaot«» sin«! in 
dar »c]ir«ibuDf! der Hauilsclirift mitgeteilt. — 

Aaf eines möge noch liiugewiewu werden: nicht selten 
steht in K hvilche Hlr hvUe/ien und fivilcJieä : die grosse Häufigkeit 
der fäll« lüHHt nicht zu, nn Schreiblelilcr zu denken, trotxdom 
hi'Uclie in keinem diin. Wörterbuch bvlogt ist: wir haben es 
wol mit einer ärhreibereigenheit zu th»n, welche die nach- 
lüssige AusH)>nK-lie wiuJorgtebt (ühnlich wie die Schreibiiogeu 
lief</iiddi<)htd u. a. in 8, s. 4,^ Anm.); oder soUto an eine 
Erweiterung der in Kalkars Ordbog til d. sldre danske ^rog 
angeführten Conti hrllh /.u denken sein? In S kommt nur 12,. 
Uuilcke für hmlkei vor (was bei seiner SingularitÜt in S auch 
als Schreibfehler betrachtet werden könnte). Mag nuu in K 
hvitkt eine grammatisch berechtigte Form oder eine Hchreiber- 
eigenh(4t sein, so wird v» doch mit den Normalformen 
ganz promiscue gebraucht, und ist deshalb nicht unter die 
Variauten aufgenommen ; die betr. Stellen sind bei Gnindtvig, 
dor dui) mangi^'Inden Endbuchstaben in Klammer beifügt, leicht 
XU ersehen. 

Schliesslich mögen hier einige Bemerkungen xum Texte 
folgen, deren Platz in den Anmerkungen gewesen wäre, wenn 
nicht die RückaicUt auf den Ruum dem niderstanden kätt«. 

4, omlfer: Qber diese form hat mich Hr. Pastor O. 
Kaikar durch gütige Mitteilung folgender Stellen aufgeklärt : 
'Die Form omfeer habe ich nicht, doch hüutig omsejr: 
Tarsen 247 haml omnei/r (letoij hlnde <lr>i ilifffU toüiäotn: ebon- 
daHClbst 97; Tavsen Post, sommcrd. 15 ttt mue om$fyr ltt}t 
all hnde hanom; Tidemaud Hier. Förster, b 3v om s^tr 
tvitnt /nm «hllnl; Tavseii Pottt. vinterd. I7äv omseyr trade« 
ieke aUcnuU dm ffthtf verde». Ebenso omsior: Tavsen 123 
mmUr wgtu op i helmdr; P. Lolle nr. 621 the» etfieen teoi-dAer 
mmyan' tood/t, tom /wer tnand "pylt/mr vppa ; Rauch 359 omtier 
htm trt/gle larfr; Colding Etym. )3ti6 tum demum, daa omtUi.' 

4y tJtitl üre^g: man könnte versucht sein, dies auf stn»g 
zu beziehen; vrgl. Vidensk. Ssk. D. Ordbog 8. v. .stnig: »mir 






EINUÜTUSÜ XIII 

'du kcmmer paa itr^^t = paa <lfn Kant, /cor je^ Imcr. Doch 
wage ich oicbt diese Verniutung attfreclit zu IulUod, da sicli 
Hr. P. O. Ealkar in at»lorem Sinoo (brieflieb) ausspricht: 
Mir »chifint irs kutitii ziroifulbaß, dass stregs an d«r betr. 
:>teUe = strig (stieg) i. e. alag ; vrgL Vedel (Saxo) 33 hio 
dtX f*riiU ttrii/ oe i.lay *M>U $ipr*; Hvitf. IX bb 4 haadt 
atUltn, berger« <k h^tihr ß»^ ^"gg oe ttrig äff fftuis mthe oe 
rij»: D. SamL 3. ß. VI 344 gjord« han et ttrtg med vofrgH: 
Pulnedigtl). 1 329« kau» Kvnlln-e>i er tat i lafvt, der /tatid 
optog tnangen ttreg; Ti5rkcLK6ii Htistr. 75 der med Ann «tn mand 

»treffe ffifver fittj: yc mtd det Minme »lag da fiugger htm 

hofved frn trappen. Ei läge somit iiabc das Wort vou 
Kampf (Wettkaiupf?) zu nehmen ; indes sehe ich, dass Sanders 
VVb fanter JStreicli 2e) hat: „mit einem gut za Streiche 
koouneu ->■ gut auskommen", was hier wo! passou könnt«.' — 

11,1 -^'^ ^'*^' ofwr/öre tkuU«: K fngt hiut«r handt 
han Dem xu; eine echeinbar sehr richtige Ergänzung; ich bin 
indee g^gen die Benserungen von K ziemlich skeptittch und 
kutD hier uicht die Vennittung unterdnlckou, das» ä doch das 
Richtige hat: handt als Äccusativ kommt nicht nur im Alt- 
dln. Tor (a. Kaikar s. v.), andern lebt such noch heut^ 
Ti^L Kristiansens Ordbog oier gadesproget b. v. Der Mangel 
dt» Subjecw« würde sich sehr leicht durch enge Übcreetzang 
aus rtnem lat. nt He trajiciat o. fi. erklflren. Man n-ird Ober- 
hüUpt bei Fehlern von S sich immer fragen rafl88«ti, ob ein 
to der sohrifllichen Tradition ciit«(andon«r oder ein Über- 
setzun)^ehler des Origisals anzunehmen ist; vrgl. zu 18,,, 23,^. 

13, Su«tii_(;*«ii ^ Schwibbogen ; da das Wort in den mir 
bekannten dän. Wb. nicht vorkommt, mögen hier vinige Stelk^n 
folgen, die ich wiederum freundlicher Mitteilung de« Hm. 
Kaikar verdanke : ' Vocab. 1514 j'ornix . t&ti/häe ; Colding 
Stjrmol. 77 >ßtfriM; Kebenfaavna Dipl. I 468 lade mure am 
hunlbting oe neegbuge offner aamme tUle ttrede (ISIS); D. Saml. 
V* 170 om tffij mäf haffue kircken jormatUt v^dtr Auriffningen 
oek tnder tüebogne (tS87).' 



XIV 



JIRICZEIK 




Die Angabt- der Nficbeclirift, der däni&die Text sei 
dem Lnteiniscben Ubersettt, ist nicht zu beawwfclD; P. E. 
Mflllcrs Zweifel gegen die Vorlässlichk«it der !fticli8>clirift sind 
voD Uroudtyig schon l&ugst widerlegt wordüß. Bie Steifheit 
des Ansdrufikes rerrät die Überaetsang auf den ersten Blick; < 
weniger beweise» einietne Lsttinismeu, die jedem Gelehrten der^f 
düuiali^i-ii XvH nuok im OSoikIiod nutcrlaufen konnten. Gin« 
Bostfiligang der VerliUslicbkeit der Nachschrift ergibt sich aos-^ 
den von ihr angefllhrteu chronologischen Daten; sie nenDV^f 
J. Jaoobteu als lebend und Professor in Kopenhagen, und 
sagt von seinem Vater, er »ei lange Jahre Pfarrer in Lands- 
krona gewi-seii, »{iricht also von iliin als Verstorbenem. Das 
Ift für da» Datiorung^iahr 1603 vollkommen zutreffend: Jon*) 
JftoobiK!» Veuusinus wurde ICOÖ Universitätsprofessor in 
Kopenhagen und starb 1608. Sein Vater Jacob Jousou 
war Pastor ttuf Hven. dann 1563— 16(K) (f) in Lnndskroua.**) 
tVrgl. H. Fr. Bordaro. Kirkehist. samt. IIT. nekke, I. bind 
8. 341 — 310 „Jon .lacobät-n Veniminu»" ; Cawalliu, Ijunda, 
Stifts hordamiune III 3Q9). — Wfibrcnd man auf Grund dea 
Textos von K nur vnisate, dass J. Jacobsen Yenusiuus dei 
Besitzer dor laU Hv. Chr. gewesen sein soll, besagt der Text^ 
von S, dass er der Scluviber (also Äufzeichner) de« lateinischen 
Originale« sein soll. Ich halte diese Nacttricht fUr einen 
8toher«n Kingerxeig. Soweit unsere Kenntnis reicht . kann 
memand als lateinischer Aufzeichnor einer Hvcnischen Sage 
in Betraclit kommen, als der Pastor der Insel Jacob Jonsen 
und «ein auf Hvcu geborener Sohn, der Theolog und Historiker 
Jon Jacobsen. Ob der Übersetzer bezw. dessen Q«wä!ii'$in5nner i 
mit Becbt die Hand des Sohnes in dem Original erkannten,] 
oder etwa die Handttclirift die des Vaters war, lässt sich nicht 
auämachen; in dem Ausdruck i-fr pamblf iimJcfitedr or r\'fnt 
papir liegt nichts, was die Autorscliaft des Söhnt?» zweifelhaft 
machen könnte; schon vor 1591 hat Vedel daa Mapn.tcriptJ 

*J Die* der riehlin» N*u«: JciM (in K) bt ein wsttverbreiteterj 
IrHam •. Racdjim a. *. o. S49. 

**) K nennt Ihn auoli Ptitritt, vm tr in der That andi war. 



I 



ElNLKTTüKO 



XV 



gekannt (der Aosdi'uck: den Unrntke Chr^täeke geht notwendig 
aar ein SclinAstdck, nicht anf mündliche Tmdition) nnd dn 
J. (Iiicohsdu vur 1559 geljoi-LM) ist, kftau di« Auf^eichuting 
»hon bedeutend früher erfolgt sein. Das SchrifUlück mag 
in Lantlscrniia gelt^gon und dann nach Noseby geknniiikeii 
«ein; dort wurde e» 1603 itbvri>elzl; der reichi-n KcuDtnis H- 
Fr. R0rdam8 in der kirchlichen FeraonalhiBtorie Dänemarks 
ist ea gelungen mit gi'ORsor Wahrttcheiiilichkeit den Mettter 
Niels UicheiUva Aalüurg (seit 16(»0 P&rrer in Nosctjy).. der 
mebrfuch uIb Übersetzer ähnlicher Werke thätig war, als den 
Übersetzer der Hv. Chr. ausfindig zu machen. (S. K; kirke- 
ht»l. Saml. VI »88—603.) Das» S nicht da» Origiual si'iiier 
IjlivnutKung, «oudvni viue Absclu'ifl Ut, wurde ücbuii bemerkt. 



In den Anhang habe ich Vcdeln Einleitung zu den 
drei liibderu von Ürimildn Boche nach dum \'orgauge t^ruudt- 
Tigs anfgenonunen, da die Stelle als Quellenzeugnis, das Über 
den erhaltenen Text herausreicht, von gr&sster Wichtigkeit ist; 
der Originaldrnvk i«t genau (auch in der Zvilenhrci(o) wieder- 
gegeben; auch da« lateinische ßingmmm, da^i Or. nicht ah- 
dnickt, ist mit aufgenommen. — Vedels Erzählung geht offen> 
bar auf daa bit. ge^hr. Original zurllck; die Abwoiobungeti 
tun dem uns erhaltuncn Text 30, (it Hurti), 30, (giorde buu 
Pact met hannem) 30,^ (fick der Ht Banefaar) und 30,^ 

(Grimilds fomlyrke, pa« det otc) erklären sich aus 

ungenauer Wiedergab« des Gelesenen, bei der das Stroben 
nach besserer Begründung und Erklärung der verworrenen 
Erzähintig seine Bolle gespielt haben mag. — Woher Vedel 
den Namen Niding bat, ist iiubukanut. £)ine Coutamination 
«OS Kenntnis der Wielandssage ist umso wahrscbeiulicher, als 
der Name von Niilings Gattin, ßodild (in den 'Liedern bei 
Vedel •— Dg F I ^,). vbeDdurauf liinweisU 

Die Stelle aus Stephanius bat keiuen eclbststiüidigen 
Wert, dasie (mit willkürlichen Abweichungen bzw. Ausmaluugeu 
32,^, 33,4 Ijwalo Huteal ganz aus Vedel gi^schöpft bt; ich 
habe sie nur mitgeteilt, ila das Original schwer xiigäo^icb 



XVI 



jimozBK 



igt, and bei blosser B<!.<«preohußg vielleicht docb hie und da 
der WunHch, die Stelle uncbKusulK-it, li&tte aufkommen können, 
Grundtvig meint, in der Bezeicbnung Hvenilds als ^i^antitta 
liege ein Anklang «n die von Sjßborg mitgeteilte 8age [Bj; 
das scheint mir doch sohl- xweifolhaft: der Bi^fp-iff ^ig»* liegt 
schon im dän. Icamp€ und scbon Vedel spricht im Epigramm 
von giganUi» tum. Den Namen Botilda hat Stepbanius 
ans den Grimildliedem bei Vcdcl, wo ja die Mutter Hagen« 
Bodild gvnannt wird. 

Endlich habe ich im Anhang die Hvenisclien Volks- 
Überlieferungen gesammelt: A — C stammen ans Sjöborg,*) 
D— G habe ich im Januar 1699 bei einem Aufenthalte auf 
Hveo aus der mtlndlichen Überliefemng geschöpft, Dass ich 
diese mir schwedisch (sk&niscb) erzählten Sagen deutsch 
bringe, erklärt eich daraus, das« ich mir im Augenblicke der 
Erzählung nur Kutizen machon konnte: die spätere Bodaction 
aus dem Gedächtnis war mir nur deutsch mSglicb. In dienein 
Zusammenhange möge erwähnt sein, dass ich von den vier 
„SchliMsern" und „Grtmilds Ürub" keine spur mehr gesehra 
liabe, der Pflug und Ziogelbrennereien haben die letzten 
Spuren verlöscht. Dass ehemals Beste, walircheinlioh von Ver« 
teidignngs werken, existiert haben, bezeugen Vedel aus dem 
16., Sjöborg aus dem Beginn des 19. JTid.; noch meine tJewährs- 
männer, alte Bauern, bestätigten mir, in ihrer , fugend Reste von 
Wällen gesehen zu haben. Zu dem Zeugnis Vvdels stellt sich 
nach das ungeOthr gleichzeitige Tycho Brahes, der „auf seiner 
Karte von Hven in epistola agtroncmiew und in Artronomia 
reBtauraUe mechanioa vier Punkte verzeichnet, die er als 
Spuren von vier Burgen, die ehedem auf der Insel gewesen, 
bezeichnet" (Heiberg in der unten cit. Schrift s. 188). 



*) GruDiltvig teilt A B mii, C aber niuht; die stelle in „Sam- 
lingtir etc." tnuss iliin (ifTenbar uiibekaniit ^we»U[i sein, aorut hütt« er 
uicht in StUok ß Z. 8 v. u. A^n lur han vermuten können. 




EDtLEITüNG XVII 

SchlieBslich mdge hier ein Verzeichnis der wenigen 
SchrifleD folgen, die sich mit der Insel Hren heschäfügen. 
F&r die Sagengeschichte bringen sie ausser Sjöborg nichts bei. 
0. J. Billberg, Disaertatio bistorica de inBoIa Hnen. 

Lnnd I 1793 II 179B (mit einer Karte)*) 
NH Sjöborg, Foreök tili en nomenklatur for nordiaka 

forolemniogar (1815) b. 81 ff. 
Derselbe Samlingar för Nordens fomälskare (1830) III. 

71 — 85 (mit einer Karte) 
J. li. Heiberg, Hven tilfom Dasmarks obserratorium m 

Urania 1846 (■. 55 — 170) (mit zalreichea Aa- 

sichten von Hven); auch abgedruckt in seinen 

Proe. Skr. IX 147—274. 
Olof Qastafsson Beskrübing öfvcr ön Hwen in Msl- 

möhnsläns kgl. HoshUls SäUskaps Handlingar XXI 

(1850) B. 90—115.*) 

*j Die Kentnia diewr Abhandlung -verdanke ich dem VolkiHchul- 
lehnr auf Hven, Hm. Ro«enq?Mt, 



10 



n 



Om Hueenn,' mellum' 
Sielandt Oc Schaane.' 

Nugliag (Ml lvem[iv, linfftlv tliumino fönner, 
Uugenn ' <>e Folgmar, oc i^n tlaatther," Cbromitd," 
handt bafTde oc et merckeligt ' iiort ' lif^gentidv fw 
Alf ftillT oc guld indliigt uc foruaridt vdj 
Hainmcribicrg.* (an alt liigenn iMciiifler '" dett 
finde kande: Menii " en ttiroldm'igle '^ haffde haiidt, 
medt builckonn hnudt 0)>lu<tt bk-i'giidt, ül» offtlie 
baodt der iodgau rille- Der liiindt nii dAde, 
Äntnnrdet haiidt han filnn Hogenn " Cinime 
Nögcll,'* medt ruadmi vilkor. Att liainU fkulli-: 
Air biorgidl forltune fiim aiidonn brodei: oc fyfter. 
Docli künde hnndt Aldrj foniöye fimi fyftjr 
Clireinild '* «ibu«r " megitt him tick, Tlij fiia i'tor 
rar hcndiu vmfttUolige " Kicrigl">(lt> Och AitbÜdt '" 
brugte hon bode lockeun oc thmeii utt huii fnlff 



I. N'ogling] HaxUnj; H^tdtr.; (Hier » dit mA>- antgetAatttn- titrich 
fodrr Wmmt Fteckf) von der jünt/frcu Haatl. 3. Iigx^nndi-| dag eftte 
B mw e Arrj|<x(<XU. 4. fölfT) der StrieS tibtr o ttark rcrblnnl. 6. tlirold- 
.. ..-I.-] tu IhroldnÄitoll tNM der fingeren llitnd gtändril; der Strieh übf 
itrfA riofu tTfduii fiul tntkennllUM. 7, hitTgxM] der Bei*trirh von 
4er jAttftrtn Hand. 18. t^hnor] s <con drr jünt/tim Hand tu e ^(Andrrt. 
18. negiU] iiber v rm btdietitungthifr J*iinkt von der jit»!ieitn ITand. 
lt. ™r] • iwn der jängeren Hand 0Hfgtfn»tht. 

' BoMti * iin«1leiii * Sokafinc * Hogon * \iit)nd»add. * Or«mil>i 
••ri »a immer, vo niehl* andtreM angrgebea td ' UcnlicUg * flur 
* [l4B)raerbi«t]^ '" Mcnuinie " mea» und ao immer " trold-Nö;(e1 
" Bmcch \tnd M imiacr, u« nicktt ändert» »ngtgehen itt " TroU-Nöffel 
'• ftremlW« '• huor " Vnjtügi- "»Wrig 




2 JIRICZEK |B 

[famme Nagle haffae knnde.* Oc der hun ej knnde 
j oagenn* maade Affthinnge* haniun aöglenn, daa 
bteff hun meget forbittredt, oc ndolthe Hn rrede 
i Lang tUiidt, tfenn lidean vdbr6dt den, fom vy 
It. S her efftlit^r [fkall hörn.* {Dih midier tfaiidt,' bm 
han* nu thil aoxte, oo Hogenn betesokt« (eg att 
ville giffte hende, Ornfporde handt fig grand- 
giffuelig. huor handt fknlle [finde den' fom 
vdj byidt %rcke oc krigabrng künde verre 
10 hendis Lige. 

Na faldt dett fig laare veU i » Laffne, Att thUl 
Wormitz* war en kemp^ vedt naffiui Sigfrid" 
hom (Saa kalledt, for^j ingenQ knnde hngge - 
l'aar paa hannm, vdenn " et" RedtE" paa bana lyg. 
l^ Thj Taadnun en Itome haardhedt rar v^j Alle 
liaoR Lemmer: Huilckidt er hanum veder- 
farrenii äff en bnmdt handt thode Cig vij, fom 
enu (koffuequinde Melulma vifte hanum) 
P»a denn thüdt lienriegde'* äff gandfche Nor- 

I. Nögli-] der Striih über o fast ganc ceilttatst. 3. nageDoj a üt durelr- 
iiiia keiti SchreibfeMer für u, ». J. E. Bttix, Ordbog Sfver nauka ali- 
mogetpriJcet (IftiT) t. r. «Urn. 2. ASthiungc] die vngeieSitnt S<itir*ibmtg 
iu für vi tuiok tn thiurt fl,;. 4. Lang] L ntu A. vtrhemert. G. eStberj 
Sttchhrr ein bedeulungsloMr »ekmicher Punkt [Fleeken T). B. midier] mj Itt 
der Hdaekr. nur m mit einem i-P\iukt über dem Utxie» Strick (oder ni). 
li. Hogenn] II attt c (?) verbf»aert. 8. hoor] luximal geiekriAtn, daa er^te 
durehatrichen (vo» derxelbeH Hand.) 9. byrdt] r himI t «ms nicU metr 
erkennbaren anderen Bvekstabrn gebetsert; Über r tat VM dem Qnmä' 
zeiektn, da» kier leegradirt igt, ei» Punkt ilbrig geblid>en. 11. Z*u»Ah»dtnitte 
am linken Rande ron der jüngeren Hand ein MargineU: NB. De oondn- 
ratiooe. 16. borne] out hereo verbesitrt. 16. Lemmer] über e ein Pwdä tu 
der Hdtekr. Ift. Huilckidt] beidemal bei i nrn Striche, die rioch wol nur oIk 
hedeutungtlose SchnSrttti aniffaeken tcei-den dürfen, da nur je ein i-Punbl 
utekt. 19. hi^uripfrrivl vrgL zu dieitr Schreibung 3,,t,S,tt,Aat,fi,\t, n.6. 

> Kunde hafvc saioc Nöget * Sogen und to immer, ko mdttt aKdem 
angegeben itt * ftfuiDdo * Ikulde fs& kt höre * De&midlerlid * /eU( 
' d^mt 6i>de ■ til • Worniti *• Sigfred hpmI m inmer, vn iitcW* 
andereii angegeben i»t " udj " En '* Red " h«6en Iteiglte 




DIB HVOi-SCHF. «'HRONfK 



ilcfke iMutlieiut ' v<lj * Buitipii dee fonuniiblU- 
Adell, Kri^rni«:*ii(U -ic lo'nipor tliill Wormid(2* 
iliige Onu fonlmn dee (invkur ' thiU OiTmpiini) 
f^ch der vdj Knngpns liVtlhnfTue vdonii bycnn 
Au fkiffrmytiM; * nr Offut? d«in vty AlK'liaitdp 
Khg« Itrug, [Her pua att Iw* / worra ui»iige 
t-dle (oc rriborne ' fnier oc .TümlVuer." Hiiilrkv 
niedt nll Wfiinlig " fnfiiitliMft, oc Kyfs, thoge 
•Imodt dfim l'um hlulTur "* friruiiidure, oc dem 
\10 medt Kranlxe forerrede. 

Dül Iwnw, iiH^l Hngoiin " u*: Koigmcr." fw- 
riogfipr "* oc Chromild: liuitckcn bode for hendis 
Legcines Iniibcdl. Ifkickoligh^dt nc dieglighe<lt. " 
frcni for nagenn Aiindeiin Iota daa tliiirti?<lt! Tur. 
1-"i Alf drntnJTigviiii poa Krtierilufn iiidbcdis.'* 

ha«r headc bcuifacH '• ftor a-rrc oc vcluilligbet/, 
i>fft«r^ iKiidra Teder fuld« hendin " rknbning,'* fom 
limi molUii' vi-rret '• i-n förftiiid"-: Huorfonrc'" 
•>c. njiar drotntugftiD loüdt iHt Fruentemmer 
S<t wdgick, Chremild gick hende Althiidt" neft, 
hutirktitt gnff linoi- »ff dße froiniiifdc Aai-fitg« 
tiiill mU itK'*.'uc liiiii Titr Kuiigv-tiä dntthiM'. Hcude 
war ocfi» tliilllodt, Au vdgiffiii" de- Hefii' krandtze 



1 ». 



^^B &. flnekerj w <im v g^emrrt. 7. rriboroel rfn- i-i^miM I. in J. 

^^B|KAr. 7. Junlhiur] dUtt Wart in 8 immer mit a. II. ncdt) ko» 
^Fr jihifmm ffaiMt c au« • {"•*) li*iye»tftH. II. drr Beitlrieh imitA 
Kiilffncr Mm «Irr jtingrrnx Uatd. 13. rfrr IMtlriei uacA dicgli)(h«]t. 
i<«w 4n- i^ngerrn Hrinii. 18. vp|uilligbeil| »I i» Jti6rrc. 17. hcndii) 
MW ilrF jiitiyrren llaud (ff o (^«') in n MrdiHfi*r(, ■tu' Tinte jtJloch 
'u- ylrirke tcir dir drr HrUKhr. 9U. I^liiviiiiilil) m hat tnrr SlrUlK in 
■Ut aiUckr. (iin>. aa il«ft.| abrr ir«m Btittvi'* tuvi KT-i-Uumtr 7^<NM<-r:J. 
29. rilpiffilol i-Punkl f, 

• l'mrttT • J ■ Womit/, ' Urolwr » SobonnJ.crv • Stod(!) 
■ /dUr • Jorafro«: st foe .lerpaa • /M» "• Wrf " Bogen 
" Polgwar mJ «o iiMwei', ir« uirht* andtm imgtttbni tri " K«igltti 
■• 'lefUgtiMl '> iiiüt>v«>len •* Bonifter ■' /MU ■* Scbabning«« 
• Vm- •• /Wl» " feUl 

1" 



.nmvAKK 



tliiU dvm l'uni vdj Ki'if<tüfru«b.c luiuirkeii beboltbe.' 

Samini> tliiiclt Koin «c Tlicodoricus ' Veronenfis ' 
Atl' luli'ii thill Wni-niilz* luedt fin^ QoUiefki- 
KrigruiondU Ov tisui vur der in.tng» forruiubk-d« 
> AfFdifw" Nonk-ncc Lawdo uc rigt-T. blandt * builcki.- 
l* T. huiT l'irdi'IU Irflvdfi att Kciupu i«- forfi'tge fig 

medt difto Qotlior, Pomin (a» ^ott vmv derrts Liand- 
iDifndt floct w foruaadt. Or oialwr*" <Jaa* dw> 
en-(i k»mrai'ti tliill ftrcgs '" raedt bin And«im. 

10 Lud Hagen Hg i beryndeligW'/ " Tor Andn.> bofHldi- 
denne SiRfrid bom, oni liuUckvu 
Ibilforu er rurdt. haio ' ' halfde baiidt altbiidt 
ftir pna, ov- lielft vilde alt handt fkulle ectc 
huna föfltr (.'broiniild. Derfor gick biuidt 

Ifi faa lenge Sigf'ridt <»■ Chrpinild imellum. Att 
für dee drog'^ inia Wonniz,'* bleff bn'dinp 
huldit. vdj en niogitl ftor forfiimliug äff wUc 
Ki^mper, Fnier oc Jamfruer,'* huilckett liröllu|> 
KougenD bi>konedi>. Huor effter «tt Sigfridl 

SO mt'dt Hagenn oc fiim liiiltni ('hrcmüd iiidrivgler '" 
vdj Daiiiii«rek, " oc lader llaa offacr thill denn 
(InM. isoiii lideii kaldis Haeen'": Huoi- faderonn 
Xögliüg li«ffd.t biigt'" fin>'"' riotte, liniickf de fielff 



I. behoHbe] it wtdetiUich, ila über swei (einen?) anilert Utteht 
Hie nirU tu crkentita irind, äbrrgetr.hri^n. S. finl tu der Apokopt dr* 
r crgl. will S3,iB. mrniiirki'ii iH,tt,. T. Lanilmc-nclt) *i> au<k K, tan ftUrr 
für Land»; ». AfnlhrrM, Dautk (ttostariam s. r. 10. Ixxl) A*li>'"I 
10. lH^I'J ndelighf rf) ed in Abbrfviatiir; m die»tr die fMMä»figr. Au*- 
"prarhe tcitdetg^tmdt» Sohreihwtg rrgl.^,t<,,n l'J.t. II. Iiiiilck«ii) iw^i- 
inaJ gt»vhriehei%, da» erHtr mit anikrer Tintt (^ junger« Band) rt«mrA- 
»tri^ei: 13. ritrdtl der Strich durch o von der jUnfferen Band. 16. Ww- 
mii] Vier nt-Slriohe in der Hdtcitr. (tvn); nafh lUm Beistrich noeh eia 
Ptmkt [, .). 16. bröllupl hi>. V (für i>>. 



• ßchuldt Uiucbcn ' Teodoriou» * Veno reu« !•('.) ' Woniitt 
'4) - J Muidl. < omtiilur ■ i'ör ■" ätrcg ■> Bcr^«rligh«>l " /»h« 
" iroga '• Wormh» '* Jnmfrucr '• ncdreigltc " Dnnncniiirtr (Ahbrtv.\ 
*• lusul Hueen " bjgd " 4?« 



61 



lUH HVKNIIÄHf: «HKnsiK 



w>-uljgeii dct^ltlie mi'llum bin Andre.' 

Nogunn lliiidi her efftei' bcklager Sifrcdt Ttg 
t Lniidom für fiiui Tnog«!' om den Itoro Spot liaodt 
Lidd)^ äff linii hiiHru. All hoiut» llyi-ok(r vav ntttt 
ö for Hör, Taa att- liiuidt um NaIU-iiq" \<i,\ Ordt uüer 
gieniiugvr wiUv tliu« fig iiHgvIt wuiiUg, Üiia Rod 
hau Ilrax op. thoffL-* baund IVnn Im» Altliiidt liaffdc 
tliill retle »o Irandl liaiiuiii. Hiiurfor liutidt uc Tägdi- 
fig* ig^iui thill Tynaiidt" ,ttt vilk- fui-rii'>grL-.- Mi'n 

!•) Hugi-Dti giiff liaiu Tua farraadt." Alt hnndt en iiaU, 
irkulli' ladp liiinuDi iiidKaM (liill (Tu Tyltir, Intiidt " 
fkalli> {weil gKiiv'* d«lt (ixn sit hiin (idonii iiigt.'ti!i 
Spolt rkiillv IwtiifMi Till inaiidt. Sa» flaar dee 
Boddi'" iip (im luitthi^ii, uc nau ett'* wifse** hemriidt-" 

lA llodt iin'dis, humr H^uiiii l>ctoll Siglrudt, all 
liandt fkullc iadgaa »c logge lig i rengono hok 
luuiB liußni. |Hii) dett"^ Oliremitd k-)(« rktiMi- aA' 
lieikdti tnrft4ia, iiixTlnk-H" thilgick ,' fatnini' Uagens 
htiflra licdc'' (tIiiiiu*". 8iia gaui' daa dctiin i^iie 

30 hen Üiill donu äihIi'Hh liiiftni, Der Hagenu [nu, 

foin" holdu*" llp for-' Sigfnd. Mt foin Iiatidl" vilW 
boldtj llg nagett wenlig, »r him icke tifl« Aadcl 
fiud deti war lioadvs i^geitn mniirlt. lteg>nd<T Imii 



t, iMSdl] rfn- nwjtr m-MtrirA tugteieh dtr erflf. d-ttrieh, 5. «tt) 
<(*r 0)»M rrfanlni ntU K riii imHr la^A &tl. 7. AlThiidl| •(■' /^nU' 
äfccr Jen Mdni i fthtett in rlrr Hdtchr. 10. furruaill] rJber <rn iJoa 
mM. Forruaal f>. Kaikar, Ortlhog Itt iL «victtv ^an*k< Hpr. ». t'.> <i> 
im k t m <ilt mif K <i/ii furHiud aHftafa*»ea: Ueitlf iceaigttens int m. tF 
*M |[{*i- Tur Rulid mcM gAräitrhUch. \h. iiiädU{ k». u. 15. HoKoaaJ '■ 
<»■ «(!*> IB. IhUgidc /l (Irr Sirich von Aer jnugrrn, Hand. SW. AiMl»tl 
u ■>• eaHAM ttuletertirktit tlitcMabrn krrgemtrilt. 

' uiiIbd ' nwu* arfrf. ■■ riitun oA*. ' iik U'g ' ■>,; "dd. * TyilDsad ^ 
& lAfotmr n Imiut atch IVl bcduiirM.* docA rrgf. ]t7,i(l ' R«igf»- 
' far RmH * ftill täberfkeH, ita (Ii> näehtlr ZfiU ^cafttU* mit 
IMI> h<finatf <■> W'liriSre '■ bc^go « Kd " Wif •• linr«mi 
" at odd. '• Iti»« "/•<*'* " Olnra'!) " rom m. " hol. II *' ffhlt 

" ff hü 




9 \ 



.IIHirZKK 

fin gaoibli* waAO«> iiimlt' In-odorcau, [f«« funi' ni'xl ' 
mftndeun. H«nn haiult' blefl* heiide for (Ifrck. 
oc bandt Hq l^'flir [well bnrt* medt heDdei- oc 
Pöder üp tUill enu ftjtle fall Nögciin mit vdj 
5 hafMt': gick Taa vd, lig« fwu liandt wille hente 
i't knip" rifs, oc Knller |>aa Sigfrid, bewtter 
hauum huor Altlünf; er lliUguutiuii ' uc llger limiiiv 
hiiadt bandt rkiilli' ^ gi<Sre. Toni var, att bandt " 
hviidi- inodt i-ir^-nn "* fiui lenge [Haa fkoUe," iodtbill 

10 buu Loffde liaiiant denn Lydiglicdt oc wenUgli««/ 

hun bürde. Oc faa er dett tlnlgaaviiii.'" Att Clireniem 
baffuir indbild^-t (ig «u meiiing ont finn inandtz 
rturi-e Krnfft oc ftyrke, Att hun (icke ydcrincrfi'* 
rkullc vraderftaa (ig uageit att vdrt>tt(>, (om (lenu 

lö BctoHtabs kierltgLodl fonniiKlfk«' kündig 

Ueiiu äif^ridt bethabt« Hagenii [igctui 
Jld«.i* Thj da» au tiaudt iudgii-Jc tUill Öluiuua '* 
HngPiiB huftru am Xatteiin. daa iiüeuu hoMlhe bandt 
fig icbf t'ntiL V<rni-i-iH S{>ill. Huitckett '" daa 

20 HiigCDii künde vramleftaa'" fig, [h»d luiiidt dett l'ig,' 
foni dett i»c " hurdi- gaii laare uer thiU hierttlie. 
Uog iioltbe*" handt faa Unilig Ixtfs fig Telff-' dutmv 
vr«tt haniuu viir vcdcfiirt-nn,'" det hvnf^ttvi liaiidt 
Kunde, iudtliill handt Kunde Tee fig leiiipe oc 

ab Idelighedt.*' Ocit da» en» gnng handt kam 

haiinm euntig^* thiU onk, Huor doe begge vUlo gas 
denjiem att furlyfte. Ledsagede liandt banum hen 
modt** enn kildp kallm flcoldc kUde» [etler knide- 

S. Sigt>UI| lirr Punkt uim lUm mten i fditl in der UtU^r 
7. ligvr] Hier g «tn Punkt in der Uithr. 10. wenligbnfj ti in Abbr'- 
tiolNr. 18- bamll] dtr nceilt (••MricA dimt lugkUli ah enler A^tn*M. 

' taoA * ligcfoui ■ mixl ' ftJtU "• nilj Hnulit «Ui Nögen * /VJUl 
' tilguit » rkitl 'fehlt '" Rifel " fkuldc Itu »• lilgwiit '• Ydpr. 
niMra icbo " riije igieu '* Gluirn ><M huilche >'Vnd*rltM " fehll 
"ffklt »'Wdl "/VA» "WfMiorfarii •• lÄyligh^d •* KiwJnlig » imwl 

'" Knlle-KiMt 





■ 



faijniid,' i>er uu Sigfi-iill war tlirvll, N«dlttg(lc 
Iiiin<)l fig utt (IHcko uff Ivildorm SU'ax thsgvr 
Hogdiio Sigfriils' luunlt op,* gaar hanuni (Affter 
tbilli* behrettor luinuiu liuus riemuie itorerj, 
A forTvdt^TJ Ol' < trufkab. uc \advt liuiim-ni für rudaoDc- " 
blodfkatn du title ov miilgiolde. Dor teea endnu 
trn rior Ibfciiii reclt fammi^ Kildi- fpritig/ foin Alf 
forbeiiHiUlic ' Hi^rriilt, kuldc-^ Sigcrllcvun, paa 
tiuilckon Uaiidt flculle leigd* ■•■- wdgifFacaii" Hn Aand. 

10 Der Cbieniild im Inmitni rinn luaiidt'" 

lUiill" linilcketiii liun im li'irrt linAuir'- fiMvirn'" (Lylt 
oc bühagUglifdIJ " Äff fmn broder all icrre Jhiell- 
tlageitu, Stnui oml^ber liun pa.i Alle Iiul'e pa« " 
Sliitlell'* rom t!t ^l«tt iiKiiinirkc, rkrigeuiidis oc 

15 nutbvudi's. 00 iiii.'iit Ik'ikIi-'' alle" liviidi'ü in^er oc 
qutodfulck hjlc oc gi-e«lc [mc-dt vdriagno hasr oc 
n'iffiie Kloder '• wdli'ilie*" vd alt )>ort^iin ntt fce fiiiii 
ilüiJf iiuiiidu Usi. Unur dau lodttlu; beud« eil AS' 
figgoDB fflnde*' budt, oc'* wifor** li«nd<! (inu luands 
AQliu^fuc boffuidt, iiuor äff buii bleff l'aa nred 
IV b(Nlrr>ffuidt tbilligv. Alf btin d»iiiitide ned ** tbiH 
Jonlenn. Oc efftcr hmi nu "* vjir KoiDtiietin Üiill 
Gg igcDD. fälgi>s** bnn thill lift rinit Cai-beideburg.'* 

4. bium] (tu % fo /lark nnltr der ZeiU ^oiftM. dafa et faft uU 
c{n ; mufidH. fl. fees] ■ flavk inler äir Zeile griOge«. faft kw ein t. 
«. Snl f*«MM iAr\- \ fehlt •■■ der Bdsebr. «. Auii)| da» tteUe n au* 
a Uergrtlellt, 18. !lai>r| ilamnler ein ii »«radierte Hufteu ßcHlbar: nacti 
liwtr Fl» tunkt, der jritoeh nur drr lU»t eimtM «tnvnuiwrira BlieAjilitbeU' 
r« MM 'eheinl. M. AiTbu^WJ die StiÜM'ir tiber u frUt in der Jidtehr. 
3i. Bigfa] A*. «. dS, ('iirliddeburs) n »tketut tut» o>- hergttItUt tu »ein. 
tber o ein Uakm, der ielü al» Putit fHi i itinrf,- d/irkh der Stkreiber 



I 

SO 



fekH ' SigfnAi ' og 



T.tn«' 



* tlnTMl ' VJ^irrer » Msudi lilliaml 



* rnulau " feilt ■ ftMl 
■> ftUi AiVi-, «(eAl Itintri 



ItfheJ f». «> " UrUc " Fwit " KicHigh«! 



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/diil ■V<*i' '•/**« "lob« " feUl « f..ro »'tfiAc " /«*» 




B 



JIBir/EK 



64 



huilcketi hiiulc i Skiffte var' tliilfiildfloQ: Dtir 
lader liun heobeie Qru döde Diands krop, oc 
eflt«r Avna tJüids Tediiaane n<: lieglijrhedt,* lud doli 
hM]«rlig«ia Ix-grafTuc. Hofs gruffnenn Tor dotn 
A Tom äff Adfkillifft- (teäer der thill bedne' woi-ro/ 
Klager Itaii liaardeliizeiin put* denn norre vrett 
foni hemle »ff hi^iidt» hr<Mloi- Hogvnii wniir wdvr^ 
farviui, Att iicndia Kietre tuaodt Ik-ikIb wdenn 
all Aarbge war berAffnett, «c Aldrig hnn eller 

in hendv» maudt, luinnL'iii nogviiti tliüdt i nrd eller 
gteming* lorwrettet buffdo. Mt-im ' dvane hondes 
iin^c-ndes^ lluiUf oc .mckclige* klagetsaaU. Opr'>rdtt 
faun iim&gie tliill ilor oiediFiKk, att dee Obi-nbarUgi-n 
f'>rb:uuk-tt denn MnniKlnib^Tu Hogcnn. Der Iinn 

15 nu toruierckir '• tuaiigo fig att verro tliilhengi^, 

beder hnu att dee inedt raadt oc dnad hend«^ biflHud 
gWre vilde. Tl(j, fip-i- buu, doli er bufryctviidi«. 
Att bandt icJit; tuudt " uig fItuU«- giörre, lom inod '* 
min niandt, Siger Cig att rem* en eenlig;" i|uiiide, 

SO uc ingeon biftaanil äff Na);i>nn alt baffut-, Mmn 
beKf;o fino brödix- att hafTue OplaRt niadt bnodt 
hende. KiTter hun nu raadaiint- Klagfmaall «fft<^ 
njpetfrwde [oc igentogli." diw deo foin tlülflvdt' WM;ir." 
Loffdu tic thiir»gd(! ht^'iidi.', AU giüre bmide dereä 

36 yderfte bielp oc biilWnd, jaa eail ov deres Liff 
(for h«nde'* att Tetthe i farn>. Ot» hvndra brödrv 




1. builokett] Ptmkt Uhrr > fftU in tUr Hdtitr. I. MhilIt«J 
Ober i feUt m «Icr Udafbi: 1. Oiilfsldcnttl Ptt-kt ftbcr iftUt. 4. Hohl 
u am* (iwM ändert» {wuhfuntlicAen) BfehstaU» ttbt*irrt. B. UiiU| Ptmlit 
über i /Mt im der HJidtr. II. gieraiag) die Hand^krift hat üi did 
eintH Slridt meiel (nim). II. Meiui| L iii«(l oder hon ;. /.T tn lUgcif. 
13. UbenUriiffenl der Punkt über i fthtt i» der Hd*chr. 17. risrr\ dt. 
AoUrf aber i fehlt in der Hdadir. [9. quiod«) ml «n TJyatitr. 

* TM> homA tiiodo ft*rttt • Ujl%h«d * badiH * /W * *->'»<>'- 
*OMraIngrr 't&cd *gni<(load« * VixihcliR " fbraneandt« '* tncd '* mod 
» Brtig >< feUt '* lo»i f« «letto nllwoHirra «u til hier!« ndd. >* /VA» 



«s 



HIE HVKSISUHK t^HKOXlK 







ht>nde Nagpiiit w(>l*l "c »rett piiüfArru villd«-. * 

Der H»g«uii l'iui'latil liuffdu forftafnn,' daji 
tfimdof; handt voll künde ^iffnitt' thillcienndi! Alf 
liaHclt retrerdig Aaj-fap;e hniidt |fij; fmt" hcffnidt hatl'de, 
5 wUlu tiiindt Alligeu'll icke, bodf fordj bamit haffdc 
■fDgenn Windifbyrdt.* Diriigefte [oc. att* oiu fnudunt 
hlcff Oboiitibarredt, daa fig iiogvuii tliiull* nc wniiglifv/ 
(ig mcllum' Imiinrm oc Imtis liuCtrn tbildnti;«' fkulle'. 
Hoorl'"!' baudl I/tdor Fol;;miir riuii broder f(>rft»ii 

I» bgmui, oc mcdt haniiui» iiuidfüi-«*!- * fig, Att bitndt 
willo iiidgiflue* v(^j fclianiif,'" Meein-iidtH. att dec 
ey tbryggeli;; dpi- iiide pAa 0enn bliffui- kaiidr. 
Au dei-m TylVT jo Altliüdt boilv lönlig uv ObcubHrlig, 
medt faigti iK bindcrlin, liia vell foni cjc mcdt throWoniB 

15 Ktiüd fkulle- dein efifti-r LifF oc widfm-d Iredi-," 
Hoorforrv, d«e uri lador nedförrc'* tbill fkibs 
deriw bohwffu«, Oc iiicdt (Ii-rri» l'olck lader ilaa üffui-v'" 
Idor foih" baffoidt er rnialleft, HoKenii''^ iiidfylthe"' dfi 
thucrt offufr frai», Tom Uitidi-t var" böiel't. huoi- 

20 liwidt bygdf lig" ett bufs, buor bandt'" kundi- wi-rrc 
fri Tor füin frfter Ohremild, oc kiinde liaffue 



7, tiaAghMl td in Abbmcialitr. B. lig] oai-li dtm lig r.. 7 «ifer- 
«■Atinlf. 8. ih] /o/l ^n( eriofttteu. lU. luDiiunil i^ia u /ttfht einer/i 
e /(Ar cÜnitch, rfocA Jer u-liogen täatt leiten y,ioeif<i, ttam «in a jk- 
Iidkrti4<a iW. 10. liBodt| rlri' tireile n-StrUh mijlrirh iJrr tnit tt-HtricA. 
It «aio| l^nbt Stbtrr \ ffhU II. init^frii> | t'tix (Ts /rAJf. II. dM| 
auf rintr Ua*ar , «m ifciii »ti-«/)fÄHjtiV'ifn rydlln pi»B dci: «ijcA mb 
At»M ilbrin f/MiH/tM. I». I>lia'ucj i(rr l-Punit fMt in (ftr fftUehr. 
18- IiiumIsI mitA kund« «■> Punkt, ilfr in rineft BeMri'Ji tfriMmdell iß 
f*4tr nmftifJtrI), |9. AU] atu Tlii gtUatert {oiUr Thi «ua .^Uf) 
II. ObaBlwrltg] I atu rinnu A<i/Ai;i< n-älriVA yel/ftiert. H. ihrwlilomiil liba' 
M IM in- lUachr. «» /VnU. 16. (1cl-| ütifi' o ri» ü roii ifrr jiVnjfRfVH 
ffirmi, jedoch •eiakr oMgmvteJil. 18. iiulfiltbo) äbtlU-U Slftalhriiff 
llaHT« 115^ vente I7,t>. 90. humlo] a-Sfhlriff fehlt tu ifr H-iii-hr 



• f«TrtRB4Kl I glftio * Im lijr ' Will uibbiurtl * /VA'' ' ^•"''^ 
' Imetlum * lU..f(5« • Qg <tM. '• ScJimiw " ftill« " mdBre 



10 



.IIRICZKK 



' prolpcct w vdltun mod* fitt kier« ' fedfriit- Landt: 
Ucim Kolguiai- itidi«)lU- i Snttrrig« i Ijeding. 

Der nu &re ' Aar varc omlöbiic,* glfftu' 
Cltremild Hg igemi luedt enn ADdonn iiurndt,* 
ö Oc <U-i biiii pan. Iiuoun vMe liolde" hrijllup, iiidbyd« 
hun tbill Gg ntange henditi gude vt-imer: liuilck« 
hun baffde inedt mne oc ilcenck bi'uili^et, Ätt 
dee Itondes br6dre flcnde paaföne' Hculb;. Bliuidt" 
huilcki^ varro oc ' inaug« focU're äff denn Aiirfagi«, 

1(1 Att dee fkuHe vdj ramme"' hAithüdt öffup reldfaiu 
fecterij [oc Aiidott Spill." Paa dett wefiligftc'* iitd- 
bydor liuii oc fiiif bnJdrt- [Hogenit oc Folgmar'* 
ved fiiin" voulige"^ fchriffueirse. Hogenn eiidogb att'* 
bandt vil'te vell denn )j;»nibli- AAiu-ikU var »(T 

16 batis lyrters Iiicrtthc kke Affgitfui-nii, wUla'" biindt'* 
A]lif*Guell icke ABüaa '* finn ryfters begierring. Hui>r 
for Uaiidt vdreiidci- riiu-*" tliieucrc |roin fkull«^*' liyrc*' 
Itaiiiieiii rkib, liujlcke-'' fom igi-uDkoiuiiu-,'* Tigcadis 
eil liaff frufl ntt ladet^* fiR thilfiuiie oc fpaa vlyck«Iig^ 

80 fna All blies bandt indkom pan hoeeii. baodl 
daa Aldrj rkullo igeiin vdk'iimue, Dvr liaiis 
bonrii Oluiia dett** borde, |blefif bun forferdt, 
00*" raade*" finu niandt att bliffui' bieiume, Metiii 
Obroinild att gifire fig bnMIup mcdt dee geft«r 



8. giOtcr] d<r i-P«nkt ftUt i» dtr Hitdir. &. iadbyder] 4ef i-i^iM 
ftklt in dtr Hdatkr. 8. jiaaforpoj in Jar HandtcAn/l ober o ria S>nn 
und StrieX (..). W. tkaWcl a-Schltife fiUl in der Hit$t*r. 10. böiÜüiilC 
Pttukt äbtr i% frUi. 18. vralif[«l Hdifkr. xnaaigv itmt a»t dfm cKfil^ 
a «in l umf i gebttterl: tsl. 9,ii Obcnbnriix- l&- willa] /b in Her Hdtchr. 
Wttkl doe VfrfrhreHtmng für vilb'. 90. imlkvin] i-Pnakl roK il.jäng. H. 
81. D») D (— (> in c owi if*t- jüngrrm Hand gtUttni. SS. bliffue] A», 
bleB«e. ». Gfi] i.F>inU frilt in der HdKir. i*. hfiAlixp] h$. o. 



'inod VeUt * i" « forfftkne ^frAlt *IitmU. '■ fthU * iUiiii 
" ftUt •' üokdtku " ftkU '• WKrii([fl» " fekU » flue " WilliR- 
'• /HUT >' WiWo " dos iMÜL " »flu« •• fin *' fMl " hyr 
*' hvilrhcii ** igüm Kam " 1m1« ** d«lU " feUl ** hiui 'uftf. 



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blB HVBNr^^CUK tlllUiMK 



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huii tuUTilt-. Mriiii lian<lt hucrc-keii foi- Iiödh vüev 
KTsdt :i6f nmi hufb'u lader fig offuerthalle. kcler 
fdrdj ttua iteilt itiill llr:t»ileiiii, der ffiaun fcer' halt friif im. 
fpitr haml- livncli.' iiiiorlü^lcs hiuis'' ritafi-' ntuUu K»ti äff.* 
S Oc der )iaadt liönlf liun fpade liainiem wlj'ckc.* 
Ülcff bandt vr«dt, wddragir fitt v«rrie * oc 
AfTliuggiT lii-iiiidc liofTn^dft. Der bandt {iiu gUJir* 
icd ftraotlbiickeii. nc hanneni imtder eii fcrrie- 
numdt, hyder liaiidt tuiuiieui Uiill fernclönii on 

lii Ibir' guldkn-ile (bandt bitffdp oni (iiin hals,>" Alt 
liandt" offnerföra fkiille: Jll«nii liaiidt wille icke, 
huorfoire Hee komiiiv" Diill im rktndlxiil niedl 
tito Andi'Uii, Oc äff vrede l'lai' fierreinaudonn"* 
Jliioll, tbag^r fidenu fprrieim Alle^iier,'* or. mer 

15 (ielff fna luirt hkhIi Aiiivi-uv,'^ »u denn eiif guAr 

I Lbo [for bmumni.'" der bandt (un nogitt'' jucr var"' 
mild" Laadetl*": timn-for liaiidl iiiedt deuii Aiideim" oc" 
Rh*''- rkioid roi^r Lliill LamU.-* Der bitiidl uu Koihukt 
Op, nioder ttaus bn>der FmIkii»!' luiniiom. Com 

iO rttmine time, dog «ii» Andfiiit fteds der*" K»m i Laiidt. 
D«r tliAge'* dei' [bin nndonn*' i ßiffti, nc iiimII flnr ^rail 



3. JiiinnI «wv ■ic»' jnngeftn Htuid übf' •tfi Xäk. i. haitd] «wn 
irr /ümgerrn Haml iAtr Atr Znk, und in <kr Z. i-ia UerttfUhm (xi. 
L AuUb] itrr a-Bttgtit feilS in der Udn^r, 8. flnndbaclicn] «i ««« 
r iitrf ttfJirribrr itottU offttAitr -1>reili>n fthreihrn). II. Uenn] V ('»<') 
>vK ilrr /Onjirren Atmt iN c rträndeii . 11. iulwl d^r BeiftrUh nach 
•Hrffrt MWt« frkriMt vtm Aer jnHymjt Hanrl bri*;iirnlimt. llJL Act\ 
(w b««J«it pn t— «f (Ion fli*r jäHf/rrm HauA in i.v jrtfiMfrrf, 
UL OiendUiUI I «itUeieU nur o/a ttnri in iJü- ffä&e yc^a^ftec Obrr- 
IHidt Pon » ao/jM/öjMMi. 18. ftprmnanHiMiiil FiMrr für fMTi"-- 
It. Mtaa] i-FiuM fehlt rit 'W HiU^r. 16. i) i-J^uU /VAlf in ite>- Hdtfhr. 
Vi.tmiitT] h*. ■: 



' f<wr Imi»1 ' ftUi ' ffUtt • llfiaifn ^ /VA« " Wl/«bcHK 

Suanl • fgutt nu ' /«AW '" IrMt " hiu.Mrt. arfrf. " K^-inmw 

■' If»r^ir.u«i<J»i. " Allruo " Asreoi- " fehH '' ftt^U '- ««r Sa»"- 

" frUt •* for bwwD wU. ■< Aitn' aif't. " xa^\ n-td. " T)» " Uixlil 

" l'hll *• U^r *' hver Biidri- 




JlR|i;ZEK 

thilki<^ndt> ){iffuf' iUm-i-s bn^ttdig* Rierlighedt. 
imilckt'nu gi-a<lt hh-B dL-m et lurriMi w" ondt teft*"*'" 
thill denn* pSterkommendoi wlycke. 

Der Ohremillt foninni derea KomniP, gaar 
5 faun dem iiiio^t iiii-dt fitt Fru<'iitömiuer, oc dem 
»u^dt aller |f6deftü oi-dt nc' vonügc* faoler thAgor 
modt.' D<>ß baffde liun beftillidt |beut'biied« 
Kiiglmendt äff de ftercki'fte oc bpfte" pua Nore- 
Ixirg" floU, liuilck«- fkulk- jt^iüiti indfald [uia 

10 Ho^c'uu »aar haixlt indthraad. Att Ha hamieni 
.Thiell'*: paa CiirheidvburK" hlcff beflillitt nogle 
llurc, foiu Folckmai' l'kuile (iinkomniv, Utioi-fnr 
Iinn beder denueni, att efflerdj dce vai'** liendw 
Nofte foruaiidf,'* de« willo fordj beuifsi^ beude denne" 

lÄ »rrc nij duniiii liciidi*« böitliiidt» Alt dee vjllf tag*-'"' 
uiod'* UfMides indbudna geller, oc" guiro dem LjrAtg«^ 
nc Riadc paii hodf*'" flottene: Hnilcke, fagde hon 
künde beft fket', Oiii IIog<.-iin blcff Ivöpemeltcr 
(for dem'* paa Noivbarg'" oc Folckiuar l'wr dv andre. 

M Dee giorde deren fyftftrs villie, Oc Hogon fölger*' 
Unix riirfiiiild, M^iin Fnickniar It^fftges** beii 
tbill <1iiii-hindeburgh.-' Der dev im kumme iml. 
rtiax Imrkes'* portene offnir deuncm Oc Folckmai- 
wfortlii'iffuidt iifiiK>rfalde.4 aß" fdee bt-uebnede folck**: 



I. UiilkieiKlfl] iter Punkt ilbtr dem rritm t fiJtU i» tUr tUtek- . 
4. Uhnsiillt] i niu c. An» tierite 1 <iit( t iwfwMrrf. 4. dvna] da* swntc 
D (o) vmt dta-jüugrrra Hnud in t> i/eändfrl. H. (u(len«1 der Striek dtcr 
o con itcr jtin^erm Haiul 7. l>e(lUlidt| ftrim iHvitoi i «n SirUi m 
vitl (ii),- er^. £,■<. 18. bell) Moob beft tu dtr lUtcbi: ein bedtmltut^t- 
loter nßUigtr PtmU. 3\. (luttinild) t aut e hrrgetttttt. 3S. F'.tRkmnrl 
w der As. W« PhhU xk. ,i tiiMf ). 



' Krtfter ' Bnjiirrlijpn » fetdt ' ftkU ^ ftkü • VeuUgftc » 
• al d« b«Ule Krisrnaottd • Sordhorg '" iWrifliia Haagm "O 
borg(l) " wv« '* farruMH« » doud 
" "«We " /■"*« *• Nortbofg •' fSIgto 
bOffr *• luirledUr 'im lagrU« ((truHdifigt *• iIbbimbi 






6« 



DiK IIVKK18CHE CHKONIK 



13 



M<nii tiaiiilt llod liuindt lAiitnli'lifEOun.' uc ftrax 
drebvr ftff (Iciiiicdi 70.' i]«e Aiidn? f^aSa« fig 
offner niureue. |oc liufftiidtkuMes iiedfpning«.' 
Hngen Tur ictce lieller i iitindro fnrt-, Do^ giurdi- 
t hAiidt un* n/ire mord |Hui Cmv fivnder |eud Folckmar;* 
Der Cbretnild nu foruani «Sbhei- bcndes me«niiig. 
Att bogge bendes brödre vorrt- Jhi«lflftgiit;,* be- 
giffu«r bun fif; ben Ibill Cbnrbcidvburg, ' Der faae 
buti iod* gcimum'* äuebugeiiii."' oc leer (FMlckm»r 

10 (inn broder "(laAendisiiiitt'''JbLindtdir&oi^diidekroii[i«r" 
ukhU biml ofTtiorftv'iickt, tittll bHiinom tb»ll** hw) 
eAer detuic uit'viiiingb: O diun" wauurtige 
dcaldi,'' ua llcaltt da lide [oc vndgieldo'^ fnr diu 
fk«lijchi-dt |nc forredcrj ": Attdii meiU </m ""broder befuor*' 

ITi dtg iLiod'* mig. dutt fkall nu fina uffucr dig Tiulff.'-' 
Thj diu l>n>der Hogeno baffaer na med l'itt bl(Hl 
Itctbnid mig, «c Allcrede »edfaren i h«lfl'ucde: 
.li-kc ricalltt du hollor wndgaii ftmffci), Di-r 
iiatidt iiu br<rdo att h:ui<i broder var .ThicKlageiui 

211 rtiuilvtcett buii lAgiiitctigb bercttto) daa \-iIle 
hnnd icke hniin kiffuc.** M1.-1111 bad gudornv. 
Att dee faaduti wrttt, Ibni iiunDoin oc bans brodi-r 
äff rvAerciin var vedcrfarenn. heffne ville. oc 



8. SrUmMtpattkl r. Urtf/. himitgtfUgt. I>. immuiiij m luit in lUr Hund- 
*^hri/f rinf» (Uriei ru aenig, H. rffn] i*-)ii fttmt\er llavi über iffr ZeUf 
•i^ehgTtragtn. in der Zeile von drrfelbru Hand tteifeli<n mwlt unA br-ider 
'I« MrtiLiriekAi { X ); Aie Btaul /rAcini die/elbe ;n /eilt wie Hie .jiingerf 
Hamd", aber 4U Turf« ifl eine andere. 15. ticIlTI der Pnnkl Nadb lIclilYeAr 
«dmtJJrA. rieUcicU nur ein tü/älhgrr Tintrnfpritta: \9. h^a»} nftark 
■tif Zeilt gttoien, faß t-iiWM t gteirhttU. 30. k'igiuicIiKh] li mw *■ 
■'riH, kt. n (fvr iif. ^. bHn«) « ftark ttnlf dir. Zeilt gctogen. 

■ l[Mikiif«D itnod ' og: add. ' fthU * il * nach monl ^es(el/( 
' Jhiciriagen = CktbcidcborK • ffhH • Jüicnncni " Suubueii " ßn 
•tfoifT Folpnw '*/5dU( "<lo " Kroppc ■» Uhkr "du " fWeb« 
'• /■<*;< " ftktt *" wor " Wffwr Kokl F*kUr: ix Iwttar» Ordtoj r 
(_ bpnrwrfCü miir iKrtf StM« angrftVlrt , dir Qrundtvig wöJ mit V-reeht 
•m Tfj-t Mieu ** iiiwxl •' /eUt ** Iotkci' 




JIKICXKK 



rtiiix dvi* vSt^r t(lj (li;e <ir>dis bind <)nicknede 
oc qualdt.' fii*. Der Oliromilil »a |igftiii Kmii' 
thilbagc thill Norrburg,' ^in Im» liii bruMlur 
Hogcti i'iidnu alt v«pe i Arb*ide «tt drein? oc 
*» .Tlüelfliui. S»» tbBlur* liuii thill hHimenj. ligeml«*.;" 
()• dia"" wanart:" üuiknii;' fkcnd«' oc lordurffiif tlijt. 
buor kamnier dett tia, att du jblaiidt alle 
iiu-nifkor, ur woffiii'ruiimd<'Ii^: Strax l'narer 
haiidt: O diu" ntiilokufTtigu" oc »iidc ijuiiidf, vedl'tii 

10 icke att" mig äff s^uderne ur" giffoei», alt liialen[;e'^ 
krig oc kniiip'* t-y faller. k'ft daa fnv iiigoii fiwnd*-^ 
l'kud cllw l'uwnl tryctfr niig? Huilclcett luinm'ui 
vforfecndoti fallt iifl' luundviiii. Mcuii dvj' huu 
dottc t'nrftod. Optimcklo Imii elf* Andett'* fuig, Huu Iwlr 

15 brtilc gulffnidt |i iuHtliomi" lüi'd oxcliudet-, iVriiddf fait 
der offui-ii jwm urti-r, i>c oll'ucrbrcde den)ieiii aller 
med andro ran oxelmder, faa" dee tho barre** raa 
fidt^rvi-ndc"' inod |hiii iiudeii-": Mwnciidis i lii« maad.-*' 
wnJL'iin fur hogcn-" att fkuUf'' bliffuf l'lfbrig uaar 

20 haiidt gick wd alt porthonn. 8aa (od biiii o]i 
pi>rtliL-n foi' haniu'iii. att liitndt inntthc vdgita. 
Memi HogL'uii fortliidVinMk- noget. oc k-fdc nujifU' 
verlB,** luedt huilckt! liaiidt wilik- beucbiie lig mod*'' 
rill lyrtcrs throldom. oo [t'aa vdgirk.*" Der komn»»' 

i5 uu tlir<;-' iV-iTku bfUL^bu«^de Ivrigfincinlt. foin >*ff 

vndorluiidigliedl-'* luig oc bmli-agi>rj wjire thilbt'ftilli't*'*, 

8. Norrburg] liii» ticrilr r annrArr: iu iler Hil*i:hr. ein Stridi, 4i 
OKI eAf/Ic» ah r gtdetcM ivrr<t<n kmiii. 8. wiißufraiimdc'liiil rfra- 
tf8trii:h de* ztreilen ti hildrt »igleieJi den erfitn Strich i-im d. IS. vibf- 
fevDtlu*] L'Un ai» vor gcbemcrl. 18. der] d m c ver&ndo-t ron irr jüngemi 
Hand. 1*. lui«] d-w n-Bogm ftklt i» drr mtchr. SS. forlhMT-l fc*. *. 



' JKii'iikijnn ' Nflrborjj • taldtc ' »p 'du ' WnuHrtige ' t*«<) 
»du ■' Si-hnlchttgtijto "»af "migfirfd. 'M«s er «^ 'VW " Bo 
** «iiilen '* lutcA oxcliadcr^MeWn. vijj ''nlniM. '* Baa«!«! '* Wendl* 
•• hvcr Auiiro *' tiisHiIer *' liuiiiiijin " fi-Ml •' liV«wi>> •* imuil 
•• si'-li fwi. ml '■ S ■• Viidei-tuiiOi« *' Iwftillcik- 



»IB HVBNIStiHE rURONIK 



lä 



k 



kiiiiDctn, uo Alle Ibru' tbilliee med clen>!( 
in löbcr iud (taa baniieni. Iiand Iiaffde 
«n' indthtttt ventiM) flg riuiduntt [jigcuell Uia^ei- 
handt imnd iitsf tlirc tlt^ri-s wnld nc Änli^b, fna 
Att i «lett fAi-fte aiilftb. fkred haiu fi-an* dwi c«i« 
twi, faa «tt* bandt fallt i kiuM^t.^ M«»[i luindt 
kam (trux op' piui I'odc igenn. oc forfulde (aa 
ii^etui den eone efTth^r dmin' andeiin. Att deo Alb- 
Uire* omlcpmni«- 

Der vttUsr rntto" bniidl fig Toi-l- »It villt; gan 
wJ thilP" ftramlcn. oc affuerrctthc l'ig tbill Schanne": 
I>Ofg TUT deU bans int^'iiing, Att band! tfailfunm 
fQki bslSg« {m l'kiUt rdj'^ bisrgvt- Uatidt opledcL- 
Ij onglca oc effthi»!- bandt iin baffde Icfl oBaer 
i'' dfu oi-d Ibni der (bili b<^rde, indgniu' buitdt vdj 
Hammertbierg, uc der iiidtliill inidiijitt forttiöfTair. 
pur Gdeii ben thill tinn faders gntfT. oc der for- 
lli«d«]n Ihroldums ord »c uvrcuioniiT wdkaldc<r 
Aandcnie, AfT builck« handl Lerde fln oc linffs 
L^dre: rnm rar, Att bandt Aldrig igenn fkulle 
l<«nme offner" tbill Schaiino'* tbill lln bul>.rn glun»,'" 
Ui^it nculla der di'i*'' itide [i fitt fiHlcnie Liuult*" buib^ 
(ine befn: Dog llcillle bandt thilfoni befoffuc en 
•lAmfru" nfl* Koiiipe flect, litüLckcnin eßTtiT bann 
4üA ncullu föde ea fönn, oc den fiin fkulle bi-ffnc 
(ig offoir finti farfyner*'* [Chremild, ac buorlede» 
daU rkuUt- faa tW'iDKutif; Leres iianiii'in rwraa." 



ABl6b) n SM m Uergt*UUt. 13. H«ndt| an atu tu gebanfil. 

b] ahtr Ol ein rrTtckUngene» gothückt» grOMf II •■ah itt jüngf.rtn 

lh.\.M\\i-Pu»Sdf. l«.fortböff«ir)i<iii«e; A». «/«r«. 18. corr- 

r] i »M* c gtht»»«ri. 92. ilcr der iiulc] Dilto^. : odtr <hr ilpnn«!'- 

• «Bd • /yiit ' fMt » Knie • fdtU ' A^r*« '3 ''"(■• 
ntuno ••! "A*" ■• /MH ■* nwan* '« Olun» ■'/■<*" 





16 



JlHliy.KK 



78 



Chreiiiild i lige mandc ileim liimiitc iimU lom twr 
CD tiiir*lAgiintU ' üHrer'- liuc"' throldumH ofier.' uc 
faai- fadanne'" Tuar. Ätt Hogeii kund« ^ell forbvdc«' 
liandt ick« fkulle komme uff Liindelt, oc liieto 
j tUill ntl «gilt, Dog l'kulli' luind icke di'ie Törennd 
haiid' büfoffuidt <-ii t-doU Jamfru. 

Ken Folckniai^ Snennv, der dec oni auOvn 
dagenij S)>unli' Ai-vn lieriti att fci-rc- »mbrafct 
rkiultlii; di-i- dt'Ui vdj SclioiTuei). AIcüii om Mor- 

10 genon feer de« Hogeii gaa* att Sputserc wcd llrajut- 
badceim, tliill liuilcken di-t^ Itrax heuli'ibe, tbill- 
bydcndis" liäunem Aon-n tliiäuifte om liiuidt ville 
ofiuer thill Schaum-/" <leo viUc velt fiud« ett 
Htib medt huibkett dce künde komme offair." 

IS Meu luiiidl lor liiaiv fortlii'injedt, «It d.-e faa" 
haffd« foi'luilt dwes bcrre nleencr,'" Dog vml- 
rkyldthe de fig." Att dce vam- heii"' foirkickitt'" tliill 
SAnderbori,', ' ■ Ueneudi» att baiidt endiiu Tkulb' 
•• weriT i liilTiii'. Dt'i" dfo iiu fiiuc tbultle, kmimier. 

20 tbill demi«m ctui gatumcU niatidt vedt iiaffnii 
Biürnn,'" bnilckenn fom forduni'^ liaffdo venidt 
bailc Uoguus w buiis tadur» Nügling» liniui- 
dreng: luudt forÜielli-r urduntüg Imorledis 
Althing denn nefte dag thilfom*" vai- tlitlguaeiin,*' 

1. Cbr.-mÜ'll rfci- (r»tv m-SfrirA nun e. 10. Ilmncl-) dtr zuirili a-Htriet' 
mghiek der frste Strivh von ■!. 12. vtlh) der i-Punkl ffhlt in Her SiUrkr^ 
V fckeint «u* t'iMm anderen Huchatahrn hrri/rslHlt :u adn. 17. njldUwj 
•iie geicuhnticheu iirfi Punkte iilier y frhhn in <ier Udxchr. 17. ri>rn<i<~l(ilt 
der I'unlit ülierilent ernten i ^Mt in dfr lläfrhr. 17. thil\) i- Paukt fehU 
in Jer HdtchT. 33. Nü);linK!i| ht. >• für 6; s ertt nach Ab«eMhtt» 4e* 
Wortf.» flanger ICtulttrich von gl) hintugefügt. 34. thil^^ueno] Mna fCiu 
'^erschmitrt, nirbt nehtr, virlUifhl «cn der ann. 



> ThiTidnR^ Nat 'EflterO) ■ nn • erocK«- » raadant • »l ndtf. 
'• hftfcle add. ' u<l add. ' ng tilb6(lr ■" rknaiic ■* til flwwi« iM~ 
■■ /(M^ ■■ Allen« >• at (»iidnnt War rhocd nf iltrif Hrrrt« Efeo beUtnR 
«kW. " hc-dno ■* fkiclied " Sfindrolx.rg " Biürn '" Itiiad« « /'cW* 

" tilKaait 



nnc HVEM8(;iiK chkonik 



17 



I 



Som Tur, Att Colckmsr, der haiidt throde 
4«e [ü^Hctigt; thÜHtrIer* oni finri Itrodars dödt, 
Üaa off (arg ot- iNUtglicdt »tt Imffiiu qaald 0<; 
dm^i^-i Hg ielff' vJj ' deo düdes blodt, jtem att, 
Cbremiild deini gunddce iintt igoinK^m haSAc 
pardt [itt offer* nit-dl ßuc throldkou«r, paa dett 
Au lUti fknile offuergaa Hogenn htiadt tmn vill*-. 
A.tt hucs Hogenii dt-n iLig ^nlT Hg vd i* lialTuet, 
[li*adt ibia rkullfi umkotnino." HnnDcin Tuarede 
Hogcnn raAlcdi», äig faft bedi-e. end' iiogeu andcti 
{|MUi Jonl«nii,* fiiiii fkebeiiii* jor Lvckc'" nocliloni att 
mm TittorIJK' i*-'!'*-' heller dg att tkcni^ke paa 
Au nl\f- thiil fktbti igcan. Handt beder dog biirrti. 
Att haiidt vtllt- gAH thiil f'brciiiild. oc b«de 
hatdiSr Au liui) ickt! iiiix'iv fkuU«'" mud'* Ciuii 
brod(<n \i(f tyrannitzen' : Tili luiidt baffde Tatt'* 
np fum- dv(l IxHli^rligeii att vi)lt>" lK-graff»e. 
Mwiii der biijiu laadantt** benectede'" aiT (ryct 
AM" qiiindtmti bitther" verde,"* gaaj- tiaudt (ielff midt'* 
ßtw hen" tbill Noivbttrg," BegicrcndiB «U komme 

»Cbr«inUtl tbill ords, Huu Teendis vdaff .Slolz 
räitluct. ttuiU'-- tlüll liaiiiiciii 'IC Spür buoifoi' liaiidt 
var AtUiuinmeii. liandt begiercr, [lig att*' giffties 

»Oan lirad«rs ii{*Ae Ijogomm«. Htm Lnffner hnnneni 
. *fcHtiF"'| fkonei. SfKrrilmtig fär ibiil<-ii<l<-r. 6. l-'Ur«iuiilU) iiun 
Chifcnfnct« HM h entapringl nti I, dax m >i(r äduclkT. nicht 
titgt ift, fa daf» CUi g€iMhritbeM nt *rjn «cArinf. lä. ti);! au» att 
jH« Tcit atttradkrtt gAetucti. 14. l'lmuiilill ''i*! HJiehr. It/it rivn 
-SfrtrA TW riff (nifJit ü, rfa mir ^«m Punkt). 10. tyrannit^crv] 'ti'r Hdnchr. 
Mr *rmpr. nur nn d. «efMi* rfiu tttrite cu, aber da» i Uüt. «o (Im« jtl:t 
\4rr Bd^OiT. läa für amiarM. lU. vvrili-] vr^l. iii 9,i,. lU. mi<lt] i Ffkl'r 
Ir «. SIL Spar) k». ». äS. kuurikirj Jrr Boatu über n /eJUt i>i der 
31. LrffuBUn«] fifr M j(< Strieh de» nvriten m um« e kfryntfÜl. 



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nfetnia * fliielMie ■"/'«Uf *■ tor lyr&iiniUcrc^MtWtf " mnl 
" /Mt " J«l " JwwigtM »= bittte " «'i*d* '• m«! 
•' .Vorbunt " t«bl«- " nt fig m»ato 





4 



i 



.liaiCZEK 



dett [att fkuUe en ADdetui dag' bokomne. HuoHbr 
liun bedUlev bans Ltg aU Afföres* oc raent 
vnfkes, Hdeu vdj an Lig kilte att indlegges vdj 
KoDtelif!!!* SuöbeKse, oc der efftbcr att Tdberres 
S Att* podenii. Ho^enn diDi midier' thiidt med fine 
gwff liitii^ griiÖ', Nf^ft oj) Chili lians faders* N^^- 
liiigs. ' Oc der du miuig« baadc frommude oc 
Jiidlendii^^ komme att fölge tii^ett thill fitt* Leier- 
rtE)dt, Daa begynnte Hogenn ved graffueu att 

10 Uaffue «u" Stallig Oratio« oc tlialc, vdj" huilckt-n 
band foi-tlialde oc opregDthe Foldcmar»'* dyd [oc 
Maudedige'^ dad oc giemiDger: Her boCg oe linit 
fj-floi-B \'trürkftb oc ftorr» forrederj, Sampt 
beiidts tjramii oc wtnettelif;e gierigliedt, medt 

1& bt-ndis falfk oc Suig, biioi- vilj Iniii fnlt i)lTii»rgick 

Alle meimif k»;ii, " tiiiff oc hur vdj tliilkicnfU. huadi 5- 
Äarsag« liandt si\S"^ der tbül att .Tbielflaa Sigfridl 
M6. bom, oc Tuor ved giid^rno, utt faa i laiidbeilt 

war (altt Hg thildraj^unu.'" Dur lian^ oratioo uc _ 

iO tliallo nu haö'de ende, lod handt beimelthe'' l^rre ^ 
fteenp paa fin broders giufl', effti-r loin den tiiiidt 
var fodiuianc. Der dcttt- [altt nu'* var offuer Jlaen. '" 
gifi^ier handt fig med fine ind paa Titt egett Hott 
Syiidei'biirK.*" Men indbyggenie IVnii vdl tliukommt^ 

S. AflVir.'»! ..fjttldfidKtf (g. Kaikar t. v.): ilie Lesart w» K (*( riw 
SMimnJirniirruag. 3. inilleggog] öfter (•« *'" bedrutungtloirr Ftmkt 
M der Hdurhr. 5. midier] * ows I hergentellt (oJer nmgekeJirtr) 
6. komme) d au» Rinn» ntr/it mehr erkcitnbaren Bitf/itlabrn herg^tMll 
IS. IbiKirOip^'] dt Feliier für I. 14. fperigbuilt] dm ertte i ata v. 
tt. mMDinii^ii] r» FrJilw für t; odtr Apokojin, vrgl. 4,i. 17, Aar- 
»agc] * nu» h. 17. i,'aff| Fehler . i!ii ßfigening von K h-iffl ktmm 
(bu Umpriingt. 

' ata anJan diiKon at ' aftörrif * Knrtcilif * af ' iBiiiller ' hAer 
' y«xlias (.') " JnHlendinip) " fin "' fehlt " fehlt " nwadAÜf; 
adti. " frhU ■' U«nnirh«r " hafdd "' nt biJ>e tiMragit " hMkn- 
woldtc " Bu sliswiiineü " ofuecfUndeii " SJndrelwrg 



DIB HVENI9CHK CHHONIK 



19 



dve felgieruinger Hogenn thilforu dem' beuiift 
hafFde forrktiffedi.' hanoom no hans, Iitierü* liandt 
rkuUe [iHtMe paa.' 

M«tip ClirCiurlcI effuii-dj liun indthett* faa for- 
lenjjdes efftcr, (fas fom' Hog^-nns död. daa fkickir 
bun en äff iiend»" piger Tom vnr koftfljg«; KIed, 
facn op lliil) Hogonii, att liandt hcudt- befoffue TkuDe: 
Denne lliog liiindt veoligc" imod, oc bad hendo atl 
huu ville ligge hörn hannein, IMg Itefoff handt 
hende icke. T^j haadt uieente. Toni fandt vai-, 
Att huD ick«.' rar aflf Adels perfoner bor«ii. 
Men ftrax um mor^n«nti (taar handt np. villo fm-fö;« 
om faa var elU-r ey, o« hondi^ Iiaftelig<>iiii «puagtlic. 
Dfr hnn voga«de oc fiuic dagcnn fljiiino, yrifte !iun 
Aldrig huor him var, Koin or icke heüt-r hogenii 
ha fnartt ibti. Iitiorfor hiiri Hger lig att niaii heu 
vd* thill riU Arbeid, figondiii (ig litt Iiaffno TofTuel 
for lenge, Oc der hnn neffnde nogett* arbeide fom 
icke r^miDeile cmi Adelige'** Juiiifni. Lod handt haid« 
wfkanircridt tbilbage. J ligp maadt- liotidu dut lig 
oc om Andon dagenii. Hea den threde" gang, daa 
Chremild fornam vell'* huti liaiinem indthett'^ 
bedrage kiindf, fviider hini eii äff Tine Janifnier. 
red naffn Hnenild (builcken dog n6dig vUde) 
S5 Äff (in rnierriiifTue hen tliill hnnnem, lii>nde 

künde Kunde" luiudt vcU'" Kiende äff" mang«^' tf^gn, 

I. thiUonil i-PiuMftkH im der lläfhr. 3. Imn*. hunCtl beitlr. f. in d. h*.; 
Mn», bna a> iiVB>l f/l Kaikar $. v.); ührr der XeiU t'in rtrvr'iachteii h v. rf, 
^m§. ff.; tDOÜt« <litH hvRi) timachitben, hnrh gteük K mittvtrtlelMMd'' 
i. ndcfcer] i-Pa«kl feilt in dei' /Marin ». li|QK«| gt nnn v. 9. bandt] 
iu t «rAr tindraÜici. 18. rar] r übt»- finfr Raiur. 18. opuaglhe] 
I maeKträglidi hitg^trtol/e*. 14. wltle] t-Pnnkl fMl in lUr Hdtchr. 
t7. Ettenitiol i-Punkt fthU im iftr HdKhr. »t. lliTvilr] »o mthrerenort» 
ta Jer dän. Atiiipracht. 24. iw(tif(] k«. v. «t. kiimii- KuniUl Ditlogr. 



Mr tfailforn gtttrUt 
' W.T«^ ' /iUt • 



' buBf, livail * pnahoUl« 
DOgea " Adtlolij " irwlle 



• fehU * fthlt 



S0|T«B 



90 




JiitK'ZKK 



Au liuii iclif viti- [Adt i\fS ^etneiiio tulck: Spi'ir 
hvitdu r'>r(lj Ulli li<:;iinfli!< foi-eldre. oc inegett andet. 
hun ruarer hunneni i>a!i «Itt, befkudontlig noch. 
On paa ilett <i(tf effter lang lamtalle gaae' doe 
5 bode tliiU li-ngH ramiiicti. Otii imirf:ni')i flTk-r aU 
beltiltt.' forthi'llr'i- handt liemlo hiiur lliill viiar 
gnaen' ved hans fadei-9 graff. oc lerer Iieode 
limirkrdiN tliil? fkulk' a;aii, att ttei- oflfinT Chromild' 
llvulle blifluc iiLffuidt,' oc lau i-r AUliiiig |licr med 

!<■ thilganen." 

NogcD Kuri' thiidt her effter vr Hogiin dnd. 
hnern Ug Clirvmild iirkv ville lliüHti-df iitt tadn be- 
fimtfnes" der iiide i Pitt fedenic laiid. Men lud 
d**U oflTuorföre tiiill Skaiine,* Ken til ßliinse,'* ov 

15 liuii lod di>tt vdj OIiiiK'Iöff " biorge'- bcgruffiie. 
Monii (»luiif bleff l'aa offtc'^ iiff Hogeniis Annder 
bcJ'uortNlc.'* Att liim n<5des thill att indruifw'* v^j 
Noi'gf. Sien imlbyggernc uff Wliine« flncl, kallvde 
ll^denu der cffter ülunellcift^ 

So Mciiii Hnoiutd, dei- nu 9 maanedi-r forl6biK- 

worre, fAde «ii löu, iiiiiickon efl'terdj liaudt 
haffde IWrre Lemroer eiid tmns Alder'" ktinde 
thilfige. dec" kallede'* Kanche. Oc detr hendc fig 
Att Ohreinild gick ocfiui i bafriülireiig'" fanimv tialt 

2.1 f6de oc i'ii IVin. huilrkenn liiin kalliHlc roedt lin 
forige mandu miffn Higfrid. Nu indbedot*" 



8. Iwrfcnilcnlli^] t, feh/int nitthgrtragcn lU fiht. fl. liGSnidl] licj-fUi; 
ii-Strirh rrririll iiigleich i. l". bcfuTi'^n] SrAtii/'i-i' iihrrtfhSttiy. lS,bi(l- 
liyggomi?] drr i-Ptiiikl fthlt \u der Hdgi-lir. SO. fniliibiic] durch nWn gdbeit 
Fbcken ist der Strich SibiT o fiit »nkfnntUch, Sl, <*n] p aitt riiinn iinlei- 
fiarrn Buchalaben gebengert. Ü. ri''>rTO] Äs. n für •'}; lUr tStrirh von 
tiiAe geht tief bia u keritb, «o du»» ein etifuiger Strich über o i'un ihm auf- 
genommen im. 8ti. Si({triiil it aacMriigUch [ui>n der»elbfti Kami) ringttrafief. 



* giar ' nur niUi. ' gaimt * hrfnde " fMt " tilgMut ' ftUi 
'UxTAtw " fkdftiie '»(Jlon.? " (iluiicJiilöf '• Bioru "tidt " hcfvCTgrit 
'^ Inddraj^e " lommor "da " hun huHWin aif't '" nwrcUiing *■ Ihuh 




hueiiitd ihill l'i^, alt dee bode rkiilK' wcrn-' vdj 
vnii riuv, villf (log icko Obi^iiiibiiiTL' huadt hun oin 
Hnenild«* barnn haffdv i finde, Hucnild Ivder 
Itende," 'tc |mcdt litt Itanin tliHI Olueinild indflvKpr.' 

Dcnu förnr natt d«r doc uiiilrt^^ ulte roffue. 
Kotn bun vell btie* huadt Uo^un |1h>ii(U> haffdc' 
paainindt, liuorfor bun Stiell Cliroiniid» barn 
oe leggvr' liof« Hg, tluiger lii:i Imndin egctt )>ani* oc 
leggci' bor« ('lir«!mild igenu. .Irko iuan;;;e dage 
r. 10 ber efft«i- Itani- Cbreinild w{» au NaU, oc queler dett 
liiLriiii fuiii tfHiic hofH Hucuild: Doi' Hui^'iiild iiu - 
fitu morgenpii opuognede, oc t'aiidt Imriiedt düdt 
bnfs Cif, da fbriger bu». ^iffuer uv Klnger (ig 
«nk«li({tfun. lim att Olii-cinild vndcrtidca trönei'. 

1» mdertidenn fkeendcr pna benH«*, iiidthill faa leiige 

alt'" bun dng" |oiii Timm'* oftnergiffupi" fiiiii" grandu 
Saa baffiiitr dna Hutitiild l'uiuokt bwlraguU deni) 
AUerriiodigllf oc bedragi']is;l'ke'* quinde Obremild, 
All iiui) Tom Itülforn li»fiVle ladutl uinbriuge heggo 

20 fine brüdii!, med Tri villie oc vedßcabr nu vden 
hc^dU'* vt>dfka)> oc villi« l'elff omkammer Hirn 
eg<>ii diu. Stru\ Ltir eStei oGriiemntiiiinlcK'' 
Hufliiitd livndis i-^itt barn »tt upamini-. 

IVr handt nu tbiluoxte oc bleff i litt fvuModv'* 

23 Aar. da» inecntc HueniM n-tt thiidt att v«rre. 
om Imilcketl'* Hogcn |h:(ffiU- liiiUom-" paamindt. 



I 



9. hoe} I. ihuv. lt. buadl] dtr u-Bogen /tili in drr tliUr.hr. 18. lic- 
''TogfllifrA»] k Fthltrfür I viA inM Otdankettconipromiu mit i«-i\rugeri»ke, 
lA. iiuimln] ti<l in Ligatur. 84. fviitcml«] iii Fehler für m. 25. iMinnt«! 
"l-tr a rin btiieututiif*lv»eT Hakeu. itS.\iuAc)i.vU) lUr AugJmck itt tynto'^it'ii 
tkr>nibrliiiflicl,;seiiieinl:„itUi'tcht<ZntAuu,tcoiniM - "; iJi« /^«iH «on 
li, leodurdi tivildien an/ tliiidt heiogtn «rirel, i«( ritit SMimmbfMTung. 



' Kgge * lluonildc* ' ed «Af. * inH/ttcr til EiKnIld mc<l fit 

ihm » /UUl * ibnc = bafd» Iiinde ' .let add. ' ftMt '" fditl 

I' "«TOliJw "ofgaf^ric) "'cA» "bednuteligfl* "Hu "tilow 



S9 



.ilhlCZEK 



Derfur KaHvr bun Tau LAnltge Kaiichv thill dg, 
w, giffuei- hanneiii tliilkieiide, bnorledis Chremild 
hiiffd« onikonimeii* barm* fadei' Hog«n, oc fürbrodor 
Folclulur: item huoHedea huu haffdc ftaaet bKimeiD 
ö ßoLflf eflter liffuidl, der haiidt war bam, oc. nm- 
kum (log ]iDi) cgciiu fön. Oc ihm dett bmi liuidatit 
alltt i bauiiem katid* indbild«. gaar bun vd i mar- 
«■kun mml luutiiuiu, huor der laa oii .^rulauiü* ftor 
rieenu «nidi^r huilckcti den tliruldiiu^^lv lan' fut^ 

10 usridt iifl' Hogeoii. Hau liefall" aU Rand» nculle 

^Vffueltbo rt«eii(>ii: huikkiidt liandt | lett^-ligen oc' gionIt\' 
Huooild i'krabf'du ruiidcu tbill Tidt* oa vifer hanDvm 
fas Xi^lfii), oc |li«r hofft^ lerrer hanDem, baorledeK 
liundt iiiod lui lairke ntodfi' (foi" mandt lueeate 

15 Att v«Fe liaiis" ix-tti: inodur) fkullc imiidle, oc locke 
hende hen'" tbill btLH-giit. Ucv utt lucki- heiidu indi-. 
•IC Suflthe" JhieU. 

Raiicbu»'* tlmger iK^gU-u uc med ftor fi-ydt'" <>c 
gled« gaar [iiid ihill" ChremUd, llgeiidis: O mio 

SO Ällerkiorille moder,'^ rm fkal! icg giAn dig m«gidt 
lyckfalig offuci aile mdimifkvr, bun Spür, j 
hundt niaadc. Haiidt fiiarer, .Jen fkall Üy dig fatt 
paa Nöglitigs" klenoder.'* Eia jfagde bun,'* d«tt er^ 
wmmiligl, vy liiar dctt aldrig vdcii ly baffo«"* 

na NAffelenn, m«d builcken min fadur oplod bioi-gett. 
H *• Kanclie fiiarede, den haar'* ieg*' Alt*, oc ftrax vifüerj 

den, der hnii fiui duiia, offiicvgifl'u'^r bun Altbirig, 
oc bcdcr lijindt ville fülRc hende did ftrax tbill 
Klenodetf.** Men liandt duelde'* iiogctt, oc bad 



26. bicrsettl i-Punkt fthU in -kr U<hvhr. «. riftorj i-«mUf 
nrbrn (■ «ti Piknkt in dtr Hihchi'. 



* omieoinmit 
'* ffhlt 



* lin 



' Kunde * grurom * »"»r 
'• fMt " iVoltir " Kitnu^e 
"Klenwlier '* ftMl '» htiHq *" h«fv« • 



• LeftaJilM- ' 
" Ifd '* iadtil 



DIE HVBÜldCH» CUROMK 



SS 



mild alt kuii' tfaago miul med Hj;. tnen {luii lom 
thörltede eSler fjaldetl, giorde Hid; ingeji tandcer* »m 
maden. Dog g&ar luind ind i Spirekamnieredt 
<ic thog thre' leffa« inod (ig; Soui )iAudl gick. 
table liaodt med vilUe TArft* den ene leff, foin lan 
for Ohreuiild* f^er, band Iwid liuii ville thag« op 
Bn'tdott : De» kuudiT end gafFne litude, men bueu 
rar f:ui thill gultlott thübengendis,* att hiin gleinbr 
Hn'idett. Siut timbtu handt dett audol, bnd i üge 

Lid maadi* bno rille thag« dett mmi Hg: Uen bun fnar- 
redi!, huiult fknlle vy med brödt. imar* lier er 
faa megell guld for bandenV Haiidt lod deU tlirudc* 
Brvdt f»ble, Uge Tom dt->tt lliulle fhe«d mod'" bans 
rillte," oc büd endnii bun ville dett optagc. Henii 

\\h t^enlj baoii hi-ell'* bcDgdc (Uli guldett. Tha iküUe 
bun imltbet ber um. Raiicbus''' fH^de. Moder'* ieg 
fiycter mig »M i icke'* lutgrer dett«. Thj naar i 
Kouiuvr ind i biergt'tt thill dette'" megul'* guld, 
■Laa fkall i vell'" icke will'* der vd igeim, fiiu maa 
i itod" der indi* »Bf*' buuger. faa** fkuHe*" i vell heller 
hafiie l>röd end guld. Hnn fuarde, min (öo, gi6r 
knn" (lui*" ieg kand Kouinie fürrt'* tbiU guldel, Hdenn 
Wille vy vull handle om inadenii. Oc Tom di-e faa S t. 

Ihale," komme** dee (op paa dett <iffuerfte paa'" bierget, 
2S M Ranche fftjer nigb-uH thill biergot,'* Oplader 

3. thArft«()«] r «Mia f. S. t^liTvmilill gmitie-« verjf«um. 10. fiiaH 
irr a-Bogm feUt in ittr BAtthr. ISL Ibmlej t Hat dii«n langt» Vvntridi. 
•■iiaa» Itk jv tte)ira aehfinl. IB. ha«« burll) jn Atir Hai"l»i-brift fiu Wort. 
14. Xummer) iltn nne m hat in der Uanii»chr. nur ? StrU^r. 19. will) 
tfoh^e dt» r; rrgl. 4,i. 90. itnil| euljeeitrr Ffhttr für •Vir. 'lihr ein 
illfr eJtr AknI. atitgefaUrn. S&. föjcr] ht. o. 



' Vflde lufd. • taiK-he ' 3 * /Mt * (ircmild» ' gMieig*l ' f"P- 
cl«BlM0 • iB«w •8«» "iBcJ " Vwillie '* ffktt " Raiiel»» " /**" 
"frM '*ilet "tackle: — mögen, «tor.mtngfuldiKirtilAi^c'A tkintkOrÄh^^ 
1. t.) '• ftUt '• Vait "dSe »• I »'dB '» fliBl •' klian ftnt «»al 
tiU. "/ykU(J(.ri .ie»!-"^ "talikr "Kommer «»fToralopi»« "og«rf«'- 



.nRM^ZßK 



U T. 



dcU, i>c gaar' fielff* ft'irfi ind, oc" dcrnoft ( 'hremild. 
Oc der Iiaii jmi har' fuMon* Tin* nUi«, Daa künde 
hun ick« mettis, nu tog hau dett i hentlenie, nu^ 
iioltt Iiiin'' dftt for /lynene, itu* lig« foin hun ville 
Liggv"* dvr paA, Tau att Bauclia'" fpurde pn« il«tt 
Cidtie om hun ei ville hi«rab iffenni' Dan ruartli! 
hua, Att hu» Imffd^ Uiiid noch,'* huu hnffde itidlhott 
hioiitEDO Htt giörc, m<^'ii <\pr villv forthöffae" lidet. 
Meli liandt Ta^dü ult haud ville gaii hienih alt 
h«»ti* Riad, o<- rintx liand viljnck. luekte«*' l>iorf;i>t 
offner Uende. 

Oui Audenii dafeiiti koni haiu) igeiin mod"' 
ufftvn," tUtd hof« hierget oc rolilc ind" thili 01iiviii;liL 
Hun l'uui-dc, oc'" bvgyiithc- ntl lado ilidu iumI IkatinioDf 
Att handt haffdc ladet hende Taa [lenf^e eenir" i 
Bii^i'füett. oc icke l'om hand lofTde.'" Iient tiende luadt. 
Mcun RanchuK*' gaff hendc fau [for fuar:"* Em) om 
i hflffde lyd mig'* paa vejeuu dan" brödet faltt 
t'ruH migc' Spodv teg icke fna l'ktille gmi ediT? 

30 Nu du forgifftige oiidc quinilc. nu fkaltt du lide 
for dine'* giemipgpi-. Thj du,'" tbm du liei- thill 
meoDte, oft iiigelundo*' min moder, Jllcn Huenilld," 
liuilcken fom [dig fraa ftai*' diu Sigfrid, oc mig |thtll 
dig i ft«denD heiilagde/" oc i dett du mig umkomme 

So villey baSiier du oiukommet dinn ogcn fonn. 



18. rol'te] hinter b rtii SthnÜrkel, ilrr iHvlr'itungslo* ftiitint. 18. ^'^^n^ 
mild) m rier Strielu: (oder ttve* i-Stritht, doch nur ein i-Punkt). 18. bn'h 
ilotj ht. <t für ö. ao. oiide] aber o tili Pujüit (^Flerkf). 118. mlg] in ■»»• 
rinem nifht Uitbartn Butlittaben i/rheiivert. U. li<Mll»Kde) eiu Ohrr- 
zähtigtr n-Strirh iit in rinea Vonclricli ron 1 i-riieandetl , 



' fw <wM. * der add. ' fthlt • ßhll " fsnge.i 
iMie tmch^tr^gen ■ fehU ' /Witt " frUI '- ligRet 
'• tt (tu liii'm add. " Noyit add. " lujil« hand " om 
*' f€hU "fehlt "alleiio ■* tiufde lofret hiniltt '■Rudi« 
'• »d add. *' ilcr •* Villi« add. *• fehlt " inKentimäo 
•■ frafttil ilig " igiea i SliuJou lio» iliu Isgila 



* über det-' 
" Handle 
■• Afl«nM 

** Huanil 



* 





DIE HVESISCHE CHRONIK 



86 



in 



l-i 



ä» 



2ö 



Afiuii t'adtT iv min tuilerbrutivr. ImlTuor tlu 
roiredeligenu oc mvd lUefTiicIfkab ombragt : 
AJenefte att da kumle IruIcI bekomme': Nu liar 
■)u guld«t. nicdl* dig |iiu p»» dvlt,*'' du Alte 
(Unc dage liaffm-r hni]f;i-et oc ihArftctt effter': 
[(V (leite runime j^ld* hiiilokelt hm- vorett dij; 
«•11 AarAtge thill* att Tnrkrencke gudiTDox oc 
mennefltens' lofftie,* llcall uu fielff [pU^e oc ftüi-ffe' 
dig. Menii liun beder Tor Alle gudern" fkvld iiH 
band icke üiiud lian vTkyldigc inoder rkiiUc vere 
wmild. Reretter. huor kier hun Imffaer hafft 
baiiiiem allbiidl, liuor nfft« bun lluukiioin i litt faflii 
baaridt lialTuiT," oc Hör vvct att »orrc, att baDdt" 
for"* gott, fkulle med" Taadant ondt igeiigi«lde. 
Menii baod fiiarede, o<- bebredeib- b«nd>' buefi« 
biia tnodt liiins fader oc tadi-rbroder bedrcfFnutt 
liaffde,'* befoll liende Taa dec ond« i vold, nc girk 
Jhm-i. Demi Ihrede" daj; liei- <'ifler kommer band 
.Tgetut med fion Müder HiicnüKI.' * uo gaiir faii ind i 
biergodt, [finde der'" Cbreinild iift' hungei' att vere 
dl*!»!. \)^•'* wddrjige"* hciinde no kafter hende rdeii 
für biergotl, gua*' lau bißiiib igeiiii. l)ev Run nti 
rnre biemme, Spurdu Bauchom.^' om band 
ItaSidfl fwt /Tu*" inoder? Dem fiiartle liandt: JUinii muiler 
fmr icg mrriK-i'endis^* bul» mig. nioii Cbr<Mnild faae 



I. fadwbrtMlor] di nw <. fr. tlkArrtaltj JL«. •> für •>. i>. liuik-kett] 
(le€ i-i'Mairt fMt in d*r Hdttkr, ». riwffe] «. 9,,t. lA. Iiebredede] om 
iMmUor An'^*Mtt. K8. hl«niuc] tirtprütglieli liicmc, danH «■ etrieittht 
mmi CM riiKM iiifSfrtrA ffimaM. 'J4. /tn] »her de> ZeU* von iw jüngeren 
Banäffi: iH' Tinlf /rhrint 'Ueüttf ific rfif tfri- Hit»rlir.: in iUt SMlr 
ri» iirki. (X). 



' l>«k<imnio Uuld * Ihm 
Mraaintenra * Tom aiä. 
t«iril banuem i lin PMitn " hon " inod 
fitUtti ■* IC« >- Mueuild '* finder » 



* Mter hvilchcil 

* rirafi« o,.- PIflKc 



n« 



• fMI ' /■««( ■ ftlill 
'<• (Judurois " hiWr 

ffllt '* por bedrcffuet 
•" \6Angtr ■' (TMr 




26 .ItKUZKK 



ifg iclte' lonju;*' lldeua att' lofFiie |reit fAHelifi«!»«* »eii 
RaniiUL-rsbii^rKt ^^' |vdgftii llrnx,* Oc timle^ hondf ilöd 
Ijig^endis. Oc endog dcu Ut-r paa höjligutn fui-untln-r* 
Gg, oc r(>6r hin an<len om Aarfag«!! thill hendia 
i (Ii'hI: Dog er iIht^ ivko i'Cti i)>iitiiilt dem loni for 

liendt' felder [den inindft*' thuar," Mi^nii buer glud«'" fijf, 
att «)»■ [na äff" lieadis iJiynunuj [er be&iet.'* 
Tliix-die düucitri der c-flW kiel dc<-" liendee 
lig W^-raffiiv, M«itii Baiichus'^ nii>d Nogle äff 

tfl riite Teil l)etii>bned'* tredfM- freni. oc haflher ßuu 

tballi* {dciiii umkring'' flaaendis" Aliuiie," )>c i'ffler 
lijtuilt iiu OrdeutUgii .ill*" fitgviiiii** for iii<lbvgK«riii' 
liflffde bcretthett. bedtT hamlt dt-uoeuu att dve du bUu 
Ikiilit!** vreiTi- T^'i! itt iVilt luodt. pffterdj dw fonne- 

15 dt'tlV-" tcudci-RH iiielfi IUI*' vnr vud doniw** [«rtelcntte-* 
befriet: I<o(1iiit oc tbillisiT*' huer"* flnn tbienilV. 
Der Uiallniii luilfdc ende, vddeider liamtt blaiidf* ^^ 
di'in fiuri ibtlDüdi- v:ir. viiti llor Sum'" guM- Alt ^^ 

haudt^' i lan luaade^' dem villi'"' giörc lig thilgefoldig. 

SO Kii-i- Arti- bei' ■■Iftlier dan liwidt nii var ttt 

Aiir giiDiinoll, J.adt-r Usiiidt fliiL- bvfenT>tiigpr weU 
t'oruai'e mod^* licnderncs Aitluld, oc indkaJder laa 
äff Scltaniic^* 12 vwldini.- Ilcrcke'* oc" l'örre vuge 
KurlU*. uc di^ni niedt cii aml »arlig bcfulDing*" vAj J 



8, Tliredie] i nto e. 10. licuebniM]] Apnkrofif Act ■- ihcA •■ faucA 
muter den ärtitilhiijru iiliipnc/ien pr»t.) iiieMs Kitemn- II. .\liniiB| 
ariprilngticli AIdui'. dann r lum i-iDctf'*!! n-^Sfrieft gtmacAt and c Awini- 
gefüift. 16. Hii<lcriiiii| aiu Kudcmn ^rjnvfrltt. 19. tbjlfitfiilcltg] 1« "m 
einem atuterr» iturhMtahm hrrgr'MIt. 30. <)aa) ■! liits l, 

' Kct ii.('/. ' fthlt ' fehlt * gnui- (li-nx Vil ■ ünUcr " fiiruii.ln.-do 
» d«r • /**/( • Umro ' • glwidw ' ' Vrd • '- «far Ixsfncdc ' ' rftr 
fM«> ■* Üog ■* Ranchu >• ban-elmcdo ■' <lor aatwDbftrlifc ■* ibbnt 
<tdd. ■* «UmiifTen ■<> sllu *• Sagsr " ViMn " all« «cd ** trhtt 
»'dend •• Pt-flillonUc ^- dfliglijrefti? •• eiihvM " i Wandt »• Somoi* 
" »ach MiiftUiT gimltUI '» Uaodsr " Kuinto «■ imod '■■ Sclwitie 
" Buiirlim'xlc niH. '■ «nr/i ti'irrv yrattUt " Ijeloldiiiif 



i 



DIE H^-EHISCBE CHRONIK 



S7 



'ihoe' Aar »ttlegger,* üc beider d»m buDs üf^ riollf. 
Atl tiandt medt dem vd)" ftlle haaitde fectetj oc 
Kri^föffiielfee (ig [künde forfremme/ Hüudt 
beftillede Tig oc ficöue beA«, tnedt ftattJigo^ rabeon 
och verie. Tliredie Aar indgtck handt i bit^rgitt 
tM*. vdtbog fka mi'^ctt guld (om Imiidt b«hüfTuede, 
efftf^rlAdendis" nun Moder ett [gandllce l'tnrt^ ]i;;<-ndf> i'x. 
)ter äff. ^ienn Aea tbn'dnt'igle'' redt huilcketiit* 
biorgctl ugiludv«, |kftft« hüiidt rdj iiufTucdt,'" 
Au aldrig nogen cfTter dea dag der" fkullo iiid- 
korome. Sidenn lAgd« bandt finn moder oc Altt 
AüObU hufogefmdt godeuatt'* uc mcdl Jim- indrug 
gennem'* TjUandt" i"' Italien thill dee Gother Tum 
dsa der iiide" regerede. 

Meuii Huciiild mcdt libi-ruliti-t oc trumWi/f 
fig faaledcü mod" üidbyggerne forholthe,"* att iiiung«' 
tbill httiido er indkommen,'*' riiadaut att fe« fuin 
ülgt «r, HatK iitt |0iiiii, den Hundt Imu ciiduu k-ffdi'.'" 
bleff i'flfter lioodeti oaffn" kaldett Hueen.*' 

tifiler bendes däd [nogen kort tliiidt,** baffiier 
(^liaHhünde** fom vnr H^>^«ns or (jlun««'* loiiu'" 
der paa Laudett indkominet" med eiin'" kriglmact. 
Oc der liandf* mod*" indbygger*' var'* altt for rtrengli. 
giorre </w eti Anfald iod pna bauneui foiii hiuidt 
Adder Tor rettcnn. oc llar b&nimui mange laar. 



B. Kriji«ffaGlCr| h*. i> ßr a. 12. fini'] i au» fr<?]. IS. indti>-^\ 
4f wd.rog. IS. fromherft) nU in AbbreviatHr. 91t. indkommci] ''n* :ierite 
m am» ne. H. ^} «htr Atr Xeilt ron andrrrr HtmJ, «tbti- ilit Tinte itt 
d«« andere iU« ilie tttr ,jiliyertH Ifaiut" : in 4er Z. tut Mrki. i X )- 



' a * madi \ytio\Aian ^»UUt ■ J • fotfrcmnter * lÜUIeliu; 
' Km<-riad«t>a« * fMl • trntdN6sd " Wi\tbvA lotlU HiUekr.; Oniind- 
r,gltt4t/SUdilUAhvi\'anin('irammalischtiiuismSgtk^). <*M" " /^" 
"gadNM " igiwintm " tJfkUnd '^og >* frhU " imod " forLoldt 
••komnen >• rl«md ftw>I limi l«f.l« paa " d<hl »Huouldl!) " feiU 
■• CarlUiUc >> Olunu *« der n<ig«n Kort tiil var rorlSbcn luld. " *»■- 
Wrpa« l»ic) yrtldlt " Nogi-n " nu aM. '• Imod " IirfWgrgcrn« 




28 JIRIOZfiE S4 

Jndtbill handt d6de. Och i faa nuutde^ fick Nöf^ing« 
Affkom en ende, eller oc i dM müdfte* offiiergaff 
dette Land" DaDnuTC^* Thj Sigfradt Bonche 
16 T. effter handt vijj Italien hendreiße* kom Aldrig 

5 hildt ind tliilbage igenu. 

üenne' hiftorie er' paa Daimfke Tdfchreffaenn 
i Norebye Anno 1603 denn S6 oc 9T Hartij, 
Äff ett gamble" mukenede*" oc räffne** papir, 
[rom war paa Latine," Oc fagdia att IkoUe irere'* 
10 M.'* Jon'" Jacobbens handt,'* fom [nn er*' Profemor 
vdj Köbennhaffnn,*" HuÜoken er f6dt inde paa 
Huenn." Oc bans feder war fidenn** Sognepreft 
vdj Laiidskrone i mange Aar." 



1. Müglingi] s von derfelben Hand loie dee (87^4) lugtfttzt. S. iniidde] 
AiiH r fcheint erfl naclUräglich in miidte eingeschobeit tu »ein; FeUtr 
für miuiirt«. 8. Danmarck] n drei Striche in der Sdtchr, 6. igena] 
i-Ptinkt fehlt in der Hdechr. 12. Euenn] der ertte Strich von n' aM 
eiiitM e hergtatellt. 13. Aiir.] der Schluftpunkt mm Hrsg. hituvgefilgt, 
fehlt in der Bdiehr. 



' maader > mindfW ' til add. ' Danaemarch ' indreigfte 
• forlk^ (— fonkrefne) aiM. "• hinter AvaDaa (eic.) ge^elU ■ir7f* ■ gammel 
I " mufeffidet ' ' refyit ' » fehlt (prgl. Jedoch 31) ' » Verit ' • HettCT 
' ^ Jens ■ ' der Beistrich nach Jocobtseiu, /b daf» huid ob pron. ge- 
fönt itt <^ er nu <■ £.iöbeiüiafii >* Hueen *° Proviat og add. 
* ' mcnK dettc foni formeldt, fandtir rkrefven paa Latin, add. 



A E Ix a n g. 



I. 

Ginlcilung VcileU zu den drei Ijiei]«^ri) von 

(jriraililH Rache- 

(11 Huiitttvde vdiuialilo DanDtv Vifer. Kibe L.'591.) 

Tre Vifer um Friie Grimild 
■IC lieiidis Brndi'o. 
11 BR efiieifHlgei- Tre Vifoi- oin H«Mt 

Hogen oc Krue Grimild / Om liitrIckL- Saei/b 
Grammatini» fcriffucr wdl fiii 13. Bitß / wdi S. 
Knud.« Hertiigiü oc Martyi-is Hiftorii'. Huor afT 
h vr It'ttelige at incrck« / itt dcnm- Dict er mcgct* khiii- 
nwt. Hi-n buad fom Grimilds oc hendh Hßrkom- 
ilts Hillorje er aurwendia / vil det faldo fur ianKt I 
den Ler :it bufcriffuf^^ , oc komnier dog fri'ui pua en 
andeo oc heUiligere tid nc (led. Hendis Fader vaar 

I" Noglinf! / som im; kaldtiK Miding / oc hode paii den 
O / imcUem KiobeiiliulTii w Kniovborg / fom kaldi» 
Hnen / äff .Tomfni Hoenild / met huilrken Heldt Ho- 
Hfio afflede fiit Son RAiickc. Paa denne f) kaiid 
mand «nd uii Teo V<dd(U-dc tiraffuur oc Griiud- 

15 iiaal j fnni i fordoni tJd hulTiit.- ilanden diffü tire Blot- 
-te NarborR / Sanderborg i' Carlshffy oc Hainnicr. 
H<*r bfidi- Vnii- tiriinild / fom hnfTdo furil lil «cte / 
Herr Sigfrvd Hom / fom vididigen ointuU^ vdi 
Ueldenhog. Meii til Hn oiulen gifll / indbnd )inn 

*i liegse llnc Brwire Hvrr Hogoii oc Herr Poltitiard / 
i»c lod dem begge dni'be fom Vifen iiidehoblvr. Dog 
tieu Huenfke Cbrunicko bolder uoget anderlcdin / oe 
figcr »t der Polqiianl bnffde finget Fm Grimilds 
Kemper thJel I fom Imn Imff'de vdfiet \ynt\ Imuiiem paa 

2h ( 'iiHhtiMye Slol i ibi fagde liiin til bamiem / al linns 



|K1| 



30 JIRICZBE 8< 

Broder vaai* flageß paa Nerborg / äff de andre 
Kemper, Oc der ved harmedis band (k& faare / at 
band drack it Hom fult vd äff de dadis Blod / oc 
d0de faa hoff de andre Kemper. Saa drog hnu 
6 ocfaa til Nerborg / oc der ban foroierckte / at Helt 
Hogen baffde faaet offuerbaand offaer Kerborgs 
Kemper / da giorde hun Pact met hanoem / at der | 
fom headia Kemper flog hannem fftrft en gang til 
Jorden / da fkulde band icke mere ftaa op / men veri 

10 fig fom band künde beft. Der met gick den liftige 
Quinde til / oc lod ftre Brter paa vaade Hude / 
vdi Porten / Oc der grebe tre Kemper tu lige Helt 
Hogen an / oc flöge hannem paa Knseene / oc fick 
der nt Banefaar / flog dog tüforn Kempeme ihiel / 

15 oc afflede paa Sanderborg met Jomfru Huenild / 
effter Orimilds famtycke / en Sen / paa det / det 
mectige oc sedele Kempe Siect / fkulde icke aldelis 
vndei^aa. Denue Helt Hogens Sern / Ted nafiii 
Rancke / heffude fin Paders oc Farbroders I)»d 

20 paa Grimild fin F.irfofter / Huilcken band vdfardL- 
met fig til Hammerf h0y j at vife hende Nidings 
Skat / fom hans Fader baffde effterlat hannem 
N0gelen til. Thi der band vaar kommen ind i Bier- 
get met hende / da lab band felff vd / oc lucte 

2Ö Darren for hende / Saa blcff huii der 

fidendis / oc döde äff Hunger. 



IN HVENAM /NSVLAM. 

Qua' Nidingi opibus qitondani fumofa fxisti 
HVKNA, Giganfeis diites cdumna virii'. 
30 Nunc tu Braheej Heroie celeberrima fcriptis. 
Es calo ac ruperis aquiparata Dijs. 
Falix: hoc veri e»t mxOare auro eerea dona, 
Chaonias glandee Hnquere, farre frui. 

A. S. V. 




'l:i' in fratros pn-titiiä. U'i-s liii-|i^.-4:to. 

■ iitileiiu', iiili'i cii'toiM iiiitimi.i 

HeroHiii geltis. lummo Itudiii 

Dli(jiiitatuii) Danicarum indigator 

w \'e]lejiis, Hiftoricus quoiidäm 

i|ilV in Prisfatione, tribus hifcc 

'^iitij riinmtiLin, & rei gefta> rerieiu. 

ixponit. lu inari Balthico Uta el't 

i''t;imij: pari propemodum fpatio 

lerum ingentium & rublimiutii 

i'tilit«. Nomen verö & appellationem 

Uveiiililn gi'^aatifsä, i{Uie eam in- 

i iti'uibiis iufignis fuit; quanim fun- 

erlcrc eft. i'<>d rudera nulla fönt 

-ATum adliuc recenfentiir, quaruni una 

■{\i6 uieridieiii Tita erat; eiq; oppoHtas 

:rtjinn: licuti alia ortum byemaleni, 

unera verft ieitiviim refpiciebaL Haue 

lii' prodilii eft incDluiffe quondam Illu- 

m, cogrtüiiieiito Niding: qui fili&m ex 

l UrimUdam, virginem ortu nobiUmmaiii, 

animo ad omnee dolos fraudesq ; exerci- 

m nupferat Generofo Viro, Domino Sigfrido 

(^rmiaxna in A t.hlfffftnim HiftpOria nfllphrin 




.IIKIUZKK. 



feftivitiitetn iimtavit. Ijnä r|uiiiii aclienifreBt , vjiiiOifl'inio^ 
quo6que, ex in^enti pugiliun, quos al^re iViIehat, imuieru, i>er- 
fidf- l'ubornal, ([m utruiuqia^ iiicautum. & nibil doli fufpicaDteiii. 
iDvad«»tes opprimorant ; VerAm UaquiiiUB inrict» uuiiui vui'- 
porinq ; robore egi-egid fe def(rndon»f. inunilToü k forore porcunorp» 
iid iiriuMi Diniii;» ublruticAvit, ati| ; iiitentatum cupiti fuo dircrinieii 
lioc moili) waßt. äed fntUtr Hiu|tiitii Falqitardu» Don iniiiu» 
iinimoei^ (limtcana. tandem cojlis cunctis pu^ilibuti, qtij iid Tu 
ii)t«riiii<>ndui)i venernnt, ipl'i- rpet'ioKi'i inorte occuhuit. (juamvis 
vetert^'S HvcneuGam aimiiles Kniquardum, quiim fr«trirui ruutii 
Haqnimiiii alt ntUktt^ Nordhur^tenlibus pemmptutii fal»tk i-om- 
perilTol, i?potii coriiu , iiitertect^iiiiiii il IV> pugiluin rangTinf 
r^leto, vuluntariani liUi tiL'ueni (^oiiicivirie trudaiit. Cii-leriloi 
Griinilda, intellecto. Haquiuuni omni tlefuuctum poiicul». ail- 
hnc riipei'l'titem ;igert>. furon- peivit». Ind uiltu laititiani )>ra 
(i) tenns, Nonlhutguiu coutoudit. iliiilumq ; ruin fiatri- Haquiuo 
tu-dus & amicitiani roiitraliit, hac conditione: ut fi qui pu^iluiu 
liiDRun litimi i'uui leint-l prortcmereiil. iioquitqiiiiiu in pedes Ter« 
<;i'igendo an'ui'f^iTut, vitiIiii gt-Dibti» nixuK ck^tonnoTion ruam i-sr- 
querolur. (^wo pacto inito. «lUidiniind faimiiia, in jpfo aroi» 
iiditu. bovinuiii i-oriuiii prob«^ madet'iictum. piiiü initerni curavit, 
ut lubnci tcrgorifl ufTeiidiciili) incaiitii» ri-sttnK l'ubigi'ivt grcITu«. 
Mox toti» ii?'ilm»( ties liiiiul ntlilcUi- Hiiqniiiiiui udoi-iuntur. infir- 
iiioq; grt'l'l'u viicUltintom fatnlimt^ ad turrani iiffliffiinl. QiiostanKii 
jlle ornne!«, lethali prin» viiliifio liiuciii'', ferro i'i>nriiiiiprit. Idem 
v«ri\ HaqiiiitU!' paulo aiitcä. Griinildic pL-rtuilTti. in uxorcm dtix* 
rrat nobili riiiuam virsiacm Ihen'ddmn; ev qua natoa eÜb ipfi filiu* 
iiomiue li'fiu-ko, qiii pah-iri (latniiq ; ro>dt'ni lin.- all« egrcgi«- ultu^ 
nft. Rtciiiin Griuiildii- pi^ilualit, in oolUtulu pix)pv ttix-oiii Uaiu- 
Kicrani, iMs^ntis pretij tbulauniui reronditnm delitelcei-e, cu.pi8 
cuitodiaro, unä cum (^onditorij clavibno. paler niortenfi litii deniaii- 
ilalTet. Ad eiim virendum aniitä foi-ttV deduott*i, in luitruui qui- 
dem cHUi VA iugreditur; Ted mux uurfu L-itato fxtn'i cnviim h 
proripioDs, valvas pesfulo olidito firmitei- iicclulit. lUd illa paidö 
poft fanif >t l'qnalore puoctii inireiTimf pprijt. 



89 DIB HVENISOHE CHRONIK 



88 



HL 

Hrenisehe Volksübcrlioforungen. 



(Ana N. H. S>>borgs Fonök tül en Nomenklatur för nordiitka 
FomlenuiiDgar Stockholm 1815, s. 88 fT.) 

Aaliqviteterna pi Hven &ro : Nombory. liTKrefter 

rid norra striuidoD äoua synas vsUar: Söndtrrborg, jrttemt vid 
Stranden i veat«r, der tnan finna ser en liten vall jemte platHeiii 
der slottet legat: KarlaAßga Statt, som legst nedcrst rid liafvot 
p& öeoa sjr'döstra kant, dor toan änuu »er platson*): flaut- 
mar SloU, hrareftcr man äfren ser platsen**) pä Öens Östra 
kanU N&raKarlsbiSgftSlott i norr luu- varit***) OQ steiuilttiiing 
i poialUlogiam-fonn, som kallats Frit GrimUth graf. 

B 

(Ans Sjöborgs For«ök tili en Nomenklatui' s. 84) 

Bn fomsÜgD pA öod gör Orimlld och HveniUl tili 3: ne 
jUtinoor ocb syntrar, Hom bodde pä Seland, du Hvenild (ilU 
duipadc Sen pä det »ätt, ntt hou ville büra styckcii af Sel&ud 
tül 8k£n«, ocb kot» f) fürst lyckligen dit med ndgra jordstycken 
i förklädetf och blefvo af dessa Runeberga hSgnr, men da bon 
ssdftim \ag ett onda olltför stört stocke, brast förklädcs-bandct 
wdti HJÖD, sä att lion tappade bvad hon bar, och tillkom 
sAkdes tico Hv«n. DA Hkal hon »edermora byggt 8t. Ibs 
Kyrka, efter bvilken ^stem Grunild pä Selaud slungat en 
■teo, som nedföU i sjön vid EarUhÖga slott, der den Sunu 
tisas. Grimild gäges *)edan hafva bott pl Hummar elott, men 
di beuiu» bämiiaiMlc bronson kommit, kaatade ha» slottsnyck* 
lamm i ^Öq ocb troUade sloltct, üA att dott sänkt«» tted i 
jordeo m m. 



*) toon ^ niaiU tefiknn ßniiM. (SjÜbOrK. Sunl. III). 
**) men man ttr cj dct miiuta ip&r nf furdnu Üloltut (ih>J. 
•") nnf [1880] ej mintU ipftr (ib.). 
t) giooda pA lubbotUk«n Srver aniiilot luU. in SamL lU 78. 

S 





34 JmiCZ&R 90 

c. 

(AasSjÖborgsäAiiiIiiigar für Nordens foroftliikarelll 1830. s 74) 

Traditionen pA ön Hvcn sHger, fttt den nS. kallade 
(itrimildtt »len, äom Ugger i sjön ej taugt iirin Urimilils graf, 
St i vredesmod ditxlungad af Onmild , vidarc , att Hakan 
EtUnpes sou Haiicku kastude nycklarnc tili Hanimar ülott i 
^ön och trollado slottet, b4 »tt det sönk ned i jordcn, oHct 
p£ hafsbÄttnen, men om ii&gonsin 3 miLn komma att fintia^ 
pä ön. üom föro fodsloa bifvit fadorlöse, ooli idla 3 blifvii 
uppkaltade livar och eii «fter sin fadäi-, »ä skall Hanim.iT 
slott ät«T«tA p& £itt fonlna stalle och nycklarno konima ttil 
rätta igi'n. 

D." 
(Von der (ireisin .T. V.) 

Frau Grimüd wolmte auf Hammarslott, auch Norreboi^ 
bat ihr gehört ; sie mordete ihre Brüder, aber ihr BruduruoLn 
verzauberte das Schlosn auf den Meeres^und und warf die 
Sclilössel in die Seo. Aber wenn sio auf Hammar wobute. 
ist schwer zu begrt-'ifen, warum sie bei Karhöiaslott begraben 
liegt; ich habfl selbst ihr Urah dort gesehen; jetst i8t nichts 
mehr dort /.u selicn, aber als kleines Mädchen hUletc ich die 
Scliafe dort und ich weiss nocli, wiu ich mich fürchtete, wenu 
e« dunkel wurde und ich auf das Grab schaute; das war ein 
grosser Hfigcl und roud herum waren Steine gesetzt. 



o au^i 



B. 

(Von dem Greise P. 0.) 

Frau Grimild wohnte auf Haminari^lott, sie hatte 
andere Schlösser, Norreborg, Sönderborg und Earhöiaalott; 
auf Nomborg habe ich als .ruiige noch die Wälle gesehen. 
Sie lockte ihren Bruder nach HammarHlott und sperrte es 
dann ab. Als nie wieder hineinschaute, sah sie ihn am Ofen 



•) D— (1 habu ich wühreni) eine» ilrcituKigen AufL-ntlinltoa auf 
Hveu geaamiucIU (I6BS.) 




DIE HVKXISCHE CHBOSIK 

rbfingt. da machte fiie dus Schloss wieder uuf; aber das 
en nar soinQ Kleider; vr ävlbst ist «ntkommvn; abflr sie 
rerauiilK-rte doch das Schloss und warf die Schlüssel in die 
tiefe S««, dortiiin wo ks HAmmar»gJHv[-.St'lilucht> sowol zu 
lADde als aiu Meeresgrund] beisst. Sie liegt bei Karhöiaslott 
bcgnbeu; ich habe selbst als Junge ibr Grab gesehon, «« 
irarea viele Steine. Man sagt, wenn einmal drei Knaben ge- 
Wtc-d werden nach dem Tode ihrer Väter, so worden sie die 
Schlüssel wieder aufÜsvhen. Vor einigen Jahren erfroren 
t'inmal dr«i Fischer (trausRen und ihre Frauen waren schwan- 
ger; da ging das Qerede ron den Schlftsseln um die ganze 
Insel; aber als ihn.- Htundu kam, da gebaren Kwvi Knaben, 
die dritte aber ein Mädchen und da war es wieder aus damit. 



F. 

(Von demselben.) 

ku Grimild wollte ein Stück von Si-land nach Skäne 
», aber da verlor sie ein Stbck davon und das wurde 
Tor Insel Hvt-n. — Sie könnt« das ü«liiuti: der Kirchoii- 
glocken zu Bslof nicht vertragen; das bort maii ganz deutlich 
hier auf Hveii, wuun der Wind günstig ist. Da nahm sie 
mn Stein, legte ihn iu das Band, das sie in ibr Haar zu 
lebten pilegte und sohleuderte ihn hinüber; der Stein flog 
nicht so weit, aber er kam doch iu Skäue au und die Richtung 
iit wirklich gut; ich habe ihn seibat gesehen; er steht drei 
EUen ilt>«r die Erde herror, wie tief hinein er geht, kann man 
liebt wissen. 

O. 

An der Stelle, wo Norreborg gestanden haben soll, ist 
eine Quelle, welche Hveuildskälla beisst. 



-;-+= 



8* 



38 



NAHEN V KRZEIOHNIS. 



tDftulcui 8t all. 
DntiniHrck (I>auiiGnMrft) 4u, 
(DaiiniMiiHroli) SBt 

tX>BUD[k (ÜHUi'kj SSg 

£*lör K 

Bnropt ii 

FolgmBrO) U.%. 10, (f) 10„. 
lli», Folgmer 9ii; Kulckmar 
19iiii*ifi>ti> I3a>*. 1^. t?!. ISii, 
SSi. — Fol<|iuvnl V 8»i«,ti- - 
Ftlqunrdiu M 31ti> 82;. lo. 

tiluDa (Ohtra) 6„. (Gluiin) lOii, 
Gluui.- ao,g ; thill UluDsm (Gliiriu) 
6l;, Utill Gluun (Gtuna) I6ti, 

(Oluuc) aon; jen. Gluiifs (Qluau) 
ST., 

OluDCltluct SOii 

OliiiiBriöfraOio: •[■Ulimtliiffliici^ 

{Gliiiicr.lön.ierK) iO,t 
Golliwr 4,, 97„ 
tGutbi^rk 4. 
Qrimthl «. üliromüd 
örwknr (Urck.rr) 8, 
Hi)iuinoi'"hitrfi {Hmnmerliii'i'ji) 

1(, l&m, SS«: — Hnmmerriiöy V 

80ti.— /BcAIoM.7HftmmorV29i«; 

Hunmern StSliq, 99tii. ~ Hain* 

munlütl äBCDB. 
HammarBgjuv B. 
Hol.it'oboK' Ta9„: — AihWta- 

nim nirtoriB St Slai 
HoiiErnD (llngcn} I), (* Haageu) 

I«, Sil. Sio, ig, 7i, 6:, M. Odili 

(f.) 10,.. 10,1.18,»,,., 19,0. li... 
ITt.e.i«. 18n. s, I9i. s. i.m, ÜOis, 
S2,oi HoKcn 6„, 7„, 12,», 18,, 
14i, (0 U,.. 16;,, ,0. t,, 80,1, 
21.. ,., 82,, 27., : — T S9,, „. •.,, 
30d, ,11, i,. — Ua^en 4,0, &,■; 
Ha^onu (Hoct'u) 8i,, 4to, 5»o, 
SiSi •«■ ~ H»(luitius 81 Sl.at 
SS4, ), u> 11, iti 11, ■•. — U&kan C 



HufcuO 4„. 10., „. fO W,, 
(II mr. ,,); Huf«i,ii TUetps.'. 
Hui^uti 28,,.— Hrea« V SOj,.,,, 
84 31,: Hiu^u V 29,,; By 
ABCF. 

Huouild t*) I9,„ 80,,, «1,7 
(tHixeiiilde)ai„ai,, ,,„„.,„ 

»0,,i HuL-uiUd 84,,, HiuniiiU 

1»,,. — HtpoiM B; — HvfBa<U 

8t81„. 83,, 
HvrnihlshKün O. 
Iliinnfko (Ihnitiiclcc T 29,,; v«^ 

tfiiv-t Hveimuriiim ftnualci 8i 

32.0 

St. Iba Kyrku fi 

Itilicti 4„ 87,,, 28,. 

tJocoblipn, M. JiMi(.Inn») 88,„" 

Karliöia utul Kftrl"IiÖRA *. 
Cur lii'iilo bürg' 

+ 8. Kuud HltIu},' og Martyr T 
29. 

KoKlobrynuil (f.) B,, 

KoldckiMc (KsIloKildc) 6,, 

KruneboriB T 39,, 

Ku1JuijiL)ififfnii(E.i6bonhat'it)38i 
KübeuliftlTii V 89,, 

Lftmlskrune 88, j 

Latiiii', pna, (liuttii) 38, 

Mtiiufina S, , 

NianiKT2ft,„80,„„:8t81,„. 

tNordoflf 8,„ 4,. 

NorBborgCNontbOTg) 12, ; Noro- 
burs 12,,, (Norborg) 17,,; Norr- 
burji (Nörbori;) 14g. — Norl'Orij 
T 29, „. 30,, j,,: NiinUnirijuui 
81 Sl,,. 32,,: Norrcbor» AD£ 
G; I Xordbnrgenna St 88,, 

Nurgi« SO,.. 

Niifobye 88, 

Nöglin« !,, 4,„ 16,,, 16„ (f) 
22,j, 28,; V 89.,: Nonlinp" 
8t »1,«. 



95 



NAKENTEBZEICHNIB. 



89 



■f-OIympna 8, 

RmncheC) »„, 9B., .„,„ 38,.; 
Rueboa »,„ SS,., 34,,, S6,; 
gem. Banclm 24, : occ. Banohum 
96„. — Bonicke T S9,„ 80,«; 
M n,,; C. 
Kn finhergft högar B 
Sftrbia OrunmaticaR T 89^ 
Schftsae (Sekune) TUel pg. 1; 
Scbaiine (SchMuie) 9, ,, (*Skune) 
»5|,- 11. l«.i. (SohaanO 26„: 
Skflnne (Skaaue) SO, , ; (Skaane 
1« rar. ,,). — f ScaDis BI81,. 
— Skioe BF. 
Sielandt ZKdj);. 1. — fSelandia 

«ai,: Selana BF. 
SigerrteeDii(-rteens.XIaiiin.)7, 
Sigfrid CSigfred) S,„ *,,. 6.. 
7,j SigfWdt 4,., ,„ 6,„ 7„„ 
18„; SigfredS,,, ¥29,,: Sig- 
Iredt 6,^; Sifredt 6,. — Sigfridu» 



S( Sil,. ~ ^^ Btinanu Hom 
«faAifl,„4,„ 18,„T, S«. 
8i g f r i d (*Sigfred} [Sohn Chremild»] 

20». 2*.. 
Sigfradt (Sigfred) Ranche 88, 
Snerrige 10, 
Sönderborg (Söndreborg) 16,,; 

T 29,,, 80,,; AE. — Syndor- 

burg (Syndreborg) 18,,! StSl,, 

(-um.) 
TheodoriousTeronenfiB (Teo- 

doricna Venorenaia) 4, 
Tynaiidt{Tydfl8iicl)6„(Tyfklaiid) 

97,,. Vrgl. tu diesem Worte K 

var. ,. 
VelUjus, M. Andreas St 81, 
■|- Venus 6,, 

VeronenaiB s. TheodoricDs 
Wormiti CWoniitz) 8,,, 4,; 

"Wormidtz 3, ; 'Womii« (WonnbB) 



Drack TfM A. Ibpftr )■ lari. 



ACTA GEKMANICA 



Organ für deutsche Philologie 

herausgegeben 



von 



Rudolf Henning und JuHub Hoffory. 
Band III, Heft 8. 

> 

Die Teufellitteratur des XVL Jt 

Von 
3£tkx Ovboni. 



-*H»«^*- 



Berlin. 

Mayer & Müller. 
1893. 



Die Teufellitteratur 



des XVl. Jahrhunderts. 



Von 



Haz Osborn. 



Berlin. 

Mayer & Müller. 

1898. 




t 






".,- :■* 'l 



Vorwort 



TorHe9:eQde Abhnndlung inncht es sicli nicht zur 

dif Bedeutung der Figur des Satan fUr die deutsche 

litteratar des 16. Jahrhunderte iib«rhati|it zu achildern, oder 

dmnsteUen, was sich ans den g<.-drucktfn Qtnillcu für den 

TeBMglaitbon der Zeit ergiebt, sondern sie hat zum Gegen- 

itond ihrer Untersuchung nur die Bstirisch-didakÜRchen Bilchor 

ilajirot««tant)S<:heD Prediger, welche, angeregt durch Luthers 

T«ife]gl«hre, sich im Kampf gegen das Biise dämonische 

.Personifikationen der Laster und Thorheiten ihrer Zeit schufen, 

UD die »0 entstandenen Teufel zu den Titelheiden ihrer 

Schriften zu machen. Di« weite Verbreitung dieser eigen- 

utigen Litterator durch ganz Deutschland und die herror- 

n^de Stellung, welche sie lange Jahre hindurch unter den 

Lieblingshächcrn de» Volkes bohiiupti-t hat (cf. S. 34, 194 £f.), 

»dit/ertigeD eine eingehende litterarhietorische Behandlung 

ohne weit«res. Die sonstige Tb&tigkeit des Satan in der 

litlerAtar, zumal in der Didaktik und im Drama, sowie die 

iNhnonologie konnte nur da berücksichtigt werden, wo sich 

^ ta t nnniittelbarer Zusauimonhang ei^b. 

^M Hit dem Wort „Teufellitteratur" fiiBSte auch Goedek« 

^B> protestantischen TeufelbUcher zusammen, und ich hoffe 

^^nm, dass e« als Titel dieser Abbandhing nicht allzu an- 

■pnichsvoU klingen wird. 

Fßr die Anregung und die allzeit gütige Forderung 
meiner Arbeit schnlde ich meinem hochTerehrten Lehrer, 
Berm Prof. Dr. Erich Schmidt, den herzlichsten, ebrerbie* 
tigstea Dank. Durch wiederholte Auskunft nnd freundliche« 
fintgegenkommen haben mich in liebenswürdigster Weise 



TV 



VORWORT. 



■ 



untersttltEt : vor aliem die Verwaltung der Egl. Bibliothek in 
Berlin, d&nn die Verwaltungen der Kgi. Hof- uud Staatsbibl. 
in Hfinches, der Grosaherzogl. Bibl. in Weimar, der HerzogL 
Bibt in Wolfenbüttel, der Bibliothek in Celle, der Universitäts- 
bibliothekra in Göttingen und Marburg; ferner Herr Ober- 
pfarrer Hoffmann in Püratonberg a. 0., Herr Oberpf. Hömig in 
Elsterberg, Herr Pfarrer Eckstein in Homburg a. d. Ohm, 
Herr Pf. t. d. Eldem in Bischleben, Herr Pf. Hempfing in 
AJlendorf (Er. Wetzlar). Herr Pf. Schoenbals in Öross-Linden 
bei QieBBeo und Herr Pf. Zürn zu BraunabacL in AViirttem- 
berg; fftr gütige Einweise endlich bin ich Herrn Prof. Dr. 
Sdward Schröder in Marburg, sowie Herrn Dr. Johannes 
Bolte and Herrn Dr. Max Herrmann in Berlin zu lebhafti 
Dank Terpäichtet 

Berlin, September 1893. 

M. O. 



ei^ 



Inhalt. 



8dM 
EtaleitaM« 1 

Der Teufel 1 — in DeuticIiUiid 3 — in der Litterator S — 
Luther 5. 

L He EBtiUhmir der TenfeUltteratiu 8 

lAater-Fereouifikationen S. — Bildende Kontt 10. — Laster 
und Teufel 13. — Narreo 18. — Lntheriache Spezialteufel 
21, — Chryseui 23. — Friedericb 2n, — Mosculns 26. — 
SpaDgenberg 31. — Theatrum Diabolomm 36. 

n. Ue TeoTelbBeher 41 

1. DämoQologiache Teufelbücber 41 

Teufel selbs 41. — Zauberteufel 49, — Von des T.'a 
Tyraiioey 63. — Bannt eufel 64. 

2. Sünden und Laster 67 

Geiz- und Wuchert. 67. — Geizt. 68. — Neidt. 69. — 
Schmeichelt. (Rhode) 62. — Schmeichelt. (Frey) 64. — 
Lügent. 65. — Sorget. 6B. — Melanchol. T. 70. 

3. Wirtshaualehen 74 

Sauft. 74- — Spielt. 80. — Tanzt. 88. — Flucht. »0. — 
Fault. 93. 

4. Mode 65 

Hosent. 95. — Kraurt. 103. — Kleiderpredigt 107. — 
Hoffartst. lOP. 

5. Ehe nnd Familie 113 

Ehet. 116. — Zehn Weibert. 118. — Haust. 120. — Hurent. 
122. — Geiindet. 125. 

6. TheologiBChes 120 

Heiliger, Klnger u. Gelehrter T. lütt. — Sabbathst. 129. 

— Böse Sieben ine Teufels Samoffehpiel 131. — Saora- 
mentst. 141. — Pfarr- und Pfründ-Beichneide-T. 144. 

7. Öffentliche« Leben 14S 

Schrapt. 146. — Hott. 147. — Jagdt. 162. — Gerichtst. 
164. — Eidt. 166. — Bettel- und Garte -T. 158. — 
Pertilenrt. 161. 



VI ISHALT. 



a 



I 



SoiM 

Cbkralcter, Stil, geineioBame Uotive 164 

Zutand lier Weit 184. — Waltunterganif 166. — Deutscb- 
Und 166. — Pftpsttom 167. — Luther 170. — Stil 172. 
DogaiR 174. — KluBHiiche Litiflratur 177. — Pradigtr 
mfirlein ISO. — DeuUchc Litteratur 161. — Tenfeiglaabe 
186. — Äussert' Coinpoflition 187. — Obrigkeit 191. — 
öeiWlicher Stand 193. 

HL TrtrkWiKen nnd NaclikliD^ 104 

Verbreitung 194. — Katholische Gegner 196. — Verkauf 
107. — Die Lftsterteufei auf der Bühne 168. — Ehet. 198. — 
Hoft. 2C0. — Spielt. 202. — Andere T. 203. — TeuFelbücher 
de« 17. Jh. BIO. — Modet. Sil. — Gesindel. 317. — Andere 
T. 280. — Hartmfinn 226. — UrWile S27. — Sohlusa 2S8. 

XMhtrlf« 230 

Berlltn 288 



I 



Abkürzungen. 



ADB = Alljameliis denUchs BlegiBphl« sd. Ton LIUsnoroB o, Wagels ISIHI. 

AfdA = Aaitig«' fOr dintKhs Altaltam nnd dtnlnh« LltUntoi (inr ZMA) wL Blaln- 

mtftt, BcKlba 187119. 
E. A. = IiBllun W*rka, BtlufD Angabe 1S9<I — (7. 
GBTin. = QBnD*iilBT TIenalJfthnHhrtft fOr deutaohe AltartDmikniid«. 
Sotdaka = Kul Ooadik», Onuidriai nn Oaiohlobta da dantiolieB Dlohtnsc 1. Ad. 

II. Bd. (lest). 

Ii. T. = Pablieitlon da« LlttanniHhaii Vtnlsi In Stnttaul. 

ZfdA = ZafMchrlft fBi daulubai Allartom (ond deoMcha Llttantnr) IMI IT. 

ZIdPh =: Zeituhrift Ar dentub» Pbilologla 1B6( IT. 



, . . . . SataDs pu» . . .!" 

Carducci. 



Einleitung. 



Wenn Schelling die Engel für die „lan^eiligBt«n aller 
Wesen" erklärte') und D. Fr, Stranaa meinte: „wo man 
nähere AuHfuhrungen über ihr Wesen und Leben liest, wird 
man dies bestätigt finden" *), ao kann man auf der andern 
Seite sicherlich mit demselben Recht die Beliauptimg auf- 
teilen, (iass die Teufel die interessantesten aller Geschöpfe 
sind. Die Oppositiousstelhmg gegen den die Welt und üin 
selbst heherrschenden rJolt , welche die Jüdisch - christliche 
Do^niatik dem Satan gab, als sie den selbstherrlicheren 
AEgramainju oder Ahriman des parsischen Dualismus in ihren 
Monismus eiureihte. reizt jeden zur uäbereu Betrachtung. 
Der gewaltige KevolutionÜr, der seine Persönlichkeit einsetzt 
in dem gewagten Kampf gegen den I^enker der Weltmonarchie, 
lesselt die Aufmerksamkeit und die Teilnahme, und niemand 
Mril. auch wenn der Abscheu vor der gottfeindlichen Macht 
noch so gross ist, der geheimnisvollen Aoziehimgskraft des 
Frevlers entgehen. 

Reizvoller noch wurde die grossartige jüdisch-christliche 
Peraonifikation des Negativen, als sie mit der Lehre Jesu zu 
lien (iennaneu verpflanzt wurde und sich hier mit heidnischen 



') Allgemeine Übersicht der oeaeBten philosopbiBcbeii Litter&tur 
im PhÜosophiachen JoumBi von Niethammer und Fichte. YIII, 2; 
S. 147. 

■) Die christliche Glaubenslehre II, lö. 

1 




OSBORN 



ElemenlRD aller Art rermischte. Die alten Oötter der deutschen 
Stämme wurdvn von d«u Verkündem der ne»en Religion xum 
Satan in die Hölle liiDubgeschickt : in dt-m ^SScbaisclieii Tnuf- 
g«ISbiiis^ I) erncheint die früher ao mächtige Dreizabl : Donar. 
Wuotun lind Ziu-Sjixnot mit „nllen den Unholden, die ihre 
Genofisen sind-, neben dem altbüsvu Feind der chriKtliclieii 
Wahrh«>it, dessen Worten und Werken der Deicebrte ab- 
schwüren soll. Dem WuotJin entsprich! der Teufel, wenn er 
an der Spitae des wilden Ueereu durch die Lüfte fahrt ; auch 
sein Karten- und Würfelspiel erinnert an diesen Gott*). 
Donar mag ihm neben der Glut dee hi^llischeii Feuers die 
Vorliebe fUr die rote Farbe eingeflüsst Itabeu. Vom nordischen 
Loki, der aus dem alten wohlthatigen und fruchtbriii(;enden 
Naturgott schon lan^e zur Person iß kation alle« S(:hlechteii 
und Niedrigen, zum Gott der Zi^^rMtöruitg geworden war, eutUeh 
er zahh-eiclie ZüRe'). Und wenn es dem Christentum bald 
gelang, den alten Götterglaubeo xa verdrängen, so war es 
ohnmächtig dem ungeheuren VVunt aherglSuhiscIier Vorstellungeu 
gegenüber, die man im (iegeosatz zu der eigeutllcheu Götter- 
weit aU „niedere Mjlhologie'' bezeichnet bat. und die in 
Deutschland, wie überall, 1^-eit tiefer in da» Gemüt dos Volket 
gedrungen waren und eine weit zähL-rc Lebenskraft zeigten 
ftl« jene'). 

Die ganz« gewaltige Erbschaft trat wiederum der Teufel 
tat *). Br nahm die feiudlichea Mächte und unheimlichen 

>) Uiiileuboff<8i-lier«r, iJeukmÜler • S. 1«8. öf,: „end eu furwwbo 
■llum diobolcs uuHroum anil nuonlum Tbunur (.■uUe Uuöilen ende Saxnot« 
eai« klluiu thüm unhoUum thc hira genütus lint". 

*) et Wcinhoia. bi<>.Sag.-n von Lukj. /fda 7. bnr. 86 ff. u. 8. 98. 

^ cf. W. Sühwartz, Drr lioutitfc Volluglttubc S. 7; PriUiitt. 
anlbrmp. Atndicii S. 7. — K. Hogk im üninilriM dor g«na, PhLlologi« 
TOD Paul I, S. BSaf. 

'} of. Rotkoff. GeBcliichlc de, Teuli^U. 166» Bd. I. euits* 
Frertag. Büder su> d. dticli. Vergaug. U, K^. 11: „Der deatscbo 
T^urel". JeUt li> dva Gnamm. Werksu tps. 1888. Bd. 19. S. SSOtT. 
— .Die NaiuigeKluahtä d») Tour«!«' vuu A. Qrai', »ui d«m IUUtiaiich<:o 
*. R. Teu*ch«r (Jena 1890) iai für wwemL-baflliube Zweuke völlig 
unbntuchlMtr. 



BsiErnmo. 



I Weaen der heidnischen TJheriioferung, die wilden Rieaen, die 
I r^nkilstenden Sturm- und Was.v>rdämqnen, die (]<«9talten des 
Tol«Dreiche:s in den holÜRrhon HofKtant itiif. daneben Aber 
Bucb die unQbcniehbare Miksae der kleineren, harmloseren, ja 
oft liebeuiiwürdiRen Naturgeister, der Rlfeii, Wiphtohen und 
Hmn/e1mfiouch«n, der Nixl^ Zwvrge und Koboldr. Die Teufels- 
Inirgeu und 'berge und -brücken, die Verträge, die der klu^e 
nnd kunstreiche Satan eingeht, am nach Keleinteter Arbeit als 
der (feprellti' abxuzielien — das aliei) erinnert »n alle Rie«en< 
und ElbetiHLKen. Hinxu kam 8chlii!«!ilicb i>04^h, v/»s etwa 
durch die fiermanen. die Hiefireich Italien durchzogen Imtten, 
imd durch die eindringende antike Kultur, ron Rom, „der 
proben (inrknehe jedes frouiiuen Wnbnglmibon»" '), au Vor- 
«tpUuQgen des griechischen und rümischen Heidentums nach 
DeutachlaDd gelangt wir. 

Alles da« trieb sich nun in dorn Reich Am d«»t«c]ien 
Teitf«ls umher. So erhielt »in Charakter, wie E. T. A. Hoff- 
otaDa es einmal erklarte*), „die wunderbare Mischung des 
Burlesken, dnrch die tin» eigentlich sinnvent^rende Orauen, 
du BnUetzeu. das die 8ee1e zermnluit, nnfgelüst, veniuickt 
wird-" ; so wurde der furchtbare Peiud des Menscfaeogeschlechts 
dameb««! ein Iiieblingsgegenstand für die gut« liaiine der 
GISubigen '): er wurde immer farbiger, mauoigfAltiger. |>o])ulSrer 
Dod hat sich dnrch die Jahrhunderte mit »einen Gesellen im 
Volkebewuttütiein lebendig erhalten. 

Für die deutsche Littcmtur konnte die» grosse Gebiet 
d«r (iedankenwelt des Volkes nicht ohne Wirkung sein, imd 
bevor nnser grü«it«r Dichter den (ieiat, der stets verneint, 
in allen Erscbeinungsformeu «einer Wewidieit erfasst und 
diirgeslellt hat, tancht er im Verlauf der Zeiten bald hier, 
bjild dort, jelit in dieser, dann wieder in jener Eigenschaft auf). 

•) O. Proytag a. ». 0. 

■} SerspioasbrUdvr (Aotg. v. 1897) tll. St. 

•) Rotkofr li»t (lio BeJcutua;; An TÄufnl« für die ilealMJie 
I^tterslur tm gAiiiuii weni^- berüukiiclitigt; <1oc-li T«rglciche mso 1. 859 IT.; 
U. 174 (t — Die Bwtooker DUBertalion von Ma» Oroycr, „DerTeuftl 

!• 




ORBOfiN 



9» 



Haiiptaünhlich erschien er ßsturf^enmss du auf dem PIud. 
wo das vülkstüinlichc! Eltnient Witonders stark vertreten war, 
und aU dies nach dem Vurfull dvr uiitU>lalt«rliclieD Litterattir 
immer mächtiger in den Vorderprund trat , geluif^ der 
Hölloufürst mit seinen likiharan zu einer immer erüiasereii 
Bedeutung. 

Die Ketzer, die allmäblicli in stets waclis^nder Zahl ihr 
Haupt fif'gvio die Wellkirclie erhoben, erschienen dem recht- 
ßlaubif^eii Katliolikvn als Diener des Teufels; ebenso auf dw 
anderen Seite der Üppige, weltliche Pfaffe, der seinen feäsX- 
iicben Wirkiiugskrcis allzu offen überschrilt; der iinharmherxige, 
anp;ere<;lite Uichtur wurdi- in der AufTassuug der Itli-ufce ein 
guter ll^'kannter dea Satan ')■ Zahllose Schnurren nnd Anek- 
doten, die im Volke umliefen, berichteten von Heltaamen Ge- 
schichten, bei denen Junker Volant beteiligt war. Wichtig 
aber ward er ganz besonders flir die Gestaltung der 
geistlichen Spiele, nachdem ntan bereits im 13. Jalirhnnderi 
in Wien durch den ersten Versuch mit der Einäechtiing tuu 
TenfelBSzenen die Wirksamkeit der neuen Figuren eqirobt 
hütte'). Hier wird er bald uTientbehrlicb ; er erscheint ahi 
Rehell ge^eu die Gottheit, al^ Verführer. aU Räcbor der Hüude 
und, nach dem Muster der frauKusischeo .Diableries^ *), nicht 
xum mindesten als lustige I'erson. Durch diese leortere Eigen- 
Bohall wie<Ienini hatte er sich in kurzem auch mne Kolle im 
Wteren Faslnucht^piel erobert, die er dauernd behauptet«. 

Die GlauKzeit aber für Satans litterarische liedeutuug 
ward das .lahrhundert der Iteformation, wo man, wie Govtho 

in der Litt«Tittur ilc« MiltclttUrri". (IBBt), welcbn ihr Tlicinii zwmlich 
Kowerlich br-hnocli'll, bnt uuch in ilrn (irciiiicn. w(-Ichc n!« ncfa zog, tli« 
tTi)l«nut:hune hrioeawnei mm Alitn^liliins g'')inicl)T. 

') cf. clwtt Lkiibcrgt LiedcTNal II, US; 349. 

') cf. Ludwig Wirt.h. Div Otter- and PkuionwpJeilo Int lom 
le. Jal.rbQnd»rt. Halle a. S. IHSB. S. 166 f. 

•) Mono, Scbfla»pi('le des M». 11.87. Fluge 1-Ebeli ng, 
cliiclit* d«« Grotesk-kümiscben ». (1688j 8.70ß. Wi-iohold, tW 
das Koiaitdie im altdeutnih. SoliAiupi«! bi ßi>*afaei Jftbrboefa für IM. 
Gweh. 1, 1 (T, 



100 



EINLBITUNO. 



ngts '). in rloutBchen Gedichten wie Bildwerken alle „die 
BOtveiidi|*ea uud zufälligen ('bei der Welt nur iiiitvr dorn 
Rild« d^ fratzenltnrteii Teufels eu TcrgegeuwänijioD wnsste". 
Bi«r kam xu der wachsenden Macht der volkstümlichen 
l>iclitaoK der iiop:ebenre Anfschwung hinzu, den dtts relifriSse 
Elrini'iil im Leiten de« Volkes anKni, und die tiel'ieehende 
Wirknnp, die ph in dem theologischeu Zeitalter, wie auf alle 
und alles in Deutscbliind, ho iiurh niif die liitlemltir iniHÜbte. 
L'nd vor ftlleu Dingen fnnd der 'LVufel lii«r gewnllige Förderiui^ 
darcli die niiicliti^e P«rsÖDUehkeit, die in die gesamte Bnt- 
wickeluns ihrer Zeit durch ihren weitreichenden Kintiiisa so 
lif^tiniiiHind eingriff: durcli Jilnrlin Luther*). 

B* ist bekunnt. weklie bedeutende Rolle der Satan in 
der Ijehre des groMen Refomiatorit Hpielt ; er tM ein wc<)ieut lieber 
itotidteil dor ganzen Welt «eines Glaiib«as und mit dem 
n Sjiteni seiner WeltaufrassoDg untrennbar verknüpft*). 
.Wie befiaeni madii sich's nicht Liither", so urteilt Gocih«*), 
_duri^ st'inen Teufel, den er Überali bei der Hund Imt, die 
wicbtigBten Phiinomeue der allgemeinen und beaoitderB der 
tDonsvhlirheii Nntur zu erklüreii nnd zu beseitigen; und doch 
ist und bleibt er. der er war, fiu:<serord«ntlich liir MoitH> uud 
fllr künfliffc Zeiten. Bei ihm kam es auf That an; er fiihlte 
den Koiitlikl, in dem er sich befand, nur all/.n läatig. und 
indem er sich das ifain Widerstrebende recht h8s«lich, mit 
HJ^em. Schwanz und Klanen, dachte, so wurde ftein heroisches 
0«inät nur desto lebhafter aufgeregt, dem Feindseligen üu 
tMgegnen und das Gebasste zn Tertilgon". 

TiUther befindet sich in einem ununterbrochenen Kampf 
it dem Teufel. ^Ich fiihle oft des Teufels Rasen in mif, 
er von sich, „m Zeiten glaube ich, xu Zeiten gbiube ich 



der Iß 
P -Wie 



■> Dkbbtni; nod Wakrbeit. Wdm. An>ir. ST, ISS. 

*) Boikoff I],38Aff. 

*) Huring, Di« MyMik Imthsn. 8. Il«ff. el. «nah EöstHa, 
Ltttlien ItieoUigie. 

•> Uoetht', HateriaUea mp geschieht« d^r Fartit-nlt'hre, J(, AV 
Uitn. ZwiKlieniAiU ItnOap.aberRogtrBaeo. Bemp«l>ciieAti»g«b«a«,108. 



4 



d 




OSBOHN 



nicht ; zu Z«ten bi» icli fröhlich, zu Zcit^'u bin ich traurig" 1. 
„Alle Nacht, wenn ich erwache-*, so erzählt er 1533'), ^§0 
i«l d«r ThuM da und will an luich mit dem Disputieren". 
Und zawL'ileti hat or furchtbur zu toidou : ,,hi« brach mir 
wahrlich der Schweisa aue-*, so berichtet er cininul, -und da« 
Herx begoiiniit mir zu zittern und zu poi^heu: der Teufel weiss 
seio« Argument wohl auzuaetzbri tuid fortxudringeu. und hat 
eme schwere, starke Sprache-', .Er kutm der Seelen so banioie 
machw mit. disputim, dass sie ausfahren rnusü in einem 
Augoablick. wio er» mir gar oft fast nahe gebracht bat-* 
(E. A. 30,311). üud wie cb ihm geht, so widerfährt es 
allen; das ^anze Leben stellt sich ihm dar als ein Krieg 
g«gea den Hataii'); dies erkannt zu haben, ist ihm schon der 
Anfang des Sieges, dcuu da hebt bald ein Strahl f^öttlit^her 
Barmherzigkeit au hervorzuleuchten und die Seele zu ermuntern, 
das« sie den Angreifer verseheiicht und alles Gute \un üolt 
hofft*). Die Waflfo gegen den Feind ist allein der innige 
Glaube an Gott: sola Sdes suSicitl Je nachdem der kfiiupfeiide 
Mensch diese Waffe festzuhalten versteht oder uichf, fiihrl 
ihn da« Ende in-' die Seligkeil oder iu die Verdammnis. 

Aber auch Luthers christlich -dogmatischer Teufel istT 
überladen geradezu mit einer Masnie heidnisch-voikstümlichet 
Züge, und mau geht wobi uichl fehl, wenn mttu den Grund 
hierzu iu der jMinosphäre des väterlichen Hauses sucht, aus 
ileiu der Reformator hervorgegangen. Der Soliii de» iiergmaons 
hatte sicherlich iu der leicht eniptanglichen Friihzeit, die er 
bei den Bitern verlebte, die allverbreiteten abergläuhischeji 
Vorstellungen des Volkes in sich aufgenommen, sciuo lebhaft 
arbeitende Fbaul4isie halte sich mit ihnen bcsclmftigt iiuij 
vertraut gemacht, und sie fassteo in seinem Gemütsleben zu fc 
Wurzel, um jemals wieder völlig daran» verschwinden t.u künueu' 



') ErUiiger Au»ff»l»- 17,211. 

*J Tiacliretleti vom Teufel und ti^iaen Werken 1633. E. \. 60, ' 
') Cf. E. A. 17,l«5ff., 338; 20, U7; 49, 187 f.; 68,a03; 67,40; 
6R,I36,39S; 60.äl. 

') üf. Bering, Um My«tik Lothers & 119. 




108 



£[.NL£ITU!(G. 



Bis EU aeiiiem Lebensende hatte er ho mit cineni lialh cliriHt- 
liRheu, Iiall) heidnische» bifseu Geist zti scbufTcu, und in dieser 
DoppelgeKtult erschien derTeufel inuner wieder in seinen Predigten 
and Tischreden, seinen kateehe tischen und poieniisehpii Stliriften. 

Der Lutliersclie Ttwfel ertW-ule »ich in der Lilteratnr 
bald einer uiiKeheureu Beliebtheit. Kr war dem Gelehrten 
«rie dem 3lann aus dem Volk gleich Tertrsut ; er liesa sieb 
2uin Zweck der Helehriing wie der TnU-rhaltuDg gleich gnt 
benutzen ; er verlor nieuals seine ÄnjuehuuKskraft. Im Kirchen* 
lied hatte ihm Luther selhot achon eine wichtige KoUe zu- 
gewieMn ^); Volkslied und Drama, die ihn »cLon lange bei (>ich 
«n^enonunen hatten, griffen mit omentetn Mut zu der Gestalt 
dea gern gesehenen BSiiewichts, der kanni mehr fehlen durfte ; 
überall, wo es anging, wurde er eingefügt, itud mit besonderer 
Vorliebe bemächtigte och seiner die didaktische [.itteratur. 

Völlig als Han|>t]ierson «her, »h AIleiiiLerrschor trat er 
in einer grossen Zahl von HchrÜteu auf, die tioedeke*) unter 
d«nt Namen .T e n f e 1 1 i 1 1 e r a t n r** zusammenfassl. Ihre 
BigetiKliaft war „die dänioiiixche Personifizierung aller Ijaater 
and aostCssägen Gewohnheiten, die durch Teufeluamen geächtet 
worden-, und sie bildeten eine weitverbreitete erbauliche Unter- 
halt tingvlitteratur, die lange Zeit hindurch einen wichUgen 
TeÜ der LektSre des Volkes gebildet hat. und die darum einer 
aSfaeren l'atewnchung wohl wert ist"). 

•) Rotkorfn, 473fr. 

*) OnindriM. U. AnUagt 11,47« ff. 

') Di« LtUeratarRflMtiMihten Ibun <lip T«ur>^llitl(tniiur natui^gwo&M 
Biu wlir kurz &l>. wie 6«rvinu8^ 111.80,81. Sch«rer* S. SM oder 
ric erKihnen lie klt einen tellatäiKligeti Litt«nturxweig nberbaupt nicht. 
Skkt Mhr MrgGlUge Aiwöire mit korMc, «beafiilU nicht »ebr gennaan 
rinldlewten BemeHcnngea bot Ignax Bai), Dii^ komitohe nnil hnmo- 
räliaebeLitt«niUirilDrdeut>c)i«nPriMaiit«ii dvi Bei^'bMhnteQ Jahrliunderl*. 
3C«nibKf« 18M. S. S88— 960 and 8. 690-»36. (ÄuHiüge aue il«iii 
^OMDtcnlel-, dem „SiMoItcuf«!'', .Hoß'arUteur«!". .Ja^Ett-ufel", .Sauf- 
toaCll", „ScbrapteuM", HTanxUafol"). Ui« BUtfülirUoliateii Zua&uimen> 
rtflllimg*n g»b biiltar J. FraDck in ibm Artikel der All{r«m. dtsoh. 
KogTkjdu« Ub«r Hock«r. tS.fiU— M. 




Die Entstehung der Teufellitteratur. 



Die Poraonifikation der menschlicheiiliuster und schlecbteB 
EigeD&cliaft«n musste der Didaktik von jeher alo ein will- 
kommeaes Mittel erscheinen, die hinge Weile trockeuer Lehr* 
haftigkeit su b«]i-ben. Kleidete man die unbeaümmten ab- 
strakten Begriffe in faasliche K^irper, ro traten sie plastiscb 
hervor; a]les wirkte unmittelbarer tmd dadurch nicht allein 
weit küuHtleriBOher, Hondern, wie es der didaktischen Ähsicht 
Dor ervrüiiBcht sein konnte, auch viel eindrinslicher. Die 
rerderbliclte Thätigkeit einer Person und der oflViie WiderslAod 
gtgea sie lietia sich uusclmuliclicr darstelleu. aU die übleo 
Folgen einer Eigenschaft und der Kampf, deii man innerlich 
mit ihr ftlhrt. 

Friihic-itig wurde so in der cliristlicbeD Litteratur dieser 
Kampf aU ein Krieg des Menucheu und seiner Tugeaden 
gegen die Laster allegorisch vorgeführt '). Den Ausgangs- 
punkt bildeten, zugleich mit antiken V<>i-$t«]luDgeu ■), Stvlleu 
aus der Bibel, iu den paiiliiiiscben Brivfcu Thettsal. I S, 8, 
Ephes. 6, 14. Corinth. II 6, 7. Diese Quellen überlieferten 
das Motiv der patristischeu Litteratur der spätrümischeu, der 
weltüoken und geistlichen der KaroUngorzeit und der theo- 
logischen de» 11. und \2. Jahrimnderts, die es sorgfältig 
ansfllhrteu und mit Vorliebe anwandten: die feindlichen He«re 



*) Karl Rmtb, Über vior nlioKoriichn Uotire in der latc-inbetiM 
und duulaclien Litteratur de* Uittelaltcra. Prognunni d«« 0}iniiMtUiBI 
ta Loßbon (SteiBniinrk) 1886. S. SS fT. 

*) ibi<L ti. 27. Aom. 53. 



M 



104 ENTSTEUUN». 9 

Ug«ru fiioäiKliT gugvnöber '), nie HtolleD Bi<.-k in SchlRcbÜinien 
Attf '). and die Tugenden §charen sicli um eine Faiiiio*) ; ent- 
weder in offener FeldacbUclit*) oder um eine belagerte Burg*^) 
twbt d(.-r Kümpf. 

Ans den ouiTersellen tateiniscben Werken ging dann die 
Allegorie rom Krieg der Tugoiideu und LiiKter und die 
Penonifikatiun der mcnHclilicben EigL-usokafWu in die nationalen 
Litteraturen Ober; zumal das didaktische Drama, das ja auf 
bjuidelode Pm-sonen angewiesen war, iiabni diese Art der 
Darstellung in tiebraucJi. Die doutsclio"), die italicniBclic'). 
die engliscbü*) Litteratur tib«mahmea sie; am weitesten aus- 
gebildet aber erscheint sie hier in den franxSeischeo „Uoralit^s", 
wo die fieiscligewordeneu Abstrakta scharenweise auftreten'), 
wie etwa in d<.-m Scliauspiel ,,6ien advise. mal adTis^". oder 
aL'bommo pectieur*' oder ,,D'hoBimo just« et riiomme mondain" 
tuo Simon Duurgeoig (1476), dem fnkuzc>siKcUoD Htikustujs- 
drmma, io dem Orgueil, Avarice. Luxur«, Envie, Gloutonnerie, 
Ire, DfaespÄrance, Obaiination. Prodigalit* unter anderen 
leerende Personen sind '*). 

Gin Seitensluck zur Litteratur bietet hier die bildende 
KoDät der chriütlicheD Völker. >Sie musüte personificieren, 



*) Dt ifJoJatria c. XIX, MIkiic, l'Btnil. cumu ccnnpki. 1,797 u. 
iSb. IV. aiUcnu 3[nrdi>n. C. XX, Uiiriic S, 40fl. 

•) Lilw fle podicit. C.XVtl- Mign*. J. 1018. 
K *} Apolo^t. ailr. «eut C. 4, Uiifiie I, 600. 
^^L^^*) fruit «Dtiu«, PtyoboDMcliia 1 Aiiibroiiu* AulpertUB, De 
^^^^Bo viUoruni et virlulum; u. ö. of. Bsab a. ».. 0. 
^^^^V^J AlJbelm, Df udu priocibKlibus vttiit; HonorinB v. Auluu. 
f fifKcnl. ecdw. ICi^e 173.1095; Bernhard v. CUirraax lu «eiaeu 
' Panbfdn. d: Raab S. 86 u. 99. 

*) et, JohnnaeR Balte in der Ejoldtang r.ma Neodruck ron 
Stricken „Düdnwbera ^klömei' &* 17 ff. 

*) oC D'AoGona, Orifrini d«l Tcatru italiano. II. Bd. 
*) cf. CoDior, Th* hUtory or onf;li*h Dramatic powtr)- tl. Bd., 
iMt. S. 87« £ 

*) Petit de Julevill«, lUportoJre dn tUUrt comiqa« en 
VirnaM au nojren ige. S. SU— 108. 
••) lUi. S. 07 f. 



i 




10 OSBORX 106 

wenn sie Tugenden und Tjaster darstellen wollte. So er*cliciii«i 
die in der tüten heiligen Siebeiiuihl gebildeten Kardioal- 
tugendeo: 6des, Caritas, spes in Bezog auf (rott. und prudentia, 
jnstitia, fortitudo, teniperantia in Bezng auf da« Verhalt«» zu 
den Menschen, und ihnen gegenüber die in gleicher Zahl aof- 
tretuodcD Hauptliister, die Todsünden : Holfart, Q«iz, Keid, 
Unkeuschbeit> Frass und Völlerei, Zora, Trägheit, beide Grappen 
mit geringen Abänderungen, auf den kirchlichen Geiuälden. 

Als menschliche Gestatten nialte der Altmeister der 
italienischen Kun^t, Giotto, die »eben Laster: Verzweiflung, 
Neid, Unglaube, üngerc-chtigkeit, Zorn, DnbeBtändigkeit, 
I>ummheit*) Auf einein Teppich im Fürsteusaal zu Regem- 
hurg, der dem Rnde des M. Jahrhunderts angehört, igt M 
wieder eine anriere Zueftmmenstcllung; tum Kampfe gagen 
die von Engeln geschützten Tugenden stürmen die Laster an, 
jedes auf einem Thier sitzend, dessen Charakter seinem Wesen 
entüpricht: der Stolz auf einem Ko<<<te, der Zorn auf einem 
Eber, die Unkeuschhcit auf einem Bären, die TJnstetigkeit auf 
einem Esel, die GefrUssigkeit auf dem Fuchs, der Geix aof 
dem Wolf, der Hu»* uuf dem Drachen '). Auch iindere Tiera 
gelten als Attribute der Todsünden *), oder sie erscheinen 
selbst als Tiere : der Fuchs z. B. als Sinnbild der Arglist, 
der Tiger für die tiraimauiki^it, der Äffi? an stelle der Scham- 
losigkeit *). In der ICircbo des Klosters de la Prosesa in 
Mexiko ist Salau umgeben von folgender Siehenzahl ') : Kröt«, 
Schlange, Bock, Tiger, Schildkröte, Pfau und Schwein — 
offenbar Kepraaentanten der Hauptiaster. Vasari malte in 
der Kuppel des Domes ku Florenz die sieben Laster, die 
dort von d«D Gugelchören besiegt werden, als Tiere : den Neid 



>) Wuirgaog Menzel, Cbriitliohe Symliolik (ßegensburg IWI) 
II, U & 

«) Kunvtblntt 1646. Nr. 41. S. 191». 

*) Hierfür wnr in der Uibol, und cwu Jeremiai Kap. S. V. 4, 
der erat« Anntoni ((«^«beii. 

*) Bel9g« bei Ueniel a. a. O. S. 19. 

*) Du AosUnd. 169«. !{. £S. S. fi». 





KNTSTEHÜSG. H 

lU Sclilange, den Koni nis Bär. diu Fnullieit als Kameel. 
die Vollem als Cerlierus'), deu Geiz als Kröte, die Wollust 
aia üppiges Weib, die HofTarl aU Lucifcr. Jordaens yw 
körpprte sie «pHler »Is heidnische Gottheiten: Mars stellt 
den Zorn , Venas die Wollast , Judo den Stolz , Bac^huH 
die Völlerei, Silen die Faulheit, eine Puno den Neid dar; 
«deb« Suade Ceres pvi-8oni6ci«rou soll, iet nicht ganz klar, 
TieUeicbt wurde sie als kargende Göttin aufgefaüHt und ver- 
Irai den Geiz*). Correggio malt« die IjaNler, die Avn Menschen 
befaeiTScbeD. nls nackte Fniucn mit Schlangen im Haarl. 
Aitdrea Maotegna, der Padiianer. stellte sie als Sat>TD, 
Centauren, Affen dar. die lua deji Tugenden unter der 
Gestalt antiker Götter, wie Uinerra (Weisheit), Diana 
(Keuschheit) n. a. vertriehea wurden ; er malte sie. wiedenun 
als Weiber, im Kampfe mit den Tugenden, bald siegend, 
aaf «inotn in Eujclaud bcändltchi-n Bild, bald besiegt, auf 
einem Pariser Gemälde *). 

HSutig wurden auf Bildern dwt Weltgerichts die Ver- 
dammten nach ihren I^aHteni unterschieden. Die Uberlieli-rung 
der heiligen Schrift regte hierzu ja seibat an. l>eDn in der 
Offmibaning Job. faeisst es XXI, 8: Timidisantemetincredulis, 
et exccratis et homicidis et fomtcatoribus mendadbus pars 
illontm erit in stagno ardenti igne et sulpbnre, quod est mors 
Moanda" and ebenda XXII, 15: Foris oanes et veoeiici et 
fanpadicj et bomicidai- et iduliü servientos et omnis, qui aiuat 
et fftcit mendacinm." Entsprechend dieser Überlieferung finden 
wir uon beispielswciKe im Handbuch der Malerei vom Berge 
AtbM in der Darsti-lhmg drs jüngKten Gericlit« den Vielfrass 
(ftärocj. welcher mit lauter ekelhaften Gegenständen gefüttert 
wird, den Dieb (icXtimK). welcher auf einem Geldsack sitzend 



■) «cbarticli Tcrtabat darcli drä OSttt Kanüdie BSIla VI, 
T. 19— 3S. 

*) Ueniel S. 18. 

•) Bb GeinÄWe, dw sidi in C«rl« I. v. £agt*iid KunsUaniniluag 
Wbidet. ct. Wassen. Kunstwerke u. EöiiBUer in England J. 463. 

') c fc Wfcag en 1, 127. ^^^^^^^^^^^^^^^^ 



i 



IS 



08B0RX 



107 



Tom Tuufvl gop«inigt wird ; ferner einen WollOgtigeo (icöpvo^), 
einen GeijbaU (qiiXdpTUf»?)''. 

Ähnlich verfuhr der Meister dea Weltgericht« im Campo 
Santo von Pisa, der ringe um seinen kolossalen Lucifer j<-der 
der sieben Todsünden ihr Feld anweiiit und durch Itinctiriilon 
die Gruppun der ^superl>i", der „awiibiosi", der „iracoudi", 
der „avAri", „invidi^, „gulosi" und „libidinoüi" von einaodfir 
scbeidef). Die gleiche Anordnung linden wir auf der Hölle 
am dreiteiligen klciuen Jüngst«» Gerichts von Fra Angelico, 
das aich im Berliner Uuäeuro befindet (ü. 60 A); uw 
dnsa hier statt der „superbi" die „inaois gloriae mipidi" ein- 
gesetKt sind. Und im deutschen Elsas» lie-8s die Hohenburger 
Äbtissin Herrad von Landsperg in der UöUc ihres Uortos 
ddiciarum") Geldgierige und Wacherer, denen glühendes Gold 
in die Hände und in den Mund gegossen wird, femer Yer- 
leuinder. Wollüstige, äelbalmürdcr aunrvteui dem Atiflaitrer 
werden die Ohren gi'zwickt, einer PutzitÜrrin caachen Teufel 
die Toilette. 

Fohlt eine gen«ue Belehrung durch Inschriften, die ftUMer- 
halb des Gemäldes oder auch auf dem Bild selbst angebracht 
werden, so wird meist d^r Versuch gcniacht, die I>a8ter durcli 
die Fulgc-n und dui'ch die Physiognomie, diu sie dem Menschen 
Rufdriickcu, zu cliarakterisieren*). So wird der Schlemmer 
durch seinen dicken Baucli, der Neidische durch Verzerrung 
von Uuud und Augeu kenntlich gemacht, immer mit dem 
Grundgedanken, duss durch die Laster die urs]>rtingliclM 
eogelgleiche Schünlieit des Menschen, das Ebenbild Goti 
entstellt und gesl^hiuldet wird "f. 



1 



') C. Ue};er. OeidüchM fchnuapi«! und klruliUabe Kuuit. 
Oeigeri Vierli-ljubrasLlir. für Knltur u. Idtt«r. d. lUnftias. I, 430, 

*) P. Jetieo. Dir ilftrat^jlluQ/ i]c* WHtfccriohU In» auf Hicb«l- 
aogelo, BerliD 1883. S. 49 (dnxu Tafi-l V). 

*) C. H, EngolhArd, Herrsd von Lsndspcrg und ihr Wvk. 
1818. 8. BS.5S. 

*) Dieses Uitl«U bmlisnt« «ich aovli Peter Corn*liai bei t^oor 
FreskodantcUuti;^ de« jüu^jBteu Oericht« iu der Ludwigtkircbe sm Uttnoben. 

') U«uzol S. IS. 



108 BNTSTEHITSG. IS 

Wie Ubßriuiiipt bei <Ier Beurteilung von KiinKtschÖpfungen 
der iÜt«re&Zoit, »o hat mau nucb bei der Bctrachtun)* dieses 
Votm die foisaent wichtigen, UDendlidi verschlungenen 
Wechselbesiehungen gvischen der Litt«riitiir und den bildenden 
Künsten lu verfolgen. Das hohe Alter der Darstellung von 
tjpificheo ßepritfi«ntanten gewisser menschlicher Lauter und 
Kehier wie ihre Verbreitung »cliou in der byzantinischen Kunst 
macht einen starken Eintlus^s anf die Poesie sehr wahrscheinlieh ; 
wie man ja umg^'kehrt gUiihte, manche J^tlge in Werken der 
Pla^itJk und Maleroi auf [Cinwirkungen der Litteratur, namentlich 
der geistlichen Spiele, zuriickßihren zu dürfen '), und wi« auch 
in unserem Fall die Mtilvr der Henni».sauce gewiss fiirdemde 
Anregung durch Dante erhalten hatten, dessen Tiere, Panther, 
LGwc und Wülfin (Holle I), sicherlich sündhafte Leidenschaften 
bedeuten, und der auch, allerdings weit ttidhi^ljiiidiger und freier, 
nine Sünder in Hölle und Fegufeucr nach der Art ihrer Ver- 
brechun und Vorgehen in eine grosse Zahl ron Gruppen ordnet. 

Wie die bildende Kunst brachte schon früh auch die 
Litteratur die körperlichen Gestalten der Laster in B^wehung 
tum Teufel. Dieser iit ja schon an sich das Ideal aller 
Bosheit, in ihm konzentriert sieh alles Niedrige und Gemeine, 
ood in der Körperlichkeit, in welcher er trotz seiner Geister- 
ttator iftet» aufgefAsttt wurde, stellte er eine Personifikation 
der Summe alles Schlechten dar. Nun wurden die inkamierten 
Abstmkta seine Untergebenen, Mitglieder seines ludliscfaen 
Owiodes. Schon bei Tertulliau*) und Prudeutius") 
afUa er ün Kampf ge^en die Tugenden «ine Rolle, die er 
Bitn in der deutschen Litteratur sitigreicli behauptet. Als 
Anführer der Ltwler erscheint er in Heinrich von Mi^lks 
Priestericben V, J8 — 48; er treibt sein Wesen in der Parabel 
.Der geistliche Streit"*), er ist die Hauptfigur indem 

<) cl. Mry«r a. >. 0. Obiger« Vieri «tJahTMchHft I. IBS IT., 
SM 0« 409 IT. 

•} Mb. m t<l«. tUrvIoD. C XIV Xigne S, S4a cf. Rttnb ti. 85. 

•> Bimarüfrnia V. 8«»-4*7. 

') Pfi-irrer« Alldeuii^b. (libnogriMch S. lU— US. 



4 



14 




OSBORN 



Gedicht «Der SfiiuU- Widerstreit*"), er sendet im 7. Sct- 
frid-Helbling-Gedidit die TodsÜaden auf di« WalstaU 
(V. ISlfT. ed. SeemUllerS. 244ff.). In UlricbB r. Escben- 
bucb „Alexander" dienen dem äatau, dem Vogt der 
Welt*), die Twlsündeo. die „liellekiiit-', als „portunaer«'* der 
Unterwelt^); sie treten bei Bertbold von Eegeosburg 
auf als die «zwelfJuncbarciide«tiuTels"*), Alinlich er^hcinen 
sie als das ^swaclie gesindo" der Seele io der „Tochter Syon* 
dea Lamprechl von Regeusburg'), der andererseits 
gerade wie Mecbtild von Magdeburg („alle cristanliche 
tugende sint der seien megede" ") die Tugenden das ^ingesinde- 
der Seele nannte 'j. Bei Peter Suebenwirt sind die 
Uauptlaster die Brüder dea menschlichen Willens und Ijucifen 
Kinder (XL. V. 9 ff. uud V. 256, ed. Primisscr 8. ISD ff.), 
und im Beginn des 15. Jaiirhuuderts erscheinen in dem 
satirischen Lehrgedicht „Des Teufels Netz"") .lunker HofTarl, 
Neid.' GoU, Frass. Zorn. Unkeuschheit und Mord als die 
sieben Knechte des Satan, welche ihm ^ein ungeheures über 
die ganee Menscliheit ausgeworfenes Xetz zuziehen helfi 

') Kanb n. n. 0. S. 3S. 

*) V. 179». «a. ToUcliiT S. 47R 

•) V. 8««0 ff. Toitchop S. 661 ff. 

*) Oftiu me b den PaMionrnpielen seudet d«r Teut«! lie ■», 
lUvUdcm Cliridtu« di« Vorhölle gelehrt liat: ,nid und hu. ton, träkeit. 
fräikfil, uükiinflie, bühvarl, gttekeit, »lugloubu der heidm, der bau, got« 
•t'beltw. gotei Irugoner (Dsi aiiit iiUe die liuh gwA vor dea liaten «r- 
m([ent und muen iti dem hpri'-ii got triegcnt und« «ich •«tbcn), lerrtr 
KOt«) rook (Diu lind nllu die gotes iliiMicnt druckent undc nidcmt alti 
du ri<! den gotcs biusern ir gnoi nement.) — In der Aiugab« von 
Pfeiffer I. 6B0 ff. 

•} V. 8825. e^. Weinhold S. 4Tä. 

*) Fliejs. Liclit der CJottlwit. 1. 3. »d. P. Gall. Morell 
l.urg 186») S, 6- 

') V. 431 f. Weinhold S. 8M. 

*) Ausgab« von Baraek (L. V. 70) Stutlgart 18S3. xu dcMM 
Bemerkungen das F-!ldk>rchitr OymnaMklprog^amni v. Job. Haurcr, 
Über das Lehrnodicht .De» TmifeU Nrta« (1B8»> (in Paul» OrundriM 
der gefTO. PhiL 11, 390 irrtümlich al» ,Lp». Diw," dticrt) wt gut wie 
nicht« neue* liriogt. 



1 



"m 




HO K.NTSTBHUNO. 16 

noA bei dieKm (lescItSft noch von d«n dttä G«»«ll(>ii ^ßoiilvn-sz 
dcD mu&d", „KvjtlewMZ dHS Herz'' uud ^Bfsk'vr^vis den Säckel", 
den B«prä8eDtaoten der Hartherzigkeit, unterstützt werden. 
V. 267— 97S. — V. 1056— U05. 

Die Stolle als Trabanteu der voniiehtcndeu Macht be- 
hielten die Todsünden auf Lange Zeit hinaus. Ganz wie in 
dn «Teufels Netz" zählte noch 1535 hei dem Scbweizur 
Johann Kolros in „Äin schön Spyl von Fünfci^ey betracht- 
nflssen" der Satan seine sieben Diener auf: „HofTart", nQe.vttig- 
keif, „Vnkeyschayf, „Presserey-, „Zorn", „Ne\d viid Hass" 
.Tragkeit*" (Bl. EJ — F.) — "der lieKs sein Landsmann 
Fniit^keliD in seinem Schauspiel rom reichen llann und 
«rmoii Luarus (1550) im 4. Akt mit dem Tod die sechs 
SSnden als seine Oonelleu erscheinen *). 

Aber schon früher war mau in den Tenfelszenen des 
gvistlichen Drantas einen Schritt weiter gegangen und batt« 
die Sunden auf einzvliii* Individuen des itifenialisclien Hofslaattes 
*ejl«Ut*>. Die Teufel traten vor, nannten ihre E^enschaften 
und gaben eiu Kild von der unheilbringenden Tbfttigkeit, die 
lie in ihrem speziellen Beruf» entwickelten. Im Alsfeld er 
Spiel z. B,, das ISOl zuerst aufgeführt wurdo. st-hildeni in 
der grossen Teufel Versammlung V. 3.'i2 ff. einzelne Sühne der 
Holle ihr Speüalgebiet, auf dem sie besonders Bescheid 
wissen*): der Tenfel Berith nimmt das Morden für sii-h in 
Be«dila« (V. 392 ff.), Scherbrandt das Lügen (V. 406 ff.), 
Hdhundt die Verfülirung zum Meineid (V. 414 IT.). In der 
Pfarrkircher Passion ist Satan der Teufel der Hoffart 
ood der Üppigkeit, Ko^enkrantz verWkt zu Tanz. Patz und 
Zier, Welczenbiiel verleitet zu wü*t<?r Schlemmerei und Trunken- 
heit, Astaroth bat den Judas verführt und erweckt in den 
I Menschen den Neid, Ruffn itit der Patron der Strassenräuber. 
I Mordbrenner und Diebe, Auion lehrt Spionage und Unfrieden- 
F stiften, Welphcigor reizt zum Zorn und entfacht die Uache, 

U 



*) Baochtold, Oeach. iL dtseh. Litt. i. d. Schweix S. M9. 

■J Ladwi^ Wirtb s- >- O. S- tB8. 166 f. 

^ Z», t d. Altwtiu» m. 477 ff. Ua. S. 4M. 



i 



16 



OSBORN 



111 



Titinil vertreibt die Aodacht auK der Kirche, 3ncht besonder» 
die „witbou, Dünnen'' and «petschwoälern" auf. mächt sia 
hofßrtig nnd wollUstig (was ihm immer am besten gelingt, 
wen» m luul&chtig sind), AV»I endlicb rerfllhrt zu Verleumdutig 
und jin fftiBi-hen Anklaguu '). 

Abalich iäl ea im Erlauer Spiel (ed. Kammer (S. 96 
bis 1 00). Khnlich im Priedberger (Zs. f. d. Alt. 3, 547 f.), in der 
Haller Passion (GcrmaDia 11.97); und ganz «ntsprecbcnd irt 
aach in der ungefähr gleichaltrigen itatieniscben „Rappreaen- 
tiaione di Bijigio Contadiuü" Ästarnt ein Gcistcufel, Callabrino 
ein böser Ocist. der den Glaubra raubt. Tirinaüzo Horrschtr 
im Reiche der Betrügerei und des Verrats. S<|uarciaferro der 
Teufel des Aufruhrs •). M«n verband auch dies MoUt mit 
der Htiiudesatirc, su beUptoIsweiite im Redentiner Ostvrspiel ^ 
und liess die Unterteufel, die Vertreter der einzelnen Sünden, 
je einen Repräsentanten einer Borufaklasse, welche der be- 
IrotTttodcu Süsdu besonders verdächtig war, Tor deu ficrrvobtr 
Lucifer »dileppen, indem man sich auch hier an ältere Yor- 
bildi-r Jiuk'hnti; '). 

Auch in den Namen der Teufel fand nacb französischem 
Vorbild *) die besondere Art derlTiiltigkeit allmählich Ansdmrk, 
und uobi-in den iJez«icbuuu^u gaux uUgemeiner Natur, von 
denen wir eine Reihe soeben kennen lernten, neben den idt«n 
biblischen Namen Beiini, Belz^buh. Astarot und neugebildeteo, 
wie Hellhuut, Lasterbalck, Rüllcpröll, Storonfrie*! u. a. '), 
die alle ziemlich willkilrÜL-h erfunden sind, kommen nun Teufd- 
ounen auf. die in bewnsster Abi^icht den individuellen Charakter 



') Waükernell, Diu äll«iiten PurioiiMpiule in Tirol (Wien 
1867) 8. »9. 

*) D'Aocnna, Orifpni liel Tcktro it«Uano II,S<ff. 

•) ef. LndwiR Wirth it. «. O. ~ Mon« 11,89 ff. 

*) t. l^>. Seifr. H«lbl. Vn. V. 488 ff. oH. Scamntlsr 8. SU, 
«. dertelbe. Studien »n kl«in. Lnddar. (Vion 1863) S. 109. Van 
«i-ent«ii di« AnfShrer der g«Mhlageaen Lart«rlMur«u >a S««len g«b«nnii 
ilie ihn«ii bMomlen ergeben «Dd. 

*) Hi>ne, SchRiHpiole de« MittulKlt«n 11,87. 

■> of. Woinhold, Ooichp* Jaliriiuch riirLilt«nitarga»oluclite I. If. 




Ihrer Trüg^r Torrmt«». Di« Teufel Spi^^lglantz. Fvddenriscb 
und KrenzUn im l^iel von Pran Juttcn nennt Jione ') mit 
Rar-hl „Srhronck- oder Ktclkfils-Teuffl"; Krenzlin stellt sich 
Bocb iK'ÄOndent ah der Teufel dar. w-eklwr die KninzL' zum 
Tuiz verteilt ') , nnd Fi'dderwisch erscheint als ein feder- 
gciiliiiiili fccii huhleriKher DSnion, als welcher er «iicb ld 
HexmproKessvD wiedt-rholt erwAfaut ist "). SpSt^r TCirsammt^lte 
1549 das Spaudxuer Weihnachtsspi«! ') zu einer Teufelberatang : 
Bvolxehub. Ftlmthetier, I^entrirhter, Dlntdurntninchor, Seel- 
■iBrder. tieltkralxcr. Ehreuchiir, Neid«tifter, Blvndelust und 
LBatscht>nderax : FSrathetzer und Neidstifter erscheinen dann 
Micb in Hi>iiiotta nS|iit>l von dem grewlichßn liHHtei' der Hof- 
&rt- (1663). 

Von dieser Personifikation der Ijaster als Teufel iibertrng 
■laii SU |{l<^>('her Zeit diese BezeichnunjK auch auf last«rhal^, 
CaheO anrichleude lI»D«cheu, die diaq al» verkörperte Schlechtig- 
keit anfiasste und kurzweg als ^Teufel" bezeichnete. So erzählt 
die .ßpistola de miseria Euratom m sen Plebanornra'^), 
die 1469 anonym erschien, von nenn Teufeln, wekl>e den Land* 
pfiurem das Lehen sauer machen. DiMO QnlUgeister sind der 
„oollator eM-lflsiae", d. h. der anniassende „Besteller'' der 
Kirche. Dann der undankbare Küster, die Köchin, „per 
cpiain habet tot tentatione«". der „vitricns ecdesiae", der 
Bauer, der. ..qiiia nnlliis in eo intelleclna, predicationes vitu- 
perat. contra mis^as longas mnrmurat", ferner der ,,Üflictali8", 
der Bischof, der CapelUn und der „Praedicator". 



*) Vone, Sdianspii^le 1. 196. 

') B. Haft;;«. DirtHch 8ch«niberg und aeia Spiel *od Fnu 
SnOma. lUrhar^n Dm. IW\. S. «9 f. 

*t SoldKD I,S96. 

*) Du Spindauer T«iluiselitM)>iel ber. mn Johtontti Boltt. 
MBrfcJMhc Ptmebungcn 18, lOft— SS2. — Die TeiifRlr«rMinmlaiig im 4. Akt 

■) Bvrlin KrI Bibl. Db. «MI - 4". (Pnuwr IV. 116, 387, - 
BWB I. 9 p. 91« üo. M18). Auf Aee KiklncH« (l«t Titolbtkttc« ein 
BoltKhiiiit, d«r di* im Bach« frcn»nnt«n fi Penoneo aätct; jtda «iiu^c 
at Bit einer NnmiMr vertcben. ra(jpr«oliead der AlftShlnng im Toxt. 
Cotcr dem Bild «telil: «Hi "'^t dUboli vexant« pMwuoi"' — 

8 



18 



ÜSKOBN 



113 



Die Alleinherrschaft über die l^aat^r wunlf* dvii TeutVln 
indenen stn-itig gemacht durch dw seit dem Eudu des ib. .Tahr- 
htutderte tuul hnuptsäcliUcb seit Sebastian Brant in hellen 
Haufe» in die d«uti»^h(> Litteratur eiDni»rtcbiert>»den N«rrt*n. 
Alu eine Vermüchung der beiden Damtellungsarten 
könnte man ein Gedicht vom Ende des 15. Jahrhundert« 
bex^ii^hnen '). welches erzählt, der Teufel habe »ich einmal eine 
Marrenlcuppe gcschnittiMi , die er den Hendchen auisetze, 
tind an der sich folgernde Farben befinden : ,Jiofrart"', ,^tti^> 
keit-' *), „füllerige", „vnkeuach", „vntrOflr', „eigeunuta" und 
„dniokerej" — aber uiclit di« Kunst Guteuberg«, sondern 
„dmckerey mitt haodel vnd mit gevrärb". 

In der Narrenlitteratnr knüpfte man hier au die alt« 

Vorstellung an, das* Tugend Weisheit, Lastor Torheit sei*), 

und Btcmpcltf zunächst die einem bestimmteD Laster Verfalleneo 

zu den betreffenden 8pezialnarren. Bei ßraut »elb:«l tritt dwM 

Art der D&r.'tlellung weniger hervor*), aber «ir findsD ne 

bereits im Fastnachtsspiel .,l)ie Narren"' (No. 116)*). wo der 

Narr, der daa StUck be»ehlieBst, von dem nufgetreteoen Fenousl 

eine Übersicht giebt, die folgeiidermassuu beginnt: 

.,Der erst ist feist, der ander faul 

„Der dritt hat ein krtiinbfl vreils maul 

ffDer vierd frisst riel, der fünft ser sauft 

„Der sechst sicli gern mit den puben rauft 

und so fori. (S. 1011 Z. II ff.). 



') Birlinger (eilt<^ i» AleinBiiiiia 16, Hl B. mit, oluie ta1 
da» Rchoii Zarncke e* in der Eialnituog zum NftTTRDiiohiJFS. ' 
abdruckt: hier erscheint ea in veränderter FiMuttg, <U« diaJektiHcheii 
EigeottimlichkeileD %ind vencbiruiidcii unil geinoiDver(tJlDdlic^«ii For 
gewicbeu. 

*J . a«ix. cf. der ,Gytteuf«l" bei Ueo« 11, «16 (o. u, S. 
Aleraanniich« Form. 

■) So ThoniMtin v<jn Zirklaere im Weboben Onat V. 739t. 
— Auch Seifrid Hclbling 7. Ku«b — cf. Wüiuholü io Uo> 
Jahrbuch für Litter^Oetch. 1.17. 

*) Zarncko, Kults. lam N. S. S. CXVI S. 

•) Keller U.lO0e. 



19 



In Jörg Widtminfl „NarrengiesaeD*' (1637) Hcbleppen 
liF drei jan^eu Narrvn den liuliler, deu Tnuker, den Spieler, 
in» GaUrsl&etvrvr , d(.-o Wmdinaiui , d<?u Hofßirligcu , deo 
Flsduir. den Scbwürer und andere zum Meister ,,Alt-NuiT". 
b Wieu wetterte Wolfganfr SchmeltsI') g«g«u „G«lt< 
tut. bulnarr. hoßnnrr, »orgnair. BieDarr. Diuitzuarr, rhum- 
Hrr, «pünurr. iituüchtig uarr, irimkvu narr, faul narr, pfrliiid- 
mit" a, 9. w. l'ad NarreD diener und ähnticJier Art treffen 
wir im Vvrlnuf de* Jnlirbundcrts üi Geiler» Predigten, bei 
IIrmii. Muruer, b«i Haus ilJachH, bei Fischart, und die Popularität 
4r 6&ltua^ erhielt sieb bis tief ios 17. Jahrhundert tuueia"). 
'iFOTg Fried r. ilesserschinidl kouutv eines Ertolgi*« 
hcIm« scili. «etm «r die B«wohuer tou Garzoni» italienischem 
J!pital Tubeyleamer Narren vnd När rinne u" 
~-'r .oburg KIS)*) üeiuAn Landsleiiteu vorlulirt«, und bis zu 
«ter dritten Auflage bracht« e» uucb ein oicht lange vor 1700 
tuaayui er^rhieueoeB „Narren-Neat oder auHbündi/ti' OfTiziii 
md WVn--lt*tÄtt uut«rschied)icher Narrou und Niirrinncu" *), 
iadem unter anderen ..Peruquen-Narren, Mode-Narren, undank- 
hahf« Narren , Weiber - Narr<;n , Tliee- , Kuffee-, Chokolade- 
NuTvD, Ehr-absehnciderische Narn^u, Geld-Marreu, liou<:helndfl 
od fchraeichelnde Narren, Fress- und Sauf-Narren'* sassen. 
Ah tttn N«ehitii|;l«r erschien xogor noch 1739 in Freiburg eine 
tMKmjuw Siämü: „Der gelehrte Narr oder gantz gemeine 
AhbUdunfl Solcher fielehrten. die da vermeinen alle (jelehr- 



'i (lvl«r ■olttaner vnd kiia*trpicb«r dcutsclMr Q«wn|i, toBdrlkh 
■cüJw Kiisaltidi« ({»odlitMl. ... Nümbcrir 1&44. 
'} Z*n)ck* ■- k. 0. 

•) Dort fi«h» w »Tniwr- und Vrunnlijtc Nuren, Tri« nnd Vn- 
I, Voll- und SaulT-K., Trut«* aud Uot(»chondrUch« N-, Lochiu, 
amA RtUunnttig« N.* b. *. «. io ^walti^tir Rcihi-. 
•) B • • • Bin Werk, «ekbe* towohl w«g«n wnar tdi^TtMnd^n tiwI 
•B Seluvibkrt, tl* uicti wcgeo Ti«Icri4y tinnreictiRti vatür- 
EüiftUnm Inblüchrn tlialoriea, KliQuea Moraltei) und Lehr- 
halOM, iImmh Weltliolm >ui& ZeitTertreib, d«u«a Getitliclicn aber cu 
«a»^i| iiiigrtnwinw Conoapton aicncn kan*. Von J. N. t. •- Frrytlalt, 
t« Prtv XariMii (Berbner Kgl. BibL B. D. 7«BS}. 



P 




so 



OSBORN 



in 



samkcit und WinseuM'iiaftoQ rerschlucket xa habeD", f^vidmei 
„dexa grossgeliolirnoD, grossg^lahrten und bodiveisen Herni 
Pet«r Baron vod SquenU, Brl>- Herrn auf I^iiirisdi- nnd 
ToUhauseu" u, 9. w.'). 

Neben dieser Bvzoichnuug der Iia«t«rhafteD aU Narron 
tmtcn aber auch die eineelneQ Narren ßlr die Laster selbst 
aaf. So wird in Hnus Sachsens groteskem Kaittnnchtaapiel 
„Das Narrenschneiden" (1557) der Kranke durch den 
geschickten Arzt von den Narren der Hofl'art. des Geizes, de« 
Neides, der Tukeuschheit, der VSllerei, des Zorne«, Sdiettem 
nnd schliesslich noch tod einem ganzen .,Nc8t" unaosgebrüteter 
Narrenembr^onen, den HefirÜsentanten aller möglicher thßrichten 
und schlechten Eigenschaften, durch eine Snsserst (Khuiershafte, 
lanßwieri{!e Operalion glücklJcli iM'frcit*). 

Am t^ude des 16. Jahrhunderts machten die Narren noch 
«iue Metamorphose ins l^erreich durcb: Hasen, unpriinglicib 
Repnücutantcn verliebter Biihliisrrheit. wurden die Verkörpern 
der Laster. Eine burleske ,.U aa e n - J ag t : AnfT welcher 
mancherlev Hasen gefangen werden ...'") wurde 1 593 durdt 

■) 4 ". »83 a BerL Egl. Bibl. AI. »Itftt. 

*) (Beiläufig mikthtf ic)i btuivrketi, das« die kleias Zeicfanang anf 
dem im ßi-tdti der ungirischea LmidvBKuninldeftKilcrie m Bndapeit bfr 
Endlichen SkixMablaU Dilrem {Lippmunn Bunclroichn. N, 184) mit 
diwen VontelluD^n jedenrnlia xiiBninmonhiingt ^ «ic rtalU cintn Haan 
dar, der auf »iuein Scliabkarren von cinum ÜNiron goMliobAu wird, 
wShrvnd «ine xweit« gttHt klfino Nanvoägur Tom Kopf bis tu den 
HUft*D am Rfinem wcitgoS (fugten Kunde heraiuragt, Lippmaani £r> 
klämtig; (])ii. II, S. VO) tclK'iot mir verfehlt; er meint, c« Ki „etn didier 
Haan, der nuf citie Puppe tietsst" ; aber die kleine Narrcnfi^r ivt ndicriicb 
keiuu P;i|.ipe. »ucideru uSmbitr Uuiüvrat lebcndlg^ and banlrcbl, drni (irlic)[e 
der Zäluie de> Miuiii«* zu catl!ii'b«D; iti«ier nbor beiast nicht, toDdws 
reiaat vielmehr mit einem Aundrui-'k van Sohrnckeii und V*rwund«nillf 
den Hund incislir.hit weit nuf, um ilrn Bewohner seiuM L«ibee — Wen- 
fall* ilnn Itrprüii^nlantcn irgend eines seiner Laot^r — hinaai tu liwnn) 

*) n . . . . Allen Hngjrern und Leimsti'Dgleru zu «onderliobem Note 
in deutaclie Basenreimen gebracht und mit einem Jegeriiclien HaMa- 
gMuhrey gexlert duroli . . . ." of. Qo«d«ke * I, 886 — DaMelbe ISSO mit 
KldcjD und einem ISniceren „Anhand vnd Betchroibnnf «tlicber anderar 
voraemnicr Uuacn". 



lU 



ENTäl'EUUKO. 



Sl 



fj^eporiniun Hasenkopff Haseiiin Haslebieusem"* crttffiiet, der 
in iinge»clu€kt«ii Reimen die SOiulor xu urlogeu sudit. Ähnlicbe 
Sefan/ten folgteu '). Es ersctieiuim der WollusuHua. <l«r AIl- 
modiscbe Haa, der grobe Ua«, der Sauffhae. der Zank-Kas, 
dior I^geuiui^, ^er Eyfferhas, der Geltha». l'nd der Btdilwr, der 
flbennütigu Bnuhorr. dvr HoffUrtiji;« — sie ftlle werdeD zu Uasea. 
Der Edfer des jungen Lutliertums aber niaclit« Hieb die 
aileiitbali>en rt^rhreitete ivemnnliclie Aiin»i«!tiiiifi; dvr Lw^ter zu 
NoUe Bud Türbiiod die tK-ücbt gi'wordt-iie Technik mit den 
■JUeoen TenfeUideen. Der Frotefitaatismus hatte die Laien 
mBniiig g^^macht; er hatte jeden Christen der Gortheit uumittcl- 
bftr gefifctiUber goatoUt ; di^r (itnatlicbe stand nicht wehr zwischen 
dem Uochateo und der Gemeinde, jeden Mitglied dieser letzteren 
war ihm gleich, war sein eigener Priester. 80 wuchs die 
Teno t «ort lichkeit d«» Ginzelneu, der Glaube ward innerlicher, 
die Lebensauftasannf; tiefer und ernster. Für den 1'tieo[>hiiu8 
der alten f^it, der sich dem Teufel verschriebeu hatte, gab 
es noch eine Kettuug : sein« Reuu führt« ihn zur Gnade ; den 
Satau^enoseen des strenEen .Tabrhunderts der Reformation, 
den Doktor Fnti^t. rm »eine Schuld erbarmtuigtlos io die 
ywdunmnis '). Der Sündige war jetzt nicht mehr nur «in 



■) DU Berliner Kg). ßibliotli«V b«sitit eui«n UlaceHan-Baiid 4" 
(YjMS), Act folgeoilea eiitkSK ; I. CeiituriaThosiuui de Huiiouo 
■•tbm>ibiliqa«litate V. Alb«Ttut HiMuliua 1&9S; eine übi-rdu dupjivlt« 
*«Armterle Utciniiclw Beirbeitnof,' Ocr II.-J. — 2. Thne« <ie baBtone 
• ( h. <|. mit dralacbcr CbcntUung: .Prägen utul Sntzreilcn von der 
BmmUj'. — 9. I>ic douticlia Ua«oa>Jaj{t in Var««n. — 4. Theic» 
4« coohliftlionc «iuaquo vanano a coiitsgioDp (41 Tli«son). 
— S. Pbcrietiuni; von 4. nSltco *i>n der Loffc1«y nantpt 
lerca Eigenscliafften vail TQlertcbiedlichcn URttiingen" 
•OH .VrilSobuluervonKnieboMn vadlNedelmaiiD Qrat«e voaLoobstct*. — 

*) Sebr beaekhuMod bt, du* in der Sage tüd Heiurmb dum LSweu 
der Tvulel, lirT ortjirtiaglicli die Koll« halte, in altrr Treue deu Henog 
Ton der bevontcliemlea Wic^on-ermäbliuiK «einer Gattin ku beiiaeh- 
ncktiKfa und Um noch rechtnitig xunkJaobringen, die« xu Tcrbindem, 
m LAuf« der Zeit darcb oiMQ TaMlIcn enebt wurde, of. Georg 
Tkya* Gedicbt Tliedel v. Wallmodta (btr. v. Zimmeratana) 
BtUeaier NMdr. N. 78. S. IX tt. X. 




08BORN 



betörter. soud«ni eiii schlechter Honech; die Darst^llimg d<>r 
Ijasterhftfteii als Karren erschien den StrenpglänbiiniteD »neileicht 
gar nlit ein Frcv4>l. Der schrt^kliche ftllbüüe Feind, mit dem 
jeder einzelne den l'urchtbiireu Lobenskanipf um die Seligkeit 
zn kümpfen hatte, trat für sie mehr in den Vordei^rrnud. utid 
YOn doia »llo» Sclilechte in sich zuaammenfss^nden (rtenfel 
XGbUso sie nach den vorhandeueu Mustom der frülieren Iiitt«ratnr 
als Repräsentanten der men^chlicheu Laster. Qblon Gewohnheiten 
uud Torheiten einzelne beelinimte Spezialteiifel ab, welche von 
den Spezialnsrren das Nanieurcj!::»ter mit den enlsprecJiraden 
Änderungen Ilbemahmen. bald neben diesen als mächtige 
Bewerber um die (.>uiiHt des lesenden jBTossen Publikums »nU 
traten uud sie schlie^^Uch ar^ in den Hintergrund drAngten. 
Luther selbst Rinfi hier nicht gerade voran, aber er wies 
doch den Weg'). Nach »einer Anffa^Kung hatte der T-iifel ein 
gewaltige<< Kaisertum (Erl. Ausf:. 19, 272 ff.), uuter ihm ständen 
zahlreicbe mächtige Fürsten und Potentaten, und jeder von 
diesen hatte wiederum einen Hänfen IVufel unter sich als »ein 
Hofgi'siude. Er trennte dabei von den .Jiöheren tieisteni, 
die anfechten mit Unglauben, mit Verzweiflung, mit Ketzereien", 
,^ringe Teufel, die mit Hurerei, Oeix, Ehre und anderem 
dergleichen anfechten'* (E. A, 6, 406). So f«*sl er das Bm-h 
Tobias als ein Drama auf, in dem Asmodeus als Hausteufel 
„alles bindert tmd verderbt" (E. A. 63, 109 Vorrede zum 
Tobias). Er sieht iu den Heriten der „Schwermer'S die seine 
Abeiidniablslehre rcrwarfen, obtH* doch ihre Irrtümer beweisen 
za kCuDen. den .iJchewteufel, der so fleucht nnd fladdert. 
dass er nicht richtig antworten will" (30, Iß3). Kr gbuibl. 
die 'Wiedertfiufer mit ihrer Lehre von der Nütxhchlteit der 
guten Werke hatten emen „Werktenfel bey jnen"*); er 
kommt bei einer Vergleichung der beiden TeufelsinScbt« auf 
&drai , d. h. de« Papst«« nnd des „Mahmet" su dem Resultat. 

■I liehe Mch J. Fr>nck ADB. 19, 684fr. (Hocker). 

*) (■■■ Der iricbt |r1ftDbcn filr vnd tnoiDet docfa du wercfc vnd 
turri mit <lrni namen rnd Klwiti ilcs e^niib<>n« dj» Rrmra Iieot mS 
Invrcn der Wcrck". Brief an iwei Pfarrhcmi von der Wiedertaufe. ISM. 




IIS 



ENT8TEHÜNO. 



98 



tr 



iler li'i^lrr* TonnDiivhou leei. weil er doch ironiftstcos to» 
,J*oltcrHBißtorn Tnd Walfartateufel'- frei !»ei (65, 303 f.). 
Die Vi«Iweib«m d#T chri-silioheii WiedertSnfer altpr führt er 
entweder auf das Wirken eine« ,Jl-B-C Teuf fei oder Sehn«! 
Tenffeliti", eines „Grammatischen Teuffelins oder 
Ulf die „Praklikeii" dos ..Golerlpn, jiiristischeti, theo« 
lo^«cheD Tenffel«" xuriick '), Luther kennt Hof- und 
Parütenteufp] *), ja er stellt« so^ar Nationaldämonen auf 
und orVlürie: „G» muas aber ein jegh'rh Land »oiuen eigiteo 
TVafel haben, Welsc-hlund »einen, Frankreich seinen. Voacr 
dfudscher Teufel wird ein Rnter Weinsclilauch sein rnd raua 
Saul'f heilen" (3«. 353). Die „Rpistola de miseria Cura- 
tonttn seu plebanornm" interewiiertc ihn. und hooherfniut über 
thn refonnatorisclie Tendenz, gaug: besonders aber darUher, 
,fiämf ftu^ini aliquem eo tempore taulam andactam, ut E^i- 
Msopos paliuu appellarel Oiaboloe et T)'rannoN Fastoniin". Itolte 
«r sie ana haibor Vergessenheit wieder hervor und gab «de, 
Hiit ein^r IntfiniM'ben Vorn'de niisgt-statwt "), 1ß-4i' zu Witten- 
berg bei Nicolaus Sehirk-ut^ Hilf» neue in Druck. 

Er gab die Parole: .,Sstac ist ein Geist, «r hat weder 
Fleisch DO<^h Kein, darumb «ird man jhm nichts mit K^iie, 
oihr mit der Faust thun. Wir müssen ihm die Hertx^n zu- 
nor ahrei»sen, durdis Wort der Wahrlieil, das ist rnser Schwert 
md Faust, der niemand widerstehen kann"*). So sprat-h der 
Meister, and die JQnijer folpteu: und von der Mitte des 
ilahriinnderts au nahmen unn die sehreihlustigen protetitftD tischen 
Pfarrer in Nord- und Mitteldeutschland einen kühnen Feder- 
krieg wider die Scharen der Lästerten fei auf. 

Ali der Spitze*) steht Johann Chrj-seus, Pfarrer 

B. A. «8, 3S8. 

*) «0,48: 17,210. 

*) Oper» Utina (her. t. Heinr. Sdimidt) Frkf. a. M. 1873, 7. 5M. 
- DmtKb Iki Wulcb 14,379. 

•) Jen. Tom. 11 fol. 118. 

») Binc iHnrü, wie r» Kbeint aiohl «im Drwck Kclangt« Sobrift 
^er miltortsKlieb« Teufel" (MKnuwript im Cod. Urramo. I. 971 1 
Al Vraaek JU>B 19,886 «mnhat, war mir hider nicht itigiiiiglkh. 




94 



oseoRN 



u» 




KU AUendorf üi Hessen, desMD l!>44 vollendet«« Sohaiupiel 
„Moffteuffel, dus »echste Kiipitvl OftDieU8....n 
im Jalire darauf in der Luthemtadt bei Veit Creatzer zuerst 
encbjen. Er ist iu gi-ntdcr Lini« von Ixither »bhiliigig, 
D«iU) er ist ein >Scliü)er Faul ßebbuns, vou dem er, vie 
sich Qocb zeigen wird, mancheü gelernt bat, und der Oa 
sicberlicb durch den in seiuo „Hochzeit zu Cana" {t&3ä) 
eiiigofiigtitu Elleteufel zu der dramatischen St>tiinsfi);ur an- 
geregt hat. it«bhun Reibst aber hatte seine Jugend im H aaae 
des groeeeu Reformators zu Wittenberg verbracht '). 

Das Siück hatte fip-oaseD Erfolg und errang eine solche 
Bvliebtheit. dam es noch im .labre 1623 aufgeführt «-urde'); 
iudflMen die Giiifubruug eiuea äpeitialteufels und der originelle 
G«danke, seinen Namen zum Titel eines Buches zu machen, 
fand vorerst keine NnclDiliinfr. Ah Dramatiker blieb Chrjwus 
in der ganzen Tt'ut'ellitU'rütur uuf tauge Zeit hinaus der einzige. 
Aber gerades Weges von Luther aus hatte der Teufel schon 
iß die Kopte der anderen protestantincheu Pfarrer seinen 
Einzug golialten. 80 eifert« im Jahre 1551 iu der ThonuUH 
kircbe zu Iieipzig Rrasmus Ssrcerius'), der eifrige 
Kampe für die Sache Luthers, der auf seinen Irrlahrt«n vor 
kurzem dortlün gekommen «nr, „wider das Teuflische ni- 
ordentUche vnd riehische Leben, so man die Fastnachtswit 



>> Fa1m,BebhuniiDrBii>«n(L. V. 49) Stuttg. 18&fl. Nacbmtt — 

^ Bolle, MÜrkituhe ForanhiinKm [8,304. 

*) Sarceriua ward 1501 in Annnberg in Snchsen gflinrfini o»ek 
data Schulbi-sucb in seiner Vitterstadt und in Freiberg itudiano er in 
Leipng und Wittenberg, wo er Lutber kennen lernte. Dann wurd« er 
Konrektor in Knitt«ck und LQbeck, wo er «icb sn Hentiftonui Bonan* 
kninhlos», Dnraiir wurde er .Schutrektor lu Wiuu uud Ot%-i. Streitig- 
keiten trieben ihn wtoder nach dem Nurden; in Lübeck findeu «rir ihn 
wieder, 1636 taucht er iu Si«£eo im Namaiunobeu nuf. 1549 kun w ab 
Putor nach Leipxig, at>er 1659 iat er «chou wieder »b äuporiiit«Dd«il 
ia Eiilebeii und 165H si'bliMalifb Prediger ux der Johanniakircbo lu 
Uagdeburg, wo er uoub in detneeibeQ Jnhre starb. Sein XKcbfi>li{er wti 
Tilemaou Hciahusiui. — Siube Uoller, Cimbria litt«rata [I,789ff.. 
llSStr. — namelmiiiin, Op. Utnu-biit. & 380, 977, «M, 877. 



M 



I» 



ENTSIKHDMa. 



W 



'r"i)<t-', imd licss di«tui Predigt butd daruuf iii Druck 
■ T'^ IteinpD; und in deniselben Jahre trat, Tfltlig usabtiüagig 
tuD ChiyBeu«, der Pfarrer Mnttiieus Friedvrich »ue 
>.li..tibvrg in ScUesJen mit seinem „Sauffteufel" hervor, 
i-ritderich war al* Sohn eineK Fleiitchliauer« id (rörlitz geboren 
iumI versah »ein Amt iu 8ohüiibi>rg aeit 1645; vod du kam 
«!r später iiavli GöreoK, wo er 1659 atarb '). ßr bat »ich 
ilurrh zwei ^itchöne iieue jg;ei»tliuhe Lieder", di« 1566 zu 
Frankfurt a. O, «rs<:)iifuou, in diir tleschicht« do.» protestAu* 
tiadi«! Kirchealieides eimm Namen geinacht*), und durch 
•aoeD .SauEDeufel" wurde «r, wenn nicht der PUhrer. so doch 
der er»t« — von d«iii t>«i»«ite s1«lieiideii Clir;««!» abgesebeii 
— in der aufbliUt«udeu TeufelUlteratur. ESbeneo wie dort 
lehnte er sich liier unmittelbar an Luther aelbsl an, wie t» 
itaüicb aii8 si>iuer Widmuiig au »einen „Lehukvrm" Erasmus 
von KüuritJE hvn-orgelit. ,.VieI haltens dafür-*, heisst ee da, 
„cb ein yegklich I^ndt »einen I tsiidteufel, ein yegkliche Stat 
iran Statteiifcl , ein yifjklich Uorff Heiu«n BorfTtvufcl , ein 
jf^klicher Uerrentiof seinen Hofteutel. ein vegklicbeH Hauas 
Minen Hausüteufel, Ja auch wo) ein yef[klicher Standt, eis 
jagUicb Mfufcb seinen eyguen Teufel hab, der sie xu eUnden 
njrtset vund pla^t, wie man sihet das ein Laudt, «tu SlatA, 
MB HausB, ein Mensch mit yi^endt einem Ijaster sonderlich 
tatiiT ongefuchleo wiirdt denn andere. Also bat Teutsch- 
land vor anderen Ländern sonderlich ye vniid ye 
dftti Sauffteufel gehabt, der vns Teutacben tag vnd 
atefat zum Sanßvu treybet vnd vns kewe ruhe l«sst. wir »eind 
denn voll rad toll". Das klingt ganz wie liuthefs oben (S. 33) 
«rw&hnle [>ar!ttßlluQg, uikI dwmit nur Ja kein Zweifel bleibe, 
hat Friedvricb diew Worte des Meisten seiner Schrift noch 
ua Ende beigegeben. 

AaaMnIem aber war der Teufel auch schon in der 



•) Boliullt ADaT.SM. -GottlFriL-dr. Otto, Lrslkon der 
lert dem niiiln.-ba&iloii Jahrfaundort roratorbeneii tind jeUt l«b«iulen i>b«r> 
htäUaekwa SckriAaleU«r udi) Küiutlcr. Oöriiti 1800. I.W7. 

*) Wakaruigtl lll. S. IM8f. No. 1UI.8S. 




'JäBOKN 



frUherpn Triniclitteratur mit in die Debatt« ^MEOgea worden, 
imd Fn«d«ricb, der, wi« wir ^fiter iiorli des nXh«reii Mhen 
werdeti, mit diosor sehr Tcrlniut wnr. hat auch hieraus Ao- 
reffuniEien mi seinem ^Sauflfleufel-' gesuböpft. 

Riß Ton ihm icegeii die moderne Kleidertracbl voriiuetcr 
„Plader und Kruiiseuteutcl", der ihm ztigMithrieben worden 
taf), ist nirfiends xn entdecken, und die Kschricht kJlnnt« 
leicht auf einer VerwerhslunR beruhen. 

In einem Koldzug f^vgeu die Mode »her nahm bald ein 
anderer Uann das Schwert gegen den Satan in seine ktäftif^ 
Fan«l, um mit derben Hieben dreinzu&chlagen. R» war der 
bekannte Pfarrer and Professor zu Fraukfurt tt. O. Andreas 
MaRcaluH, eine knorrige, streitbare Tbeologengestalt, an- 
ermUdlicb im Eifern und im Kämpfen, ein echte-s Kind seiner 
bewegten Zeit, dessen lebendiger, encrgisclier und oft poIt«nider 
Ton prächtiff xu den durchdringenden, ingrimmigen Augen. 
XII den scharfen Zügen und den starken Knochen Keines Oe- 
Bichts pasate'). MuHcnlus. der im Jahre 1514 als Sohn des 
angesehenen Hlirgem JohanneH Meuael xa Schneeberg in 
Sachsen das Liclit der Welt erblickte und seinen Nameu nadi 
dem Muster de» lothringischen );dstlichcn Liederdichters 
Wolfgang MiiRCnlus (eigentlich MeÜsslin oder Mosel) latinisiert 
haben mag, genoss seinen ernten Unterricht in dem tüchtigen 
Qjrmnasium seiner Vaterstadt, welchem Hieronymos Weller 
als Rektor vorstand, Schneeberg geliörte zu dem Gebiet des 
liitherfeindliclien Hersog» öeorg um! so ward der junge Mus- 
culus zunächst im alten Glauben erzogen. Aber als Student 
in Leipzig, wo sich trotz aller Bemühungen des Herzogs die 
neue Lehre Eingang verschiifTt hatte, ward er bald schwan- 
kend, und als er bei der Kückkunft in seine inzwischen durch 
den Vertrag von Grimma an Johann Friedrich Übergegangene 



') Otto, k. o. 0, nhn« niUi«rc AnKitbnti. 

•) Chr. Wil!i. Spinli^r, Lnbenti^pnchichto du An<1n>u Mnscvlnr 
Fr. a. 0. 16118, brin^ nsoh fiecinaan« Not. lit. Univ. Prascor. 
(p. 88— »S Über Hu«c ) ein Biltbiia »on ihm. du fräber m der Obcrlürcbc 
XU Frkf. *.. 0. aafge«tell1 war. 



.4 




ESTSTKHUSG. 



27 



I^Ati-rst4t<)l hier ät>n Prot«8bintUmiis im früliliclit^n Aufblühen 
bekannte er sieb ganz und g»r zu dem Utaubeo Luthers, 
dem OT Zeit tieincs Lebens in unwandelbarer Treue und mit 
mermiidlicliftr Bi^gcistening i^rgehen blieb. Das Interesse für 
die Biwbe der Reformation aoß den juugcn Protestanten als- 
bald tuicb dem IUitti>l|)unkt der religiösen Bewegung, nacli 
Wittenberg, wo linlür ftndnren Lutlicr selbst Mtiii Lehrer 
ward. Zu «einer Persönliohk^^it Tor allem fühlte er sich hin- 
fiao^ea und für ihn bewahrte er bis an sein Knde eine 
greozenloee Lieb« und Verehrung. Trotzdem (rat er in den 
Slrciüg Veiten zwischen Luther ond Melanohthon einerseits und 
dem eigensinnigen Antinomidten Johannes Agricola andererseits, 
die am Endf der :iiier Jabre in Witlenbcrg auf's neue ent* 
brannteD, auf die Seite des letztereu'). und als Agricola, der 1540 
Mch Berlin ging und der Horpre<liger Joachims IL wurde, 
aach den brauchbaren Genossen auffurdert«, Brandenburg mit 
Skelwen zu rertauschen. gin^ Vuscnlus seinem Wunsch enL 
^<*chend tM2*^ nach Frankfurt a. O.. um dort neben seinem 
eeisilirben B^-nif auch der UnirerHität seine Kräfte x» widmen. 
In Frankfurt, wo er nun bis eum li^de seines Lebens, dem 
W. Sept. 1686, blieb, war der kampflustige Mann unnnler- 
brocben in Streitigkeiten aller Art rerwickolt, in denen er 
itots seine einmal gefasste Ansicht mit fanatischem Eifer vertrat 
nnd niemnh einen Pinger breit vom Plntxe wich. Zänkereien 
siit dem Magistrat wechselten mit theologischen Zwistigkeiten*), 
md mil besonders erbitterter LeidenRcharUicbkcil führte er 
lang« Jahre hindurch eine hcifiSe Fehde gegen seinen KolK-^en 
in der theologischen Fakultät, den Professor Abdias Praeio- 
rius und dessen Lehre Ton der Nothvendigkcit der guten 
Werice, — ein Kampf, der auch nicht endete, als der Gegner, 
des Streitea müde, Frankfurt verliess. Gegen den Willen der 



■} Spirker S. 10. 

■) Di« Jfliirsnahl 1M3 «v^ebt *icli ftu d«r Voneäe tvm .Kbe- 
tmfrl" r«. »\ wo «r — im Jabra 1666 — ngl, du« er niin 14 Jaliro 
(H Pnnkfurt im Ami »vi. 

•j Spioker S. 48ff,-IU. 






se 



OSBORN 



193 



OlHig^eit setzte Musculus hier neae kirchliche Cnterbeamt« 
eiili jagte er dort ein paar andere, die ihm oicbl pusten, 
tJOM dem Amt; wütend griff er jeden an, der anderer Meintini; 
war ab er. gelegentlich auch UeUnehthon und die Witten- i 
beider*). Die Polemik vrar sein etgeutliches Element, und 
schien wirklich der Funke de« Streites einmal za verglimmen, 
so robte er nicht früher, als bis er ihn durch oino in der 
Hitze der Rede lün^eworfene bisu^e Bemerkung wieder in 
hellen Flamiuen nngi-faoht hatte. Rr war «in starrer, durchaus 
männlicher Charakter, und es ist kern ZufaU, dass er in i 
allen seine» Sefariften oft von seinem Vater, aber niemala von 
seiner Mutter spricht'). Überall zeigt er sich als eine rer* , 
schrobene, eigensinnige, kampfesltUteme Forsönlichkeit, wie 
sie nur jene tumultuariscbe , gährende Zeit lienrorbringen 
konnte, aber doch stete aU eine ganiu: PersiSnlichkeit; er ist i 
keiner von der grossen Herde, wenn er sich aucli wie so | 
viele seiner Uenossen nebe» dem grossen Vorbild, der Rieseo- 
figur Martin Luthers noch immer recht klein ausnimmt. ^H 
Xu den maniiigfacheu Zügen in Wesen und Clmraktei^^ 
die Musculus trotzdcut zweifellos mit Luther gemein hati«, 
gehörte auch seine Anschauung vom Teufel und seiner Stctluag j 
im Weltall. Sicherlich hatte schon sein erster Lehrer Hiero- 
nj-mus Weller, der sein ganze« Leben hindurch so viel mit 
dem Teufel zn thon hatte, dass man auf seinen Cxrabsteb | 
die Worte setzte; „Wellerns Satanae vexatus &aepias astu", 
in diesem Punkte auf ihn gewirkt und den Grund su seinem 
spILter 80 stark ausgebildeten Teufelsglauben gelegt. Der 
Aufenthalt in Wittenberg, der peFM>nliche Verkehr mit Luther, , 
das Studium seiner Schriften thaton dann das ilirige, uud der 
Satan erscheint von nun ab fortwährend in Musculus' Fredigten 
und Schriften. Wie Luther ist auch er von allerlei Tenfels- 
spuk geplagt, des Nachts im Bett wird er von bösen öetsteru 
gequält und selbst auf der Kanzel ist er vor den fürchter- 
lichen Anfechtungen nicht sicher. 

•> Spieker S. lUff. 

*) Spiekcr a. a. 0. 8. 9. 



184 



BNTSTEHCSO. 



S9 



lo Frankfurt war 1551 Pried«ricbs Saafteufel stierst 
enohieoco, vbi-nda 1655 <li« zweite Auflage, nod als noa 
Uiucalaa in eben diesem Jahre durch ein ^lutservs Ereignis, 
ran dem Ducli dio Hede sein wird, vernnlasHt wurde, gegen die 
oeoe Tracht der „Pluderhosen" anzukämpfen, da schuf er sich, 
rielleicht mit Anlehnung an Friederichit Buch, fUr die modische 
Slade einen eigenen Dämon and hielt am Tage der Himm&l- 
libit Ifftriae seine benihmt gewordene Predigt wider den 
.BosenteuffeH. Kurz darauf ]ie»s er dies homiletische 
Knrioftota i» Frankfurt drucken und halt« damit einen grossen 
Erfolg. Noch in demselben Jahr erschien eine zweite Auf- 
lage, im folgenden bereite eine dritte und suglvich begaun 
die lange Bvihu auswärtiger Nachdrucke. 

Der Beifall, den er fand, machte ihm Mut, und so nahm 
n das ächwert in die Faust und xog gleich im Frühling 1556 
gegeo d«u Fluchtt;ufcl zu Felde; im Herbst dieses Jahres 
sab er dann noch ein Buch „Wider den Eheteuffel" 
«ine susammen lassende Darttellung vom Satan und seinem 
le unter dem Titel ,Voa des Teuffels Tyranucy" 
bcraas. 

Die Tcufelbücher dea Frankfurter Prodigers musstfin 
«irkeo, sein kerniger, krüftiger Stil auf Hörer wie Leeer 
Sndruck machen. Wemi er die Sünde geisselt« und die 
Strafen des Himmels verkündete, so war er freilich nicht so 
tief ergreifend wie Luther, aber doch immer mächtig packend 
■od ToUcT Wucht, und wenn der ernste Prcdigcrtou, was oft 
(wehab. ins Volksmässig-gemiitliche, ins Komische überging 
Mier gar. was auch nicht fehlte, ins Burleske umüchlug, bo 
*ar er dos allgemeinen Beifalls erst recht sicher. 

Unsonitts löste den protestantischen Pfarrern, die etwas 
u sagen hatten oder diw wenigstens glaubten, die Zunge, 
und mit der Bildung neuer Speiialteufel hatte schon Friederich 
an Beispiel gegeben, wenn er schrieb ■): „Wenn nu der Sauf- 
ttsffel einen Menschen eynnimpt so sind die andern La«ter- 



>) ThaUr. DiNbol. 167S (Pol. S7i). 



3li 



OSBOKN 



1S3 



teuffel auch nicht weit von ihm. Ms da sind der H o f f a r t & - 
tfuffel, Zorutcuffel, Lüstt*rteuffel, Fluchtenffel, 
Traurtenffel, Neidteuff«!, Husxztcuffcl. Uord- 
teuffel, H ohiiteiii't'el, Schmacbtea ffel. Schand- 
teaffel, H ureDtoulfel, Gcilxtcuffvl, Diebstouffel, 
'n'uch ei-teuffel, F rasa teu ffel, Spielteufful, Hader- 
teuffel, Lügenteuffel und dergleicheo". 

Hiermit war formlich ein Prograium liufgcsUtlU fQr i'ine 
kommende Teufel litt« ralur, und als nun der grosse Erfolg von 
Musculus' Truktutun bekannt wurd«. griffen die Pastoren aller 
Orten sich aus dem höllischen Gusinde eiui-u besondurvn DiUaou 
heraus, und verbuchten mit der Uarstellung seiner Eigen- 
schaften tuid seiner Macbly sowie der Mittel, durch die ihm 
zu bogi-gneii sei, ihr litterariBcbes Giuuk. Oft sind es Miinncr. 
Über deren Lebensumstände kaum etwas zu ermitteln ist: 
daneben rührige Tbeologoii, die sicli in den kirchltclien Kämpfen 
der Zeit iDunt«r herumtummeUen, und die ihr wocltsclvollca 
Leben, wie vdr das bei Sarcerins (S. 2i. Änm. 3) sahen, von 
Stadt tu Ötndt, von Land zu Land führte; dann wieder treffen 
wir Namen au, welche uns von itndeni Gebivt«a her wohl 
vertraut sind. Sie alle wetteifern mit einander im Kampf 
gegen den Satan, einer beruft »ich auf das Beispiel des andern, 
und jeder erklärt, auch er wolle zur fiefn-iung der WcJt von 
ihrem Feinde sein Scherflein beitragen. 

Im An.schluss an die äussere Einrichtung iler von Luther 
herausgvgcbeiieu „Epiütola'' erscbieu läö7 m^'*>u den xehuu 
Teufeln oder Lastern, damit die bösen vnartigeu 
Weiber besessen sind", eine Dai-stellung der weiblichen 
Oardiimluntugendi-n uudTugenduu in Reimpaaren von Nicul aus 
Schmidt Sonst aber ist diese Art der Bisposition erst in 
späterer Zeit wieder nach^abmt worden, und es ist sicherlich 
zu weit gegangen, wvnu man behauptet, das» diei»c von Luther 
wiedür hervorgezogene Schrift überhaupt den Austoss liir die 
ganae Mode der Teufelbtldter gegeben habe*^ 

■} Din tbat J. Frsucfa ADD Bd. 18 8. «M, im Artikd II 
Jodocus Hixik«', But dt!ui «* viele audrr« tiberuahnea. 




Von der f:rö»sten H«<lL'iitiiiif; über füi- di« Botwicklung 
der ToaffUittcnmir dücIi Musculus war der nelseitige Oyriai:us 
Spangenberg, der Vater Wolfliarts '). Er war am 1 7. Juui 
1588 iit Niirdiiauseu g«bi>rtiii, wo »«'iii Vi*tvr Johaou, der sich 
dorcb mint! Kircbc-ulK-dL'r in duulsuliL-r uod lateiniscber Sprache 
audi eiaea Platz in der Litteraturgeschicble geaichi-rt but^), 
an der St. Blasius'Kircbe Prediger war, bis i-r 1543 die 
wicbligv Stvlloog uiues ursteii Uvtiüral-Superintendenten zu 
Biälebea erhielt. Bereits ini 14. Leben-ijahr ging (>}'n«cui>, 
ucbdem «r in Nnrdiiaitsen ein« gedicgcue Gruiidlugi.- bu- 
naotstiscber Bildung sieb angeeiguet baUo, al» Stodeiit nach 
Wrttenberg ; dort fand er durch »einen Vater, der mit don ton* 
angebenden Krei«eu in VerbinduDfC stanri, Ajischluss an Luther 
ud Hela&cbtbon. Nach 4jährjgtim Stadium kehrte er als 
Hagistar in daa väterliche Huu^ zurück, war dauii als 19 jähriger 
bunits aD der Schule zu Mansfcld lehrend Ihätig und wurde 1533 
«benda Stadt- und Schloss-Prediger. Wie Uusculu» war auch 
er nein ganze» Lehen hindurch in iinerttuickliolie theologische 
Kimpfii verwickelt, dii- er zwar rulugt'r, besuunener und weniger 
erbittert, aber mit der gleichen Zähif^keit and Energie führte 
■ie jener. Durch die Parteinalime der HaiiKfeldiscIien GeiatUch- 
luit im SyiK-rgistenstreit für Matthias Flacius, der die Brb- 
(ftode tue eine sub-ttantjelle Eigenschaft de» Menschen erklärte, 
und gegen Strigelius, der in ihr oin Acciden» der nicuHchlichon 
Üator sah, ward Spangenberg in diese langwierigen Zänkereien 
neingezogen ; aber er stand zu Flacins ans innerster Über- 
MBgung, und alü nach einer Wendung in der Haltung dos 
^^^vfflrstlielien Hofes Beine Amt»gent>.ssen auch ins feindliche 
ar Qbergingeu, blieb vr bei der einmal ausgesprochenen 



') J. G. Leuukteld, Hitlori» SfangenbwKMui« od«r hiaiorücho 
hffaririil im dem Letwn, Ltbn ttoA Sobriffteo Crriaci Spuig«nbcrg*. 
<tMdlinbBrK luid AiM>)imlc1i«u. 171S. 4*. - H. Rembe vcnpniob in «.Ur 
lufkbe roo Spaagenbcrgt Briufwechiv I 1 (tSfiO— 78) Drctd^n 
188T und n (1S78~»1), 186« eine UoooKTkpbi^ 

■) JohkunSpaugcaber»« KirobeBlivdMr.'WackeriiKgcl Ol, 
IBS— 934. üo. 1103—11^9. 




*An«icht. So sah er atch bald ziemlich vereiHRnt' toA T«1. 
allen Seiten aufs üusHvrstv aiigugrifToD; mir £• OllIMt dtt 

Mansfeldiflcben Herren blieb ihm erhalt««, IwsoDders die de« 
Grttfvn Volrad, der sogar, als SpaogeDberg in der Stadt 
für seine polemiscben Schriften keinen Verleger finden koiuit«, 
auf dem Schlosse eine eigene Druckerei zu Parteizvecken er^ 
richten Hess. Die zahlreich veranstalteton Dispstation«a mr- 
liefen resultatlos, die Kluft, welche die ganze BerölkeruBg 
spaltet«, wurde immer weiter, allenthalben steflte man sich 
die Frag«: „Bi«tu e«u Occident^r oyder Substansioner?', and 
dann, wie berichtet wird, „fii>ngen sie nicht nur «n mit einander 
XU disputircu, ^sondern schlagen oftinabls sich auf das Qrau- 
BUDOStc" ')• Spaogenbcrgs Lage wurde immer bedenklicher, 
und als 1576 der Graf Hans Georg I. zu Eisleben die Maiis- 
felder Opposition durch bewaffnete Macht kurzer Hand zum 
Schweigen bracht«, gelang «s ihm nur mit Lebensgefahr in 
den Kleidern einer Hebamme zu entkommen. Unter dem 
Schutz des Grafen Volmd fElhrt« er ein unstet«» Leben im 
IMenHt« seiner Erbsündenlehre, die ihn. sobald er eineu neaeo 
Aufenthaltsort gefunden hatte, immer wieder rertrieb, bis er 
schlies&lich nach Volrads Tode bei d^Heen gelehrtem Bruder- 
sohn Ernst in Strassburg einen Zufluchtsort fand, wo er den Rest 
Beiner Tage in Ruhe und Frieden verbringen konnte. Dort 
starb er, alt und lebonssatt, wie sein Biograpli sagt, im Pebru:ir 
1604. Seine Züge sind uns in einem vortrefflichen Holzschnitt 
erhalten ^), welcher der ganzen AuitfUhriiDg nach wahrscheinlich 
von der Hand des Meisters Tobias Stiuuner herrührt, obwohl sich 
dessen bekanntes Monogramm nicht darauf findet ; das damnter 
befindliche Gedicht, das den Portrütierten feiert, bat man in^ 
dessen wolil zu Unr«cht Fischart zugeschrieben *). 

Spangenberg bat während seines bewegten J>bens ^™ 



■) Leackfeld 9. «I. 

*) „Bil<lniU8 <!«* Ebrwirdib'cn Hurm X. Cyri*oi Spaageal 
Sebw Alten im 65. Jar. Anno IftBS." FoL 

■) cf. Riickbei). Zar Kiiahurtlitttn^tur. SondorafaMMencr R«al* 
■ofaul-FrogTunm )S80. 



13B 



ENTSTBHUNO. 



S3 



niche litterarische Thätigiceit entfaltet, die in Wirklichkeit' 
nchcHich nucfa weil bt-deutiuder war, als wir sie heut« nach 
dsm Erhaltenen beurteilen können, da bei den Ereaz- und 
(jueniigen durch Deut-^Khlnnd, die oft in hastiger Flucht vor 
den Verfolgern ausgeführt werden mnsstcn, gewiss mancheH 
nrinren g>nS- Sehen wir Ton seinen zahlreichen Predigteu, 
BiboIkomnivntaroD, polemischen Schriften nh, so kennen wir 
flm als kirclilichcn Lyriker, als Dichter geistlicher Spiele, als 
Bearbeiter von Makropedius' „HekaKtus", als Historiker und 
Theoretiker des Moistei^csangs'). Bereit« in Wittenberg 
wurde er von Melancbtbon zu historischen Studien angeref^tr 
aitfi denen riele weithin verbreitete Arbeiten hervorgingen und 
durch die er sich einen Flatx in der Weltlitteratur eroberte*). 
Daneben war er ein eifriger Dtdaktiker: sein „Bhespiegel", 
eine Sammlung von 70 „Brautpredigten" fand grossen An- 
klang •), auch sciu „AdclBsi)iegel'' wurde viel gelesen. Für 
die Tenfellitteratur endlich wurde Spangenberg sehr wichtig, 
und wie bei Mu-tculua wird auch hier der Aufenthalt in Wit- 
tenberg vifl dii2u hcigutragen haben, den jungen Theologen 
mit der Dämonenwelt vertraut tu machen. Er nelbst rer- 
öflentlichte spStw zwar nur zwei eigentliche „Teufelbücher": 
.•Tagten fei" (1560) und ^Die bösen Sieben ins 
Teuffels Karnöffelspiel- (1662); aber erwirkt« an- 
regeoil auf seine Umgebung, ermutlugte seine Freund«, die 
gt^o den Satan zu Felde zogen, ihre Traktate drucken zu 
lusen, schrieb ihnen Vorreden za ihren BUcherii und lieferte 
ulbst in seinen sonstigen didaktischen und historischen 
Schrift«n , wie Überhaupt fllr die populüre Litteratur seiner 

') SttR aDoch VDU iler edl«n hochberQhnteu Ean«t i)er Muoim 
nd deren Aiilcanfll I»b und Suit.* i^b A. v. Keller lieraii« al> Pnlili- 
kkUira de« Stiitl£«rt«r Iitt«r. Vereint No. 62. 1661. — Dm Manu- 
^npl wir tifteli I/eiKkMil'a Worten (ik 67) „Bui' Per^men gMcliriebm 
and mit gfild«iicn Buckeln buchlne«n, xn SlnwiburK au^hobeu. w«lcb«> 
■iv An. 1S5B Euicb Uftantkaa in letiieii Anaiürkangen Sber de* 
Upttsnta DraUche PrModic p. I2«i— 166 mit boydruckca Immb." 

*) BiogTsphia nnivenclli' 40, Ili (Michnucl). 
hiwpisgel'' wnnio noch 187(j 



34 



OSBORN 



IS» 



Zeit, so aavb für dio Teofelbiichvr eiae wabrhiift unerwbüpf- 
Ucl>e Pundgrabe von historiBchen und uuhistonscboD Er- 
sählung«», Aiiekdoten und Schnurr«!). 

Eine vrahro Flut von ToufcUcbriA«n ergoss aich oan in 
deti 60ei' Jahren über das protesLinUscho Dc-utschland. 
Mauclie Verlagsbuchhandlungen machten geradezu eine Spe- 
zialität aus dem Vi<rtheb dieser Litt«ratnr, ao besonders 
Johann Eich hörn in Fra nkfurt a. O. , dann die reioben 
und tüchtigen Plrmeu Georg Kab and Wilhelm Han, 
sowie Feyerabend o. Simon Hüter in Frankfurt 
a. H.. daneben hauptsächlich noch Urhan Gaubisch tu 
£iiHleboD, der erst Augustinermdncb war und 8pit«r auf 
LuthersVeraulassuDg Drucker wurde. Nicolaus Henricaa 
in Ursel und in Erfurt Georg Baumann „bey. St. Paul'. 
In bübticher Ausstattung, aauberom Druck und auf dem Titel- 
blatt geziert mit verl<}ckenden Holzschnitten, die roeiat in 
möglichst grässlicher Weise den betrc^üTenden Spezialteufet 
bei der Thätigkeit zeigten, gingen diese Bücher in den Handel 
und fandi'U last ausnahmslos grossen Anklang. Einer der 
Mhreiblustigen Pastoren regte den andern zur Nacheiferung 
ao, faat juder einzelne kennt die früheren Bücbttr und nimmt 
sich mit der ganzen Freimütigkeit des 16. .Talu'hunderts tqq 
diesem \'orgäiiger die Dispoftition, von jenem passende Bibel* 
citate, vou anderen wieder sucht er sich zur Füllung geeignelc 
Anekdoteo zusammen. So trat neben vortreff licheu beleluren- 
den und erbaulichen Schrit^n manche ehrliche und flelssigfl^ 
aber trockene Arbeit, manches xusammengestoppolUi Flick- 
werk, manche ungeschickte Stümperei zu Tage, aber sie 
wurden doch alle gekauft und gele-sen, und der Beifall war 
so gross, dam am Endo des JahrzubntM die soeben genannte 
unternehmungslustige VerlagshandJung Feyerabend zu Frank- 
furt a, M.'), die ja auch das deutsche Publikum mit den 
Amadiahtstorien versorgte und »päter, 1678, durch die Roman- 
Sammlung „Das Buch der Liebe" erfreute, den Versuch wagte, 

■) L'eber die Fcyorabend'x cf. ADB. S,7fi8f., wo die LiUeratur 
verEcäclmet ist. 



190 



ENTSTEHUN«. 



8S 



die bis dabin erschienene [ätteratiir in ciR6m gtmlti^en 
TeqreUtou)[>endium >u sauimclu, dvin sii* dcu niarktechretenaohen 
BeUametit«! nTbvatram Diabolorum'^ rerlieb. „ Wi« 
EDUi dns Theater, so tius»ert sich Minor*), „uis Abbild des 
«irklicben [^ebeus auffa*<t« — dubor diu Kablreicben Dramen- 
bts) ^pKüuluiu viUv bumaoae, mundi' etc. — , so bezeicbnet* 
iBiui umgekehrt Bil(l«r aas der Gescliicbte uud dvm Leben 
iler Zeit als Thoatrum". D^r Uebmuch doa Wortes in diesem 
Stativ war indesseo 1569 noch ziemlich neu'), er lenkte die 
Anfaterk&amkeit auf das Buch und reist« die Neugier nud 
iÜB Kauflust. 

Dvr genaue Titel des Teufelthestera lautete folgender- 



Tbeatrum Diabolorum 
das ist 
Bin Sthr SnUHeAt' vfriileniiigtt *) 
auch / darau» ein jeder Christ l souderliclt vnnd Heissig zu 
Ivaen / wie da« wir in dieser Welt / nicht mit Keysem / 
KÜaigen i' Fürsten rnd Herrn oder nnden Potculateu ,i' sondern 
mit dem aller mechtigsten Kürsti^u dieser Welt / dem Teuffei 



*) £iiile(tiuix >Dr Au^»be it«* Speculum vitae humaiMe lom Erz- 
Waog PenIluKiwt U. tob Tirol HatleiuRr Xeudr. Xu. 7». 60. a XXX V^n. 

■) Atta de« 10. J^hrbiiaderl w&r« aoub «Iwa uuufalirea : il. nThc«- 
Imin TilDo bamaiifte . . . ." eine« pMiulonymrn Ljcotttieaci C BmL 
lUtt — Tbratnun ni«nitmm. Arsrnt. 1669 (6 Vol.)— TbMtrum <l« Vene« 
tima, Fnuicof. l&H)}. Kol. («rwübnt iu KirchboEi Weaduniaut V, 37) — 
Bral JBi IT. Jkhrlmndcrt «rardi-D die»! TiUI allKnueiacr bekknat: 
IbMtrtini Europk'Diii IUI?— 1718 (Itl Bde.) — Th. ('■«■, äsarnJims ron 
Viinknuiiulniinent«B 1647— 168) — Tlmtrum »aiori* I6A6 — Tb. Sym- 
piUMlkum 164S — EWior, Tb. virorum eruditioM «inKuIari illiutrtum 
«. Zddler, Tbvfttr. rironiro erudJIofUm mJnnt. — Ähnlich braoi^hU' Hnm- 
tÜMbr: „SchftQplati jtimmerlicber UordgiM>Gbi<'btea.'' — Im 18. Jaht^ 
tmndtrrt encbeiul dft* Wort bauptaächlicb iu ZettachrifteatitctD, wi«: 
OnapriMli und *enetisiii>«bBt Kriegvlke&tnua. Uouatticbrift 1716—19. 
~ N*>u eröibet«! StaiU)-, Kri«g«-, Priedeo»- und Naturtbektcr, Mon«t»- 
•C^Kf) 173», - Nco triiffoelM Wflt- nnd Staat »-Th*«trum 1737. 

■) Di* liegendoD BuobatKben vettrelen deon rotoa Uruck dca 
Origiul«. 



36 OSBORN 



% 



xukcmpfTen Tn<J xustreiten ' Welcher (Ww S. Petrus schreibt) 
nubber g«bt «le ein briüleiider Low ,' ms zuversdiliiigep. AUo 
das er ms tiglidi nachschleicht / damit er rus zuüill bringen / 
in all«rle.v sQndt / achandt vnd laater einiilbren ' md endlich 
mit Lvib vnd Ht^i in nbgrundt der hellen HlQrtzen m'i^e. 
Vnd derw«g(!ii eciiiu grutisHinc Tjrauni'y nid irüterey / rvcht 
lernen erkennen / Gott rmb hülff rnd bejstatidt seiner (röit- 
liehen piaden rnd heiligen (>«i<ite<i anrulTen / alle giRiige pfeile / 
tödUiche gcschoss / genngiMui uufBcufahm / aussziwchlahen / 
rnd in Christo Jean vosenn einigen Heiland vherwindeu / 
Vietoriom vnd da» Feldt behalten. 

AUe» /ronune» CkriaUii / «i jfufr MtUn heit vmi ttüglttü 

angtUgtn I tu diesen iHstttt 

Zeiten ,' da ullerlvv Lastor grausamlich im ecbwang gehn / mit 

gantzem emsl md fleiss inbetrachten. 

IH* Üamtn tUr AuÜtoren cnd S^ibenten j jintiet man vtfn 
«<iM der Vorredt. 

Gebe«»ert rnd gemebret / mit einem neweu Pcslclentz 

Teuffel / so zuvor noch nie im Truck ausegaugen ,' sampt einem 

nützlichen Register. 

öetruckt zu Pranckfurt am Maj^u et«, im Jar 1669. 
Folio. — 6 Bl. + 542 Bl. (Fol 1 _ 542 ') + 5 BI. 

Auf dem Titelblatt befindet sieb oiue viereckige Holz- 
schnitlvigDett« ; in eiuuui ovalen Kaltiuen mit der Aufsehriit: 
^Wachet Tod betet, auff daa Ir iiit in V'erauchnng fallet", 
der sich innerhalb der verzierten Ecken befindet, sehen wir 
Sfttan ScbSlze verteilen nu eine ihn im Kreise umgebende 
Schar seiner Getreuen, unter denen der Qoäenteufel an »einer 
Beiltbekleidung, der Hurenteufel an seiner weiblichen B«gl«itiiug, 
der 8auft«iifttl an aeinom Pokal und der Tanzteufol an seiner 
Flöte, auf der er spielt, zu erkennen sind. Das leti-te Blatt 
des Bandes enthält fiber einem Holzschnitt mit allegoHsvhen 
Figuren und einem pOBaunendeu Engel den Vermerk: ^Gedruckt 
za Fraockfurt am Mayn / durch Pfiter Schmid ; in Verlegung 
Hieroujrmi Feyrabend. M. D. J-XIX". 



■4 




EXTSTKHUNG. 



TorauKeaclückt i<4t eiuo Vorrecli« Sigmund Feyrabenda 

(31. S — i), in w«]cl)er ziinüchst der Titel gegen <leD N'orwurf 

der Frivolität gewiliützt wird'): er sei „nicht auss loidit- 

fcrliffkeit oder veracht des HitthniiK nndeni IcuteD zum erner- 

DOE» md Itüscili exumpel, nlM geordnet. Sonder dieweil die 

AntlioTflS Tod Meister dereu Büi-ber. so ich hier zusniiimeu 

trurkeu laneii, enitlich dieselbigeu Ton <leuoii Teuffeln, wider 

wrli'be 8J« geschridbea sind. Konennct tiutteu. wolt ich es mir 

niclit gebüreu in diesem gemeiueu 1'itet den Nameii den TeiilFeU 

fU ansizulassen rod aUo jre nrbeit mit eiuein Trenibden Titel 

n Tertiinokcin'*. Kur EDlscliuIdif^ug vreist der fromme Ver- 

bgabnchbändler noch diirnuf tiin. dasa ja auch in der beili^en 

ärtrifl, sogar von JeeuB selbst der Teufel häufig genannt 

■ ■ r (.■, „Vnd iwi»r die lieilige SchriSV zeuget, das viel Teuffei 

viel., vnd jbre vnderscbeid rud Ordnung linben, daher wol 

tnsennuteu das ei »jede sUnd von einem bi^sonderen 

Tvaff«! gefalirl rnd getrieben werde wie man auch 

pAt^ zu sagen, wenn ein ding so gar vber/werchs geht, ee 

■QMe ein eigner Teufl'el »ejii, der ee nloo verkere''. fir 

fteiBl sein Buch an: e« sei „gleichwie I^oci cominunCH oder 

rin gemein Register, darinn man :iUerh»nd nützliche Lehr 

IfciciitJicb rinden kan", er em|>ltehlt es „nicht allein deu l^eyen, 

md gemeinen Christen, sonder auch wol vielen Oolehrteu ab) 

Pfsrrherru. Caplaucn rnd andern der Kirchen FürateUera, 

OMg wkI sagen, aucJt den (ielehrten der Rechten vnd Artzeney". 

Die einzelneu >Scbriflt<-u vrurdou ftug«ordnet, „80 viel 
mlttlicli, nach der Ordnung der zeben Gebott'', sie wurden 



■) Dui M>Iab«> iL&UftclkUcti goftchali, «nählte acboo 1M4 J. Weet- 
ftnl m Minam .Hoffirttteuffel": ^ »iuA Juli« MlielM Leute, die mwI 
•■ traffUdi (OraiK danalT, daM ko rkl Bacher autgelien, di« man 
IMU aennt'. iB. 867 A.) Aoa ähnliolieii BSckricfaieu vorHchlrtdii 
liwfJ MÜelier» Sobriflitcllcr wirklich TÜIli« auf die dao)cb«re Gettalt ilc* 
Sklaa; wi im 17. Jalirhiindnjt der Ilithianr Scholarch Ubrisliao Wciic, 
tfr M Umt aicli gowaun, am dor Se«l« «einer UcbSler nicbt m •dudsD, 
nil keliMBi «one »a Mbimpriicbe Roll« tnniiiiutcit, ein Hiobdrama lu 
threibei). ohn« di« tr«ilwnd« Kraft di«>«*i ganxoa Ronftikta, d«i Teufel, 
kidtrnton >ü laawn. 



88 



OSBOR» 



133 



oline jede Äsdening, meist nitch der 1«tzt«i] Äaflag«, g«oaa 
abgedruckt, so genati, dass üttera sinnlose I>nickfeliler stehen 
blieben'). Nur die Vorrwl«u der Verfeüser nahm Fftyrabend. 
uro den Band nicht allzu sehr anschwell«» su lAMen, nicht 
mit auf. 

Der kluge Buchhindler hatte flieh nicht Terrecbnet. 
Das Unternehmen «rvries sich alt ein« glücklirlie Si>ekulfltioii 
und schon 6 Jahre später konnte er diirau gehen, ^iiii^ i^weit« 
Auflage deü '111. [). herzustellen, das er nm 4 inzn-iscben 
erecbienene Schnfteu bcrcidierte. AnjMer einer geringeQ 
Änderung! im Titel ^) war sonst die ganze Aitralallimg dieacJbe, 
aucb der alte Titelholzschnitt prangte wieder äuf der ersten 
Seite, Ton dem spfitor ein KUcherkenner am Ende des 16. .lahr> 
bocderts meint«, die Teufe) darauf seien „»cheiiwiioher, als 
wenn Chodowiecki sie nach lebendigen Originalen gezeichnet 
bitte" '). AI« Verleger xeichiieK- diesmal abweichend geigen 
firflher Siegisniund Feyrabend. 

Zum dritten und zugleich zum letzten Haie erschien das 
Theatnim Diab. aus demselben Verlag und der gleichen 
Sehmidtjichou Of(izin in S Poliobfinden, der erste im Fsustjahr 
1687 gedruckt, der »weite im folgenden, um ..10 neue" Teufel- 
bUcher Termehrt, wobei das kaum Klaiibliche Vwsehen vor- 
kam, dass eine bereits früher »ufgeuommeo« Schriil, der 
nUfllancbolische Teuffei" von Simon Musaeus am 

') So iat lieim Abdruck do „HofTleiifel'' ofTcnbur ntui dorn l)ra«k 
von 1566 »tfhrn geblieben: im rrrtonoBT«n:. unter HS.vbJllc, Daaiali* 
Weib": „Sklomon, Joieph, IJnnjamin, DAiitpIit Weib" »taU „UtaMÜi 
Kinder" und statt „A<^tiis I«rtii occn« Jirima' utobt beide Mal: sActau 
t«rtii lOMiA lertia'. — Die an (ich vfillig nnb«d«at enden Kl«inif[k«iteii 
xcifc«'» doub, diu* Krjcnibcnd mohr auf s<Thl«Dtil^ HcNt^luitg mkum 
Buclicj al" auf lori^Ältigv Rndaktion bedacht war. 

*) Kr bogann dicanial: .Ttieatrum Diabolorom, du i«t War- 
liaffto «igantliche vnd kurlie ßcachreibung / AUerU; 
grewliclittr ,' tcbrecklicher vnd akicliswUolier Laater / M 
ia dm«u iMctm / scbw^rea vnd bStvn Zeiten >' an allen Ort«n rnd 
«ndMl Cwt brfiuchlich / ancji KT«uiunlicb im aoliwasg geben". Dm 
Übrige lautot wi« 1M9. 

') PatriotiKbi!« ArchiT für Devttc^Jand. V, 1786. & 386. 




1S4 



ENTSTEHUSO. 



ftiUim nodi emniul hIs ,,u«u" Pl»tx fniid, »o d»m Hie in 
denwelbeti Band zweimal za finden ial (auf Fol. 139'— 136 
and Pol. 'i74—~i80% and die GtiMintZAhl d«r nunmehr in 
dem Samniclwi^rk rvrvmigt«» ..TtiuTol" sicli auf 33 MSaft. 
In der Vorrede zum 2. Teil erzählt Feyralwud. er habe, 
tutchdfni die Exemplare der Anflage roD )&7B „niuunehr 
alle abfangen". ,,oicht unteriasaeu, fleissig uAchfraf; zu haben 
nud zu coUigieren was seinther in dt€8er Materi Kescbrieben 
worden". Die^e letzt« zweibändige Ansehe war iu der Folge* 
lait naturKcrnÜKS die i)el[aiiutt«te und »nch ihr citi«rvu nieitrteus 
die Srhrifteteller dfs 17. und 18. Jalirhuudi'rt«. die noch 
FOhluiiA mit der Teufe llitteratur der Reforraationnzeit haben. 
Afa«r ^«radi! sie wurde oft in neuerer Zeit bnld übergangen, 
küd UDRenaQ und fehlerhaft genannt'). 

In der Folge »ind die 3 AuR^fabeu von 1569, 1675 ood 
liBim l. und II. Teil einfach durvh |Ä, B, C wsp. 0" 
bneictuiet; die Citat« richten sich in der fie^el nach B. 

Die« Sammelwerlc weit yerbreiteter populärer Bücher 
stellt fitch als ein wahres kulturhlstoriikrht^s Kompi'udium dar, 
i»B noch durch einige andere ächrift«n. die Ff'verabend en(> 
«eder absichtlirh nicht nufhahm. oder die ihm eutginRcu, rer- 
raOatSildigt wird. Trolz mnacher Vert<'hiedenheiteQ im Einzelnen 
■teht diese ganze Litterator, wie sie sieb gegen daa Jahr 1590 
entwickelt hat und wie sie im Tht-atruni Diabot. ihren Mittet- 
ponkt fand, durch die (rleichartigkeil de« AuügangfqiunktA 
der beteSigten Schnft»teller, schlechthin als etwas einheitliches 
in und giebt ein, freilich in eine l>estimmle tendenziöse Be- 
limchtung gerddctee Bitd von dem Leben im protestantischen 

'} Guedek« neant Bi« nicbt, er bcmorkl nur Grundr.' U,489, 
data KT „riMD Drack tob 1666 nicht kenne* : ein »leb«- «her h^t nicht 
«SMtWrl, ww wi Porarftbciidji Vorrede xun II. Teil 16BS dwaüich her* 
•OffT^kL Goednke* Irrtnm katnint tut» dcnt oben erwHlinl«D (S. 96 Anm.) 
Bttdic von C. W 8piek«r itha Andwae Matculiui S. 840 her. — 
J. Vranck. der in dem «cliou ^imbbUd Artikel der ADB Qber Jodokne 
Hoeko- li. 6S4 ff. »ch fiber omare IiU«r»tiir im >Dgein«inen q)rieht, 
*et«t ganc Cibeb di« 9. Auflag« in da* Jahr 1679 und n<:iin1 di« dritte, 
UttJ, «baiM CbLhJi eine „Wioderbülang di«Kr rwoitun". — 



40 




Deatecblanil lu der zweiteu Hälfle dus 16. Jafartiuuderta. 
Denn nachdem die Mode erst eirniia.! autgekointnen. blieb man 
Dicht bei deii Siuideo uud Lastern der Mäuschen stehen. Dämono- 
logische Bücher erhielteu den Teufel zu ihrem Patheu. Das 
geetunte öfi'entliche Leben. Gerichtswesen, Finanzwesen sogar, 
die theologiseheu Streitigkeit«u, daneben die häush'cbeu An- 
gelegenheiteu der Familie — alles wird mit liickischeu Däaionen 
in Yerbindimg gebracht, gegen die ein euergischer Kampf als 
nnerUlBBlicL erklart wird. 

Bei der folgeuden Darstellung des Einzeluen nun wird 
es sich empfehlen, eine Teilung in Gruppen voji zusammen- 
gehörigen Teufelschrifteu vorzunehmen, um Ordnung in die 
Masse zu bringen und eine Übersicht zu gewinnen, beror das 
Facit aus deu Untersuchungen gezogen wird, Daa Schluss- 
kapitel soll dann deu Versuch gehen, die Wirkungen unäerer 
Litteratur, besonders auf das Drama, und ihre Nachklänge im 
17. Jahrhundert kurz zusammenfassend in wenden Zügen 
darzustellen. 




Die Teufelbüclier. 

t. näin«ti«ti)f{[sphe Tenfelhiirlier. 

Ttttfcl «clha - Zmbetientel. — Von doa X.'a T]mnii«y — Banntoafol. 

G-leichsam als Prolog, beror die einzelDfii S[>ozLalCi!ufol 
auf der liUlinc des Theatrnin Diabolomm er»clicinen. ist eine 
nsamtnimfaesende dämunologisclie Abhandlung über den Satan 
Torauageschicitt: „DerTeuTfel selbs, Däb ist WarhaffÜger 

l»»tei)diger und wol gogründtcr K-ricbt 7011 den Teufeln 

tuammCD gezogen rnd in vnterschiedene Capita verfasset durch 
Jodocum Hockerinm')". Hocker stammt« nasOsnabdlck 
md war, nachdem or au vi-rKcbiedi-ufii Stvllvu, unter »uderem 
in Goslar unter )(elanchthons Schüler Jobann Glandorp als 
Ccmrektor thätig war, ]5öS Prediger zu St. Johann in Lemgo 
in der Graf»chaft Lippe geworden, u'o er durch die Yer- 
nitteltmg seine« Freundes und Landsmanns Uermann Hamel- 
Oftiin ebenralls zum Conr«ktor bofönlcrt nurde^. Kr macht« 

■) n ■ • - • Vi'u sie «etti, Wi>li*r iws gekoiaen, Tud ms *i« toglidi 
winken, ilftl«; ire groMM Tyninni^y. tnMvhl vn>i gawalU lUin Aucb vtt 
kabrndigkrit. I.id twI guitzc tripfirrej- au& rleUngtl ved eig«a(ttcfa>t 
kM^rwben wird. Item tn* von Vcrzeubenitigcn. T«rbl«ndaii^ii, k'"^- 
■wclwu md •oDit vi) Tnd mkncberlry Koplurcn de« T«nfeb m liAtt«n 
Wp. Tod wi« man die Zauber«!' «"a^Q" »ol. Alle* tnwiich Tod urdentltoh 
uu OotU'« arort wd vieler Gelerten Bticher, «It vnd urw, . . . . " Untt, 
l«i NicoUiu H«nricui. IMK. 8*' -> Frankfurt a'3I. 1627. a". — In 
Tk D. A Nr. 1. fol. I-l«; B Xr. I. fol. 1-18«; Ci Sr. 1 . fol. I-IOO. 

■) J. Praack in der Allg. dbeb. Biogr. 18,6949. Hermann 
QatuelmanD, Opera g«n«alogw>*bütoricft, baraoigcg. v, ErneKtm Oa>i>n- 
WaaMrbach. Lcmgoviae 1711. S. 181 ff. - S SSOff. - S. 104», tOH, 
107«. — S. Uta— 64. 



49 



OSBORK 



137 



(rieh durch violfache dogniattscbc 8chrift«ii bi-kaont, vod seine 
Rede „de fame et aononae caritate", li%64, erregte Anbeheti; 
«r war cio bodigelclirter Theologe von einer gremenloceo 
Belesesbeit and wurde tod allen Seiten geschätzt; auch m 
Cjrriacas SpaogenWrg stand er in frenndücbaftlichen Bezieh- 
ungen'). Sein Buch ^Der Teufel sdbs" war noch nicht 
vollendet, aU er 1566 an der Peot ptötilich starb. «In seinem 
Tothenbetblin^ bat er Hamelmann, es zu Tollenden*). 

Dieser. friUier ein eifriger Papist, hatte sich 15&3 öffentlich 
auf der Kanzel fQr Lnther erklfirt, war verjagt worden und 
hatte dann bei den ProtesUoten, erst iu Bielefeld, später in 
Lemgo Änfnahme gefunden*). Bald nach Hockers Tode ver^ 
Üess er Lemgo wieder (1568), ging als G^eralsoperintendent 
nach Öandershcim und wnrde 1573 nach Oldenburg berafeD. 
um die Reformation einxnricblen. Dort starb er 1595. 

Dem letxtcn Wunsclie «eines Freundes kam HamelmanD 
bereitwillig nach: «r eif^nzte die ron jenem geplanten, noch 
fehlenden Kapitel 37, 40, 41. 42, 44, 46, 47, fQgte selbst noch 
einige« Uinsu und widmete das Ganxe dem Herzog Ulrich von 
Mecklenburg, dem er von seinem Studienaufenthalt in Bo atodt 
her verpflichtet war (Vorrede S. 4). 

Zuerst wird die Bxisteuz »1er Teufel bewiesen, ihre! 
und Änimhl untersucht, über welche letztere nicht« bcatinunt 
feststeht Unter den rerschiedenen Vermutungen, die hier 
angeführt werden, ist auch die des M.trtinuB Borrhans 
geonnnt, der die Zahl auf 2,666.866.746.664 berechnete (c. 6)*). 
Auch die Zeit ihres Falles ist nicht Überliefert, ebenso wenig 
die Sünde, welche sie gestürzt; und Vermutungen hieHlber 
kSnnen doch nie xu eioem völlig befriedigenden Resultat fuhren 



inuntjH 



') Zo IIorkiT« Schrift: „Von beyclea Schliiciala dar Kirchn", 
Cnci 1H8 wliri«b Sp. eine Yomi«, tiebe Pransk a. s. (K 

*) ct. w\i>e Vorrede «um „TeiilTel wlb»". 

*) Sein OoburUjahr i*t nicht mit Sicherheit fMtzutt«UeB. et. Oroi 
HivtoriBchet Leiikoti evuif^tiicher Jubelpriwtur S. 163. J.O. Lenck- 
feld, nHktori» Haraelmanni*. 

*> Rotkoff il,380. 



138 



DA MONI >I.00IM;HES. 



(c. II. 12). Die Wohounio; Har Teufel ist unterm Htmmrl in 
der Luft ') (c. SI), die Hüliv bildet sich ent nach dorn jüni^Bten 
Ovricbt. Tmtzdoin itt e» rttUam, wiv auch LatherH MeiDung 
war, -tiass man für den fc^meine» Miinn aulT« einfältigste nncb 
von ilvr Hellen rede, vud eie dum jungvn Volck aufTi; )^bste 
(ttrbilde, wie man jmmer IcaD, damit man jhnen ein schrecken 
dafür machen möge*' (c 32, fo). hl^). 

Dio Teuftet sind CrcAtur«n Qwttes (c 4), der als Schöpfer 
«aob noch Maclit über sie hat ; sie können nur das thun, was 
Gott Urnen gestattet (c. 18). Es ist dieser Pnnkt fUr den gan]c«n 
fnlestantigchoii Tt-iifeUglaabcn s«hr wichtig-). Gott bvhült 
MBwr die Obemiacht, und ein Dualismue, der etwa wie einat 
die Manidiäer und Klarcioniten den Teufe) als aÜToqxn^ und 
*YtvitTO< hinstellte *), oder eine Ansicht, wie sie spiter Jakob 
Böhme aaasprachi dass der Teufel bei der WeltschÖpfnng 
Weiligt gewesen sei *), gilt als Ketzerei und selbst wieder 
■k Teufelswerk. 

Die Teufel sind durch und durch schlecht*), und eine 
Bekehrung ist nicht mehr möglich. So hatte sich ja aurli 
die Angaburger Confession ausgesprochen *). 

Ao ilirer Bosheit abor bat der ,,li«be fromme G^tl" 
iäne Schuld (c 1 1), er hat sie zu guten Werken geschaffen, 
ieldi«r Bestimmung ja ein kleiner Teil noch treu geblieben 
irt'}- Denn man hart, ^dass in Issland dienstbare Geister 

•) cf. I.Dtlicr t9.sm. 

*) of. Luther* Tttchr«d«n Tom Tnafbl nnd Minen Wmitcn (wie 
•Uni<i)i« «aätm SWllen). 

*; Btur, ChriHjtcbe G&mU H. 9T8fr. Den. I)m manidiitiDcbo 
KcBgiomiTslein S. 19 IT. 

■) .C^BptflirdbaB^d« dr«tPriiiKip(«i) giffttlicbeDWeMiia'' IftUf. 

*) cf. Lniher« DHnteliaDg det T«ii[eti ab Antllkeua decalop. 

E. A. se.seerr. 

»( 1. 17,4. 

^ Im AdkIiIu» an dioe AnEfurnng wurden Jie dioatUrohen 
Wielrt«beii iwd HeiiMuliiüiiiocbeo >och <rtrktii:)i ala klein« EngntelMD 
larpsullt. ZunU die bQdondc Knn«t nahm ilira HoÜt auf. FretKdi 
■wbeiiwn im da gaiu aaden al* dm ftrcuen gCMhl«ebtlown difittlicben 
bf«l> ■■ "^l ii^'in* fnnadlicbo rnntwillif* Bvben; di« kMara Fiascl, 



I 



44 OSIJORS 139 

»ojru, welche dar Leute Eni-cht« sind iit jhrea HSwern, tragen 
Holtz vud WftH«ür in die KücLeti. ^'ud wann in oisem UHleni 
Lande was grosses f^escbiclit, es stirbt ein grosser Herr, ea 
wirt vine Schlacht gethaii, so wissen «« die Öeister, md vt^r- 
kündigcQ VK dvu Lcuti-n. Id Teutschland liut man sie geliuissou 
WichtUcben, Bnlmannerchen, Gute Huldeo vnd HellekäppcletD 
und mau hat sie gefunden, da»s sie SchUitseln in der KUclien 
gowaaclivu habba, »k habi-D d«r Pferde gDwart«t, rnd ist ein 
vobn darbey gewesen, dasa wo ein solch Wicbtlein sey, da 
sty eitel glück vnd gedeyen" (c. 10)'), 

Die HiiuptiiuiHsö fr<.-ilicli tubt g<^D die Uenscheu 
Haas und Neid. Die Gottlosen hat der Satan ganE in sei 
Uevralt; er wütet aber auch gegen die QlSubigen und beäoixlera 
geg«u die von Gott gegen iim eiiigesetxten Stand« der Obrig- 
keit, der Gmtlichkoil und der Ehe- Gott ge8talt<-t nun den 
Teufeln hie und da Hwas durchzusetzen, um uns tur onaere 
Sünden zu züchtigen, um uns zu prüfen, uni unsere Aufmerk- 
saiiikeit wacli itn rufen — denn wir sind st«ts von allen Scit«n 
her von xablloueu Teufeln umgeben, gcgon die wir uns z u 

die ihr Kn$(«U'hnrakter vlt1»ii^, und die *ie nie kl«iut! Aiii(irelt«n ■''^^1 
»cheti UsieQ, (cWnt'Q wuiijg iu üubrnuoh itu sein. Denn tie lind reotiT 
eigentlich Huf der Erik lu üaiuc und pur^t^ln bei Odegenheit troU kltar 
Flügel von 'jinem Tisch oder oiDfm Balki^n herual«r. Albrecht 
Dürer liebte sie beanndero. iSn sehen wii- lic dem heiligen JßReph Imi Att 
Zimra«nn»nn*ftrb«it lieircnd (HoUiclmitt: Die bdl. F>milic in Ae^yptca). 
oder d» ChriHluskiiid haltend und Btiltxend (Gebort Christi, Gemälde 
TOR) «o^n. BannigärtDeracheii Altur), oder deu Bodua legend und puizmd 
(Dresdener Allfti'Wi^rh), Auuh Dürers Schüler und Nuchfolger brachten 
die«e liebenswürdigen kleinen Geintw gerne an. to beinjiielsweise Alhrecht 
Altdurfer, iler auf leioem Uemilde edio beilige Sacht" (Bremen) «ine 
ganxe OeeelUchnft (olch«r Rcdiiifclt<ir Knboldc in dem ätall la BotUobem 
Uir Wden .triTibcn Ibiilt. cf. Mnx t'riodländvr, Alb. Altdorfor. 
(Lpt. 1B9I) S. le. 

<} Fol. 16* D. — cf. Luther f. A. eO,S9r. Zu diMen woU- 
thKtigen ToufelageiMem vt Uriium Hythologle *II.S9B; I11.4S7. — 
Duu Ntederdteeh. Jb. «,64. ~~ itrcminclim Jb. I,S14. — A. Rbanuu, 
Hexengtaubeu uiid HexunproseMe rem«hmlioh in den brauuscbweijci^hua 
Luidvu Wolfeubiiltsl 1863 S. 18 f. (auch die Uexunrion von £. U. Meyer 
AfdA B,308-ll). Ferner Ztachr. d. Har^ereina V,9L. 





14U 



DAllOXOLOGISCHES. 



4S 



wehren haben — usus aber auch aus dem kleinlichen Orunde, 
B«ne Macht au teilen, oder um später bei ilor Mchliusslichen 
Errettung seine Li«be besonders gross erscheinen zu lassfin 
nod zagleieh „seine kr&fft dem Teufel zu spott, rerhönung und 
Terdriess damit zu beweisen" (c. 19)')- Tn unserm Kampf 
gegen ihn dürfen wir aber nicht die BeschvröniDg vornehmen 
wie „der leidige BapRt mit ocinon faeschurenen PlätÜngen"*), 
denn das ist nur „Gankeley und Affenspiel", vorüber der 
Satan lacht. Wir sollen den „Harnisch des Olaubens" *n- 
legiii], wie Pnulus ihn besobreibt Wahrer Glaube, inniges 
öebet und vor allem Verachtung des Teufels s.ind die besten 
Sdiutzwaffen, wie Luther »clbdt c» lehrt ") (c. äft). 

Weitere Auseinandersetzungen handeln über die Präge, 
>>li der Teufel Wunder thun könne. Die Thataaclien der 
Schrift bejahen sie*) ; wir haben an die^r Fähigkeit aUo 
uoht zu zweifeln. N«r eine Grenze ist dem Teufel hier ge- 
Müt; er rennag nicht neae lebendige Wesen zu erschaffen^) 
4n Elemejiien ihre Wirkung za nehmen, den Ijftttf des 
HfmineU au&uhalteu oder ähnliche Dtngo auszuführen, welche 
dio Gottheit sich vorbehält (c. 39). 

Wander thun kann Satan auch durch natürliche Mittel, 
tt et als geschwinder, erfahrener Fhysikus besser kennt als 
£e Measchen. So kann er Krankheiten hervorhringeu und 
heilen (c. 37), ja durch seine Geschwindigkeit und Schlauheit 
kann er Gedanken erraten und allerlei Vorgünge beinalie 
^ir-bzettig, w&hrend sie geschehen, in weiter Feme mitteilen, 
u dmss es wie Gedankenlesen und Wahrsagen aussieht (c. 39), 
flbeitso kann er Milch. Butter und andere Dinge, die er be* 
sonders lieht, mit solcher Geschicklichkeit stehlen, d&«s man 
glaubt, es sei Zauberei im Spiele (c. 47)*). 



■) Fol. «B. 

*) Fol. B6i. 

^ et Lulber E. A. 5D. 398; 343. 80, »0; 65: 78. 

•■) Fol. Sl-91'. 

»J cf, Lolher E. A-, Bd. fiO; Sl. 

*) tiL Luther, E. A. 60, !«f. 



46 



OSBOBä 



141 



Meistens ab«r ist es nur Gespi-nst und Verbleu Jung, 
was der Teaffl den Menschen als Wonder rorführt'), es ist 
eittß „Fantasey", die uns dann in die Irre fübrtv Hierher 
gehören die Erscheinungen Verstorbener, die Verwaudliuigeil 
von Menschen in Tiergestalt«« (o. 28), die Träume, sofani 
sie nicht van GoU kommen odei' auä physischen Ursachen 
hwvoi^ehen (c. -15), und hierher gehören auch, Bo sagt er, 
pdie vieljährige Lügen von den Hexen, welche 
fahi'en in der LnA rnd an die örter, da sie ein Conciliuni 
offt aushalten sollen, so auf ^semen, Qnbelen, Bocken und 
anderen Thieren geschehen sol"*); auch ihre Zauberkraft ist 
nichts als eitle Spiegelfechterei, die der Tettfel den warmen 
Närrinnen^ vormacht. Deutlich ist hier bereits der tolerante 
Luftxiig 7.U spüren, der sich doch hie und da in der zweiten 
Hüllte des 16. Jahrlitindcrts schon bumerkbar macht, obwchon 
gerade in dieser Periode die Hexenverfolgungen ihren Höhe- 
punkt erreichen. Äiisdrlicklicb berufen sich Hocker und 
Haiuelmunn wifdcrliolt auf d>.'D Arzt Johann Wuier (oder 
W ierns)') luid sein berühmtes Bucli: „De praestigiis Daemo- 
num et incantatinnihus ac Veneficiis libri sex** (1663) *), in 
dem ZQDi ersten Ulale gegen den cnt«eti1ichen Unfug der 
Hexenprozcflse mutig Front gemacht wurde, und das so neben 
Lercheimers bekaimtom Werk ein Vorläufer Ton Friedrieb 
Spce's „Oautio criminalis" '^), die 1631 erschien, gtuuurt 
werden kann. Auch die Erscheinung der Teufel als IncuU 
undSuccubi, sowie die Zeugung undGeburt von „KieUa-Öpfen"*) 
oder Wechselkindem ist lediglich eine Täuschung der be- 
teiligten Personeu, die aber nur den UngUubigeo beg<^flii 

■) of. LuthiT 4»,M. 

'J Fol. 94 J. 

•) So b«. Fol. 911 ff., loa». 104. 

*) Deutacb von M. Fuj^liiiiu 1667. Uogttti ihn erhob (ieb Jean 
Bodin. Trftlt^ d« In dfmonomiitiie i1«i iorci*n. 1B80. 

*J ..... Mu de proceMibst contra lagu )ibor sd msgbtnktw 
GermtiEiii»! hoc tempore DeoeaBariiu." — Rotkoff H.SflTB'. 8D61f. — 
Heppc-Soldsu II.5. 

•J Wutik«, VüUualwrgUuUii g U8. 





148 



DAHONOLOOläO ItES. 



47 



louio. Ganz kUr ist sicli Hamelmann, der dies Kapitul (42) 
gesdiriebeD h&l, freilich uicht, ob e« tnöglich wi, dass Teofel 
Kinder xeugca; er selbst sclieiot dagegen gestimmt zu seiii, 
kbw geg«u Lutbers Ansicht aofitutreten hatte er wohl docb 
keioe Lost'). Oieser glaubt« näinlicb UQ die Erscheinung 
solcher Teofel&kinder i»? tWt, duts er sogar eicmal einem Vater 
liet, »ein Kind, das er selbst tiir einen teuflischen Kielkropf 
kiek, einfa(!b ins Wasser zu werfen (K.A. 60,40). 

UDzweifelhaft fest 8t«ht es, dtus« ein geordnetes höllische» 
Keich existirt"), wenn sich auch nichts ^naueres über die 
Art dvr Organi Kation aus der ßibel erwoisen tSsst. Nach 
Analogie der Cinl«iluug dvr Engel in 9 Klassen, welche 
Diogenes, der Hchüler Pauli, in seinem Buche „De caelesti 
blBrarchia" aufgeatollt hatte'), nahm man vielfach auch eine 
Kenn-Ordnnng der Teufel an*). Dies« Auflasanug war im 
16. Jahrhundert sehr l>eliebt *), duiebcn aber traten zahlreiche 
ttdoro hervor (c. SO), und Hocker entscheidet sich eigentlich 

') Luther, K. A. 37 ff. cnibll »ogar: Juliinn Friedrich Iwbe ihm 
afl g«twlt, ,M lei ein aileligw äiMohl««ht in DeutKliluid svwe*eii, ge- 
hran loti etnem Suwubo.' Duu excg. op. It, 1S7 ,.. . . endo powM 
t*o, nt dftomon >il rel ■uombu« vel iacubu* . . . ." 

■) cf. Luther oboa S. O. 

') E» liiid umprünKlich 10 EniielohÖr«, ctBsr lUlt nit Ludfar; 
« ciad 19 BUB 0, und du Uentcbeogeicblccht «oU d«rMait das tO. wieder 
BHbtldMt. DinK Aufl&MTiDg trat früh in die deutsobe Utteratur ein: 
HineiU in HoRbsaBi Fujad]n^b«n 11. II, IS, 1?. — 4 BSeber 
loii« ta Di«men dunh. GoJ. d. lt. und IS. Jh. 8, 8 und VM.Sltr. — 
ABEironge bei Hahn, Ged. d. IS. nod 13. .Ib. 18*. SS. -- Sermu in 
liiiTitatD dornini ia WackctnagcU Ad. Lc«eb. 1SI.19. — Lacb- 
aua^Huipt, Kinncunjci Frilhlu. 31 1. AfT. (nurlDnuim v. Aue). — Wuirmn, 
tm,4S8,4: Will.80e,). - Wilh. Grimm, t-rcidanc S. 8 <u)d3S4f. 

*) Fot. 48: 1. P«cadothet; AbföttiMh« Ttiiifcl. Ubenter: Boelie- 
Vak — 9. Sjfiritat Ta<>ndacioruin, Ob.: SctiUiiKO Python. — 3. Vs«& 
Wqttiialb. Belial. — 4. Ultor«« «c«l«niia. Aunodaa*. — fi. Pncitigift- 
krea. SaÜtan. — «. AerUc putt^UlM. Hcnrim. — 7. Fori«. Abbnduii. 

- 8. OrimiiMt«n:!i. DUbolui. — 9. TentatorM n. losidta («[«•■ Xainiuou' 

— So die UeinaBg „vtlicbcF Sckul.Tbeotogen'. 

*) CfSiber KU der Nean-TeUg. Exefitica opera Utini. ßrUiisan 
1M0. 1,8a — 



48 




OSWtJtN 



HS 



für k«me. cla er Überhaupt allem, was sich nicht unmittelbar 
aus d'-.- boiligeji Schrift hvrleitcu luvst, äusserst skeptisch 
g«genii er steht. 

A OD Hnnielniann wiir(]4>n dem umfaniireicheu dreiteüigen 
Bnch noch bei^og^beu oinv ..eriaacmtift von der Hsile md 
»ufh die Namen der Helle", ferner -ein kürtzlicb bedeuckeii-', 
in dem Hockers freie mi Wei«r sich anlehnende Meinunit tibfir 
den Hexen{:Iuul)«n den An^rifTitD der Orthodoxie ^genilber 
im Voraas verteidißt wird, und ein „Segen vnd Wickerteuffel. 
JteDi. der Cbrystallenleuflel". Hier wird vor den Tenfels- 
bescbwörerii . WühruHgern . Crplallensebom und Srfiwiuv.* 
kUnatlem, die damals Hcharenweiae das deutsche Ijand dnreJi- 
iM^eu nnd mit ihren Xauherbriefen. ihren ,X%iirlen" und 
,31<>?'<^ Tafeln" die Ijout« betrogen, eindrbigltchst gewarnt, 
und dies ganze Treiben als Teufekwerk ^ebrandmarkt '). 

Den SchlnsR macht ein „.Judicium von denen, ro sich 
selbs rmbbringwi. Ob die alle verdampt sind". Dio Frage 
wird im allgememen bejaht, freilich kann, wer noch im letiten 
Augenblick seine Thal bereut, vit-lleicht (Jnade vor (iott 
ündeu, und ..die .ilirer nit mächtig sind vnd durch Tollhgt ^ ^ 
Melancholey, Vnverstand solchs thun, die werden hie billij^B 
exdpirt" (125 »a). ™ 

Das ganze Buch ist äuBsersl unüberaichtlii-li goschriebeu, 
alles ist sehr breit ausgesponnen, die (iliedenmg der einzelnen 
Ä«seinanden*etziiügpn sehr ungeschickt, manch«», wa»z»Ratiinien- 
gehört, auseinaudergerissen. die von HameUnann geschriebenen 
Kapitel sind nicht einmal an ihrer Stelle eingeftlgt, sondern 
folgen den von Hocki^r vorfasste«. Dabei war eine Stil- 
ongleichbeit kcinoswegs xu befdrchteu ; denn die beiden Ver- 
faaaer sind gleich trocken und unoriginell. In den t»ang der 

') f Tber lolch« iuteresraat« Pewönlichfceiten ffiebt du »«lirUndtge 
Werk »on Adelung, G««cliiobtu der memotUicheu NwThijit, Lpi. ITM 
in riclon klsin^ii bibliogrftpbiachcii Skiiicn Aiulcuiin; cf. bei, VIL Teil 
8, 1—51: „JohtiRu D«e, ein Krj'JtftliKttpkcr-, — uoi! S. IM— IM: 
,Jlichael Hott raduinui. nin Kviclivnd'MiWr'', w» d>o Schic-kmla i 
OrtiwmvivUm der Zauberei kunpp nnd aaBcliaulioh eratihU tind- 



«la dicsM 




144 



DäMONOUW ISCUES. 




■■diUch«a Erürt«*niufc ist ncuig A.bwec'bsluug Kebrachl. Hinzu 
bwunt eine muMierliche MiHchutig von kraiüieRi Ab«rf[liiulj«n 
tn>d rmsleiD Stnslten, d«r inttürliclieD Deutung zum UecJite 
tu Tcrbt-lffiD. Durcb die ADhäufunp fielclirteti Ballastes un<] 
EinniKiuij! Innrer lateiiiiiu-her T'itate wird sich die ScJtriA. 
iVRrlicb Popiilarilüt tTworiten li«l)«ti, über b«i aller Dis- 
iooelostgkcit und Wcitliitiliitrkmt )>iiit«t siv (loch «in« Zu- 
lenEasstuig d«es«a, worauf dt^r Teufelaglaube der Nach- 
Lntbers beruhte, und aus diencm Gründe ist aie auch 
attsfuliriicher behiuideU wordon '). 
Wpdu Hamelmann Op. geaeal. bist. p. ÜO tou sciii«Di 
Freunde H<H'ker srJiricb: ,,ali(|uando promiait de rebus Teiie- 
teits vom Zuubert«uffvl lilvcllum", m meinte er damit jedeo- 
Uh die Vorbereit utif^tru y.a dem „Teuk-1 »olb»". Mit dem 
■HfirfiBglicb ge^^ütilteu Titel kam ihm inzwischen ein anderer 
«tot: 1563 erschien «i »juikfiirt (Foyerabend und Hüter), 
„Herrn Woltlftiuii;, der Römischen Ktviwriu (.laulalern" go- 
■Kirnet, ,.I>er Zauher Teuffei: das ist von ^uljerej, 
«iir>uiguDfc, B«**Jiwehrt'n ...dnrch Ludouicum Milichium'"). 
llflr Verlasser dieses Buches war nacli Beendigung seiner 
Stadien, die ihm die l 'ntenttutzim^ seines (iönni-r«, des (iraüeu 
Vslrad toii Wnldeck, eriii<>gli<'ht«n. zuerst praeceptor cJassis 
in Marliurig; von dort kam er nach dem kleinen hessisohen 
Stidtcben HomburR an der Ohm. wo er »U Nachfolger 
4h (feorg Nigrtntu his i:u seinem Tod« l&7ö Pfarrer 

*) Eine »tnqifr«raB Sie kiHiftiw AnonbinnK de« Backet Bidi ImIUmI« 
iulv» drr '■imwlnen Ktpitrl tiofert uiutubrliub Ro-mkoff (II. 879-896), 

' ' m Wurk« ancli ipioc an* hier weniger intcrEHutreade Stellung in 

' LMtiHtiKilo^-ie Nn««iM. 

*) ,.... Sagm, AIwrgUulMu, Hexervy vnd mnnchnrley Wi-ruktro 
ia lWr«l*, woJgegrüniJUr vud »o vi) eiaem gläubigen davua tu 
•faMB ilieiuUii'li , gmng«*jafti Bericht, niclit ■lloin dam U«ni«iaL'D 
Ina, MBikr aoob iko WelUwiMn Be([<!nt«n niJ einleltigrii PmliK^m 
tiblidi TH'I kiutawriliit lu Imob. Aom heiliger Schrift vn<i bevrcrtcu 
Bcntwnl«« mit Sei«« nMnmmcn golraneii . . .■ riebe Gooilockc» U, 
8. *8l. So. B, I. — In Th. Ü. al* So. »: A. 207-S«; B, 176-808; 

ci ua -lee*. 

4 



60 



OSSORN 



145 



WUT*), Dt'ii Ijenigoer TeufelsbesdiraWrD kam«» aeiue Zu- 
sammetistelluogen mIit g«l«gon. und in ((«r ä. HSlf^v dm 
„Teufel selba'' (ron cap. 28 an) betiutzteu «e den .JSauber- 
teuffl'*, lim DisixnitioR. Qiie]lenan]K<iben, Beisjiiele, «inline 
%tK«, ja f^aoze Partiten daraus herüber xtt nelituvD, indem mo 
bie und da das Vorbild citi«rlen, weit tifter jedocli di«a 
uitt«rlies»eD ■). 

Frcilicb niii«iit4>ii si« ililivbius mit VonicliI beDiit/«n; 
denn dieser steckte, obgleich auch er schon an miLorheni 
zweifelt, doch noch weit tiefer in den Banden des niedrigsten 
Teufdsglnubons. Bi.-i ihm i.tt diu Urouxe, bis xu welcher er 
glaubt, TÖllig vrillkürlich gvzuguu. Dio Zanberei. dureu uusweifet- 
hafte Existenz er nachweist, ist ein Mittel, mit dem der Teofel 
die Menschen (iiiült; ftlilicbiun teilt sie sonderbarerweise „in 
Uagicum, das ist vervirniicim); rud bliudtniss mit dem Teuffel; 
in WeiiSftguug rnd Terkündi^unß verborgener diogeo; vud 
in Aberglauben, die von (rott nicht j^eordnet sbd md 
keine natürlichen Trsacbeu haben" (Fol. lT7c). 

Aus den NatiiruisseDscbafteu und himptsütJilivh aus der 
Kunst der Arxte, die bei den (rotttosen orientalischen VJilkera 
ihren .Anfang nahm, ist die Zauberei entstanden; da-s war 
„die cnU- Staffel". Sie iiit stet« gerülirlicb, denn wouu sie 
Auch gebraucht wird, tun anderen zu nutzen, ao ist sie doch 
nur zum Schein nützlich und in Wahrheit durch die folgende 
Strafe tiottes .scJiUdlii-b. ,,Ek ist besser stt'rhuD. denn durch 
KSuberej- vnd Tuullebt gespenst gesundt werden" (fol. ISÜc). 
Und in gleicher Weise, wie die. welche zum Nutzen oder xiuu 



'} Zu den Dfttt'n Über sei» Leben in Kotermuutlt F<M^*«ttans 
von Ji^elirri Loiikou II. 1784 f. Itrilte Herr Pfarrer Bckitetn üt 
HonbutK »n« 'ior lüorliKeD Chronik ciuiKe wi-itWf mit. 

*) Mrd TCTjEloiulie; 



78-73'- I86'C-E; 
78'E-.189B~-C: 
74 B— IIHC: 
88 'E— IMB; 
89* D= 185 DK; 



T. ■. 97*— 96* vgl. mit Z. BOSc— 
aoaci wörtlieb Ut VJi K(. 
h«r4berg«iianiiiieB. Cittort 
wini Z. in T. a. »uueriem: 
Fol. 99. I0e> (Z.c.mj, 116* 
tgS- Z. c. 81). 



14« 



DAU0N0LOGI8CHE8. 



öl 



Bduideo zntil)«rn. siindi^n die (iuuklcr, die ..rmb belilütiguag 
deas KesiitU willeti" ihi« Kunststück« mst-heD. 

Seine Auf/^ilung der Dinge, die dem Toufol tuöglicli 
DDil iininii^lick Bind, lcrDt«u wir bei Hooker, der sie ihm ent> 
trhote, liereits kenneu. AWr Milichius war noch lange nii'-ht 
10 konaequent wie aein Naohfolger: er konnte Weicr's Buch, 
das in demsoUi«» Jalire wie 8«i» ,,Z«u1)er1eulTet" erschJen, 
Meli oitlit kenDen, rtod man kann wol behaupten, auch er 
liitts sich von ihm beeindiisseii lassen. Die grenze dIo»c 
Uancherheit, die «r fortwHhrend xeigl, wilre Tieileidit lange 
üdit go gross gew«6en, wenn er Weier'« doch imm«rbiii in 
tJri«D Stocken klärendes Werk hätte lesen können, beror er 
ine Schrift drucken liess. I>eii« er war, wi« schon bomerkt. 
a freien^r Auflassung geneigt, obwol bei ihm gelegentlich der 
Wrüchtigte Xanie .Tacoh Sprengers, des einen der beiden Ver- 
Iwer des Malleu» maleficarum, zum H«weii) h^TAnge^ogeu wird; 
CS Mite ihm ntir die Anregung, und mU er sie spjiter erkalten, 
Int er mit seinem ..Scbrapteufiel" in die Reibe seiner ..auf- 
^kLärteren" Kollegen. Malten wir ihn aber als Bescbreiber 
ipT Zauberei neben Hocker, so haben wir ein deutliche« Bei- 
i|Hl daÜir, wie gross der BinHuss von Weivr's mutigem ijchritt 
f w e a cn ist. 

Milichius tüilt noch die Beschädigung des menschlichen 
Lobes durch den Teufe), die Fahrt«» der Hexen durch die 
Luft, das Hiueinzanbeni von Nadeln. Haarvu, „Häuwbi3r8ten, 
Tblichlm 7ud andere Materien", ja seihst die Fähigkeit der 
Tiafel. Wetter zu macbeu, filr durchaus möglich und glaubhaft. 
Sichcrlicl) stand er hiermit ganz auf dem Boden des Volks- 
gUabens ; und dass es nicht w leicht gewesen sein muse, sich 
liieaem zu entliehen, xeigt der für den Pfarrer entschuldigende 
Unistwid, dass selbst bMleutendv Amt« in seinem Bann i<tanden. 
So erxXhlt Jobaones Lange in einer seiner epistolae medi- 
äaaiea*), niau habe in dem Hauche eines unter schrecklichen 



1 Bpblube inediciiial«^ iliriirwiruiD Authorum. Lii^ani 15&T Fol. 
S. BOB/t Jutt. LMiigc epiit. XXXV Hl: D« proiiigiM vt danRiftiitun iu 
nurtiia [neitign^. 



»2 



OSBÜRN 



U7 



DOtt 



St-hnierwu vtrstorbenen Biuiern ^t^fimden „ÜRnum teres et 
oblonfTum. qimttuor ex cUalybe calto«i, parlim acuto:». [tartim 
insitar ferrae dentatos, ac duo fcrraraenta asperii repprla, 
(|uoniTn »nigiiU spithami lonfcitudinein exc^debant; aderat «t 
cspilloruiii iiixtur globi iiivolucniiii*'. „(jtiii arte eint tiigeslal^' 
frairt der berühmte Mediziner, und er autwortet : .,C«rt« non 
aLia quam daemonifi astD ac dolo''. 

AiK-Ji na div Kchatzgirftberei glaubt lliltcbius *). nb«r 
„Tagwählerei". d. h. die aberfclänbische Gewolinbeit. fjewisse 
Tag» lind Stunde» fllr gliirklich«r xu halten als ander«, hält 
«T ui«d«run> lur crlogBD« „phariBcischc'* PhHiita«tw«i '), obwohl 
sie doch um nichts unwabrscbeinliclier ist «Xs heispielsweiM 
die Luftfahrten der Hexen. An riio Kauberei manpher I.eute, 
beim Würfelspiel xu gewinne» und su verliere«, wenn fM 
wolk-u "), oder mit ebiem OeschDiK imfehlbur zu troffen und 
sich selbst gegen fremde SchUsse zu aii-hem *), glaubt er ; 
N^'ahntagen und /eich ende Uten dagegen hält er wieder fBr 
i'itel AbeiTflftubeu "), und er weiss sogiir dit- (Ji-wohnlieit. 
einem aufziehenden Wetter entgegen zu läuten, ganz ratio- 
nalistiitcb xn erklären: „Der Schall, welcher von Glocken, 
Küchsen rnd nndnrin (lelhüDv, kompt, erhebet »icli iu die 
Luß) vnd Kertheilet die AV'olcken, wie die Physici lehren"*). 
Aber gegen die, welche mit dem Teufel ein KUndnis eingegangen 
sind, ist dns peinliche tieriehtsverfnhren zu eröffnen '>. 

Auffalli^nd muss es erBcbeinen, dsss hier wie bei Hwker 
und Hamebnann im ^.Zanberteufel" mit keinem Worte vom 
Doktor F»nst gesprochen wird. Sein Name wird überhaufit 
im gnnren Theatr. Diab. nur ein einziges Mal genannt in der 
ÄiifxiUünng einer langen Reihe von Teiifelageno»»en. Da^s er 



•) FbUMif: 
*)FbL9Ql>. 
^ Fol. BOB • E. 
*) FoL 806'. 
») Fol. SOS «ff. 
*) Fol. flOl K. 
^ Fol. aOR'Af. 



148 DAMOXOLOGISCHES. 53 

aber nicht einmal hier b«rUcV:si<-Iitifi:t ii>t. wo doch üeldgeiülut 
pniu; Toriaf. ihn vor/iiUriiif^i^n. x«igt. das» vor dem Eredwinen 
dn Spiees'scheu Faiisthuchee (1587) die Soge uocli kemcswei^s 
Obenül vt^rbreitei und iiU|t«)nieiu gekimiit war. 

Milii-'hiuü ist st'hr gololirt, t-r citiert riel luteinixcb, du- 
tAfa auch grivchiscb und sogar liebräieich, aber obwhon er 
■Aeahar viel beriimgekoinnieii tind wgnr in Italien gswewu 
nr'), veretvlit t-r docb nicht, greif Imre Ji«ispiel(> aus dem 
l^h^D «einer Zeit aiizuAibren und dudurcli s«iiie trockenen 
Anseinnudersetzungen zu beleben. 

Ungleich pnckeudcr und frit»chi-r ist Musculus' schon 
tnräbnt« Schrift „Von des Teuf ffU Tyraniicy . . ."■). 
Sie ist nieht so umfaiigi'eich, auch Hachlich nicht so erscbüjifeod 
na die be»|>rochencn jüngeren Bücher, auf die sie ührigens 
n mancher Hinsicht gewirkt hat; aber sie ist klar dispunii-rt 
niA populär gescbriebeD, und wie alle Schriften des Fraiik- 
feiliir Prediger» hat ftuch »ic div Witm^ »einc-s pexsünliclien 
Slils; sleta hat man den eifriges uiid eifernden Weltverheaserer 
Jlaecalus Tor Augen. 

Die Teufel erscheinen bei iiiin hauptsächlich als n^a- 
Üf« Krüft«, nU xerstöreudc Geister: wie Uott aus nichts alles 
Ünduifien liat, so vermögen sie alles lu utcbte zu machen*). 
Zun Beweise werden unter anderen aus der Jüngsten Ver- 
gaogeoheit und aus Gegenden, die den mittcIdeut«ohen Lesern 
bestens bekaiml waren, einige unheimliche Sturm- uud Gewitter* 
gvMchichteu angL-fuhrt. die Muttoulus mit behaglicher AusfUhr- 
licIiJteit höchst anschaulich atismalt*). Durch die genaue An- 
fabe der Personennamen, ja oft der Strassen, wo sich die 
tenubicdeneu äpakge«chichleu abgespielt luben, beglaubigt 
er sie wkI erhöht ao den beabsichtigten Biodruck. Was 



•) Pol 18». 

•),... M«olil viid Ücwnlt: äondcHtcli iu «liescn letxtrn tancD. 
Tsiicrricbtiuiir linrcfa Aiidn^m UatcuUini D.". Oi>c<d«k« S. 480. No. 3,i. 
— In Tk. D.ab N«. 9: &, Kol. I46*-L64: B ISO'— 141; C> lOOi—llS. 

I') Pol. laa 
•) 1»»— IB4'. 



64 



OSitÜB» 



U9 



Hocker und MiHcbius nicht vermochteo. versteht er aus- 
geseichnttl : nüinlick seine hvfiet zu interessieren, <icaen jeden- 
&Ur „ICateni LenuDs Hauss, dass er nnb ein Zina ron 
Gre^r J^itniDermann gebraucht" '), näher lag als Medeas 
Zauberkunet. 

Zn gleicher Zeit ptagt uns der Teofel von sossen her 
und in unsernt Innern an unserer Seele ; ja an dieser iat ihm 
alles gelegen, »nd um sie zu erjagen, leistet er mitunter sogar 
auf die änsserc Anfvchlimg Versieht. Und „das ist i-beo der 
grSaste and beste bauff. welchen der Teuffel am leib nicht 
tUM!txt. Sondern gUnnet jnen gute Tag. k^tlicbs und herr- 
Itchs loben, damit vi »iv in Sicherheit behalt« vnd an der 
Seel ewig verdamm«; dae ist aucli die rrsach", so IGst er 
eine schwierige Frage , „dass den Gottlosen vnd Bösen wot 
vud gltlcklich gelltet In diesem leben"*). 

Neben den allgemein gehaltenen TeufelbUchem geh&rt 
TM der dämonologisohen Qrnppo des Theatrum Diabolomm 
noch HockLTS Trnktat gegen diu schwindi-lhaften Teufels* 
austi-eibereien : ^Wider den B an n t e u f f e 1 , das iat Eine 
getrewe wolmeynende ChriNtlicbe WArnung wider die 6ott]o9ea 
Tenffolbesohwerer oder Banner . . ."*). Bin Erlebnis veran- 
lasste ihn. das Budi zu schreiben. Als er nämlich 1563 
von Lemgo aus seine Uutter in der Vatentadt Osnitbrflck 
bcsnchle, fand er einen blinden Hexenmeister vor, der aidi 



') FoU 18S J. 

*i Fol. 138 E. 

■),... Hl in diaaeu SrUni li«ruiiibher »ohleidicn : Aas OoU«« 
Wort vDil nudern bewerle« Si;rib<?tit«D ffettalt durch Jodocum Hocktrinni 
UMnnbui^fiiscni, Prediger der Eirobvn St. .lohano Rir Lcmfraw. — 
Dpiitrra Sl. Alli-a was ich euch grbiet«, dm tollt jhr bnlc^n, dva 
.ihr daniai-h ihul, Ihr »oll nioble daxa thun, nonh diu-von ihvm." I>ie Aitt- 
gabeFriiiikf<irta.M. 1381 ^unuhDrachunil Ausatattiiiig bei Loeblerg«dracli1 
und bri Feyerabeiidt und Uiit«n lerkgi), die boi Üoolek** II. 4SI 
N. ll.i fehlt, wird wohl die cr»t« nnn; dort erschien aitoh 1668i. 6* 
«in Dtuer Druck ; die Auignbe lUgdcbiirK lAU. 8> würde dann ein Kb«Ii- 
drock der I- Frnnkftirtor »rin. — Im Th. D. al« No 4; Ä, I»6»-a07; 
B, 167' 176: C. I36'-Ul=. 




iw 



nÄUONOLOüISCHEfi. 



55 



Simon Melli-r vdii Nürnberg nantitv uud nach Rreiiz- Ht»i 
Qaenüften durcb Westphalen sich schliesttlich mit Erlniibnis 
iler ObriffJtpit dort ut«der^ela'»i}ii hatte, nm i« der Stadt und 
m der Umgegrnd sein Hnndwi^rk zu treiben, welches darin 
Imtand, die Bescsseuvu zu bcBchworeii. Er hatte es verataitden, 
itrb einen ]|;;roRiiea Ruf zu renchaffen, und du er siel) seine 
Kunst sehr gut heziihlen livss, bereits erlieblicho Bi'ichtUmer 
qeMiniiieU. Hock'T war durch diesen Ünfufr so empört, dass 
w lur Keder griff'). 

Im enten Teil »einer Sdirifl ging er den Dieuom des 
Btnnteuffls, den Exurzisti^n. zu Leibo. Nur durch liescUaidenea, 
linnittiges Gebet kann man heute noch Besessene befreien; 
t\itT jea» tuAcheti gro«s«ii Lärm, wollen den Tcni'el mit Gewalt 
ttrtreilieu. braueben frcTelhafter Webe heilige Worte, Lieder, 
Pulmen xu ihr*>n gottlosen Zeremonien. Statt auf dou Uiauben 
when sie „auff da« Io*e gediin di-r würtsr"-). Sie wollen 
^leiblicher wcwo"*) den Teufel verbannen; aber das ist nicht 
Biiglieh, und wenu sie wirklich Erfolg haben, so ist dies nur 
rin scheinbarer'). Es Utg dann entweder eine ttatrirlidie 
Krankheit vor, die auf ganz natürliche Weine auch gebeilt 
«ordcii ist, oder der Teufel fährt nur zum Schein aus dem 
Leib and nimmt die Sevl« nun um so sicherer in Besitz. Ausser- 
dem nehmen die Exorzisten ihre Beschwöningen vor, nicht 
Rn ein gottgefälliges Weric zu verrichten, sondern „um eitel 
Ehr md weltlich Gut"*). 

Der zweite kärzere Teil glebt das Verfahren an, dos 
nui Bewmenen gegenüber einschlagen soll. Stellt sich die 
Beeessenheil als Krankheit iK-niu;«, ho t-oll mau sich an Mediziner 
Venden, alier nur an tüchtige Heilkundige, nicht an „Keller- 
Irtzte'*. Sitzt aber der Teufel wirklieb in einem Unglücklichen, 
filitigeuB dem wahrhaft Gläubigen nimmer begegnen wird. 



>) Baiaelmann Op. Ii!*l.-gencB]. S. 1159 fr. 

•) 170 h 

•> 170 A- 

*) Fol. 171]} Mcb Bivntiui, Apoit«])(ei^ 90. Homil. 

'1 F..L 17a A. 



M 



OSBOB!« 



151 



»0 kann nur das innige, in NQcliteralteit vorgenommene Gebet 
d«s einz«lneri wie der versammelten Gemeinde Nutzen bringen*). 

Buckor widm«tc das Buch dvn Behörden »«iner Vater- 
stadt mit der eindringUcben Auffvrdirniug, nun endlich gegen 
den Sdiwindler torzugeben. Der Bat liess sieb bevegea, aber 
nocb i-he er seine Ifassregeln er^ff, ward Simon Meiler in 
«inern häuslichvii Zwi^t von Miner Bbcfron vrschlagi-n. Selbst- 
verständlich wurde dies alti Gottes Strafe aufßefaBBt und 
Hametni&Dn fUgt, als er diese Geschichte, gar grausig aa8> 
gesehmQckt. erzählt % mit erhobenem Finger hinzu: ^Sic solet 
deus horribili judicio punirc, abi nugiatratas videtur esse 
segDior." 

DaK KuBiH'rticbv Teufclbanuen blieb aber dessen angeachtet 
auch bei den protestantischen Pfarrern noch lange Zeit hindurch 
beliebt; bei der Taufzeremonie besonders bürgerte »ich eine 
Beschwürung des bi5sen Feinde« und »eiuvr Geister so fest 
ein, dass us beispieleweiae im .Tabre 1614 dem KuriiirsteD 
Johann Sigismund von Brandenburg nicht gelang, den Diakonus 
Raue bei einer Taufe, zu welcher der Kurfürst selbst Qevatter 
ataud, zu bostiiomen, die Uexenforme) fortzulassen "). Ein 
£dikt, das Johann Sigismuud infolge dieser Angelegenheit 
gegen das Teut'elbaiinen erliess, stützte sich neben Luther 
auch auf „Musculus zu Fnuikfui-t" *). 



•) of. LntJur E. A. ft», Sl«. 
*> Op. Opii«l..hi«t. 8. 1164. 

*) G. T. üftllen, HaniJbncb Atr iTaiKteuburgitolieii Gewhiohte 
(Mlttchsu 17«7> IV. »7. 
*) Ibki. 8. 101. 




3. Siiuilrii iiuil LH.>il4-r. 

U*u> nnii Viwhorleufcl — U«ixteiifel — NiüHU-urd — Si'hmi^ii'bell«ufel 

(Bkndc) — Sdimrii-beitcuM (Frey] — Ltijpntnufcl — Soi^utQafel -^ 

Ui'laneholiiicher Trafol- 

Ote Gruppi; voii TeufdbUchern, die hier zusuiniiieiigest«IU 
«sd, enthält vremiRcr als ilir Titel v<>rmut«ii laasen LAnnte. 
Das es sind damit uur diejeni^cen Sciiriften gemeint, wvlclie 
idQptettcblicb tlir rein innerliclien, iiiclit mu änassre Lebens- 
KrtdUtnisse anluiUpfeDctei) Lusler und Sütiden beli»ndelu. 

DvT X<;i(l war di« äUude dos gMtQirzt«» Lticifer, der 
Neid ist nacli dem Worte der Bibel die „Warzel allea Ubela". 
Er and sein Bruder, der Geiz, durften auf dem Tlieiatniiu der 
Teufel Divlit feldcii '). Und tue fuuden unt«r don Pastore» 
axbr als einen Bearbeiter. 

Der erste wnr Alhrecht von Blankenbnrg, viel- 
Idcht dem alten ÄdeUguHclilocbt angehörig, doMsen Stamui- 
(dilosa unweit von Halberstadt lag, mit Beinern Büclilein „Von 
Janker Geitz vnd Wucliert eufe) .... "% das 1&6Ü 
M»cUi«D, in deiuj«lben Jalire, als des Andreas MuhcuIu» läöfl 
merst liorausgcgvbvno Schrift: „Vnterricbtung Vom Wucher, 
Geitx vnd Reichthumb. Itera viin Christlichem rud Oott- 



't Sclion Peter Suuheuwirt iii>uittc dea Geüigi-n „1)0 tcol'cU 
■m[>auBon' XXXil.S&fl. (WerfciT, «L Priroin«r 8. 103) aud mirinie: 
.Xat iil lUa TttnfcL* ■itfKacU" Xi., IDO (S. 131). I'nd da i>JeiiiftiiniH<li«r 
,>- Int KU ZwiiiRlii Kdl in cin«ia SchwdMr lipüile luif. oT, 

ii ...up. d. if.A. n,4ia. 

*)■'■■- »o >elxt >B d«r Woll in Mlleii Stendm gewRltigliub 

~——'±. An »np Stendt des Teu1>cli«n IMchi gwiihrlclwii durch 

'in von Blfiukeobur^.* Prntikf. Nfb«« Uo«dnk« nocb: Fr. a. H. 

lüvtirn Hall u. W. Han) 1566. üer\. Kgt. Bibl. Dlh 8013. — Im Thwti'. 

bialM)!. A 8a4) - 870: B 813 — 81»*; d S68*— StiS». 




seligem (rebrauch der zeitlicheu Q-äter ...."') aafs neue 
gedniclct vruHe. Man sivht, Lul)i«r8 AnlTordening '), „An 
die Pfcirherra, wider den Wucher zu predigen* (I&40), war 
niclit umsontit gewesen. M 

D«r Vurredner, Andrva« Tkeobsld Mercker aus KUlebea? 
rtthmt den adligen Vurfasser. der statt d*.-u »on^ti^cn Lieb- 
habereien seines Standes, den Jagden, dem Pferde- and Hunde- 
eport zu rröhiieu. nach diT Bibi-I den Kampf gegen dvn Wucher 
aufgenoromeu habe, „darini) biss »her die ohren seinpr ordcns- 
genOMeo ml stcokeD-*. Kr Rohildert, wie ein Teil der Junker 
gleich anderen „Knapaeckcn' auf den Härktvn von Frunkinn, 
Leipdg, Nürnberg ihre ^Wechselbauke öffentlich aufechtahcn- 
und ihr Geld r.\i unerburl hohem Ziitsfnss ausbot^en. Der 
lebendigen Vorrede folgt der öde Traktat de» wohImcinen<len 
Adligen, der in äussent ermüdender Weise eine lange Beihe 
einschlägiger BibelstelleD aufmarschieren Uisst. Nirgends ist 
auch nur «in Versuch gemacht, die Le««r zu intcn<«ii<;rvD nnd 
die trockene Predigt etwa durch eine satiriscbe Darstellung 
der UMen ^iistiLiidv in der rignen Zeit, durcli Anekdoten 
oder andere Mittel schmackhafter zu machen; der Blanken- 
hurger holt lieljcr die Zeit des Verfalls des jUdiacheo Reiches 
herbei, um darin — höchst unglücklich — ilic Gegenwart sich 
abspiegeln zu lassen. Kräftige Töne hat er nicht zu Gobote. 
und matt scbliesst das Gniixe mit abermaligen Bibelzitaten. 

Nicht mehr und nichts besseres als Albreeht brachte 
aucli die viel »pätt^r erscliieaene Predigt des Baseler Theologen 
Johannes Brandra Ulier „Vom Geitztetifal*"). £>er wackere 
in Biberacli gebürtige Schtvabo (löäU— 96), bekannt als eifriger 

') „ . . Aue dou hciliftvn nllrn Lchfpn irciag«n. liu iiotea 
letzten fehrliebeii vtii) »«aL'hwindRn iritcn, ila ilie IJcb crkuUel, vud <lie 
Sorgfelti4,'k«)t t)«r Nntmnf, Krtme, Li«t vml Finantzaray TbrrluDdl 
geuommeu." Erfurt (Ocorg Bkumaau) Bcrl. Kgl. Bib). (ftii) I)t> 8013. 

•) E. A. B3. 283-938. 

*)„.... Kia ('hristlichp vnd hetUame Predigt, ^«tban n> Bual 
rnDil bcmnch aiUR büt nini'* Cliri«t.«nlic)i«Ti Druder* »uch gr«chri«bM. 
Darrh Johanwin Br»t]ilmliller." Baul 1579. 8". Kxvini^Ur in der 
Hünch«ncr Hol- und StaAlil>ibUotlii>lc. — Goedi-ke H. «S. S. S». 



IM 



SfrSDEN UND LASTER. 



69 



v^M Ocolampailiu», der auch sonst noch manche 
ft'li«)^'). wandte sich mit einer gewissen milden 
<^emat)id)keit gfigeo den Ijeiz, des ^TeiiffeU Bullwage»', auf 
'!'!n3 die Habgii-riiiwi fnhrco, um nach errpichtem Ziel in 
VVtillQBt und Freude zu leben. Eine grosse Schauergescldcht«. 
ilte in BoMd vor sich gegangen, ist am Scliltisti als aiwehreekendes 
Iteieptul hinzuEiefügt. 

Feyerabend wai* diesiua) kritisch genug, die Schrift nicht 
in Mt» SammiiiU'erk aufzunebmcu; mit Recht wandt« er sich 
Ii<ber an den trvflUcbon Johannes Rhode, dessen 1&8S 
rrscbieneneu ^Neidharil oder Neidteuffel . . .*) er in 
ikip 3. Band der 3. Aufgabe des Theatrum etnßigte. dotiannes 
Rbodins oder Bot'ddinger , der Sobn des Pfarrers tn Bock- 
hanaen, im heutigen Fürstentum Schwarzburg -Sondershausen 
«weit Ton Arnstadt, wabrsclieiulicb zun» Unterschied Ton 
i«iii(!m gleichnamigen Vater Socundus genannt, war seit 1653 
Pastor in Bischleben bei Erfurt*). Er gab. ähnlich wie früher 
Hocker, 1Ä8I »?iue Schrift „de annonae caritale" heraus, mid 
tU 1&6£ sein Gvburtwrt durch ciu schwere» Qewitter 
ItBimgesucht wurde, schrieb er, das Mitleid der Hilfsbereiten 
:.-.:r>-nil, einen „Bericht von dem grossen Scliaden". Znr 
" t. üigung an der IVufclliteratui- veranlasste ihn, wie er 
ielhst erzahlt, die Leetüre des Tbeatnim Diabolomm, „darinn 
riel guter Büchlein zusammengedruckt, in welchen die Laster 

M ..Geipräeli Tun •l«n Flinten <lca Gkabi-n**; aLeicli-Prsiligton* i 
.Borturoit-Piviligtcn' : ..l.ie4priM'h von iter Aufenlehtuig und uwigem 
LtWa' Zo.ll«r. Uni«n«l-I*xik«ii. IV. 1788, Sp. 1072. Über ihn: 
Job. Conr- Rapp«jt draLTiptio vitui? ot otritu« JoIl BrandtnÜlleri carmin«. 
BMOrAo laOl. 8*. Jüohcr I. 1335. 

*)„... Da* iat klarer Ilericht, rom Neid, w*« er My, «ober er 
Iramr, «ierid tchadeu rr Üini', md gmliaifi «crilr rte. (icitpllot dnrob 
JtifaannFR) Hliodiimi Moondam KncfcliaHnum Pfu-Hi<Trn 2a BiMhleliMi.*' 
tfMttako ll,4S8 Nr. 80,1. -- Tm Tb. Dimb. Cu 7«-100>. 

*) JScbor n.SOftS gi«1>t nur ^ni hunce Tt'tckricht ran Hhuile. 
Nemr Nvtuea renlaske i«k der Fr^unitlichkcit de* Htki Pfarrer* 
fno ilcr Eldcm in Biichlelicn. Aar nt aas dem ..KirdiMi- noA Schulen* 
tf»at iiu Ilrn^otttnm O'.lha" (Hi. Ti'il 4. Stück tV. p. 88, Nr. R) »owie 
ju» einKiii i)'i'><fari«benenNacliiraj[iniilcr lUiodcbctreffeniten Stelle roittMltc. 



60 



USBOHN 




austtlhrlichen gestraft sind, nb aathore omnis ruali Ten 
genannt" 'J , und liauptitiieliticli der Schriften des Aßdreat» 
Musculus. Bin Erfurter Freund riet ihm ^tius seinen coU«t> 
taneit lucorum comniuDiuia" deii in der Reihe noch fehlenden 
OSmoD der Scliaieichelei hinzozultigeii. und so schrieb er InHI 
einen „äcbmeichler- oder Fuchsschwootze Tcuft-l", Der 
günstige Erfolg dieser Schrift, von der er schon im folgenden 
.[fthr i>int! S. Auflage rt-i-a tistaltt'n konnte, die sich »uch wieder 
nuch viTbreiti't«, machte ihm Jhlut, in ebeu die«eui •lahii- l5Ö:f 
mit seinem flNeidteufel' hert-orzutreten, der hier zut^rst Ik-- 
handclt werden soll. 

Der Keidtenfel ist sicherlich eine der hpsK-ii Hchriflei), 
di« das Tbeatnini Diaboloruro enthält. lUt frischer Ix-heudig- 
keit nimmt atrh Ühode alle 8lSnde und Allorsklasien vor und 
stellt den Neid, den »ii- alle gi-geu einiiuder empAnden. iii 
halb vervreiHcndem, halb lustig spottendem IVu au den Fr»Dg<T; 
keck greift er mitten in t>eigni$a<> der jUngsteu Zeit und rer- 
rticht sie in seine niorulisiercii<U-M Wiiniiing<-n. Kn-itich isi 
dtts gnu/c wenig gliicklicl) dis|)ouiert. und div ungt-vctiirkleu 
Wiederholungen, die dadurrlt entstehen ninssteu, ermQdea auf 
die iJaner doch TtoIk aller nnziehendeii Volkstümlichkeit der 
DaratcUnng. 

^er Neidhard", ein Kind des Hasses, ist ihm die leuflisehe 
Personitikalion den Neidest und der M i-ssgunst, ehi Name, den 
der Teufel schon in einer aus dem 11. Julirhnuderl «btrlieferlen 
Saga trügt "). 

]Uit Humor schildert Khode sein Äusseres. Nieusls 
encheint der Neidlmrd fKihliVh und lustig; ,.l«'meinjgljdi 
Stellet er nwsa. wie ein Hund, der zoniig ist Tud doch nicht 
bellet" "). Jlan erkennt ihn, wie er „sein I oder r pronmicijret", 
wie er den Kopf -niderheuckt": bald sieht er schwarz aus, 
bald rot. bnld „fewert vud fuiickelt" er. bisweilen blickt er wie 
ein ..Baailisck'- ; und Zweige von Kreuzbeereu. die mau in 

') Vorrriio um Sctimeiulielieiifel. 

■) UitKCUrilt von Baupl ZfdA. 7, 5iU i. 

»1 U " 79 b. 



8ÜSDBS ÜSD LASTER. 



61 



i^aMl^r hüiiirt, Efsi'iilirmit . BHidrisn. Sliokwiir/.oI und 

lE«tlch«u fiir die Kinder wenien als SchiitE gi'^i'n uolclie 

ondiarlu-n lilirke, die zauberiüch« Oewalt besitzixn. empföhle». 

Fnter »einer ,.Htm()»«tini" liat der X. eine trotzige 

T-ieiasnasp", nut der er am lielwiten Gestank und Dn-tk riecht; 

lU'Uii Holche.'' ist seine Niihniiig:. AInn nckU^ auf diese Nase, 

„wie er ditmit «climtpUct, wie er «e riimpflet. wie er nie rupftet 

Tnd foppet, streichet darüber her. sehnoulzet sii>, oliKleieh die 

utiluriR es iiit erfordert- '). Sein hei^ercft l^cht^'ii «rtöut mir, 

weim er v^pottet, und iii seiiiim Hi>rxeii „ist i^wachsen ein 

l»Sser knüpfender Wurm*'*). I'nd fiir dies Ideal alles Neidisohc» 

bat Ktiode »eine U0H>iidijD:e4i Gxeniplii xvr Hand, nie eiuvu 

iyfatiltfaviss. „einen hartoeckieen Papixl", der ein Feind aeiiies 

Valera war, und dessen er sich aua »einer Kindheit erinnert*). 

Das touniKclio Moustrnni lu't/t mm die Mciisdien aus- 

mhuisloa ^e^en einander ; keiner bleibt ton ihm verschont ; 

weder Billiger noch Bniier, weder ICaufinann noch Handwerker, 

»nW (»elehrte uoi-h Kimsticr, NHclihjirn, AinUpono^wen, 

VrnrHndte — sie alte beneiden sich : ;!unml die WeiWr biibim 

den Neid Kepa<:htet. Auch die Fürsten und Herren erscheinen 

itm 9trFng«-n Sittenrichter vom Neid )>eherr»clit und wenn er, 

in Reispiel anzuführen . sagt : „Daniel der Prophet hätte 

eiueni iturli kiiuuen ein fiiedlein davon singen'' *), so wird ihm 

ffKwiss der Hofieofel des Job. Chrj-seiis Torgeschweht haben. 

Der Neidhard ist es aiivlt, der die Zerrissenheit des Römischen 

eicbü deatscher Nation versdiuldet; er hat es dahin gebracht, 

p«liier kein Fürnt oder Herr dem aiKlem tranwen darf"'). 

den Ztiiteu des Meisters hat fast jeder seiner Uutertlianen 

De Kteiniffkeit m eigen; jeder hat sein .,Kelbs Twplein wie 

.luden xn Franekfurt, darbej' man jn erkennen kan"*). 

Der Neidliard ist der Urheber der theologischen Kämpfe : 

ler Neid gegen liurher halte O^rlstadt zum „Sohwermer" 

kfrdeji tasseu. Aus Neid liabcu Strigelius und Flacius ihren 

eil begonnen ^. 



')*)*. •)81*«. *)n*f>. •)»"►. •) 7««fc. »J W". SS«»-. 



63 



USBOHil 




Der Neid ist ein Eiter in deii B^iueD. er ist ein (jJi 
das alle Adeni durchläuft wie (^iiiM-ksiliwr, uud reisst uud 
beisst '). Wio sehr dies Gift uusen^r sQndigeii Natur aniR^boreu, 
das sieht man schon, weuu ..EitiderUnu voter dn-r«u Jalireu 
bey einander spielen rnd kurtzwei) trejbe», wie sie sich neiden 
md gi'ueokeii'- *). Nur guur. nebenher wird die H«grilndutiK 
des Neids durch die wirtE<.'hitftUcheu und soziuU'u Verhältnisse 
erträhnt. aber die UuRleicbbeit, die liier «nf Erden herrscht, 
einfadi kurz erklärt mit einem apodiktischen „Es k» 
dieser Welt nicht anders se™". 

In der Ijitteratiir sieht Hhodins den Neidhard Rar 
toben; dtt wird die giin-/.e Well kritisiert und iitPtadelt, „cariiiprl 
Tnd beriiaselt" *). Kr eclbat ist ein eitriger Leser, er beschattigt 
sich lieber mit RUehem als mit „spaidereu flehen, Karten. 
Brettspiel", aber seit 21i Jnhreu, nieinl er. liabe er kein 
einziges Buch gelesen, darin er nicht etvrus gefunden, 
ihm „in seinen Kram bedienet*' *). 

Zum Schiitx gegen die Neidi^hen wird cbristlirhe Demut 
oud Frumniigkeit empfohlen; man soll die Missgiiustigon nicht 
beachten oder ihnen (^utes thiin. Itatschlüge folgen, wie 
man sich selber frei von Neid halten soll, und die couventionelle 
Drohung mit den Strafeu im Üiessetts und Jen»eits scbli< 
das liüh§che Burli. 

Lan^e nicht so friacli ist die erste Teafels-ichrift des 
Johannes lUiodiu.'« vom ,,^oliineichel- oder Fuchs- 
schwentze Teuffei..."'). 

Den Menschen ist die Schmeichelei ron jeher angenehm 
gewesen, sie „kutxelt rns in kleinen Zehen*', und auch wenn 
man sie selbst ah ungerecht empfindet, ..wenn mim sie gleich 
zu einer lliur hinaus slösaet. so machet man ihr doch ein 



rlS^ 



'"mu^^ 
icht 
wie i 
lelle 



') 7«<». ') 76'». »jea»», *) SS"». 

*)„... Dm i*r Vtftr^r Bericlit tou Sohm^iubli^ru, woher sie konuM», 
WM lür Lmt<^ lie und, wie vi*l sobiidrn »ic ihan rnd wie «ie gcatnCR ete, 
Gcttcllft diircb Johaaueui Rhodium ..." Ooedcke No. BQ,S — Der 
lIcnohliT wird »tut» luil .JuchtBt^liwotiifn" zuiamtncnicrbrMdit, ftodi wohl 
»olh« „Fui;h»eliw(iax«i" genannt, cf. Deultoh. Vr'örl«rb. IV, I» Sp. 3äl fl. 



M 



IM 



Stf-NDKN USD LASTER. 



«3 



ADilrr »i<U'r »iilT rrii) iiimpt ttie zu letzt ukler r.» ^oadeu niiif". 

lad LnilKutiigp ist es j^r ürlilimiii : „WVr nicht U^en viid 

irifgen kan«. der ist ein vprdortwu man" '). Die Schmeichler, 

iiit ..Pll«iinn.-D*1rfiftnfr, Ohrpukrawer. Olireiijiick<!r, l'laceu tierer, 

Leisetrciter' ') werden überall beu-irlet und gcWirl. Heftig 

maai «endet sicli Ktiode ge^en din „KoIiiTtrediger'^, vrie er 

mit etn^r liitixa<rlieu Wendung die MtrelM>rhsft nach den Vor- 

gtaetzten scliivIcDden Pustoren nennt. Man Achmeictielt oft 

„TBlh einer Alalilzeit oder Suppen willen"*). t)ic „Afl'enart" 

itr Menschen ist »a, die hier xum Diirubhructi kommt. Ttiauf- 

Wlsam ist der Vprf«ll der Welt: ,,vnser Eltern sind erger 

(Rvesen denn Toserc ßrosTetei', »o sind wir erger den vnsere 

Btirn Tnd Ias.<ien Kinder hinter tu», dio ergor denn vrir sind". 

Die Svliildernug du» LSchnieirh!ern xar' i£o)[r|v hat noch 

acht die Frische und den Humor der 1 )aT^>t«linng de» Ncid- 

hird, aber hier sind doch die besten Purtien der Schrift xu 

feiihn. Der Schmeichler „stellet sich freundlich, es ist nur 

üeochelej, sein weinen tat ein Orocodil weinen, Ka wachsen 

JB die Wort »iinr der Zungen, rud nicht im Hertzen'' *). ,,Weiin 

tr Schmeichler mit dir wandelt, w lobt er deinen gang. 

btne Kleiduni;, deine Ausrede""). & ist wie ein Hund, 

^ ent mit dem ISrhwauK wedelt und na^-liher „binderwUrto 

«nd beimlicJien" *) beissl; er ist oiu 8corpion, ein P^ichs, «iu 

..»olpepolirter Spiegel" ^. „Es seind die Schmaicliler' — so 

DetDl« später Ae^idiuii Albertinus") — „vemiunibte Teufel 

in meuHchlicher (4estuU, dann weil die Teufel wiiueu, dn»i 

Bau «ich vor jnen in menschlicher Gestalt eutaetzet vnd 

fiircbtct, so reden nie durch die ßeelalt md Person der 

8cbmAichlem". 

Ein ganzes Kapitel*) iuhrt den im AufaJig ocbou betonten 
L nlerschied von Preiindschaft und Schmeichelei langweilig 
dnrcb, und Wnninn^en, Drohungen. IJatsi^Uläge ohne Ende 
ßhrm den tichlie»«licb nnertrügücben Traktat zu Ende. 

») C««. •) C^ •)D^ •)Ü«'. ») E.. •) F». 'JG.. 

*l Nam-nhAlz vd. B. t. Lilicacran (Kunchner X*l.-Litl.S«) fi.t7. 

•iC-p. V. 0,'-0,. 



64 



OSBORN 



15» 



(■'eycrtibend nnhm dies Sltere Ruch Rbotlea, wohl inil 
Bedacht, nicht uuf, sotKltni wtztv diißir nu seine tJU'Ue Jud 
weh b«isseren .Schmeichelteuffcl" ') von Hormann 
Hpinrirh Frey hinb-r den Neidteufel. Der Verfasser i*t 
der beknuiit« thoolo^Lichi' Zoologe, der.Viitor de«) „Biblisohiii 
Tier-Buch" ; er ist der Sohn des in Würllrniberf! vou Aiib«|iniiii 
flei' Roforroation eifrig flkr deii IVoteBtantismus thütiften Jakob 
Krey. Er wnr IMö im Oorfc Dürronent* gclwreu. wurd 1575 
Pfarrer zu Oberesebiif^eti und Hpüter Superin teodeut in Hchweiu' 
fttrt, wo er 1SD9 starb. Neben setner biblische» Zoologie 
und einiijtcii honiiletisrhcn Si^hriften iiiteressi^'i-eii uns bipr »or 
alli'm »cini- ü didaktischen Jiiichcr, die ihn mit der Narren* 
und der Teufel litteratur in Verbindiinf{ bringen. Der erste» 
Gruppe gehörte eine 8chrift an mit dem HaiiR Sat'h.'tii^hen 
*ntel „OcIt.Nftrr mit seinen sieben füniehuwl^n tbünchten 
Gigeuschuften . . .*', Und sein Schmeicheltenfel verschaffte^ 
ihm einen Platz im S. Bande des Thestrum von 1688. ^H 

JVey wfiidel «ich hier hHiiptsncliIich f^^en sein« vo^ 
diesem Tenfel beeessenen (.'oUegen. gefien die «Schmeichel- 
prediger", die „vmb »cbencke, gunst. oder forest willen' 
allerle) Sünden naclwehcn , vertii«cln-ii und nicht gobübrend 
bestrafen *). die auf die Herren scliimpfen. um den l'Öbel la 
„kUtKeln" oder den Pi>)>el schelten, um dem Herrn Mi iJienst 
zu »ein •). langatmig «iril iiachgi'wiftsen, wie solche JVediger 
ge^-n die beiden Tafeln der 10 Uebote treveln, wie sie ia 
HDianieluckistrher Weise den Menschen statt Hott dienen** *). 



*) Do» M Ein knrtm EiuBUtige Erklärang Wm di« PlaoenU 

Prediger, So den olnohwcbeitd«!!, mit all«r mncbt fwicreailen LMlem, 
nicht mtl HL-bürendiMn Kni«t vnd Prie(t«rlicliein £ifTcr iH.'givaea, wehren 
Tn<l ■t4-irrRn, Tür •chrei'k liebe Sund wider Oolt, drn Kncbrtcn m<l Bt'h 
iclb* befcrben. .\u(:l> vmhcr «dIcImt Hsnolwlgeict ••>in«n vnpninc DCiniAe. 
AoM Gott«! Wort vnil ntlicber Hnchf^ehrt«D. Alten vnd Neuwcn KircWn- 
Idirer SchrifR^iit xntamint'u kcz«^^ vud bL^Buliriebeii. Durcb U. Bern. 
Heinr. Frey, Pfarrbemi xa Sühweinfurl iu Fmnken". D»t Bucli, dui ich 
nur im Theslr. Dmb. C" 101—119 finde. i>t weder ADB 7,859 {(kmi) 
noek Tun Ooedeke crwiihnt. 

') eil lOl'b. ») los». ') lOa'b. 



1«0 



SÜNDEN DSD LASTEH. 



65 



[>M wil«1n. RCiiii)4!t9iicbt%e. vt^rlniuki'uo. Iralitcrischc Leben der 
J*S«ttntrnpr(Nli^iT-', ihn- Hutraucbt uud Verlopfiiheit wird in 
riirtiriiem Zom breit Rpscliildert. De» .Iiidiia Verrätwei uird 
nutirlirb als Beispiel binterliatigi'j- Stbiin'iflieU-i forlw ahn-üd 
(niaiint; »i*' g»b «ucb das Motiv zii d*m TiteUiob!Scb»itt. 

Ein zweiter TeQ vill aicfa mit d^r BesAlireihuag da« 
Sctuoeicbeltcufelfi boschäAi^ii. Es wird , so predig der 
Sd)wvinfiini.T HnperiiilMiideiit, ,,vom gt^muiniii Liutei-tcuffel 
KUngt vnud ■□ dttf Wvlt gebracht*' *). Sein« Gesellen werden 
paäf^: Der Ixrckteiifel nnd der Schreckenteufel, der |je«t«r- 
leofel, d«r Trotiteiifrl und der ..peiiifine Riimpolgoist". der 
«ehticlM» nnd gvisllichfs K«-giinvut diircli(<iuiiDdi.'r wirft. Ab«i- 
Aatl wie Rhode das dankbare Thema nUHZnfllhren. schweift 
?Tvf hU-H ab und »teilt zulet/t in Inngeni Kxknra dio Ptlidit«u 
ik.« IV'digen« dur. Wanien und ätrüfeu ist »u der Ordnung 
in «ber Zeit, wo die Jlenschen vom Evangelium sprechen, 
jfa were est ein Hiatoria von Dietrich von Bern oder üonHt 
OD Stäriciu-'). 

Dem Sduueicbeltenfel vervi-andt ist der Liigenteufel, 

ibr steinen 8chrift«te)ler in M. Conrad Porta fand, dem 

Ailor der „Meidlein^ohul". jeuee allein ittehftnden erfolglosen 

Venmcfaeii, die Schnlkomodie in d)eIliiidc.'hentH.-hul« zu verptlun»»!. 

Porta war tA41 in Ottt^rwick im Pürstentam Ualberetadt 

ftborm, M'hniiuii nach rulk-udotetn Studium den Bakel in 

Bwtock, in Eisicbcn and in der Vaterstadt selbst; 1Ö69 Buden 

vir ihn als Diaconos ati St. }iicolai in ^sieben, wo er aber 

läT'i schon n)>ge8e<7l wurde. Vom folgenden Jahre an jedoch 

iwaiut er rieh b«r«its Pastor an Peter und Paul ebenda, wo 

«rbism seinem Ende, 15Ö5, verblieb ■). Br war im Fkciuni^chen 

Streit ein Qegoer SpangenWrgs'), sonst stets ein felseuft^stur 

|jif' ^r, wie sein ,Pa«lorale Lutheri", das 1552 zuerst 

•f-. L[id bis nav gedruckt wurde, Howie sein« „oratio de 



^) 109«. ») 117*». 

*) BobtdD. ADB. 20,44&. 

•) pMla bat bi ainem Brief Tom 84. Okt. IRTS WiK«n<l. «r toöelitfl 
mg«i) Sp. vorgebeB. d(. LeackTvld. Hiiioria B]Muit[eiil>LTgui»is S. 48f. 

6 




66 

asddaa lectione opemm Lntiliad'', die bis 1706 au 
inirde, beweäsen*). In die Didaktik gehört sedii ..Junkern? 
Spiegel" nnd sein „Lügen vnd Listerteuffel" (1581j '^l. 

Dies Buch trägt seinen Titd ed^eotlifb nicht ganz mit 
Bacht; denn ea handelt weniger TOni Lügen ab vom Yer- 
leumdeo nnd bebandelt Umliohe i^ageu wie im gleichen Jahre 
Bhode, ohne dessen lebendige Danteihtng zu erreichen. P, 
macht sich die Mühe, die HlbstrerstäDdlichaten Diug^ mit 
einem nngehenren Äppixat ron Belegen umständlich zu 
beweisen. Von wirklichen Intetoan in dem umfangreichen 
Traktat ist nur sehr wenig. So etwa die Ausfälle gegen 
„ehrenräbrige G^mfilde, lieder, Gbtichte, Famosslibell, Pas- 
quillen" *), wobei er sich auf das im Speyerer R^ichatag»- 
absdued TOn 1570 emeate strenge Verbot solcher „Schand- 
schriften" bezieht *). ^ 

Den Weibern ist er sehr zugethan, tmd niohta ist ihm 
mehr zuwider als misogyne Ausspruche. Darum stimmt w 
freudig zu, wenn Martin Luther in seiner Vorrede za Johann 
Freders „Dialogus, dem Ehestand zu Ehren geschrieben", der 
sich g^en Sebastian Francks weiberfeindliche Sprichwörter 
richtet, jenen lobt') und diesen in den allergrobaten ihm zur 
Verfügung stehenden Schimpfwörtern herunter macht. Mit 
Behagen druckt Porta Luthers Wort« ab, wenn dieser so 
grohianisch und drastisch wie nur möghch die widerlichsten 
Schmutzöiegen beschreibt und dann fortiahrt : ,yJa eben eine 
solche Hammel ist dieser Sebastian Francke'' *). Mit Luther 
tobt er gegen Franckes dem Horaz nachgebildetes, witciges 
Wort: „Lesche das Lieht auss. so sind alle Weiber gleich". 

Stets schhesst sich Porta an ältere Schriften an ; aus des 
LudovicuB RabuB Fredigt „wider die neun fUmembste Hänpt- 

■) Zedier, UniT.-Lesik. 2B, Sp. 16S0. 

*) „ . . . Hit seinen Natürlichen Fftrbeo vnd Eygenschafften. Allen 
Gifitigen, VerUpten Zuugeo, Ehrendieben, vnd Verleumdern, cur Ver- 
mahDung vnd Warnung abgemohlet, vnd beeohrieben dnroh U. Gonradnm 
Portom, Ffftirberm zu S. Feter vnd Faal in Eiwleben". Gtoedeke 
S. 488. No. 89. Im TbeBtr. Diabol. C" 136*-- 168 all No. 9. 

») 187 Iff. •) I64'h-166«. "jBrl. AuBg.63,884ff. •) li6»i»— 146». 



les 



8ÜNi>BN UND LASTEU. 



67 



butvr" niiimit er eine BeechrBibtiDg des HauptlUgeiiw^rkz«ugeB, 

da Zun;;«: mit Auj^uatinu» u>ilt vr «lic nicuduciii üi o&iciosu, 

peruiriosu, ioeo^» und vertoidigt Ix'SundiTs dl« ßerecbtiguog 

ier IcbEk-iTti, div er vunii^bmlicli iu den Fabeln und Märobeo 

findet, so <las3 er beiqiielsweiae die Ae»opii>d)eii Kab«ln als 

(io „alberes Kinderbuch'' bezeichnet« ohne doch ihro lA>bens- 

wodieit, dii< »uch LutLur geruhiDt batto. ganz zu verkennen. 

Kbe Vorrede Ton 2i> Seilen, die weitlsutiR eine Schilderung 

TOB der verderblichen Tbätigkeit der Znuge eiilwirn, geht in 

in Original ausgäbe dem Trakut voraus; sie ist nach dem 

Hüter des itticbra ,,IX> lingua" von Brasmuti (;•. unten : Flnch- 

Ifafel} Terfa&at, das fiir die didaktischen Schriften gegen die 

iJtge viclfncb anre^nd wirkte. Im Anschbitts daran hatte 

^ispieln'eiBe such Csqiar Uubcrinus, dur Freund Luthera, 

153] eine kleine Schrift ,.Vou losen falschen xungen" ') heraus- 

(Itsctwa, in der bereit» der Teufel al» der Antreiber zu Jjug und 

Tnig imftritl *). Auch der Weissen iiergcr I'rcdijior JohiiuneB 

PoUicariiis ricJitete sich in seinem uuifangreicberen Buch „Von 

büM*!! Zungen, wider das veriluchte Teuffliche laater den Ver* 

l^ainden«, LUgcus. Afflcrredcns. etc.'' (L6fi6) nach Eraaniiis; 

luer ist freilieb der ^nfluss der wachsenden TeufelUlteratur 

trlion zn spUren, denn wie der Satan gleich mit in den Titel 

Ml(geDoniDien wurde, spielt er das gaitxe ßncb hindurch Tort- 

vSbnod die Hauptrolle. Zum Titellnide nabin PoUieanue 

die weibliche Figur, die scliou vor Zeiten Hans Sachsens 

Jiiacliml das grcwUch laater, sampi »einen zwölf ejrgen9cltaflt«a" 

•ctunüi-kto: die Verse des Nürnberger Dichters selbst lies» «t 

am E^de »eines Traktates wieder abdrucken*). 

AU eine Hüudo wie Lüge» und Betrtlgen erschienen 
liBt hpT nnd den Seinigeu, wie später dem Pater Abraham 

•)rVet m. kl. 8». — 8. Au«. Awg»!««» 1649 Borl. Kgl. Bibl. Db.7140. 

•> il VU: „(Der Teülfcl . , .) Dw »elb raybpt vand twybl rm on 
■H iB alten miuUq mit Minain Uitigea eiDg»b«n xündot ini*rr bau 

an, mytit vui itua Vaglaalien, v«raabtuag Gottei, mrwtiffilang, 
TaüiiniiiH. rtind xa nndcni grolien Uktern (ab Zorn, Vnkrat^ait, Gcytt, 
Ottck, Zvitra«lii raA Ilader)". 

*> Bert. EgL Bibl. Hb. 7IT0. 



6« OSBORN Wi 

a S«Drta Clara, hekanntbrfa aiicb die peasiinisiiürheii fremtlts- 
stimmuoges. von dmeo kaam etil H«i»ch gaiu und gar vvr- 
scboBt bleibt. Ancb sie ttind Anfechttmgeu des TeofeU ; 
denn Oott will die frOb!u-Ji« Heiterkeit netner («"treuen, uad 
ein guter Lutheraner war zn nnem gcwiMi-n Ma«8 nickt *a%- 
gelaiwenen, sondern still Tenrnüi;t«-Q Frohsinns, der tiieinals von 
ibm wicli, g1«icb»ani verpflichtet *). Alle Stiirnngen dieses 
Normalsntiandes galten als EinwirkoBgen liüllisrher D&moueii, 
und nanehea brachte »ein sieia Horgenvolles, ernstee oder gar 
trnnriges Gesicht auf den ScheiterhAufen. 

Ho kam der „Sorge t e n f el' auf die Bretter des 
Tbeatrum Diabolorum. Sein Darstellerirar Andreas Lang, 
der nl8 Katholik in Eger geboren, xnerst 1561 in Obeninitz 
Prediger h» der Johannefikircbc war, dann, 1566 nach deni 
Interim seines Amtes entaetit. in Kämthen eine Hofprediger- 
stelle erhielt und 11)73 nach Klagenfurl kam, wo er efst 
Viear und bald darauf Paator wurde*). Der Streit um die 
Erbeiinde vertrieb ihn hier u-iedertun und 1577 tinden wir ihn 
ala Pfarrer in WUlfersdorf wieder, wo er 1583 sein wechsd- 
reiches Leben bcsobloss. 

Sein .Sorgeteufel" *) ist ein wahre» Corn;>fndinni der 
PhilisterhüAigkeit. Wenn Ijuther in kräftigen Worten gegen 
dl« „BnndiKOrg" und diejenigen vorging, die in den kieinücjim 
Muhen der Ue»f^'hüfte das <>efiihl für »lies Grosse und Herrliche 
rerloren. wenn er de« vergrUbelten ErwerbsjUgem die geninzelte 
Stirn etwas gewail.ta.ni glättete und ihre Klirke aus der engen 
Stube in die freie Natur lenken wollte, so wird in seines 
Sehülers breitem Traktat eigentlich jedes Streben und jed« 
individHelle Kraflentwicklimg zu den schweren SUnden geworfen, 

■) cf. tulhor E. A. B0,60; 1(1». fi»,3fi5. 

*) af. RntomiuTtd* ForttwtzuDg mi Jjieher. ITl, Sp. 11*9 f. 

') „ . . . IH* i< willer die HeyduiRch« Bauch«orge der Mblwhn 
}{alirun|r achönpr, nltUvr rnd trSatbubar Vnterri«lil, vric «iidi ein jodvr 
in »einem BenifT, aum dvr FruTidentin tdoiI tiültliolien E%«eliung trSrim 
Bol. In diMi'D lelxten, «uliweren vand boten Zeiten, Mthr aStig vnd nntxbeh 
SU Itseii. Durch Ili-rro Andrcum LutDR". Uooleke S. <82. No, 81. 
Im Tb. UiHb, B. Nu. S3. t'ol. SaS'—fteO. — C" No. 18 Fol. 343 <-3T4. 



M SCHEDES r3n> LA$TXS. «9 

*** PSet* der Sfttas eiäien beireib;. Läs£ »ü r»«r i!ii:*r- 
■fcaden z«isdten -Antsof^. der cas toh »ioir besTiiawT#n 
IrWn. imd -Baacfasorp-. die daräWr hisas^f^ht: aber wo 
« die Graue? Deim nkht dm ubr-ririeben*-!: E3ireeir 
•fcr g«r Geiz mtd Hibsaohl bekämpr: er a'JeJE. sondeir. 
pndezn jedes höhere Strebet, soiert t* sjoh nich: immiltel- 
hr nad anedrücUkh auf das Heil der See-le richiet. Wer 
■ Herzen einen Trieb fühlt, emporzukonimen, ein Sehnen 
ttrfi besserer sozialer Siellnne. cach umfassender Bildung. 
«ff, ohne Geld- und Buhmgier. durch rastlosen Fleiss und 
Bennüdliche Thätiskeit immer Grosseres und Tiiohliperes zu 
birt« sich bemüht, dem steht der Teufel nahe. Es ist 
Bint^lich. das konfuse Buch, in dem so vieles in einen Topf 
pvorfeo und durch einander perührt wird, genau nach seiner 
iuseren Kapiteleioteilung zu analysieren. Das wenige 
Gute, das es enthälT. die Verurteilung terdriesslicher Kleiu- 
bimerei und die Ennahnnng. niemals, auch im grCissten 
Fiizluck nicht, den Kopf ganz hängen zu lassen. Terst'li«'indet 
euz unter der langatmigen Darle^'ung selbsuerständliclier 
I>ioge und nelien der Proklanüenmp eines Gott Vertrauens, 
ia? weit entfernt Ton dem Luthersclien Ideal der vita HCtiva 
(«rnahe dem (jiiietismus gleichkommt. Wenn Ijniig sagt. 

I ^r Teuffl (>liige die Menschen mit der ..verzweiffeiten Sorge 
in Xahning" '). ao kami dieser Satz, iu solcher Allgemeinheit 
»asResprocheii. angesichts der soziuleu VerhSltnisse des 16. 
■{ihrhuiiderts schlechthin als eine grosse Tliorheit bezeichnet 

I »erdfn. Müglicb, dass alle diese Eigenschaften der Schrift 

[ ts bewirkteu. dass keine zweite Auflage verlangt wurde, als 
die ernte vergriffen war. so daas der Sorgeteufel zu der kleinen 
Si-haar der liöllischen Gesellen gehurt, die nur ein einziges 

I Mal ans der Offizin eines Druckers in die "Welt hinaua- 

I reschirkt wurden. 

I Offeiihar angeregt von I^ang, schrieb 1585 der Arn- 

itedter Pfarrer Laurentius DrabitiuB seinen ..Herzens- 




70 



trost widfrr den Sorgentenffel*'') .fiiin zwo vntCTscIiied- 
fiebm Fredigt<!ii''. von dcineii die erste iiamentlicb die ..ßsuch- 
flOTg" in d«r Elie behandelt, während die z^^eite an den in 
HatÜi. 16 und Miirc. ti erzühlten Gesclurlileii, wie Jrsiis die 
Eranken heilt und die Hungrifien sättigt, die Gute Gottes 
darlegt 

Die Anregung zu seiner Schrift wiederum nia^ Lang 
dordi den im .lahre vorher, 1572, erschienenen „Melan- 
choliBchen Teufel" tob Simon Musaeus erhalten haben, 
wenn aidi aucli Übereinstimmtiugen im Einzelnen nicht uach- 
weisen laraeu. 

Audi die „Melancholey' war seit Luther unter ilie 
Sünden eingereiht. Im Begiuu des Jahrhunderts hatte sie 
ErasmuB noch in «einem „Enkoniion Moriae"* niit. satiriacher 
Feder verspottet. Er pries die Unwissenheit und ihr angetrabtes 
Glück und stellte ihr gegenüber das ungewisse Streben nach 
Wissen mit den Sorgen und der Verzweiflung, die es mit sich 
bringe, ähnlich spottend, wie um rund 100 Jahre später der 
Leipziger Chr. Bachmann, der in seinem Drama „Melancholicoa" 
eine witzige Charakterstudie gab *). Aber nach Eraamos 
machte sich der grijsste bildende deutsche Künstler des Jahr- 
hunderte, der zugleich überhaupt der grSsste Künstler auf dem 
Gebiete der gesamten Phantasieschöpfung imseres Volkes in 
jener Zeit blieb, Albrecht Dürer, diesen Vorwurf zn eigen. 
Er packte ihn mit tiefem heiligem Ernst an and Terwandette 
in seinem unvergleichlichen Stich, der „Melencolia" (1S19) 
den Weisheitsnarren „in einen Genius, welcher emporfiiq^ 
möchte bis um die Grenzen der fassbaren Welt. Er zeichnet 
eine mächtige Frauengestalt , in deren ganzem Wesen sich 
dae kräftige Streben nach dem Grossen und Erhabenen 
kundgiebt. Er hat aber doch auch die Überzeugung, dass 



') „ . . , Aus der vierden Bitte vnnd vberaus troitreiohen wunder- 
wercke Chriiti, da er mit 7 brodten 4000 Hann BiUR^nomtiieii Veibcr 
vnd Kinder . . . gesettigt". Erfart (UftTtin Wittel) Verlag von Otto von 
RiMwigk. 4». {A.-G,)Berl. Kgl. Bibl. (an)Dp.70O. Fehlt bei Gorfoke. 

*) Scherer ADB I, 768. 



166 



SÜNDEN DNI> LASI'EB. 



71 



diu i^istifcc Ringen dcu Friede« der Se^le Tpntelirf. dio Rnhe 
lies Ijebeos gefährdet, tiefe Schwefumt im (iefol^o tmt" '). 
60 tat seine „Melancholi«" der mstlos«,. stets iinbefriedi^e 
Mrascbi-ngeist, di-r Fiuifit kd (lern (leatäadniii treibt, „dRSS wir 
inchta wisBen köBueii" '). 

FBr di« (irösxe und Brliiibouheit, die tu dieser faui)tiflch«n 
Melttncholi« einer tu qualvollen] Riofiefi um die W'alirlteJt uach 
Erkeiinliiifl dürstenden Slensi-lieuseeie liejet, fifhitv LuIIiit jede 
SjHiiijiihie "f. iJfti- Korschert itnuisin US di-s Uimmelstürniers, 
ibr prkvnuvu will, wu» di« Welt im ioncrsten zusammenhält, nt 
winer Ansfliammp, »elrhe die Well so aniiiniiiit wie «ie ist, 
iMl(>r vielnißhr wie sie Uott geschiiSen hitt, und sich in ihr 
nrvtJit zu tiuden sacht, Tölliß fremd. Dieae Ansclimiiuiß war 
■•bcii<io pesund wie borniert. Dnun jedes darUber hiiinue 
irlwnd« Streben hielt i'v Üuci^tlich tou «eh fem. und er, der 
in dem ßewaltigeu transscendenteJi System des C^riatentums 
lebte und webte, venirteilte da.s Sueben nach den letzten 
•irtindeii der Oiiige als ein» schwere Sünde nud di« Mi-Inndiolie, 
he Verzweiflung, welche fiir den unbefriedigten 8ul^keQdeD 
daraus resultieren rausste, aIs ein Werk des Teufels. 

Gaiir. in HPJiieii t^iMMNlapfon uiHrschiurt ustürlich der 
Schi]d(>rer des ..Slelaueholischen Teufels". Von Albrecht 
IfQrers groaesTti^r Auffafsung ist jede Spur verschnninden. 

Simon MiiRäus wurde i&ä\ hei Kotlbus goboreu. ,,Sinion 

"' < "1. ein anner vVckersmann und Kedwie Neumanuin hatten 

i^hre seine Alttrii mi aeyn", wie ein apKterer Hic^raph 

lieh HuiHlnivkto *). Naclidem er in Frankfurt a. O. studiert, 

ik Witteobei^ den Doktorhut erworben halte, begann er seine 

'I A. SrrinGer Albrrcbt IMivr, Berlin 1693. S. 101- 103. 
>> E. .Schmi>it, Chnrnkti-hitiken S. 7 u. Tbnnmn)!. I)äri-r (1. AafL) 
SI.450. 

■) ef. TiMhrMleii. E. A. 60, 185 (F. 

*) Biegiam. JmXw Ebrbafitt. Prenbyteriologi« »Im ET«uir«ili«litB 
l. Bd Lii-Knit. 1780. 8. IBS fl. — uf. Auwenlem über ihn 
I, Ol (tchitnmclprrnnifr, wo Ate HiiMti|ro liltmtur venctcliiMt ut, 
dip Antnben, <li« Fr«)>cn Thii'nlrDm riror. cniditiono HOgulBri 
chmni (I'^P) S- 3*8 aber ihn vorbringt, Tfrwirrt rind. 




OäBOBN* 



tastloM Wiiodenchafl durch lientachland. An atlen Ortftn 
tagt begegnet er uda. in Hrealaii. in (rothn. in Kisfeld, in Jena, 
in Bremen, iu Sohwcrui : \>n\d finden wir ihn in l^lera, hald 
üt Tbom, bald in Cobnrs, dann wieder in Soeet. Nirgendwo 
bSlt er länger aus als 3 Jährte, und ala er endlich IS76 die 
SuperiutendenteDateUe in MHn!ff«ld erluillen, die bis dahin 
Cf mcua Hpuugenherg innegehabt hatt« — es war das 14. Amt, 
das er bekteidetej — starb er schon 11 Wochen darauf, hn 
.Juli 1576. Muitaen!) stand in Verbiodiiitg mit den ersteo 
th4.-olügiiich«u Kreisen Ueutscblandd ; Tik-miui Hcmhusias w«r 
sein ScJiirieRerBolm, mit SJelanchtboo war er eng befreundet : 
er nahm reg»ten Anteil an den Streitigkeiten der Zeit, im 
Augiml 1560 «eben wir ihn als Priütidviiten tu der Wejntiirer 
Dis{>uta]t zwischen Matthias Flacius und Vivtorinua tjtrigel. 
Er selbst stand auf Strigels Seite und gab 1561 eine ...Senientia 
de peccatu origini.'^ ijiiod iion sit äubstuutiR'* herau». 

Der ..melaucbolischo Teufel"*) des weit Umlier- 
getriebeuen iteigt im Stil eme erfreuliche Friaehe und 
Ijeb«udigkeil. 

Dkl anderen Teufel, so meint er im Aosrliluss an 
die aJte Teilung, seien alle scliwurKe Dämonen, der et'iuu 
aber ein hinterlistiger weisser Satan. Nicht Übel schildert 
er die „schund liehe Melanchole}", wie sie „vertreibet den 



') „Uvlanuhu lischer Teufel, Xiitzllolier bericht Tud tieilMuer Rsili. 
gegrrünJt am Ootle» Wort vik mau alle Helauchuli«ulit> Teutnbcfce 
guilonken, von sieb treiben aoU, Ituondcrheit allen .SehwermötigL-n Hertaen 
tum Mmlerlichva Trost gestcllct. Durch Simooem Uuhüuh, der IicÜigcn 
Sohrifl dootnr". Tlum in dex Ncuinnrlc (Ulirittoph Uiuigiiii) I&79. Vor- 
rcdi' von 1669. — Der vorUndertc 'l^itcl einer ipätercn nai^h Uns. Tode 
veraottallctiin Auflage hat Ooodck«* II, 483 No. 19 vcranlaut, riunn 
neiMn Teiüol>tr«kt«t amnitct^uiD, der i:a *triiicli«D iirt : „Spckalatioi)ii>-licr 
TculTnl, darin bniUnmor Hcricht vnd That nu« Mottca Wort niMrami'ii 
g;Rfaii*t vad ecioKRn, womit mnn die JtlcInnclioliKhc Tcufünlitch« gclflnlLcn 
von neb trelban wl, Allan bekUmmcrWn Tnd wliwcnnlltiinin HcrlMTn 
m Traut durch I>. .Sim, lluan«nm 8elig bei>c.liriel>«n. IB79, Zu Jtagde- 
burgk drucku Andreas Griieii. In V«r]eguug Syiuou Hüten". Im l'beaAr 
Diitbol. BfiCO'-HS; dt ulsSpekulatiiiniaoher TeufrellS^'—ISe, 
als UelanohoL. T. S7«-&eO'. 



168 



SÜNDEN VÜD l^fflEK. 



73 



B- Geial Ttuid ladet isu gast den btinen (leiitt, der macht 
dna aiu» vuaer 8eet vnd T^eih ein Iniil^r KutiiorliHii«^. od«r 
tin Tng«stiiui Mi-«r, diiss Air vud für aulT vnd uider gebet, 
bniiset vond «liäumet mit sorgen, grillen, biunnielR md taube» 
ilurch oriiiniid<>r, da jrauier «in fcedanck den anderu treibt, 
raiid «in« Viirube die «uder jiig«! vund »ohlSget" '). Ein 
Abfall von ü!«tt ist es, wenn «ir, nie Fanst, nach den causae 
primae suchen, «nd Verlust unseres Seelenheils die Folge; 
}\, MtuaeuH ^(»riclit geradezu von einer „E^)ikuri»chüD Tniwrig- 
IwiV'l') Cnd gegen diese AnfecJitungen des Teufels empHehlt 
BT neben dem Gebet »nd dem inni;een (41aubeu auch die 
^Bwerlicheii Mittel" > IteselUgkeit , eiucu niHSsigou IVunk 
Weines und die Mnaib. auch hier sich eng an Luther an- 
•cfalieasend '). Die (Qualen des T^ehena muss jederrnntin erdtildcn, 
dkl biiMeu Tuge sind iticltt Zeichen göttliclii-u Zonis und 
^ejenigeu am dicksten ins Himmelreich &hren, die am meisten 
bie jbr zBitlid» Helle gehabt" *). Wenn Bs Dir Übel gehet, 
fßo crschrbcke nicht dafür'). «# ist nicht ein Hcnckers Scbwerxlt, 
aoodem nur eine gnädige Vatters Bulite . .'' "). 



'jO'lBO»'. DwuawUlS»'«. ») 188». *) 138*'. •) 185». ») IBS»-. 

*) Die wenig«!) Protwn aua dem Buub dta MuM<rui xeigi-ii iclioD 
rar OenSge. «ir nnberi^cbUgl et ist, wenn v. Ej« odiI Atlilui (Dür«r- 
rttHikn S. 106 fr.) bctwapVm. iImm im IS. .lAlirIiDD<lcrt „nirgümt« von 
irr Mebncltolie mk A'cnwpfflcinii oder WcItu-limeH ili«i Kcde i*t; Ka 
d««rt%«* daciitf diu I>üreT>chR Zait niubt*'; Uclnacbolikcr intca onr 
Mnudbro, w«Ic1mi ,.m«lir ^e[i«>i)i:t zur L«l)r«" •>*»<]. Natürlich inu«t m 
■tie A«ff«Miuig (kd DilrerKliiMi Sttcbei pine falicli« werden. 




3. WlrtshAUfilelKn. 

8Mtft««fel — Spiell«arel — Tatnlenfcl — Flnditeafel — FadtOofeL' 

„Vbbw deadscher Teofel wird ein guter Weinschlaudi 
■OD und muss SaufT heiss«ii". bntte Luther ges:t^t. uud mit 
dnn Kampf gegeu das ..Natiouallaster- der Trunksucht hatte 
Vradeneti 1551 dea Krieg der Pastoren geeen den üaXan 
eigentlich be^iounen. Er fand hier den-Boden bereits geebnet. 
Denn seitdem in der 2. Hälfte des 13. Jahrhuaderte bereits 
der „Weinachwelg" und die „Wiener Meerfahrt" vom AVein 
gesungen und die realistische Darstellung wüster Grelage ver- 
sucht hatten, war allmäMich eine weit verbreitete satiriadie 
Trinklitteratur emporgekommen, an der sidi noch die Epigonen 
der höfischen Dichtung beteiligten, die Braut*) und Marner*) 
in ihre Kreise zog, die im 16. Jahrhundert dann einen gewaltig» 
Aufschwung nahm, in der Schweiz in Niklas Manuel's 
Sohn einen trefflichen Vertreter fand, und schlieealich in 
Fischarts grotesker Trunkenlitanei im 8. Gargantnakapitel 
ihren Höhepunkt erreichte *). Fast ausnahmslos richten sich 
die Verfasser gegen das übermässige Saufen,- aber aie alle 
können doch die Luet nicht verleugnen, die sie empfinden, 
wenn sie lärmende Kneipereien, oft in launigster Weise, 
schildern. Und wenn, was oft geschah, einem Verteidiger des 
Weines und Bieres ein asketischer Trinkerfeind gegenüber 
gestellt wurde, so werden nicht selten die fröhlichen Wort« 
des Bechers auf den Leser tieferen Eindruck gemacht haben, 
als die trockene Nüchternheit des wohlmeinenden Wamers. 
Vielleicht, könnte man hie und da gar meinen, ist dem Ver- 

') NiMTBnBchiff oap. 16. 
*) NBrrenbeBohwörung cap. 18. 

■) A. HaulTen, Viert«]JBhriHchr. f. Litteratargesch. II, 481— 5IB. 
NaohtrSga VI, 174 f., bea. Änm. 31. 



170 WIRTSHAQSLEBEN. 76 

fasser das Lob mehr aus dem Herzen gekommen, -wie die 
Empfehlung der Massigkeit. 

Die Prediger, die schon seit Berthold von Hegensburg ') 
m den Seihen der Kämpfer gegen die Tnmksucht standen, 
waren freilich ernsthafter bemüht, den moralischen Zweck 
äentUch in den Vordergrund zu stellen ; so wurden sie starr 
ond streng und brandmarkten den Weingenuss überhaupt als 
«findige Erdenluat. 

Friederich*) war im Grunde des Herzens gewiss eben- 
&]ls ein strenger Gegner der Trunksucht, aber auch er schildert 
das wüste Jjeben in den Kneipen, den Hausch und seine Folgen 
Dicht ohne ein gewisses Behagen. Er erzählt selbst mit köst- 



'j cf. BertfaDlda Predigten, her. v. Pfeiffer. Wien 186fl 
8. las. 190. S25. *S*. 436. 

•> „Wider den Saufteufel" Frankfurt 1651. 4». - Frankf. 1566. 4». 
— ^Widder den Sauffteufel, gebessert, vnd an vielen örtern gemehret. 
Item, Ein Sendbrieff de« Hellischen Sathang an die Zutrincker vor 46 Jaren 
MTOr «uigegaugen. Item ein Sendbrieff Mattbaei Friederichs, an die 
füllen Brüder in deutschem Lande". Praakf. a. O. 1557. 4". — Siehe 
Goedeke* 11,460. N. 5. — Ausser den dort genanuten weiteren 
Ausgaben noch: Frankfurt a. O. 1581 (Eichhwn) [Berl. Kf;. Bibl. Db. 8001] 
ond; „Wider den Sanfletiteufrel. Etliche wichtige vraachea, narumb alle 
Menacben sich vor dem SaufTen hüetcn sollen. Item dz das halb vnd 
gtait Sanffen Sünde vnd in Gottes wort verboten sey. Ilem Etliche 
Einreden 8 Seuffer mit jreii verleß«ü(,'en. Durch llattheum Friedrich 
TOB Görlitz". Am Schlusa : „Gedruckt in der Fürstlichen Stadt zu 
Tnssprugg dnrch Rueprechlen Höller in der Holfgassen". o. J. Im 
ToL Kiic. der H unebener Hof- und Staatsbibliothek Hör. I9S. 
Die Torrede ist von 1664 unter/te lehnet, und da der „Sendbrief Schwarzen- 
bergi wie aocb die seit der 3. Ausgabe beigerdgten Anhängsel Friedrichs 
fehlen, so wird die vorliegende Ausgabe, ein Unicum als Druck eines 
Tenfelbnchei in katholischem Gebiet, ein Nachdruck der 9. Auflage (1665) 
•ein. — Schlieistich noch eine Übersetzung ins Schwedische durch Pet. 
tSmon Löfgren. 1664. cf, Otto, Lexikon der seitdem 16. Jahrhundert 
Tcntorbenen und jetzt lebenden Oberlausizi sehen Schriftsteller und Künstler. 
Görlitz 1800. I, 867 un* Unschuld. Nachrichten 1724 S. 938. Im 
The«trnm Diabolornm: No. 10. A, 816—839*. — B, 272— 8B2. — 
CI SSS'— 940*. Teilweise abgedruckt nach d. Ausg. von 1662 in 
ScheiUes KlosUr I, S. 60—92. — Stücke auch bei Ignatz Hub. 
■ieiie S. 7 Antn. 3. 



76 



03BORN 



171 



I 



lieber >rtiivitiit, or lialte »idi ku einem Angriff aoT den Sauf- 
teiifel besonders ^eeif^et ') ..als der icb Torzeileu jm aucb 
^dienet vnij vuter Reinem Fehuliii (als icb hoffe, zu seiuem 
grossen scbadvu) -gelegen bin", and erbneidet «^i^ntlich so 
eeiuer im späteren Alter gest-briebfucn Prwligl von der V*r- 
werflicbkeit de« Trinkens ihre Wirkung selbst ab. 

Aueb Friederieb nwiut, vreuu die Deutschen das Saiüea 
liessen, HO ,jio1ten sie es mit Verstaodt vnd Wilxe vielfn audern 
Nationen zuvor tbnii" *). nnd im Kingan^ reimt er: 

„Du vdlf dviititcbe Nation 

„Die du wärst allvr Land ein Krön 

„So du Toii deinem Süuffen liesat 

„Deius liobi« ein eiid kein Menscb iiidit wllsst'" '). 
— ein Gedanke, den vrir in der ganzen TrinkHlU-rnlnr n 
bri'ilet finden '), So sa^e aiicli Hütten*), als er tbe ^fablroichen 
Tugenden der !>eiitschfii luitV-äblt : „Wo sye die behallen müchteu 
und darbey niicbt«rD k-btüo, wussxt« ich kein nntion (tir 97« 
XU setaea". 

Das Saufen ist von nllen Ijnülem begleitet <s. S. 89 f.). 
Zalilreicbe Beiei>ielv, darunter der seit Seb. Braut (N.-S. c. 16 
od. Karncke 18, 41 f.) nie fehlende Alexander der Urosse, der im 
Trnuk seinen Premid erscbiflgen. l>r!<itatigen diese llehauptUDg. 
Kiiie ergötzlichi' SfhiUU-nmg giebt FriiHlerioh (fol. 27fi) 
von der Zorstorimg, welche die TruDkeuheil an unserer (fecund* 
beit anrichtet, und besonders heftig weudet er sieb, wie alle 
seine Zeitgenosneu seit Übsopoeus") gegen das Laster des 
Zutrinken», dos „halb Tud gantz saufl'ens": ob wir trunken 
wurden oder nicht — die That allein ist sündig (fol. 278J) 
Diese Sitte hatte Ja srlioa lange nicht nur die Didaktiker. 

') B fi>l. 288 «H, 

») 878 «c. 

*} Vgl bhna u. S. a08 u. 

*) Btatfm a. k. O. Im. S. ß08. Stnudi. Am. L d. Alt. 10. 
803 Anni. u. 380. Ro«tl.*. AIIk. BUcli. Biogr. 81, 131 (Sul.ertlinl, 
Aiiuh Kuweniu Vi«rt. V, 176 f. A. Schultz, Dt«cb. Lelwu im 14. u. 15. JK 
<Wi«D 189») S. 67 r. 

*) ed. Boeukia^r 1, 282. *) Haufien a. ■. 0. 




VIKTSH AUSLEBEN. 

rn auch die Obrigkeiten und »ogar Heu Keidii^aj; l>e- 
I I Igt. Die sireugsttTi Verbot« prginßen und die ücliärfsten 
StiBfen wurden feetgesotxt. Wie sehr mitunter uiic-li der 
«ns»lufl iiiitftr der HerrsHmft der BlK-rtrielwuen frenudliflien 
^lUc zu Ividou Italte, ork«imt man am bfatt-n daraus, dans 
üch nanche aus Furcht vor der Verpäichtung, flbennäiisiji; oft 
K«ic)ti:^id ihim xn tnUoseii, dagejw» dmdi i^tTcntlich« Urkunden 
m Brbät».-u gnclitvn, in dwion sio erkliü'tvu, ««sei ihrem (rlauben 
oiid ihrer Gesundheit scbädlioh '). 

Eine der n-ititig^teu Schriftcu der ganieu Trinklitteratur, 
des Früiherm *on Schw^rzenberg „Büchlein wider die 
Zntrinker" *) hatte sich auch, wie so Tieie, iiiif eine» jener 
Gesetze gettfltzt, und zwar auf das Edikt ilaximiliaa« toto 
Reichstag zu Trier und Köln 1512, das dem widerspeiiRtiKen 
Adel den Zutritt zum Dienst atn kaii^trlidieii Hof verscliloHS 
SDil den iii«.-dngereu Ständen drohte, iui Füll der THiertretung 
ne „an jren Leiben hürtifilich darumb zu otraffen". Schwarxeu- 
berg flchliesst sich in sein<«ni Ijüchlein an da» alte, zuerst im 
13. Jahrhundert bele^tv Motir der satirischen Tcufelsbriefe 
aa, aiiger^ durch die berühmteste und verhreiletste die«er 
erfaudenen BotRchnneu, die „epistola liuciferi" de» Heinrich 
Ton Lan^oHtein aus dem Jatu*« 1351, welche kurs vorher, 
l&'i7, zum ersten .Male durch einen deutachen Druck (Straaa* 
borg hei U. H(i[>ruit. imgeblich nnob einer ältoreu Pariser 
Ausgabe) weitereu Kreisen bekannt geworden war '). Rr 
erzählt Ton ^ei E>likten, die jenem kaiserlichen folgen. Kurz 
«ird daa erste, eine EiifieUhotscltAft, abgethau ; m werden nur 
dii> alli^uriflcheu Fij^ircu des Titelblattes beschrieben imd die 
anilea moralisierenden Verse von den bösen Folgeu des 



') J. M<iltcr in der KtKbr. f. ilttch. Kall<ir^;«*cb. r. UUlIcr n. 
r«Ur« iaS7 S. T«7 if 

•) Oo«4«k«* II, 8Si. 

') of. Wklteiibaoh, AitBeif« Tdr Kunde der denUcbon Toneit 
ine, Bp. 96 1(.: 1890, »p. S; 168S. 8p. 88S und be». SibtuugofaeridiUi 
der Berlin« Akadmiie d. W. 1893 T. 91— 18». — Dkzn Loren«, 
ÖBtJiiohtjqaolIcii • II, 818. 




78 

TrinkeilB milKeteilt. Dann aber, so erzälilt der Verfasse 
sei nach Schhiss des Keiclistiiges iu Kütn ein Lollisclier l'ost- 
bote eingeritten, schwarz war seine Kleidung. scIiwafz sein 
Boob; eine Weiu Husche truf; er als Büchse Torue um Rodi. 
Und dieser brachte den Ziitrinkern eineii ■.Sendhiieil"'' des 
^tan'^), als dessen „Dyner" hier „Trunckenpelz. FUscheuzapt 
WeiuBchlanch. Rebeiiha peyt ein. Ösaenwcin, Sclilork den 
wein, 8an&us», KrecLv.iu.*eiE. RHilwein. Prasser. Toberer, 
Schlemmer , Spyeler , Rasaler , 'nffel" aufgezählt werden. 
ISn prSohtigt'r Titelholzachuitt zeigt die Szene, wie der Oberste 
deff Tanfel aeiin-'m Unt ergebenen das Schreiben übergiebt- 
Dies eelbat ist wie seine Vorlage ne Parodie der kaiserlichen 
iEdikte; es beginnt „Wir öborstm Fürst, Kegierer vud Stände 
desB hellischeu Keichs, Entbieten allen vnd jeden vnseru vnd 
vnaers H«ichE; liebsten Getreuweu, die noch leiblich autT E^deu 
leben . , , mser Freundtachafft, Gnad md alles Ghits, damit 
wir vnsere äeissige Diener begaben, zuvor" *), Und am Schlnss 



■) Auch andere Dinge wurden ähnlich icbenhafl patbetüolt in 
„Sendbriefen" bebandelt. Aus den SOer Jahren dea Jahrhnnderti stuaint 
beispielaweiee ein fliegende» Biatt, ein SchnUbrief gegen daa Necken, du 
„Tezieren'' im geaellBchaftlichea Verkehr. Er begann: „Wir die allAT 
gew«Itigiat«n Tnd beriimbteaten Herrn, Bath vod Burger de* mfletigsn 
Geriobts von Orient bin zu Nidergang der Sonnen von Hittag bist nach 
Uitternacbt vnd zu allen Zeiten Sammer vnd winter tnebrer des rnoh« 
in Bohlanrafieu, Caoedoniea vnd schlampampen vnd Nanagonia etc."; et 
droht den „Vexierem" mit achweren Strafen und sohliewt ngeben ia 
vnser Stad Narrago in Ciribiria gelegen auf dem schnaderberg myt 
TnBerem anffgetruckten Secret den 49. trunoken Tnaen Segymenta am 
86. Tag Weyumonetts Ewysohend Phynsten vnnd Ealyngen". Daa ^tioS- 
getruokte Seoret" dieses gleich dem Schwaraenbeig'aohen den kaiaarliQlMn 
Edikten humoristisch nachgebildeten Schreibens (BarUoh, Peintr.-grav. 7, 
N. 134), ein kreisrunder kleiner Hokschuitt in der Orösse eines Siegels 
ist keinem geringeren als Albr, Dürer mgeschrieben worden. Wenn dies 
der Fall ist, so könnt« der ganze Sohutzbrief eine bewnsste Nachahmung 
nnaeres Sendbriefes sein, dessen Verfasser ja von Dürer in einem Holi- 
schnitte porträtiert worde (Bartsch 167). 

*) cf. Anz. f. K. d. dtsch. Vorz. 1883, 336 nach Cod. laL Uanac. 89801 : 
„Beelzebub prinoeps Daemouioram cnm satellitibns suia . . . snia amida 
tartareas salutes et inviolate societstis federa". 



n "WIRTSHäUSLEBEN. 79 

hat ea „X>atnxn in rersaiiileteio Raht, vDter vnserm auff- 
ptridrtcn grossen Flaschen Sigill '). Am ersteii Tag dess 
läuiKHiats nacli vehnmg ynsers Reiclie im jare 7710". Die 
UÜKiw Uajestät ermaluit ihre Getreueo, nicht abzulassen 
m Saufen nnd vom Zutrinken; sie ist erbost Über die 
liBgkeitsgesellBchaften *), die sich iu Schwaben, Franken, 
%crn und den obem Rheiolanden gebildet haben, hofft aber, 
itt des Kaisers Befehl schliesslich ebenso wie die frühereu 
dl Dur zum Gespött werden soll. Eine treffliche, ungemein 
hmorroUe „Instruction, was die geübten Zutrinker von den 
&bden der bellen zn handeln in Befelch haben", giebt eiae 
inaoe Anweisung, alle Berufs- und Altersklassen zum zutrinken 
a lerfohren. Der Satan verspricht den Seinigen Kraft und 
licht zu Terleihen „viel Tumenschlicher Wunderwerk zu thun", 
■d er zählt dann witzig solche „Wunderwerk'' auf: „So 
Hebet die Tmnkeuhej't die Geraden lahm vad die Lahmen 
fingen vnd tanzen . ., die Alten werden zu Kindern, die 
Zhihtigen vnverschämpt, die Stillen schreyend , ., die Heym- 
brhkeit wird offenbar, die Nacht wird gebraucht für den Tag 
«ad «iderunib der Tag für die Nacht, die stillstehenden Brktter 
nd Häuser laufen vmb vnd eines wirdt geachtet für zwei, 
(ieistlicbe werden Fleischlich . ., die Menschen zu Thieren". 
Die köstliche Schrift erschien anonym noch im Jahre 
in Heichstags, 151Ü. und die Satire auf die kaiserliche Ver- 
ordnuDg wurde ein Lieblingsbuch des sonst in der neueren 
dtntscheu Tjitteratur nicht allzu belesenen Kaisers Maximilian^). 

') cf. Anz. f. K. il. dtsch. Vorz. 18t>8 Sp. 39 nach eioer Münchener 
Bdfchr. (1576) Fol. 178 „ . . . aub noetri t«rri1)iliB Signeti charactere". 

*) Der ältesl« dieser Hüflsit^kei tsverei Tie war die 1617 K'egrÜDdete 
ChratOph-OmellKhaft, welche ihr Programm in 19 Artikeln zusammen- 
hate. cf. Chr. t. StramberK in d. Ztechr. für dtach. Knltur^'etch. von 
XäUer und Falke 1S66. S. 394 f1'., vo eich auch ein Abdruck der 
Artikel befindet 

■) cf. Brunnenmcialcr, die ({uelteD der Bambergensis (Lpiig. 1671) 
ä 5§ Adid. 2. Vorrede SchwarzeDlwrg-B zu deu Ofticien. Er habe auch 
^a B^hlmn gcachrieben vom Zutrinke», welche» Kalter Haximilian 
Mb wohl gefallen". 




Phnr «ie norh Ifi8-I niitpr Sohwarzenberga voUem Ni 
g«dnid(t wurde, «-igi. du»» sie keii)«sw«gs so tmcIi vendionai 
wir, wie man nacb Friederich gUnben möchte, der sie von 
der 3. Aiiflapp (1557) an seinem ,.Saoft««frl" beifÖRt«' nnd sich 
g«wi8g«crnittMS«ii »h ihren Entdecker nuHgab. Sicherlich kannte 
er anch das Uni-h scliou früher und hat sich durch die Ver- 
bindiinfr de» Trink lanteni mit dem Satan beeinflussen lassen; 
dnss er e« erst Jetxi »hdrurJcte, ge^tdiali wohl deeshaJb. weil er 
sich Torhcr die Sulhstäudi^keit der Ertiudung de« .,Siiuft4.tuf&l8'' 
wahren, nnn aber seine trockenen Äusfuhningen mit Scbwarzeu- 
berpf Wit:^ neu vruri^en wollte. (■> nalmi dun Itiichleiii im 
ganzen imreräudert auf, strich nur einzelu« Verse unter deo 
Bildern, die ohne diese unrerständlicb waren, und nahm einige 
UmslcIliiiiKen vor, wobei er die rnpesdiirklichkeit beging, de» 
Engelbriel' hinter die TcufoiHhotschuft ;tu slelleu und so die 
Steigerung, die Schw, durch seine Anordnung erreicht hatte, 
mutwillig KH Kerstöreu. 

Dies«r Fohlur wurde nur nocii «cblimmer, wenn Pricderich 
nnn noch einen „Sendbrief an die rollen Bruder" hinzufügte, 
in dem er g«g<m grosse Trinkgefässe, gegen nächtliche 
Knetpervtcn, gegen die an mauchen Orten gegründeten 
„Saufforden" — besser „Sauorden" zu nennen — wotterl 
Den Schluss macht ein schwungloses Lied. Bin grotesker 
Holzschnitt, der eine von grinsenden Teufeln geleitete wilüte 
Kneipiuiene in denkbar unflätigster Weise darstellt, schmiiokt 
das Ganze'); das rohe Motiv des bezecliten Gesellen, der 
unter den Tisch speit, erhielt sich noch lange auf den Titel- 
ilhiätrationeu, uud noch 1726 ziert ein zu solchen Zwecken 
bestimmtes Gefäss das erste Blatt in des Leipzigers Chr JetJan 
F. Henrici (Picander) Schauspiel „Der Brtzaäufer'. ^^H 

Unmittelbar vom Saufteuftl oder vielmehr ton Schwarze»- 
berg'8 „Scndbrieff" abhängig ist Eustachins Schildo, 
erst Kantor su Kirchhain in der Kiederlausitz. dann in 



■) Der HoUschDitt mit dem Titel nl v»ah dorn £ic1ihoniMb«o 
Druck von l$S7 reprodnciert in Stwike'i itliulriert«r tleutidier GmcL ü. 
nrisch«& S. l&i u. 1«I. 



Ol -WIBTSRAÜSLEBEN. gl 

Ui^ HO er am Martinstage 1657 die Vorrede zu seinem 
^tlteafel'* *) unterzeiclmete -). 

Schon bei Schvarzenberg fanden wir unter Lucifers 
hsm auch „Spyeler" tmd .passier"; in Bertiard Klinglers 
.liehlein vom Spiel" (1630, Goedeke, G-engenbacb S. 373—84) 

I Um das 1. Kapitel: „Wie der Teufel das Würffelspiel 
rfuht bat*', das S. : „Wie man die Btrafft die da volgen 
lüTeufels leer*-; Gervinne erzählt C^ III, äO) von einigen noch 
hberen Handacbriften '), in denen auch dem tjatan das Vr- 
khorecht des Spiele zuerkannt wird; und der HöUenftirBt 
And Dach dem allgemeinen Volksglauben dem Glücksspiel 
Kothe, dass er sogar in Hexenaktan den Kamen „Scbenzerlein" 
inm ^^schattzen" = würfeln) trägt *). Scbildo kämpft gegen die 
(ädcD Schlemmer, deren Gesang ist") „ede, bibe, lüde, post 
■ortem noUa roluptas"*). Ihr Abgott ist der ,,epikuri8cbe 
inffel*' und dessen Gesellen, unter denen sich auch der Spiel- 
tttfel befindet. Ganz wie Scbwarzenberg wählte Scbildo die 
Ftrm eines satiriscben Sendbriefes, den diesmal nicht Satan 

') „Spiltenfel. Eiu gemeyn ÄuiBSchreilien von der Spiler Bruder- 
•daft Tnd Orden, Bkmpt iren Schriften, gneteu Wercken vnnd ablaM. 
]Iii einfir knrteen sngelien^n erktäning nützlich vnnd lustig eu leaen. 
^•irockt zu Frankfurt an der Oder durch Johann Eychom Anno 1B57" 
'Berl. KfcL Bibl. Db S002). Diese erste Ausgabe feliU bei Goedeke, der 
Cmudr. II, 481 unter N. 16 die Boderii Auflagen kufxiihlt. Dazu noch 
ht AoBK>be Urxel IMI (Berl. Kt;l. fiibl. Db 8015). — Im Theatr. Diabol. 
So. 18 A 506«— 515; B 435-448; C« (So. 18) 284*— 270«. — In 
licbeiblea Klcater I, 54 fT. ist der „Spitteufel" räleuhlinh Andreas HuscuIub 
üfeMsfariebeii. Danach hielt auch Ignatz Hub (s. o. S. 7) den „Spilt." 
Jär ein Werk Musculus', obwohl er selbst S. 591 abdruckt: „Spilt«ufel 
larcb Enatochium Schildo". 

') Ro«the ADB 81,309. 

*) £r nennt vine Weimarer von 1475 „Von Uom Würfel", eine 
tndere von 1489 „Wie der WüHTul auf ist kommen". 
') örimni, Myth.ilogie* U, 481. 
•) V'Jirede. 

*) Diese Erwähnung des „reyen" ist /u Hauffen Viert, für Litt. 
lt«*L'b. VI, 169 nachzutragen, l'ber die sintere Überlieferung des be- 
kannteD Befrains seit 1720 cf. Max Friudländer, historisch - kritisches 
CWniersbucb (Berlin 1892J S. 161. 

d 



83 



OSBOBX 



177 



■jUat^ sondorD die Spieler iin Namen ihres Tt-ufels Ausgehen 
Immd: „Wir SpitzbuWn Dopler und alle Spielbriider. sumpt 
vQsvm treuwt^n Gefaülffiin, de» Karten inahieni, WüHfeUchnitzt^rc 
vnd deu Eunittrvichi.-ii MuibUtii «lus Schachs, BriitopieU md 
andrer Instrument, darauf mau spielet..*', so heginnt er. Eb 
ist eio Spiclurorden, der hier sein Edikt ergehen lässt, nod 
der mit komischetn Ordenshewiisstsuiu stoU die TlUiltgkoit 
der Mit^Ueder, wie Spieleß, Fluchen, Verschweiideti, LUgea, 
Betrügen, Kaufen und Schlagen, rühmend »childert. Hatte 
Friederioh deu Einwand der äüufer, das« man durch das 
Trinken doch wenigstens in der Zeit des Zechens selbst den 
^)iele fem bleibe, vorgebracht, so erklärten Schildo'e Orden»- 
briider, sie sfueltoD nicht „vwb kurtzweil willen", mndero 
,.dass wir vub (U-ss Sanffeiis enthalten". BumuristiHoh wird 
dann, auch ähnlich wie hei Friederich, die ]Jiener&chal> des 
Spielteufels vorgeführt*): Der „Vnrüwige Teaffd", der die 
Leute ins Wirtshaus treibt, die beiden „ProviantmciEter", 
der Fressteufel und dor Saufteufel, der „BoSBenreisser-" und 
„Lachteufel'', der ..Sauerteuffel". der uns heim Veriieren eiD 
wilt«udes Gmicht macliuu lässt, der „Litst»rt«ufcl, Haderl^ufel, 
Schweroteufol'S mit dem „Nachtteufel**, der uns die Nächte 
durchxpielen heisst, und der Liigenteufel, zn guter letzt noch 
der „gmbe Unflat", wie mit einem grobiani&chen Lieblings* 
wort*) der „Mordteufel" genannt wird. 

Dem flotten SUnderbrief folgt eine langatmige Ausein- 
andersetzung Über die Sündhaftigkeit und die «chidliclK« 
Folgen des Spiels. Wie Priedericli mit seinem Teufel genauere 
Bekanntschaft gemacht hatte, so giebt dies auch Schild» reuif 
zn. Daher die treffliche Kenntnis von seineji grüulichua 
Eigenschaften. Nicht ohne QeschickUchkeit ttcliüdert er diA 
Aufregungen de« Spiels, erzählt er von gewerhamSaaigflo 
Bütrügeni. Jedes Spiel wirft er zn den SUnden, nur das 
Schach und einige Brettiipiele finden Q-nade Tor seinen Äugen. 
Aber schon die 4 Farben der Karten, die ihm als Sinnbilder 

>} Fo). 486—86. 

*) er. Stmucbs Btxtfiilivii vou HaudViu ,C«apar Scheit" AfilA ie,STS, 




WTRTSHAÜSLEBES. 



der 4 I^einonte orscheiDeo, denh't er auf drohendes Verderb«» : 

Bot, <liti Ulatfarb«, ist wässeriger Art und erinnert an di« 

Schlägereien um Spieltisch, wo oft ,,die rohtv Wiirtx vber die 

hackf-n lüafTi't^; Orüii, diu Wüldfarb«, windiger Art, h«11 zeiguD, 

wie die Spieler vom Gluck herumgetrieben werden, den ßlätteni 

der Bäutue gleich, wenn der Sturm in sie hineinflihrt; die 

gelbe feurige SchetleDfArb« ist ein Symbol des „geblichen" 

Zorns d*r HpicU-r und dcubtt zuglvicb auf die Narrenkappe, 

die sie verdienen; die ..Eychelfarb ist Erdiger Art" und legt 

den Ver(;Ieich mit den eichelverzebrenden Schweinen nahe. 

Wie HiinK Sai'bs in seinem bekannten Pastnacbtsspiel 

Spieler, Trinker und Bubler als Brüder suflreten lasst. so 

küonoD wir hier dem Spiel- und SHufteufcI den Tnniteufol 

iii|>exelleD, der mit ihnen in den WirtsbäuHom sein Wesen 

treibt. Ihn erkor sich der Pfarrer Florian Daule. 

Aoch der Tans war schon lange für weltliche und gütst> 
Udi« Obrigkeit ein Argorujs, das sie durch Einschränkungen 
ood Verbote zu bannen suchte '). Bei der zunehmenden 
Riihbeit wurden sie immer zahlreicher und eindringlicher, 
and schon früh riefen zugleich mit ihnen die litterarischen 
Bdcämpfer des Tanzes den Teufel zu Hilfe, um stärker lu 
wirken •■». Schon Hugo von Trimberg sagte im Renner: 
T. 19469 ff. ..Alsam furout die teufe) gern 

„Swa streit ist, tantz vnd tahcm; 
„Wann sie der sein wartent da 
..Michels mcre dannc ander«wa". 
In der ripäteren Zeit erregten namentlich die „IjOb6> 
tioxe" den Zorn, die, seit 1458 belegt, hauptsächlich in 
Unsaen und Umgegend zu Hause waren % nnd die, wie 
Spmngcnberg *) sie sp«t«r erkiäric, dazu da waren „damit die 



>> BölttM. »mcbiuhU ddi T&iuM in DeutsakUad I. S. UXT. Üb«r 
KaÜiolMclie TaotrcrUiti: er. Omfet Pliili|ipt, Vermitclit« 8«hrift«ii Ell. 
B. <T f. atti data diu Anmcrlcniigcii 8. 4Pfi ff. 

*) cC Alwin Sehulx, häf. Ltbta i. Z. d. Hiaiualiisw I. AtSf. 

•) BHuM, >. a. O. I, IW. 

*) in iler U. Predigt Mtno« ,Elw*picgub' 1&70. 

«• 




I 



TtiiiimlM 

1 



Kinder tob den Nacbbanera geseheu werden. BbcstiftuDge 
J&r m nehmeu". Darum rief im Spiel von Fräu Jutteu LuciF 

„Alle meine liebe helleldnd 

„Die mit mir in der Helle sind 

,Krentzelin vnd Fedderwisch 

„Dazu Nottis ein teufel frisch 

„Ästrott ilglantz 

„Macht .obetantz" — 

Sfanlich wie in einem ma ') der Satan einem dei- 

Verduamteti befalil : "o nygbe reye dichten". Im 

Kurreiuehiff Uess der 1 astian Braut Eeine Stit 

warnend ertiinen : ^^"l-, 

61, 6 ff.: „Aber so ic! 'dar by 

„Wie tautz mit siind entsprungen sy 
„Vnd ich kan mercken vnd betracbt 
„Das es der tu fei hat rffbracbt 
„Da er das gülden kalb erdacht . . . ." 

Und diese Stelle gab neben anderem vielleicht aach die An- 
regung za dem von Bolte (Alemannia 18, 74 S.) mitgeteüteu 
„Lied wider daa Tanzen"^: 

„Der Teaffel hat geschaffen 
„Des tantzes raserey 
„macht dieut zu narren vnd sffeo 
„Da steet manchs gaffen klaffen 
„Manch grosse bnlerey". (8. 89.) 
Anch einen besonderen Namen er£uid man schon in der 
2. Hälfte des 15. Jahrhunderts iUr den Dämon des Tanies: 
„omnes in Chorea" — so heiast es in dem „Liber diacipuli de 
emditione Christi fidelium" *) Bl. 26 * — „sunt in potesto 
diäboly ... Et ille dyabolus vocatnr schickendancz. Jom 

>) Uone II, es. 

*) Aug ndrey newe lieder von gegenwertigen lüttem". 1640. 
Berl. Egl. Bibl. Ye 301. {Das 1. handelt „von Uberflosa des aeMhmncki", 

(las 2. „von allen vollaauferu"). 

') fierl. Kg). Bibl. £o. 4733. 



\ 




180 



WmTSHAL'SLBBEN. 



ar. 



^.Tuboius qui rocatur st-hickcndanCK der Dimpt dich in sin 
pewalt gants". 

und die deutschen Ppiidiger, wie Geiler ron Kaisersberg, 
«ie Jobannes PhuU im ^Scltimpf uud Ernst"*), wie der V«r- 
Uwer der in einer Wiener Handsolirifl de» 15. .iMlirhundvrts 
«rfaalteuen PriMÜf^t „Was schaden tantzen bringt"'), leiteten 
du YÄrwerfliche Vergnügen vom Teufel ber, ebenso wie in 
Frankreich Wilhelm von Lyon den Tani ala einen Zirkel 
imtollte, dessen Mittelpunkt der Teufel ist, der nllc Hildchen 
und WeibiT an seiner linken Hand führt, oder Lambert 
Oanaeos ihn den InhejE^ifT aller Gattungen von Giften nennt, 
die der Tonfei durcheinander gemiKcbt bähe, um die Herzen 
mit scbiitidlicben Lüaten zu entzünden *). Auf Horodiaa nud 
inf den Tanz am das goldene Kalb wird allenthalben warnend 
liDgewiesen. 

Freilich waren sich die Didaktiker des 16. Jahrhunderts 
Bber die Sündhaftigkeit dea Tanzens nicht recht einig. 
Oomelius Agrippa halt« all» Tiinze ausnuhmalos verdammt 
nd sie als Anreizungen zu Lastern aller Art gcbrandniarkt. 
An ihn a4;hIo3& »ich Caspar Oruner an, der 153ß „Ein Bat- 
Khlag wider die gottlosen tentz" herausgab; er zog auch den 
Satan in die Debatte und stellte jcdi's Tanzen als teuflisches 
Laster hin, indem er nur die ausnahm, welche zu Gottes 
Ebre veranstaltet wardeu. Johannes Bösobenstein, der b«- 
rQlunte Hebraist, wetterte auch gegen den goltloeun Tanz, 
a nennt ihn des Teufels Fa^tnachtspiel and gab eine Schrift 
benos mit dem rohen Titel „Ji.iliunnB9schenst«in, Hebravitcher 
i^nogrn Lerer, wünschet allen tantzem vnd tantzcrin, ein scliuell 
nnbkereo am ]{ayen, ein keuchend Hertze, müde fUss, trüb« 
Mogeo, schweysitiges Angesicht, mit viel vnseligen gedanken 



<) Bäbnw I. lOS f. 

*} AUdealwbt- BliU«r von H>u|>r uii4 Huffmaiia S. »3 B. — 
Bück« dantw jaLrt bei V«tt«r. Lehrhaft« Lilter. <!. 14. <i- IIV. Jh. 11. Teil 
{— EOracluien NnLLilt. tS,a) S. 317«. 

■) Böbna S. im Anm. S. 




OSBORS 



vnd Tnru jres gemüts '), Gol bekere sy von jrer thorliäit" *). 
Hit zelittischt-iti Eifer «rklürtc Mckliior Ambaeh zu Frank- 
furt 8;H. i,149ü zu MeioingeD getioreii, wuhrscheitüich 1&59 
in Fr. A/M. f) allen Tanz Rir ,,äiD sch&wspiet der ertzhuren 
fraw Venu« und jrcni son Oupido auffg«ricktet" und fUr utn 
Werk des Teufels (1543)»). Schon 1537, a.h Ambaeh noch 
in Xeckaräteinach bei Heidelberg Prediger war, liatte er aicb 
über dies«: Kragen mit duni Pfarrer .lacob H»tx aus Neuen- 
stadt am Kocher, zu Helmstadt gestritten und war von diesem, 
der Torher iu einer Predigt sich dem Tanzen gegenüber 
weniger oskctinsch verhalten liatte, besiegt worden. Als dann 
1642 diu Kunde sich verbn^itel Imtle, Balx sei erblindet, 
ward Ambach plötzlich wieder mutig und griff zur Feder; 
doch war der alte Gegner noch kräftig genug, am iu einer 
unendlich groben polemischen Schrift im folgenden Jahre tu 
antwortfiu *). Ratz ist ein echter Lutheraner der alten Zeit, 

■) Haa verjtleiclie mit dioaer Zi]8aiiiin«i»itp]lnn^ (V«p*r Sdiejl, 
Lobred« tod w«g«u des H^yeti. H 4^: ,Dit «eind woUmI rotte mmd, 
rotte triefende augvu, blawi- Heuler, kluiiperude Z««d, eritM't« gtid«r — ". 

') Augsbiu-g (HeiiinühSluyiitr) 1533. 6 Bl. 4". — HolaoliniU; 
8 Pfeifer ; Unrendd Pwirc — Bei Goedekc'« Äufioichiiuug von Bo»clieusleiB» 
Schriften. Orundr.» LI, 149 fohlt iiic»cr TnOctBl, — B. mtiul auch: „Drr 
tants ist ein miitter Tnt] iiou^inni<<n Timlb>r«r mfUIe'', tmd in derber 
KftimpKiu beschreibt er die T»n:ienden ; .Diu hat ilii' mein Irjrdcn, m 
Wimen lie liis krefd^n vund iuU«8HIi gegen eiiui'iiler gnoygcn. die Hood 
(Utaiiinien ich«;bon, darauch eiuiiuclt^r uinfulieii, li«y de» Icjhan, ein ander 
Gc^hmuckeii, trutikcn, ja iii di« oreii plaseu, Ol-U wAjest wol wsa, b«adtin 
l(ral;[eii, menglin »ehinaUeii viid aimiinlfr wul fairen". 

*) Amhnrli («iehe ADB I, 888, »0 Briiukn«r) «uhriob auch „EU' 
'rnlclat vom ZiisaufTeu xnd Trookciilieit''. — Dia hier erwäbnt« Sobrift 
iial den Titel; .Vou Tantsen, Vrlhoil, Aiia* heil({pr Schrifll vnd den 
alUn Cliri«! Hüben Lerem gputcllct durch M. Mtikhior Ambnoh . . . ." 
Frkf. a. M. (Hermnnü Oülffrich) 1M3. Berl. Kgl. Bibl. Db 8090. 4". 17 Bl. 

*) »Vom tantzun; cbs Oott vcrpotlon hat. ob» »Und »cj. Vnd 
van aiid«ni erlauptcn karUwailen der Chriat«n als Spiclra, Singen, 
Trinken. Jagen et«. Mit Verlegung dw Palwlien vnd onbeaclwTdcn 
iTt«iU, U. Melchior Ambaofa, Pt«dig«ra ta Prandifiirl. vom Taatxe«, g» 
Klirieben. Durch Jacob Ratz, P&rberr m Netiweiutat am Koober. 1540. 
(Vorrede geschrieben IHi) cf. Unnchnldige Nachricbten 1780. Ö,, 



lea 



WIRTSHADSLEBEN. 



87 



«r tiftt Quch i\ea<\e am friüchcn, l'ruhlicIiL-n Volkalebeo nnd 
io seinem Traktat, der auch von „Sinffen, Tnnken, Spielen, 
Jagen" handelt, sucht er nicht, wie dir späli-i-fu Verfasser 
4b- Teufclbücher in ihrer Starrheit, alle weltUchon Ver- 
pQguag«n b1» süiKlliafl zu vordummen '). Man dürfe nicht 
tcrbtetcn, m rief er zornig, was Gott nicht verholen habe; 
Ambach nennt er einen ^TaDtsnerpiettisch Ueucbel TeufTel" 
■od vrkljlrt, nur was diu Qnnwn der äobicklicbki-it üb«r- 
tteige, tiei terwerfUch. Eben solche Freiheit verlangt er für 
iliu) Volk auch bei anderer Kurtxweil. bei den Spieleu, „es 
tej- tnit karten^ im brult. mit scjiie^son auff der taffei, mit 
kefcdn, mit fccht«a, mit öffentlichen schiesscn, der armbruBt 
nid der hüch&en'' und waa das Trinken anbetrifft, so meinte 
m »leb triock gliern gulten veya vnd danck Qott im Hertzen 
«aoD ich «in (;uttvii truuck Iiab, bin fro, das wir des sawL^ra 
veitu, im -13. jar gewachsen, ab seyu". 

Ähnlich wie Knts dachte Luther ')i auch hier io schroffem 
UcgeosatE zu dum titarreu Calvin; er meinte, wenn man tanze 
,ak ein Kind', so sei es nicht zu verdammen. Aber der 
Zaak dauerte fort und fort. iri94 .sclirieh Johann von Uünater 
n Vortlage uint-n „QulL«vlig(Mi Tnücttit von dorn vogotj^eligeo 
Tautz" '). In dem Kampf zwischen Orthodoxen und Piutititeu 
iiD 17. Jahrhundort wurde um die Zuläsaigkeit der Adiaphora, 
<rie Tuns. Spiel, Theaterbesuch, ge:«tritten, welche jene ftls 
aMitteldinjce" ver(«idigte!i, während die Schule Spouer» sie 
ferwarf; auch A. W. Francke veröffentlicht« 1697 über den 
Tkoz ein« betondere Schrift. Chrtstiaa Weise hatte vorher 
Ol den ^3 Eranarrcu" (IG73) eine I^anze fiir den Tanz ein- 



') BShiDi- liat ilbrigeiu dicw« chorahtrriatiKlieii Streit der P«itorcn 
wie BiaacbB «adero d«r hier ic-napnti'.n ScLriftm nioht erwalint. 

»> Tom. Jon. IV, 132, M8. - V, 871. 8»1. - IV, 2S6. - Erl. 
AtMV- 84, -Wf. — II. 40 

*)«... den TeuFel eh trols ..." — D«r VMfuter beadmibt dwi» 
fiaen gaas cig«atSiul>olMn ,.g«iallicheii gotteelie«D TaaUi", •l«r bei iwlixiäien 
BttTMihlaDgai den UeaMhcn „ankonMl" «ad dun man „bey t>ch innciliali 
Vfr1>-irtirn)>rli«lt*. 31 rrkwÜrdigerwviti: verteidigt er oodi die BereohtigUDir 
llir«M HlUiBicii .TKiiict''. 



S8 



OSBOBX 



1S3 



gelegt Und noch 1719 reichte in Rostock eiu Studiosu» 
thoulogia« JuHtus StatiuB eine Doktorarbeit oiii mit dem Titel: 
„De saltatione Cliristiana. Ob einem Chmten za lantzen 
erlaubet sey" '). 

Florisn Daule, im Jahre 1522 in Neustadt an der 
Pratidnifck in Obfir-Schlesien geboren, war wobi nach dem 
Zusalx „To» Fflrsteaherg", dvu er seinem Nameu beifügte, 
in diesem Ort«, nahe bei Guben, eine Zeit lang Pfarrer'). 
Später linden wir ihn in Schellwalde bei Neustadt, wo er 
1S66 die Vorrede zu seinem im folgenden Jahre zuerst er- 
schienenen „Tantzteufel"') schrieb. Er schildert da« 
Leben in den „Krügen" und „Krätzschemhüiisent". er mall 
mit frischen Farben die ÄUBgelassenlu-it und Unanständigkeit 
der Tnnitenden. das wüste Zechen, das Springen und Toben, 
das Drehen und „Verkördem", das Schreien und .lauclaen 
auf dem Tanzboden. Er nennt dii^ gottlosen Lieder, die da 
gesungen Werden : n^om Waokorin&gdlein. Item: sie sa«s anff 
der Schwelle etc. Pfeiffe noch einmal. Item : rom Schneider 
der den Kittel gemacht die Hosen zerschnitten" (M9c). Die 
Upzncht, die der Taus hervorruft, und ihre Polgen werden 
mit derbem, krtiHgcm Humor vorgefiihrt (221). Und so 
erbittert ist Daul anf die Blindige .Tugend, dass er pBcbwacIi 
vnd kranck vielmal darüber worden", (ibid.). 



') Dio polizciliclien Tanxonlnuug«u xiebMi »ich laugre lilu; itocb 
1707 erschien in R«^D«burg ein» getmu« Vorichrift (ur «Im Benetuivm 
beim Tanx, in der Ix^HOuitcra da« Tftuzen ohne UanU*! 4tn»ig verbotet. 
vru^d<^. — AJt ein Auiiäufer d<>r Üiuo1ü|;iiii.'1i(-i: Saliriden ^uj^i-n Aea Tmih 
erauliieii notli 1867 in Luxt'mliurg i-in unuiiymcr Traktat .('bor d«a 
Qefahrlichu der Tanübeltutigting«! von tini'iu aufrichtigen Freundi; lier 
chri«tli<thoo JuRend", in kntoi'hftiiicher Fnrm abgofnsit, in drm v> boiut; 
bTftnx int Teufeln werk, der Fonctbi-nl der IjcidRnicbftn.en".— BShmo 1. 1 1 1 >'19. 

*) vgl. «ninn Vorrmic 

*) HTftntxtoulTnl, dn.i iiil wider den leiuhtirrtijfcn vitrerocUililpl'in 
Welttuitx vnd «<md*r!icli nid^r äk Gottc» »ucht xnA ehr rnrg^muM 
NtcfatUnU g«(t«Uet dur«)i Florianum Deuleo von Pilrftefiberg'. Friif . n. K- 
U07. Goedelt« & 481. X. U. Im Theatr. EHabol. A S51*-äTS*; 
-«4; C> 17»*— 198. 



WIBTSHiUSLEBEN. 89 

Strengste Weiberzacht empfiehlt er nach türkischem 
Inpt, nnd die Aufilegnng von des Apelles Gemälde, das 
Tau mit der Schildkröte zeigt') — »gleich wie die Schnecken 
MF auss jbrem Hanas kompt, Also sollen auch Weiber, 
Jngfrtam, Dirnen, za Haoss bleiben, md nicht spatzmauseu. 
■k ngen spacieren gehen" — übernahm er von den Ehe- 
feiUböcbem, bei denen dies Motiv, wie wir sehen werden, 
ibeibrcätet war*). 

FQr eine radikale Abschaffung des Tanzes überhaupt ist 
Dal fireilich nicht, sondern er steht auf dem Standpunkt von 
(NnacuB Spangenberg, der in die 44. Predigt seines „Ehe- 
fiegels" eine kleine Abhandlung einschob, die dann in den 
.ruzteufel" eingefrigt wurde. Spangenbergs Theorie läuft 
■ wesentlichen hinaus auf eine Teilung der Tänze in 4 Arten, 
4ie schon Ratz aufgestellt hatte : die geistlichen Tänze, die 
Götsentänze, die mit dem goldenen Kalb ihren Anfang nahmen, 
ie bürgerlichen Tänze und die „Bubentänze". Die 2. und 
4. Klasse ist natürlich verboten, die 1. hat seit der biblischen 
Zeit keine Bedeutung mehr, also bleibt nur die 3. übrig. 
\ü sie fallen die ehrbaren Tänze bei Hochzeiten und die 
.l^betänze". Anekdoten und Geschichten bestätigen die 
Richtigkeit dieser Teilung in Gottloses und Gottesfiirchtiges. 

Der Zorn der Prediger wandte sich naturgemäss auch 
^ei^n das tolle Fest des Karnevals, das in den katholischen 
Teilen Deutschlands, zumal in den Bheingegenden, noch in 
M) ausgelassener Weise gefeiert wurde und das sich auch im 
Protestantischen noch in die lutherische Zeit hinüber gerettet 
Latte. Hier gab es Anlass zu mannigfachen Übertretungen 
des göttlichen Gebotes, aber ein echter rechter „Fastnachts- 
lenfel'' entstand doch noch erst viel später. In der 2. Hälfte 
des Iti. Jahrhunderts sind hier nur die schon erwähnten 
Predigten des Erasmus Sarcerius^) zu nennen, welche 

•t 321 'c- 

I) cf. uiiUn S. 134. 
i) «. o. H. 24. 



90 




OSBORN 



18& 



aber gDimu g<.-uuiiuiicn tücht eiguntlicli Iiierlicr gciiürun, da 
sie mit der Art der Teufelbüclicr iiicfaU gemein luiboti, soodera 
nur im tririjileii, g«wo)itii«n Kauxeltun dag FastoachtsgetriebA 
höchst uulubendig schildern '). 

In der Luft der Kneipe gedieh aber neben den Teufeln 
der VergnllgungeH auch d«r „Fluchteufel" *), den sich, 
wifl schon geitttgt, HuhcuIus vornahm. Da« Fluchen war 
ja in dem Jahrhundert des Grobianua in der Thut eine ganz 
bcsoudera auffallende st-hledite Eigenschaft der Deutschen. 
Alle Bücher sind, wenn sie nicht selbst den derben Ton an- 
Hchlagen, voll von Klagen über dies eunehmende Laster. 
Schon 149.^ hatte Kaioer Max ein strenges Edikt ergehen 
lassen, das ät.:n unbedachten Fludier und äottesl&störer mit 
eioor Geldstrafe bclvgt, bei ZahlungsunTahigkuit aber mit 
Leibesstrafe droht, das ferner dem ungehortuinien Adel die 
KegierungsSmter Tersdiliesst und sugar den gleichgiltigeu 
Zuhörer fÖr strafbar erklärt. Ebenso erschien noch 1557 
ein „Mandat wider das vnchristenlich Gottslestem, schweren 
vud lluchen" "), fUr die Lündereien de» Pfal^grafen bei Rhein 
„publicii'ret vnd öffentlich angeschlagen", das die strcugüten 
Strafen ankündigte und für die ärgsten Flucher bestimmte, 
„ersoll um leben oder benemung etlicher glieder.. 
peinlich gestraft werden" (Ä,'). 

Wie wenig indessen diese Erlasse fruchteten und nie 
tief die Sucht 7.u tluchen im \'otke Wuntel geßtsst hatte, 
erkennt mau um be«t«n aus einer Oeifcbichte, die enfiliU, in 
Sachse» seien nach einem solchen Edikt die Bauern zum 
Amtmann gekommen, um ihn zu bitten, er nolle ihnen doch 



ia ' 



AlMchnit^i 
IgTMua«^ 



''i Sil- ifohürnn jniloeli i.a don cmlvii, welch« deu Tonfd in ilircro 
Titi 1 iiilinii niid wiirdr-n wohl ilaruni vou Ooedoke Ui den Ab*cliiiitt_ 
^Toufpllitlprviii.i-" ;m . ijgon. 

•) ,Flui:lit<iur.. 1, widi;rdM vnohriaUioUe. LT»u)iruc!ilii:he vnil | 
Fluclieu vnil GoUvn lüttem, trcuwc vnd wolmeinonde Vennabauag vad 
WKriiiiug''. ÄuMer ßu(Mj<.'ki! S. 4B0 (N. 3,0 noch: 16M. o. 0. aber 
uMCh Druck und Funnut nu« dem Verlag von Kichhorn in Frlct a.O. 4*. 
Itn Thwilr. Diabol. (No. 6) A 248— Äl '; B 20((»~Sli; CI l«8*— 176. 

^ herl. Kgl. Utbl. Üb 7175. ÄLulicbe« cf. A. Svhultt ii.a. 0. S.»»-«! 



^VIRTSHAÜSLKBBN. 



91 



r KOKa .Hausfluch" verstatleo, da sie 90Dst ihr Oesindo 
tii n-xiereu könnten *). 

Itn- Giriaüichküit innclitc dio« Laster Rroae Sorge. 

ii AKbcrmitlwof-h 1S05 begann Geiler von Kaiscnborg im 

kla- Tna Str&»Kburg seine Predigten „von den 85 itündeu 

'^inds" oder den „Blatern au dem Mund'*, wo er neben 

-'■<jt.Seliletninen.Schwör«n,Lußeii.ScbelteD,SchnieichelDetc 

wd tim „Outsttlestem" dea weiteren spricbt und moiut : „Wenn 

* jTint, das einer gott lestert von 8uiii«r ftclicit«bi an bia an 

« *ts*DD ts» Gate* nag. Gotsa liertz, Gotss nass vnnd alle 

fita darchausfl nent. So gan dir die bar ze berg, das ist 

»icfaen, dHK der tüffel au»8 dem menschen redt"^). 16^5 

b Eraaintts Hein Büchlein .fLingua sitk di- Ungnae nsn 

apc abttnu Über utilisämus", das Johann Herold in Basel 

Ü44 aDt«r de-m Titel „Von der Ziing" Tenleot«ckt« *). Dieser 

* iu Kiipitel ein und überscUrivb das LB. (8. 79 ff.) 

out Oottlestern, fluclieu, scliweren . ." Weniger klar dts* 

fgoiert and elegant in der Form wie die feinen Auseluandor* 

■ttnitgeD des Roterdamers ist der ziemlich lanKweilige Traktat 

«D M. Caspar Brummylleus, der 3 Jahn; uacl) Musculi]« 

«kIübii : ..VoD dem EmchrockenliclieD , Gntusameii , Vu- 

lifflichen. Vocbristliclien, scbädlicben, Vnnötigen, Gottlosen, 

6»Ährlicl»en tnd Vf-rdaroliciieii laster di'm Gottlestern", 1Ä80 

■ Strmasburg susammen mit einer „BasBpredigt" beraus- 

fejBben;«). 



') HMmnjmi Wolfii in Uio«r<wi* Ufliuia Coumeatarü, (Btail. IBM) 
» TTB: D*> Fluflieo m! milanUr natvendig. AdM, ut in S*xoiua 
ftt4sBi tlitlonn. iDterdictM eXMTRtionilnii AgricAln« m Familüm liii« 
arm r«rcr« imb pame eoa^MtU. practoma oraTdmat, ut mIUri do- 
•••tioam sliigiiani (lic f'iiiin loi)uaittiir) imprccatioticm tibi ooii- 
kL Um roftti i)u*m r«!)«!!? Petrin iuqoiuiit. >)iiae liluph«initt 
Tum ille : Si iia wlt«, iuiioilt atqu« aecMM eit. hiilH-lote uobw 
Btorbum Oallieiiin, ancipiti rvwpmuo pctiliom« illorwn Ht deriM 

■> Ains"'** **"* 1^1^' Stnmb^s! (OrjniiiKer) XIX *»u 

>) B«rL Kgl. BibL U MTl. 

•> Bei UMMrMdnnidt 8*. E«L Bibl. in Bvtlia (an)Xo IS, BTS*. 




»s 



OSItORN 



167 



Der Frankfurter Prediger wies die Verwerflichkeit des 
Fluchens wie die andern, nur etwas polb^mder und Ifirniender 
UAch; er xei^t, wii; die GotteslÜMterur isündigen. indem sie 
alle Symbole der Kirche, die Worte „TeBtameut", .^akrameuf, 
„Leib und Blat^, die Leiden und den Tnd, die "Wunden und 
die Marter, die 01iedm.is«en sogar und Ringeweide des Herrn, 
ja di« einselnen Buchstaben des heiligen Abendmahles in 
fre?elhafter Weise benutzen, um ihrer gottlosen Wut AusdrurJc 
zu geben. Es sind die ulteu Klugen. Lebendig setzt <-r ein 
mit einem zornigen Appell an die lüssigo Obrigkeit und wirk- 
sam bricht er ab, indem er den Schluss seiner drohenden 
Prophezeiung dor Stnifen, die der Gotteslästerer harren, durch 
die Erzählung viner griiuliohen MiMtoriR besiegelt. 

Musculus' Bemerkung, dass die Flucher den Herrn jetzt 
täglich Hcbmühlicher martern, quälen und morden, als die 
Kriegsknechte auf Golgatha dereinst gethau haben, uabm der 
geiwbicklo Künstler des prächtigen Holzschnittes auf, der die 
\. Ausgabe des ,.P luchteuf el" schmückt. Um einen trefflii'h 
aufgeführten Crudticus scharen sich die Flucher: zMikeade 
Bürger, eifemde Gvldhändlei-, spielende Burschen, raufend« 
Knechte, ein tobender Fuhrmann, der auf seinen Gaul los- 
schlägt — sie alle sind zornig erregt, und aus jed<.<m einzelni^n 
der ofTeneri Münder geht eine Lanze in den hlnllrieffJKk-n 
Leib des Gekreuzigten, in seine Hände und Füss«. Ein 
riesiger Teufel im Hintergrund mit einer phantastischen Tier- 
Tratte hält die Ketten in Bereitschatt, die Frevler zu fes-^eln, 
nnd ein im Vordergrund hockendes Teufelohen schreibt 
schadenfroh grinsend in das Schuldbuch der gottlosen Sünder'). 

'} I>rr Tt-nfEl, drr An.» Schuldtnicb dn Mi-n>ohrn fiiiirl, tritt WllioB 

mit «ineiii anncircr HUriat''ii Iknknüilcr in din Litt^ratur !!■■« dvatidbac 

VollcM«in-. Im MDRpiUi hfUA fji (HUIIimlißr.Bchnror. l>«nkmiil«r' T.IS) 

V. 88 ff.! ... da» (l»r tiavsl dir pi hiUmit *ti>nti1 

der li»p£t iii ruovu mliönn iiuelilia 

'Ins iler mäii i-r i'iili rid npLIw kifraimta 

das (^r U klUz kisagut dstlD« er le deru •UOUD tiufnlL 

Vgl. über die weiteren Schivtsale dw UiXiv« D«iiluii. ' H, Mf- n. An». 

f. Kund. d. dtwh. Von. 1681. S8fl'. 



188 



WIllTSHArSLKBEN. 



93 



Ganz Shnlich ist die Idee auf (ieni Ttt«]i>ildo «iiier 1659 zu 
ÜMrinug ftDuuyiii «rMchieiioneii Flugsclirift „AVid«r die Lester- 
aimler, so deo heyig«» namen Qottes unDÜtz füren" '). Bier 
littgt eilt modisch (tekleideter Kriegsmann iiiit einem rolieii 
Oeoicht nur >irm Bndeu und von KeiDCin Muud g(ihi;n Strafik-n 
mitB *) auf dto im Uimmi>l Bch«reb«nde Dreifaltigkeit, wobei 
Oott Vater merkwürdiger Weise mit einer dreifachen j)iip«it- 
bcboa Krone gescbmtickt ist, auf die zur ebenen Erde dai- 
gsatellt« Taafe Jesu, aaf den Abeudmuhlkeich, die Hostie 
uud auf die Häode, Fü^&e und das Herz d&s Heilands, di«, 
Totn Ki-rper abf^etrennt, einzeln in der Luft hilngeo. 

Den Teufehi, welche die Mvn)H:lieu durch das wüste 
YergnüguD^Hlebcn roo ihrem Bvrnf abzulocken suchen, gesellt 
•ictt der Dämon zu, der. rein nef^aüv, ilmen die Lust zum 
Ar*ieileii raubt: der „Paultenfel". Er fand aeiticn Schrit't- 
«taller in Joachim WestphalO aus Eialebeu — dem 
Schwager und Freund des Cyriacus S)>angenberg — der erst 
ia Saogershausen, später, nach 1565 in 6erbste<it im Mans- 
feldischen Prediger war, wo er 1569 starb. Autn»er einem 
^Willkomm, womit die Welt Christum und die Scinigwi ptlegt 



*> Berl. Kg\. Bibl. an Dz. 4«. B 8. 

•) hirte Tprdeutlkbvtidv Technik war i*lir beliebt: auch Albrtvbt 
Mnr mvebmäh:!-- >k E«lc^Dilich tiioht. äo gebi'ti auf Beincm UoIk- 
ickaitt, drr ilantetlt, wie der hcilij{c tVanciicui von Aisiri die Wundmal« 
iti Hern cmpCiD|rt (Barticb, Pnintr.-jirav. Dd. 7 So. 110), wii- afi, 
nm tlon ninilpn, den Füwm vnA dnm ,S«itcnh<>hlchi!n* eiiip« acn Himmnl 
mehfltnvndcn Ookrcuiigt^ii «larkc icbwano Linien hiiiab auf HSitdp; 
n«ie niid ßru>t de» Hcilij^D. L'tid di«» g«ßel ibm *o ^i, du» 
«ir «in« |i;>.'naiiv Nadibililiuig de« HolxK-.hiiitU . Bur tehr tipI vi>r- 
Utvncrt, ab Eckvcr^ieruiiE vioM, Jedeiilall« den SOcr Jahren aog«- 
köt^n (Uef{i!nd«n Blatl«, .Ein kurtu beyuht Zettel' wi«d«r lliid«& 
(Ihrlieb 7. Appeod. 89). 

■) Ober ihn Uoller, Cimbria Lit^raU (Haaniaa 1744) IH, Üb. 

ür iit ni«bt lu v(Trw(>chMlii mit dr.m hamburBisuhen Luthi-racior gk'icheii 

S'iTnma. (der IftlO— 74 lebte), wm (cbiin Wilh. ßqdavna Üial. Aach 

jnf[<:r«r Joocb. W'-itphol, d«r I6M irrbonin iit und 1634 aU Saper- 

tont in RMtock »ttuh, itt von unwrm in Mh«idcn. - SpAngenberg 

-li Über iba eine .Uittoria vitas ac jtMrtt*". 



M 



OSBORM. 



189 



zu empfiingeii'* ') iintl einer Schrifl „Geistliche Elie ChrinÜ 
and seiner Kirclieu'") gab er S Tt-ufelbücher heraua, von 
denen uns das jUngere und bedeutendere, der „Hof^^i^s- 
teufel", 8|)iiter noch b<>»cliäftigen wird. Der Panlteufel ") 
erschien 1563. Wc-sIphaU Schirugcr JoAcliim Pmeturins, 
der Dichter de» Kinderpsalter, der auch mit Spangonber^ 
eng befreundet war, später aber mit ihm zerfiel, empfahl ihn 
durch eine Vorrede. Westphal ticlieidct nach dem Vorgang 
de« Johann Brentian 2 Arten von Müssiggaug, er trennt von 
der den gSttlichen Qehoten entsprechenden Uuhezeit an jedem 
Abend nach den Mtihvn des Tage» und am Sunn- itml Feier« 
tag, wo nach der Anstrengung des Körpers der Geist betend 
weiter tliätig ist, die Faullenzerei der Arbeitsscheaen. Auch 
erkennt nach i\i:m Uui^lervon Friederich = Sehw*rgenberg aod 
ächihlo einen Orden seiner Sünder, aber er nutxt diesen Ge- 
danken gar nicht aus; der flotte Stil des Anfangs, der frisch 
imd kräftig einsetzt, erlahmt nur zu bald, und die gehSufteo 
gelehrten EiiischivbBi.'l verdeutlichen weniger, als nie den 
Zusammenhang stierend unterbrechen. 



'J Ursel 16B8. 4". 

■) Eisleli«n IKÖS. B". 

') „Faultouftel. Wider ilna liMtir dem Hütn^angs Ckriatlielier 
rbnffligvr Vritorricht vud WAmiinK buhb GruDili der btTtigCB ScIlriA, 
vnd den alt« n CbriRtlicti gm Lehre ro. Auch andom wMtM Spröoben, mit 
Klein* iiuoinKKin brscli'. Durch JofLcliiiii WMlpWum IwMuchmiu. 
Kirehondicnor m SaiigersL&uHen". Queduke 11, 48ü. No. 0, 1. Im Tk. 
DIA. A 4IS'~41M; B 8&7— aU; U< 1196-308*. 



4. Hoil<>. 

HoBPulenfel ~ Kniiuleuful ~ Kteidcrpredi^rt — HoffKlirM^uJbl. 

Früh bvginnt in Di-uUclilatid di« Uttonuische Opposition 
ftf^ea Mode ood Putzsucht. Schon Heinrich Ton M«lk, der 
Kb*rfe Satiriker, wett«rt in seiaer „Krinnorang vom Tod«" 
dagegen ') ntul in den Seif ried-Uelbing-G «lichten hören wir 
«iederiioU davon*). Ab«r allgomeiner und eindringlicher 
vprden diese Klagen ertit vom 14. Jahrhundert ab, seitdem 
dtti Obrigkeit den Kampf gcf;cn Luxus und Üppigkeit aaf- 
gmommen hatte. Denn während in Frankreich sich bereits 
Ladwig der Heilige ge^en die Auswüchse der Mode wandte, 
nd Philipp der Schöne I:ü94 das cnt« Kluidcrgesetx gab, 
K&breod in Italien um dieselbe Zeit schon äholicbe Mass- 
ngeln getroffen wurden, begegnen uns deutscli« ^Verordnungen 
gleicher Art erst von l'Mi an*). Nürnberg führt hier den 
fieigAD, pTRokfart nchliesat sich au, Speier folgt 1366 mit 
dner schon detaillierten Vorschrift, dann Zürich, 1371 Straas- 
barg, Ulm, MüQclien. Seit dem 16. Jahrhundert nun schwoll 
die Zahl der Kleiderordniingen ins Ungcmcssene, fast jode 
Stadt Ton Bern bis Lübvck*) gab ihm G«»ctBe; die Füratun 
folgt«» und bald gab die kaiserliche Begierang allgemein 
gSltige Kestiminungen. Der Reichstag von Ijindau erlies 
1497 ein Kleiderge»ctz, das L498 zu Freiburg i^'B. wiedi'rholt 
nnd 1600 zu Augsburg Terschärfl wurde. Seit 1360 berichtete 

•) «d. Hnhucl 8. Sl f. - V. 31» tl- 

*) V, V. U~fil «d. Seemiilkr 8. 68 f.; VUL V. 874 ff. «L ä««- 

■nur 8. aas. 

•) J. Falk«, dia dputsche TradiMn- maA üodewnll. (Lpi. 1868), 
I ai«. I. IT» IT. — AI«. Schultz, DtKli. Laban im M. n. I&. Jh. (1898) 

*) Eine ZiuKrom«iistallung aber di« Bied«rdeutoch«n Vvronlniingen 
^nar Art gietit J«ltinfrb*u* in Paul's Ornodrin ü, 448 f. 



96 



üSßOKN 



191 



die Limburgische Cbronik roiu Modewechsel '), vom ifalire 1388 
meldet «ie beispielsweise-): „Item i» diser zeit wart der suet 
von den kteideni vurwaoduU also, vor buwcr cto meister was 
von dem sDede, der wart ober ein jar ein kuecht, aU man daz 
beroadi wol bescbrebe» findet", uud seit derselben Zeit angeiähr 
eiferten] Dun allentlialben diu Didaktiker, die Satiriker und 
besonders die Geistlichkeit gegen Uude und Laxus. Auch 
der Satan erftctiien »cbon als \'eranla8ser und Bestrafer der 
Putzsacbt, ebenso wie in Frankn-icb s. B. in de» Aufzeich- 
nuDgen de« Ritters de k Toar-Landry (am 140O) der Teufel 
beim Gericht über den Menschen die Masse der Kleider in 
die Wa^chalu der BUnden varf"). Vär die Karreulitteratur 
ward dann der raodiwic Ueck eine wichtige Person. 

Um die Mitte des 16. .lahrbundert^ war in Deutschland 
die aus den Niederlanden herilbt-r^ekomuene Mode der be- 
rühmten „Flnderlioaen" allgcwnltigu Herrgcberio. Sioae Pladei^ 
hoHcntracbt, wie sie eich in ihrer Blutezeit entwickelte, Ist 
sicberlicli eine der selt&arasten Ausgeburten ertinderiacber 
Kleiderphantasie. Entstanden war sie wohl aus dem BeslrcbeOf 
sicJi von der unbequemen Enge der früheren Beinkleider zu 
befreteu *) : man erreichte dies sehr einfach durch Schlitze in 
der straff anliegenden (jewanduiig, welche eine freiere ßewegun{[ 
ennJiglicliten. Uie BlÖsve der Beine, die dadurcli itum Vor- 
t«])eii) kam, zu vordvekcu, füllte man die Schlitze zunächst 
durch ein Futter vuo dünnem Zeuge aus, da« man bald in 
viele faltvn zusamraenlegte. Allmählich aber ward mit der 
Quantität die^ex Fittterstfiffes ein ganz ungeheurer Aufwand 
getrieben; bi« zu 13U Ellen braucht« man. wie berichtet wird. 
Daft Tuch aU eigentlicher Hosenstoff wurde jetzt natQrlicb 
viel zu schwer, und man nahm infolged<»^n eine Art Rasch 
oder sogar Seide, so d&ss nun aber die Mud« bald riesige 

'J MiMium. <ioniiaiiiau bittor. UnuUch« t))in>niheD IV, I. S. Mff; 
tlann tic«. «riodu' 79 fT. 

') iliiil. S. 75 {(SBj. 
•) Falko I, 17«. 
•) FaIIib H. 82 ff. 



^^^^^ MODB. ^ 

^^■»»w Tersclilaog. Die Beinkleider faiogen jetzt vom Oilrt«! 
Hriulic bis auf die ^huhe herub, und waren nach der Läng» 
^p in die Qaere vielfach aufgeschnitten. Laudtkiicclitc und 
^Uentao soi^t^D dftfDr, da»s die neue Tnu.'ht bald in die 
B(k> kam '). Und kurz nach 1550 taucht sie UUerall auf. 
^k Lisdr da« \h&& auf einem fliegende» Blatt godruckt 
^ne, aber schon friihei- ent«tandoit sv'm uiu&s, preist sie 

B^tr. 15) . • ■ »Der Teufel inng wol Uchen 

H „zu Holclicm iiffenspicl 

H „im gfallen wol die Sachen 

H näeissig er» fürdorn wil. 

H „tag Tnd Qttcht tut er raten, 

H „sein rat folgen sie nach, 

H „bJ83 er bezalt in taten. 

H „rtiw ist KU spat «laniuch". 

■ ITber ihr« Rntstehung erzählte man sich die incrk- 

pbdignteti Anekdoten, eiuu Nürnberger Chronik ^) lässt sie im 
I«^er des Knrfttnten Uoritz vor Magdeburg erfunden »ein. 
Eidilreiche Abbildungt'n /.c-igen uns die für den heutigen 
Ceiehinack recht plampe Tracht, auch die Titvlholzschnitte 
äoselner „Hoftenteufel"-Aa8gabea zeigen solche weitbosigen 

*) Der Philol«|[e Hicronyma« Wolf «cbrii-b in der Vnrmle la 
■ ^y— DnniMtboni« mogniti in**cM>l*tim (prcim«!! : (])B*el lUS) 
Jlfrtrwie« milite« patram nottroram nicdnoria, eiu formorum putet, (juae 
• pdvwliB m1 gvnua portlBeat, nudaa hibuorant. Xanc contra madem 
4iii pMini Uli fcnci i>or«m et nonai^nta (cmtnm tu\ia lirvvior eat 
MMMvna) — ■lebe nnlen — aoleot ümrcire; credo ut id lupiileHnt, quud 
Ijllril'« et »ria d«fait. U iiuAni&iu tingul&remt iguwn UmeD humine* 
t» diu pUcei) itndioii nm imilftri ««d viouer« «tudent. 0! «coula, 
«t iKorea, o'. diMipliBun Academumm, a«I quik illa promiit «tue eomm 
aatoriUl« qui cum prohib«r« Uli* et potaenl et dolorakt, fai^iant iiMÜ* 

*) UliUnd, Alt« boch- DD>I Bi«derdeotM^« V«>lkibedpr* (1881> 
L S. 109 8. 408 fr. Anmerkt!. S 811: 1&S6 h«iMt « Im Tit«l tcbon 
ffcn^krt'. Dm Lied bat nun 2S Slruphvn. 

*) OtuidtinK, hiMoriiclui K*cline]il«ii «oo Kurob. (Frkr. 1707} 
8. 4U. 

7 




98 



OSBORX 



193 



HodenuTfin oder gar Junker Sstan selbst & ta mode ') 
gak]«det<). 

Zugleich mit der Uode vudts die Zahl ihrer Feinde. 
Beeoudors dio Gvi^llichkcit lie«s v« sich angelegen ««in, die 
neue Tracht zu bekämpfen, aber sie nahmen allß den Himd 
zu YoU und schflBHen weit Über das Ziel hinaus, so dass die 
Wirkungvii, welche sie eruelten. der aufgewandten Anstreoguug 
scbÜesslidi keineswegs entsprach üii. ML^lanchthon hielt eine 
Oratio ,, wider die neuen moden iD kleidangen" '), unser Ludwig 
Milicbiui« schrieb „wider die unmSssige Pludertracbt", auf 
allen Kanzeln ertouteu die Stiuimea der Prediger gegen dto 
neue Kleidung, die ao viel Geld verscblang, und es ist ganz 
dem Olmrukter der Zeit entsprechend, wenn Achim ron Arnim 
seinen Hofprediger Martin Martir als citieii wütenden Eifor<.T 
gegen die neuen inodiscliou Trachten einfuhrt*). 

In Frankfurt a.O. hielt an einem Sonntag des Jalir^ 
1656 der Dtakuuus in dur Oburkircbe wider diu Pluderhosen. 
dieae Zeichen der Eitelkeit und der X'erschweadungssacht, 
eine erbauliche Predigt. Am folgenden Sonntag aber war 
tarn Schrecken der gunzou Uemeiude vou mutwtlli|[«r Hand 
in der Kirche hoch an eint-m Pfeiler, der gerade der Kanzel 
gegenüber stand, ein ['aar grosse Pluderhosen angenagelt. 
Musculus, der GeuenilMupt^irintendent, erfuhr alsbald den 
Frevel: er nahm die Sache, die jt^dünfalls ein iibertnUtiger 
Studentenstreicb war, »ehr enitit und hielt am Sonntag darauf 
eine Predigt „Vom zuluderte u, Zucht vud Ehrer< 



') Du Wort „jrode" »olhtt kam cr«l im 17. J&krliund«rt auf. 
cf. KHch .Schmidt, Dt<r K^inpf gegen die Hod«^ Im neaon Iteid 1880 
=- Ch«r(ikteri8tiken 8. «»-8R). 

*) Eine Modctruful-Zeicliuuiig findet! wir beruit« weit friUier tn 
einer Oiforder HiUchr. (Cottun Nur, CVIl). Dort il«llt dio KarrikitUT 
eine uach neuntem Schnitt t^cklciilot« Ilamc mit SchlcppkUid und go- 
kBi>l«tem Fninkiinnd ditr. et. Alvin Sohnttx, höf- Lcbea x. Z. d. Hionea. 
1, SBV f., w n« abgebildet ist, nach Henry Shaw, Drdtse« anil DMOratkini 
oF th« HJddle Agw> I tu Tat 10. 

*) Arnold, Kirehen- und KeUcr|{«9Kh. 8. 168. 

*) Wurke 10, 73. 



1V4 



UODE. 



»9 



wegeilen pludricliten Hos^nteiif fct, Vermaliiiung 
rnil Warnung"'). Sie vt-rdient die grosse Zahl der Auf- 
lagen, die si« geftutden faat, vollauf; denn sie ist in der Tliat 
OD kostiiclies Unikum der huuiileti»<.-lii;n Lilteratur und im 
Thcatrum Diabulorum sieht we mit dem Hofteufel des Chrjseus 
koch über der HenK« der anderen. Sie iH ein Meisterwerk 
IfTobianischnr Kuuttt; allei ist Toller Lebcii und Bewegung; 
die äprftclivi buut und mannigfaltig, roll xchlagender Wendungen 
uofl treffender Bilder, und bis zum Ende von einer uuenniid- 
lieben Begeisterung der Wut erfUUt, die erstaunlieb wirkt. 
Eto grimmiger Humor wurit dabei das zornig« Gepolter des 
Moralpredigers, Musculus zog alle Jiegister seiner gröbsten 
Schimpfwörter auf und öffnete alle Sobleusen seiner gentdeza 

•) 1655. o. 0. 4*. <BarL KgL Bibl. )>b 3003) jcJ«nrolU bni Bicliliom 
i» Frankfurt «. 0.. «oliin Druck nnd Hobiohnii.t wirUftn, wo auch <1m 
RtiM« Ton Uiueuliti x«ilruckt ward«. IMptn 1. Aiiii(*«bi> (cf. nnnh Sclmorrt 
Aldiii ID.SaiJ frblt boi Uoodoli« II. 480 H. 3, U, wu die übrigeu v«i^ 
wli liiHit *t«beB, I>arD noRnt O. Schwiilwl, Zt*i;lir. f. dUch. Kullurj;each. 
V. F. n (letV). 906 (T. uocil eiut< Auagftbc IMl Frkf. a. 0. — Der Üruck 
tun 1830 hui fol^'Cud^'D Titel : ^^eM jcirigeii W«<ltbcsi:lirejt«u vi^nchleo 
vnad verlaohlcQ AI- modo KlrjFdn' - Tt'nfTi^U All-Vat«r, OiMiant d<r 
Ba««s>TvaRel, dm »«t Wit-d^r au! rp I ■--(?( e. »uhwure. doob tr«wliertii)(o 
WaimiBff vor d«r BlIcbFr>;it diuiMlcn nob b«imliL<h regradea Boidicit vnd 
B«Qut in Kleidern. Wna lUMiacn diMoIbc (lotl in dctn Uimmol «RÜMiet 
fttd » pkonmon StniSoa w«g«n rieiriHixor Vbcftraltunt( icincr hniügeu 
GtboU, »itbtvt-klicber Erg^rriust d«« Nevhiileii vnii viMatsbleibliclieii Ver- 
derben vml nun »ein »elbeteu. trin^eT vud brinj,"*t. Vor xier tiid siebmttig 
Jahren in der vlx'lgerathenun EiiiilliL-it vnd Wicbttliutiib di^r fremden 
BejdRrtiO^rl in l«iil«cben Landm au« tr«w t'<rßurifii>r Srcltur^rriieber 
VTolmeiuatift bcacbricbcn. Ihirvb D. Aadr(«n) Hutcntum. f'rofcsionun 
drr h- Itehrifü tu Frankfun an der Od<^r vond fieneraltiipcr. der Chur 
»■d Hark Urandcnbur)!. Ranipt boyiro'iijil«!' tmwrinrcn Historien von 
•inr weiten i birmarbti'n vemloi'lt'J^n llt'lTBrt viTcIambt'-n Sc^cImi In der 
Htlbn, an* i-iner Allen 0.:*<:hidit Serra. 09 nd Fratree in Heremo. 
XkUgvtnidkt Ardo UUCXXX. 4°. Ai-.-D.. (GAtting^nt. Unin^nit.- 
Bibl. Theo). Moni. S8»}. Im Tbeatr. Diab. A fiOl— AOS*; B 480—434 *; 
C» K8— A3'. Abgedruokt Iit dvr HolrnU-nret noub In Scbeiblc» Scbalt- 
Jahr 1. 140 ff., SSSff-, 438(1.. «nB.. II. ST (T.. 339 (T.. 388 (T., VHIT. 
ßher die ndUeh«. ÜbeneUgf- ■■eh? Komsponden/.blatl dee Teffein« fiir 
nitUcbc äiiraclifoncfanng> I&.8 u. 99. 

7' 




100 



OSBOKN 



tds 



Alte!« {Iberscbwemmeiitlcn Beredsamkeit. Es „verdienet Teutsch- 
land jvtxundvr nit alluin den zoni Gott«8 vitd diss gegenwärtige 
VnglUck . . . Sondern vere kain wunder, dass ras auch die 
Sonne nicht ansehe . . . von wegen der grewU«hen Vnmenscb* 
liehen viid Tuuffelischi.m Klt^'yduug. damit »ich jotxunder di« 
juDgeo Leute xu Vnmenschon machen vnd so schändlich ror- 
stelleo, d&sa nicht allem Qott, die Heben engel vnd alle 
frommen ehrbaren Louti-, Hondum auch die Ti^uffel selber, einen 
eckel vnd greuwel dafür tragen- (430 k)> und nun wird eine 
Geschichte erxählt, die stich vor kurzem zugetragen habe. 
Eiu Maler üolltv otiiulich da» jüngste Uericht duratellen und 
um den Teafcl recht gräsalich zu machen, kleidete er ihn in 
modische Pluderhosen. iJa sei der Teufel gekommen, habe 
dem Maler einen gewaltigen BackcuNtrcieh versetzt und 
tinergisch gegen eine solche Behandlung protestiert: ^denn 
er nicht so scheusslich vnd grewlich sey, als er jn mit den 
Loderhosen ahconterfeyet habe" (480"»). 

Acht Sünden scheinen Musculus die Folge der Herrschaft 
des Hosenteufels zu sein. Zunächst eine ßeltirderung der 
Unkeaschheit, da die jungen Leutt; ,.mit hellischen FIamm«n 
das cutblösscii vnd jedarraan so vnverscbämpt das für die 
Äugen stellen, zum Urgerniss vnd anreitzung hüser begierde 
vnd lUäte, dsiH iiuvh diu Natur bedeckt vnd verborgen hab«ii 
wil" ') oder sich „so kurtze Röcke vnd Mtüitel machi'u lassen, 
die nicht die Nestel, geschweige denn den Latz bedecken, 
vnd di« Hosen so zuludeni lasstou, den Latz fornen also mit 
Helliscben Flammen vnd Lumpen vnmenscblicb vnd gross 
machen" '). Gegen die Religion, Gottes Ordnung und den 
Bund der heiligen Taufe werde gesündigt, die einfache, ehr- 
liche, gjugetbane" Kleidung der Vorfahren verhülmt*), das 
Ebenbild Gottes geschändet, das Ansehen der deutschen Nation 
herabgesetzt*); denn „Alle Nation, Wahlen, Spanier, Pranio.sen, 
Polen, Vngem, Tattern, Türeken hitbeu jbre Kleidur vnd ge- 
wöhnliche zudeckung dess Leibes, wie sie es von jhren Eltern 
empfangen, behalten; allein Teutschland hat der vnversctiämpta 

') *81 B. ») «2 b. ')MaD. *) 4M'D. 



d 




IH MODU. 101 

l^ffel gar besessen vnd eyngenoiniii«u, da*« jt^tzundor mehr 
neht, schaDi t-nd elirbarkcit im Venus Berg rnd vorzeiten 
in den HiiidorfaHUSorn, (gewesen ist, als be; va» 'J^eutHcbcn, 
die wir doch ms alle jetzunder Ehrbar, ElirsKin, vnd Bhm- 
»eete scbreitwu Tod neniiei), vnd nicht «o viel Ehrbarkeit, 
Ehr vnd Zucht Iia1>«n als oitie Mücke mag aufT dem schwantz 
wegfiUiren" ')• 

Vor allem aber weitt Muscidus auf die fürchterliche 
Teracbwendunf; lün, die diese Mode mit sich liringe, und 
«amend erbebt er seine Stimme: „wo Teutucbland noch 
Unger stebcii »ol, so wird kein PiV-nning daricu bleiben, nach 
dem c« die Krümer vnd Kauffleut mit Wajjen vnd Scliiffeu 
binaasa filbren vnd bringen vns Uosenlappen, Kartlieck, Senden. 
VorstAt vud andere Dingo mehr, lierwider, dass man wol nagen 
darff, Fnmckfurt am Mavn sey jetii^er zeit das Thor, durch 
welches alles Gelt aua» Teutschland in fremde Nutton gefiiret 
wird'* *). Er ereifert sich darüber, ^d&oi jetxundvr ein junger 
BotxIiifTel, ehe er tiocli das gele vom Eclitiabol gar abwüschet, 
mehr Gelta la einem par Hosen haben miins, aU sein V'atter 
xnm Hocbzeitkleyd" *). Er erzählt, es habe ein Landsknecht 
seh 99 Ellen znni Futter gaionimvii, und Auf die Frage, 
wsmm er ni^ht gleich lieber das Hundert voll gemacht hätte, 
geantwortet: „99 sey ein lang woit vnd gut Landsknecbtisch, 
100 aber sey kurtz vnd nicht so prilcbtig zu reden". 

Die SUnden der vorsintflnUicben Menschheit erscheinen 
Üuii gegen den Zustand, den der Hosenteufel hervorgerufen, 
als ^.Kinderspiel"*), nnd er propheKejrt, dass den Modenarren 
die Teufel dereinst in der Hölle ebensu „die Schenckel mit 
Helliechen tiammen ntixUnden rnd vnaufThörlich verbrennen 
werden" *). 



■) WiMt«rb(ilt finden wir dieten Vorwurf; .D«<utiicha nhn« oigsn« 

V Uatet eine RMHtbemerkuiis in Cwpsr Scbeita Orohtan«* 

r. 8. 31); et frrneT Ooedckir, Sfliwiinke d. 16. JalirliuuderU So. 350; 

Cawenui. Bolth. Kinilpnnivnu. UeschirMbl. f. lla![d«liup^ '17, •297. — <i«hc 

Stnacli'« It«-ii'naioti vnii HanfTcn'* ,C»apnr Hcrhcit*. AfdA tB, S76. 

•)48*»A. •> 433'a. •)433'e. '',432c. 




102 



OSBORK 



197 



Alles Heil erwartet Husculus vom Eingr^ifoD der Bc- 
bSrden; (Untm lobt er die Kieiderordiiungen und die wirk- 
nme Kaa&regel, die so eiaiffen Orten die Obrigkuit vrgriS'Dn 
habe '), Dämlich den Henkern die madiecbe Tracbt ftls Uniform 
z« gehen, und niaclit — freilich wohl mehr im Scherz — den 
Machthabbrn di>ii ^'orsti!dug, „duas siu böse Buben bu»t<dl4t«a 
die jnen ab Meerwunder rad l^sttiachtsnarreii nachlieffeii^ *). 

In der EoFfniuig, dnss seino llAhnnn^i^n i^hürt würden, 
widmete «r diti Predigt den Frankfurti-r Burgermeiattira 
Caspar Witterstadt und Michael Holfrass, von deren redUeiieot 
Sinn er ein energischo* Vorgehen erwartet*), 

Ii) der erstun Origiimlamgabo gingen dem Text nocli 
voraus „Reime Tom zeitliche!» Hosen Teuffel"', die Crregoriit« 
Wagner von RtiHtiel. Miiocnlus' College ah Professor an der 
Frtiiikfnrter Universität, wrAissl huttc*). Keyenibend drudcte 
eiu iu dem Huiniiielwürk nicht mit ab, und die folgenden 
Auflagen des „HosenteufeU" selhnt bis auf die nach der 1. 
Au*(gahv iibi>rAet/.te Diederdetit«c)ie Fassung^) moclitvn «t 
i-bensu. Diu Beimpiutre geben gaiiü geschickt eine Übersicht 
Über die KflstÜmgeschichte, welche darauf hinaus läuft, dass 
die Kleider immer inUndiger geworden seien, bis di«^ Zucht- 
los igkeit in den Pluderfausuii diis di-nkbar hoc liste Uass 
erreicht habe; aber neben Musculus' ursprünglichem Wits und 
derber Kraft halten sie doch nur schlecht Stand. 

Neben der im Griuide völlig deutsche« Pludertracht 
machte sich nun aber in der /.wcttei) Hälilc des JahrhuDdorts 
der Einfluas dvr spanischen Mode geltend, der immer mehr 

>]tf4a. 'jOSk. 

•) et. VorreJe. — Wie wenig »olühe Verbote in Wuhrbcit friichtiteo, 
ECigt am bMteu die Kundbvnirrkung zu «ioer Hrrlinnr KlniikronlnuQg 
V. J. 1604: H^fliiit vbel damit angelaiifTeii vn<!t lU nichti »d «fi«ctwa 
komm«!!', cf. O. ScbwcbiL-l, Zur TrachteiifCMohiuhta von Alt-EkrÜB, 
Ztwbr. f. Jtwib, KuUurge*vh. N. F. II (18»»), 80«—^. 

1 cS. Eon-etponilcnabUtt iL Ver. f. udttob. Spraehfuncb. XIII 

*) cf. ibid. S. I abdruckt : „Kimn nn dem TslHcnren, TotldiKca 
8ohendtg«ii Baten Düuele". 



[ 




196 



UODE. 



103 



i-acha und scUIiessIicli zur AllBinlieiTScliaft wurde, biit im 
B^^inn <lc» 17. ■Inhrlinnderts rlie fL-imiitöusohc Mud« allmäliUcb 
ü^rcich vordrang und im Laufa der ZoH die spanifiche Vni^ 
l^gerin fpiOK und gai- aus dem Felde schlug. 

Neben den bildlichen DAr8t«IluR^en ') haben wii- voii 
ibfeser Pcriddi; der deutsclivii KostUrngtHtcbichte keiue ein- 
geheoderea Mitteilnngen, als die der xümeiiden Geiütlichkeit, 
welche miünahmslijs jede-, neue SFoile verwarf, and li«»ondeni 
die der TuulVIbücbi-r aus jeuvin Zi>itHb)tcbnttt. Den kultur- 
Itistorischen Wert der Bücher von Strauas. Oslander nnd 
Wfistphal. die wir im l'olieeudcii besprechen wolleji, erkannt« 
luaa bald ■), und wie im vi-rgAugonen Jahrhundert die Kostfim- 
forBcbuQ^ sich schon um die Mitteilungen dieser Traktata 
b«kUmmerte '), so richtete sich auch Jacob Falke*) in seinem 
Werke Ober die dcutscbu Trachten- und Modeuwelt auch den 
Aosfülirutigeu der Prediger. 

„Nachdem der zerlum)>te Hosonteuffel etlicher niawen 
den 8c«]>ter vnd die Kronu nidor gelirgut", kam iiHCh der 
Versieheniii^ des Johannes Strauss aus Elsu-rbri^ ^), 
Fbrrers zu Nenstadl am Schneeberg, der „Pluder-, Pauss- nd 
KrausH-Teufirl'- aus Ruder. Stnius», der das Tbeatrum Dia- 
bulorum und alsn auch Musculus' Kleiderbüchloin geleseu hatt«, 
bcau sich durch diese Lektüre anregen, den neuen Unhold xu 

>) BMunden: Julioane« Wuig«!. HKbltiio pnocipuoriim populorum 
tiB virontm qnam fncminuruin. Ans i»l "rnwIiWdbni.-h . . , ." ZiiiTut. IB97 
■whwiwm. (BcrI. KgL Bibl. b(»iut ein K^tumplsr: Ulm 16HU. Fol, Üb. 
iapr. nr. foL 164). — Jort Amtnum, t)ynnei»am (Bprl. K. B. Pn. 3118j. 
rb«>r«vUt ftl»; »Von alWrky nliSDen Ki«Klun([cn und Traulileo Art 
WEtiMr*. FnnkfuH 168«. 4«. (B«rl. K. B. l'n. AiW\ 

*) Üohuii Battluuiu- Schui)]> iHf^tv li«<lirT«Jehe Schriften b'tkt. IdM. 
B. 108: ^vu (lii- IrutBchco Tür vKuitüt traiben in kUidsnß. ilavon ioiirt . . . 
riu tfcrjitnim diabnloram part 2 voa dem Kletdeqjaut- und hr«u»>Tpiifel'. 
ti. diwb. WÖTUrbucb 5. lOflS. 

*) Jonn») iroD am) für DeutMliland, li«nuii(. t. SigMo. FrdliBirB 
•na Bh«. IL Jiikirs«iig: i;bS. 8. 480-44« „KlmdcrhuMu d«r EkntMboB 
na mdnahntM JAhrbuntlcrt*. 

•) IJ. 8. Bl-187. 



104 



OSHORK 



1S9 



beküDipfeu uud sclirieb l&m ein ßQcIilein „Wider den 
Kleider-, PI« der-. Pauss- ?nd Kraussteaf fei ..."'). 

Stratigs sali xuuäclmt zwei örilnile, um derentwillen Gott 
den UouHcben übcrbaupt Klcidor rerordnet kftbe, nftmlirb 
erBteoa. um sie uuunterbracheo an den Sündt^'nfsll zu erinnern 
und zweitens, „um die verderbw iloiischftn Xatur zu beklej'den'--). 
Erst allmählich fidlen itim nocJt weitere Qrllnde ein, nftmlich 
die Vermeidung der büsen Begierde, der Schutz ror Kälte 
und Näas« und — was man kaum erwarten sollte — ä^thetisohp 
KückKichten. Denn auch Gott habe Gefallen an «hrbarc-r, 
bescheidener , der Person und dem Staude augemeesener 
Kleidung, ja auch an kuntitroUen Kleidern , wie an dem 
UDgenfthten Kock Jettu"). 

Anden »Ik Musculus mncht Stmujss positive Voi-«chlKge 
and sein .Judicium" verlangt folgendes : „Ein Leinen HemWe 
aufT blosser Haut . . ., die vapore«, Dünste ^'nd SchweiHs so 
au«s du8s MeuKchon Oörpor ausszieheu per poro« AufTxufahen"*). 
Ferner „Hosen vnd Wammes fein zusammen gemacht" ; duran 
sind ihm freilich die ..Lätze'' unangenehm, aber er b'jistet 
sieh damit, dass auch die „AltTüttor' sie nicht entbehren 
konnten, nnd verlangt nur, daas mau sie nicht „so gar vu- 
fl£tig" herstellen solle *). Dazu will er noch einen „Leihrock 
mit einem selbst angeloiTenen Schurlz oder eine Hartzkappe" 
gelten lassen. Von der lierr^chenden Mode gefallsn ihm 
allein die Mäntel und Htite. 



') „ . . . Durch Johann Slmnii» EUt'^berfr''. OoDdeke U, «SS 
kennt nur die Aunj^br UAHitx (AmbrMiu* KriUab} IR9t. S'. Kt frhlrn 
<lort iliemit 'iin>ierOörlitz«rÄu«gal>« tlberDin*tinini(in(]evi^nLiiipuf[d°. 1681 
(Bert. Kgl. Bibl. Dh 3011) uud ili« in raftticbün Partien ein wenig kSrnenJ« 
von „PrejbcTgk durah Seorgium I{i>a'maiin-' Uiäl. kl. »". (BerL KgL 
Bfbl. Db. M«3). In. TheaXi. DUb. C " M -71 *. 

•) C" W'b. ') 66»i>. ') esi". 

') EigiMitümlicb tut di« Atiichnuuaji, .die Ttiroken «nlli-n »oiMUrlicb 
msern huBrn feind icyii vmb dnMW«g«n. Sin tr«)[cin jbr« »hne lÄt«r. 
oben xiuammun gmoKon mit «iiior Schnur, wir jctr.t fa»t (Im mMTO 
Pludcrhoicn riod, doch nit (o w*it*. — I>ie Mode der greiMD UtM 
war BUt l^nkrcicli Rckomnien: dio Beinkleider uanat« man dort 



iw 



HODE. 



105 



Strauss enipfiDdet wie Huscalus den fortwährenden 
Wechsel der Mode als eine Schmach für die deutsche Nation 
nnd erzählt, ein Maler, der dem Sultan alle VölkiT in ihren 
Tnichten darstellen sollte, habe die« aucli bis auf die Deutschen 
fertig gelirm-ht, „üllein den TcutJMiheii mahlet er Mutter naket, 
md gab jm ein Fallen (rewand an den Ann, da-s^ er jin darauss 
•ölte matthe» lassen, ein Kleyd wie er selbst wolt" '). Auch 
die von Musculus «chon erwähnte Geschichte, dasa die Türken 
ge&nf^e Ueutscbe, „wie sie zerhackte vnd zerlnmpl^ Kleyder 
gebmbtr also auch am Leilx' «erliacken vnd xerreisscn lassen*', 
«■ne Gewbichte, die wohl wirklich gexchehen sein ma^. — 
finden wir hier wieder; sie ist gewiss aus dem Hoaenteufel 
liertibeTRenommen, wie manche andere Stelle ganz auKdriicklich. 
Mit «iner merkwürdigen tJmkehrung der thatsäcblichen Ver- 
hältnisse meint der Verfasser: „dieweil wir uns Hispanischer 
■weise bddejden, so schicket rns auch Ciott die Hispunier Ins 
TeutAcbland" \ 

In dem interessanten Schlusskapitel schildert Strauss 
die Hoden seiner 5!eit, die er höchst ergötzlich beschreibt. 
Die Haare, die ihm erscheinen „wie ein schöner Waldt auff 
«tneiu B«rge'*, machen die Männer „ki^lbicbt". dass man aus- 
lieht wie ein „raucher Igel" *). — Junge Leute, Stalljungen 
uikI Ktlater tragen jetzt „kWine Häublein", wie xun^t nur 
Doctores oder alt« kranke Ijcute. Stniuss meint *) : „Ach 
die gnten Gesellen haben sich etwa ein mal oder zwier mit 
dem Donato fbr den Hindern schlagen lassen, darumb mUsaeu 
cie solch Häublinn tragen, dass die Kunst nicht wider oben 
SSM fahret'-. Er haast die st4jlfen und gekräuselten Kraben 
UM Hals, das ..GekrÖss'', aus dem „der Kopff heranss jucket 
wie masa einem Sacke"*). Die Ärmel sind so weit, dass 

JRn^»^', die lÄUt .Bragvtle*". et FISc«). (teicii. d. komiiclien 
Uuer. 1784. I. 179 ff. Aach die rraiuäciiclieu S»tirili«r ipoii«!«!! über 
Ma, M> MoDtai^Be, ßinia Livre ni Csp. 5 p, 899 (Konen I6l9)i so 
Bilwhh (OenTTM I.'Cap. 8), der den Hcnenktj! des Oargsutua beaclirieb 
ud ^ehut den AnbM ni seinen Bcmerkungca über di« deiiUclion 
BoMnUUxr im II. Cup. ilrr Ori^liiclitikUttiinuis saU 
')«•«. o. S- 100. ■) 88 •. »)"«»•. •) 68* «. 



106 



OSBORX 



21)1 



mancher sein Hab uod Out darin ver«Uick«n, di« Hakeu der 
LeibKioke ho gross. das.s man einen Hut oder eine Kanne 
Bier daran buugeii kann. 80 wird jede« KieidtingssUick der 
Hoile rorgenoniinen und sntlrisch «.Tklürt. 

Di« Frauen tragon fsUche Zöpfe „wie die Bergseyl**')! 
spottend vnüiilt t-r mit köstlicher Laune, wie tio sich aa^ 
stopfen, wie di« Ärmel durvbsiclitig gomucht werdvu. wie sie 
die früheren langen Schauben verkürzt liaben, .,dass man den 
fraciit vnten sehen mag"^}. 

Keinen Augenblick vertiert Sti-uuH« seine gute Lauui- 
and auch am Ende, wo er alles Übel der Welt von den bof- 
ftü-tlKcn KUacIeni herleitet, gerät er nicht in den Polterton 
seiu«;r Am tagen OS seil, HOndom bleibt immer noch gemütlich. 
Hui verlässt nie ein gewisses verächtliches Lächeln Über die 
thörJchten Menschen, und auch die Verse, die er nnter sein 
Hoch setzte, bewri^en dies: 

(72"'') „Bin Kleyd werd ich verdienen nicht 
„Mit dieser Sohrifft, bin ich bericht; 
„Dennoch hab ich die Waluheit gesagt. 
„Was schads ob mau gleich drüber klagt". 

I>ie gleichen Ziele wie Strauss verfolgte Lucas Osinnder. 
Rr ist ein Angehöriger der altberühmten, heute noch blühenden 
Theologen familie und ein Sohn di^s bekannten Andreas Osiander, 
der sich lebhaft an den grossen kirchlichen Kämpfen »einer 
Zeit beteiligt«. Auch Lucas tuinrnello sich munter in der 
thcologtsohi-u Bewegung, Er war 16:14 zu Kumbcrg geboren 
und kam in aeinetn 31. Lebensyahre nach Württemberg, wo 
er erst in Göppingen, dann iu Blaubeurcu unil Mchliesslich 
1562 in Stuttgart Aufnahme fand*). Hier kam er bald mit 
dem Uof in Berührung, ward Rrzieher Aea Prinzen Lndwig 
und blieb, nachdem dieser den heraugliclien Thron beätiegeu 



')«9i'ff. •)M»"i'. 

^ ADB S4, 403 ff. Tlioodor Scliott. Auili&t OtÜDdert Lebeu. 
LrlH« und Sdiriflen ron Carl Hviuricb Wilken. (SUftlaunit 1M4). — 
LucM 0-'* Bild im Tli.r«lr. viror. «ruilit, xwiioli. S. SiU/SS. — Über 
andere Scfariftea O.'h siehe Plön«!, Gnvh. tt. kumiiuhcn Litlerxtar III, 335. 




KODE. 

iutb', sein Freund und Ratgetier, bis er üich ISUii mit dem 
joDgeu Herzog, der »idi nicht meiistoni luxseo wollt«. Uber- 
«uf. Br verlor seine Stellung und starb 1U04 in Tübingen. 
Et war ein üusMrst gc^cbicklei- Mtuiu, ein gewandUT Theologe, 
in ia Kunst des Disputiervutt vrfvlirvn und geübt, ein Staat«- 
unit von grossem Einäos und er entwickelte eine lebhafte 
Biterurischo TltÜtigkeit '). 

Öeine „Predigt von hof fertiger vugestalter 
KleyduDg der AVeibs vnd Manns-Fersnnen"-) 
ediort eigentlich gar nicht in diis Sammelwerk; denn vom 
Teufel ist darin überhaupt nicht die Bede ^). Neues wird 
bivr neben UiHCuluit und Strauss nuc-h nicht beigebracht 
E» sind die gewöhnlichen ijcUildoniiigun <ler Hofüirl, diu 
«r in den kräftigsten Ausdrücken, meist recht lustig ver- 
qmttet. Die Uiuurc, su hOiint er, werden nun Über einen 
Itaafat gezf^en, „gleich wie man in den Seuwhugvn diu 
Rfauteo vber die Trentel sencht" *) ; und er glaabt» man 
wQrde vor eim-m niO(liK<:h geputzteu Weib, wenn man ihm 
aof freiem Felde hegf^iiett^. ein Kreuz machen. Originell 
tat seine Art, die HnUkrausen zu bekämpfen. Er meint, 
man bfib« sie zuerst angewandt, um die Narben am Halse 
za verstecken, welche die ..abscbeuUche Krankheit der 
FantxOBen*' dort zurückgelassen hatte *). Den Kopf, der aus 
solchen .Jvrüsen'' herau^ragt, vergleicht er mit dem Haupt 
des TSnfijrs .loliannes auf der Schuiwel'). Mit einer Fülle 
*BD komischen Vergleichen verspottet er die Ei;;entitmUclikeit«n 
da- Uode: die Haare, die vorne „gestroblet" sind, werden 
JÜDden vnd zur seilen gar lang vnd zottig" getragen, „als 
mut jiuige Katzen ein Zeitlang daran gesogen betten. Oder 



') l.'nl«r amlerotn war er im AuftTugo ili3 Uenoss Liiilwij; i69ft 
•a 'Irr llnruiigaW der ('nnki>nli<nironBo1 beteitigt. — 

*) 4*. IS S. I<S66 in Tübingen boi (h-org ßnipprnbiwih gi^druokt; 
m TTi«iIr. Diab, C"'46»-W. Von 6oe<l«k<> nicht rrwälitit. Im Ana- 
ntf toilgritTitt von Filk« .lar ChuukUrictik der Moik im IS. .InhrhuiKlvrl" 
ia «rärr Zuchr. für KuUur„-«w:b. 185S. 8. SS. 

') 1. B. a 18«. «JC"»?*. ';liT«». •*>57V 



ri 



108 




OSBORX 



kU wenn am mor^gens eiu Polni»clier Bauwer auss dem S 
borfilr kmucbt : oder als wenn uin solcher Mann oder jung< 
Geselle allererst von einer Ketten entUuffen were: oder als 
wenn der Teuflfei jn hinderw«rtz durch einen Zaun gezogen 
hutto" '). Die weiten Ärmel werdca mit der Trnclit der 
früheren Karren zosammen gebmcht: die goldenen Ketten, 
die vDi den Hais lagen und auf die Bruat herab hingeu, mit 
dem Strick des Henkers, die abscLculiehe ilodo der „G'Snsic 
bauch*' mit dem im Verfall begriffeneu Brker eines Hau: 
rerglichen. — 

Die Kleiderdilmonen geboren in das weite Gebiet de« 
pHoffahrtsteufels" '), dessen Macht und Ränke Joachim 
Westphal*), der Verfa«ser de» „Fauitcafeh*' weitlüuiig 
beschrieb. Der Titel seines Bnchee lautete: „Wider den 
Hoffarts Teuffei, der jetziger xeil golchen pracht, rber- 
mnt, vnm&»ft, rppigkeit vnd ieichtfcrtigkeit in der Well Ireibpi, 
mit vkerfliifisiger vnd vnziemlicber Klojduug kurts vnd ein* 
feltig Sehulrecht. — Von Frauw Hoffart vnd jhren Töchtern 
aampt treuwcr Wamnng sich mit ernst für jnen üu hfl 
M. Cyriacus Spangenberg" *). 

Es i?it bezeichnend ftlr die Nachlässigkeit der Fefer- 
abeudschen Redaktion, dass »ie diesen letxteii Satz mit ab- 
druckte, während die Abhandlung seihst, welche im Einzel- 
druck dem Werke Westphals vorausging, wegfiel. So haben 
die Worte gar keinen Sinn, und es ist wunderbar, dn^ auch 
die folgenden Auflagen keine Verbesserung bringen. 

Spangenberg beschrieb in dieser „Vorrede", die selbst 
wieder ein kleinen Buch fiir sich ist, uach kurier Empfehlung 
der Schrifl seiues Schwagers, den Hofstaat der ,,PrauwHof- 
fiu't" mit ihren sieben Töchtern Jactantia. Prae»umptio, Hv)in- 
crisis, Pertinacia, Discordia, Contcutio, luuobedientJa. Diese 



') 68». 

•) «f. Luther £. A. S». 800. 

') Übn- Wtit{ibftl aictie britn Ftultrufvl a. S. 

•) 1» Tbotttr. Diftbol. A 484 »-MO»; B 8«**-4»«; C" I-«. 



IM- I 




4 




UOI)E. 

Töcbter liabeii ^ann wieder eine grosse Schar von Naub- 
konuueD und GeDOHüiimen um sich vctMiuiinelt ; so ist limspiels- 
weis« ein Kind der JAcUtio die BlaspbemJa, die wieder eine 
HeXbe von Tochteru iu die Welt gesetzt bat, nämlicii die 
,u>ile Kulmbeit» , die ^oppugnatiü vcritaUs agnitae" . die 
.DtKÜDatio", die «Dosperatio-' und «inige andere. Neben 
Lntber, desseD Eiiifluss hier oatUrlich in jeder Zeile zu 
«püi^u ist, waren üeine Quellen, wie er selbst uiigiebt, des 
Manch» Fntnciiscuii v, Rbct« ^Commestorium viciorum" (1470) 
and das 1439 Terfas§te..Deatructtirium Ticiomm" des Engländers 
AIr.va.nder Fabricius. 

Die Detlicaüu an einige Freunde veranlasste Westpbal, 
imr nnn zu Worte kommt, tu einem bUbschen Kukomiou der 
FrenndHchaft, wobei er eine ausfObrlicbe Erzählung der 
Scbickaale des Oamon und „Pithias", wekhe durcb die Mit- 
(eüu&g der „ge&ta Komaiiorum" deuj deulticben Publikuin nicht 
anbukaiint waren, ein Hiebt. 

Der HofYartsteufel selbst ist ein gani präcbtiges Buch, 
Wena V9 anch wie eine reditv Pre^ligt „Aleiiie Utrliebt«» im 
Herro Christu" einsetst *), so gerät die Sprache doch bald 
in na äotteres Fahrwaaser und wird äusserst lebendig und 
aasiebKod. Nur muuolimtil liUst lüch der Verfas»«^r allzu «iilir 
phai und wirft die Dinge völlig dispositiouslos durchein- 
ander. Kr iXTÜert jedoch niemals seiiiea grotesken Humor, 
der ans stellenweise wohl an Abraham a Sancta Clara erinnert. 
Daaa er dabei oft derb und plump wird, ist natürlich; aber 
(s ist docli alles mit urspröngliclicr Kraft und launiger Frische 
fttchrieben. Der weitverscblagene Hurrcr weiss Geschichten 
akM Ende zu erzälilen, und er tritgt sie mit grosHer An- 
(dnulichkeit und einem geradezu schninnzelnden Behagen 
nir. Handle Anekdoten, die wir bei MubcuIus und Strauss 
fanden, begegnen uns auch hier. Der liosenteufe] besonders 
kal auf Westpbal grossen Ein6aw gehabt ; und in dem einen 
Ja&r, zwischen dem Erscheinen des , FaulteufeU" und des 



OMi'o. 



k 



4 



110 



OSBORN 



205 



,3»frart«t«ufel", hat «r grosse Fortscliritte gemocht, dit viel« 
leicht einer genaaoreti L«kture der Schriften des Andreas 
UtiflculuH zuzURchreiben mnd. 

Nicht eheo loyal gegen Minen Laadesherni leitet West])hn.l 
das Wort Hoffart her ,.Tora Hofe rnd seiner art'* und berührt 
sich »0 in miiiidicii Punkten mit Chryscutt' Hoftcufi?!. Kr 
anterschoidet die geistliche Hoffart, die er liauptsiichlich in 
dem menRchtichen Selbatbewusütftein. in d^r Ehr- und Ruhm- 
BQCht, dsneben aber ancli in dem pruiikvolleo Gottesdienst 
der katholischen Kirche sieht, von der weltlichen HolTart 
Die geistliche findet er rasch ab') mit der Entsrhuldigung, 
wjfgcnd ein Lufhcrus" müssn diese 8chwiengi.t Materie des 
Kfiheren behandeln ^). Der weltlichen HufCart gehört dann 
der Best des dicken Baches. 

Und nun wird die Kleidung der Stutzer and der ge- 
putzten Weiber, der Wechsel der Moden, das ..schmincken 
vnd Kleistern (ii;r Angesichter'-"), dcrOüDg der Modenarren, 
ihre Haltuni;, ihr Benohmen. ihre Art z» sprechen einer ein- 
gebenden scharfen Kritik unterzogen. Wenn Hpangenbet^ 
eine groSRe allegorische Familie der Hoffart zusammen st«Ut, 
so beschreibt Wejitphal einen „Baum der Hoflart"*), der in 
dem Boden des Un^^kubens wächst und gedeiht, dessen Kern 
..Vergeasung aller giiädigt.-n Woithaten" ist und dessen Aste 
und Zweige Vermcssenheit, Geiz. Gigiinwitle und Fürwitz sind. 
„Sorbo", eine Frucht vom Toten Meer, die änsserlich sch&a 
□nd glänzend, inncrlicli aber ,.Asche vnd kot" i^it, tragt die«» 
Baum der Hoftart. 

46 Kamen und Umschreibungen für sein Last«r teill 
Westphal aus Kirchen vÄtoru und didaktischen Werken mit*), 
und wenn im „Sorge-" und „Melancholischen Teufel" die 



») 870—878. •) 373 a. *) 35» B- 

•) S76*ff. — Aiicli diitn i<t ein «lti>« Motiv der Prali^; man »gl. 
s. B. Bnibnlii v. Itagcnibur^ U (ej. Strubl) ATO (AnlMU>g\ wo »U» 
Sflodon al* Büume, die Fo)gp#u alt A»U) und Zweig« ilirgestvllt lind. 

*J 87S'-380. 



J 



»U6 UODS. III 

]Ieiucl]etivri.'lt »Is die Wate aller denkbaren Welten gepriesen 
wurde, in deren «eise ei&g«riclitct«in Kosmos Soi^e und 
Traurigkeit Sünden sind, so worden hier gerade im Gegenteil 
die Erde ata ein JammertbiU und die Menschen als elende 
Kreaturen, aU jäinmerliclic r.Mudensücke'' bingettellt, die ru 
irg«.iid »f clcher Hoffart durchaus keineu Grund haben köuiien '), 
Westphal seigt, wie dureb das Treiben der „grossen 
Bimsen" alles Ehrbare heranierkomme*). Die Farben seihst, 
die friilier heilige Dinge bedeuteten, sind nun, wie er naiv 
swiAUrt, Ausdruck und Bild der Süudi^a'}, und sogar die 
edle Kunst der Musik, die David so fromm übte, Ist nun 
Ifanz ,^nwisch" geworden, „wenn Hanna Schadenfrab, Juncker 
Luulskuecht , Kruder Veit vnd Cuulz Stroichiinbarl " iiu 
Wirtshaus sititeu und trommeln, pfeifen und trompete»" *). 
Bei den Kleidern «■'scheint en ihm besonders t^Undhafl, dasii 
iBiii) oft durch die langen Müutvl und spitxeii Hütii Uünner 
sad Wviber gar nicht von einander unterscheiden könue, 
tmd er glaubt es nun, „so viel leichter, dass ein Weib Bajist 
gewesen' *). 

Die Hauptsache ist ftir ihn neben dem nationalen der 
materielle Gesichtspunkt, und «r liat trefftiche Hittel znr Ver- 
fügung, seinem Zorn Ausdruck su verleihen. 

um von der KletderpraoJit abzuschrecken, sucht er die 
fettteu Stoffe zu riiskrcditiercn, so den Flachs, der ,.auss der 
Erden im tttiuckenden Mist" wachse, so die Seide, „ein Spinn- 
web, vnrejTier abiiclieuwiicber Würmer Geschmeyss" *). 

Mit tiefem Ernst schildert Westphal mehrere der 
scbreclclicheu Missgeharten, die der Aberglaube der Xeit all- 
oählich masseuliAft znr Welt brachte '), und die in besonderen 
Schriften weitlüuBg erklärt wurden. Da gebar *) ein Schaf ein 



'J37».4ieff. •)88a»A. 'JSIUI'. »JSaöo. »)891«b. «J-iiM'». 

*t Kofaiwi). Geteli. d. Uark BraiitletiburK S. 49« f. 

*> UdalHci Ztnri (DiaVonu» xu T^mpliu) ^Neue ZeitutiK, vio von 
«iwni Sckaf« in >1«t C«li»nu>rk ra Tetniiliii Ä. 1&I8 ilr«i PrQclit« cind 
Uinnsn, »U xir«i wobtgeidiaflieii« Iiäiumer. Ute dritte aber . . . .* 



4 



■rt 



112 

Fa&r 
frau i 
den 
TV 
läad 
auf, ; 
Vero 
Akt 




OSBOÜN, 



'rhosen, da kam das Kind einer Zimmermatiiis- 

izlau mit Krausen an Hals nnd Händen ans Licht 

w», da erschien in Pletzen bei Stendal ein junger 

in voller spanischer Tracht und mit weiten oiedec- 

eu Hosen-). Solche Wunder hörten erst sehr spät 

der Mark BrandenhuTK beispielsweise erst, als die 

I B] Lliche MisBgeburten an die 

: ^erlin einzusenden*). 

' IräDilenburg p. 392. 394. 

da rebuB Uarchicts p. 740. 



•) ct. J 




6. Klic und Familie. 

Ehet«nf»l — Zfhu Weilwrteiifol — Hausleuf«! — Hunnlenfet — 

Der KHinpf Liitbors Dud »oiner Äoliäager gegen den 
Ooelibat, die protestanti'^^lic Anflassung, die im schroffsten 
Gogeosatx itani katholischen Keunchheitüideal die Ehe als eine 
g6tüich« Einrichlung obiie Ausonhoc imbediBgl forderte, und 
den EbfiStand als einen Grundpfeiler der christlichen Welt- 
urdnnng l>elrachtei(>, fand iti des Ijitleratur mSchtigeu Wieder- 
faail. Bereits M Jahre vorher hatte Albrecht von Kyh durch 
■eme Utciniavhcn Optucula über die Hie und besonders durch 
■ein deutsches .EbebUchlein'*, dos 1472 erschien, eine Anre^ing 
dazu gegeben, das eheliche lifiben gründlicher und ernirtor ku 
behiindeln. als dies bisher gegcheheu war'). Die wachsende 
Rohheit des 15, Jahrhunderts hatte ja auch das weibliche CJe- 
schlechi auf dem Altar <ie<i neuen Heiligen St, Qrobiaiius ge- 
opfert, und der brutalen Behimdluug, welch« die volketümlivhe 
Idtteratur den Frauen zuteil werden liesa. trat die triTole der 
Humanisten zur Seile. Der reformerische Eyb und der revo- 
Intiuniiru Luther mit seiueu Nnchfolgera, Licufaart Ouluuum, 
basmus AU>enis u. a., begründeten nun im Greg ensatz hierzu eine 
iifti^ Khelitteratur. die sich in ehrlichem Kampf gej^en Buhlerei 
uüd l'untllidikcit wandte, die friedliche Ehe pries, das Familien- 
leben feierte, und welche, um licsserud zu wirken- die Ptüchten 
jer IJatlen gegen einander, die Stellung der Kinder und des 
der Familie augerechneten Gesindes mit liebeTotler Sorgfalt 
antenachte *). Freilich «iir der weiberfeiudlicho Ton dämm 

*) el. Vax Ucmnftiui, Albr. v. Kjb und d. Frülueit de* dtach. 
fioBUiiiinn* (ßvrlia 1B9S). S. 320 «. 

*) W. K»w«T«u, Lob u. Schimpf am tUieibuidoa in der Litt. d. 
IS. Jh. PreiiMiKhe J»l)rblkil»«r W.IIVV— 81. — Dvn-, din Btfonnation 
tud die £be leii. S. 64 ff, 

8 



114 



OSBORN 



B09 



nicht tot; auch die Protestanten schnoben noch „vou dea 
neun Hüuten der Weiber" oder „wie ein Weih drei Häute 
hab, eine Hundshaut, eine S&uhaut uud ?.um dritlen erst «ine 
HeoAcbenhaut", ^item «rie ein Weih eine« der nuun biSsen 
"WOrmer »ei" '), und noch 1595 wurden in Wittenberg 51 Thesen 
verbreitet, die unt«rsachoD sollleu, oh Wt^iber Menschen, »od 
und als IteBultat apudiktiscb den Satz verküudetoD : f,Mulier 
uou hono!'' — eine Behauplunj;, die trotz des heftigstfln 
WidcrBprucbs der "Witteuberger Professoren gegen den „Teufel»« 
stank" und tzotz des uiuBtindlichoQ Gej^eubvwoiMS , d«n 
M. Andreas Schoppe in seiner „Corona Diguitatis Huliebris** 
liefwte, lange Zeit hindurch Liebhaber fand*) und noch dem 
jungen Iritsabg vertraut war *). 

Die beiden Strömungen fanden nim Einfalls iQ die 
Teufellitteratur. Selhatverständlich überwiegt die lutlierisdte 
Weiber- uud Khefreuiidliche ; aber die andere lebt lustig 
darunter weiter, erbebt gar oft recht bemerkbar ihr Haupt und 
taucht eiDinal sogar gauz empor, um — in Nicolaiis Schmidt* 
^ehn Weiberteufela" — den uaverßUschten «lt«u ffltsogjnea 
Ton zu zeigen. 

Den Teufel hatte Lutlier schon oft mit dem Bheatand 
in Verbindung gcbrHcht *) ; der Feind der von Gott viugewUtM 
Ordnung musste natürlich auf eins der' nicbtigsten GeeetnB 
dieses Kosmos besoudera erbost sein. So tinden wir daa 
Satan denn auch in der kirchlichen Volksdichtui^ des Pro- 
testaotiamus thütig ; er intrigtdert im Fastuachtaspiel gegen 
den Ehefrieden; er arbeitet gern in den biblischen Dramen, 
die es besonders mit einer frommen Ehe su thun haben, deo 
Isoac* und Tobias-Stücken, oder den Schauspielen der Susanna- 
Gmppe, meist unterstllzt durch die Beihilfe eines alten hexen- 



*) Vorrede lu Adam Sohabkrt* „nftu*t«uM'. 

*) Vf. Kkwomu, Die HcfortnAtioo und dj« Ehe (— • Scbrvfl«a d. 
T«r. Kl Rdfbrmationsgficli. No. 89) 1B92- S. 41 ff. he«. S. M. — 
JsBiMn, 0«mIi. d. dtwh. Volke« 6, 390—7. 

•> Der jungn Gelehrt«. JJ. Act, IS. So. 

*> et rtw» E. A. 18,St»f.; 60,57; Sl.lMff. 




310 



EHE UNÜ FAUILIE. 



116 



«tigen Weibes. Und einen besonderen „Bbeteafel" finden 
wir srhon bei Paul Rebhun, üunHchst in seinem Spiel tob 
d^T Hochzeit SU Cana (1532) and dann in der späteren ge- 
reimten Hocbteitüpredigt vom Hauafriedeo (1M6)'). 

„ilit was hiTinischeni Hertien vnd schilenden Augen . . , 
mit was listen und Bubenstücken'' dieser bßse Gesellß wüte, 
nahm sich Musculus in seinem „Ehcteafel"*) zum Thema. 
Zu Oniudo I^to ttr die biblische Erzählung Mos. I, 2, 18 — 35 : 
Die Bepriindunf; der üe durch Gottes Wort, die Erschaffung 
der Era und ihre Vereinigung mit Adam, welcbe aucb der 
Holncbnitt der ersten Ausgaben zoigt. 

Hecht wiUkarlich hat Musculus eine Teilung in 8 Kapitel 
rorgenommen, in denen je ein „angrilT des EhetenfFels" gvgen 
8ott«s Gesetz behandelt vird. Dtc Darstellung ist frisch, 
lebendig, roll guter Laune, stellenweise recht derb und ohne 
RDclcMcbt auf die drei scbwest«r1icben Hausfrauen, denen das 
Bacb gevidmet ist*). 

Der Eheteufel fährt nach M. erstlich in die Männer und 
pflanxt ihnen einen Widerwillen gegen die Ehe ein. Aus 
tolcher satanischeo Eingebung entstehen dio gottlosen Sprich- 
Wörter, wie: „Ein Eheweib ist nicht anders im Hauss, als 
eh) dick, schwartx md rngestflni Wetter am Himmel", oder 
,^ ist kein Weib gut, auch die aller beste nicht", oder auch: 
„Wer wii seinen Feind zu Tisch vnd Bett haben, wer mit 
lanck vnd hader sich wil niderlegen vnd aufgehen, der nemme 



•) et. Hobtein A.DB 37,4891 

*) „Wider den EhtcufTcl" Frkf. a. 0. 156«. — Goodoka II, 4B0 
ü 3. 4. Psoeben nocb ein« Au«f. Frkf. a. X. 1S64 (Miliichcn Blor. 
H7Cj Ea««r*D 8. 96. Seit IKiT iit der Titel n-ireit«rt, der ao ituch 
Im T%. D, konisat. — Kadi freundlicW Hitlbeilttcg da* Herrn Dr. Job, 
Bohe in BtrliQ esiati«rt noch «ine AuSKufa« am d«m Jahre 1S74. — 
IflLaltBuiii^U- b(!i Spii>k«r, Uujirutui 8. 175 — 9. Eawerau, FreuM. JaLrb. 
•»,n4ff. u. Dwi- li. Keforro. u. d- Ehe S. Äiff. 

*) B^raw XBi^arctha liöjg WoiiMna, Rt^fik« Doctor Bartlioloniaei 
BkftdBuaa, md Kathariaai: Srruntij Rhadmans obliclie haoifrawea all 
tei fMcbwiaUm*. 

8» 




116 



OSBOBN 



21t 



ein AVeib" '), und so meineu die Männer sdüieeelich, ein Weib 
nehmen sei nichts »ndent. „als rnglüclia honen aniöehen''. 
Mu!<culuf< gesteht zu. die Ehe ist meist kein lduulzu»taud, 
,,«8 läufn viel b%)e» mit Tiiter", aber trotxdetn hat sich der 
Christ nach Gottes Gebot zu richten und n» heiraten. Die 
Fra^e ernstlich aufzuwerfen, ob man ein ehelich Weib nehmen 
soll« oder nicht, wie dieo Albrecht Ton £yb noch getban hatt«. 
wärt? dvm Frankfurter litttheraner tichon als eine schwere 
Sünde erschienen. 

Oottea Reich zu mehren nach seinem Gebot, soll uns 
der Antrieb zur Ehe sein, aber der Teufel hetzt die Ijeute, 
dass sie weniger dem Höchsten zur Eliro handeln, als „durch 
TQUieDschliehe, vnordt'utliche vnd vieliische bruust" sich b«- 
stümoen lassen *). Dann natürlich ist das UoßlUck da, „veno 
die erst* hitü oIti wenig gctilget'*, und da« tduflische Wort 
wird zur Wahrheit, das sagt : ,,Wer wil einen Tag wol leben, 
der wUrg ein Ganss, Wer wil acht Tag wol leben, der scblacbt 
ein Schwein. Wer aber wil vier Wochen ein gut leben haben, 
der nerame ein Weib". Nach einander treten solche Eho> 
lente in 5 Mönchsorden, die immer härter werden. Aas dem 
behaglichen Bencdictiner Orden, in dem sie nnr kurze Zeit 
bleiben, kommen sie in den Predigerorden, wo der ein» dftm 
anderen die Epistel langer liest, als diesem angenehm ist, und 
wo es demnach immer kleine Ungeniütlichkeitea giebt. Durch 
den BftrniS8er-(„Barfot*n"-)0rden, wo Trauer und Wehklagen 
herrscht, gelangen sie zu den PeitschenbrÜdem, wo man sich 
mit Unten schlägt, um bei den Karthfiusem, wo man still- 
scbwoigt und von Tisch und Bett sieb ntx^ondert, zu endigen ■). 

Der Kheteufel leidtt die Augen der Männer auf andere 
Frauen und wendet ihre Herzen von der Gattin. Aber man 
soll ihm zum Trotz die Mitterwochen beibehalten, wo der 
Ehemann eo ungern sich von »einer Frau trennt, dass er sie 

') fi98c. •) 3M'D. 

*) 994' B- — Vgl. ta Aem Sdient von dca OrJen (aocli &af 
SudiB, pMtiischtwpivto ed. Qoetic 1,164 f.) Kawerau, R«bm. n. £be. 
Aiini. »0. S. Ol. 



212 



EHE DKD FAMILEE. 



117 



„jmmer zu in einer Sntt^ltKschou mScht bey sieb tragen" '). 
EiiKC soll des anderes SchwächeD nach Möglichkeit zu ver- 
decken suchen. Der Illaiin soll sein Weib lieben wie tteiueu 
vi^voen Leib, au dorn er auch zudeckt and yerhullt, ..nras 
Behäbig, prindig rnd vurein ist" *). 

Bei d*'r Wahl des Weihes hetzt der Teufel die jungen 
Ufinner, dass sie utich eigenem Gutdünkeo „xugreiffen oiie 
Oottea sciucknnge" ■). Das ist Sünde; man soll Gott „Preyers- 
mauD" sein lassen, soll sich wie Adam »chlafttu legen, die 
Angeu zumachen und den Uücliaten um ein Weib bitteu, das 
man daon, wenn er e« von oltea herab giebt, mit Dank au- 
cDoehmen hat*). 

l>eu Verheirateten sucht der Teufel die Ebe zu verleiden, 
er ja^jt die Männer ins Wirtshaus und an den Spieltisch, macht 
die Frauen putzHUcbti^ und eitel und „sälit l'nkrauf' zwischen 
dm Gatten ''). AU Beispiel wird die bekauut« Geschichte 
erzählt, die aacli Hans Sachs bebandelte*), wie der Teufel 
durch ein altes AVeib mittelst schändhcher Lägen zwei (ried- 
Ucbe Blielent« gegen einander hetxle, bis der Mann die l^'rau 
mnordet» '). 

Den Weibern setzt der Ehet«ufel dadurch zu, dass er 
fle aufreizt, ihrer von Gott verfügten untergeordneten Stellung 
nebt zu achten, sondern die Herrschaft au sich sii reissen; 
nad seine Erfolge hier sind so gross, dass man schwerlicb ein 
Hau8 tinden wird, „da uicht Doctor 8iciuann inoe r^jert" *). 
Die Weiber »oUou nicht vergessen, dass Eva dereinat, weil sie 
Adam zur Sünde verlockt hat, mit allen ihren Töchtern von 
Gott degradiert worden ist •), und so haben die Frauen das 
Joch der rutertbänigkeit geduldig zu tragen, bis sie der Tod 
davon erl&st. Darum soll -Doctor Siemanu Doctor Herrmaun 



') 898*. •)8«6c. •) 888'B. *) »7«d. ») S98»r- 
*i F««tii»chl»«piol N. 18: 4)er Teuffei mit dem alten Weyb". — 
TgH. dam (lb«r di« Verbreitnng dieM« Stoffe*; Oitcrlcya AniRkbe voa 
Kircliholb Woadunmoth. S. «a — Audi c(. Kfltor ». 67 II, 491-Ö11. 
UsUilt die Qnchichla Jenur Au*g. V, 881. 
i)»«»». •) SM'», »jawo. 




118 



0B80RS 



813 



wni^lien !' *). Der Brfindor d«« Ebetenf»!«, Paul Rebbun, 

batle sogar in d«r -Hochzeit zu Cana-* too der fVaa Tcrlaogt, 

««DU ihr Haan: 

„G«ga dir wiird £ahr«ii mit ffctralt 
„OIcicb «Dem wütrich rad Tyman 
„Kidit Bin dein Herr vnd ehikh H^n 
„So mMu «rrtlicb denken, du* 
„Vi«ll#iclit told)* wol vi^Mcbaldct bwt" 

und Oott oder im RchlimniBteQ Fall die Obrigkeit zn Hilfe 

rufen: 

,,Dn aber, für Dan eigen Perion 
,^Ut Tor vnd anch «ein rnterthon 
iiVnd allen X'ngeknrMm meiden 
..Eh drabcr gvilt, md vnreoht i<'i(inn!"'J 

Der -Doctor SiemauB'' war wie «ein College, der „Doctor 
Kolbmann". der ron Hans Sachs sogar svn „aa&t Kolbmaou" 
ethobeo wurde, im 16. Jahrbundert eine allbekaDitte Figur*); 
die Ehebacher erzJlhlen gern von ihm *), in eine grome ZaM 
Tolksliimlicher SprichwHrter ging er Aber'), bis tief ins 17. Jh. 
blieb er am Loben. Und der ,, Kampf um die Homo*' wurde 
mgleich auch ein Vorwurf fUr die bildende Kunst*). 

Halt« Musculus bi.s auf den iet7.ten kurzen Abschnitt 
bauptsSchlicb di« EbemUtmer anis Korn genomman, so be* 
schSftigte sich mit den Ehefrauen eingehend der schon genannte 
Xicolaua Schmidt in »einem Büchlein „Von den zehn 
Teufeln oder Lastern damit die bösen Tnsrttg«D 
Weiber besessen sind^. ÄuchTO« sehen Tugenden. 



1 aO0*A. *} Act. III, 0. ed. F*lm S. I1i&. 

*) cf. JaoMen, GcKsb. d. dbich. Volkei «rSWff. — Kaw«T«ii, Befoc- 
nikUon u. Ehe S. M ff. 

*) Zu Ksweran S. 47 u. Anm- 64 S. 94 ef. noeh Weckherlin. 
Oeiatl. u. Weltl. Oodicht«. Amiterdaro 1641. 18. Epigramm. S. 184: 
.lob bin d«r Weib, du biiit die Uadd". 

*) Euüburii» Bjering, ProTerbionun mpia (IMl) 1, Ti 1,70; S;T4; 
2,606; 8. 187. 

*) PMtiiVBul, P*iDtr«.Oravenr I. 95. — AI«. ScbolU, DUck. Leben 
im 14. B. 16. JL. (!«(»). S, 97it. 

') Aehnlicb regiMriereodiUna Sa^H: .Zwiilf EjBvnKbaSUa ejaM 
bonbafl\ig«a vreybs". OSa\. Kgl. BibL Yg. 6161>. 



214 



EHE UND FAMILIE. 



119 



damit die frommeo rnnd rersfinffti^eti Weiber 
fezieret Tnnd bef;abet sind .. ."'). Schmidt TerwHfart 
sich ZKsr auüNlrfJcklich gegfa d«ii Vorwurf prinupiellAr Feiod- 
sohaft gegen di« Frauen, aber man merkt es seinen VeiMm 
Aber die kSsen Weiber und ihrer ingrimmiiiieii U'iit au, daas 
«r in äiuvu sich Keg«ii die M<-briafa] des sdivichi-nrn (icochli-cfats 
vendet: er ist Bin grobüuuficber Wcibenerächter nnd Franen- 
»erhßboer. Des h6sea Weibes Leben behpimcht d*r üoltlo»©- 
Tenfel : sie g«ht nicht in die Kirch«, sie Ternachlkssigt die 
Efziehung ihrer Kinder, sie hält das Öeainde oicbt znr Gotlaa- 
fnrcht an; daneben Müat ihr der Stolze-i^teufel daa Verlangen 
ein na<rh n^i<rhi.*tn Patz: «io die vom Adel muss sie daher- 
gehen, alles muss schimmern und glitzern, lalBche Haare 
«erden zu Hilfe genommen, und das Gesicht wird geschujukt 
Der üngehorsauiv Teufel heUt die Frau gef^en den Manu auf, 
der Zankteufel lässt sie mit ihm wie mit dein Gesinde keiaeo 
Tag in Frieden leben. Der uuverschümt« Teufel nimmt ihr 
den letzten Kest der Scham: sie rast, tobt, Budit. im Haus 
ist allea toU Schmutz und Unordnung, die Kinder laufen 
BWiissen tiud besudelt undier. der Hocken liegt auf dem 
Boden. Wo aber keine Zucht und Orduuug hemcht, da 
dnngt auch der Saufteufel ein; heimlich lüast die Fraa sich 
Bier holen! Dem Saufleufel nahe i^t der Uukeuscbe Teufel 

Demi 

„W«an BaccbtM vud Or«» ragier«n, 

,So i"il Vfuo» mit hoffifMin", 
Wird da» Weib seines Maiine3 Oberdrilssjg, so kommt der 
Mordteafel wohl auch noch dazu. Der diebische Teufel, der 
sie den Hann um Geld betrügen lässt. und der unfreundliche 
Teufel sind slfiodige GSst« im Hause eines solchen Weibes. 
Die Beschreibung der Jtehu entsprechenden tagendbaften 
Blgeaacbaf^ der frommen Weiber, „Gottfürchtig, Demütig, 
GÄonam, J-'nedüch, ZilHitig, Naditem, Keasch, Gütig, G«- 



'),... in Beim«eis getteh don^ TfidMS Seliniidt'. Leipwg, 
Oeor; BkntMch 1&57. f. A-G. — Wittenberg IMS. 8*. Qoei. U, 
S. 480. N. 4. 




08BORS 



trew, Preiuidtlich". wc1ch<' doii Toufetu iiaclihinkt, ist &U88«rst 
öde und farblos. Die UnKPscMfklichkpit. die Schmidt in d»r 
fiehuidliing der licimpaar« vorritt, könnt« hier uicht wie im 
erstvn Teil durch die Knifl und deu herzlichen Zorn des 
Ausdrucks verdeckt werden ; auch die bequeme Techuik. ganzi.' 
Vers« aus den „Teufeln"', deren Sinn durch einen kleineu 
Zu«atx ins Gegenteil verkehrt wurde, biet anxiihringen, var 
nicht ^eeifinet, dio^eu Abschnitt zu beleben. t>ic BeHchreibuu^ 
der 'l^igettden nach den Lastern musste langweilif; wirken, 
und Schmidt 8elb»it sclieiiit keine rechte Freude an den (,niteu 
Weibern gehabt zu haben : denn er widmvt ihnen nur 14 
Seiten, während er für die bösen 24 brauchte, — 

AVeit geschiokt^T iil« Schmidt in der Bebaudlung 
Stoffes wie der poetischen Form zei^e sich Adam Schuba 
in seinem „Haussteuffel" '). Über diesen Sohriltateiler ist uns 
nichts überliefert, und von seiner soustigen litl«rarisehen Thfitig« 
keit nur bekannt, dues er etn Buch,, Vom gähti^^en Tode: ingleichen 
von denen^ die sieb Heibat erwtirRen". veröffentlichte "). Jeden- 
fftUs war er ein eifriger liutheraner; seine Heimat werden 
wir wohl in Mitteldeutschland zu Huchcn haben '). Schubart 
kannte «war seinen Vorgänger Schmidt — gegen den er sich 
im Vorwort niiüdriU-klidi wendet — ebenso wie Franck und 
andere, die «ich früher mit den Lusteru der Weiber bfi«chUtigt 
hatten, recht gut, indessen er benutzte sie fast gur nicht. 

en schlo»» er sich wohl an MuhcuIub' Kheteufel, den er 
nirgends erwähnt, enger au, wie schon der genauere 
Titel vermuten lässt : „Hanssteuffel, das ist der Meister 
Sie mann. Wie die bSaen Weiber jhre fromme 
Männer vnd wie die bösen leichtfertigen Buben 



14 I 



') Luther meint« (J<mi. 6 [157B}, LBH*): wenn «in Fürst „i 
Pcindo iimb und tunb ubemuudea btit (wie Hercule») ao ka&a er docb 
EU letil dca Uaasteuiel, den oittheimiüclien Feind nicht überwindcD. —^ 
et dtich. Wörterbuch IV, 3, ö93. 

•) Es «rschien Erfurt 166S. — Oörlit* 1M5. 

*] cf. Uoeth« ADD. Sä. BkuiL. 



-4 



216 



EHE UKI> FAUIUG. 



121 



jbre frommH AV eiber plagen .,," *), Ein Uysog^n nie 
Schmidt ist Schubart k^iurawe^re. „Vnud ist ein Weib", so 
ugt er io Aer V»iTedt>, „die aller Rchönste Cr«atur aiilT d«m 
tmbkr«iji8 d«r Erd«u, fluch viu« herrliche (tchöne Werckstatt, 
dAfinoen Gott die äletischen foniiit>rt. Ein ecbüoer lieblicher 
Baum, velcher die alterschöiisten Ftlantzleiu viid fruchte 
bringt, die da sollen lus himmlisch« Wesen versetxt werden". 
Ah«r der tJogehorsHm der A^'oihor TCrdirbt ihre Schönheit, 
tmd gegen che ungehorsamen Frauen wendet er sich. 

Ein Dialog mit einem weisen Uaiiii, den der Dichter 
sof «inem Spaziergang trifft. Ieit«t in Hana HachseuH Atanier 
das BucJ) ein. Der Fremde enählt ihm, wie die A^^iber 
jetzt allenllialben die Uerrscbnft lui sieb gerissen haben, er 
stduldert die Verwilderung im Familienleben und beschreibt 
Szeiten. »ie sie der Holmchnitt de» Titelblatte« iceigt> wo «in 
vfitende» Wvib ihren )Iauu, der heulend auf dem Boden liegt, 
mit tüchtigen Rutenhiebeo traktiert. 

Aamod, der Khcteufel, wird aht das treibende Element ge- 
nannt. Die Figur dvs .Doctor Niemmin" tritt aU handelnde 
Permo auf, sie erscheint als ein tiberweib an Kraft und Grösse 
im Zimmer des Dichters, um ihn sich zu unterwerfen, und nur 
tnÜ der alk-n^rSsaten Anstnogtuig gelingt «• dem BedrSugten, 
nadi einem heissen Kampf ihn oder sie za Fall zu bringen 
nsd das sähe, immer wieder sich aufmtfende Riesengeschöpf 
n töten. 

Dem lebendigen ersten Teil folgt ein trockener zweiter, 
der, iDMSt in dürrer Ijehrhaftigkett , auseinander setzt, wie 
■dl Ehegatten gegen eioAuder zu verhalten haben. Der 
Haas, ao doziert Schabart , ist vor der Frau erschaffen 
wurden; «1*0, folgert er, gebührt ihm die Herrschaft. Will 
aber die Ftuu auf ihren Mann einmal Einlluss gewinnen, so 
nraug sie es weit besver durdi Müde und Güte als durch 



'} ■ . . ■ SaiBpt «iaar vermanMag au«t heiliger Sokrid vnd icböiii'n 
HjtUiriei) wie ritii tnmai* Bhekuli.- gegrni eiDsndw Vfrball^ii ■olkti, 
BtUUch vnd liMtJg lu Imvd. Beacbrielieii durch Adamum Schuhart". 
rrk. ü. U. 1605. S*. — di»h« Ooed.* n, 4SI. N. lü. 



122 



OSBORN 



817 



Frechheit nud Trotz. Eine lange Reihe too Beispielen soll 
die g^itoD lehren iUustriereu. Auch di« USiiner werden zum 
fkJünBs ermahnt, ihre Gattiuneu gut zu behandeln. 

Schmidt« nugalant«« Oepolt« fehlt bei Schabart vällig, 
und der .HauMtenfTcl-' bloibt, vie Roetbe mit Kecbt herror- 
hebt, Ton einzelnen Längen im zweiten Teil abgesehen, stets 
eine Dichtung von behaglichem Humor. 

"^otK aller Vorzüge indessen nabni Fejreorabeud die 
Schrift, die noch dazu ans seinem Verlage herrorgegangen 
«'ar, in das Theatrum Diabolorum ebeuHO wenig anf wie 
ächmidt'fi „Zeheu Tcuffel". Entweder er wbloss die poetischeo 
TeiifelbUcher prinzipiell an* und macht« nur bei OirTaeus* 
HoOeufel eine Äuanalime, weil er der älteste war, oder 
Sduttidt's Buch war ihm entgangen, und den „Uausstfluffol", 
von dem er 1569 bereite die $. Auflage ht-rrtelleu konnte, 
hielt er allein für wirksam genug. Statt dessen Hess er im 
Theatnim dem Rheteufel den Hurenteufel folgen, so das« 
nnn diese beideu (No. 1 1 und 12) uach dem in der Einleitung 
anagesprochenen Ordnungsprinzip (siebe S. 37) daa Toben de« 
Slitluis gegen da« 6. Gebot darstellen. 

Der Teufel der Hurerei ist sehr alten Ursprungs. Neben 
f^sr bibHsohen Tradition, deT Hoi^hmnt »ei die Ursache des 
'ESogelsfalles gewesen, steht die de^ Bucb«» Henoch (cap. 6 fg.), 
die «innlidie Lust habe Äzazel (oder später Semaja) mit den 
bösen Engeln gestürzt'), und im Buch Tobias (3,8; 6.15; 
8, 1 ff.) begegnet uns der Dfimon Aamodi, der in sinnlicher 
(rlnt för Sara. Raguels Tochter, entbrannt ist, ihre sieben 
N&nner t5tet und nur von dem Eirzengel Kapbael gebSndigt 
werden kann. A^modi. nach Alex. Kubut^ aus dem persischen 
„Aeshma" entstanden, bedeutet selbst _der heftig Suchende" 
der „Begehrende"; er erarheint als Geist der Wollust auch 
im Talmud (Gittin 68, 1), wo ihn eine Erzählung mit K9nig 



■) Schenkel. Bibel-Lexikon I. 265. (Fritacbc). 

■) C«ber d. jildiiclia Aogotologi* und Dämonologie in ihrer Ab> 
vom P«r(iitinu<. S. Ttß. 




BHfi UND FAHIUE. 



^ftlomoii in V«rbiuduiv; bringt, und von hier sus f^laai*te er 
mit der SnlomonsaRe in die Litt«ratur der sbendUüidtscbea 
Völker, wurde im älavtscheu „Kitivvas"', und blieb Asmodi 
m drn deutecfa«u Gedicltt«Q von Salmsa und Uorolf'). 

Der Verfaafter unseres Traktates vom „Hiirent«afeH *), 
A adreas Uoppenrodt, war Prediger za Hett8t«dt in 
der Grafschiift Mnnrfeld, wo er 1584 starb, und geborte «u 
dem Spani^eDbergiscbeD Kreine *) ; freilich war er einer von 
den GenoesiMi des hii>d«ren Cjriacus, die spHter ini Synei^ten* 
itreit die Feder gegen den alten freund wandten*). Neben 
wmen theologiscbeii Schriften verfaaste er noch mehrere histo- 
liaob« Arbeiten, von denen sein pStsmm-Buch oder Erzälihing 
aller TiabmhaJReo Geschlechter in den säcbsiflcben lindem" 
d»e bekanntest« ist (StrassburR 1670); in die schöne IJtteratur 
tims er ein durch ein Drama ^\}m Golden Kalb' % da« nach 
«Der sehr ungeschickten und breiten, den riesigen X. Akt 
iDidaaaenden Exposition in den apSteren Partien sehr hübsche 
SaeDeo aufwoist, und durch das er ein Plätzchen in der Ailg. 
devtacb. Biographie wohl verdient hätte. AVie die« Drama, 
w erschien auch sein -Hurent<^ulfe1'' mit einer Vorrede 



■) d. Salman u. U<trol{, iMnmgtigthta t. Fricdr. Vogt p. XLVIir. 
a. p.IL. Noch bei Gooth« wird im 2. Tail d. Faoat I. Akt. (Wetmsnr 
Augsb«. 'W«rkt> 1(, 1. B. 85) T. 5878 Amodi als elief«iiidlicb«r 
Simon gtnannt. 

*) WiAtT den Bun-u TM(^l^l vnd all«rley vniacht. Wanrang rud 
Sniehi aou OntlUober SohriffL Q««t«Ut md euBtunmen jreMften darek 
Aadrcai Hoppenrndl. Mit einer Vomde C}Ti«ci SpuigctiliRrfpi, Frkf. ■. 
I. IWB — nebe Goed.* II, 481. K. IS. -^ AuMerdem noch Frkf. s. M. 
(Hüttr> 16N. 8*. (Berl. kgl. BibL Db SOIS). — Im Tb. D. No. lä: 
A. 8M*— SM': R 801*— 3t9*: CI 24»-«8. 

■) JScher II. 170S. — UmT«rul - LMcik. Xni <IT85) S. 810. — 
v&analea tienrodea* von eiMBi Prwrvr Pi^ppenrod t» G«mrod« wnrdeu 
bn fräbor irrtlMaüioh (ugewifaen. — Siebe .Nnehtrfge". 

*) Leaekfeld, Untoria SpengcnbcrKetiui S. 89. 

*) ■ ■ • . Bin 8pi<^l Kon der HicUiria de* cwof «nd dr«!ai|[*ten 
C^t«U im Andorn Buch Uok. lUimon veiu |[cBf et dardi Andmam 
BopptBRidt-. SlraMborg (SudmI Emaid) IKeS. 8. cf. Oaedeke* H, 
M8. (Btemfi, an mir dem dort etigegrebenea nodi B«rl. IcgL Bib. Vp 9811^ 




124 



OSBORN 



319 



Spangt-nWrgs, der nuf die letztere 8clirift s«hr eingewirkt und 
such ihri^D Druck v^mnlHMt Iiut. Ein hübscher Holzsebmtt 
liert das HUr-hlein : er zeigt ein üppige» Weib in verführerischer 
Lag« auf «iuom Bett«; ein Madii tritt 8tauit«ud und mit !>&• 
gehreadem Blick ing Zimmer; aber au dem Bett sitzen 3 
grinsende Teufelchen, von denen eines dem Eintretenden eine 
Sanduhr entgegen bXlt. 

Noiwn dem Satanas. dem ITriieber aller Cnzucbt, meint 
Hoppenrodt, int es die in der menschlichen Natur beffrUndetd 
bö«e Bogi«rdf. di« uns tm dieser i^iinde treibt. Dazu das 
Leben in den Wirtshäusern, das TrinkeD und Tanzen, das 
Schwatzen tmd Henim-ipairieren, das ^spat vnd langsam tiochen'' ') 
~- alles das l)ef(frdert die Unsittlichkvit ; bMonden aber irt 
der Müssiggang „«in s&nSt Küsszlein. darauff der Teuffei seme 
ruhe bat" '). Eine Reibe von Anekdoten macJit den Schluss 
dieses Aliscbnitts, unter denen sich aueb die nach ^lanlius 
erzäblto NoTelle zu Hhakcspearea .,Mas8 für Mass'- befindet *). 

Ein zweiter Teil setzt uns die Beweggründe anwinander, 
die uns vou der ,,Hurere}"' abhalten sollen'). Gottes Lieb« 
zu den keuschen Menschen, besonder» aber das Beispiel Jesu, 
der in seinem Verhältnis zu seiner Braut, d. i. der christlichen 
Kirche, dfts Muster eines keuschen lieheus bietet*), sei uns 
ein Antrieb. Die Erklärung, Äpelles habe die Aphrodite auf 
einer Schildkröte gemalt, um anzuzeigen, dass das Weiber- 
volk sich stets in den Häusern halten soll, tindet sich bei 
Uoppenrodl ebenso wie schon bei SIum'uIuh und Schubart. 

Von der Herrschaft zum (»esiude wandte sich der 
Dresdener*) Peter Glaser, der in Schul-Pforta und auf 
UoiTersität zu Leipzig *) seine Ausbildung erhalten hatte, 



') 80B« a. ") Fol. 800 a. *) FoL 8(». 

*) Uan vgl. L&tli«» Predigt vMn Ebeliolieii Lebeo <Ifi9S) SA. 
90, 67 ff. bei- 8. 62. ') Fol. 817 äff. 

*) I)u* er in Dresden gcboKti, gebt kiu der Vormhi xa äta 
iViurUig AnfecfatuDKen" BI. A 7 hrrror. 

^ Dort wurde or, wie mir U«rr Dr. Johanties BnlM aai ttiawi 
TiotiMu freu Dil li et»! mittheitte^ im Sommiir 1346 imiuttrikiiliert. 



SSO 



£HE UND PAUIUi:. 



1S& 



iIauu eine Zeit iiiii« PredifEer in Bamersdorf f^eweseo war 
and schliesslich die Stelle eines StadtprediserB in seiner Vater- 
itadt Uro^eii erhielt, die er bis zu seiucm Tode, 1583, inne 
bstte'). Er war — Eumal im Sacrajaentsstreit — ein eifrifier 
Orthodoxer, verfasate polemische und homiletische Schriften, 
dAraut«r auch: „V'iertzig Aiifeclituugen des Teufek. dft<iiirch 
er vns am Gebet hindern wolto *) . - .". In seinem 1564 ssuerst 
enKbieuenen „Gesind Teuffe]-* ') teilt er sielt den Stoff in 8 
den Tufiuig nach sehr unjiU-ieiie Abschnitt*, vielleicht im 
ÄDEcbltiss an Mus>ciilus' Elii_-teufcl. ^Ht grösster Wielitigkoit 
wird lue T'nftezoKenheit des (resindes, seine Faulheit, Tintrene, 
KtwchhafUgkeit behandelt, eanz im Sinne liUthera, der sich 
sach wtedcriiolt mit diesc-u Fragen beschäftigt hatte*). Der 
Latberacben ADsckauuDf; entspricht auch der GnindRedaoke 
d*r ganzen Schrift, daas die Forderung von Treue und Ge- 
horsam des Gesindes gegen die Herrsebaft ein Teil des 4. 
Q«l»oles sei, wenn dies such ausdrücklich nur vom Gehorsam 
der Kinder gegen die Eltern spreche. 



>> JSetMT n. 101 S. ~ L'Mver»l-Lex. X (173&) Sp. tSSO. 

*) B . . . . oder dtrinna irr« vnd iwcifclliaStiK mmcbpo. Vnnd wie 
dtOMlbi^B KU begegn«!). G««t«llal riid KntiiinincnKFJx>i:«Ti von U. Petro 
Qluer. 15TS XBraberg (Valentin GoyMliir) fohlt bei Gordfliie. — Andere 
6cbrift«ii: .Li'hreLudiFriniderdieSaknmentirer'. Dntiden lßS3— 1696. 
*•. — ,C«tli}[iLTte Tod reTt«atscht« PropheuyiiDgea Lutheri too aller- 
hml Slnffca.-' Hallv 1826. — .Unlerrieht, wi« der Chritt«n Traurig- 
k*it la (tülcn «ei*. >. n. 

') ,Dnrinn acht itückc j[cliaii<1rlt werden voii de» Grinde* vuti*«, 
•fleh« im iiai.'b£atirrDcl«n hUt vcneio)iii«t durch U.Pet«r<jlaiittr, PTi!<liger 
n DrMKdm, ircatf ll*t vnd luMmmco [(^lagmt.' Frk. ■. M. 15IH- . . . 
«L Ooed.* II, 481. N. 12. — Aiuarrdcm noch: Leipzig (Eraal Vögelio) 
1SA4. V, mit and«r«'in HoliK^nitt als die Prankfurtur Aiugnlw von 
Fcjer»beml u. HiHer. - Im Tli. D. No. 8: A, 378—987*: B 284'-M6: 
CI IW— SOS. 

*) c(. Lotlier: Wie da« Gebinde fein »olU EA. S,l6f., 30.27S. 
— Nim t'eliermm: 64. 154; 93.369; 3fi.Ji»8. Ab BeifpJf I für die Mügdo 
i. Jnng^n Mona hiogiritcllt : B.BOtä'. 



6. Tfaeolo^sehes. 

iey\. Kluge unil geli^hrta Tt^ufel. — Sa libul« leufei. — BSk Sieben 
Teufi'ls K»m8Qel»piuL - SukraniL-ulstpufel. — Pfarr* UDil Pf 
Bewihneicl« • Teufel. 

Den Teufel, der den Menschen nicht zu einer bestimmten 
SQncle rcrlciton will, BOudern ihn iiberhnupt vom christücbea 
Glauben loszulösen sucht, also den eigeaÜicbeo chnsÜich- 
dogmatisdien Teufel, stellte Andreas Fabricias dar. 
Er witr der Bruder des bvrübiutvu Puvt«a und Scbulinaniie.<) 
Qeorg Fabricius, war wie dieser in Chemnitz geboren, in 
Kordhausen zuerst als Uagister philosophiae, dann 1562 — 65 
als DiacüDus und sohliesalich als Prediger angestellt '). Er 
geborte hier zu den Anhängern und Freunden Cjriacus 
Spangenbergs; als er aber 15ß8 an die Nikolaikirdie nach 
Bisleben versetxt wurde, ward da« Biiud, das ibu mit diesem 
verknüpfte, lockerer, und als im Beginn der 70er Jährt- die 
Drt^hung de« Consistorinmit erfolgte, lieas er sich zur Partei 
Strigels hinüberziehen, iu deren Siun er sogar iu einer Dispu* 
tatioD gegen Spangenberg persönlich auflrat ^). Fabricius ätarb 
in Bisleben, 6 Jahre nach seinem Bruder Oeorg, im Ilerbat 1577. 

Sein Büchlein „Der Heylige Kluge rnd G-eUhrte 
Teuffei, Wider das erste Gebot Gotte», den 01aQb«o vnd 
Chn&tum..." (1567)*) stellt also den Dämon dar, welcher 



■) of. Zedier. ünivon.-Le3i. IX (173S) Sp. 86 dmIi Oleuin*. 
ajrnUgni. Kar. Thuriug. p. IBB. 904, 908. 

Andr. Fiibricius ■chrieb noch ma Ut«mi8ch«« Godiolit .ChrittM 
DftDf WiU«nbert[ 1651. 

*) Letuikfäld, HitUiria SpuigenbergeDiiu S. 36. 

*) auH« heiliger Sohhfit Tiul Pktr« Luthw« b«Mkriet>«n von 

M- Andrea Fabricio CbamniiienBe. Prediger in der Oejaein lu S. P<4«r in 
Nortbaiuen.' Goedeke. S. 481. K. 13. - Im Tbeatr. DiaboL Xd. 8. 
A161«-19S; B 141*— 167; C'i 113'— 1S5. 






SSS THEOLOGISCHES. 137 

dm Mensch«» aaf seine Klugheit, seine Kenntnisse, seine 
Uebeneugaogeu stolz und siohcr macht, um ihn rom Pfade 
des Racbten abzuziehen. Der Teufel war ja selbst immer als 
«D Uoger, durch eine Jahrtausende lange Erfahrung ongemeiQ 
fcwmtPwrwfAfT Geist dargestvllt worden'). In LienLard 
CnlaiumB ^Pandora' (1544) bei.ipi^il.'iweise, wo zwisciieo Pro- 
uetbeos, Epimetheus, Faudora, Juppiter, Uerknr der christ- 
liche Satan herumläuft '), sagt er selbst tod sich (III, 4) : 
„Ich kann alle sprach und bin bekannt 
„Nicht allvyn in dem TfutseheD laudt, 
^Soodern in Yngera, Bebeim rberal 
»Der Hispantüch kennt mich und der Wahl, 
„Portugal, Korn, Pol» vud Frani-kreych 
KDarzu auch das gants Komisch Refcb 
„Ich durchwandert Tud logen bin 
flUit grossem gwall rud grossem gwiu. 
nVon aaff vnd nidergang der Sonnen 
„Bah ich mit meynor kitnst viel gwonnen 
•Kein sprach ist mir zu schwer gewesen, 
nKeio gachrift, ich habe können lesen." 
Bei Fabricins nun werden dk«« Eigenschaften das obersten 
Satau auf ein Mitglied des hülIiaeheR Gesindes Übertragen, 
nad der ^Heylige, Kluge und Gelehrte Teuful" geschaffen. 
In winem Gefolge sieht Spangenberg, der eine Vorrede zu 
d«m Buche schrieb, die Sektierer und Rotten, die das Land 
iluchziehen, aber nobvu ihuen auch fast alle«« hW&s Gross, 
Bcic3i,Wtitse, Gewaltig Tud gekrt ist fltr der Welt". Fabricius 
sentit ihn geradezu den „Theologi sehen Teufel"*). 

Er truibt die Menschen dazu, dass sie »elbst alles am 
beaten zu wissen vermeinen und iliren WiUeu durchseti«D 
wbOco. JDaa sdiändtlicbe Ego vnd Nos richtet alles Hertz- 
leid an*)." Luthers Kämpfe mit diuem Teufel werden be- 
Khrj«beu, sein mannhaftes Kingen gegeu ihu als Beispiel 



■)<£ Luther EA. W.4S. <) Qoedeke* H. 381. *) C< I16b. 
•) C» 118» *. 



i 



188 



OSBORN 



928 



gtHchildert; im ö, Capitel stellt Fabricius aus seinen Schriften 
142 hierlier gehörig« SprQche Eusamuien ! 

Der Heilige -TeuPei hjkt t-iu staUlicliei» „Hofßcaind", 
und alle mögliclieD Misstände treiben ihm neue Anhänger 
zu: zumal „der Hobenschulen missbrauch' Tergrfl»«ert seiu 
Reich. Dort wird „der grüßte rnod besti:; tboil vniH^r Jugend, 
gleich wie ein Bntnittopffer geopSert ')". „Denn datis sie in 
Hurerey, Fresserey, Tnnd öffentliche bosheit gernhten, ist d«« 
geringste verderben. Uass sie aber mit falscher Ueydniückur 
Kunst Tnd mit Gottloser Mt-uschlicher Lehre vntenretset 
werden, das ist des Feuwer Moiooh" •), 

In eiiK^m Miscellnnbiind der Kgl. Bibliothi-k xu Berliner 
der nur Teufelbücher eiithäU, befindet sich anj Schluss, 
hinter einer späteren Ausgabe des „heyligen Teufel", ein ge- 
schriebener Nachtrag, der von ^M. Andr. Fabr. Üheumicensis" 
unt(;rzeichuet ist und offenbar auch von seiner Hand stammt. 
Es ist eine 22 Octav-Seiten lange „Apologie des ausg&ngenen 
Büchleins vud Deutung des gemeldes, .", in der nach einer 
umständlichen, in der üblichen Weise gehaltenen Entschuldigung 
wegen der Wahl des Titels eine intei-essante Erklärung des 
Holzschnittes folgt, der das Buch echmUckte. „Aach die 
tindiTu Hiitort-s hüben", »o meint Fiibricius, „Ihre mnteriani 
ein jeder mitt einem sonderlichen Bilde gelieret rnd abge- 
niahlet, das KUgleicl) das Bilde auch die Summa des gaotXQD 
Handels zuuerslehoun gebe." Dos Bild hatte man ihm nadi 
der 1. Auflage übel genommen; man hatte ihm vorgeworfen, 
er hätte damit „gelerte Leutte veracliumpfiereL^ So erklärte 
er es denn des näheren. Eine Mönchskutte trägt der heilige 
Teufel, weil er sich für einen geistlichen Herrn ausgiebt; ein 
Seifen geht am seinen Leih, dass er vor Hochmut nicht 
platze, Beine Rechte trügt ein Buch, aiu dem er seine Ge- 
lehi'samkeit hat. die Linke ein flammendes Schwert, mit dem 
er den G'lauben bekämpft. Aus der Brust guckt ihm ein 
Mönch heraus nach Luthers Wort: rjeder mensch tregt jnn 



■) 188 •■. ») I8S • M. ») Db. 8018. 



224 



THK0L0ÖI8CHKS. 



139 



iwiofiiii Basvit Toti n&lur eiu«ii vogeheworn greslicben mönch." 
Obea im linken Ärmel sieht ein Jesait. unten ein Pliilosoph 
henns. Aus dfii» i-echt«ii Ärmel raf^t oben irgend ein Wiedcr- 
tiUif«rt vatd Dnteu Uiinzer s«lbst mit einem Schvert hervor, 
mgleicb sU KepräsentaDt aller, ^die Rieh xusammea rottirenn, 
vnd wollen» mit dir klingen dmn viid das bapstumb mitt dor 
Faust angreiSun. es sej Dicbts mitt dem Luther, der da 
ssget: „Gladio Terbi, bxcula labiorum et nrc. infantum." 
Vielleicht i»t dabei au Hutton und iteine BoBtri'buugcn ge- 
dacht. Diu beidtm Filsü«, der Bockshuf und die Greifea- 
klaue, kann der Teufel nicht verhergen, sie kennzeichnen ihn 
trotz Beines M&tichsgewaufU und trot« des Heiligenacbuines, 
der Hciniün Kopf umschwebt'). 

£inen ganz merkwürdigen Dämon schuf sich Caspar 
Faber von Mellerstadt — „ParinopoUtanus", wie er sich 
Molx darnach nannte — , der zu DujrHtiugon suf dem Bicha- 
ftld in der kurzen Zeit, wo' dort die Latherscfae Lehre 
boTSchte, Prediger war. Kclion 1582 eroberte der ErabiBCbof 
Daniel TOQ Ifainz die Landschaft, die zu seinem Gebiet ge- 
bort«, mit Eilfe der Jesuiten dem Katlielizismus zur&ck, 
aber für die kurxe BlUthe, die der Protestantismus dort er- 
lebte, setil unser Pfarrer ein Denkmal. Er schrieb „wider 
alte Heuchler vnd Werckheiligeu auff dem Eichttfeld" eine 
,Eiu fettig 6 vnd kurtze Erinnerung rom Sab- 
bathsteuffel"*), in dem er alle« personi&rierta, was die 
gtaetamäfisige Befolgung der VorsebrifteD fUr die Feier den 
Sabbaths oder vielmehr des Sonntags hinderte. Die Vorrede 
iM 1567 untenteichnet, und wir haben also die erst« Ausgabe 
«obl anch in dies oder das o&clut« Jahr anzusetzen, w&hrond 
die 5Üheste bekannte Auflage 1678 gedruckt isU 

Faber erweiterte sich sein Thema, indem er schliesslich 
seine Strafpredigt auf alle Sünder aasdehnt*. weil «ie ja am 
feterug wider das g&ttliche Gebot liandeln und so den Sal>> 



•) SMm u. S. SOS f. 

t o. 0. 1572. Im Tt, Di«b. B. «5*— »1; Cn 838— 314«. 

9 




180 



08B0RK 



M&. 



batb eatheiligen. 8o werden Papisten, Belormiert« , „En< 
thusiaaten", d. h. WiedertRufBi-, augegriffi-n, die schon durch 
ihren Kultus den geheiligtem Tag entweibeo. Ziemlich trocken, 
ohne Beispiele, ohne Anekdoten, werden die Laster jedes 
Alten, 8tuude8 und Gewerbes vorgenommen. Auch die Buch* 
dnicker aogcklagt, di« „das was zur Bvltinlorung des Rvicbs 
Christi vnnd rechter Heiligung dienlich ist" '), also jedenfi 
die orthodoxen BUcher, nicht «hdnicken wollen. Ohne eim 
Spur von VerBtSndnis für das Lcbtui des Volk«» sohiinpfl P. 
grimmig auf den „Pfingstteuffel"'), eine besondere Abart des 
„Sftbbattiteuflels", dessen Wirken sich zeigt, wenn am Pfingstfest 
die Gedaokfu der Menschen statt auf das Anhoreu der Pre- 
digt und auf Beten „sind dahin geriebt, dass sie guten Wein 
oder Bier heimfuhren, weidlich sctdemmen nud denunen md 
Sawfrölich seyn wollen" "), und wenn „Überkeit und Vnder* 
than«n jlir« Bronnen rcynigungcn, Schutzenhöfe, Vogel ah- 
schiessen, Gülden Tersammlungen mnd anders Leichtfertigkeit 
als Tantzen, Fecbten, in die Milch mit der Grel«n gehen, 
oder in den Kloos oder uuff dcu ^trobvrge, Ehrt'uberg, 
MUhlf<nberg auf dasselbige herrliche Feste anstellen vnd ver- 
ricktvu, auch mit VersRuiuung vnd Verachtung dess liebeu 
Worts." Stet« im Kreise sich drt-hend spricht er von den 
Sündern und entwickelt im Anscliluss an das Einzelne seine 
Ansichten von der Sonntagsh^.Utgung, die zusammen ein ultra* 
orthodoxe« System starrsten Furilanertums ergeben; «r will 
Hochzeiten, Kindtaufen, Festlichkciti'u aller Art rom Sonntag 
verbannen; Spaziergänge und Belustigungen verbietet er; die 
Leute sollen auch am Nachmittag „den Kateclusinus baDddn 
iu den Kirchen odir duheymcD mit Kindern vnd 
denselbigen repetireu" *). 

Wertvoller jedenfalls als das ganze Buch ist sein 
hang, eine Sammlung von IG geistlichen Gedichten*), zom 
grössten Teil von Faber selbst verfertigt, die sich fast sStnt- 



uauatmi 
»du io^^ 



•) B 480U. ') 480'o. •)48iD. ') «4*K— *'8. ^ 

*) Bai Wackemager, diu deutwhe Bärolieuliod IV, K. U67— TS. 



(ß. lOSl-tlOfi). 




THEOl/XüSt^^HES. 



131 



lieh durch eiBen frischen, volkstümlichen, oitch der LektUr« 
d«t Sat>hatht«ufela tlberraschenden Ton auszeiclincn. Manche 
Nnmmem wie „Jacob, der ward von Hertzen fro-' und „Es 
ist gaotz nahe der jüngste Tag" sind nicht unbekannt go- 
bli«beii, einige „Kindertiedcr", die iwisdien den ui«prüng- 
liehen lateinischen Versen iutorlincar die deutsche Keimüber- 
Setzung bringen, sind f^anz htlhsch geraten, und eine Fort> 
•etzong ZV Jobann Walther's überall gesungenem „HerzUch 
thnt mich erfrenwvu die Vivhv Sommerzeit", die er 1668 
dichtete, war ihm treffhch gelangen. 



WShrvod nun die Bücher des Fabricius und dos Caspar 
Faber immerhin nnch Fühlung mit der Tenfellitteratar hatten, 
welche Sünden und Uis»täiide bekämpfte, falle» 2 Teufel- 
tchrÜteu ganz und gar aus dem Rahmen heraus. Sie ftlhreo 
■OS in die wütenden tbeoIogisrJien Kriege der Zeit und ge- 
hören mit 7.a der Kiesenzabl der Bficher, welche den streitenden 
Parteien im iGideuschaftlichen Kampf um das Dogma als 
Waffe dienten, und die mit der i.ngeutliclicn didaktischen 
liitteratur nur ein sehr dünner Faden lose verknüpA. 

Das filtere dieser Bücher ist der schon erwähnte Traktat 
Cjrriacns Spangenbergs „Wider die bösen Siben 
ins Teuffels KamftffeUpiel" *J. 

.Ji^artiÖffel" war ein im 15. und 16. Jh. allgemein 
Terbrettete« und ftussorst beliebtes Kartenspiel % Es brachte 
eine interessante Äbwechselang durch den originellen Ge- 
danken, die niederen Karten Über die höheren zu stellen: 
die Drei stach den Ober, die Vier lieii Uutcr, die Zwei den 
König ; höher stand die Zehn, dann die Sechs, und alle stach 
der ..Karokiffel'': „man hat erdacht KamöfiTelapiel, da stechen 
ihe mindern die mereni viind die vnder die obem," sagte 
Gefler ron Kaisersberg *). Nur die Sieben konnte der Kar- 

<) Goedekc 480. No. «„. 

■) tt J. Voigrt ici Banmen hiator. Tudwutiach 1838. S. 402fr. — 
DcBtaebw WSrturbuuli 5. Bd. (Ku-i. Hitdubruid) Sp. iWt. 
*) Geiler. Die BriiMmUB 1617. I, CIX*. 



1S2 




08B0EN 



Döffel nicht stechen, sie war „teufels&ei" ') and wurde auch 
scblfrchthiu der „Teufel" genannt 

Der Name des Spieü wird kaum, wie ßud. Hildebrand 
naeint, durch irgend eine Beziehung zu einem Leibesschaden 
— KumöfTel bedeutet xunKohst eine Geschwulst — entstiuideD 
sein; begründtiter ttcheint mir die Vermutung von Johannes 
Voigt ■), das8 in der VollwBpracbe das Wort Kardinal schon 
firOher bühnisch zu „Karnöffel" rardreht wurde, und nun das 
Spiel nach der Hauptkarte, die meist einen Kardinal dar- 
stellte, getauft wurden sei. 

Wie vertraut da« Spiet bald jedermann iu Deutschland 
wurde, erkennt man an den zHblniichen satiriochL-n Anspie- 
lungen, in denen hantig der Karnßffel mit dem Teufel, der 
Sieben, znaammen auftraten *). Geiler demonstriert« daran die 
Schlechtigkeit seiner Zeit *). Er meint, wie früher im Karten- 
spiel der Ordnung gemäss die oberen Karten mehr als die unteren 
gegolten hätten, ho war es aacli nach Recht und Billigkeit 
im „weltlichen Rogimont": 

„Aber jetzt so hat man ein spfl, heiaset der Kamiffel- 
Bpiel karniffelitis, da seint alle ding verkehrt"; und da jedes» 
mal zur Bestimmung des Trumpfes ein Ass — der Kiiisur 
genannt — nmgescblagen wurde, fährt er fort: „ietxt ist so 
einerlei Keiser, darnach ho wUrt ein anderlei keiser wie dat 

glQck gibt Also in dem gewalt int es auch rmbkeret 

ach wi« dick kumpt ob, dass die fhimen ersamen fürsicbtigen 
werden mder getmckt in raten, in den erwlilungen, so man 




•) Sp&ogeubergs Vom-di) Äiiy. 

») %. », 0. 8. 403 uoil 408. 

•) I. Bsp, (niioh Wörterbuüh V, SSO) „Teufel vnd k«rnofr*l" Ftutn.- 
Bpiel 162.IS. — ,^ob, du vcrihiehter Bötvicht und Touf«I^op( mit 
doitten Brüdern den kkraoffeln und kamaliocliei) IfeMbJMhovea." Iiutber 
J»a. Tohl III, M'. — Uun Futnachinpiel „Di HarnMcbvatnacbt" 
Kcllor, Xo. 09, Bd, II, 757, Zcilo 3. — eS. Alwiii Sl^halU, Dtwh. Leben 
im U. j>. I&. Jh. II. 51«. 

*) Q«il«r, Dm Bucli Arbor« bumsna Voa dem meiiHblielteD Bum. 
ICSI. Stnuiburif (Oryningi^r) (dmIi der latein. Oripmiuegi]» ibid. 
161«) Fol. CXXXIX'b-CXL. 



A 



B38 



THEOLOGISCHES. 



138 



kötüg vnd biachoff enrölen soll .... Tnd ander, die TrteUen 
BBch dem äeiscli vud der sinliclikuit, die worden erhört." 

Bald aber, in der Z^it des Kampfes, trat der politisoh- 
satirtsohe Chnraicter des Spieles noch weit »ch&rfer in den 
Vurdergmnd. Hfia Itiess die Hecbs der Papst, er stach das 
Au — den Kaiser — , den König and alle weltlichen HSupter; 
die Zehn v,-urde nach der darauf gemalten X das „Kreuz- 
panier** gäiaont nnd als eine Waffe der römiBohen Hierarchie 
UngMMUt, mit der diese die Weltlichen Uberwan<l. Der „Teufel" 
var sttchfrei. sum Zeichen, dass ihn der Pn[i»t, die Sechs, »einer 
gSttlichen Statthalterschaft nneracbtet, auf Erden passieren 
lasse. Allee aber war dem Kai-nüffel unterworfen, der seltener 
auch als ein Landsknecht erBchien — eine kräftig« Auf- 
forderang der weltlichen Macht wider den römischen Stahl 
aaxug^en. ') Zahlreiche andere Beziehungen wurden gefboden 
und witzig ausgebeutet; die vier WeltmonarcMcii, Türken und 
Heiden , Adel-, BQrgei^ und Bauernstand fanden im Karnoffel- 
tjde] ihre Vertretung. Alles dae erklürte höchst lustig und 
•Bschaalich in einer prächtigen satirischen Flugechrift „Pu- 
qoilltis, Newe Zeitung vom Teufel", (die leider in Schade» 
Sammlung nicht uafgenomuieD iitt^ der Satan dem Papet. als 
ar die gemeinsame Stichfreiheit des Papstes (der Sechs) and 
de» „Teofetfi*' (der Sieben) zum Beweise dat\lr heranziehen will, 
iaum er der natHrliohe Genosse des rumiechen Bischofs sei *). 

Eine ähnliche Rolle hatte schon früher unser Earten- 
qiiel in einer Flugschrift inne, welche, wahrscheinlich 
als Antwort auf des Cochlaeus gegen Luther gerichtetes 
Mtinsches nBockspiel" (1531)") ans dem protestantischen 
Lager 1637 licriorging, als Papst Paul IIL das Conoil 



el. TMtocluT Herkur 1788. EtMm Vi«rt«ti*hr. S. SS. iL B«y- 
trag NT Q«achichlc der Eartenipi«!«. Be*. S. 66, 7S ff. 

>} „Puqiullus, Newe ZeitunET vom Teuf«!". Zu«nl 1646. Goedaka 
Urandr.* II, 874, St. 76. — Aulgabe o. J. (18 Bl. *" BerL Kgh Bibl. 
Cd. 9aM) BL 5 (B) - $> (Bij.<> - cf. ooeb Voift in RMmcra Hbtor. 
LraacbanbDcb 1B38 .S. 897 tt. 
^H ■) ct. Biederer, NacfaricliUn xur Kircbes- etc. littch. VI, 896: 



134 



OSBORX 



8S9 



zu Mantaa msammea gvrtir«n battc : „Eiiio frage des güotzca 
heiligen Ordens der Xartenspieler an das Conciltum zn 
Hantua')". Hi«r bat der „Orden der KarteDspieler vom 
Kamöffel gestalf *) die Katholiken um die Erkl&nug der 
merkwürdigen VerKältaisse in diesem Spiel, wie etwa nwarumb 
doch das erwvhltc Tauss da« geringste rad ärmste stUck aaff 
der Kart«n der Keiser heisBe? Viel baltoa d«r BaiMt habe 
jm zuvil geraubt vod gestoleo daa er ein B«ttl6r moss seyn 
Tod doch der Keiser httisie." Spangenberg uahm aus dieser 
Flagschrift mineu Titel, druckte eie to der Vorrede ganz ab, 
um sie dem „gesohraierten Oelgfitzen auff dem Condliabolo 
inus Teuffcln iiammeu zu Trieut versamlet" zu präsentieren, 
da ja, wie er ironisch sagt, „alle Ketzcreyea sonderlich die 
Lutherische aussgerottet" und iufolgedessen „nichts mehr toi^ 
bandet) zu thun ist""). Sp-'s Traktat selbst, dem er das 
hochtöuvudc Programm mitgiebt: „Wer wisst-n vil was hinder 
dem BapBttbumb steckt, der läse diss Bach*),'' stallt also die 
„böse Sieben" d. h. de« „Teufel" in da Teufels Karnöffel- 
spiel dar ; und diese „böse Sieben" wird gebildet durch eine 
Q-mppe Ton 7 Männern, die Spangenberg in d Abschnitten 
bekämpft. 

Der erste soll den ersten G^^er schlagen: „Wider die 
Balla, SoBapstPius, dieses Namens der vierdte, 
Adqo 1660 liat aussgehen lassen"'). In wildem Zorn und 
mit einer Kraft der Sprache, die dem Schüler Luthers alle 
Ehre macht, wird jeder Satz der Bulle vorgenommen, aU 
Lüge und Betrug entlarvt, als „eittil Teufoley" gobrandmarkt"). 
Es ist nur ironisch gemeint, wenn er sagt, man dürfe wohl „einen 



..Bookvpiul Uartini Lutheri : darinnen fast olle Strnilc der lEensckca W 
irrigen und wie licb ein yeder beklRjiet, der yntil lRur%an tcbwWMi 
tvjt. (ianti kurtEwe.vlig vnd lu*tig lu le«cn. UohaitRO ni Rimbaeh nS 
d<Bi Schio«!. Am £5. Juni 1681." 

') cC Flegel, Oeich. d. komKclieti LitUr. 178«. VI, HOB. — 
J. Voi^ a. a. 0. S. 418— Itl. 

•> Bei Span^ubcrg Ä i i j. 

»)ÄiiJ». '>Äilj. *) Ä-CV. •)A,«. 




THB0L0GI8UH£8. 



solchen grossen Herrn als der Bapet ist, tiicht Liegen heissen"'); 
denn 8«)nn Wnt kennt Überhaupt kcinu Orenzcu, und Hucb 
die gut^o Lcliri-n, die der Bspst gi4.'bt, benubet er zu m^iss- 
losen Angriffen, indem er nachsaweLien sucht, dass dieser »elbeit 
Mine Lehren nicht befolg« und also, wenn er sie gebo, von 
Hochmut und Heuchelei beseeoen sei. 

Die folgenden beiden Abschnitte wenden sich gegen 
Dominicas Limpricius^), einen MJlRob, der im Auftrag 
des Bischöfe Marcus von OlmübE in Mähren ,, Zettel und 
BUchlein von Religionssachen schreiben und drucken lassen". 
Zwei von diesen Traktaten fielen 8pangonberg in die Hände, 
und dieser nahm nun mit glühendem Bifer di« Qelcgeiihett 
Wkhr, wieder einmal die protestantische Lehre als die einzig 
wabni und die katholische ale die erlogene, teuflische hinzu- 
rtellen. Der erste war des Limpricius Schrift „Biae rechte 
Vaterweisung Christlichej- Conimuninn" *), welche nach Span- 
genbergs Bericht folgend« 5 Tlieson aufstellte : 1 . Alle 
Cfariaten sollen fUr gewöhnlich nur Ostern zum Sacrament 
geben. 9. Bin „gevreiheter Kebterpriester vnd ein vngeweihe- 
ter" können das Sacrnment nicht rciclien. — 3. Priester „so 
üt Hess halten" und Laien sollen sich „an einer gestalt des 
Sftcnunents genügen lassen". — 4. Die Handlang des Sacraments 
tä ein Opft;r. — 6. Es könne nur in der Komischen Kirche 
^bandlet, gereicht und empfangen werden-'. Mit gewaltigem 
Apparat sucht Spangenberg die Beweisgründe des ,.&eue) 
Mflnch" zu entkräften and er schliefst in der Hofiiiung, das 
Publikum gehörig gcwunit zu habvn, „das« sie sich für dem 
■Bheodlichen Wolff in der Uiinchskappen htiten lernen". 

Der zweite Angriff gegen Limpricius richtet sich gegen 
itm m . Schrift .,Vou guten Wercken."*), und wenn er auch 



OS— P«,. 



*) „Willer DDinuiioum Limpricium aiaen «ehildliclieii Hünidi nd 

iden Wolff vitt«r der Hccrrfe (!1iriiti in» L*inl lu Mehren." Ci— ci*. 

*) sAnff den Zettel Limpricg Ton dor Chriitliuh«» ComnuaiaiD.'' 



*) ,Wid«r <1m BiichUin Dominid Limpridi Von nuUn Werkeo." 



L 




136 



OSBOBK 



n\ 



sagt .^iner (Limpricii) ScbrJfft keine vrirdig, das man ein« 
seile dArauff antworten solte", eo braucht er doch 80 Seiten 
iür s«ioe Widerlegung. 

Der Dritt« aus der böseu Siebemahl ist der LivfI&uder 
Friedrich Staphylus') (15)3— 64), der nierst in Witt«it- 
berg ein Scliülcr und Anhänger Luthers und UeüuichthoDs 
gevmen, auf des lotsteren Empfehlung »»gar ProfMMr in 
Königsberg geworden war, dann aber nach vielföltigen Streitig- 
keiten, besondere mit Andreas Oslander "), sich seit 1633 
wieder der katholitichen Kircho zugewandt hatte, und als 
kaiserlicher and bafrischer Rat 1561 mit einem „Chrifitlichen 
Gegenbericht an den Uottaeligen gemeinen Ijaien vom rechten 
waren verstand des Göttlichen worls." ") horvorgcti'i'le» war. . 
Setbstveratündlich giesst Spacgenberg auf den Abtrünnigei^H 
der „Ton riel Legiouen Lesfertenfeln** besessen ist, die ganz^^ 
Schale seine^i Zorns ans. in 7 Kapiteln greift er die ein- 
zelnen Teile «eioes Buches, auch Titel und Vorreden und { 
besonders heftig die Qriinde, aus denen Staphjlus den Laien \ 
die LektUre der Bibel entziehen will, und die Vorwürfe, die 
er gegen Luther erhebt, an. Spaugenberg ist Lutheraner bis zur 
starrsten Conaequene, nnd wenn der B^tholik es fUr eine 
Torheit erklärt, t^das man in eiuein Concilio allein den Text 
der heiligen Schrifft vnd nicht aach zugleich den gemeinen 
verstand derselben wolte lassen Kicliter sein, rod das mao *lso 
hart auff dem Buchetab dur schriETt dringe, vngeachtet dor 
Glossen, so doch der Text der schrifft ein tödtea- 
der bachstab aey, aber der (sensus) gemein« vnd 
rechter Verstand oder dentung, bringe das 



P)* — Lf. I^CT vollstündige T^tct von Limpricriu«' Dach lautet i .Vm) 
gaten Wcroken rechter mte^^iclit vnd <iiUE dJo rwi^ «rweluDf[ Tcrbraoht 
wird durch (i<!n (glauben, Chri"tlinho t»uffe, ¥nd got« WCTck." 

*) .Wider den Sc1)endlich«n J,Ügvtiet nid Onwlidica (}oU«alest«n>r 
Priderioiun StaphylHin.* Li — a»'. 

•) Jiicher 4. 777 1 

*)..„... «etüha inelir den 34 bogen hitt..' Li- — Jüuber n«ant 
dioK Sobrift nicht. 



4 



S33 TBEOIXIGISCHES. 1S7 

Ltbeu,**) 80 wird «r kls ein „rediter doctor Grobinuus" 
höiDgeschickt, und der Lutheraner ruft: „dass er äcb nicht 
(chemet solches zu ttclireibt^n :- 

Bin ^gottloser Apostat"') vie Staphylos ist auch der 
nSebste der Sieben, Stephan Agricota der jüngere'). 
Sein gleichnamiger Vater, der eigentlich Kastoitbaucr hiesa. 
war ein geborener Baier und war ein gut«r Katholik — sogar 
ein« Zeitlang Beichtvater der Oemahlin Ferdiuand« I. — bis 
Lalliors gewaltiges Auftreten ihn vie ao viele nudero intn 
proteetantäsche Lager lünüber üog; nach manuigfachen Müh- 
salen und einer dreijährigen Qefangeni^chAft gelang es ihn, 
den Binden seiner katholischen Feinde zn entrinnen ; er kam 
sacb ÄngHborg, nach Hof im Vogtlande, nach Merseburg 
JUni schliesslich nach Naumburg, wo er als Dom-Prediger 
■larb. SpHugenberg, der den Alten sehr gnt kannte und eine 
faabsche BeBchrcibung seiner LebenHReschichte giebt*) , war 
auch mit seinem Sohn, der sich deutRch nicht nach dem 
T«t«r, sondern nach di-m berühmteren Johaimes Agricola, 
^ckermanu" nannte*), seit 1546 eng befreundet, und dieser 
hat auch, wie er erzählt*), „darzu viel geholffen, daz leb da- 
nmuü etwas hcfRig de» historischen Stades oblag, darinnen 
nir StcphanuK aus seiues Herrn Yatters seligen Bibliotheck 
mit etlichen Cronicken vnd Historien, so ich sonst nicht zu- 
bekommen gewost, Seissig vnd willig . . . gedienet.** Er dedi- 
ziart« ihm ancfa eine Genealogie der deutschen Kaiser, die bei 
Steiner in Augsburg gedruckt werden sollte, die aber uiemals 
(nchien. Die Freundscliaft mit dem jungen Steplian Agricola 
körte indessen auf, als dieser im Anscblu&s an Georg Maior 
fBr die Notwendigkeit der gut«n Werke eintrat ") , und ver- 
wandelte sieb in grimmigen Hass, als er zum Katholizismus 
abertrat und nun wie er früher, hauptsächlich durch Ueber- 

•l ÜTij' (ttnarUMpilM) von IfißaVÜj). 

*] .Wid«p d*n OotlloMD ApoiUtMiStaphaiimn Axricolsm* ai*— f,. 

*) Jöcbor I, IWf. 

Ob-t- '>!),. •)»,*. 

^ Zedier, Univ.-Lesikoii. I, 1781. Sp. BäS- 



i 



138 




OSBORN 



setzu&g lateinischor Sc)inft«D von Luther un^ Brenz, fUr die 
protestantiachB Sache titterariech thätig war'), für seinen 
netion Glauben in verschiedenen Schriften eintrat, fiegen 
eine dieser letzteren , „Vm Papsts O^vralt" wandt« sich nun 
der frithere Freund mit allem Zorn and der ganzen Kraft 
»eines Poltertons*). 

In Aitscbluss an dies Buch Ägricolas nahm Spangen* 
herg das de» Eardinale Contarini*) »Vom primat des 
Papste» zu Rom' vor, das zwar lateinisch schon lanf;e er- 
Kchicneu, ihm aber in der deutschen UeberKtzung von „Uoister 
Grickel" erst vor kurzem in die Hände gekommen war. 

Als sechster schtosa sich der KHlner Buchdnicker.Iaapa * 
TOn Gfitnep an*). Mit dem vielgewandteii Uiieinländer, dei 
durch seine Ücbersetzuug von Peter Diesthemius' „Homals 
(1640) dem Hc'kastus - Drama in Deutschland neue Wege 
erschloüH und auch in einer „Susanna" (1563) sich als Theater- 
dichter versuchte, war Spangeiiherg in Stn-itigkeiten geraten^ 
als dessen „Epitome, warhafftige BeBchreibung der vontehmBten 
Händeln, su sieb in geistlichen und weltlichen Sachen von 
l&OO — 1559 zugetragen" (Oüln lä59 Fol.), ganz in katholi- 
schem Sinne geschrieben, gegen des SIeidanus ,,Commen- 
terii de statu religionis et rei publicae Oemianorum Oarolo V. 
Caesare" heraunkain "). Spangenberg wandte such in einem 
kleinen Buch „Antwort vnd Bericht . ■ ." (Eisleben 1660) gegen 
die tendenziöse Darstellung dieses (reschichtswerks. Es wird. 



ari 
dec^ 



') Ein Vf^rteichuiB «einer Sohrinen giebt Spaagenberg b i * ff. 

*) «Wider A\a Büchlein Qntiparb Coatareni Von des Bapat« sa 
Rom Ge«-«!!.- F,* — ki. 

*) ConUrini icbtc U88— Ifi4a. 

*) fjber Uennpp'B Thäti^keit bJr ScbrifUteller und Buobdnicker. 
Siehe neben ADS VIU, 798. Wolwr a. Weite Kirchen lenikon V, 391, 
jeUt «ucb Will; Scheel, Jupar von Geanep und die Entwicklung der 
nhd. Scbrifttpr. in Etiln. im ^TsKiuiuigebeft 8 der Wealdtich. Zt«cbr. 
fUr Gnch. u. K\ia»L § 8. S. S— 19. 

■) Adelung. Fortaetzung m Jöcber. H. 189S. — Willy Sr.he«! a. 
a. O. S. 13. f. 



834 



THEOLOÜISCHKS. 



139 



wenn ea aach „nicht mehr d«D vi«r bogeL bi^greifft"*), grob 
geaag g«w«scn sein, Qennep aber blieb die Antwort nicht 
schnldig mul vcröffeiitlicbU' „Ein BrnsUmfftig tieaprech, 
zwischen Jagper G«anep etc. vnd Cyriaco Spang<!nb«rg etc. 
Allnt Liebhobcru der Warheit tiUtzltcb vnnd kurtzweilig zu- 
iMdu"*). Die B«plifc uahm Spangi-iibcrg nun wieder auf") 
mit einer weitläuägeo Verteidigung seiner Ansichten gegen 
du „Ge«pn-€hbUchlein'' , diesen „rierdteii teil vun Schimpff 
nind Brost'' *) , „so uütjilich gleichwul nickt sulesen", diesen 
„andern teil vom Beinke Fuchs" *). 

Noch durch eine andere Veröffentlichung verschafft« »ich 
Geonep einen Platz in der .,höHen Sieben'^. Er hatte näm- 
lich einen „Katholischen Spangen bergi»chen Katechismus" 
bmasgegebcD, d. h. er hatte den Katechismus des Johann 
SpaQgenberg , des Vaters ron Cjrriacus , mit willkürlichen 
Abänderungen, Streichungen, Zus&tzen unter diesem Titel 
dmcken Uuseu. Das war allerdingH nicht nnstündig, und 
man begietll es, wenn der Sohn über diese Vergewaltigung 
einer Schrift des Vatei's ausser sich gerät *) ; „Ht^dler vnd 
Inatpenwcscher', „ungeschickt EseUkopf", sind die Titel, die 
er dem Kölner Buchdrucker nachwirft '). 

Den BescbluBs als der Siebente in der Gruppe macht 
der b«riihnitc Bischof von Ermeland, Stanislauit Uosius*). 
Spasgenberg meinte zwar selbst, es wtire eigentlich „ono not", 
dus er sich gegen ihn wende, aber er thut es doch, „das er 



'1 „Videi- ilea sltoo Gockrni, Jnnpftr Oennep, Buchdrucker xn 
CWea.« k.^t«. 

*) Damii xu>amiii#iij«i»t«Uen der Neben -Tit«l do» Biic-hna von 
necke Fuobi lM4:,J)«r koder Tejl de» bucha SchiinpIT und Ertut..." 
I^pponberg, OeDtpi. S. 800. 
•)k,'. 

*) HKiirtz«r Beriebt uiff den Katboliioli«n tjp«[ig«til)ergitchen 
£«Uc^m)uii), durch jBn[iar Gonnop io Druck (reben.' t«*— xi'> 

■) ADB 18, laOff. Tb. Bincli. — Seine SchrifUti bei JScber 
(«Bt«r 0*iua> m, llMt 



140 



OSBORN 



939 



die bösi; Siebeu voll mache md div Oalgournhl derer Gottes- 
diebe auch compliret werde" (z »). H£tt« er eia wenig 

gewartet, m bätte er den 7, Platx besser vergebeo köonen; 
denn in der Vorrede der ebeofallH nocb 1562 erecbieneueD 
Scbrifl: ,. Wider die ancbristlicbe SnoabaunR. so .TuUus Ffittg 
von K«ligioiissaoheii . . h&i Ausgehen lassen'' (Eisleben, Urban 
Gatibisch) meint er bedanemd, er „Itätt« mögen leiden, vr 
wSr ein wenig eher gekommen, so »olt er in den bösen Sieben 
nicht einen btisen Gesellen geben haben". So nahm er sich 
Hosias' Büchlein ,S}v exprosso verbo Doi" vor'), daa kon 
TOrher in der 1S&8 in Köln veranstoltetfln Sammlung seiner 
Schriften erschienen war^, nnd in dem der Grundsatz an«* 
geeprucbeu wtir, „das man sich k»ine« wcgea auff das ans- 
drfickliche blosse Wort Gottes heruffen solle", man solle 
„viel mehr sehen vnnd halten auff den gemt^tnen verstand der 
Bömischeu Kirchen, denn auff deu Text der Schrifft." (k a). 

Mit einer wohlbegrUndeten Entschuldignng schliesst das 
lebendige Buch: „Der Christliche Leser", bittet äpangenberg, 
„wolte mir meinen ciffer vnd da. ich etwaii zu hefftiR gewesen, 
solchs zu gut halten. Denn mit dem Teufel vnd seinen 
Werckseugeii ringen oder kemplTen vnd noch jnen gat« wort 
darzn gehen, kan ich bey mir nit finden." Peyerabend er- 
kannte richtig, daSB die fesselnde Schrift doch ganz und gar 
ans dem Krein der satirisch-didaktischen Littemtur heraustrat 
and lediglich einen theologisch -polemischen Charakter hatte; 
er nahm sie infolgedessen nicht ins Tbeatnun auf, obschon 
sie offenbar rasch allgemein bekannt geworden war *). 



') Widor ilrti ofTeullicheu Ftind GSWliclier Wahrheit, Stkniilaun 
HoBinin, Biscboff xu EnneUndl." jii»— Oo«'. 

■) ZedJer. DoiT.-Lex. 18 (ITBft), SS7. ' 

*) So uwint «B t. B. FiBch&rt im „Blsaenborb", ab wmu tit 
den) Pabltlnim recht vnrtnut nur«; er *prlclit dort (AttifslM TOD 1S68 
8. 177*) „Vau Sacnunonlcn dn- «ibea Weihtn", will al« BllegorMcb aev 
Icgeo, tnüchl oinige Mtiriscbe Yor«t'hlS|^ uod aaiit dftEio: (179) ,,i>i)er 
dua «I dis nbeii bSaed im TeuCTeli Kuniöffi'Upi«! ttria m&Hleti, dkmoa 
Spaagrenberg geachribeu hat." 



836 THEOLOGISCHES. 141 

Mit der gleichen Begeisterung und der gleiclien Wut wie 
die „Böse Sieben" ist auch dm- „SnkramentBtoaffel" 
voD JoIiannVH Schütz goschriebeti. Der YerfaEser dieser 
Schrift ist nicht identiHch mit dem b«)cnnnt4>rei) Johftimes 
Schill« ans Balle, d«r von iA77 bix £U seinem Tode 1680 in 
Wittenbvrg die Stell» eines Professors oiid Kanzlers der 
Akademie inne hatte, der ebenfalls ein Todfeind der Kefor* 
mirten war and auch litterariscb de« öfteren gegen sie vor- 
ging '), Unser Schüts uiitenteichnet sich 1580 in seiner an 
den brandenburgi scheu Kurfürsten Joachim Friedrieb gerich» 
teteii DedikatioD als Pfarrer zu Biestcdt bei S«iigcr»)iuu»eD. 

Sein dickleibiges Bnch '), dem ein kurzes, empfelilendes 
Sendschreiben Selneckers — danmU Superintendent in Lei])xig 
— Torausgoht, ist ein äasserst intorussuntes Zeugnis von dem 
bnatischen Kampf zwischen den Lutheranern and den Geg- 
Bern der tutheri-scheo Abendmahlslehrc oder „Sakramentircrn", 
wie sie auf jener Seite insgernuiu genannt wurden. Schütz 
schreibt Ton Anfang bis zu Ende mit einer unermüdlichen 
Kraft, and mit einer unerscblltterlicben Consequenz im Glauben. 
Seine Spnkchc ist flüstig und wuhlklingend, div Worte sprudeln 
ihm nnr so aus dem Munde, und wenn er auch partienweise in 
eine unerlaubte Breit« fiUlt, sich öfters wiederholt und im Kreise 
beramdreht, ist er doch nie eigentlich langweilig. Et beherrscht 
die riesenhafte Kampflitteratnr der Parteien Ti5llig und giebt, 
sieht im Kusaiiimenhuug, sondern auf die einzelnen Abschnitte 



») Jöch^r rV, 878. 

<) ..Serpeu »nliqBus. Die alle SohUage, da» M iler Sacr&nenU 
^nCU, der licli in itieaen letsten telirlichea Zeit«ii mit 87 tein«r (Ui^ 
snntMUn Adinnsaten oder Ohertttm tm dem heUiachea H«<eh. üTenÜtoh 
tu F«U1 golegt, die reine uutu)Keli*oli« Lulheriiuhe Lehre, färneinliclt 
mtD NsclilsiaJil da Umtd vod erböbuDg »ciiier Ueochlicheii Nntur mnb 
'^tIiP**" vnd dsKCRce den Sacramcntichwmnii auDVunohloti, vnd dieaer 
litade Kirebcn vnd ScbnlCD, veneht>{!m<ir vnd liuikiiclii-r wein xu r«r- 
UhrsB willen«. Dnm Sohn OottM m Elir«n und allm froininen Chriiton 
tnr warnuDg, ('ifcnctlicli md deutlich enlworlTea vnd b«K)iriBbcn dnroh 
MUn SchQtf-, Pfsrrera ta RhtMtedt.- — Goed«ke S. 482 N»- VJ. Im 
Tk Disb. 0" (JJol Vt.) SKH-1(a4. 



i 



142 OSSOEK 837 



rerteilt, ein TortreEFliche» Bild vom Gang der Streitigkcitcti. 
Diesu Abschnitt« erbSlt or <l«»}nrch, <)«*« er dem „serpena anti- 
(juaB", also dem Satan des »Heu TcsUmimt», wio eclion im Titel 
ED lesen ist, 37 « Adjuvanten"' zuerteilt, die er einzeln vornimmt 
und »icli so gßwiMBcrmuKseii di« Unma««e der Schimpfwörter, 
die er gegen dio Feinde in Bereitschaft Imt. systematiscli 
Gruppen ordnet. 

Er stellt also den Teufel dar, der den „Sakrementirern" 
im Nacken sitzt, sowie seine „Haubtlout, Leutenampt vnd 
Pendrich", da ist ein NeidiscJier, abgünstiger, ehrgeiziger 
Teufel (1), ein „grober, dBlpischer, Abscbeulicher" (2), «io 
„schöner, beiliger, Englischer Tenffel" (3), ein ffLc^tiTtL-ufcl" 
(6), ein Heimlicher, ein sophistischer Teufel, da erscheint ein 
LUgentcufel (7) uobst cintm „SykopbftntiBchen Verleumbteufel" 
(8), ein Ketzer Teufel" (13) mit einem ..zwevzüngicbten" 
Teuffei (17) neben einem „ÜnordnungsteufToI"', ein „Pladei^ 
geist" und „Lichtsehenender TeulTel" (25), ein vermessener, 
aufrührerischer, nndaukbarer, verstockter Geist und vide andere. 

Mit Luther donnert Schütz gegen die Vernunft, die „Fraw 
fiuld-j mit der Bützuasen" ') und meint, wenn man die Ver- 
nunft in Glauben ssacheii zu Hilfe nehme, „so werden wir auch 
inkürtz die ewige H. dreifaltigkeit selbs verleugnen wiejetzand 
die Sacramentierer in klein Polen thun" '). Scbwenkfelds, 
Karlstadts, Zwingiis Lehren werden bekämpft, öcolampadiua, 
Beza und andere nicht minder; eine ganze Flut von Schmähungen 
wird über sie ausgegosNeu ; „Absurdisteu", „Dreckislen" werden 
sie genannt ")• Die scbleclitesten Motive, dio frevelhaftesten 
Ziele werden ihnen untergeschoben, AbtrOnnigkeit und Undank- 
barkeit Luther gegenüber ihnen vorgeworfen, Simoci Magna aU 
ihr Voriütifer geiiamit, der ihnen den Weg geebnet habe; di« 
Lutheraner, wie der Strussbnrger Marbacli. Brenz, Selnecker, 
Übermässig gelobt; Luther selbst wie ein Gott verehrt. Und 
zwei vortreffliche Urteile von Zeitgenossen über ihn, die Schatz 



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') 10. A4JUV. — C " Fi)l. 638 fc. ») Vorrede. 
») 16. Aiäjuv. - C "I 241 ». 



338 THfiOLOGISUHBS. US 

niUeüt, mügen hier uocb Platz finden. Voa Urbftnus Begius 
nimmt er die Worte herüber, «lie er scbrieb. Dachdem or den 
R«fi)miator iu Coburg kennen gelernt liatt^: „D. M. Luther 
i»t der grSst« in meinem Ucrtutu, denn ich habe jn nun 
gesehen vnd gehöret, das man mit schreiben nicht begreifTen 
nocli ausreden kan." „In seinen HUchem ttpUrct man wol 
Mmeo Ueist aber riel buss wird di^rüulb erkandt wenn man 
je selbst tod Göttlichen Sachen reden hört"; Und Erasnius 
Alberuü sagt in einem Buche wider die Anhiinger Karl- 
stadts: ,J). M. Luther war ein Man, der den Zoni Gottes 
aaffbalt«n kund, keiner kond fleisüiger vnd ernstlicher beten, 
Tod Gott annifTen, kvinur kund bo^Kcr trösten, keiner kund 
besser Prwligcn. Es war ein Kann on Falsch, Ligeneni md 
Zwey züngigen war er gram, AufTrichtigkeit hatte er lieb, den 
6eit2 bas«fet er, der Hoffart war er £remd. Trunkenheit vnd 
V&zacht war jhm vnbekandt. Man spüret an jm keinen Zorn, 
OD wenn er zu Felde lag mit den Papisten und Schwerniem, 
da aah man des H. Geiiits vnd nicht eine» Ucnsclien zoru. 
Ein fein klar tapffer Gesichte, vnd falcJcen Äugen batt« er, 
md war von Gliedmassen ein schiine Person.'' 

Alle Lotberiscben nind nach Schutz von Gott iuepiiiert 
und alle Zwinglianer vom TeufeL Und diese Behandlung der 
kirchlidien Handel erhielt sich lauge Zeit hindurch, noch 
Walch schrieb 1734 in seiner „historischen und theologischen 
Sinleituug in die Religions • Streitigkeiten der Evangelisch- 
l«hcri.*ciieD Kirche" III, S. 20. f.: ..... Auf solche Weise 
ncht« der Satan die Ein setsungs- Worte und insonderheit den 
8atz : das ist mein Leib auf allerhand Art zd verdrehen und 
Bubte sich an ein jedes Wort deüselbigeu." — 

Waren hier die £ämpfe der Theologen anter sich dem 
Teuf«! zugeschrieben worden, so nahm sicli Christoph') 
Marittaller, Pfarrhcrr in dem Marktflecken Braunsbach am 
Kocher, die Zänkereien der Kirche mit der weltlichen Obrig- 



') Kiobt Caapftr, wie Gocdeko ihn 8. itS So. 38 BtfUUC. 



i 



144 



08B0RN 



839 



keit uikI den Färsten vor and schrieb üincn Pfarr* nnd 
Pfrttndbeschneiderteuftel..."') 

MiirvUillvr sct£t umständlich di« Bedeutung des Pfarrers 
für das Lehen des einzelnen Menschen auseinanderund schildert 
mit bchiigUciier Breite, wie der Oeistliciie von der Wiege bis 
zur Bahre fortwährend imeiitb«hrlich sei. An dieser Wich- 
tigkeit der Stellung der Prediper wird dann die Frevelhaf- 
tigkeit g«in«8scii, mit der sie oft behandelt werden. Zahlreiche 
Exenpe) werden zosammengestellt aus allen Zeiten und Vötkem 
ron gott«sfilrchti^eD Fürsten, welche die Priester gut, und von 
gottlosen, die ^c schlecht behandelt baben. Er schildert dann 
in dem Kapitel „Was isi nun der Luhn der Diener Gottes"?*), 
wie die frevelhaften Grossen seiner eigenen Zeit sich ^^en 
die Geistlichkeit verhalten, wie sie die goldenen Kelche nnd 
Leuchtor durch vergoldete ans Kupfer ersetzen *>, wie sie 
^.stellen jnen etwa einen Jagbnnd in das Haas *) und. wenn 
der Herr will hetzen reiten, muss der Pfaff auch unt«r andern 
Hundsbuben mit seinem Schwciuhetzer vorhanden sein im 
■Tagen." Aber neben dem Tadel der Sünder geht auch stets 
ein warnender Appell an die Geistlichkeit, trotz allem ihra_ 
Pflicht za thun nnd tapfer auszubalten. 

*) „. . . 80 VDter dem heiligen Eunngclio (iob btui der 
Orten Jer Enlco. in diespn let^iien Zeiten herfur Rcthui ; Vnd hftjr d«ll 
gewillijfpu PolBntnten difier Welt tHglichat oyni^lUil. Wm gTOIseD 
Schildern vr dem heiligen Eoangclio mfligel. Auch wna «cfa die X>i«Ber 
deat Kusnjiclü vnter jm miiaaen leiden. Auch na* für BeloDUDg gTOSM 
UeiTi'n, 10 dietien TeaÜel zur Uerberg nnfTni-hmeli, mlUMn generlig «eyn. 
BMohricbcn durch „Chr. M." Im Th, Diab. Co (No. 7) 11»«— ISA. 

») C n IS«*« ff. •) 127»» ff. •) 137"- 




7. ölfeiitllcbes Lnbvii. 

Sci)inpt«4if«1 — Holleurel — Jast^afel — Oi?nchl»l<ufel — BydUufcI — 
Bette!- und (Hrtet^ufc! — PMUtna/tiicrcl. 

Ähnlich wie die Schriften . die stieben als ein« 6ruppe 
„theologischer'* Teiifelbllchor behandelt wimleii, beitcliilftigt 
lieh Doch eine Keilic wciturur Tralctuttf di's Theutnim Dia- 
bolonun Dicht mit einzelnen Sünden und Tliorheiten dea 
Henüchen, sondern mit den Angelegenheiten des öffeutlichen 
Lubu&s. 

Ein rein nationalökouoinischei Buch kaiin man den tim- 
{iiagreichen „Schrapteofel" ') von Ludwig Milichius 
n«QQCD, dem besäiaolien Pfarrer zu Homburg an der Olim, 
den wir schon oben bei Gelegenheit der Besprechung seines 
.^anberteufels'' kennen lernten. 

Milichiii» sieht, es mit Erbitteniiig , dnss nach<lcm die 
ilrOckenilt.- L^t der kutholischen Ansprüche für diu Kirche 
terschvunden , nun eine solche „Schrapperey" der veit- 
lichen Obrigkeit eingerissen ist; er ist aber sehr »oraichtig 
mid will nirgends AnstOHS erregen; dämm spricht er nur „in 
gemein", hat ,jnit vleis die Singnhma verhUt«t" und bat sein 
Buch, damit es nur ja nicht „für ein Zunder einer Rebellion 
«erde ausgcBchriebe» vrerdeii", einem Fürsten und zwar »einem 
ilien äönner Volrad von Waldeck gewidmet •) 



') .^eknptcnffpl. Wu man den Berr«chail«ii Mlmlidis ^ty- Wo- 
&;t -Im* VoIcK bochwent werde. Ww xilcbo BevcbwcruriRcn für SL-faaden 
hrii^wi. Wa« Aw NcbrUt durwidi^r zeftsn. Wie (tot: «tnfe, Tod mit 
wdelMli Hündro aie dkl Volck Trrdioiir. AUm au» hnyli^cr Scbrift 
Bit Avil* tracii«rt nd gvbciwrt durch Ludouicmm Uitk-liiuiB.'' (Vor- 
nie von ISK). — Goedeke S. 481. >'. 9,}. — Im TliMtr. Oiftb. kl* 
S. U; A 8T0'— *16; B 8l»-38e»; C »«»-296». 

*} lielie Vorrede. 

10 



146 



osBoas 



Hl 



£Sr zeigt auch in seinem ersten Kapitel, „Was man 
der Oberkeit schult^ig sey". das» er sieb keineswegs mit Ke- 
volutionsgedaulfCu oder iiucU nur mit sozialuu Bi-furmpÜlucu 
trägt, und an seinem lutherischen Gtrundsatz, vie er ihn in 
der Vorrede auatipriclit, hält er fest: Weim die Regiemog 
sündigt, so wird sie von Gott fjLitraft worden, „nicht durch 
die Jiauem vnd Vntertbanen , wie UüntKer und sein Hanffe 
vermeinten.'' Immer wie<Ier wendet er «ich ie;eg«n di« 
Forderuiigfu der Äufwieglor im Bauernkrieg, uud er v«r- 
langt nicht nur, da&s die Leute die zatdreichen gesctzm&aigen 
Absahen, die er weitläufig aufzählt, ohne Murren entrichten, 
er will nicht nur alle möglichen besonderen Beiträge hinzu* 
fügen, wie Bussgelder für Versäumnis der Prudigt oder 
besondere „Hejratsteuem" fUr die Hochzeit fürstlicher 
Personen, sondern er vcrkngt auch „Geschenk vnd gabeD." *) 

Aber nicht ohne Nachdruck wendet sich tlilichius audi 
gegen die ungerecht handelnden Fürsten und obrigkeitlicheo 
Personen, g^en den Luxus an den Höfen, wo in den Küche« 
nSuppcngiesser, Küchenrätze, Penerscliilrer. Holzträger, Braten- 
wender Tud Aschenbrödel^ -J heniiiilaufi/n.wo man sich„seltzamme 
mnötige Thicr . . . Hunden, Löwe», Büren, Affen, Meerkatzen, 
Babich, Falken etc." hält; gegen die Putzsucht der Frauen, 
die verseil w ender i.tche Erziehung der Kinder, gegen Schlemmen 
und „paucketieren"; er wettert gegen Kinderhemwbaft und 
Weiberregiment , gegen übermässige Bauwut , gegen die 
tyranniHche Forderung von Dienstleistungen, wobei die grau- 
same Behandlung der Juden in Ägypten aU Exempel aus- 
gemalt wird. 

Er schimpft auf Bestechungen . auf die Herrschaft 
der „Obrcnbiäser', .,Liebkoser', „Stubenheitner" „Hunde- 
pfläger";') auf die häutige Änderung der Uüiizcn und auf 
unnötige Kriege*). Diineben stehen Klagen über die ein- 
goriHsvne Bettelei, diesen .Sold der Faulheif*), für die schon 
er auch einen besonderen „Bettcltoufol" orfindot"). 



') B 891'. ') 837»D;E. •) 33ft. ') 3»'. »> 842»«. •) 348»d. 



24S 



ÖFFKSIXICHBS LEBEN. 



147 



Der Verfaescr zeigt, mit welolieo Nnnicn dio tjrannischcD 
B«^L-niiigeii in Jit Iwiligen Schrift bezvicbDet werden, er weist 
ftuf die schrecklichen Folgen hin, die stets am letzten Ende der 
Obrigkeit svibst nur Schaden bringen. Freilich glaubt er, 
ias \oik rcrdi«ne durch seine Sündhaßiglceit oft selbst die 
Quälereien der GroBsen. Bas Tier, so meint er zusammenfassend 
cum SchlusH. erfdlle seine Pflicht weit besser ab der Uensch. 
„Da lerne doch ror der Kuwe dich schümt-n, du voBütige, 
wilde, unremlinftij^e Sauw, so du nicht von deinem Herrn md 
Heyland lernen wilt, als ein Christen x« leben" '). 

In die SphSni des Schrspteufels gehört auch der älteste 
der Teufelgesellficliaft, der „Hofteufel"'). Über das Leben 
•eine» Schöpfen, de« Johann Chryscus, tet uns kein«! einzig« 
beatimmte Xachricht erhalten, und wir müESon uns mit der 
Annalime begnügen, dass er in irgend einem Allendorf, wo er 
die I>edikation seines Dramas und xwei Jahre sj>Hler die 
Vorrede geiner Übersetzung des Naogeorgscben Hamau datierte, 
tielietcbt in Hessen, gelebt hat nnd dort nach seinem Proea- 
Stil, der den getlbten Kanicelrcdner verrät, Pfarrer war'). 
Zu äachsen hat vr jedenfalls intimste BezitihuDgeu ge* 
habt, indessen mit dem 1545 in Wittenberg nachgewiesenen 
Studenten Johann Chryseus aus Fraustadt *) kann er nach der 
Unterschrift tieines Hoftuufels, „Datum Allcudorff am tag Joh. 
Bapt. (also d. ü. Juni) Anni 44" nicht identisch sein *). 

Sein Schauspiel behandelt die Oeschichte des Propheten 
Daniel nach dem Ü. Kapitel, einen Stoff, der durch die 
Sdiilderung der Errettung aus höchster Gefahr durch den 

>> SSSa. 

■) ,.ili>(t(iiifU. Dm Mcligte Kapitel Danielii don GotttHrchtisren 
in ifotl, den ÜoUIimm cur waruung. SpielwM»< ge*t«llet vnd in Reimon 
«erf»n«t durch Jobsnoem Chry«««n'*. Cf. Qofä.* II. BAI. - Im Th. D. 
*b No 19 : A. Wft' -B30; B. 442»-4W» ; O- (So. U) S7I— «83». 

•> ««herer ADB, 4, Bd. 

*> Soliervr ZfdA. ÜO. 186 Aom.: „Johann Cbrit^as PraattadloBMi" 
vunlfl am 16. tll. IM& unter ilic „panpare* grnUa inscripti" geaaUt. 

*> Bolateln, Die RsformatUm im i^iiDsel1>. d. ilT»iDat.Litt.d.l6.Jh. 
a. 108 bilt et Irot^dem für möglich. 

10' 



146 



OäBORN 



S48 



Glauben auf clio protestaatiscbeu Dichter ein« grosse Au- 
ziebungskraft ausübte. Seit 1533, wo in StralBund eine 
Daniel •Aunuliniiig stattfatid, bef^egnen uns allenthalben in 
Dcntscbland und in der Schweiz Bcarbettunijen dieses Vor- 
vrurfs. Sixt Birk beftclulftigte sieb mit ihm, Hans Sachs 
»cbrieb 1557 l-Jiiu Koinüilie „Daniel" und Ü Jabri; spütvr 
eine Tragödie ^der G«tt Bei"*). Noch lange blieb der Stoff 
beliebt: an der Spitze des Kördlinger Repertoire« der eng- 
lilcfa«n Komüdiaiiten von 1604 steht: «Anas dem Buch 
Danielis 6. Kiq>it«I"*). und über 150 Jahre »piUcr war es 
ein den gleichen Vorwuri' behandelndem Epos, Friedrich Karl 
». Uo»er8 „Daniel in der Löwengrube", da» auf die Knaben- 
dichtang di.-s jugendlichen tioutbo befrucltti-iid wirkte. — 

Die Handlung bei Chryseus ist kurz folgende: Daniel 
geniesst beim König D»rius grosses Anseben, aber ein« Scbat 
Tcmichter HolVchranzen, unter ihnen «in Bischof und Cardinal, 
intriguieren gegen ihn, nnd mit der Hilfe des Hofteufels 
gelingt e» ihnen, den Prophet<.'n gerade durch seine Pnlmmig- 
keit und seinen Qlanbvn zu stürzen, indem sie beim König 
das Gebot durchsetzen, da.ss .jeder, der zu Gott bet«, in die 
Löwengrnbe geworfen werden solle. Durch ein Wunder wird 
Daniel ton Gott errettet: seine tiicki*>chen Gegner aber «r* 
leiden die verdiente Strafe, und der Hot^eufel, der sie gehetzt 
hat, wird nun ihre Seelen der HAlle znfQhrea ''). 

Schon liutber hatte l>etoiit. (E. A. 17.210) „Der leidige 
Teufel ist allezeit bei Hofe, welcher der Fürsten Hcneu hier 
and dort durch einen bösen Bath bindert*',*) und in der biederen 
ernsten Sprache des Allendorfer Pfarrers nehmen sich die 
Vonrllrfe Über dies« Zustand» recht ernst und wuchtig aus; 



>) ibi<i. s. loa f. 

*) Ooedcke »n., MO. 

*) Eine aotfUhrlicti« AnftlyM findet «idi bei Boikoff II, 41S— 425. 
Sdion in Jahn 1786 «-unie im 5. Baude des „P«triotJaoli«n Archiv« 
fBrD««ti^lud*uiMennSoliautpieleit]eeiiiKeb«mIeIk«prGubnaKg«widm«t, 

•) «f. Ruok die bei Jinnco. G«Kh. A. Uttck. Volke* fl, B04ff. «f. 
«iUteii Gtecbiclitvn. 




ÖFFENTLICHES LEBEN'. 



es ist ein herzlicher Zorn, der ihn beseelt. Gleich im An- 

fuig (1, 1) sagt sein Kundschafter Btepsidemus, der ro eine 

Art Raisonueur darstellt : 

Habt uicbt ßMeliD bey all ueici Ut'° 
Awcb niuhl ^Ii^rt mein lelicn Uan 
Dm liegn uutl trii-gn ([v im ichwanjf 
ücguDpin wer bisj* hoh«n Lt^utcB 
All ji'ttt gMcbiflit XU vnirra Zeiten. 

Und etwas demoknitisch klingt seine Bemerkung: 

Wenn soloht aber tbal ciu s<<Uccfater Uann. 
iHma »pricbt: Diricr mat* kein ob» htm 
Bcy dicsnti Ab«r hU «ddi* l(«iii not 
Vnach; Ma nircbten ir«<lcr neoscbM Docb 0«t. 

Üer Hofteufel selbst S':h!l(lert seine Person and aeiae Thäti|;- 
keit gleich U-i seinem AufLreteu in einem nach altem Mutter 
an (los Publikum giiricbt«tcn Monolog: 

(B. 1) D«r H<>m«ufrel w bin kb graandt. 

L'Qil komm ;«Ut ber um Peiwr Isad. 
Wjl icb Auob weiter •cxi'iiti'D dabej 
Wfti mein (tew«b lu Hofe »ei. 
All lJt)2lUck richte icb dn ac 
VTo ieba ra vegm nar brinfon kui 
Jivu «nt«ii *o rieht iebi da hin, 
Wie ich donn ätt «io Ueitter bin, 
I>»M KSnig, F&n1«n ücber Icbn 
Anff GoKe« Wort vud 6tnifT uicbts g»ha. 



So ich die |t'<>***n Herrn denn bin 

Jn fnljrt bald d«r ir«mciiM Uann 

Da gübtA M denn ent rodil mit hAulTcB 

Uii Fludm, «piekm, freiMB \-aA lauffcn 

ICil Ehebruch, allcrley Hurerey 

)[it HofTart, vulrew, (rif-gerey 

Da Mkür ieh m, leg immer &». 



Verleumdung und Verhetzung herrscht bei Hof: 
(II.S) ..maaoher offl mit treweo dient trobl langk 
Kriegt do«b Tulelrt de« Tvuffeh Daock. 
Den» Uerm gnnat wert uiuht atUi-it. 
Der gröeit« Lohn Ut liats und neid." 



:50 



OSBOEX 



846 



Ebenso klagen Daniela Getreue Über das verrottete Leben 
bei Hofe <II, 4) 



„So iit Frc-asen, Saufen k> geoicyn 
Dat» m muM ncliipr groM Elu« »eyn 
Weun i'iuer ineLr triiickt deua wol elu Rhu 

Speyt ^'1eii:k uu'i lliut uoch tva.« dkxu.'* 

Mit hübschem Geschick wird aber vüd Chryseus die 
Untreue bei Hofo auch als Handlung vorgetülirt. Die Ver- 
räterei, die Machinationen der Hofachranzen werden trefflich 
zur Darstellung gebracht, der Hofteufel selbst durchweg mit 
eint^m kräftigen Humor bebandvlt, besonders V, 1, wo er nach 
einer durchzechten Nacht, die er köstlich schildert, am Morgen 
beiuAhu die Zeit verschlafen hat; ein paar grosse Ver«ai»ta> 
lungsszenen werden übersichtlich angeordnet und verlaufen 
äusserst lebendig. Das Schauspiel hat Überhaupt dramatische 
Momente, die es den besten seiner Zeit an die Seite sielleo. 
Die knappe Form und die wirkungsvolle Steigerung heben es 
Über die ungeheure Zahl der mittelmäsaigen Arbeiten auf 
diesem Gebiet empor. Unverkennbar ist der EinflusH Paul 
RebbuDs im Bau einzelner Szenen, wie in der Behandlung 
des Metrums *). Denn Darius spricht meist in jambischen 
Quiuaren im Gegensatz zu den sonst benutzten gewfjhnlichen 
achtsilbigen Reimpaaren: Das ist Rebhuns „ratio decori"'). 
Auch an den Ehuteufel iu der „Hochzeit von Caoa" sei hier 
noch einmal erinnert (s. S. 24). Daneben war Chrfseus zur 
Zeit der Abfassung seines Hofteufels bereits mit Nsogeoi^, 
dessen Hanmu er ja, wie schon erwähnt, spät«r übersetzt«) 
recht vertraut, wie schon die Bezeichnung des Papstes ala 
„Pammachtus'* beweist; ebenso ist der Xame eines CardinaU 
„Oucogeues" von Naogeorg entlehnt und zwar aiu dessen 



') Schwor «. a. 0. — PbIui, lUbhuD« DrwoPn (L. V. 4«) S. 188. — 
Ders., Beitritte xar Geich. d. diach. Litler. d. 16. u. 17. Jahrb. S. M. 

*) Böpfuer, Reformbentrebaug^en auf d. 0«bi«t d. dt«ch. Dicbtg. 
d. 16. unid 17. Jshrh. (ProgrMnm d. kgl, WUhelms-Gymna^iuin»), Berlin 
1886 S. 14. — In <3. Cbrjt. ,3<*t«r" iat Mgmr ein melrlachei Schema 
angebracht, ibid. 



M« 



ÖFFENTUCHES LEBEN. 



161 



^nccndium". Auch hier mag ihm Kcbhun den 'Weg 
gewiesen haben, welcher ja <Ier nicht lange vorher, um 
1&40, enchi«neneti Tyrollfscheii Pamnuichiutt-tJborHctzung sehr 
nahe gestssdeo hat. *) Uitncla* UngeschicklichkeiteD freilich iieigt 
Chryseus noch in der Technik, zumal in der Motivierung des 
Auftretens und Abgehen« der Persunvu, wie er etwa IV, 2, 
als er den DariuB von der Bühne schaffen will, ihn sagen lässt: 
nLycini, komm vnil nimm xugleicli init dir 
Ciiubyun, denn jr bojd lolt jet»t luil mir 
Ein nViultniDak tbun, il«nini kommtf fol^ mir." 
Aber filr diese Kltniaigki-iten werden wir entecLUdigt durch 
eioe ganz trefflici«! Chitrakti^ristik einzelner Forsonen. Darios 
spricht ehrlich and treu ; Daniel, halb Christus, halb Luther, 
bestimmt, gläubig, gottergebrn; die Kindersnenen, offenbar 
■ach dem Must^ir der Ki'bhun sehen äusannA gebildet^ sind 
einiach und innig, dabei untei-scheidet der Dichter fein den 
Udnen artigen Benjamin, der die Bedeutung der Trennung 
Tom Vater noch nicht fasst und, «Im er hört, dieser gehe zu 
6ott dem Herrn, nair fragt: ,,.Im Himmel, wo die feinen 
Eng«l 8tnd?''*) von dem schon älteren S&hncheo Joseph, der 
dem bedriEngten Vater helfen will.^ Auch sonst giubt sich 
Chl^seus Muhe, durch Abwechselung in der Schilderung der 
Persönlichkeiten die Scene zu beleben: in der Gruppe der 
Oegenepii-ler stellt er dem sauguinisclien Pyromacbus den 
rahig erwägenden Oncogenes gegenüber. 

Cbryseus hat seinen Stoff ganz und gar tendenziös 
bebandelt. Dariue ist der Kaiser, seine Umgebung dessen 
katholische Freunde, Daniels Partei die Protestanten, 
und mit Daniel selbst ist, wie aus der Dedikation an die 
jungen Ȋcbsischeu Printen bervorgebt, niemand anders als 
deren Vater Johatm Friedrich gemeint. Schon war ja, als 
das Drama geschrieben wurde, die Spannung zwischen dem 
Kaiser und dem KorfUrsleu eingetreten, die kurz darauf sum 



*) ThoniM Xoogporgu«, Piitnmachiui, btraai^. v. Job. Bolte und 
Stieb Sclimidt. (Lat. I^itt. Denkm. Ho. 9) & XIII ff. 
OlV.e. >)IV.7. 



OSBOKN 



347 



Ausbruch de« schmalkaldüclien Kriege» führte. Der Austraug 
dieses £riegea aber und die Gefaugcuiialime Joh&iiii Fricdriclu 
uigten, wie riclitig und klar der Diditer die EroigiÜGse voraue- 
gcs«lien baue, und verscbafile» seinem Dranm eine weite Ver- 
breitung. Mau betracliti-te os geradezu als eioc maskierte 
Darstellung der politibcbeo EreigniBs« ; £0 findco) stob in einem 
Exemplar der Ausgabe tou ir)64 in der iJerUner kgl. Biblio- 
tbck ') heim PorBonenTorzoiobnis von alter Hand geschrieben 
folgende KrläutLTUDgen : bei „Diirius" : „König", neben 
„Daniel": „OhnrfUrat'', mi „Oncogenes, ein Oardioal": „AI- ' 
bertiis Mogonlittcus", itu „Oainbysc!*, ein Pürat" : ,.Morit3t" und 
bei „PjTomacbus, ein Fürst": „Brauuscliwiger". und neben 
diesen poliÜRcben Beziehungen machten zahlreiche Hinweise 
anf fiffentliche Zustände, auf allgemeine bekannte Ei'eigniflse, 
scliliesslicli auch noch die pikatiU- Würze dirt-ku-r Anspielungen 
auf akandalöse Vorgänge der jüngsten Zeit das Sttick bo in- 
teressant und so populär, daas es, wie scbon ei-vrübnt (o. S- 24), 
bis 1623 noch aufgefUlii-t wurde. 

Kach allen Richtungen ist der ..Hofteuffel'- unbedingt 
die Perle des Tlieatnini Diabolorum; er ist nicht *nur der 
Zeit nach der erste der Spezialteufcl, und er ist vou keinem 
der folgenden erreicht worden; er ist eine der wenigen Teufel- 
schriften, die es verdienten, aucli weiteren Kreisen bekan ut i 
zu werden. ^H 

Weitaus zu den besten „Teufeln" gehört auch Cyriacu^^ 
Bpangenberg'fl ,,J agte nfel" *), der sich ähnlich wie der 
Hofteufet an die böchstcu Kreise der GeBelkcLafi und an die 
Fürsten wendet. tSpangenberg ist hier achlicht und populär 
in der Darstellung, sein Traktat ist keineswegs nur eine 8traf- 



1) Im Volumen MUdlnn. Db 8018. 

») ,jBjrtcuffrL Ikitcndigitr wni \Volgej;r(lmHer beriokl, wi* ferro 
di« Jt-gUa reckt miiiHg vnd *ug«lsMen. Vod «id«nunb worinuea «ie 
juigor zeit do* mchrcDlheiUOoltloB, gewalu&iu rurt'uhl. vsd verdamlicli 
■ein. Vad dwlmlben kilüdi viitorlusaeu od#r dixLi getadurl vrenl«» «ullen. 
Durcb D, CjTia. Spaocotilierg." cf. QQvieke U, 480. Xo. 6,«. — Im 
Thettlr. Dtftb. So. 9 A SI»7'-8lÖ; B S49»— 871«; Ci SOS»— SW». 



i48 ÖFFENTLICHES LEBEN. 1S3 

(irwligt, seil) Toti nicht pediiutisclt oder polt«rad wie iu Avu 
„bö60o Su'ljf-n". Boiideni elier massToll uitd geiuUtlieh. Mit 
hAbecbem Erzablertaleut teilt er atis t^in^r rciclieii (ielehr- 
ssnkeit (6rtwfibr«ud 6e9oliicht«ii mit, obiie sllvs ho pIadIos 
über «iaaoder ieu büui'eti, wie die andeni dies zu thun pfl^eu. 

Spaugenbpr^ teilt die Künste in ]jib<>ral«s uiid Mochfiuicae 
und recliiiot da» Jtigeu der letztereu (iruppe xu. Kr stellt die 
Gesetze Trat, nach denui die „rechtmässigen Jagten" vor sich 
geben sollten, nändich ohne Gotte«lit8t9ruDg, c^« Versäumnis 
des Go1le4di«-ust«s, ohne Beschüdigung des Eigwitumes andurer 
Leute. Cod nebeu den Yorteilen, welche die kSrperliche Übung 
de» Jagens mit sich bringt, neuüt er auch, dass „Jagten sollen 
dieiieu ... »11 vermeiden Geillieyt, Vnkeuschlieit vud nuder« 
BeiBchliche Wollust" '). 

Bei dar Beschreibung der „unrecbtuässigen Jagten'' wird 
ftaz die gleiche Dispo^ititin angewandt wie bei den ..rocbt- 
mSasigen'' , waa bald eromdend wirkt , wenn auch iu der 
Schilderung des „rnnienseldicheii H-ilteiis" und der „Tyrannischen 
owUobkeit" iiuincr noch Gcluiigeues genug ist'), ßio b«- 
it«D Jüger der Bibel und des Altertums marsdiieren auf. 
Zahlreiche Anekdoten erläutern die Gefahren des Jfigerhand- 
niTks, das rieleu die Gelder Yerschluugeu und inaucheni den 
Tod gebracht but. 

Mit Stolz weist Spaiigouberg auf sein Buch als ein gott- 
RpHtiligcs hin, denn er htit den deutlichsten Beweis, das« ea dem 
Teufel zuwider ist. Dieser nämlicb. so erzählt er*), habe ihn 
.jiulF mancherley webs daran Ycrhindert vnd da ich es das 
tntenuil gefertiget rnd Tolleudet hatt«, auff den vierten Tag 
de«a Jenuers dieses löGü. Jars bat er ttuss grimnii^em zorn 
to fiel zu weg^n bracht, dass mter der Abendnialzeit in 
aetnuDi Studier^tfiblin vom eiuer LichtputKca ein Feuwer auss- 
lunamen". Die Flammen beruhigten sieb indessen bald und 
bflt von allen Büchern blieb wenigstens so viel ÜbriR. ..dass 
ud erkeuueii mogeu, was es gewesen. Aber vom JagteufTel 



^Wun 



OltWn. *)»58«lt *)Sti: 



4 




154 OSBORS 

wie ich denselben gesteUet, md aadi von den CoUectaceis 
wie ichs Kiterst im Lntoin eiitworffeii, hatte man doch nicht 
eine Zeil oder einen Bachstalien fuuden". Aber der mutige 
Pfarrer nahm den Kampf ge^n den Satan noch einmal auf, 
tiud diej>nial gelang es dem Böseu nicht, ihm die Arbeit, ehe 
sie in Druck kam, zu v^niichten. ^J 

Ganz und gar juristisch ist Georg am Wald iu 
seinem „Gerichtste n f e I" '). Der Verfasser — auch i 
Auwnldus geuauut — ein üuseerat Tielseitiger Mensch, wie ' 
schon »ein Titel, „der Rechten Licentiaten, PhUosophiao rad | 
beyder ArtKneyen doctor" zeigt, machte sich bauptsachlidi ! 
durch seine medizinischen \iT|d chomischeu Leistungen bekannt. 
Er nannte sieh stolz den Erfinder der terra sigillata, oder, wie 
er sie taufte, „Panacea Anwalditin" und praktiiderte in Au^- 
burg, von wo «r 1583 vertriebeu wurde"). Sein Buch xerfällt 
iu vier „Traktate", in denen er Richter, Kläger and 
Beklagte, Advokaten und Prokuratoren, sowie die ! 
Zeugen behandelte: alles ist trocken abgethan. Statt der 
gewChnlichen Klagen über den Verfall des Gerichtswewus 
sind hier einmul die Fordcniugen für eine ideale Gestaltung 
aufgezählt; aber es ist meist nur eine recht oborflfichliche 



*) I, . . . DarinD aiigpietgt vnnd gebandk-t wirdf, wta vnd in vrai 
masien der leidige Suthaa biisweiltm vnnninuuK vnd lerrütluug in Ge- 
rielitea clnrub die Uichler, Kluger. Hekliigteii. Aduociitcn, Proi'unitorvD, 
Zeugen vud dergleichen Feraoneu, ■<> zu einem Ucric^bt gvhüren, •nrioktcn 
thuL Neben ohristltchem VmlemRht, wie sich angerrgtu Penonen io 
jhrem Angtt thun vnd weacn v^rbnltcn ■□llen, dttmit Recht vaA Q»- 
r<iehtiKk«it, gelUrdert vnrni erhalten werde, wamaDg*woiu gc»t«1tt. Zu 
Ecd i»t, auch iLilgehenckt der üt^^iuhllich ProceM wi« er io gcncincti 
getohriehnen Büpsdiuhen vnd Eejiter liehen Rechten gagrilnilct, vnnd 
jetziger «eit iu TeulBchland Ubliuli, HuiTi bürlzeat mit allen wiiian S/ah- 
«UBtialien verfasiit". Ooedehe S. 488. Nu. 86. — Im Thc«tr. DtaK 
C» 188-S08'. 

*) ZMiler, Umvcni..I^x. RS. (I74T), Sp. tl97 — Kcitner, Ucdi> 
ciniKhe* ()elehrt«n-Ij«xikrin p. 904. ~ Er gab über die t. ■. einen 
,.H*ri*-ht" hnauii, der noch 1601 in 8. Audage in StDttgut «rtchicn. 



MO 



ÖFKENTLICHES LEOBN. 




Behaadlang der Fragen, tielerp« Eiß<jriiig«a in dna ^^'«kou 
der Juristerei ist keineswegs ztt :^)üri>u. Eiiie Abwechselung 
bietet! uur die sehr apärlicbpn Anekdoteu. Auffallend wenig 
aber spricht der Verfasser von der Bibel, die im VcrgleicJi 
tD dea audereu Bücheru völlig lu den Hintergrund tritt. 3o 
nimmt seine Schrift im Theatnim Diabolornm eim» Aiisuahme- 
«lellung ein, ebenso wie er wlhst uiitt-r den Pustorcu uli 
einziger Weltmann, der Tielteicht auf Cliristentum und Theologie 
Kar nicht so gut za sprechen war und nur den verlockeodei) 
Tetifi-Itilel toh den Pfarruru entlehnte. lu Foycrabcnds 
Sammelwerk putsst der „Gerichtsteudel" jedenfalb nicht hinein, 
nid mnu darf wohl annehmen, das» der Frankfurter Buch- 
b&ndler sich gar nickt die Mühe gouommeu hat. ihu zu lesen; 
•ein Titel schieu ihm allein iur die Zugehörigkeit zu der 
SciiAr der andeni xu bfirgen. 

Die Originalausgabe bringt am Bude uoeh den in 
kolperigen Versen abgefassten, 3 Folioseiteu einnehmenden 
3«>'"1'™™*'"' *'^'' ^^^ '1^'**' Terspricht. Ganz nnd gar pro- 
ntsob wird hier der Gang des Reich^rozowrerfHhreuH ab- 
^handelt, ohne dass auch nur einmal eine nahe liegende 
poetische Wendung über Recht und Gerechtigkeit die NOcbterD- 
heit der Darstellung unterbrach«; Fejrerabend's Prin»p, alles, 
wf^3 nicht zum eigentlichen Traktat gehörte, nicht mit auf- 
mnehnieii, das so oft gerade hübsche Partien der Bücher dem 
Sammelwerk fernhielt, «rar hier einmal wohl angebracht. 

Wie das ganze nicht gleich den andern Tcufelböchem 
als ein satirisch-dichterisches Werk, sondern ala eine lediglich 
juristische Arbeit augesehen wurde, zeigt die Aufnahme, die 
der _ Gericht steufel' in des Juristen Abraham Säur .Formular, 
■Jurament und Eidtbucb . . ." FVankf. a. M. (Xicol. Daaaaeus) 
1588 und ebenso in einer erneuten Auflage Frnnkf. a. M. ir>97 
bnd. Walds Buch wurde unrerändert abgedruckt, nur im 
Titel das Wort „Qerichtateufel" durch „GerichtsTuordnung'' 
«setzt '). 

^niwi- KgL Bibl. <SB) Gi M70 a. (m> Fx 618. Auf Fol. 3u 
teginnt die „OorJchta-Vsordnung^, 



166 




OSBORN 



Dem „Gerichtsteuffel" verwandt ist der ältere «Ej'd^ 
teuTf«!" Toii Cliristopb Obenhin (oder Obenheim)* 
vinem hus Ultingcn gebürtigvu Pfarrer zu l'rsel, dessen 
8c]uiftsteUeria<:he Thätigkeit, soweit wir überMliCD könncu, ia 
die Jahre 1562—76 fällt '). Sein „i^ydteufel'' ') entstand 1574. 
Er »elxt weit kräftiger eJu wie vom Wald'ä tiuclt, wendet sich 
gegeu die leichtfertigen Schwüre, die jedermann bei der Untid 
hat, sobald ihm ..sein garstiger Mund vnd Tnflätij;er Gottes- 
lästerischer Kacbeii aiiffgehet'' (-1911), gegeu die Meineide, die 
den Leutf-'ii leichter ton Statten gehen als ,4todfU, Hacken. 
Dreschen oder Rüben graben", und nimmt dann hauptsüchUch 
den „i'lffwi (liehen Byd'' vor. Er definiert ihn mid zählt die 
ü^des/.tfri'moiiieu iitliT müglichen Völker gest:hwiitzig her; „be; 
ms Teiitschen'', fahrt er dann fort, „ist jetKunder der Bram 
dass man im Kydschwpreii pilegt zween Finger, beneben dem 
Dauiueu auözuhebeu, oder in die höhe anffiiureckeu'* •). üod 
er fuhrt de« Cyriacua Spaof^enber^g Erklärung dieser Sitte aus 
dessen „Erkläniug der anderen J'^iHtel an die Corinther'" (fol.22) 
an*), nilmlich: ,.Dic üween Finger, beneben dem Daumen, 
die bedeuten die heilige hochgelolite Dreyfaltigkeyt .... Die 
andern meen Finger in di« Uaud gebogen, hedenten dess 
Meuschen Leib vud Seele*', und wer nun den Kid leiste, spreehe 
diiuiit aus, dass der dreieinige Gott ihm, wenn er falsch ge- 
schworen habe, in der Stunde, da Ijoib und Seele »eh trennen, 
eeine Hilfe versagen soUe. 









■} cf. Zedier j» (1740). Si. Daiu wlne Subriflen Jticbor III, 1007. 

•) „Ejrdtuaffet. W«» Schwereo suy vnd litiBse Wm luau vorzelteu 
für CeremDnion, OeberJo viid cussurlichi- Zeioliea in Eyd«tliwer*ti jre* 
braucht !mb vnct nocli heutige» Tojp'» brauche, Wodurch vnJ ivubej* 
lURn *chwcriiti not. Ob nucii «in Chritt ichworeD vnd mit ^teni Qe- 
wiaMD irinqn Ej'i) thun möji«, Wie maiKihcrley der Ujrd My. Tiul TOn 
d«r StrRflc'dcN Uoynoydt, nül/lieher vnd olnf«ltiffor Bericht, »uu Qottc« 
b»ylMID<iln Wort Mvn vud neu wen Kirdicn lehre rn toA Honst bncb- 
begabter L«ut Si-liriflt«n troiiwlicb xuMmmeng-cxogea vud wrfiuiet durch 
Cbrittojihurum ObeuLiii, Pffttrlierrn /u Vrwl". — Goed^n 8. 483 : 
Im Theatr. Diab. B «l'—öSH; C" 816-8«'. 

•) 494k. ') 491-494«. 




iS3 



OPF£STLIOHBS LEB£N. 



!57 



Die Mensclien sollen naoh (iem Hebpüerbricf „schweren 
liey einem <}röss«ni denn sie sind", also bei Gott. Beim 
NamQD der Kaiser zu scbwöreu iat streng untersagt '), ebduso 
der £id bei den Heiligen, „bey der Mutter Qottea Maiia, bey 
ilem heiligen Creutice" *). 

Ubenhin ist aatQrüch ein Gegner der Wiedertitufer, die 
nach dem biblischen Satz (Matth. 5) „Eure Rede *ei Ja ja, 
Neil! netD'* je>den Eid rerwaifcD; allerdings wendet er sich 
scharf g^eu daa ..viilKare jtiranientutD" auf dem Markt und 
ia den Kneipen, ßt folgt eine langatfanuge Darstellung der 
Formen des gcrichtüchfln Eüdes nnd der getstigen und leiblichen 
Strafen fiir den begangenen Meineid, mit zahlreichen Reiiqiielen 
ftusgescbmückt. 

Der Verfasser ist im ganxen ein klarer Kopf und spricht 
recht vernünftig. Freilich, wenn er jeden Schwur, der nicht 
bei d(^m hiichsten Oott gCHchworen ist, als sündhaft ver- 
dammt und dann Joseph gegen den Vorwurf, er habe bei 
Hiarao geschworen, mit den Worten verteidigt: „dass •fosepli 
tagt; So wahr Pharitu k^bet, i!<t »oviel, als wollt« vr sogen: 
leb schwer bey dem Gott, der dess Pharao Keicb vnd Ilegiment 
ffhtdt »nd regieret, dnrinnen ich jetzt Oberster bin" •), ho 
lassen wir üWr diese Logik einer f^^ettuug^' Josephs denn 
itth den Kopf schlttteln. — 

Zu einem wicbtigeu Element des Öffentlichen Ijebens in 
der 3. fiültte des 16. Jahrhunderts war nach dem schiiial- 
dütchen Kriege die I^andplage geworden, die in Ciestalt 
heriiniziehcnden Soldaten bau den Über Deutschland ge- 
hommen war, die immer bedrohlicher wurde und die nicht 
«sflifiren sollte, bis der verlieeri-iidi' Sturm des grossen Krieges 
TDT&bergehraust war *). Hans Sachs hatte sie in seinem witzigen 
Schwank „Der TeufTel last kein Ijaudskuecht mer inn die Helle 



r 



") 4»3»Bff. ') -Ifi»'«. •) 4H8'a. 

*) Mkiircfc^ln UngfgM «nrJen tohon 154A auf <lcin AuKsburuer 
RdchMag ergriflen und in itcn Pulüref-Orilnun^o von 1MB und I&77 
meaert aoii «»chätfl, — cf. K, Pfoff, in Atr Ztaehr. fllr dt»oI». KaUnr- 
gacb. V. Job. Mtllter md Job. Falke 1861. S. «1 IT. b««. 9. 486 f. 



168 



OSBORN 



ftsa 



faren" *) trefflich charakterisiert : Beizebock, tob Liicifer aus- 
gesandt, um die sicli leereudi' Hölle mit gottloiivii Lunds- 
k&e«liten neu zu fUlIeu. kehrt gaoz ausser sich zurtlck, er 
beschreibt sie: 

Jr klej'dcr nulT den wUdesUm sitMn 

Z«rilaiubl, xerbtiwuD thiI jonchnitUn. 

Eius tbevls jr »chenkcl blecken thetlen 

Die aodem grOM weyt boten beiMn. 

Die ja bia* auiT <liv füt» rliab liiengen 

Wie die gebutmi Dsuber gi#ug«ii. 

Im Angeiiobt »chnimniet vnd knrbelparlet 

AufT da> aller wildrst gcorUt 

In «ummn wiiiit aller Kestalt 

Wie man vor jaren rn* Teuffnl gemalt. 
Er meint zum Scbluss : 

Wilder leut hab jeb nie geeeben 



In meiueiu Siim tM> daUL'ttle uticb. 
Sie weren viel wilder dann ioh 



VaiiT keiner sicher bei jn wer!" 
und hat darum koiui^u in die Hölle mitgebracht. — War hier 
schon die (lesellschaft der „fruraben" Landsknechte dpm Satan 
gegenübergestellt werde«, so wurden sie nun anch in die 
Teufellitteratur hineingezogen und zwar von Ambro sius Pape, 
dem Pfarrer von Klein -Ämmenaleben im Magdeburgiscben, 
„Ijuetken Ammensieben", wi« er es nennt. Sein Name ist uns 
aus der Geschichfe des Dramas wohl bekannt. Er war 1563 
zu Magdeburg geboren und wurde am dortigen (lymBasium 
der Schüler G«org Kollenhagens; seit 1577 beWeidete et seine 
Pfarrstelie, trat aber 1608 m den Ruhestand und zog sich in 
seine Vaterstadt zurück, wo er lfil2 starb'). Schon in seinen 
Dramen, die meist biblische StotCe behuodelD, wie sein liavid, 
Jonas oder sein Spiel von der Grehurt Qiristi'), das neben 
dem Stück von Christoph Lasiua die Quelle für Pondo's 
Berliner Weihnacbtsspiel von iftfiö wurde*), fehlen Teufel 

') Üorl. Kgi. BibL Vg 9Ö82. »> ADD 2S, 184/186. 

•) Qoodeke* II, 367.8. 

*) Bolte, Jb. d. Verein* f. ndtacbe. Sprach fonolig. 9, 97. 



854 



ÖFFESTIilCHES LEBEX. 



159 



sEeoeii nicht. Durch seüien umfangreicbeD „Bettel viid 
Garte -Teuf fei'* ') aber, den er dem brand«Dburj;iHcheu 
KuriunttüTU Joachim Friedrieb widmet«, lieferte er ein farben- 
prächtiges, lebendiges Kulturbild. 

Pape v*ndet uch g«gen den ganzen grossi'n Haufen der 
bettelnden Vagabanden. Regen „die jungen SCrotzer vnd starcken 
Schelmen, die nicht »rbeit«n wollen" *), gegen „dÜe Leyrer, 
Grig4^ler md SackpfeifTer, welch Ymb kein Allmosen bitten, 
nudvru i-iuen Fsatni oder Licdlein daher klingen lassen vnd 
was sie damit xammeln, verspielen, ventauffen md mit Jren 
Madunnen Ter^-ehren", ge^en „ Wandernsbiiree Ton Schreiben) 
rod allerlev Haudwerckern'' und .^die Hcholarea, die vmb ein 
Viaticom schriftlich oder mündtUch bitten*', oft „sich mit 
etUchen copnheren, dai» sie drey oder vier stioimen ktiaueu 
niHtimmen bringen''. Von ihnen haben besonders die Fustoreu 
n leiden. Pape schildert den Schwindel, den sie treiben, 
bdem sie carmina anderer fUr eigene ausgeben und die 
Dedikatio» jedesmal nach Bedarf ändom. Es ist die ganze 
Gesellschaft ans <jeu);enbuc}is köstlichem „Über Tagatorum", 
die liier an uns vorüberiueht '). 

Dann wird TOn abgericfatetcn Kindern erzühlt^ und Ton 
nmtellten Krüppeln, deren .,Beine md ßliedmassen wol so 
fetsde »eyn als eines andern wie deren solch« offt ei^iffen 



■) ..... Ein kBrtMC niiid «inflUtiger, doch wvhafTtiß^r Bericitt 
tun ilen Jeliig«n Be1tl«ffii Tud vermeiatcu Landikii«chteii, wia *ie vor- 
MBlicb uiir die DiHrflfer liftutthalteii mi die wmen Leute plagen, dow 
de Dichr für Tüivkoo ah für Teutactie mucbteu ^ceachtet wvrdcii. Vnd 
>i« jfan«!! m >tvuwr«ii vod lu LelfTen tey, damit »ie da« arme Volck 
löchl gtkT vi^nlabvD. nuoh siah «elbtt deni Ti-ufFel nicht aiinopfiera rad 
notwilUli »-onliiitnicii. Kotellul vod lieacJirielfeD durch Atubnwiun Blpen 
HiKdi^faurfreiuicni". M>i[<lcl)UTt: r&6S/87. 8*. — Oocdeke & 488 So. 31. 
- Im TU. Dkb. Cn lö8'— 192'. ») 167^. 

■> Go«dako, Paoiph. ti«ng.S. 943—10. — Luther icbriub I6S8 zur 
ncttvn Auriatrc d«a anonymen BQcbbin« „Von dtr raWchcn Betllw 
BUMm" eine Vorred«, in weklisr d«r Ta«if«l auch nicfac fohlt. E. Ä. 
Q, 96> tr. Die ScliHft Mlbot i*t eäae ProaaauflSinng: da« libor vagatanim. 
c£ O«od«ke, a. a. 0. S. «78. 




OSBORS 



Tn<I Meister Hnnsen. die (jUieder »ider zu recht im bringen | 
b«fohleu werden, welcher jhueu bnld ht^lHen kniin". 

Pape mnlt die Gefahren aus. welche den Bilrfem. die 
nicht fUlcn efn-as gebi^n konnten, von den abgewiesenen &«ohen I 
OesellcD drohen, und ftihrt als Bvii^pid den ^naeuTollen Jtjiii)>- ' 
mord an, den solche Burschen an eiuem seinef benachbarten 
Amt»«:eno«3eo verübt hatten, einen Vorgang, der ihn selbst 
£u <Icm E^ilschlu«8 gobradit habe, das liingst geplante Bncfa 
herau&zogeben. 

Viel Schuld an allen diesen Misaständen giebt er aber 
andrerseits aucb den unbarmherzigen Reichen und der echlcchten 
Verwaltung der Armcti' und Siechenfafioser. i 

Hauptsächlich wendet er sich dann gegen diis Luudsknechts- 
nese», dci^üen AuswUchse er mit einer Lebhaftigkeit schildert, i 
die den Dramatiker verrät. Erstlich laufen sio, so meint er, 
ans tanter Mutwillen in den Kriei;, um rjren freien Walen 
dwelbst SU vbeo . . vnd als Eisenfresser, fOr welchen ein 
jeder sich fürchten sol, licniuth herein zu tretten/ denD aber 
„ziehen sie nicht zu eiocm Herren, der eine rechte Bache hat 
rnd Teutschland entsetzet md die Warbeit deaa Euangelij ver- 
theidiget. Sondern einen ftuälendischen, <Iem viis«r geliebtes 
Vatterland ein Dom im nuge ist. vnd dcrhalben nicht lieber 
sehe, aJs dasä es im Blute schwimmen vitd ersticken möchte." 
Packeud schildert «r <laii wüste Leben, das die vinldeu Horden 
nach dem Friedensschluss filhn.'n, wie sie auf den Dörfern 
die Baneni plagen, atelden und rauben un<l die Beute zu 
nngehenerlichen Preisen verkaufen oder vielmehr den wehrtoeen 
Leuten aufzwangen, wie sie sich zu Banden zosammi-urotte», 
in die kleinen Orte eindringen uud mit Gewalt das letzte un^^ 
KQche und Keller nehmen. ^| 

Zoniig will er die rohen Gesellen nicht mehr mit dem 
ehrenvollen Namen flLand^-Knecht-' nennen, sondern er schilt 
sie .Hflnerdiebe, Marterhansen^ Wundenknechte, Sacraments- 
schender, Spockfresscr. HuronfOhrer, Feinde vnd Verächter 
des» Vatterlands." Und es geht mit ihnen wie ^uiit dem 
Ungczieier, Hambster, Ratzen und Meuse", sie „hecken all« 





tftgc scliicr ein bauffea Jungen aus»." Ein Edikt des branden- 
boTgischen Kurfürsten von ir>ß4 wird mitgeteilt, welch«« vor- 
ordnete, „dass ei» joder LaiidHkDiM.-lit wegen cinus gantzen 
DoHä vor dem Krage mit 3 pfenning bezalt md damit 
abgewieaen wQrde, um »o die armen Ijente zu HohiltzeD." 

Pape klagt über die Foightfit di-r Bürger, welche ihre 
Mart«rer aus Angst vor Rache nicht zur Anzeige bringen, 
Aber die Furcht der Obrigkeit, die «3 nicht wagt, enorgiscli 
einzugreifen ; und wie er orzSblt, das« ein Mutiger, der «inen 
dieser RSuber auf eigene Faust festgehalten hatte, um die 
Bebiirde zu benachrichtigen und ihr Einschreiten su erwarten, 
nocli 10 Gul'k-ii als Stiafe zahlen musste, da wettert er ganz 
unpredigerbafl los: „So sey der Teuffei ein fromb Mann, mit 
der weise Rolt ein jeder wol Stelen." 

Eine schlichte Mahnung zur Arbeit 8cblies«t mit einfachen 
heizlicbm AVorten den Traktat ab. — 

Zu der Gnippe von TeufelbUchern, die siel) mit dem 
öffentlichen Loli«u beechUftigen, gehSrt schliesslich noch der 
Traktat von Hermann Strack „ W ider die zween 
Pestilentzteuffel DebervndCheteb genannt.."') 
den wir ebenso wie Freys „Scbmeicbelteuffel" nur im Thea- 
tnun Diabolornm finden, wo er von 1R69 an ftls Hzuiior nie in 
Track anssgangeD" erscheint Strack war Pfarrherr zu Mßnch- 
b&usen und aof dem Cbristenbcrg unweit von Marburg. Die 
fQrcht4)rIicben Seuchen, die in den 60er Jahren besonders 
stark in Deutschland wüteten und so viel Menschen aus 
Stfidt«n und Dürfem dahinraf^n, dass man, wie es in 
Sebastian Franks fortgesetzter Chronik ron der Pest der 



*> ,.•.. w»lclie gf'mait hah«a *n»* (}ott«« rin-h«iifcnit>, Knht vnd 
inliHiint vmb der SUnda willen, di« lloiucbpo mit Pe*til«ntcuclien 
hiucn tud SUrrixlrüMa xa Kliicfaen vod vmlxabringen, Ocwimer Troat 
■UM Oüttci Wort. It«ii) iu diesen lelit«D gcbbrliohsn PtMUeiu- vnd 
Sterbe tuUtifIt«n Tt-neli«iig Ltitw vitd der Seelen. Bedclil« md G«bette 
in «oklier Xol rad AnfeeliUBg. I>uroh HvmutBinUD Stnck, Pfarrherrn 
n ChriiUinberv coUigir«t tdiI gepredigt." — Im Th. D. A 680<— M2'; 
B 45l{-46&; Cli 2Si— S91*. 

11 



4 



163 



08B0RN 



S57 



Jahre 1563/64 heisBt '), ^nicht vcrmcinut hott, das so viel 
Toldcs rnd Leut vberal darinn geweseo woreo," veranlassten 
ihn, vielleicht angeregt von Andreas Musculus' Schrift „Ge- 
wisse vnd boweilo Ärtzuoj wider diii »«iiclio der PestüttiitK" *), 
in dar auch 2 Teafel, Securitas und BeHperatio. eine Bolle 
sptüKtii, die „zwei Pcstilentateuffel" aufe Korn zu nehmen. 
Stracks Grundsatz lautete *) : „Ob wul div Ertzt natürlich« 
TBi! vemünfftige vTsath vbor die miaersalem et primam setzen, 
daher sich die Pestileiuisclie seuohe TervTsacht, müsi^n sie 
doch nvbun Gött<» Wort bekennen, dass Gott solche Plag 
dnrch die mörderisches vnd helUscbea Geister in die Welt 
auiMitreuwe.'' Fortwährend betont er, dans das wichtigste und 
beHto älittel gegen die Seuoho der iiiuige Glaube an GoU sei. 
Fn^ilich verkennt er nicht ganz die Bedeutunt; der ärztlichco 
mittel und macht hygienische VorschlKge *). Denn der Teafd 
kann „in feuchten sumpichteu Orten, du es vil fauler stUl- 
stehundcr WaHscr hat, in h&usern, Stuben. gasseD, da es 
vnreyn vnd schlamniicht gehalten wirt, leichtlich das vngluck 
brauwen"; „wenn mancher vor ein Hauss gehet, da man allen 
Voflat herausschüttet vnd sonderlich bey der Nacht, kau er 
ein grawen darvber machen vnd Hugs mit seinem Hauchen 
infahrcn" "). Damm lehrt er Keiulichkcit und giebt äusserst 
verstandige Ratfichläge "). 

Philipp von Hessen wird gerühmt, der zur Zeit der 
Peat 1503 durch seine AKte „ein nützlich gantz bewehrt 
Ordnung vud preseruatiua" ') zusammenstelleD, drucken und 
TflrteileD Uess, auf des Burkhard Mitbobius Schrift 
„Wie man sich vor der Pestileiitz bewahren soll" *), wird hin- 
gewiesen lind danach werden die Mittelchen empfohlen ; mnn »oll 
„nach seinem vermögen Ejmhorn, Mitbridat, gebeisst Entziau 
vnd andere bewehrte Latwergen" brauchen ") ii. 8. w. Beamte, 
die ihre Pflicht bindet, will Strack zwingen, am Ort zu bleiben, 



'J lfi«B. foL (Bcrl. Kgl. Bil.l. Pi 7898) foL CCXCV. 

■) Fnnkf. 0,0. tS6S i;^* Spiekor S. SSO IT. Bert. Kgl. Bibl. lu tKOO. 

*) 457» B. •) 467' K-458. ») 468a- •) 463. *) 460' ». 

^ Zu/att Erfurt 1652. 4". •) 460' O/n. 



968 



ÖFFENTLICHES LEBEN. 



163 



die anderen sollen sich ruhig „auss der Dachtreuff" machen. 
Christliche Liebe and gegenseitige Unterstützung wird Terlangt, 
aber das Küssen der an der „anstinckeaden", „anklebiBchen" 
Krankheit Verstorbenen als Yermessenheit strengstens onter- 
sagt; and an den abscheulichen Aberglauben der Zeit werden 
wir erisnert, wenn es heisst'}: „Es ist ein Teafelischer Ynraht, 
da ein böser Mensch meynet, seiner Pestilentz, die er hat, 
ledig zu werden, wenn er sie einem andern anhencket." 

>) 468 b. 



11' 



Charakter, Stil, iremehisaine MotlT«. 

Es ist schon daranf hingewiesen worden. ') dasa di« 
Teufel Schriften der hehanilelteii Periode, die wir soeben in 
(rruppen geurduet nach einander an aas vorübentii-ben lieeuD. 
um die Eigenart der ein>;elnen zu erkennen, sich im gössen 
und ganzen als etwas Einheitliches darstellen. So erschien 
diese Litteratur auch dem Publikum des 16. JahrliuDdvrtti; 
der Charakter der einzelnen Traktate als .,Teafel" oder 
„TeufelbUcber" nivellierte sie in den Augen der Leaer nahesa 
TQlUg; die PerBönlichkciten der VcrfasHcr, deren durchaus 
angleiche Begabung, wie wir sahen, in iliren ungleichartigen 
Schriften sich kundgab, wurden fast gar nicht beachtet. AU 
dann der Sainmeihand herausgegeben wurde, erschien er als 
ein einziges Work, in dem die aufgenomuicnfn Bücher nur 
einzelne Kapitel darstellten. Diese Anschauung ging von dem 
durchaus richtigen Gefühl aus, dass trotz, allen Ver%c1ueden* 
heiten im Einzelnen aus dem gewaltigen Folianten Feyerabend* 
doch nur eine einzige Sprache ertönte. Und unbedenklich 
könneil wir hier bei einer Charakteristik in Bausch und Bogen 
auch die wenigen Schriften hinzunehmen, die aus irgend einem 
Grunde in das Theatrum Diahotomm keine Aufnahme fänden. 

Gleichmässig ertiint ans den] Munde aller unserer 
Pastoren die Klage darüber, dass das Böse seine HeiTschaft 
in der Welt zusehends erweitere; noch niemals waren die 
Menschen so sündhaft wie gerade zu ihrer Zeit. In jeder 
Vorrede wird auf diese Thatsaohe hingewiesen. Die Men- 
schen sind, wie es oft nach dem horazischen „Epicuri de grege 
porcus'" beisst, „epikurische Saw".') Es haben ,,in der Welt 



') S. 89 f. 

') Di« ..epikurische Sbw" itt oiiu der belicblcftcn grubtaniteliM 
Scliitnjifwörter. a. AftJA 18, 87& 



960 CHARAKTER. STIL. GEMEJNSAME MOTIVE. 166 

an alten Orten die grewlichsten laster md Bünden sehr ge- 
nejn rnd vberhaod genoDimen''. ') „Es wird alle» etirgeitz, 
Wucher, buuohfra»« vod flvisoli werdcu wie vor der S&ndänt.'' ^ 
So verzweifelt klingt es überall, and ancU in den Titel des 
Tlieatram ging diese Anklage der Gegenwart Über; dort ist 
die Ked« von ,^ll«rl«y growlicitCDf sclirecklichon rnd abüclieu- 
lichen Lastern, &o in diesen letzten schweren vnd bßsen Zeiten 
An allen orten vnd enden fnst bräuchlich auch grausanilich 
im scliwHng gehen." Das kaim sich nicht anders erklären, 
als „dass es die letzte Zeit ist, von welcher die Propheten, 
der Herr Christus vnd die Apostel gesagt haben, dass es ein 
Behr bös« ergerliche Zeit sejn werde, da alle sfindetk, schaud 
nid laster im schwang gehen werden".') Ganz teidenscbaft- 
Uch spricht belipielsweise Musculus dies als festeste Über- 
zeugung aus.') Die ßegenwart ist „das aller letzt drUnun- 
lein von der Welt vnd das letate Zipfflein, welches vns bald 
aoss den Händen entwmchen" wird. Nun ist es eine alte 
Erfahrung/) dius« der Teufel „zum aller ergsten wAteu vud 
toben vund die Menschen zu allerlcy lästern vnd eöuden 
treiben vund aUo vber sie das Webe mit Hauffen bringen 
werde im letzten tvil der Welt, diewcil er weyss, das er wenig 
raoni vnd weil habe, die menschen m die ewige vordamnus 
z«o«rfaren".*) 

Merkwürdige Zeichen am Himmel deuten auch auf den 
sahen Weltuntergang. „Vom Cbristtag un", sagt Musculus ^ 
1655, „bis auf Triam Regum (also den 6. Jannar) waren 
schreckliche Gewitter sowie Zeichen vnd Wunderwerck", wobei 
noch ,fZam vberflass ein Cumet am Himmel etliche wocbi^u 
»ich Itat sehen lassen", der sich „so seltzam verendert, das 
auch, 80 der Gestirn vnd Himmelslauff erfaren, ettwas jrr 
darüber worden sein.'**) 



<) Vomdc lum T«i2teufi>1. <) Vorrad» tum Wiicb«rt. ■) '^Tk. 
•j aM». •) of.Lolber. E.Ä. S*,»0: SB, 318 ff. "} Vorrede «um Spii-lt. 
— V|l. damit «twB Von. tu MeianchoL T.. xum Lügoat., ferner (Hoient.} 
B 480; Ncidt, C." 81" ') in der Vorrede luin Fluclil. •) Äialiob 

aoTtsi stsr. 



166 



OSBORN 



S61 



Er moiiit, GoU liabe seine Hand nasgereckt und seine 
BuÜie gczöißt. Und weun der Herr auch langmütig sei, «Anit 
AndreitH Hoppenrodt, so ..hitt doch die läng die ferne, die 
nwige die to]g<s vnd man krawct vimd reitx«t jfan oucli w 
Iftoge, biss er muss anffwachen." ') 

Diese Furcht \ov dem nahen Weltuntergang beherrscht« 
in der zweiten H.%lflc des 16. Jahrhunderts Qberhaupt du 
ganze deutsche L:ind. AilenUialbcn wurde von Feuerzeichen 
und Blutregen erzählt, Stimmen erti'mten auH der Höhe, 
wildes Getümmel »ah man tu den Wolken, Überschwemmung«!), 
die (ibics voraussagten, wurden massenhaft gemeldet, und 
eotsetzÜche MissgeburCen kündetön das N&ben des jüngsten 
Tages.') Der märkische Chronist Peter HafFUz beschrieb in 
seinem „Troet* and Lehrbücbk-iii vom jUugsten Gericht*' in 
einzelnen Kapiteln ausführlichst Zeit, Ort, „gestalt des Rich- 
ters", und berichtet „vom apparate, geprenge, maj-estat, pro- 
cess vnd aussgang dess Gerichte" *). 

Der Teufel hat nun zwar „alle winkel der weit vbor- 
schQttet" (127B), es sind jedoch „sonderlich solches grausams 
wüten vnd toben des Niedurland, Frankreich, Engclland vnd 
Schotten inne worden'' ; *) aber es ist keine Frage, dass die 
bösea Geister „sons nirgend mehr in der Welt seind, aU 
allein häufög vnd semptlich in Teutschland vnd niemand aich 



weniger der bösen Geister vermutet 



als eben wir lieben 



Teuttchen." *) Wir Deutschen „stecken tiefer als alle Vftlcker 
anff Erden'") in allen Hündeu; ja es ist schlimmer als es 
,pm Bapstthumb" war.^ Die alten Germanen werden alt 



') VoiTBiio rnin Hurmt. 

*) ef. K. V. Lilieucron, Uit(«itaDgän aux dem Gebiet d«r SSort- 
lielieii H«iiiuDg in DUchld. nShrend <l«r 9. Hälft« des 16. Jslirli. In den 
Ablumdlnngen der hayt. Akademie der WimenBcbaften 1874. S. 107 CT., 
bw. S. 188 ff. — Daiu LutLer E.Ä. 62,468, 818; Kö»llin, Luther» Tb«>- 
logi* II, § £5. — Cordnlus Tn^buch über Lnther vd. WrkmpcliDeyer 
(Ball» UaS) N«. 860. 549, 551, 8R3, 951. 953, 984. 

*} Zwn/t la(ainiB''b 1&7IS ik exiromo iuiiioio. DouUeh 1&7T, 
S. Avä. 1578. 

') ISasc. ') er. auch 430». «) SIO»d. ^Ka^B. 




CHAHAKTEH, STIU ttEMEISSAHB MOTIVK. 



167 



Ideal gepriesäD, ibre Gebräuche gelten itls nacbftbmeiiswert, 
ihr« ÄnsicbteD lüa sittlich. ') Aber «s würden „vosorc Uvba 
önleltige VorfahreD, wenn sie jetzt (dass ich so rede) wieder 
komraen solteo, Tc^utschland vud seine Kjniwouer nicht kennen, 
80Dd(.'r gar für «in frfinbdo» Lnnd vnd Voick ansehen." ') 

Der Türke erscheint als der Satansdiener, *) als der 
DabeDde Antichrist, er ist rerflacht tmd rerdauunt. Der Papst 
steht ihm als zwfit^r GohilTu des Teufels zur Seite. Er war 
ja schon vor Luther im Kampf der katholischen Laienwelt 
gegen die Kleriicei von Dichtung und bildender Kunst in die 
Hölle geschickt worden, und so vorbreitet war diese Ver- 
höhnung des Nachfolgers Petri, dass schon in Luthers tie- 
bnrtsjahr der Künstler, welcher die HolzHchoitte au der in 
KUmberg nAch dem Vu]gatntexte gedruckten Bibel Anton 
Koburgors fertigte, de ni Pnpste, dvu Kardinälen, den Btwhöfen, 
den Mönchen u. b. v. einen Platz in der Hölle (zur Offeub. 
Jol). 8. K«p-) mitten unter grinsenden und hohnlocheDden 
Teufeln anweisen konnte,*) wus schliesslich schon eben so grob 
war, wie die späteren Darstellungen im „Passional und Äoti- 
pttssjODal" des protestantischen Lucas Oranach. Seit Luthers 
Auftreten aber ") und zumal seit seinem mwsloceu AugrifT 
„wider das Papsttum vom Teuffcl gestiftet" (1645) verlor der 
rOmische Bbchof diese Stellung in den Schriften der prote- 
stantischen Schriftsteller nicht mehr *). 1557 veruffentticbte 
DBaerMuscaIas„Beydc'r Antichrist, des Coustjutinopolitaniscbeu 
und Römischen einstimmige . . . Lehr, Glauben nndBeligion".^ 
Und noch im Jahre 1664 wurde aus des schwedischen Se- 
kretarius Joh. Ulr. Wallich» •) Buche über die türkische 
Keli^on und Mulianieta Leben ein weitläufiger Auszug 

■) SIMc. 900*», 8B8"b: CI 2615»,, Cn I6&b. ^ MSc. 

*) nitiKC. IMinix. 4B9K. 

*) et. Vulpiat. KurioMUUiB m. 807. 

^ et £. A. Kl. 11» 0.0. 

^ cf. Bctulid. OMob. d. dtMli. IU-foniiati'>a S. 811. 

^ Fraalcfort a. U. — 2. Annngv icbon 1S59 Erfurt et Spiaker 



S. S0& 



•} Jöcbor 4, I78& 




OSßORS 



gesondert gcdrnckt,') „dAriuneu er beweiset, wie der onen- 
talische Antichrist (der TQrke) mit dem oocidiMitali»oheD (dem 
Papst) za vergli>iehen sey and wie also der Era-Äotichrist ] 
(der Teuffcl) als ein xweiköptige:» Monstrum seiner Häupter | 
dns im Orient das ander im Occideut Ktrccke-', und in dem ' 
mit gewaltigem gelehrtem Apparat und au einem aufgezeich-^ 
neten Stanimbatim ein abenteuerlicher Beweis von der Blot4^| 
vcrwandbichnfl dur bviden „Anti-Christe" erbracht wurde. 

Die protestantJBchen Piarrer des Thoatnun Diabolonun 
überboten sich in wütende» Ausfällen gegen den Katholizis- 
mus und seine siimmtlichvn Eiiirichluugea. Das „schSdIicbe. 
Lcyllose, kindÜMihe, hurieche, verteuffeite"*) „rermaledoyte, 
verfluchte , Terdampte , Terzweyfelte , durchteuffelte Bapst- , 
thumb" ') ist ein Ausbund aller SUndcn und Laster. 7ffi^| 
spottet wird die Heiligenver(rlining , die als Abgötterei g«^^ 
brandmarkt wird, der Wiuiderglaube , die Wallfahrten *). 
Die Legenden und Wunder der katholischen Überlieferung 
galten den Lntheranei-n als arglistiger Betrug, als „angserwel 
grosse, vuuerscliÜiiiptL', feiste, wolgemeste, erstunken« Papis' 
sehe Lügen, welch« aller Narren Tugend als des Gulensiü^els, 
Marcolphi, des Pfaden vom Kaienbergs, Fortiinati, Rollwagens 
etc. weit übertreffen," wie Hieronjinus Kanscher 1562 seine 
äammliiug von Hundert Wundorgeschichteu nannt«. Der 
Papst wird als Zauborer geschmäht*), als Hoffärtiger, der aich 
über Gott stellt "), und besonders gegeu Gregor VIT,, den 
„öffentlichen Zauberer, Mörder, Hurer und Ketzer" richtet 
sich der fanatisclie Haas ''); der Eid, der dem Papst geschworen 
ist, verpflichU;t zu nichts*). Der katholische Gottesdienst mit 
seinen Zeremonien, die so mystisch sind, „dass niemand etwas 
davon verstehet" *) , die Monstraue, in der ,.diui Sacrameut in 
ein silbern oder gülden Häusslein gesperret" '*) ist, das 
„beuchelische Fasten der Gottlosen Müiiche vnd Pfaffeu . . . , 
die damit etwas sonderliches von Gott verdienen wollen""), 

') BerL Kg-LBIW. im VoL mi«o.B. 0.646. *) iU^'o. •)149»i_^ 
*)70A.*eio,89'i>iie.l78n,B3öjt'. Cu86aV ')161V78f- OOTI** 

m*K. *)*. B.6i7'n,73-B. 'ißiiv. °j 47aA. "*> »wc. ") n*n. 



ttol 




CBARAKTEit, STIL, OEME1KSÄ3IE MOTIVE. 



sind fortwährend Gegenatand des Spottsa'); die gross« Zahl 
der k«Üioli»chen Fek-rtuge wird als uiinlltz uud schJUllicb hin* 
gcBteUt*). Die ^PlatleulaTreQ" sucheii „wie die HewschredieD" 
die Christenheit heim'); Üppigkeit und Simonie herrschen hei 
den geistlichen l'ürslen im Ühermass*); mit den Kirchen- 
abgaben hL>drückvu ei» die BiirgKr; da« Cölibat ist eine Ein- 
richtang des Sntan. Unermüdlich sind die Teufelsbekämpfer 
in watenden Ausfällen gegen die „laasicht«n MUnche"): 
Der Ttufel ist, nach Latht-r'). Gottes Affe, der ihm allen 
nachraachen will, freilich „bÖH rnd widersinnig" und ,,da Gott 
d«D UeoKchen schaffet und sprach: Fiat. Tbat es alsbald 
dieser Äff nacli und sprach: Pfuat. Da ward ein Mtincb 
daraQss" '). In der Sage vom „Bruder Rausch" wurde ja 
schon lange der Teufel 211 einem Klosterbruder; Oeiler von 
Keiscrsherg hatte dann die Mönche zu ,,taffeln" gemacht, 
wurde aber gexwungen, diesen Ausdruck zurOck z\i nehmen % 
Bald erschien in der Folgezeit der Teufel in Begleitung eines 
Mönchs"), bald ward er, wie 1530 in Speyer, selbst in einer 
Kntte verkleidet gesehn *") ; in der Überlieferung der Faust- 
sage*') tritt äleiihistoi)ht;le.>t gi-legeutlich im Gewände eines 
Kkwt«rbrudL'rs auf. In der bekannten Flugschrift, Luthers 
Dialog mit „der geschickten Bntschafft aas der Hölle", kommt 
Satan ,,iu ejrues Prediger MUuchs gc^tilt"'-). Auch die 
bildende Kunst eignete rieh dies Motiv an, und Luther lubte : 
,4)aruro liabens die Maler eben recht troffen, wenn sie den 
Teufel malen in einer Mönchskappen uud seine TeufeUklaiien 
untvu criur. Denn er rou Anfang der Welt nichts Anderes 
(bot, denn die Welt mit Müncherei verführt" (1532)**). Kan 
tritt der Hofteufel selbst als ein Mr>iich auf die Bötiue, ilhn- 
Hcb wie in Jacob Kufs Drama „vom Wohl oder Cbi-buind 



■> ot ISO r., 830, S71'ff. ■) 46eK. *>9S0dik. •) SO»*c. SäC^B, 
4S*A. ■) 150a. ■) LuthL-r E. A. S, «S; 3S. 87« ff.: St. SM; 8«, 1»S. 
^ SW*o. *) Ämroon, Ueikr v. KeiMTibrrtti Lclwn, Lelirca und Plra- 
lUgtcn. (ErUngcD 1BS&) S. 11. *> Scbeiblc'i Schdijnbr I. SOSt. >*> ibid. 
1. 554 f. >■} SchciUc, SciiAUjcriibrr $, S8. "> Uallcoicr Ncndr. N. «9. 
8. 4. ") E. A. 43, 3S8. 




osBoax 



i?iner l&blicfacD EidgCDOfisenscJiftft" *). Mit <]em Rcfonnntor 
legt mau sich ins Zeug gegen die QQadenmittel der katholi- 
schen Kirche, die guten Werke und den „Hchändlichen vnd 
erticlit4;n Ablassbandcl"^. Und Eck, di^r ,.grobu vuTCrscbämpt« 
vnzuchtige Tropff*)" wie überhaupt alles, was sich feindlich 
gegen Luther irendet, ist ein TeufeUknecht. 

Denn Lutlier ist iUr die Verfasser der Tcufi-lubücher 
natorgemäas Wogbahncr. Vorbild, Lelu-er. Umsonst suchte 
man frtther der Macht des Satan wirk.'tani entgegeu zu treten, 
„biss endlich Lutberus auff den Platz tritt vud durch 6ott«s 
G<>ist jn augri^ifl't . . . mit dvui Scligmachendvn Olaabon an 
Cliristum" *). Gott wird g«priesen , dasa er ihn gesandt *). 
Nach seinem Tode freilich, so klagen sie, erbeben die Gi^er 
wieder mächtig das Haupt, über ,..sie soltcn jbm bey seinem 
leben gemuckt haben, er sult sie Mores geleret haben"*). 
.,Ja, wenn der liebe Luther noch da w&re," ruft Joaohiin 
Westphal im ^^offurtstouflfc!" traurig aas, „aber er ist dahin, 
wie die "Welt verdient bat." '). 

Er erschien ihnen tadellos, nahesu sQndentos. Aber 
in der JJcwundcrung und Verehrung wurde sdiliesslioh wo 
Ton 3Qf;eschlagen, der den Reformator selbst keineswegs er- 
freut, sondern sicherlich aufs äusaerste eritinit haben würde; 
denn die fanatiscbon Bekümpfer rler katboli&chcn HeiUgen» 
weit sclienten sich nicht, nun den verstorbenen Luther aolbct 
mit dem Namen „Sonctus Lathems" *) zu bellen, die grimmigen 
Gegner des Papstus sprechen von dem „heiUgen Vater 
Lutberus" "), als Prophet wurde er gepriesen und unpaasendw- 
weise gerade der vom Mythus umwobenen alttestamentlichen 
Gestalt des Blias gcg<:-nübvr gestellt'^). Die»e Autfa»:<uDg 
war nicht mehr neu und hielt sich lange, bis ins 18. Jabr> 
hundert hinein "). Schon 1568 waren „Etliche Propheiey- 



■) BaechMä, Grach. d. dltcfa. Litt. i. d. Schwiüz. S. tH1k 

') B U3'E. 405'i», ISO'f^ 4«9o, I63f, Cn v.K^. 

*) 42» 'f. •) 160c. ') 110c. •) 3«*. 884 'b. ') S7»d. 

nS0c,SS3=. >) 4U8 (T. ">) Ifilu, 460£. ») Cf. B«Eold, Occch. d. dttcL 

Refummtion S. 852, 




CHAKAKTBft, ST]L, »EUEmSAUB 3I0TIVE. 



Sprllciie Jtfartini Lutheri gesniulet durch Anton Otto" er- 
schisiiVD , WitlthiTs «zui<a[imiengt>tragi.'nc Propbesoyuiigcn 
IiUtheTB" {^ViUenberg I5Ä9}. Musculus' „Weiäsaguufien D. 
U. Latlieri" 1567 und ntnncbe älmltcbe S<:hnrten folgten; 1606 
erschkn zu Li^^ipztg Laurcntn orationes 11 dpi cumpftnitione 
Lutheri vntn Elia, und Doch um ein .labrhundert spiäter gab 
Michael X«nnder ein Buch heraus mit dem Titel „Lnthen», 
der di>«t8che Prophut" (Jeim 1706)'). 

Den Pastoren des Theatrum Biabolorum war Luther 
nnfeblbar. Sie naiint«» sogar seine Schreibart »anft und seine 
Polemik milde"). Das Kaufen und 8«mm«lu seiner Werke 
galt als Zeichen der FrömmiRkeit*). Seine Scbriften wurden 
in «ine Linie mit der Bibel gerUckt; wie die Sätze des heiligen 
Buclies galt ihr Inhalt an sich Bchon als Bevcis; über Bo- 
rechtignng oder (rlauhwürdigkeit ihrer Au^ftlbrungen and 
Behauptungen zweifelnd ku grübeiu, war allein schon sündhaft. 
W«r etwas auazu«:tzi-u hatt«, worde ohne weiteres als mit 
dem Teufel besessen gefaranduiarkt und im grobeten Polter- 
tone heimgeschickt. Oh der K«formator selbst den Wust 
der Tenfelsbüchur freudig begrüsst hüttu, wenn or ihn erlobt 
haben wfirde, kann man billig bezweifeln; man könnte eher 
denken, er hätte tlber sie da-SMilbe Urteil gefiUlt. da.s er ein- 
mal (I&43) (ibor iwitgenössischv Schriften ausspnicli : *) «sie 
Hisd nicht alle rein, die jetzt schreiben und will Jedermann 
im Laden feil stehen, nicht dass er Christum oder sein Ge- 
hetmniss wolle offenbaren, sondern sein eigen Geheimniss und 



') Von UialicheD SchrifUu »ek-n nouh cmühnt, TimmBnnii 
|Mraph«(ia« qnacdam LnUirri Mumlcb. 15S2, — Sopnou» ..Wulirlinffle 
Proplificeynasen M. L. ma» «Heu miiiph Schriflcn, Vnt] 1578. — Phil, 
Sab mit) t, Qciitrticli TnrtrciTHcho und bödutwiahtigc WeluaraDseD . . . 
um Dr. Lntlifini .Sckrirt«n." Witt«nbeT|r IflUS. — Job. Lftttb«rtDi, 
iMlhcnia, der (l«Dt4clie Propbot, NSrnberg l«39. — Cf. S{ii«k«r, Jloft- 
cdIu. S. 848. 

•> I56', im. 

*) VnrTrde »iin Fluditcufcl. 

•> £. A. 63, 3Tt. Vanaio (u Jobaoo Span^'^nberg« POttill« ibtr 
6i» Sonn- utid FMttagv-EvimgDlioD nnd Epiit«ln. 



179 




OSBORN 



8clii5nc Gedanken, die vr unter Christi GohvimBin fallt, Bicht 
will umbsonst gehabt haben, damit w hoffet Bchit-r. auch di» 
Teufel KW bekehren, so er noch nie eine Mucke bekehret hat, 
oder bckcbrcn kttun, wo nicht äti% Verkehren das Ärgcst 
dx-an wäre," 

Selbstvei'ständlich war dor Mann, mit dessen Auftreten 
die neue Zeit der Christenheit beganu, auch in seiner Eigi^n- 
Schaft als Schriftsteller für unsere Verfasser ideales Vorbild. 
Ohne Äusunhtue galt fiir alle sein Stil als Muster. DaQle 
scbrieb im Tanzleafel sogar einmal an den Raud: Jmitatio 
verbornm Luther! '). Wena ein Gedanke besonders klar and' 
prägnant aiisgeil rückt werden soll, so wird eine einschlägig« 
Äusserung Luthers zitiert, und mau gewinnt dadurch dcU' 
Ausspruch einer unantastbaren Autorität in der vollendetfiten 
Form. In der selbständigen Nachahmung des Luther'schen 
Stiles blieb es freilich meisti^us heim guten Willen, di« 
lebendige Anschaulichkeit, welche diesen so anziehend macht, 
stand hier nur selten zu Gebote; die unermüdliche Frische 
des Luther'scheti Eifers, der auch dif breitesten Ausführungea 
fftst niemals langweilig werden lässt, suchen wir hier meist] 
vergebens, und so konnte es nicht fehlen, dass die Teafel 
sehrifben, da sie au eingehender ÄusfiShrliclikcit in der Dar- 
stellung allerdings mit dem Vorbild wetteifern küimeu, nur 
zu oft ermüdend wirken mussten. Die Verfasser fielen dann 
in einen unerträglichen Predigerton, der die Ditige in lang^ 
athmiger ücde von allen Seiten umging, statt sie kurz und 
kri^ftig an der Wurzel zu packen und herauszuheben; sie 
spekulierten dabei wohl richtig auf die „gute Gesinnung" der 
Frommen, die es nicht wftgteu. derartige mit einem gewaltigen" 
Apparat biblischer Gelehrsamkeit ausgestattete Ausfühi-ungen 
offen fiir langweilig zu erklären, auch wenn sie dieselben als 
Langweilig empfaiidei). 

Gauit besonders reizte die Luthersche Grobheit die 
Teufelsbekümpfer zur Nachahmung, aber wie sehr verkannten 



J 



') 22a 'u. 




CUAUAKTKK, STIU (JEMEISSAME JIOTIVE. 

auch hier die niei3t«n Xnchfolger ihi-eo Vorgänger; wie weuig 
vennochteii sie es aqcIi liior, die Wirkung d^H Must«rs zu 
ermicbeiL Bei LnÜier luderte stets ein heiliges Feuer innigster 
TJ«ber7eugung, atets war in seiner Polemik »eine ganze 
F«t9&nUchkeit aiit all ihrer «prühoiidou Lcbciidigkint hvloiligt. 
Qn kräftiges Wurt, ja selbst eine derbe Grobheit schien dort 
ganz natUrlioh in der Erregung, in der er sieb fast immiir 
an Willkür Ucli befand, in diu er sich niemals künsüich hinein 
za versetzen brauchte, wie die Schwächlinge seiner Gefolgschaft. 
die sich selbst in eine Wut hinein predigten, damit ihre Wort« 
aach so ernst klangen and auch so aus den Tiefen des Herzens 
ZQ kommen schienen. Bei ihnen waren die Grobheiten nicht 
8|>ontane Äus«eruiigeii einer kraftvollen Indiridualität, die 
sich oinnisd Terleiten liess, mit mächtigen Hieben dreinxu- 
schlftgen, sondern unflätige Schimpfereien, wie sie Leute 
aaszusto£Si.'n ptlugeii, die aus Mangel au Gründen oder an 
einer kilAigcn ÜbcrKCUguug keine anderen Waffen gegen 
ihre Feinde zur Verfügung haben. 

Freilich gehing es den bedeutenderen Per«önlichkuitoii, wie 
Musculus, Musaeus. Schüdo, Bhude n. a., hie imd da sich dem 
Vorbild za nähern, aber die Masse war doch nicht imstande, 
«cfa über das charakterisiert« Niveau e[uporzuhc)>eu. Dvr Mangel 
an einer tiefen inneren durch eigene Kämpf« errungenen religiösen 
L herzen gung, das Fehlen einer im Herzen wohnenden Kraft 
des Glaubens, daneben die starre Betonung de« Dogmas, brachten 
die Verfasser der Teufelsbücher oft schon gefährlich nalie an 
die Grenxe der starren Orthodoxie, in der das Luthertum im 
17. Jahriiundert so ganz und gar nu verkiiücheni drohte^ bis 
die pietistische Richtung wieder einmal vom Buchstaben au 
den Geist appellierte. Sie geborten zum Teil schon zu den 
^kurzsichtigen StarrkSpfen", die den grossen Vorgänger und 
Meister, wie Lessing klagte, verkannten nnd „seine Pantoffi'ln 
in der Hand, den von ihm gebahnten Weg schreiend, aber 
^eii'hgiltig daherectdeudcrten" '). 



■) of. Eridi SL-hmidt, Ltu>ng U. 43». 



174 



OSBOBN 



S«9 



Wenu Luttii-r Oiog« behsapt«t und mit glühendem Eiftrr 
verficht, die dem gesunden meDscblichvR Qefäbl ins Gesicht 
sclilagen, so ntaunt man iD«iE>t trote alledem doch immer noch 
vor seiner unürscliöpflichen Fähigkeit, za gluubeiii und lässt 
sich von der Gewalt seiner Persönlichkeit hinreissen ; er Qbeiw 
x«ngt oft schon halb dadorcb, dnss er selWt »o te»t ilberzeagt 
ist Sobald dies ab«r fcblt, erechoiuen die verstandeswidrigen 
Konsequenzen der reinen Lehre .ils lebloser Dogmeiikram 
oder ftls Borniertheiten. Wie musste auf den Leser etw-a 
folgende Definition der ThiLtigkcit des arbeitenden Monscben 
wirken ') : „Die Gottsetigen arboyten, ein jeglicher in seinem 
BcrufT \-nd das allein danimb, dass Gott so haben will und 
nicht dftHs »ie sich davon nehren v&llen. Denn 
smtemal Gatt die Erde rerfiucht bat, können wir mit unserer 
Arbeit nicht zu wegen bringen, dass die Erde etwas frucfat 
trage. Arheyt aber ist darumb allein iviiffgelegt, thigg damit 
der siindlichi' Corper gozilinet werde."! 

Die Bibel wird keineswef?» nur zitiert, wenn es erforderlich 
ist, sondern bauptsücblich, um mit der ßelesenboit zu pnt»ki-n; 
sie wird zum Beweise für alles beri'orgebolt, aacb für die 
selbstrerständlichaten Dinge, wie dafür, dass das „Wildpret" 
im Walde Iebt=). 

Das System der lutherischen Glaubensdogmen in der 
endgiltigen Form der Augsbui'ger Confession ist die Grundlage. 
Die WeltAUscbauung ist die rein spirilualistische : der Körper 
ist die unangenehme Beigabe unserer ewigen Seele. Sundig 
ist er Ton vornherein, „weil denn die Kinder in Mutterleib 
in Sünden aiiss vnreinem samen empfangen eeyn" *). Das 
Niitarliche, das Körperliche ist unser Feind, _vnser Adam", 
dessen Überwindung „vollbßmmlich nicht gesdiiebl, denn durch 
der Natur todt vnd begraben"'). „Pleisclilith ab«r gesinnt 
sein, ist ein ffindschafft wider Gott" *). Die Naturgesetze, 
zu deren Erkenntnis sich die Menschheit mühevoll em]>or- 
gerungen, haben nur bedingte Geltung, so lange Gott wilL 



>) SftU- *) 3^D. ■) 4&9a. 'J *Mv. *) BGO', 431 b, 3Se<. 




CnAKAKTEK. STIU HBMElÜäAilE »OTIVK. 



175 



Er ist „mit nichten an den LaufF der Katar vcd an die 
Uitt«l der Creaturen gehunden" '). Er. der sie selbst ge- 
sdiaffen, kann sie aucb willkfirlioii wieder absiultaffui oder 
weoigHtens zeitweise zn bestiiDmt«D Zwecken darchbrecben. 
Er «regiert die Creatiireu nicht allzeit imch jhrer natUrlicIien 
cygenscbaSt. soadcro nach seinem Wort dvr Vvrbuissung, dass 
sie sind InHtruinente and Werkzeuge seiner gute, Gerechtigkeit 
vnd Gerichte" *). Darum ist menschliches "Wissen «nd Forsehen 
echliesBÜch doch nur Sarrenwerk *), auch die Knnst der Arzte, 
welche bei der Diagnose die Wichtigkeit der natürlichen Ur- 
Cftchen über die prima ac principalis cansa, nämlich Gottes 
Willen. sti'Uen '). Die Gläubif^^u haben die Siobcriieit, dass 
ihiit^n nichts ifiderlährt, ^es geschehe denn entweder jhnen 
fttr jkre eigene Person oder jttrem Nebc«t«u zu nntz vud 
got" *). WieTiHtLor die Vernunft, welch« Zweifel und Grübeln 
erzeugt, mit dem Ti>rächtlieheD R»f, ^Frau KlUgelin" *) zurück- 
wies, so wird auch im Theatnim Diabolonim spütliscb von 
den „WeltvomiinflligL-u" gt-sprochcn ^; und statt der ^Welt- 
lichen Bechte. welche altein nach der Vernunfft gerichtet 
nod" *), werden fitr die Obrigkeiten immer noch die Gesetze 
der heiligüu Schritt empfohlen, die trotz ihrem Alter immer 
noch unfehlbar sind "). 

Die Menschen sollen «ich Überhaupt vüllig aus dem 
Irdischen her&usreisseD, nur di« Klioksicht auf di« jenseitig« 
Welt ist auch fOr das diesseitige Leben massgebend. Wenn 
beispielsweise von den Teufeln Kinder ans der Wiege gestohlen 
worden sind, „so haben die Ritern mehr zu bedenken jre 
Sfind Tmb welcher willen Gott solches dem Teufel Terfaengt. 
denn dass sie trachten, wohin die Kinder kommen seiu^ "). 

Alles, was geschieht, geschieht durch Gottes Gnade. 



')aM«A. *) »BOiL »>>»5*K- •)4K»B- ') I73»B. 
_ *) cf. «ucli ub«ii S. 14S: „Pnu Ilalilc mit der BoUnMc»''. — 

Dhu Si«gfruMl &«.'k, Erkk-ruiift vbcr dk 8otitAf[« Raaogelü. IMK. BI. 
SIC: „Vcmtinft, die graitK Niirriii." cf. Kkvortu, dio R«farmftt>on u. 
d. Ebe S. -tif. 

*) 188» A. ■) 327 B. •) BMondcn im 8chr«pt«ufcL ") IW o. 



176 



OSflORX 



271 



Das mUssen die Mensclien glauben «nd ,der Flata zur tbaug 
dfi8s Glauben), vnd Hoffnung gegen Gott ist sonderlich das 
CreutE vnd Toglfick, wenn Gott eine scheossliche Lame ftlr 
uin Ange.sicht zeucht... vnd IKsst rn^i gleich ein Trüucklmn 
von der hellfn schmitcken" '). Äbtr wir sollen wissen, „dass 
es nur ein Vätterlicber Schertx sey." Ans tiefstem Grunde 
des Herzens sind alle begeisterte teleologische Bewunderer 
der Schöpfung, und Andrea» Lang fasst das Bekenntnis 
nicht übel zusammen'): „Ka schawe nur jeder den gantxen 
Brdboden im Winter au, wie ist er mir so hart gefror«a, 
dass er wie ein Stein, alles Grass vnd Kraut durauff gleichsam 
alles todt vnd nichts ist. Die Bäume stehen da, aU wenn 
sie ein dOrrer Üt-sen weren. Noch wenn der Leut^ komnieitt 
so stehet der Erdbodvu gleichsam vom Todt anff, vnd wirdt 
Lanb md Grass alles wider lebendig. Ausb dem harten 
Holtz wachsen in vier Monden die scliüustvn besten Früchte, 
in dem klcinesten Kern stecket widt-r ein grosser Baum, allein 
das» er seine Zeit zum wachsen haben muss. Auss den harten 
Felsen vnd liochsten Bergen entsjiriugvt das klar«ate vnd 
frischeste wasser. auss Sand vnd Erden wechsst järlioh Waita, 
Koni, Gersten. Hahem, Htmch, Heidel, Kraut, Zwibet vnd 
Kübcu. Vod wunu die Kümleiu gleichsam verfault vnd nicht« 
mehr sind, so wachsen sie doch endlich aus vnd bringen jhro 
FrOchte. In dem sclilechten Rebenholtz distüiert sich das 
gemeine Begenwasser, dass Wein ein edler guter starcker 
Traock drauss wirdt. Auss schlechtem samen Manns vnd 
Weibss virt in neun Monat ein schöner Mensch gar artlich 
mit allen Gliedmassen formiert. Ein Thier wird gar wander> 
barlich vom andern gezeugt, sonderlich im Meer vud Wassent 
sihet man Gottes wunderwerck, wie auss anzeigen dess Rogens 
ein Fisch viel tausend zeuget, dass wenn man gleich alle 
tage fischet, so sind doch die Wasser nicht gar one Fische. 
Also ist die gantze Creatur votier wunderwerck." — 



•> 666' D. •") 65ft» f. 




CHARAKTER, STIL, OGKEI.NSAMK MOTIVE. 



177 



NtfboD der Kenntnifi der Bibel und der Schriften litithers 
aber, dene» sicJi die W«rke der KirclieiiTHt4;r und Ivirchcii- 
schriftjstvller Euuäuhst anreihcu, zeigen die Vertasser der Teuf«l- 
biicher fiue ungeheure B«1eseabeit. Freilich ist die Zahl der be- 
naUten Uflcher, welche mit eitlem Qelebrteiwtolz von munchem 
genannt wird — ro bei Miiichs „SehniptouJ'el'' 6&, bei ObenhinB 
aEjdtenfel" IUI, beiSpan^nbergs^.Jiigteufel" 143, bei.Tnd>icus 
Hockers „Teuffei seiba- 218 — weit Übertrieben, «Iwr inimer- 
hiD ij-t «>K in Wirkliclikvit docli nocli «o gross, dass es un- 
möglich ist, allen einzelnen Zitaten nachzu§^heD. 

Wie Feverabeijd in der Vorrede ausführt, wollten die 
Verfasser nicht nur für Iriiii^n. itondcrn auch för ,.c)]riBtlicbe 
Gelehrtf" sclireiben. Dazu aber witr vs im Jabrhtmdert des 
Hanianismus natürlich unentbeiirlich, die Werke des Alter- 
tums XU berücksichtigen. So werden uDaufhörlich lateinische 
und griechische SchnflstcUer zitiert, di» letzteren meist in 
lateinischen Übersetsungen , in denen sie hauptsächlich 
Melunclithon und nach seiner Anleitung Johanne« Migor, 
Wdlielm XylaiidtT and Caspar Pcucer bekannt gemaobt hatten *). 
Da wird za einem ganz einfachen und einleuchtenden Satz ein 
achwerur Ball»»t ruu unnütigen „Exemplis^ au8 der alten G»- 
acbichte oder Bestätigungen durch Dichter und Philosophen licran* 
geacbleppt. Die Schriftsteller wurden bieraof schon durch 
die Uethode der Philologen ihrer Zeit hingewiesen, — deren 
Typus des Georg Babinus Erkliü-uug der Metamorpho««» 
des Ovid darstellt *) — , in der _die kritische BehHudloug des 
T«ztes und die grammatische Erklärung hinter der rbetorisch- 
poetischen Intc^rpretatioD gani in den Hintergrund treten, 
dafUr aber die Deutung, die historische and ethische Er- 
klärungsweise , sowie ethische Digressiouen und Katzan- 
wcndaugen auf die Verhältnisse der Gegenwart eine grosse 
Bolle spLelen" *). Oft haben wir es hier bei unsem PCureru 



*> «f. BurriMi, Gesduuble der kloMiMhcni Philologie in Denttdf 
laad. 8. l'ht. 

<) Fabulanuu OtmU tDterpmlatio tradit* in Ac»d«iun RtfimonUiM 
WitUnt)«TB t5M. tt. ü. ■) ßuniau ■. >. 0. S. ISl. 

12 



lii 



176 



OSBORX 



273 



eicberlicil mit «inw nichen und tif:Tm Gelehrsamkeit su tlmn, 
die aus gedieg«ieD selbständigcD tjtudien hervorgeht. Beun 
Släuner vie MdscuIus, Hocker, SimoD Musaeua. Erasmus 
Sarcerius, 0)Tiacu8 Spangßuberg, Joachim Westphal, Lucas 
Oiiander dürfen Bich cintT trffflichfii humauiHtiäcbvD Bildung 
wohl rUhmeD. Oft aber ist die reiche Kenntnis offenbar 
nicht« als geborgt« Weisheit aus zweiter oder dritter Haiid. 
Plato. ÄriBtotfle», Bias. Socratos und Diogenes, Hesiod 
ood Homer, Euripides, Pindar. Xenophon, Äesop werden oft 
erwSbut, Plutarchs vitae werden eifrigst benutxt, Cicero, 
Otid und VergU zu xiticren, reraüumt kaum «in einxiger; 
daneben nimmt Plinius einen bedeutenden Platz ein, aber 
snch Tacitus, Horaz. Tibull, Seneca und Jurenal «erden 
häufig gi-iianiit. UuemicHtilich ist die Zahl der mitgeteilten 
historischen Ereignisse, Anekdoten, Sagen, erdichteten Be- 
gebenheiten. Oft sind sie in langer Reihe, mitunter Qbei- 
mehrere Seiten hintereiDAuder aufgl^zählt.') Freilich ist ihre 
Einfügung eine v«nschiedene. Paast die Moral, die ton den 
antiken Schriftstellern gezogen wurde, zu der christlichen und 
specivll lutherischen Moral, so wird von den „weisen Hejdeu' 
gesprochen ; im anderen Falle aber wird trotz ihrer Weisheit 
ihre Kenntnis der wahren Lebensprinzipieu fflr noch nicht 
auüreicheud gründlich erklärt^ du sie noch nicht des Lichtes 
des Evanguliums teilhaftig waren.') Oft aber auch, wenn 
der Zwiespalt zwischen der weltlichen Lebensanschauung der 
Antike mit der trausct^udvuteu dos CbriHteutunis zu gross 
wurde, wenu der griechische Individualismus dem christlichen 
SoziaÜBmus allzu schroff widerspracli, dann wurden die sonst 
gepriesenen Scliriften ddr Alten aU heidnischer Unfug ge- 
brandmarkt; danu hat der «Eygendiuickel vnd hochmütige 
Abgott die Heiden alle besessen", ") dann wird von der 
„blutdürstigen Ehrgeitzigkeif Cicero, von „doss Aristotelis 
PUtzerey" gesprochen, Piatos Dialoge ein „WortgezSnck", 

') <tf. B Fol. 176* f., 179. 189', 635'. SÖO, 805». asfl. 28», 176', 
B74f.. nea: C", 124',. 1641,. 141 f.. 303, S51, lfi3»f., 199, 91, 99. 
•) t. B*p. 3ß9. •) 146' A. 



274 



CHARAKTKK, STIL, GEMEINSAME MOTIVE. 



179 



I ihr Verfasser ein .Jiochmütiger auffgeblasener Heide", Orjd, 

I Tereas, Vergil „Hurenjägpr md Schandlappen"*) Reuoiint, 

I nnd U8 wird vor „solcbeo heydnisclicD losen bewSlinuigen" 

1 eindringlichst gewarnt. Von dem inneren Verständnis der 

antiken Welt nnd ihrttr grossen Männer, das die deutschen 

Hunianiston beseellu, »ind die Verfasser der Teufclbücfaer 

weit entfernt, und wenn wir im Texte ciomal «ncr "Wendung 

begegnen, irie „hie, hie sind Gtitter*', so ist dies nichts als 

ein recht iiuH&erlicher Behang, der <\v^a Bindnick macheu soll, 

als seien dem Schreiber die Worte der Älleu »o vertraut, 

dam sie ihm, ohne da«s er e« beabsichtigt, in die Feder 

gekommen. 

Selten stehen die lateinischen und griechischen Zitate 
allein, ohne übersetsung, nur fUr die Gelehrten unter den 
Leftern bestimmt, wobei miui danii etwa die „Eiufeltigen" 
auf spätere Auseinandersetzungen vertröstete.') Meistens wird 
nach der Sitt<.- der Zeit 211 dem Orit;inaltext eine Verdeutschung, 
grösstenteils, auch bei prosaischen Sprllchen, in Keimpaaren 
hinzugefügt. Niemals freilich ist hier der Gedanke iu der 
knappen Form des Vorbildes ausgesprochen; alles wird um- 
•tändlicber; witxigc Pointen sind durch ScbwerfUlligkeit der Aas- 
drucks weise und ungebührliche Lunge der SStse zumeist 
Tfillig um ihre Wirkung betrogen, Nur selt«Q treffen wir 
«ine Ausnahme; Ludwig Milichius x. B. Übersetzt ganz ge- 
schickt Stellen au» Juvi-aal, Ovid, Vergil,*) und besonder» 
hübsch ein Stück einer Satire des Horaz.*) Für die sonstige 
ÜbersetKung^lciniüt müge ein Exeiupel fUr viele gelten: Ein 
häbscber Satz des Soueca: „Multi pervenirent ad sapienliam, 
nisi iam perrenisse pntarent" wird im HolTartsUiafel fotgender- 
mafsen wiedergegeben : '') 

„Viel weUer Lcut die Weit wul hell 

„.tu wrnn der loidtKc Stolti; nioht thet 
„Der die Lcut alio vbcrrcdt 

^b ob de jütet tu dinMr >tlt: 
„SdiOB &1Ibor«ft sind gctckrt md klag 



')478'c ■)Cn76(.. •) 17»f. •) SOS«. *}Zn». 



12- 





OSBOBN 



,^ et doch ut eitel lujr md trug 
„Dar gkichwot bindert trciflirb ■ohr 

„Dum vid nidil nöllen Itmon mehr 
„Wer aber mejiit er kann «a g«r 

,J)er bMbot ein Narr jimnordar." 
Ton dem Witz des Gedankens und der Prägnanz des Ausdracl 
ist hier wie in den mvisUiii ii'ällcn gar nicbts mehr geblieben. 
Änch durch «igone Poesien saditen die Terfamer der 
Teufelbdcher die Einti'migkeit ihrer Prosa ku unterbrecben. 
Auf CaKpar Fabor» iingcbKngte Liedi^r vnirde »clion hinge- 
wiecm. Andere streuten mitten im Text Ver»e ein; vieles 
erhielt Reinen PUtx vor Beginn oder am Schluss des eigent- 
lichen Traklatit und wnrdc an wie dio Vorreden in da« Sftmai 
werk nicht mit übernommen. 

Die Pastoren, die fortwährend PlihluRg mit dem Puiiliku: 
ihrer Bücher hatten, wnssten recht wolil. dass bei aller Pröi 
migkeit der Leser die Schriften schliesslich doch nur Erfolg ha 
konnten, wenn sie durch kleine Zatbaten schmackbafW ii-urden. 
»tPredigtinSrlein" ') waren ja acbon seit laugen .Tahrlimiderten 
beliebt Schon Bcrtbold von Regonsburg sagte:") ich will „iu 
ein maerlin sagen, daz behaltet ir nl lihte baz dann« die 
predige alle samt" und Luther hatte gesagt : *) ,J)em gemeinen 
Mann und Haufun g(;nillt nichts besser, denn Gesetz und 
Bxempel predigen, ihm ist auch nichts nutzer. Predigt von 
Gi>tte8 Gnade und vom Artikel der •lu.vttfikntion ist ihren 
Ohren kalt. . . . Wenn man von Artikel der Ruchtfortigung 
predigt, so schläft das Volk und hustet, wenn man aber an- 
ilkhrt. Historien und Exempel zu sagen, da reckts beide Obren 
auf, ist still und höret fleissig su.*' Danach riclitvteo sich 
die Tüufekbekämpfer so gut wie die meisten Didaktiker, und 
Feyerabend konnte mit Boeht in der Vorrede des Tlieatnim 
sagen, „daaa es auch Wettleuten, so der H- Schrift vud der 
Kirchenlehrer Bücher leichtlicb vberdriissig werden, lieblich 
und kurtzweilig zu lesen sei." 



') Oerm. 8, 407ff. •) Berth. ed. Pfeiffer I, 67», 14ff. ■) Aiigutt 



^ 



Sach. U, S. 16«. 



S76 



CHABAKTER. STILy ßEM£IX8AMK MOTIVE. 



181 



Uiiiib«rsehbiir ward durch tolcfaes Bestreben die Zahl der 
mitgeteilten Anekdoten, der Anspielungen, der BrzShlurigeu 
Tun Erei^ÜNHen femer und onher Zeiten, die in der massen- 
Uartcn AnhSufiiDg oft dt« ZuBammensteUangen der antiicen 
Zitate noch übertrafen '). 

Eine der Hniiptqiielleu ist das reidihaltig« „Kegeot^D- 
bnch" von Georgius Luuterbcck. das zahllose Geschichtchen 
enthält*). Daneben sind die historischen Darstellungen der 
Schiokaale einzelner Ijand»chaften, wie die „düriiigische", di<? 
Schweizer, Oyr. Span^enbergB Mansfeldisclie Chronik, wichtige 
Fundgruben fBr interessante und lehrreiche Anekdoten ; ebeaso 
grti8««re Gtschichtswcrkf^ wie Caaptir Ht-dio's „ChronicoD 
Germanicum". daneben des Ludwig Rabe nelgelesene „Predigt 
wider die 9 Hauptlaater" und seine Märtyrergescbichte, des 
Jbhaunes Carlo von Helanchtbon fortgesetztes und schliesslich 
TOD Peuccr weitergeführtes Chronicon — alles vielgelesene, 
weitverbreitete Bücher. Auch die „Vitae patrum" liefern 
Material, Sebtsttan Müti»it«rs Kosmographic , auch Caspar 
GottwurntH Hi st oriL'nkiL) ender werden als Quellun geuatint. 
Gedruckte Wundererzäblungen. wie sie auf den Jahrmärkten 
Twkauft wurden, „PlanetenbUchlein" fHhrt Hocker im „Ver- 
uidiniss der Scribentcn" au. aus denen sein „Teuffei selbs 
maammen gezogen'' sei. Die ganze Weltgeschichte, die Scliick- 
ttle der TUrkeo wie die Völkerwanderung, wie die KrenxzQge, 
alles wird zur Anekdoten-Erzählung ausgenutzt. 

Von der neueren ausserdeutschen Litteratur finden wir 
wenig; nur Tereinzelt erscheint Petrarca ') oder Poggio*). 
Um so grö6Mr aber erweist sich die Belesenheit in der ein- 
heimischen Litteratnr. 

Haus Sachs*), Johann von Schwarzenberg 
(S53*A, 870-B o. ü.), Oeorg Nigrinas'), Sebastian 
Braut (267 G, 269, 373' u. ö.) worden genannt und zitiert, 



') cf. B. 3&1'. *0l'— *W». 293f. a«l», SSO«, 188». 189. 409>, 
SOO, 807*. 388. 3,»t*. SS7* (F., 41Sf. n. a. n. 

*) o.«.4(»*D. MS», S09a, X05'a. 9M'C «6*. ') 68'K,ß30»B. 
*) 41»c, 370« c. ») SM». •) aS7. ») s«e». 



182 




OSüORÜ 



der Teaerdank wird benutzt'), der „kartxweiligi)" Bebet 
gerühmt -), Fried rieb Dedekind, der Verfasser des 
GrubiaiiuB, mit dessen Art die Tuafi}lbüchcr zum Teil eiue 
nnleugbare enge Verwandtsdiaft aofveisen *) wird erwähnt, 
von Jakob Wimpfeling, firaRmus, Pirkheimer, 
EobaiiHoss, Uulanuhtbuu wird furtwäbrcud guHprocUeo. 
UnuBterbrocben tritt die Schaar der theologischen Kämpfer 
hervor, Brent ins, Catuerariua, Tilemann He^shu- 
Sias und die ganz« Reibe der Streiter für die Suche Luthers. 

Deutsche Sagen und Märchen sind nicht fremd, von 
Dietrich toii Bern winf erzählt, vom SchlamfFeiiland, Taiin> i 
hAuser, Meliuina boren wir Kprechcii*). Aber für die Poesie, 
die hier verborgen liegt, fohlt das Verständnis. Ganz tmberechtigt 
werden nach Analogie der eigenen didaktischen Art den 
„alten Tichtem" moralisierende Tcudenseu unterguschobim. 
velche sie sicherlich niemals hatten ^). Und wenn Luther 
noch im Kreise seiner Tiscbgesellscliaft gans behaglich und 
ohne Zorn gesagt hatte: „wie gehets doch xu, da» wir in 
CamalibuE tio manch fein Poema vnd so manch schön Carmen 
haben vnd in Spiritualibus da haben wir !k> faul kalt Ding" 
und wenn er daiii) noch nach der Mitteilung de« Sammlers der 
Tischgespräche .^tiquas Uermunicas cuntilensa", darunter 
„den Thurnier von den Vollen" sogar rezitiert halte*) — so 
wird im Theatrum Diabolorum zu Giiastvu des Kirchenliedes 
gewettert gegen die „Schuiidlicdfr von Huren vnd Bubenwerke 
oder sousten alte Beyen von dem Danhäuser, Hildenbrannt 
oder dem Herrn von Falckenstein'^, die samt und sonders als 
Schriftstück« „auss des» Teuffels Cantoroy" erklärt werden '). 

üebersät sind die Teufelschriften mit einer Unzahl TOn 
^richwörtern *). Die Pfarrer, die mitten im praktischen 

') 968». •) Cn. TS«. 9Pb. ^" 

') U&nohe BerUlining»punkte wW Strauch in seioer BaMnaion von 
Hsuffens .CMpsr ScLeit" im AfdA It). Bund uuuh. 

') Z. Bsp. 629» K. ») Et*B »68 (. «) E- Ä. «51.310. ') 477' o. 

*> J. Fnnek zühltc (ADB lü. 536) ia der Auisube von 1&76 566. 

OD för ilockeri 9 Bücher allein 63 cutfnlUn. 





CHARAKTER. STIL. GEMEINSAME MOTIVE. 



Leben sich l>ewvgU!ii, liutten j» Gelegenheit gcnag, die Redens- 
arten , Sprüche und WendtuiRen, welche das Volk liebt«, kennen 
zu lernen, und sie scliöpften ßeiR-tig ans der reichen Quelle. Oft 
freilich crkliireii sie selbst höchst oflcn, dnss sie ÄgricolAs Sprich- 
wörter-Sammluni; für ihre Zwecke dorcbforscbt hätten, wenn dies 
auch sicherlich meist nur geschah, um recht gelehrt xu erscheinen. 

Die Fülle iiitcrcs»anter Kleinigkeiten, welche die Ver- 
fasser so ihren Lesern auftischten, konnten in der Tbat Ihre 
Wirkung nicht verfehlen, und mit gatem Grund preist der 
Herausgeber das Theutrum, es sei „alles mit uiancherl^ 
liutigen Historien , Sprüchen , SprUchwiSrtcm . Reimen md 
gleichniss reden vermenget vnd geschmücket". 

Hinzu kam, dastt — freilich nicht albcu oft — wo die 
lani^'eilige Prodigtspracbe verlassen wurde , ein kiäftiger, 
urwüchsiger, rolksmässiger Ton angeschlagen wurde, der an- 
«cbsolich und lebendig, wuchtig und energisch die Misstfinde 
det öffentlicheu und des hfiusliehcn Lebens schilderte. ..Es 
ist das zornige, das grobe, das krakeeleriscbe Jahrhundert. 
Aber auch das ernnte und gruDilebrliohe,-' so charakterisiert 
Baecbtold diese Zeit *). Und wenn auch nicht gar setteu, 
wie s4^on angedeutet wurde, St. Grobiam Sauglöcklein allta 
Unt erklang, so ist doch die Frische, die unn hier entfgegen 
webt, eine wohlthätige Ablösung für die drückende Atmo- 
spbSre des Kanzeltons. „O, ein Knüttel her und binder die 
OhroB ge«chlag*D!"*) — solche Drohungen werden aof die 
Sünder des 16. Jahrhunderte eindringlicher gewirkt haben 
als seitenUnge theologische AuseinanderKebtungen. Bin gesun- 
der Humor ist dann oft 2U spüren*), wenn er auch stets 
einen sehr derb«tii Charakter hat und oft ein geradezu grim- 
nii^s Antlitz annimmt. Keimprosa *) and makkaroniscbes 
Latein (S30A) bringen neben den Versen Abwechslung in die 
Prosa; Wortwitze im b'ischart'schen Stile fehlen nicht"). 

■> Urtoh. A. abch. Litt, in ci. Sobwcii. S. 346. *) .158. 
■)Et«,-kasi,fiB8[), 9M's.S&ftA, SaO,3TI<,4£«,&ae>. •>S57,473'.-i;6. 
*) Vs .Hellfach" fUr .h*yli«" ([«wtot; — 470'd „Jomiwid«." - 
Id .Sapponatt^ndMil'* fQr l}nperiiit«iid«Dt 



184 



OSHOKX 



279 



VortreSlidi stimmt der ganze Ton der TeufelbUcher zu 
der Kunst des Holxscliaitt«. d«r si« ihre Tit^l-DlustrationeQ 
zu verdanken hatten. Auch auf si« &cheii)i>n die Wort« za 
paBücu, mit denen Anton Springer die Kunst der Refnrmatioiitt- 
zett erklärt«'): ..Der Drang, dun iDdividtiolleu Gedanken, bis 
auf die flüchtigen Einfälle herab. Körper üu leihen, die 
sctiArfure Betonung des „Was" als des ,,\Vie" der Darstelhing, 
die natürliche Uiisedold. den anondlicb rasch gleitenden 
ßedüukenfluss in sprlide. einer aOHfUhrltchen Bebandlung be- 
dürftige Formen zu kleiden , liat ein ])asaende9 Hateriftl 
erzeugt und im Holzschnitte die üun zusagende kUnstleriscbe 
Form gefunden. Den derben, breitfiezosenen, liüchstens durch 
necbaniwh gefCibrte Öcbaltenstrlche oder durch Farbe belebten 
Umrissen, sieht man dii; furmelle Auxpruchslusigkeit sofort an. 
Genug, dass den Voist«Uuui;eii. selbst wenn sie abstrakter 
Natur sind, und den Edinduugon der regen Einbildungskraft 
«ine sinnliche GL>stalt geschetikl nnd der in der Bildung Tor- 
wiegtmde didaktische Trieb befriedigt werden kann'*. 

Echt deuti^i'h wie Sprache und Stil ist anch die Ge- 
sinnung-); die pruteBtantischen Pfarrer .lind ron einem cbr- 
Uobea festen Patriotismus erfüllt, sie klagen übi>r die Zer- 
fiplitteniDg im Reiche und sie glauben, wie sie auch über 
die Gottlosigkeit junimcrn, doch »n die Grösse und die hohe 
Kulturiitission des deutsclien Volkes. Darum wird auch die 
SltyeMtät des Kaisers trotz seiner Zugehörigkeit zur kittlioHs(;hen 
Kirche niemals angetastet, sondern nur seine Katgeber und 
Ohrenbliscr, wie im ^Hofteufel" die rachlose Umgebung des 
gottosfUrchtigen König Darius. 

Im Grunde sind die Verlasser, trotz aller Unzufriedenheit 
mit den bcstebendon sittlichen Verbältnissen, in politischer 
und sozialer Hinsicht streng konservativ *). Die Uuterthanen 
Bolles der Obrigkeit gehorchen, und di« Stände sollen «ich 



') Di« bildendcD Kniule in ihrer wcltgcBcluobtlieliMi Bntwiokliiug. 
Png 1857. S. 58T. 

*> Man Irac etwit 8Stf., 886', 1(0. 387, CU901*h, C" 6S<h,7fl<'b. 
*} Uftoudcri ipricht lioh äka im „SchMiptcafdl" a.V%. 



I 




CHäBAKTER. STIL, GEUEINÜAUK MOTIVE. 



I8ß 



fitreng rnn einander scheiden ; wir sahen ja schon frUher, wie 
sich diese Anschmnang in der Behandlung der Kleiderfrage 
aaMpnich. Aus tUesi-r Gesinnung b«rani> Terurteileu sie 
aocb aufs strengste die rerolationfire Bewegung der Batiem* 
Imege^. 

Mit der ängstlichen Wahrung des Bestehenden ver- 
wachsen ist auch die Furcht vor der steigenden Uacht der 
WiBUU8cha(t«n , welche die Kirche von ihrem Platz« rvT' 
drftngen könnten und luni Teil schon verdrängten. Es fehlt 
darum nicht an feindseligen Au.tfällen gegen die Univi^i-sitälen, 
Gelehrten, Professoren und Studenten *). 



Der Teufelglauhe unserer Pfiirrer ist im grosaen ond 
ganzen der in Hockers „Tvuffel selbe" entwickelte, äatan ist der 
fitrchthare Peind des MenEchengeschlecht«, der «war die letzten 
Reste der nlten Volkt^ttlmlichkeit und GemfUlichkeit noch 
nicht oingebUsst hat, keincswugs aber nielir der alte leicht zu 
flberwindende, in seiner Ohnmacht komische Satan des Ka- 
tholiiismns. Er ist — ein bpsonders beliebtes Bibelritat — 
der briilluude Lowe, der umher gehet und sielit. wen er ver- 
schlinge (Nach 1. Petri ß, 8.). Er ist wie in der Faustsage 
der Verftlhrer zum biisen und er ist schliesslich das an«- 
erlesene Raclievrerkzeug der ztlrnenden Gott}ieit*). Aber 
trotzdem hat Boskoff Bucht, wen» er meint *), da«s er doch 
schon „unter den protestantischen Händen zu verblassen" be- 
ginne. So ernst, wie es Luther um den Kampf mit einem 
persönlichen Sittan zu thun war, meiueii ca die Verfasser 
unserer Traktate doch nicht mehr. Nur bei den ersten, Hof- 
teoiel, Saufteufel, Hnsentenfel. Bbeteufel sind sie noch einiger- 
aiassen konsequent und fiiliren die 'l'eufeUidee ziemlich ein- 
heitlich durch. Aber schon JUusculus' Fluchteafel fällt aus 
dem Stil. Scherer sa^ einmal , ausgehend von Mumera 

')264.a47», 800. 588«. S.-»«. 880». 832. •) 1^5. 473*. 475', C" 8S8f. 
*) ST3*D, 803c, 43!f'A. IWk. 178 e. 12S*b, 160' a. 465' b. 135o, 
■■ n. (. f. — Tit*l d. 1'bi-atrani l>i>b. wlfact ~ ef. L«t]ier £A 61. 48». 
^- »8, 1«». — 9, 74. ») II, 8. 4ftl. 



iä6 



08B0RN 



S81 



Schelmenzunft, altgemetD tob der LitUratur des 16. Jltbr- 
huudi>rU')= r<^»a liebt es, sich in Ma$k<!Q zu stocke»; aber 
man giebt sich nicht die Mtthe, in dvr Bolle zu bleiboD." 
So ist es nach hier. Der Teufelstitel reixte die Kaoflast, 
und so nuhm man ta ihm weine Zuflucht. Von manchem 
wurde dann noch der Versuch gemacht, ho gut e« ging, die 
bearbeitete Materie, die oiit dem Satan gar nicht« zu HcluLffen 
hatte, in Beiiehung 2u ihm zu bringen, wie von Peter Glaser 
im Gesiiidet«ufcl, von Hoppenrodt im Huronteuful oder von 
Schütz im Sacramentateufel. Die meiHten indesuen bequemen 
Bicli schlitsaslioh nicht «inmal dazu, und im Gericlitsteufel, im 
Sohriiiitoiifcl , in BruudmülK'rs Gi-izti-ufd , im Bettel- und 
Garteteufel, im Eidteufel wird der Höllenfürst Oberhaupt 
nur auf dem Titelblatt erwähnt. Bi>zeifhnend ist. dass Fejreiv 
iibi?nd )58S eint- Schrift, die Kleidcrprodigt Oeiander», in da» 
Thmtium Diabuiorum auEuahm, bei der auch nicht eiumal 
dies der Fall war. Der Herausgeber sab aber, dan oicht 
sowohl die TenfelstnaMke als vielmehr der didaktiHch'SattriKChe 
Inhalt an sich die Hauptsache war, und dass die Predigt 80 
ausgezeichnet in den Knhmeu pas^te. 

Die Zeitschilderungen geben der TeufetlJtteratur ihre 
Bedeutung. Sie führen ans rortreßlich in da» bürgerliche 
Leben der i. Halde des 16. Jahrh. ein, diu Verfasser sind 
keine Stubengelehrten, sondern Männer, die ununterbrocheu 
in Fühlung mit dem Volksleben stehen, und wenn man die 
Übertreibungen des theologischen Eifers von den Darstellungen 
loslöst, so dürfen wir ihnen unser Vertrauen nicht entueben. 
Die Sittengeschichte jener Zeit kann ohne BerQclcsichtigang 
dieser BücJier nicht geschrieben werden. Wir li(5rton tod Telt- 
lichen und kirclilichi.'n Diugeii. von Kriegen und Glaubenskämpfen, 
Ton den Zuständen in den Städten und auf dem Lande, von 
umherziehen den Landsknechten und vom Kneipenleben, von 
Sitten und Gebräuchen aller Art, von agrarischen, rechtlichen. 



') In der Vorr-^de *ur photoÜlboBraphiiihen Nuohbildong der 
ScWImemunft (nach iblS). £erUu IBSI. . 




CHARAKTER. STIL, OBMEISBAME MOTIVE. 



1B7 



fijuuzpolititichvn VerhiiltDi«»OD, vou allon Fragen imd Sorge», 
die den Deutschen jener Zeit beacbäftigten. 

In der Husjtereu Komposition zeigen die Teufvlbüolier 
bat darcliweg miti^iuiuidor eine grosse AJinliclikeit, welche der 
engen inneren Verwandtschaft eutspricht. KiuEebic R^hrillen, 
wie die 4 d&monotogiachen. die beidt^n gereimten, der Oerichttt- 
tenf«!, der Schrapteaf«), stehen hier iiatürliclt ganz abseits. 
Aber wie der Hoftoufel bei seinem ersten Auftreten (II, 1) 
nach dem Munter des alten Passion»spiels gleich eiue ein- 
gebende Charakteristik seiner Tliätigkeit gtebt, so beginnen 
&8t alle unsere Traktate mit einer Beschreibung des be> 
treffenden Spezialteufels oder des Gebietes, das er beherrscht, 
und meist wird dieser grundlegenden Auseiuuuderüelaung ein 
eigenes Kapitel gewidmet: 

Heyl. Teufel, c. II. „Was dieser heyliger Teuffet 
widftr das Erste Oebott eygeQtlicli scy vnd was er für grossen 
schaden thut . . ." 

Zauberten fei. c. iL „Was Zäuberey sei" 

III. „Wie mannicbfaltig Z. sei" 

IV. »Vom Ursprung der Zäuberey." 
Jagt. „Wie maiicherley das Jagen sey." 
Burenteuful. ^Was doch die beweglichen rrsachen 

mögen seyn, so die Menschen £U solcher grvwlicheu 
Sünde vnd Schande der Vniucbt .... bewegen 
Tod reitzun." 
.fault, ^um ersten, dass zweyerley Huaso oder Müssig- 
gang scy vnd welcher vnter den beyden sträfflich. 

Ho f f a r 1 1. „Was Hoffart in gcmeyn scy vod heisset . . . ." 

Eidt. „Von dem ersten Stück, wie das Wßrtleii 
Schwören gebraucht werde vnd was ein Bydschwur 
s«y vnd heisttt." 

Sorget. 1) Was die Bauchsorg soy, Ä) Woher sie 
komme. 

HelancL T. gWa« dio Melaucholey sey, woher sie 
sich benenne vud wie mövdtlichen Schaden sie einem 
Menschen sufUge." 




OSBOBN 



K«idl. I. „Was Neid sey rad bedtute, wie man jhn 
beschreibe md theile." 

LUg«nt. Von den Namen, welche in heiliger Schlifft 
diMem LoMter gfigceben werden. Was es sej? Wo- 
her es komme? Und was es für EygciischAft«ii hnbe? 

Im Tanst. Spangenbergs Predigt: 
„Zum 1.) Was Tant» sey." 

Sodann folgt stets eine Barstellong der ««liildlichen 
Wirkungen des b«trefFenden Teufels oder der Sünde, die, ia 
der WeiHo der Zeit, nach Möglichkeit lenblt-nmässig registriert, 
zugleich die (IrUnde sind, die uns wamon sollen. Die rer- 
echiedenen Kapitel der verderblichen Thätigkett geben dann 
Kiiweilun auch dii^ Grundlage für di« Einteilung der ganxcii 
Schrift. 

Flachteufel: r> Sünden gegen d. h. Geist. 

Eheteufel: 7 AngrifTe »uf die Wort«.' der Bib«]. 

Hoseoteufeh 8 Sibiden. 

Gesindeteufel: 7 — Teilung der ThRtigkeit. 

Saufft.: 7 Ursachen, sich vor dem Trinken su hSten. 

Paulteufel hat 4 Scb&den im Gefolge. 

Hoffart St.: 6 Ui-sachen, „Stoltz zu meyden". 

Neidteufel: 18 böse Wirkungen. 

VereiiiJtplt findet sich auch «ine umstäDdliche Ordnung 
nach den einzelnen Geboten des Dekalog», wie es schon in 
des „Tcufüls Nutz" geschehen war'); so im 

Sorgeteofel fol. 435'tF. 

Schmeichelt. CU \0S, bff. 

LUgentcufel I44-fT. u. 153'. ^B 

Spielteufel 439 ff, ^" 

Ein Prinzip der Anordnung in der Darstellung der 
ichädlichvu Wirkungcu, wie es etwa Hauffen in der Verteilung 
auf Ehre. Seele, Leib und Gut in der HnuptaaaaM der 
Trinklitleratur fand '). läs.st sich hier als allgemein geltend 
naturgcniHSs nicht aufsti'll«n, weil die vcixlerbticben Folgen 



") V. 1380-2881. ") Viert«yaliwülir. für Litt. OtKit. H, 481 ff. 



3fg4 CHARAKTER. STIL. GEUEINSAUE MOTIVE. Ifift 

■o Tersehiedeneu Charakters sind ; dodi ist ciuc fast stets 
vittderkchreiido Trennung der übk-u IWultat« für Geist and 
Leib 3U bemerken, bei der diese Huuptrubriken dann aber 
MMgr<i«M«re oder geringere ZabI vvrHchit-dcDer, dem Cliaraktcr 
d«s 1)«treffcDclen Teufels entsprechender Unterabteilungen ent- 
halten. 

Häu6g werden iiuch der VolifitüDdigkeit halber alle er- 
denkliclien Einvürfe Torgebnicht, im Sinne einer OppositioD 
begründet, die dann iii ihrer UnhiiUbarkeit gexeigt werden, 
tUtts in der eindringlichen und Kibemlig wirkenden dialogischen 
Form, die den Predigern vertraut war, die — ein treffliches 
Wort XU braudien - „da» Denken gesellig macht und eine 
ideelle Unterhaltung herbeiruft." *) 

So im Teufel selbs &8 ff., 
Saufft. 277 ff., 
Peatilenzteufel 459 ff. 
LQgentenfel X. Cap. 
Sorgeteufel 566*. 
Jedem der A'erfa«ser er^chotnt das I^aster seincM Buches alt 
die Wurzel aller Übel ; alle anderen Lasterteufel stellen sich 
als ein Gefolge des betreffenden Spectaldamonen dar.'} Dabei 
ial luu) deao aimerordentlich ertiuderiscb in neuen Teufeln, 
am diesein einen möglichst grossen Hofstaat zu rerleiheu *). 

Die Strafen Gottes fUr die einzelnen Sünden und Laster 
«erden in den Exeni{n}ln xuiuuiuneugestellt, meist auch die 
BeJofanung der GottesfUi-cbtigen als Seitenatück daaebengesettU 

Den Klagen Über die schlechte Welt ist am Scbluss 
ein positiver Teil angeiilgt, der darlegt, wie man sich vor 
der Sünde zu hüten habe and was man tUnn «olle, um ihrer 
Macht KU steuern. Da wird zunächst jeder einzelne Mensch 
&aJgerUtteit, der Versuchung su widerstehen und den Teufel 



*) Bricli .Schmidt, l^tnini; II, 783. 

•) Z. B*p. 85:* Fault, H<A. 876. 635, «4, 86». 4»», Cn BSa; 
ttie nieifteii VurrnUu ki-zeugca diM aucli, bttond«» die tora SorgtA., 
SutfL, Spielt. 43.^*: Su«mneBtct«d(til (EuiWiluDg ita«h d«m (id'olKe). 

>) of. 480', 608», 110* 112. 



190 




OSBORS 



1 



zu bekampfeu ; deü Besidvrins Erosmus nitcli dem EpboMr- 
brief (&, lu fr.) geficbaffenes Bild von der geistlichen BQstung 
des clinetlichiMi Kittc-rs »{»dt hier eine grome Rolle.*) 

Teufel aelbs: c. 86. „Was wir für Wehr nid Waffen 
wider viisera Feind brauchen Bollen* 
c 26. „Was dio Christen zum Knmjif bewegen soll." 

Teufel« Tjrrftuney c VII. „W» wir m» in solcher 
gefahr sollen verhalten, darmit wir fär den Teuffei 
sicher sind vnd desto weniger Itlr jm hitben 
fürchten . . . ." 

Bannteufel: „Wie man Christlich mit den Besessenen 
Menschen handeln mJige." 

Sorget.: „Was ein Christ thun sol, damit er seine Leit 
nabning vnd Notturfft mit Gott, recht, fnd Ehr 
haben kann". 

Melauchol.'T.: ,.Wie dem Melancholisclien Teuffei l^^ 
begegnen vnd widenu^tehen s^." ^M 

Neidt. c. 12.: „Trewer Bäht vud Unterricht wie sich die 
sollen halten, r» geneidet werden." 
c. 13: „Von Ärtzeuey wider diejenigen, so vom Neid 
eingenommen md angefochten werden." ^f 

Lflgent. c IX.: ..V^tta ein jeder Mensch nach seinem^ 
Stande vnd Vermögen zu verhinderang rund abs cbaf- 
fuDg dieses lasters zu thun schuldig seye." fl^^J 

Bettelt. 3: ..Wie man sich Regen sie (die Bettler) rw- 
halten vnd erzeigen, vuiid want ein jedes fllr seiu selb^^ 
P«r«on bedencken vnnd beherzigen soll. ■* ^| 

Hnrent.: „Zum andern, was herwiderumb die Leute vom 
Huren Teuffei abschrecken vnd wodurch ein jeder 
nach seinem Beruff sich vnd andere rou solchen 
Lastern mit gsntiem ernste abhatten solle." ^d 

Hoffartst: „Zum füufften. Mittel vnd weg«, dadurck^^ 



*) dl Briok Scbmiiit dar obinattii.'he Rit(«r. Dculicbe Rundxcb«» 
Bd. LXIV. (leeO) S. 194-S10. - VorklHnKn: TTiomwiD v. ZirkUerc, 
W«Uch. Gurt V. 7869^84 u. 7419-88. — V. d. Uagen, M&8, »> (der 
Hinuenbergvr). 



886 



C-BARäKTER, STIL. OBUEUVSAllE UOTIVB. 



191 




iiU«ni StoIU, praciit vnd hoffurt, küudUi \iii »oll ge- 
wehret werden." 

Kenier aber »erden alle Paktoren des öSentlicben 
Lebens ermahnt, gi^eo deii T«ufvl mitEukämpfen. Und zumal 
ist es die Dreixahl di>r Eltern, der Geistlichkeit und 
der «eltlichen Obrigkeit, an wflclie appelliert wird. 
Die erfit«u sollen durch die Erziehung, die zwvitfu durch div 
Predigt und die SeeUori;e. di« dritten durch Terstäudig« Ge- 

ond unnachnichtige Bestrafung der Schuldigen, alle aber 
gut 1-8 Beispiel wirken. Und du die Didaktiker 

letzte Forderung bo selten zur Zulriedenheit erfüllt 
9«D«n, so nehmen sie die ßelegeiihejt wahr, sich recht offen 
ttber die herntcheuden Zustünde aut'zuhalU'n und den Pflicht- 
Tergessenen ihre Pflichten zu predigen. Ahnliche Züge hatte 
auch 8chon die ältere Litteratur au&uweisen, und sogar auf 
der Bühne Latte Hans Salut 1537 in sein Frodigus-Dnima 
eine Konferenz der Obrigkeit, an der „Landaogt, üoiutnl, 
Comes, Aduokat, Licentiat, Pretor" teilnahmen, eingefügt, 
die gegen ,,saiiffen, Spillen, rnküsoheyt" Besclilltsse fassl, um 
die Werke der beiden Teufel Temptator und Stimulua zu 
nnt&reD. 

„Man sehe", ruft Wii^tphal,') „was die Oberkeit vnd 
grosse Potentaten jetzuud thun wie sie regieren vnd jn« Ampts 
sieb annemmen. Wie viel solte man jhr wol finden, denen 
gratiwe Har wachsen für sorge dess Begimont« vnd gemeinen 
Dotzes. Ja wenn es jagen were, darauf sie doch jetzund der- 
ounen erpicht als were es jhr sonderlicher einiger Befehl 
Tiid Ampt. Item spielen, pnogeu, voUust vnd kurzweil suchvu 
nd treiben, in allem, was man för hat, ein ander zu boden 
•anffen, dass abfalle wer reiff ist, das lernen denn die Räthe 
HSuptleute md andre auch." Solche AutfUlle sind nichts 
seltune«.*) Anilrerseits werden dann wieder gutu BatscMügu 
gegeben, und den Behörden gegenüber, die ihre Pflicht er- 
fUlen, unbedingteater Gehorsam gepredigt. 

>) Fkult. 368. ') >. B*p. 9M^ 174, 3U', 18S>, 6Stl', 823. 32T, 

MI*. 441*. S4»*fr.. im\ ä04', 63t<, ai4* 



id2 



OSBORN 



387 



Auch der geistliclio Stand irird dabei keiii««ire^ geschont. 
Freilich gah es hier mancherlei tu Terbessern. Die grosse 
Menge der in den pi-otestantiscben Ländern plötzlich notwendig 
gvwordvnen Prediger war natürlich auch tob Hcblecbt«u Ele- 
menten durchsetzt; Leute olme die geringste theologische 
Bildung, so^ar Handwerker wurden za Pastoren beiwrdurt; 
die Landpfarrer bctncb«n oft nebenbei den Bienobank und 
waiBD in dieser Eigen^iclialt alu Wirt« nichts weniger als ver- 
Ussliche Tugendwüchter ')■ Üeber Habsucht und Üppigkeit, 
über Hartbenigkcit nach unten und Kriecherei nach obeii, 
ftber die völlig geechäftsmäBsif^e Auffassung des Berufes haben 
sieb die Zeitgenossen vielfach zu beklagen. Alle diese Za- 
StKode wurden ganz offen uud cLrlicli behandelt *), und dio 
Pfarrer dagegen an die Pflichten ihres Amtes gemahnt, sich 
trotz allen VerRihiningen nicht beirren zu lassen. Daneben 
vnrde aber auch der Theologeiistand aU der schwierigste 
und gü(tgerd.lligHtc gepriesen und den unberechtigten Angriffen 
g^enüber verteidigt. 

„£s Mtgt wohl der gemeine Mann,'' heisst es iin Sorgen* 
tenfel*), .^Es hab niemand besser Sache, deun di« Pfaffon, 
welchs von den Messzpfaffen, auch etlichen Brnngelisch^a 
Bauchdieuem die laut«re Wahrheit ist, denn dieselben iienien 
«ich nicht der Sc«l, sondern der Seckelsorgu an. Aber der 
rechten treuwen Prediger Schwej^ss, Arbeji. vnd Sorg, ist 
grosser weder jrgend der Hau8üvUtt«r oder Regenten Schweyw. 
D«Dn weuu ein Ärbeyter »eine Arheyt getban, so ist er m 
Btdie. £^n Regent hat neben seiner Arbeit Gewalt, Ehr 
vad Gut, vnd kan bisäiweileii seine Lust vad Rrgetzlicbkeit 
haben. Aber wi-nn Ircuwc Prediger taj »nd nacht studieren, 
predigen, beten, vnd den Leuten für jre Seelen aafib getreaw- 
lichflte sorgen, so haben sie doch auff ein^r seilen den Teuffei 



') cf. Au^iiirt Socb 11, 169fr. 

») So SS*; 818'. 224', 387b, 416c, 478» a, 581. 238', 868', B71. 
aW», »Je», 281'. 441'. 207'. a»t*, 41S, 412*; 884V, cn llftt, _^V(im 
Ainpt d«r Seelbüler,* im »PfsiT- d. PA-ünd-BcichD.-Tsufcl". 

•; 631 K-632*i. 



S86 



CHARAKTER, STIL, GEUEINSAME MOTIVE. 



193 



mehr weder die andern Stände zum Feinde auff der 

andern eeiten haben sie seine Apostel, Ketzer md Schwermer, 
wider welche Teoffels Propheten sie müssen flir Tnd ßir zq 
Felde liegen . . . Zorn dritten haben sie die Tyrannen, die 

joen .... jres ge&Uens zn lehren Tnd zu straffen gebieten 

Zorn vierdten haben sie popnlmn &oinorrhae, den gemein 
rohen Haaffen .... Das ist der Danck, damit die Q-ottlose 
Welt jren getreuwesten Seelsorgern abdanoket .... Und solte 
warlich einer lieber ein Säwbirt weder Gottloser Menschen 
Seelhirt seyn." 



13 




Wütungen und Nachklänge. 

'Was in diesem AbachDitt zusammeDgestellt ist, 
keineswegM den Au»]trucli, die Wirkungen und >lacbklftag<e 
der TeufeUitt«ratur dus XVI. JaLrliunderts erscbüpfuDd zu 
Bchildem, sondern soll nur eiu vorläufiger Versucli hiersu s«in. 
Den TeracIilungeneQ und ver«*! ekelten Fäden nachzugehen, 
welche die Teutelaclirifteii besondci-s mit der didaktiücheii 
Litteratur Überhuupt und mit dem Drama verknüpfen, die 
Wechsel Beziehungen ohne empfindliche Lücken darKustellen, 
endlich die Fortführung diest-r eigenartigen Litieratm- iui 
XVII, Jahrhundert zu verfolgen, g<;hort nicht mehr iu. den 
Rahm«n der rorliegeuden Studie. Der letzte Punkt ist über- 
dies vielleiclit einer nKheren und genaueren Belundluug in 
der That nicnt wert; die erste Frage aber liesse sich nur in 
einer zusammenfassenden Darstellmig der gesamten deutschen 
Litteratur in unserem Zeitraum zur Befriedigung löseo. 

Hiur soll also nur kurz da« wicbtigaU' Material vor- 
geführt worden. 

Über die Zahl der Aufkgen der einzelnen Teufolbllclier 
und ihr V'erliäJtuiK unter L'iuaudor geben die bibliogriipbischcn 
Notizen ÄuBkunft, die als Anmerkungen der Besprechung der 
Gruppen beigefügt sind. Fasat man sie zusammen, so ergiebt 
sich als Resultat, dass die ersten, originellen Schriften von 
Cbrjrtous, Friederich, Musculus. Spungeuberg, Westphal nicht 
nur, so lange sie die einzigen waren, die meisten Auflagen 
erlebten, sondern auch spüter noch sich siegreich unter der 
wachsenden Scliaar behaupteten. Das längste Leben hatte 
der Hosenteufel des Andreas Musculus, der 1630 wieder 




S90 



WIRKUSGES UND NACHKLÄNGE. 



196 




eine Auferstehung feiert«, ond von dem Go«deke noch einen 
ick SU3 dem Jahre 168S aufiibrt '). Zunächst stehen ihm 
er noch filtere Sauften fei Friedericbs, dessen deutsche 
^rucko xvt&r, soveit bekannt ist, Hchon 1567 aufliörleo, d«r 
her noch im Jaliro 1651 von Pet«r Simon Löfgren, 
^feüsor eloquentiee et poeseos, ins Schwedische übersetzt 
wurde*), und der Hofteufel de» Chryseiis, der awch 
j 1S66 zuletzt aufgelegt zu sein scheint, der weh aber auf der 
Buhne-, wie schon oben (S. 24) bemerkt, bis 1633 lebendig er- 
^^clt*). Diesen folgt dann der Jagteufel von Cjriacus 
^Bpangenhorg, der nach Goedeke Ton 1560—66 7mal g»- 
^^packt nrurde. 

^H Sie alle aber wurden, nicht &n Zahl der Auflagen, aber 

^Ki Lebenszeit übertroffen tod der alten Schrift „Epistola de 

miseria plebanorum Beu Ouratnrum", die ja nicht eigentlich 

I in unsere Litterntur hincingehürtc. abt.T sie doch gcirisser- 

ssen einleitete, die danu durch Luther wieder bekannt 

je und nun im Jahre 1701 noch einmal hervortrat, am so 

tu Kreis, de» sie begouucD, wieder zu scbliessen. Sie fand 

Stsamt der Ltitberschen Vorrede von 15-40 in dem zum 

^Oeten gekr&nten Feinstedter Prediger Johann Gottfried 

|eidler'), dem glücklichen Besitzer von liuthers TintenfMS, 

er (Ar viel Geld nicht von sieb gab", einen gewissen- 

_haften TTebersetzer , der zur Kontmle den lateinischen Text 

j^ben s«inem deutlichen wieder mit abdruckte '). — 

Das Publikum der Teufelbücber haben wir fast aus- 

liliessiicb in den protestantischen Gegenden zn suchen. Auf 

^urd- und MitteldtiUtscMand wies uns ja auch der grünste 

der Verfasser und der Verleger, denen sich freilich 



>> Onmdriu* II. S. 460. 

*) Otto, LexikoD <)berlnu*itxiich«r S<ihrift«t«Uar I, 88T. 
*) BolU, UärkiKlio Fon^ang«D 18. SM. 
•) JoehM- 4, Sp. inO. 

*) „Nenn Friealer-Teufel, da* M eJn S«nd-Schr«ibea tod Jamnaer, 
Elend, Noih und Qual der ermea Dorr-FEtirer. UU einer Vorrrd« D. 
Lntlien. o. 0. (Halle). Aaao 1701. 8». OmJeke S. 488. No. 43. 

18* 



196 



OS80RN 



S91 



einige aus dem lutht-rischea SMaa anschlossi'n. Der Inns- 
brucker Drude des Saufteuftds ') steht ganat aUt-in, Er wigt 
freilich, dass filr diese Litteratur trotz ihrem antikatholischeo 
Charakter auch in doo päpstlich gi>siu»t«n deutschen Iiändem 
Interesse vorhanden war ; aber dies Intores«.' irardo gewaltsam 
UDti.'nI rückt. So werden in dem 156t> erschienenen „Catalogus 
der EüclicT tönd SchrilWn, rnwr heilige Religion vnnd Geist- 
liche Sachen belang^-ndt, welche im Landt zu BayiTn offontlich 
fayl m haben und zuuerkauffen erlaubt seindt. Gedmckht zu 
MüiuohuD boy Adnm B(Tg"-) unter den verbotenen BUchem 
aufgezählt *) : „ Jtem alle die newen tractütl, die inn t«uffel8 
D&men i&tituÜert seiudt, als Hosenteufel, Hpiltenfel etc. dann 
ob wol alle die das ansehen haben, als ob sie allerding 
politisch und allain gueter zucht halben geschneb«ii 8«y«>n, M 
seiodt si« doch der ergerlichen exempel und anxug 
h a 1 b e u nit zeleiden und fast also geJichafTen, das sie deme, 
dessen titt sietragen, zu seinem reich ammaisten 
dionvn, und ist uit noth. das christlich Tölcklin durch 
teuffels büe cblin von lästern abzetreiben, weil sonsten 
der heilsamen gut«n schrifftvn bey der cutholischi-n christlichen 
kirchen eben gcnucg darzu vorhanden." Schon vorher waren 
auf der Kölnischen Provinzialaynode 1649 neben Luther und 
Calriü unter ihren Anlittngi>rn auch Musculus, Sarcerius, 
Spangenberg, Hermannus Bonnns — der Lehrer JoHt Hockers — 
sowie Sebastian Franck und sein Chronicon iu dem index 
librorum prohibitonim genannt woi'den*). Und der streitbare 
Vorkümpfer der katholischen Kirche, der Feind Fi»cl»rt», 
Jobannes Nas, der schon 1570 seine antUutherische 
^Quinta Centuria" «dem M. Cyriak Spangenberg nachgefolgt 
Tod zugeschriben" sein Hess, wettorto wiederholt gegen die 
protestantischen Teufelbücher; «r rief: nDiese jetzige Welt 



') (iehe Anuierkg. (u & TS. 

*) F. H. K«ujicb. Dia Iiidicci librurum proliibitonini diM Ift. Jh. 
188« (PubliUtioa .h» Stuttgarter L.-V. N. 178) S. SSiff. 
■) ibid. S. 328. 
') ibid. &. 78 noch Hartjthtim, CoDCJlia OwnaniM VI, 687, 





i 



\41RKCNGES KSD KACHKLANGE. 



prvdigt und schreibt Bücher ins Teufels Kamen nnd das mues 
alles recht und wohlgethan sein: Ursach ihr (}ro««VAt«r und 
Patriiirch Martin Luther hst solches angefangen . . . dem 
Täter folgt der Sohn ')" und stellte dagegen Spexialeugel auf, 
wie den „Dienst rnd Ehehalten Engel" den „fasten Engel", 
den .^Ehcongcl", den „Kritigscngel", eleu „Straffengel" und 
den ^Wamungseogel", den er selbst zum Titelhelden eine« 
Bucbes macht, während er fSr die andern auf eine kommende 
Engellitteratur vertrustet: „Andre ncrdeu jhuen mitler 
Zeit der andern Engel Gottes etliche faerftir zu streichen lassen 
luit bessern Argumenten befAlhn se}*» dnnn die obgeraelten 
Teuffttl der 'WAl Koyn vbersandt irurdcu, damit das Boss duich 
doe Gut, die Finstemiaa durch das Liebt vertrieben werd." 

Im protest«nli»chen Di'^utschland war die Teufel Ütteratur 
illbokaniit ■) und viol^clesyn : Ffyerabend Bt-tzte in der 
Fasten- und in der Herbatmesse 15fi8 bereits 1320 solcher 
BDcher ab, darunter 232 Bhetenfel, 203 Spielteufel, 180 Pluch- 
teuft-1, Iftl Jugtiulcl, 136 Hoaeufcl, 131 titfiztcufei '). Iüt«r- 
essante Einzelheiten erfahren vir auch aus dem HoKs-Hemorial 
des Frankfurter* Michel Härder, der in der Fastenmesse de« 

') Asj^tu panwneticun Der WamuusMinK«! (15S6> Berlin, Kfl. 
Bifal. ka Uu 430. S. i-9. Sichn aadi Schöpf, Job. Nu (Bolen IttM) 
S. U Xot4r 8. — et Jftnuon. Gcncb. d. dt»ch, Volk« 6,470. 

*) In Kirclibef* VTaudanmut tritt d4r „Sauflenfel" auf. 
rL OeU^rle; I, 414. — Fiiclifirt im , Philo*. Ehemcljtbachl.' 1597 
(BctL KgL BibL Yi 177) %* nvaat ileu ,H«u8«t*uf*l«. im GMgantoa 
deu ..SanAiitilTel''. — li9i foblt« licli d«r lleukl«iburg«r Su[>«riotendeiit 
Andr. CNliohiu) j^vooti;^, die Lücke du» XheatnUD Dialratorum — vir 
er aaMlräckliob bemerkt — auMuTullen und iu „de* Selan* ti-txtem Zoni- 
ttarm'' Sbr.r Ik-notvonR m bcrichtoa. et Judiil-ii 6.473. — Johann 
SotniDcr nimmt die rilckiiditdcan Aofdechnnft (!■-'*« Hx^bnftlichor 8ohüden 
ia Mtiaet Etliopntpbi* (ment Mattdabarx 1609) in Hchntz mit de» 
Vort«n: n*ol1teii darainb die Tiirnlogi T<iiffel «ein, wril *ic den Jag- 
teuffel, SaiaffteuflU. Spielteuffol. Kleidertcvfl«!, Uoa«nt«nSel. Hurvotenflel. 
OeltiteuOcI vad in aumma ein gaoi theatrum Diaboloruro gMohrielMa 
Laben?* — cf. Kawenu, Vierte^hrtuhrift f. Litter. Gotcb. V, 169, ^ 

•) Heinrich 1'nllroann, Sijtmuud Fryornbcnd (-■ Arclu» fiir Franlt- 

GtKh. u. Kaut. X. y. vu) lesi. s. iss-eo. 



198 




OSßORS 



folgenden Jabrea 452 unserer Sclirirten an die Biicbbändlc 
iii Li^ipzig, Uu^duburg, HalbcntUidt, "W'itteuberg, Münster, 
Speier, Stuttgart, Heidelberg, Tübingen, Eegensburg, Scbweio» 
fürt verknufte. Es waren dabei verti-eteo: <>9 Expl. Satif- 
teufcl , 67 Hoft«ufcl , 64 Ehctcufel , 62 Spietteofel, 
56 Flachteofel, 64 Jagteufel, 3S Wucberteufel ; und fried- 
lich stehen die TrultUite der Pastoren neben „Wenduninnt", 
„Scbimpf und Entst'S dun „7 wciacit Meisttim", neben den 
Volksbüchern von Triütrant, Octavian, Uagelone, Melusine, 
nebe» Scheits Grobianns und Adam Rieaes Recheobucb, neben 
des Johannes de ParisJü „Nvucr AVundcranney" uud des 
Albertos Magnus Buch „Von Weiboru und Geburten de^i 
Kmder" ')■ fl 

Ihr Einftuss machte si<'h gnii?. besonders im Drama 
geltend. Hiergi'hört« jaderSatauzumallcuIurcntar(s,S. 15f.); 
und wir sahen schon, wie aus den alten Teufeln, die alle sieinlich 
denselben allgemeinen HSUencharakter bcsassen, oUjiüUilich 
einzelne heraustraten, dte bL'Htimmte Sünden und Laster für 
sich besonders in Anspruch nahtuL'n. Nun aber gingen die 
Spezialdlimouon mit den neu geschaffenen Namen, die über 
die Eigenart ihrer Träger keinen Zwoifff mehr liessen, aus 
dem Theatrum Biabolorum auf die wirkliche Bühne Über. 

Qonz vereinzelt fanden wir bereits in früher Zeit, wahr- 
Hcheinlich ali> Vorbild für Chr^seus' Lnsti-rtuufel , 1538 in 
Paul Rebhuns' Spiel von iler Huchncit ^u Cana den Ehe- 
teufel, dem hier, wie dem Hurendämon im Buch Tobias, 
der Engel Kaphael siegreich gegenfl bertritt. Aber noch 
wurde die Bezeichnung nicht allgemein gebräuchlich, und 1645 
heisst in Hans Sachsens bekanntem Fastnaclitspiel *) „der 
Teuffei mit dem alten Weyb" der Titelheld ebeu nur „der 
Teuffei'*, wenn er auch seine Thätigkeit angiebt: 

„Icli bin ei[i Oaiat, der die iwiuli«cht 

,ZwiMli«ti frommen Ebe'l«ut«u macht* 

") lfM».M«moriiil df* frankfortur JtuubliiuKJleri Mich«! HftrJi 
Futfomi'»« 1&R9. II<T«u(gc^. v. Hrnit Kclcbner und Htch. Wüloher. 
1«8. 8. IX. S. », 4, 4', 6'. 8, 9'. 18', U', 15. 16', l«, i7, 19. 19;; 
SO', 81'. 22, 23', SO. 28. S9. ') Fwlaachtupirl Xo. IB. 



I 



!94 



WIHKLXQEN UM) SACHKLAKGE. 



199 



Eni unt«r (iem EinfluBs von Musculns' SchriA und bMonden 
d«» Theatrum Diiibulorum erBcheiiit vr als „Eheteufel" hSn- 
figer. Oft trägt er noch, auch der biblischen Tradition ent- 
iprechend, de« Xame» Asinodi (s. S. 122f.) und Immer noch 
findeo wir in seiner Begleitung das alte Weib, das seinen 
Ifitentionen gemäss kuppelnd oder hetxend die Handlung vor- 
«trte treibt*): ao iu dea Schlesiers Zachorias Liebholdt 
,3^höner Historta Ton eini>m frommen gott(urchti<;en Kauff- 
mann von I^dua" (Breslau 1596), wo der Eheteiifel nach 
der in Klammem beigefügten szenischen Bemerkung mit 
einem Blasebalg dorn (;ehetztGn Falsarlus die bösen Qedanken 
Mhinderwertig einbleset"''), während .,Pragmatica,die alte Kupp- 
lerin" ihm hchlilflich ist, seine ÄnscliUge durcluufUliren ; 
90 im .rGbesptegel" von Thomas Btrck (dem Pfarrer im wUrt- 
tanbergischen llntertflrkbeim) *) , wo dt^r Elieteafel Asmodi 
wine Sddechttgkeiteii mit Hilfe der alten Bared auaßhrt; 
so in des Ueorg Hauricius' „Komödie von allerley Ständten" 
(1606), wo (im 3. Akt) Asraodenss, der Ehetenfel. sich Hilfe 
holt bei der „Alt Hein, der Wettermacheriii vnd ZotfeJin", 
welcher der Satan anch zugestehen moss: ,JH haet «cltier 
mehr denn ich gewalt". Die biblische TJebertiefemog vereinigt 
mit dem neuen Namen zeigt sich in dem Titel, den der 
Boderdorffcr Pfairherr Georg Schvfaubergor aeincm Drama 

') riebe <lun Auch Luther E. A. 60, S7. 

') TJ«hrr BhnlicJii-^ verdentlicbonde uMniicbc StfUcI cf. Bnltr. 
Virk. Forachg. 18, lT4f. Duu vtito noch m n«oDen Jon. Uur«r, B*- 
hgenm^d«!- Stadt Itebylao (l&SO)cf. BMchtolil, GeMh. d. ilucb. Litt. i. d. 
Scbweu S. 966. — Und alt ein Gegentluck iub der bitdeadea Kunst, 
4le hier riellei«ht der redendsn wieder d«ii AiutuM g«g«b»u hat, Mi der 
Dörenobe En prent! ch „Der HünKi^'gaiig" genuiut (Ba^bIC^h, PeUilre- 
Onveur. Dürer. VII. No. 76). der dsntdit. wie einem liintw dem 
Ofen t)eliH)>lioh ciEi(ti'M.'Iilunimarti'n Faulpelz eine Oftckte Praueiiswt«it «r> 
■Bhttint, wüfannd am böiiur Däuon ihm die lündbaftnn Bcgierdac duKb 
«iaen B)web«lg iiu Ohr «inüüml. Dazu H. Holbnin d. j. Totentaiu 
TF. IIS Lyoner Amirabn; „Der lUtluberr". — NMhkUDjr: PeU«- 
Conteliuf. TitclhUlt mm .Faiut', wo de.- Teuf«! der Uartlie bSM R«t* 
Hüä^ ciublliit. Duu Goethe Fkuat n, V. «400 W. A. 15. 1,90. 

*) Holitetn Zfd Sb. l«»7ifl. 



soo 



OSBORN 



gah: „Der Kn^l ÜAphael wider (ten A»mo(te)im der Eh« 
touffel" '). 

Das Drama des Samtuelwerk», der Hofteufel, fand, 
bemerkt, keine Kacbfolger in der Teufellitterotur; rnnti' 
denn Afiirtiii Haynoccius hierher zaiil«n, dt-r die Ü«bei^_ 
Setzung seines lli7ä (zu Leijmg) erschien<)nen ,.AImanHQr ai»U 
ludtiH litterarius'% den er schon 1 582 als „ A Imniisor, der Kindrr 
Schulspiegel" ins Deutsche Ubertraijon hatt<>, 1603 „Schul- 
teaffel" betitelte — ein ziemlich üusserlicbea Mittel. Interesse 
für das Buch zu erwecken, da ,,Sathan, der SchulteufTel" Ober- 
haupt nur i>in i.-inzi)^s Mal (II, 1) auftritt, am si'inon Hass 
gegen Zucht und Ordnung weitläufig darxuthun, und die .jdrey 
Büra Engel, des SchulteufTels vorleufff nur „mutuae personne" 
sind. Kbensu iialim den Teufclstitel na da» tor Outteched 
im ,^ötigcn Vorrat" (11, 256) erwähnte Drama ,.Ratio Statns, 
oder der itsiger alamodtsireoder rechter Staats-Teufel, 
in eioem neuen Schauspiel abgebildet" I6fi8, sowie Johau 
Btemer in seinem „Ers-Verläumder und Ebo-Teuffel 
von Schottland" (1679)»). Der Hofteufel selbst blieb als 
dramatische Ponou noch lange am Tjeben. Bei Hans Sachs 
tritt schon 1550 in der Tragödie ..Diu viiglückhalTtigo KlJuigin 
•Jocasta"') im 5. Akt „Satbanas der Hofschmeichler" 
auf und hetxt die Sohne des Oedipus, Joristes und Plnrist«^^ 
einander; dann erscheint er iu der „Tragcdi, wie ESnig 
tvid sein Mannschaft zelen Hess" (15S2), wo er sich selbst 
nennt: ,JDer listig Hofteufel ich bin"*), und in der 
Folgezeit begegnen wir dem Versucher der Grossen rocht oft. 
Ein Plagiat an Chrj'seus' Schauspiel beging Franciscns 
Omichius, der Rektor am Gymna-fium zu Güstrow, der 
1Ö76 seine „newe Comoedta von Diouj'sii Syracusani, md 
Damouis vud Pythiae Brüdcrschafft ■ . . .'"') litirau^ab. 
Wie er hier eine Reihe niederdeutscher Sienen aus 
CUiQS Bur hinüber nahm, entlehnte er einon Hofteufel von 
Chijseus, schrieb bald längere zusammcnhüugeude Stücke, 

■) Qouduke* n. 876. *) uf. Guedekc' lU, 9a9. ») od. Ki-Uer 
S,2<lfr. S. 46. •) cd. K«Uer 10, 397,121'. ") QMd«k«i< 1^ MS: 



i»G 



WIRKUNGBX XJSD NÄCHKLÄNGE. 



801 



btld küTMrc Vt-rsrcifaon , bald Büdcr »od Vergleiche voti 
diesem ab, bildete ganze Auftritte nach ihm und flickte den 
Diatog oft aus allen mliglichen Äufiscbnitten der Voriage zu- 
•uuDtiD. Ich musH mich hier darauf beeclirünkeu, die betreffenden 
SteHen kurz aufzuzSlilen , ohne auf das oinzcliiL' einzugehen'): 
Der Auftritt.tmonolog ile» Hot'teufels bei 
Omichius HI, 4 «iitspricht nach einigen oinleiteudcn 

Worten genau dem bei Chryscus II, 1. 
0. XU, 5 Beratung der debelthäter ; selbst bis auf die Ver- 
teihing der Heden an die 4 ^conciltaiii" genau uacli 
0. ni, 2; auch macht, wie hier, ein Narr Band- 
bemerkungen. 
0. III, 6 Beratung vor dem Herrscher nach C. IV, 6; die 
Sohlussbemerknng dei> Xarreu aus C. I, 1 (Schluss) 
entnummen. 
O. IV, 1 Monolog des UoIVufols; würüichv Änkliüige an 
O .IV, I. Wie hier erwartet er dort von Bclzehnb als 
Belohnung eine Ktvne, aber nicht, wie Chrfseu» die 

1 ^ alte Belohnung der geistlichen Spiele ^ witzig erweitert, 
^ eiuv „dreifache Krone", sondern — viel matter — 
Ä-ie gewöhnlich „eine güldene Krön", 
0. rV, l Selbstgospriich des Bauern nur eine niederdeutsche 
üebersetituug der Worte dtw Dj-Hlig«» bei C HI, 3. 
Ebenso nahm Heinrich Kielmann in seine „Tetzelo- 
imia" einen ,.Hoff- und Kirchenteoifel" auf, der gani: dem 
Intrigantvu des CLryseus uuchgebUdet ist, und ihm I, 3 
(nach O. II, 1) nnd III, 2 (nach C. IV, 1) wörtüch entspricht*). 

*) Darch dl« GBt« der lionoglichen BibUolli«luverMitlu&s in 
WolfeBbiitt«) koiuite ich eiu dort bcSnillic)i<-« Exemplar ät* Dnuiwa iii 
Bertin hwtitten. •) Ludwig Wirth a. rl. O. S. 1»6. 

*) Dil- leltsamo Bunirrkiiog von Gcrrinu* OcmIi- der dttdi. 
Dichtung* HI, 144, die „mjcenauiitcn Uoflcuful" lUindca al* „bkMM 
Einblüacr dea Büicn' d«n rXl':'':''*"^ cxi^kutiven Teafcia ,* die deu 
Namon „Sat)Tii" rührten, gagtiiäbar, entbthrt j«d«r B«rcclitii;iinif. 
WabrMhrinlioli »ollUn die altan TtiifU von d«u asaan TcdIcId Kctrcnnt 
«•rdu, abrr dteM Ictxtoren ali «»ogenuinte Bonenfel" mantiMn zu 
hM«ii, ixt dnrchuu oariatüialt. 



203 



OSBORS 



3 



Unzweifclbaft durch die Lektüre von Schililo's Spielt 
teufel angeregt, schrieb Thomas Birck aeiu« origiueUe 
Komödie von den Doppelspielern^) (TübingeB 1890). 
Zvri-i Heore stehen sich hier gegenUhur: nuf der einen Seite 
LeTiathau, der Spielteufel, mit seineu Trubantcn : ..Bauer, 
Vnder, Oher, König, Saw, Hertz, Laub, Schellen, Kychelfarb", 
auf der Andern „Syroch, ein trviser Mauu, mit »einem WUrffcl 
vnd Kartenspil als Ein Würffelträger. Ein Kartendreyle, 
Vierte. Fünffle, Sechsle, Sibetle, Achtle, NeundUe, Bauer, 
Vnter, Ober, Eüuig. Saw, Laab, Hertz, Schellen, Bychelfarb, 
Qleich i Ober, Hochzeit 1 König vnd ein Ober. Tanz 
1 ynt«r 1 Ober I Kiinig, Kn-id, Mnnten, Tnimphen, letzte 
Lij»s". Manche ans wohl bekannte Motiv« finden wir hier 
wieder. Tobias warnt vor dem Spiel, ea sei dabei das „gaotz 
hellisch Gsiud" los: 

Ii I (& 14) H^"' Bvobt-'isttouGpl, da man betmugt, 
„Der LnijcnUiullel, da man leugt, 
„Der xam Teuffel, da man ergrimpt, 
„Vnd Gott den Aiiwzug nicht anaimpt 



„Der FlucbtvafT«! i«t auoli uicbl weit 

„Da mBD(,')ii;r la^hr Guttetäüch auscpeit 
„Denn Augen nuff Jörn fl'ürfftl «ein 

„Der Znni'ktcufful koinpt auch dar*io 
„Den Sdimählnuffol r.r mit »ich brinst 
^Der Wor<lteiiffp| »inh nufih citKirinftt,* 

Man vergleiche damit Th. D. B. Pol. 435'36. Die Ausreden, 
welche die Spieler dem Warner gegenüber mncben, die Änek- 
n, die erzählt werden, erinnern nn Sclitldo*); die im 7^| 
Pol. 44(1 mitgelcilto Erzählung ist S. 25,26 behaglich I^ 
Reimpaare umgesetzt. 

Der S. und 3. Akt sind den fürcbterlioben Folgen dm 
Spiels gewidmet: Barrnbas verliert all sein Gut. er stiehlt 
und wird verurteilt, und mit grausamen) Ernst mahnt Birc)^ 

)> Goodek« II, 887: Bed. Kgl. B. Yi) llSl. Eine Analyse d^V 
Drauut giebt Holateio Zfd Pli. 10, 71 ff., ohne hhor Bchildo mit eiii«m 
Worte tu erwSlinen. 

') el". S. 62 u. S. 170. 



ä^e 



WIKKUXGES VXD NACHKLANOE. 



203 



die Eltern an ihre Ei^ioliungäj>flicUteii, indüm er den Barntbas 
vor Gericht seiner jaiami.>mdcn Mutt«r diu Nase alireissen 
and die Worte sprechen liUst (II, 1): 

JSn. r.am Exi'mpcl ha)) icb« thon, 
..Diinit die lArtc Müttcrldn 
„Mit «charpfTm Kaion ncUlftircn ilr«in 
„Vnnd vbertehen nirht *ovil 
nlhni livlMu S&linlriti mit dem SpieL" 
Aber Bircks Syrach ist nur ein Feind des Ober- 
massigen ijpielens uml will vor allem den Frauun nicht 
ÜMS Reotit zugestehen, die Mäoner von] Spiele überhaupt Teru 
sn halten. Darum wird Dina, die ihren verhielten Haun 
Job geprügelt hat, mir Strafe für diese eigcDinSchtige Hand* 
Jniig vom Eheteufe lÄsmodi geholt, üud ein grimmiger 
Weiberhass des Verfassers zeigt sieb, wenn der von Sjrachs 
^rteukänig aungeüchickte Bote Cusi, der die Gattinueu an 
dem Exenipcl der Dioa. warnen soll, zerrauft und zerscbnnden 
siel] wieder bei seioem Herrscher einßndet. Das» der gute 
Scbmbe selbst dem Spiel nicht allzu feindselig gesinnt war, 
zeigen auch die guten Leltrsjtrüchk'iu, welche Syrachs Würfel 
tmd Karten III, 1 aufgageii, sowie das 60str«phige Schluss- 
lied, „darinnen die Karten, Würffei vnd Kreiden nach laut 
der Cümüdicn, mit heiliger SchriffC kfirtzlich erklärt" werden. 
Den Wucherteufel uberiiahm Cyriaca» Spangen- 
bergs berühmter Sohn Wolfhart io seine „tragödische 
Torbildung- : „Mammons Sold" ') (Nömberg 1613). Da ist 
er die treibende Kraft ; er erscheint tn Verkleidung, und wean 
der in einer 3J3nchskntte auftretende Hofteufel des Chryseus 
im Anschluss an dcu alten Glauben sagte: 

It, l. sKeiaef keanl mich Dicht, er tcksw dtno an 
,;Uelii PUm . . .•*, 
10 führt der Wucherteufel sich mit den Worten ein : 
„Wer midi auiielit, drr mi'inot fein 
„Ich «e; ein guter Eofel rein 



') BctI. Kgl. Bihl. Vi 2890. Herauigegeben von £rnrt )(«nin in 
den EUiwiKbeii Litt«rRturJnikmäl«ru ■le« XIV.— XVU. Jh. Bd. IV. Auii- 
gewihlte DichbiDgL'u vou Wolfliaj-I Spangen berg (Struak. u. Loadon 1887). 



fi04 



aSBORS 



(,Wer abrr muiticn Gang bctncht 
„Und bat mir anfT iIIb Füuw aeht 
„Dni' mrrkdi liald, nadi wuuem Siiin 
..Wu ich m-hl (iir oio Vojj«! bin." •) 

Er treibt „Veit den Landskneclit, Reicbart deu "Wuclierer 
viid Lentz den ßaueni-' itiim Wucher und Betrug. Hie si»d 
harthvrifiig tci'g^n die Frau Armut, die sio unbcltclt, und 
folgen der glcissenden Frau Reicbtumt* ; doch der füllt plötz>fl 
lieh _aUe Haiiptzier vom Küpff, die Erniel Ton Armen, die 
Jungfraw Schönbart vom liesiclit, die Kleider vom Ijcib viid 
erschoiDet sie in gestalt dess Todes mit Pfeil vnd Bogen" *), 
der die Frevler unbarniberzig vrscliicsst. 

Nahezu als eine Dramatisierung des Sacrameots- 
teuf eis erscheint Nicodemus Fri.sohliDS „Phasraa", 
159£, im folgenden Jahre von Arnold Glaser ing Dcubchfl 
übersetzt. Luther, Brentz. Zwingli, Carlstadt, Schwcnkfeld — ] 
kurz die ganze Reihe tritt auf, und Satnna», auch hier winle 
in Mönchsgestalt "), gesteht, dnss er nach dem Zueamraenbrnch] 
der katholischen Kirche Zwingli, CarUtadt mit den Wider») 
täufem gegen den Gottesfreuiid Luther gehetzt habe. Dies« 
beiden Teufelsdiener wcrdt-u denn auch ebenso wie „UeliboouS)] 
ein widerteuffcrischer Bauer", nebst dem Müuch Francis 
und der Nonne Brigitte V, 3 „zum lohn jhres irrthambsj 
Plapiiern" von Christus in die Hülle gestossen. Satan 
bleibt ein guter Katholik — er nimmt (IV, 8) sogar as den 
Boratungett des Tridwitiner Conzils teil und zum Bchluss bete 
er mit den Seinen: 

„O. BnpBl, 1a** dir befoblcn icin, 
„UnspT Kirchpn. die Kindar tlnti, 
„Im Rlt«n tilaulicn tj« erhalt 
„Und reit «ie aus des Luther* Gewalt." 
Hierher gehört auch Zacharias Rtvanders „Lutherui 
redivivus" (I.'IQS), der sich zwar keines Teufels zu erfreuen 

>) (Blatt Aij>) — Neitdruok S. 361. — et d. & IW. 
*J (Bl. Bij') — NcudruRlt 8. S78. 

•) So ja ftudi in Kolro»' «Kfinfcrlei BctrachtaGMoa" und oft. 
auch S. tä». le». 



300 



WIEKUNOEX UND NACHKLÄXUE. 



205 



JiBt, in dem aber der ^gantxe Verlauff des SacrumenUtreite 
von Anso Christi 34 an hm 7.uni cndu des 93. Jalir» in eine 
Actiouem" gebracht ist uad Luther, Melanchthnn, Rrentius, 
Heshusius, Selneccerus. Afatthüu», Carlstadt, Zwingli, Occo- 
Iam])adiiis, Ruc«rus, Bulliugcr, Calvin, Buza a. s. w. auf der 
Bühnu erscheinen. 

ÄQ SchildernDgen aus Pape« „Bettel* und (iarte- 
teuffel" flihlt ma» sicli in Barthulomaous ErOgers 
packendem ^Spiel ron den bäurischen Bichtem und dem 
Landsknecht«" (1560)^) genuthnt, wo Satati und besondfrs 
der Mordteufcl, der auch hier wieder seinen Beruf in 
einem Monolog ausführlich darlegt (TT, l>), das Unheil an- 
richten. Ein K 1 e i de r teu fe 1 ist iii Andreas Saurius' 
«ConHagratio Sodomae" (1607) der Belial, der als ein 
Krämer am Hofe zu Sodom erscheint und seine Waaren 
feil biet«t*). 

Eint- bi-sondere Neigung für die Tvafel des Theatrum 
Diabolorum zeigt zu Beginn des 17. Jahrhunderts in seinen 
Onunen der Nünibt-rgor Schulmeister Georg Manricins 
der ältere, wenn sie auch bei ihm, wiL- all das Nobi>nwcrk, 
dem er eine solche Vorliebe entgegenbringt, niemals organisch 
is die Handlung Hngt'fUgt, «oiidcrn stets — nach Scherers 
Worten ") — „üusserlich angi-'Ucbt" erscheinen. In wincr schon 
erwähnten „Komödie Ton allerley StSndon" (I606)erbSlt 
jeder der einzelnen Akte, in welchen die verschiedenen Stände 
geecfaüdert werden, seineu besonderen Teufel: der erste, der 
allgemein die Schlechtigkeit der Welt beklagt, den Satan 
BClilechthin ; Akt U, der den „Obrigkeitlichen Stand" schil- 
dert, den Hofteufel; Akt III, dem Ehestand gewidmet, 
den Eheteafel Asmodens: in Akt IV, wo es sich um 
Familienlebt:'«, Hausstand handelt, tritt Prllfles, der Teufel, 
auf, der nacb seiner eigenen Angabc — ,, Herrn, Kindr md 
Gsind rerfUhm ich sol" — etwas Yon Glasers GeaindedämoQ 



■) Henuigegreben von Joli. Bolt«. Ltiptig 1884. 

»J A«l rv, &«De 6. 

■) Sohcnr ADB SO, 7001. 




206 



OSBOUX 



nn sich bat. Nur im letzten Akt, der wieder allgemeiner 
Natur ist, uimmt der Äbwecliülong lislber eionial nRüpl, 
der Hof-Narr", die Stelle der Teufi-l ein. Der Hofteiifel 
erBcbeint auch neben anderen Brüdern aua dem alten hSlIi»chen 
Yornit der Paanonrapielc, Hatschip«tt<!«ch und Helk-brand, 
den Herodes hetzend in der „Oomoodia von den Weysen 
aus dem Horgenlsnde" und im Verein mit dem Ghe- 
teufel Äsmodaeus spii-lt er uine Roll« in der „Comüdie 
von Graff Walther von Salntz rnd Griseldon." 
Id der schönen ..Oomödia von dem Schalwesen" lies» 
UauiiciuK im 3. Akt den Haussteuffel Bmiei>rOll, im 
4. den Waldteufel, der die Spieler holt, auftreten; and 
im 1. Akt quält der ,,SchuIteufel Feinddiekansf^ 
den armen Schulmeister so unbarmherzig, d««s er selbst 
meint: 

.Micl) wandert, das «ra Aurnteiiti kiD 

.Er niuts dooli »eiu mu z«Ucr Hund 

^Diiiiü VT darüber bleibt gi-'iuiul.'' 

lu grössen.T Zahl niarschiertcu die Teufel aus Feye 
abenda Folianten auch in das lebendige and kräftige Tendei 
stUck hinüber, da» der aus Lindau gebürtige lutheriscbS 
Pfarrer im wUrttembergiscbvu Ürlmmeläugcu, Johann Ru- 
dolf Fischer ') (1598—1632) in der berüchtigten ..Kipper- 
und Wipper-Zeit" gegen die vfillig in Verwin-ong gerateuea 
nirtsobaftliclieu Zustände tu Schwaben schrieb. Die Tra- 
gödie „LvvSte Weltsucht vnd Teufelsbruot" erschien 
1623 zu Ulm : gleidi im Prolog wird alle Schuld an den 
bösen Zuständen dem Teufel xugesprucbcn, und der 1. Akt 
setzt sofort mit ciucr TcufcUkonferenz ein. in der Lncifer 
de« Vorsitz fuhrt und an der „Kriegsteuffel, Sauff- 
teuffel, Hurenteuffel. Geitzteuffel , Wuchur- 
teuffel" teilnehmen. Sie sind alle fröhlich bei der Arbeit, 




•) Bftywti» JEundartnn, Bvilriigi- lur deuHohen Spsnob- nsd 
Vulkukau'le, licniasge^. v. O. Bräunet u. A. HarlinKiin. Bd. I. Aufliuat 
Holder, Joliauii Ru'loU Fischer. Vvher sein Leben und Abdrudi der 
TragSdie. S. 11^-116, 161-82. 331—38. 



«OS 



WIREU»0£N UKD NACBKLaNOE. 



307 



da der Krieg ihre Pläne begünstigt; der Wnchertenfe) aber, 
dem sich spater (IV, 4) noch der „Schacherteuffel" ira- 
geaallt, wird (111,4) »Is di^r tücbtigsto gekrönt. 

Auf den ersten Blick erkennt oiad an diesen Proben 
trotz der unletigbtu-un Verwnndtscliaft der Motive «as der 
dramtUiscben Litteratnr mit denen der TeufelbUcher an dem 
Teofel der Schauspiele noch eine Reihe wichtiffer Züge aus 
der alten Zeit, die wir im Theatrum Diabolorum entweder 
nicht mehr oder doch sehr outerdrilckt finden. Der Theater 
teofel in der 2. Hüllte des 16. nnd zu Beginn des 17. Jahr- 
handetts ist, wenn auch »elbstTeret&ndlich der Giufluss der 
ernsten protestantischen Auffassung nieht spurlos an ihm 
vorüber ging , auch hei den Lutheranern doch noch nicht 
durchweg nur der fürchterliche Feind des UcoKcfaengesehlechl», 
sondern vielfach immer noch der mehr Harmlose Bösewicht, 
der betrogene Betrüger, die komische Figur der vorlutlie- 
rischen Zeit — HoUoii, welche x)i den mUchtigcu und vcr> 
derbtichen Lastertenfeln onserer Pfarrer nicht mehr passten. 
B« waren aber wohl äusaerlidie Rücksichten auf das Publikum, 
welche die Dramatiker hier bestimmten, sie mu»st«n den 
dramatisch unendlich wirlcsameron katholischen Teufel auf der 
Buhne gegen Ans Vordringen des luthi'rischen nltbösen Feindes 
schützen; in den Änsehuuungvn seihst war sicherlich kaum 
ein Cnterschied. Die Vorrede z. B., welche Joannes Bein- 
hard seiner „wunderlichen (Seschichte Francisci Spierae'*') 
(15G1), in der diu drei Teufel ,,Vnruh, Schadenfro, Hurlehu" 
aoch ganz aus dem alten Apparat stammen, voransschickt«, 
würde vor jedes einzelne der Teufelbücher vortrefflich passen. 
Sic spricht nur von dem Satan, der in der Welt rase, und 
meint, er tobe bo scbUmio, „das os nicht wuoder were, die 
liebe Sonne entsetzet sich darfUr, gieng zd rück vnd geh vns 
nicht mehr jhrvn fi-eundtlidien anbliok vnd schein." 

An Friederich,, den sclilesischen Pastor, der gegen 
den Saufteufel kämpfte, an die zahh^ichen mutigen Ausfülle 



■) BerL K;l. Bib). Yp »781. 



sod 



OSBORN 



303 



g^en ^rannische FUrsten und verbummelte Adlige, an die 
SnDahnitngen, mit den«n aicb die ^'ei'fasser der TeafelbUcher 
AQ die Prodigor wenden, werden wir erinnert, wena wir in 
£artholoma,eus Kingwaldt's „Speculam mundi", wo 
die Teufel Alaliis, Peior, Pesfiimns auch noch tod der alten 
Sorte sind, seihen, wie der tlirlicbe Pfarrer, der gegen das 
ÜbermäsHige Trinken geeifert hat, von seinem Fürsten ver- 
trieben wird, aber trotz aller Unbill sn-eng zum Qlaaben und 
zu svinen Grundsätzen hält, und Kingwaldts „Lautre 
Wahrheit"') klingt ganz und gar wie ein in Beimc gebrachtes 
leufelbuch- Oleich im Aufang heilst es vom Satan, er 

„ . . . brüllttt widtTii Wort 

„Diewail die Welt «wht, fort und fort, 

„Vnd liut der Kircheu keio« nib 

„him Gottes Hon er«cli»iiien thn. 

„Fürnemlich ab^r wtlt"?l er 

„Zu uii«äru Zeitttu butTliger, 

„Bivwi^il ur abituri^L'liuttD wiria 

„Dti< bntd wird fHlIn <]«r Erdenkrei*. 

„Vnd weil denn nu, wi« jtut gcducLt 

„Die Welt an allen orten kracht 

„Vnd nicli dio wrb vnd ((rotsc pUgin 

„Sampt TJclen wninipricichen j«gn 

nDU TOM verrasiiiiß, vor drr Bon 

„Der breiten »CrMHL'n ab/iilnn, 

„Danu lericbteu, daa gar frey 

,J!>er letzte T»g vorhanden aej." 
Der Christ wird S. 23 gemahnt, er miiss 

„Ein Krii'g:i£m>Liin blcibun biis ntie end 

«Vnd hie mit vielem inivrcn tchveis 

.Mit TeufTel. weit vnd deiach 

„Sich heimsen bi> er scheidet nb 

„Der (iHst m Gott, i1er Leib ins grub." 
Riugwaldt klagt über die Trunksucht (8. 59): 
„Ach wenn die deutacben Knecht vnd Hem 
..Nicht leider »o veruofftn wem 
„So wer kein »ohötier Nation 
„Vnler de» weiten Uimtnols Thron." 

') Zaertt eraoliieneo 168t). Ich zitiere nach Kg. Bibl. in Berlin 
Yli MSS, 1666 njtit von dem A.utare auüs nuvii wider vberaeheu". 



-J 



S04 WIRKCMJKS CXD NACHKLJoJGK. S09 

Er nenut das Trinken eine „Uutt«r aller Laster", «r 
:hr«ibt die Krankheiten, die daraus ent«t«heii, er wtttert 
diu Unzucht, gegen die Spielwnt tmd ihr« Folgen, das 
gottaalästerÜdie Fluchen und die abscheuliche HoüTart, die 
ikhaAe Kleidung, die den Uoterscbietl der Ständu ver- 
i«cbe, er oniiiiert an die äragdebiU]gi;r Kleiderordnung. 
Klagen werdeu geführt ütwr „dur eraagfiliscfaen Predikanten 
tJneinigkeit" ; die Obrigkeit n-ird znr Unparteilichkeit und 
Gerechtigkeit ei-niahni; in dem Abschnitt „Vom Ainpt »Her 
onuoen Predicantou-' winl an die Pfarrer apjrelliert. daneben 
tem and die „frommen Praeceptores" auf ihre Pflichten 
lingewiesen — alles Motiv«, die wir in den TeofelbUchem so 
r<^ic)dich vertreten fanden. 

Auch des „Osnabrticker Hans Sacha", de» onginelleu 
Rudolf Toii Bcllinckhau» nach dvi- »Iteu liegende gedichtet«» 
„Stratagenia Diabolicum" gebort in diesen Zusammen- 
hang. Hier ehelicht der heiratslustige Satan auf den Rat 
der SUiide die Tnirikeidieit *). JUit groeiser Geschwindigkeit 
«Dtopriogen aus dieser Ghe 7 Töchter, welche ebenso rasch 
tsfaliig sind und nun Tora Vater Satan folgender- 
massen versorgt werden: Arrogantia wird mit dem Ade) vei^ 
fai-irntet, Avaritia mit den Kaufleutcn, FaUitas mit den Land- 
wirtheii, Inridia mit den Handwerkern, Homicidia wird den 
Übeltbäteri) zugesprochen, Hjpocrisis den Pfaffen und Uönchen, 
Soortatio aber, sein Lieblingskiad, muR« daheim bleiben: 
„iDBOuUrheit SuorUtio 
,.MaoIit niviu Herx luKig und fri)!!."") 
Der ganze grosse Teufelapparat der alten geistlichen 
Dramen aber ging mit dem 17. Jahrhundert in die Faustspielo 
aber, die nun allüberall in Doubschland aoftuuclieii. Und auch 



^«ntsp 
^^luära 



■) c£. Ucbiol, Cliriiilicba Sytnliolik II, 477. tiärra. Die Ctirüt> 
lidia HynO: lU, 09«. 

'> LichtADbtnt. DaauebM Uawam 177», II, 3. 146. — Aoeh 
Balll'- Schapp «rMUt in wiiMm .Sakmo oder RcKe&tea-Spieg«!' im 
•iaa .LebmiciMD Scbrifun' Frkf. >. U. 170» BerL Kgl Bibl. \j S072. 
S. 7»0> tlieM OeKhickts Dn<l fdgt kiaz«: .IliMa Fabul wird mn Tjel«n 
Tuniclumeii PrMÜgerB io ilir«ii offeailicIiAB Sclmfft«n Klleirirat''. 

14 



810 




OSBOBN 



hier wirkt« die Teufellitteratur : die Söiidisii werden verteilt. 
Id «iuem Danzigei' Spiel von IßSS beispielsweise ersclieiueu 
gleich zu Anfang luil Pluto der K]ugb«itteufel, der Hureo- 
t«ufel and unt«r aiidereu der eben unst vuUtandeD« Tobac- 
teuffel, von dem das Zeitalter der Beformation uocb aichts 
wissen kounte.') Und noch bflim „Teulelümalei"* Müller 
treten in dem „dramatisiart«n Leben FausU" neben eiui«la«u 
Repräsentanten allbekannter Todsünden *) der moderne 
„liiteraliir-Teufel" Atoti und der dem Dichter wohl besoa dera 
vertraut« „Uablti:ufnl-' Bubillo auf. 

Indessen auf die dramatische Litteratur beschr 
sich die Wirkungen der Teufelhücher nicht. Demi das 
Jahrhundert brachte noch eine lange Reihe von Teufel* 
tractaten hervor, die freilich alle mit meist unmittelbarer Ad-; 
Ichnung an die Vorgänger geschrieben »iiid. Die VerlJas 
veniaohteu es, dii> uUl^ Form, die alte Buhaudluiigswcise dt 
Fragen, die alten Motive mit der neuen Zeit, in der sie 
lebten, in Rinklang -im bringen, was ihnon jedoch nur äusserst 
selten gelingen wollte. Meist ist es ein wunderliches Ge- 
misch, was zu Tage kommt. Auch der Erfolg war ein sehr 
miLssiger; denn das theologische Jahrhimdi-rt war dem poli- 
tischen gewichen, und es war ein vurfehlter Gedanke, die 
Zeitschädun dieses letzteren mit denselben Mitteln bekämpfen 
zu wollen, die damals gewirkt hatten. Der Krieg und seinfl 
Folgon standen als Ursache alles Elends überall im Vordur 
grund: etu bildeten das Element, das die öffentlichen Zustände 
beherrschte, das als die Quelle aller Misstilude, aller Ui 
aittlichkeit erschien. Kein Wunder, dass die Didaktiker bi« 
machtlos waren, wenn sie in einer Zeit, da mau mit Eise 
entschied, mit Druckerschwärze kämpfen wollten, wie mau 




<) et Eugel, VolkiK:bauiipiei Doctor ,1. Ftia<.t £. Aufl. (168S) 8. SSf 
■) FauBta Lebi^n, dranmliiien vi>:n Slnhler SEUller. I. T«il Slanl 
heim 1778. 8, WH: Mi)Boh „UeWr[f«lilet« Arinuth i*t mehi« B»bprr«oh^ 
uok" — nU er tom Verführen «priclit. ruil. C>vs) : .6ruJ«r wog — an* 
nKiinem Iteich ~ hier fingt niriiii' BMtsUuuK au; kil fall lii! BJD 
WuliusU Uon', diin di«ce W*lt tun uei<it«u dMuet". 




WtRKCSGES rSD NACHKLÄNGE. 



im Jalirhuiidcrt der geistigen Kriogo giMbftn halte. Wenn 
«8 trotudeni immer wieder versucht wiird<?, so lag dies vrohl 
daran, daüs man anf den Äberglanben der Zeit rerti'ante, 
dt« sich mit Vorliob« an Tt-ufcU*. Hexen- und Q'e«penet«r- 
Gescbichten erfreute; man vergass aber dabei, dasa die Teüf«!- 
bUoher (^i^entlich ansser ihren Titeln mit solcher dänionologischeu 
Litteratiir gar nichts mehr gvmein hatten und man dachte 
auch gar nicht daran, die trockene Lehrhaftigkeit durch eine 
stärkere Betonung der Teufelspersoiiifikation zu beleben. 

Voran gebt auch hier, wi<- in der Zaiil der Auflagen 
und der Daner de« eigenen Lebens, in seinen Wirkungen Mus- 
culus' berühmter Hoaenteufel und seine Nacljfolger. 

Der Kampf g<.-geD die Mode entbrannte ja im 17. Jahr* 
hnndurt noch weit heftiger ak in der vergangenen Epoche, 
entsprechend der wachüenden Macht der Mode selbst und der 
fremdlKndiscben Einflüsse auf deutsche Silt«-, Spruche und 
Kleidung.*) Wie MoscheroEch im „ AlamodekehrauNs" 
seinen gestriegelten modernen Jungdentachen PhiUnder auf 
Burg GeroIdHeck den alten dent!<chen Kecken gegenüberstellt 
und von diesen heruntermachen and verhöhnen liissl, so 
machten auch die andern Satiriker des Jahrhunderts aus- 
nahmslos grimmig Front gegen da» fremdÜlndiMhe Weaen. 
Oft wird hier wie bei Mosoherosch der Teufel als Urheber 
genannt.') zumal da er das Papsttum, die Quelle aller prun- 
kenden Hoffart, erfouden hat. 

Der Redaktor der Hosentt-ufelausgabe von 16S3 schuf 
sich dann einen eigenen pÄIlamodeteafel'") und be- 

*) c(. Eridi Sohmiitt. D«r Kumiif s^gtn die Uode in der Litlcrs- 
tar den 17. Jli. im Xeneu Beicli. 1S60 — CWrauteritttkcn S. 6Sff. 

*) Mvscheroscb n«iiiit io)tar Oiiianderi Hoffarts-Prvd^t (in 
der Anagmbe ron I6&0 8. 41) und xitierl «ui Strnax' Kleidortoutcl 
Au V«nc:(S. 84.) 

„Ein U»nn der «ch&ne Kleider hat 
.Gcaelitet wird eia«a Fiintea Bat". 
*) Uri>«r die Eiitwirkelung d«a Kletderteuf«!« handelt nicht eben 
gründlich JulJu« LuMing in ciiiem Aaftalt: .Der Mo^letcvlel"- Volk** 
wirtachtniiche Zeitrngen. 6. Jahi^og ltfS4. i. Heft. Berlin. 

14* 




OSBOHS 



LÜtelte de» alteu Muscnlua Predigt nun: „dess jetzigen "Welt 
escbruytvn veracbt«a vimd verlaclit«D Äl-modo-Kleyder- 
Tüuffels Alt-Vftter. genandt der Hoaea-Teufel . . >' ») Dm 

taeaen Dämons selbst ufthm sich bald in ein«r besonderen 
cbrift zuerst Johannes Ellinger, Kaplan zu Arheiligcn, 
au. Sein „Allmodischer Klejder-Teuffcl*' erschien 
162d*); er zerfällt in 3 Teile: „1} Diskurs Aber Allemodische 
Trachten, — 2) Wie ein Hausvater gegen seine tnodevücfatige 
EhfliJilfto vorgeben soll. — 3) Kegolae eines ChriBtlichen 
Eheweibs." Nach alter Sitte bringt der AUemodisohe Teufel ■ 
7 Begleiter mit: den „müssiggv^'heiideo. pfla.stertre(onden 
Spatzierteuffel*' {.die linke wirfft man in di« Se^-te, die recht« 
spielet mit dem Allemodischen Bärtlein"), den Tanzteulel, 
den Hurontüulct, Frvsetuufel, SaufTieufel und den Diebisdieo 
und Mordsteufel, den Repräsentanten des Krieges. Die Ver- 
finderlichkeit der Moden nird dureh die Etage auagedrUckt, 
man köimc die .^Itemodisclien Monsieui-s" gar nicht beschreiben, ■ 
da sie sich von Woche zu Wocho veründcTt«n, dua Vwliültuis 
dieser Zu8t£nd<j aber znr politischen Lage wie schon bei 
Strauss (s. 8. lÜS.) auf den Kopf gestellt: „Ich glaub« 

kgantz rnd gar, so lang der Ailemodisdie Kleiderpracbt, darvon 
man vor 20 .Tahreii, 10 .taten nichts gesehen vnd diu alten 
TeutHchen nichts gewusHt haben, nicht sieb leget, vod durch 
die Obrigkeit abgeschaffet wird, so lange ist auch kein Fried© 
in Teutscliland nicht." 

Ellinger ist ein erbarmungsloser Misogyn, er nennt es 
,,toll Tnd tyranjiiscb-'*), „das etliche Obrigkeiten so rabe« 

.sonnen md tollkühn seyen, die nicht gestatten noch zolaseen 

Cvolleu, da» die EhcniSuner jbre Eheweiher je zu weilen mit 
streuchen wann es ja nicht anders sein will, zum gehorsam, 
zwingen und dringen sollen", und dass „utUclie Thfologastri" 
derselben Ansicht sind *), und meint : „Alle Bossheit ist gering 

*) üthe 8. 90 Anm. 

>) Fnuikfurl ». M. bei Otrl Udc][»1. ikriin Egl. Bibl. Db S611. 
"Ooedekc 8. «8. N. 84. 
•1 S. »e. •> 8. *5. 



I 



aoa 



wmSDNGEN UXD >'ACHELÄN'0£. 



213 



gegen der Weiber Bo««lieit." *) Er v«rlnng1 von dem Ehe- 
wi'ib in Gest'lzcii, die er for sie aofateüt. „ob sie auch Tom 
älanne villeicht auüs Zorn geschlagen wUrde, soll sie ihren 
Schioerts«n daheim verechlucko» und v«rdftu«n." ') Es ist 
noch dioBt'lhc Starrheit, die wir in Paul Bebhons Hochzeit 
zu Cana am lOÜ Jahre früher antrafen. ÄUBeiuai)dersetxang«ii 
tlber „Doctor Siemann" erinn«m an Nicolnas Sclimidt und 
Mtwculu8, eben«) die Anekdoten, die übrigenit eine weit 
geringere Rnlle spielen, als vir ee bisher gewohnt waren. 

Der patriotische Gesichtspunkt, den Kllinger nur nebenbei 
berücksichtigt, tr»t biisoDders berror in dem nm 50 Jahre 
tipSter anonym erschienenen Buche : „Teutsch-PrantzSsi- 
scher Alamod e-Teot'el '), beschrieben und anf den Schau- 
Platz DeutKcblands aufgcfiiiiret und vorgestellt von U. S. Z. 
Einem alten teutscben aufrichtigen Patrioten". 1679. Dresden 
(Mflciiior Bozens Erben. 4"). Der Verfasser ist tob einem 
ehrlichen Zum errullt. „Was nicht nach der Frautzöstschen 
Ifode reucht, und schmeckt", so rnft er. „das ist uns nicht 
nnstündig". Und ron den Kleidern kommt er auch auf 
andere Fragen; er wettert, dass mancher „einen FranxÖsisohea 
Karren höher achtet als einen vornehmen Teutscben Doktor'*, 
oder er klagt wie Logau „die schöne Tewtsche Helden-Sprache 
will sieb nicht mehr zierlich reden la»«en, wenn sie nicht mit 
Frantzüstschen Worten onternienget und gespilcket ist". Nach 
dem Uu.«ter von Musculus' Hosenteufol, den er selbst des 
iiftcren zitiert*), stellt er polternd die Tracht seiner Zeit 
dar, und die Ani.'kdot«n des Frankfurter Superintendenten 
benutzt anch er noch ^). 

In demselben Jahre 1679 gab auch Johann Ludwig 
Hartmauu einen „Alamodeteufel'* heraus, von dem ji-doch 
erat bei einer zusammenfassenden Behandlung der Schritten 
diese« VerAissers weiter unter die Rede s«:iii wird. 

Auf den anonjnun „Teutsch - Frantzösischen AlamodL^ 
Teufel" stiiute sicli Michael Freud der Ältere, Prediger 

*) S. 4a. *) S. na (R^gvl X). *> Dm Baob r«lilt \m Ooodcko. 
*) S. 28, 57, 08. «) Btwudw S. 157. 



214 



OSßORN 




XU Cuppendtngen und PlauenhogcD in Meckleubarg, in sei: 
Buclie: „Alatuod«-Teuffel oder Gewissens-Fragea 
ron der heutigeuTraclit und Kleider Pracht. . .*; 
Freud ist nicht zu vt-rwechs«!» mit seinem gleichitnniigen Sohn)' 
der später Conrektor in Lübeck war, vorher in dot^clben 
Eigenschaft za Wistiuai' lebte, wo er seinen alten Vater nach 
dessen AusHcheiden au« dem Amt beherbergte. Der ältere 
Freud var ein echter orthodoxer Lutheraner; mit Heftigkeit 
wandte er sich gegen die verbreitete Sitte, Taufen und Hoch- 
zeiten zu Hause statt in der Kii-ciie zn veranstalten; er 
sandte smue Auseinundersetzuugeu an Spener, der ihm als 
seinem guten Freund zwar sehr liebenswürdig antwortete, 
aber doch recht klar und bUiidig schrieb *), er „gebe dodi 
lieber mit denjenigen Bingen uuib . welche das iiinoru und 
Hauptwerk unmittelbarer berühren, worin wir leider genug 
eu reformiren finden werden" und sp&ter*), dass die&e Sache 
nicht H^iit grosser Hefftigkeit zu treiben soy, und gleichen 
£ifer meritire alä diejenige Dinge, wo Göttliche Gebot uu- 
mittelbar übertreten werden ..... Wie ich dann dieses uns 
Prudigcrn sonderlich obzuliegen achte, das» wir einen merck* 
liehen Uuterachied unter denjenigen Sünden machen, welche 
unmittelbar gegen Gottef; Gebote gehen und andern, wo nicht 
ändert» als gegen solche Menschliche Verordnung getban wird". 
Freud hatte in der That wenig Veranlasamig, diese treflUchen 
Briefe, die er, wie es scheint, durchaus irgendwo n 






'J „••• '^»8 woh]in«iDeudeiii tivmüt und ChmtUchcm Sibr, 
■onderbarea Be^elir<?D bMChrieben, mit •nimm rechlpn Fnrben itlmnimret 
Dud in öSnntlicheii Drutk g'-gebeii auff dd« TheBtriiin <liirg«leUet. 
Unrcb HichMlem Freud, den Aelt«r«n." Hatnhiirg (Peter ZirgW) 16Bä. 
4f>. 804 S. Dedui«it der LUbeoker Geiiilichkeit „WiMaour, d«n 18. 
Octobri»." — BerL Sgl. BibL Db 89&1. — Uoedeke neant ikn 8. 468 X. 
41 (lilwhlicb Frt^iuid, Di« Verwcchituug mit dorn Sohne beging aucli 
3Schvr S, 717, der diesem eiiitelne Sdiridi^u des Vuters. tluruiit^r deu 
p_Aiiiniodeluufel'' und dii- „Gewimens - Frngen nn Proienti'n widcr 
Hexen" imcbrinb; in Adelungs F^irUetzang fi. ISR&f. wurden <li« Ua 
nBDigk«itm dann verbauert. 

») Frkf, ft. M. I. Sept. 168S. ') Fr. a. M. 14. Doc. l«eS. 



310 



WIRKUXÖES USD NäCHKIjCNOE. 



215 



lichfn wollte, seinem Teufelbuch als Anhang beizafQ^en. Denn 
dies bevegt sich noch ganz im Fnbrwnsser dm lüto» poltcro- 
den SpStlutbertums aus der BlUthezcit der Teafellitteratur. 
und Ton dem ^ünterficbied'', den SpeD«r verlangte, ist nichts 
zu spüren. 

Fre»d beruft sieb nasdrjicklicb gleich in der Vorrede 
auf das Th. Diabol. Gleich seinen VorgÜiigeni aus dem to^ 
gangenen Jahrhimdert siebt «r den bnltligen tTntergaug d«r 
Welt vorau». den ilim Comvten, Hvu&chrcckouschw&rm«. Häose 
und .^grausam« hohe Wasser- and particular SUnd-FIutbeD** 
verkünden *). In 13 Abschnitten le^t er die SUnden der 
Kleiderpracht dar, er meint, während „Gott der H«rr, Selbsten 
der Ei^tc Schneider auff Erden gewesen" ist, haben „die 
Alamoden und Pracht der Kleider die C&initen erdacht *)". 
Hauhen>. HflUen-, NcsteU, BSndercbon-, PrUnten-, Appetit» 
Tcuffel (S. 12). Stolzteufel (S. 3ti) und Haarteiifel (S. 152) 
nod das Gesinde seines Dämonen. „Manche Zucht-, Ehr- und 
Tugend liebende Jungfer' wird „eine blanke Teutsch- 
Frantzösische Älamode - DomoiseUe-' . die „zum öffii-reu wol 
die ärgste Grund-Hore ist *)". Freud teilt auch einzelne 
Hode^heiinnisse mit, so das« die Damen auch ,.in Büchern 
Spiegel haben, die sie mit sich in die Kirche nehmen, damit 
sie ihren gläsern Rath jederzeit in der Eil mögen bei sieb 
haben und wenn man meint, sie losen und sind sehr andächtig, 
so Bebauen sie sich und andere im Spiegel" : er erzählt von 
der aufkommenden Tracht <)er .^Loddel- untl Zoddel-Haare" *), 
von „Pcracqven" {S. 148), roo der Mode, das Gesieht za 
schminken (8. 1 76) und mit Schön hei tspflästerchon zu schmücken, 
oder das Haar zu pudern, während man besser Asche aufs 
Haupt «treue. Die Auordnung, die Anekdoten, der Appell 
aa Eltern, Prediger, Obrigkeiten, die BfsserungsvorschlÄge 
sind ganx nach dem Muster der alten Teufelbiicher , die er 
öfters nennt '^), und vielfach, wie schon bemerkt, nach dem 

•) 8. «. ») 8. a •) 9. 44. •> a 180. 

*| Er xitifTl Vatc. Rowii-T«afol S. 13. S. 101. - 8. 317. TU. 
Oiabol. — Strau«*. K. «7 !)l M, 105. 68f. 



216 



OSBORN 






Vorfjang des anonymen Älamudotoufela g««cl)rlcbeii '). WeDigi 
stark war der Einäuss der zeitgenössischen Litteratur . 
werden Mösclier<iseli (8. 43. 69), Erasmus Francisci (S. 3*, 
156, 1Ö9 u. o.). Schupp (S. &8). hucIi Ow«n, dar beliebte eogtisefae 
Epigrammatiker uud dessen üchvroizerJscber College .Tohannes 
Qrob wiederholt erwähnt, daneben LogBO zitiert (S. 197), 
ohne äass sein Name genannt wird. 

„"SVie der alamodiscbe Teufel g»ntz sicbtbarliah die 
aame ßuss verspotte" Überschrieb dann noch Frans Woeri 
«US Lübeck das 3. Kapitel »eiDCe Buches : ..Des Teuffels Wei- 
Quast und Schminck-Kessel" (S. 37 ff.) <), Aber eine Schrift, 
die 1708 unter dem Titel „die neueste Allamodische Teuffeley 
Tnd Zauberoj . . ." ') ewchiou, entlehnt« nur den Titel von den 
soeben besprochene« Büchern. Ihr Inhalt ist ein während 
eines Po^taufeiithalts geführter Dialog zwischen einem aber« 
glüubischcu Wirt und cinvm aufEeklärte» Passagier aber ^oen 
Fall Ton ßesesseuht^it und AuBtreibuug, der kurz vorher in 
Leipzig Aufsehen erregt hatte *). 

') Bwondew S. 89. »7. 40, -17. 59. 83. 105, 117. 13». 

*) Kuprohngen (Hnubald) 1073, 16*. 189 S.. Exemplar in Wolfen- 
baUaL 

') „ . . . recommoiulirct nn «latt dcc Alten FaboUitiBlcn Ekiem 
nhiT^lnuhi« eilen lipinulicrten hiilbi?n liccbti-Cinlchrtcn (lind «ijricieli 
allen, so die ümiliercy gvrais iinch di-r iii!Ui-tti^n Mi>i3e In'ni'D wolltn.) 
Bey Ernthlmift einer j^t^Sgeo recht rcinarqiiiiblr n Zsulier ße«cbt«bte in ' 
Lcipxig. Kin irnh«Knnl«rt«r. 1708. &>. — H $. (GoodRk« kooM ilt« ' 
Schrift nicht.) 

*} ])ni Andenken de« Itotenteufi^ls wunl» tu Di»i«nn Jfllirlmiiüeri^H 
dureh Willibald Alexis wieder aulgrfruclit. der üi nviiieui v:el ga«^! 
IcMoen Bomaj) „Di« Hueeu des Herrn von Ureduw" die PludcrlKiwn 
■owi« ihreb wlltend«teu BekUmpJ'er Andreai Uuicalu« voißhrte. Wit 
MiDfl Frau ßriglll« vom „WMcbtvuTel" beie«ien ist, m .Innker Unit* 
Jochwa vom Boaentpuf«l: und der Hufkupko Andrea« llnacula* eifert 
im Qsföngui*. wo «r den sefituKe°<--u iCdclmann Iicxuclil, K^xen <!)>■ 
modieelic Hu-T'nlrai.'lit, uud Uüriu» liu»i den polternden G eidlich *n 
gatua Abicbuille nun «.■incr Teitfi-lipri^di^^ vortrA^n. (Uerliti 1846. I. 
a7fr.; 70 Bi-iclireibuujr .Icr l'IuderhoRca: 71, 74, 8ii II, 64fr. Uusoulos; 
ZitaU aa> dem Uotcntflufck S. 6ütr. S, 8&4). Freilich erlaubt Hefa d«r 
mürlcioehc Romaniehi'iflstcller einen gewaluuiucu Anachronisraiu. denn 



812 WIHKÜSeEN USD NACBKLASGE. ifl7 

An Zahl der KacbalunungeD stellt dem Hosc-nteuf«! 
zunächst seltsamer Weise der Gesindeteufel von Peter 
<jIaaor. Nat'li seiner GüiteUmig, — von den 8 Kapiteln ist 
das letzte ja das positive, während die 7 ersten die Sünden 
der Dicutttboten registrieren ') — schrieb Tobias Wagner, 
Pfarrer zu Easlingca, einen „Siebenfältigen Ehchalton- 
Teaffel.."*). Er beruft sich auf die Theologen des vergaa- 
genen Jolirhnnderts, „welche ein gantz Tbeatrura Diabüloruin, 
das iet einen groeseo Folianten von solchen vud dtirgleichen 
TeuEfle» haben znsanunen getragen vnd geschrieben.''*) und 
zitiert und beuntzt fortwibrend seinen VorgSnger. Uan ver- 
gleich« etwa: S. 7. 16. 22. 24, 83, 87, 89, 42, 46. 

Wagner klagt sehr Qher die MtssstSiide, welche die 
Diensthotenfruge mit sich bringe. ^Wer »ölte gedacht haben", 
so ruf^ er aus*),, „dass nach ausgestandenem so [aiigwUrii^em 
Krieg das vilissiniuni gonus hominum, Knecht vnd Mägd vus 
allererst solche Sprung eolten macbun vnd ohne alle ^'rsacb 
aller Orten ein Vrsach solcher Zerriittiing vnsers Nehrstandes 
in vnseiTi HSunern seyn?'' Der Vorlage entsprechend teilt er 
die venlerbli^.-bi.': Tliiitigkuit seines Tt;ufels in 7 Abteilungen 
ein und fugt Verkündigungen des jüngsten Gerichts, Ermah- 
nungen an die Regierenden und einen kurzen Schlusfiahschnitt, 
der die TliioheThStigkcit nfFomnierEhchaIten''b«sc}ireibt, hinzu. 

Die Einteilung Glasers und Wagners Gbemabm auch 



«Uireiid der wirkliche Ändrcu* lEiucnliu nntor Joacliim II. liebte, i«r- 
•ctztc Um AlezM mitnm'. Atr PlndurboMntncbt »dtr wUlküriich nud 
unhiatoriidi um SO Jabr« tariLck uuter di« Rogioruu^ jMrbim« I. 
(Ußfl— 16Mj ucd iw«» Aie Predigt vor d«r Eiauvihung der UHiT«rait&t 
Frankfiirt 160fl «uUieliea (H, 67). 

•) Si«ht o. S. 128. 

*) Du Buch fehlt Iet Owddt«. „... Du ist Ein ertottiafTie 
S«nnoa von vlwrliiuidiiemmciidcr Boatlipit der Elieliatten vnd Dte&«t> 
butlcn jvtii!t«r Zeit". Ulm 1651. 4". — B«rl. KffL Bibl. Db SUSI. — 
Wa{;ui-r wor unch der Vorrede iD Kwliagea &T JtLrc Inng Prediger, 
vorbei' 8 Jnhrc Diawniu. — ü«I>er dkt Worl „Ebvhftllen*' — Ditnit- 
bot« of. DentwbM WSilerb. S,48r. 

•> Vorrede. *) S. S7. 



i 



S18 




OSBOBS 



Bftlthasttr Schupp in sieiner Schrill: „Sieben bßse Gei&t«^ 
welcbe iieutigeH Tage« Knochte und Mfigde regieren und ver- 
fuhren . . ." *). Er scbreibt darin nun ewar: ,Tm Theatro 
BiRbnlorum stehet ein Tractütlein, welches ein gel^irter Mann 
M. Pvt«r Glus(.T, guwesener Prediger zu Dressden getnachet 
hat und nennet es den Geainilteufel *J. Indem ich an dieses 
Tractfitlein gedenke, dUnket mich, es sei nicht einer, sondern 
sieben Teuffvl, welche diut gemeine VoUk, Knechte und Alügde 
heutiges Tages regieren vnd verführen'-, aber seine 7 Teufel 
sind nichts al» R«pr&sentinten von (rUiters Capiteln; auch 
sonitt hat er sich in der DispoKitiun im einzelnen ganz nach ihm 
gerichtet, seinen 8. Abschnitt auch noch hinzugefügt, und 
Bibelzitate , Sprichwijrter , Anekdoten massenhaft herUber- 
genommen, ohne die Quelle ebi einziges Slal ausser der an- ' 
gegebenen Stelle zu nennen. Zum Schluss empfiehlt er noch 
die Schrift des Nürnberger Predigers und Liederdichters 
Johann Michael Diolhcrr, „von Knechten und Mfigden", ^H 
Schupps Büchlein fand am Ende des Jahrhundert« ein^^^ 
scharfen Kritiker an Philemon Menngius, der es „an 
sich gantx unvollkommen, auch weder mit Exempeln noch 
Sprüchen der H. Schrifft noch mit andern Vemnnffts Regeln , 
genug ftussgexieret" fand. Er suchte Ersatz zu bieten tn | 
einem dicken Buche: „Die Hieben Teuffei, welche fast in der 
gantzen Welt die heutige Dienst-Mägde beherrschen und ver- 
führen. Zum Schrecken der bi'isen unter sieben Hauptstückeu 
fUrgestellt, als da sind der Hoffnrtti-Teufrel, der Diebsteuffel, 
der HurenteufFel, der Lästei-ungsteuffel. der toUfcöpfige TeuSie), 
der Schleckerhafta Teuffei und der Heuchler-Teuffel" *). Er 
bot darin allerdings viel mehr als eine Zerlegung des Oesinde* 
tenfels, wie Schupp sie gegeben hatte, und das Buch stellte 
stdi geradezu als ein Auszug des Theatram Diabolorum dar, 



') p Zur Ali'chfwung rorgeitellet durch J. it. Schoppimn D." 

HwmbuTg (Georg l'Bpc) 1668. — S'miQ. 

*) Blut Biij*. 

•) Frankfq« (Philipp Fiever») 1693. 8«. Vorr. + 87« 8. Mit 
Titelk»pf«n. Berl. E«l. Bibl. au Nd 480. 



314 



WUtKUKG£K VSiV NACHKLÄNOE. 



319 



mit ZusKben sus den Werken dar jflngeraii Vorg)lng«r, nacli 
dvreii Muster Auch ErtMimus Frniicisci als Anekdot«nqueUfl 
benutzt urird '). Das Kapit«! über den Hofläruteuffel giebt 
Gelegenheit, weitlfiufig Qber die Mode eu hoDcIein. Es ist 
Duu auch hier Vfie im Teutsch-Frantzöslsclien Ällamode Teufel 
die Pariser Tracht, die bekämpft wird*): „von dem Nieder- 
l&ndtscJien Krieg mit Prankreich von Anno 1672 in HoUiiud 
hjit uUe» HufF dii- Fniuliü>«ische Modi; «ich gekleidet und allerlei 
Frantzösische Sttt«a, Complimente und die Frant^sische 
Sprach selbst häsAg daselbst gebraucht.^ Die mi^idischco Sitten 
irtrdcn dratitisch geschildert *) : „Bald müssen sie ihre Haare 
auN den Äugenbrauen mit Zfinglein zerren, daas sie ihrem 
Vorbaupt ein breiter Ansehen geben luid die Augeiibrauea 
schmaler werden. Sie boren die Obren mit Pfriemen darch, 

darüber etliche UDsäglichen Schiuertzen empfinden, 

damit sie den hej<lriisclien Auierikaneni aus WeKt-ludien in 
dietsem Stück mögen ähnlich werden." Es folgt, wie früher, 
Preis der Patriarchenwirtschalt, Lob der Kleiderordnungen. 
Bezeicbuend für die Auscliauuiigen des Verfuäsexs int in dem 
Abflchnttt über den Hurenteufel die Bemerkung „das fluissige 
Besuchen der Comödien erwecket rechte Feuerbrände der 
uukeu-tchen liewegoiigen'* *), ebenso „diu »uffrichteu der iiackeu* 
duu gehauenen Bilder in deu Lusüiäusem und Uürlen, als 
wenn aie der Venas würen zugeeignet' Dabei Yer»chm£ht er 
e« selbst nicht, Toi^oblich zur Abschreckung, si-itonlaog pikante 
Geschichten zu erzählen, was ihm Übrigens nicht ohne Grazie 
gelingt *). 

Ganz im alten Ton geschrieben ist das im Tit«l sich au 
SpaDgenbergs Buch „wider die böse Sieben ins TeuffelsCamöffel- 
^iel" anschliessende „Carnüffel Spiel des Teuffels..."*) 



>) cf. s. 113. ne, IS4. 144, im. les, i8ö. 

*) 8. 84. •) & 80. •) a 157. •) S. Iftlff.-lÖft. 

*) „... Dfiiluroh er all ein TautendkünBtler fielen IL'Ilionwi 
Uenaoben binhuru Hiound, Se«] und Siv^ligküit Hb^ewouneii lial..." 
„Zttm drittennwU gfcdmokt eu (jueillintmrji bcy Juhunii Ockcltn. Im Jnfar 
1W4." — Bn-I. KgL BiU. in VoL mitc^ JlcSSS«. — feblt bei Goodeke. 




OSBOKX 



Ton Cliristian Wnrner. Dieser Käme ist offenbar 
tin FseudoDjii) wie der Tiulzusstz: „Dur sintern roheii 
Welt aoBS Ob r i 3 1 Uc h e r IntentioQ zur treuberzige» 
Warnung beschrioben von Cbr ... W . . . Her h. Schrift 
bedissenem'' neigt. D«r Verfftaw-r battv den Zweck iui Äuge, 
„daas die Dopler und Spieler dadurch aucli. in dem sie die 
Cbarten in der Hand haben, in etwas ihres Christentunibs 
«riuoert vordcu, wahrzunobmcn wie jbncu der Tenffol, wie in 
andern Werken, also auch nicht weniger in dem G(<winn- 
sächtigen Spielen, auf miuicberley art und veise mit dnch« 
schweren, Lii^en etc. nnchsti-lle. Secl und Siwligkcit jbue: 
damit abzugewinnen." Nun foljjt eine durchgefUhi'te Ve 
gleickung, wie ji!<der eiDxoliieit Karte oder Kartenkonstellatioa 
und iliror Dedcutung im KaroiiffeKäpicl entsprechend dur 
Teufel auch eine Karte auszuspielen habe, wobei nebenher 
eine unfreiwillige Anleitung zu diesem Kartenspiel gegeben 
wird. Ein Beispiel wird genügen: „Öloich wie in dem 
CarnUffel-Spiel die PanlTe Bin solch Blätlein tst, damit man 
die aiideni alle erlanscbcn vnd iTwvbteu kun, ilaüs man auch 
das hiichste and beste Blat dafiir nennen darf: ÄIm braucht 
der Teufel in seinem CariillffRl- Spiel unsRre flinff Sinne 
niclit anders als ein solch Blälleiii, dadurch er von des 
^enscbon Seel in allen occ^onen erlangL<u kan, was er 
nur wUnBcht und hegehrt, denn durch sehen, hören, riechen, 
schmecken, fühlen wird der Mensch zu allem h&!ten ge« 
reitaet". 

Das soziale UnglQck des kriegerfültten Jahi-hunderta 
war Boch weit mehr als früher der „gart*nde" Landsknecht, 
der rftubeude Soldat: ihn finden wir in all den gonanntea 
und ebenso in den noch folgenden Schriften ala Änabund 
aller Schlechtigkeit; Moschero^ch gab in seinem Ge-ticht 
„Soldaten Li'ben'* eine um&ngrciche satirische Schilderuug 
dieser Verhältnisse. Es konnte nicht fehlen, dass auch ein 
Soldatenteufel entstand, zumal da Pape und ancli Musculus 
hier den Weg wiesen. Er erschi<^n uoch inmitten des 

J&rmes 1633: „Kriegs Belial der Soldaten- 



iri^H 




Tenffel . . ."') von Arnold Mengering, Inirfürstlicb 
sKchsischem Hofpret^igcr . <)on Kurfürsten von S*clisvii und 
Brandenburg, Jubaan Georg nnd Geoi^g WUb«}n), dediziert. 
Kacb Eraamae' Duterscheidung dea niilcs Cbrisliuins und des 
milos prnfanus — x. B. I>avid [Hx>elistur, ut dcfendikt coelirstem 
ductriuum, JuliuH proelifthir, ut suam dignitatem deleodat — 
setzt der Verfasser in bebagticher Breite die Berecbtigung 
des ei-sterun und dio SfiudliAftigkeit des let2t«reii aus«]»* 
ander, bi-st-lireibt weitläufig in Cap. 6—16 nacb dem Muster 
Rhodes (im Neidt^uiel) die einzelnen Glieder des Soldatenteufels, 
js auch sciao „Zucht Tnd Gkuemtios" und benutzt die Her* 
Ii-ituijg seiufs Dümonen aas der verderblichen Tbatigkeit un- 
gentchter kriegerischt-r P'iirsten aller Zeiten zu omstälidlicben 
Anekdot«nvriiLhlungen. 

Nocb manche der anderen Spezialtvufel lebten wi«l«r 
kof: so Fne<terichs Saufteiifel iu des Halberstiidter Pastora 
Hetaricb Ämmersbach ^Pkitoitopliischem Sauff'Mantel, 
darinn sich der Wollüstige Sauflteaffel verkappet and ver- 
kleidet . . ." ■), Iiauptbitcblicb gc^en Diejenigen gerichtet, welche 
lue uod da einmal einen kleinen fiaiiscb als Ausnahme gelten 
lassen wollen, und die damit abgefertigt werden, dau mui 
auch nicht „ah nnd xu" Mord und Diebstahl begeben dürfe. 

Der schmeichlerische weisse Teufel, der den Itefor- 
miert«n von den Lutheranern schon früher beigelegt wurde, M^• 
scheint io derselben Eigcnschafl nl» Protektor der Calvinisten 
wieder in oinentau!« dem Englischen Ühenietztvu und zuOffeuburg 
ohne JahreszuM orscliieneneo Buche, das jedenfalls demBodedes 
U.Jahrh.an gebört: „Die mitTenffelnbeseaseneWelt. .."')■ 

'> „ . . iMcb Ontta« wort voA gHo^aem Uuff (I«r IcWen Zeit. 

EiofUri; vMi) bUrtilicti «ntwcrffnn rnd bowbrieWii ron ■' Drc«}ra 

ISaS (Wolf S«jff#rt>. IV. _ «00 S.! 

*) Oau Ihn (lit? mhvn und nebern Weltkiii4l«r in tebur 

bunlicbcD uixl gretdicUen Mord-Qmtalt niubt altUld orkooiKti und 
ichctira, •undern für etiivD Bngel ärs [>icbu ballen und anbot«'!!." S. 
Aaäagp 10» n Qa»dliQb<uK Wi Jobüna 0«kdln scdraekt 

•),.... iü drry GcHpriidiua: I. Von dorn loHeelsnen««! Tonffcl. — 
8. V«n KhwMUen T«nfWo. — S- Von weüteu T«uffeln". gr. 8* ISO 3. 



sas 



OSBOBN 




Oline eigentliches Vorbild in der Littcratur di-s 16. 
ist der „Faaas-nuchts Teuffei . . ." des Heinrich 
Lubertus, der «iv Musculus' Hosoiiteufel eine Vorgeeohichtv 
auf der Eauzel hat. Am Sonntag Invocavit 1672 nämlich 
predigte LiihertiiN „dass, solch Fast-nactits-weseti eine An- 
betung dL-8 TeuCTels svy, vom TcutTvl selbst erriiiuleß, und auf 
des TeuffeU Antrieb von seinen Kindern getrieben" (S. 7 
und nm den zahlrwcben Anfeindungen und Verleumdungei 
die sieh infulgodessea vidur ihn erhoben, zu bogegneD, schri< 
er seinen Traktat. In 17 Paragraphen werden die Sünden d' 
PastuBclit* treiben? vorgfifillirlY ihre Polgen nach Art der To; 
gSnger mit zahlreichen Exeni])i4n illustriert, über die- i-r aber' 
nach jedem Abschnitt tn Anmerkungen genaueste Becbenschaft 
giebt. Kam SchluRS folgen noch ü Fragen rein theologisch' 
Xatiu*, die mit grosser Gelehrsamkeit entschieden werden. 

Ohne Vorgänger ist ebenso der 1604 erschienene 
wissensteuf fei". Sein Schöpfer ist der vielseitige Heinri 
Decimator, der Scbulmeistcr und Prediger zu MUhlbausen 
im Lüneburgischen, der neben seiner ausgedehnten tbeologiichea 
und philosophischen Th&tigkeit sich durch aatranomische UO' 
aatrologische Schriften bekannt machte und sicli auch eine: 
Platx unter der Schaar der poetae laureati gewann. D' 
,,6ewissensteufel" ist verwandt mit dem „Melancholischen" ; 
er pAanitt den Metisclien nach den SUnden die nagenden, 
vermehrenden Vorwürfe, die bittere Traiu-igkeit in* Hon und 
zieht sie von der frommen, innigun, Gott vertrauenden Keue 
ab. Eine längere Vorrede ist ganz nach .Tost Hocker's 
,,TeuffeI selb*" gearbeitet, der auch b- als Quelle genannt 
ist. Auch das Theiitrum Diabolurum kennt Decimator (c^, 
0,*, d*), und ganz im alte» Stile ist seine Disposition, seine 
Katalogisierung der schädlichen Folgen, seine Aufzählung de 
alten (Quellen. Als neues Element tritt jedoch die Beuutzuc 
der alten ilyatiker hinzu: am Schluss druckt er S. lS2ji 
„die erbermliche klage Amaudi Seus vom jmmer webrec 
den Wehe* der Helle^ ab, und wenn er S. 150 sagt, di4 
Menschen sollen sich, wenn Gottes Zorn über sie dahia zi 




1 



31« 



WIKKIWÜES Vaii XACHKLAXGFL 



333 



fahren drolit , ,4u die hohlen Wunden Christi verbei^gen rnd 
kric-chvn", »o wisMii wir, (Uss wir Üv- Quelle für die««n Satz 
nicht bei den orthodoxen Spatlutheranein zu sucbou haben. 

Kin kultHrhistoriüches Compendium , ähnlich wie das 
Thoatrum 0iubolurum selbstr ist dits zneifeUos auch auf An- 
regimg durch die ältere Teufel)ittc>ratur i-ntstandene tx^kannte 
Bach TOD Aegidiua Albertinus „Lacifers König- 
reich vnd Soelengejuidt oder Nar renha tz" '), das 
ja »or kurzer Zeit erst durch K. v. Lili<tncroii eiuc Erneuerang 
gefunden liat. I>er weitere Titel zeigt gleich die Disposition 
de« Ganzun: „In 8 Theilen. Im 1. wird )>«»chrieben Lucifers 
KöniKTeich. Macht, Gewalt, Hofhaltung, Hofgesind, Offieier 
vnd J^iener, die Hoffertigen, Elirgeitzigen vnnd Fürwitsigen. 
2. Gc-itzhälHS, Wucherer, Sintonisten, Käuber. 3. Fresser, 
Säuffer, Schwaiger und •i^türtzer'' u. s. w. Dies« Bintvilung der 
Sünder, dazu die Aufzählung von Teufelnamen, die Verkün- 
dignngeu des Wdtuntei^ang», wo S Teufel sieh in die Uensch» 
heit teilen werden , die Drohungen und Knnahnungcn , die 
Vorführung der Rüstung des Teufels und d«r Rüstung der 
Christen erinnern an die frdheren Darstellungen, and neben- 
her läuft noch, wie Ja «chou der Titel zeigt, die alte Vor- 
stellung von den Sündern als Nsn-en. 

Spielten schon in MoM^licroschs satiruchen Phantasien 
und üumal in seinem Eingaag»-Gesicht, das seine Betrach- 
tungen an die Bekomitnisse seines Titelhelden, des „Scheinen- 
teuffels" ankntii)ft, sowie ganz besonders in dem 7. Gesicht 
„Hof-Schule" die Motire unserer Teufellitteratur eiae Rolle ^ 

■) Hiinchen 1616. 
< ! 111 7. Ociicht wurden (nach der Aiugsbe mn 1&60. I, &. 6M 
u 'Tidii.! fol^^uDde Spezialt«iif«l Bufseziblt: „Zepnr, oin Ti^utliil der 
AlMDuiti-kli.-i'lFr und ti[i;:üolitiger Wdbvr," „Buau, otn Touffcl der Z*iick> 
und Mord tue htigcu," „SUlf nu", eia Tcnfl«! d«r VentwtiiTduDii;,'* t^J^'^*' 
ein Tvud'vl d«r OeilLcit." Pogmiui, ein Teuf«! der HoRart; Chu, £be- 
teufe); Furt.», „pliitoMupli-jcbrr Veraunna-TeoScl''; AtndtiHiu, Vcr- 
führi-r dec Oennd«); Fbocoa, Lü^ und Birtruir. DaDobnn neue Teufel: 
,^v&r, ein Verderb-TeuiTel dur guten Künate-g Zogoo, ein Teuffel der 
f&bchvD MüiiHtT, Kipper and Ovldbesclieiilcr; Kuvboeiu, ein TeoEü 
der t'raDiüstsohen Flüobu und QottvaliUtemnt^n. 



324 




OSSORN 



tfi trot die« ebeufeiU hertor bei eincin JCachahmcr des Qus? 
"ndo - Uebersetzers , bei Baltbasur KindermanD, der_ 
1636 geboren, seit 1659 Coiircktor uud mt 1664 Rektor 
der Sclmlc zu Alt-Braiulcuburg war, einem Scbütxling Rist», de 
ihn aacb mm Dichter kriinte. Mit dem Pseudonym Curat 
dor verßfFentlicIite er anter dem Tit«l „MTalirbatfUger Traum 
uud träumoitdc Wahrheit, betreffend don ietzigon iicuvu Uli 
(leut§cben Zmtaiid in gantx DAntscbland*' eine Kopie de 
Alamodekebraus'), und zahlreich sind die Anklänge au Mo 
scheroscb auch in Eetnem .,SchoriBtent»uffel'' *) , «ro 
Cbristiano und Mundano. die wie Dante und Tirgü die HöUe 
dorclischreitcn, dort „ithertriebenü Jäger". Gdüige, Khrgeizigc, 
Undankbar«!, Falsche, Wuchertreihende, ungetreue Nachbarn, 
unchristliche Soldaten, Hurer, „Gottlose Zeugen", Flucher, 
Gotteslästerer, Prächtige und Hochmütige, in einzelne Äb- 
teilnngen untergebraclit, vorfinden, vfibrend aber den Gruppen 
in den Lüften GeiHtcrstimmen in Versen (Alexandrinern) Sünde 
und Strafe der betreSendeii Verdammten verkQnden. 

In diese Spbärc gehört uucbVeridor v. Stackdori 
mit seinen Phantasien: „Barbatos, d. i. der Teufel der Ul 
einigkeit." (Leipz. 1664.) — ' „Eiigor und Permalfar, d. 
der Soldateu- nnd VorzweiflungjAeufel. Zweites Gtsieht.* 
(Lpz. 1664.) — »Belfty, d. i. der Goldumcherteufcl. Drittes 
Gesiclit,*" (Ijpz, 1664.)*). Niir das zweite Werk war mir 
zugünglich : es »teilt eine W&nderoug durch die hülliscfaen 
Beiche des Eiigor, des Teufels der Soldaten und des Permalfar, 
des Teufels der Verzweiflung dar, welche beide sich vereinig 
haben und nun xiisiunnicn herrscheu. Ein Teufel Bellet über- 
nimmt die Führung und zeigt dem Verfasser ein Schauspiel, 
das der erste der beiden unterirdischen Fürsten dem zweiten 
z» Elirfin verajislaltet. Es ist dies eiu Festspiel „der Soldaten 
Leben" (S. 37 ff.), ein Abbild der noch auf Erden oustierende 



■) cf. £rtcU Sckniidt. Im Xeu«u R«Lob. h. a. 0. 
*> Jeu lueu 12». BbiI. KgL BiU. Db 3711. 
■) cf Gtwdeke* U, 4S8. So. 87. Eher l. BiMio(:rapL. WÄrtarh 
onUr „T«ur«l-<. — Exemplttr de« S. Gniolit« io Wolfculüit«). 




SSO 



WntKÜXGES USD SäCHKLäSGE. 



ZuGtändu. Bor Verfasüer getil iu eine umbcrslehende Soldaten- 
bande, und nun wird mit kräftigen Stricliea das wilde Leb«n 
der Krieger gezeichnet, das AirchterUcbe Unglück, das Über 
DeutticIilaDd gekommen, und die t>uti(ctiliclieu Ornusamkeitun, 
welche die zuchtloBen Ooselleu verüben. Altes wird, ganz 
Rsder» wie bei Pnpe oder bei Hengering, mit einer Lebendigkeit 
tmd AuHchunlichkcit geschildert, die »tellcnwt.-i»e uu deu Sim- 
plicissimus mahnt, und aos tiefstem Herzen kommt es, wenn 
der Verfasser bei den Gräueln und ZeraUirungen, die er mit 
ansehi.-n mii»s, schmerzlich ausruft: „Wer hier hüUc ein 
Bteinoru Hortz gehabt. Imtt« doch weinen mSesen." (S. 103). 
Curandor - Kindermann land nicht durch Moacheroschs 
YennitteluDg allein Au»c'lilus<s an die Teuft-IIitteratur, sondern 
gesdlt« sich zu ihren nnmittelbareu Fortsetaeni durch sein 
Büchlein „Die bissen Sieben, toq welcher bent zu 
Tage die anglUeklichen Männer gntu»»mlicb geplagt 
werden." (16ljl) '), iudi'in er hier vieles aus Musculus' Ehe- 
teufel benutxle') und die alte Einteilung der Epistola de 
miseria Flelkanoram Ubenuihm, die auch noch J. O. Zetdler, 
der 8pat«re Übersetzer dt-r Epistola seiner (anouyni erschieoeueo) 
Schrift ^Sieben böse Geister, welche heutiges Tage« guten 
TeiU die Küster regieren" zu Grunde legte*). 

Der eifrigste unter den Naclutbmeru der alten Teofel- 
büchur möge den Hchloss bilden. Es ist Johann Ludwig 
HartmauD, lange Jahre Superintendent in H^tenburg an 
der Tauber, wo er aucli 164" gebor«« wurde und 1684 starb. 
Er beschüftigtu sich viel mit Teufel- und Hexenwesen. 1678 gab 
er eine Sammlung „Nene Teuffel-Stücklein" *) beraos und schon 
vorher hatte er begonnen, die Teufclbüchur des Theatrnm 
Diabolonim teils zu bearbeiten, teils zu eigenen neuen Tr&k- 



■) cf. Uuucker ADB 15, TUfT. Goodecka srwIUiiit die Scbnft aicbt. 

*) cf. Kancno, Lob und Schimpf <le« EbeiUiid«« in d«r Li(ter*tur 
des 16. Jh. Pninaiadw JmkrMcher 99. 

*) H^le o. J. 8«. 

*) Pta&kf. — t". 6 Bogen. Assi^ifrt in des „tJiu»cliuIi%«n 
Ktcbrielit«)" von 17IS S. 9$«. 

1» 



S26 



OSBOKS 



891 



Uiu-u 2U benutzen. HhilaAiiii war keiiiättwcgs «iu geechicktor 
Schriftsteller ; <« oiner hölzernen Dubeholfenhuit im Ausdruck, 
der oft unerträglich iu die Breit« geht, p;€>sellt sich eine Un- 
klarheit iu der Disposition, welche die Plaiiloeigkeit uianclier 
seiner VorgUuger bei weitem überbietet. Dabei hat er sogar 
das He»treben nach einer beinahe achablriuenmäasigeo G-Ietob- 
fSnoigkeit der Behundluitg. Dvna in den Titeln ist stets 
durch den Zusatz, e« solle des betrcffeudep Teufels „Natur. 
Censur und Cur, Mannigfaltigkeit und ÄbscheDlichkeit-' ge- 
äugt werden, eine Ginteilung versucht, und er sagt »vlbst '), 
er wolle die Dinge immer „obvu in dem Methodu uud Ordnung 
rorstellea." Er ist im grossen und ganzeu ledigUcli ein Nach- 
ahmer der alten TeufelÜtteratur, zu deren alten Koxepten er 
gelegeutlich einige kleine Zuthaten aus dem Vorrat der »tU 
genössiscben Satiriker hinzufügt. Dass er einen Älamode- 
teufel schrieb, wurde schon bemerkt, und darin gelaug ea 
Uun noch am besten, selbständiges zu geben ; freilich schöpft« 
er auch hier fortwährend aus dem alten Sammelwerk, aus dem 
Bheteufel (3. 46), dem Hosenteufel (S. 16:^), dem HoSarts- 
teufel (S. 101, 147), dem Tanitteufel (S. 322) und nennt dM 
Theatrum selbst sehr oft^). Sonst aber ist, was er bietet, 
nicht Tiel mehr aU eine Aufarbeitung der alten Schriften, 
«ein Ltlsterteufel (1679) ist nach Porta» LUgenteulVd 
(cf. S, 208), sein Tanateufel') (1677) mich Daule*), sein 
Sauft eufel (l(i7'J) nach Friederich, sein Spielteufel 
(1678) nacbSchildo*) geaibeitet, dei- Schmeichel- und 
Fuchsschwanztottfel (1679) eine Aufwiirmung von Job. 
Rhodos gleichnamigem Buch, sein Uüssiggaugteufel 
(1680) eine Erneuerung des Westphalachen Faulteufels. Sein 
Flui:hspieg6], natürlich dem Fluchtenfei des Andreas 
Musculus nachgeschrieben, bringt wieder mehr selbständiges, 
zumal über die neuen fUratlichen Edikte gegen das Fluchen, 



') Im Lü»t<>rt«ü1äl S. 808, 
>l S. 187, 84». 857, u. n. 

•) Tooxtvufel 1077 (die»« äusb»IjL' feUl bei GoudekeJ u. 1079, 
cf. Taant. Ü. 30, 33, 7S, 84. ") cf. Spiult. S. 10% 114, 11«. 




322 WIRKUNGEN CSD SACBKLAKttE. 227 

unter denen besondei-R ein» nus dem Jahre 1609 eine Rnlle 
spielt '), das d«r Alarkgraf von Brandonborg erlas)i«D hatte- 

Neben diesen Bearbeitungen schrieb Hartmum nach 
altem Hniter zahlreiche andere selbständigeire BQcher, in 
denon i^r seinen Zi>rii Über die schlechte Zeit unter der alten 
beliebten Teiifelsmaske in die Welt schickte. So entstand 
ein „Stafttfi-Teufei oder Anatomie der verkehrten 
Staats-Raiiion", ein „Privat- Interesse-Teu fei" 
ein „Schrairalien-Teufel" und der Entwurf za einem 
„Präcedentz-Teafel".*) den er am Schluss des Tanz- 
teufel« abdniciceu Itess. 

ünj die Wende des 17, Jahrhunderts Terschwindeu die 
Teufelbttcher vom deatechen Büchermarkt. Der lutherischen 
OrthodoxiC) aus deren Heihen ihre Verfasser samt und son- 
di-rs stamniteiif war schon lanfce der Pietismus wirkaani ent- 
gegen getreten; das grobe Geschütz der Polemik Lutliers und 
der Seinen, die Waffen der „aristophanischen" Jahrhunderte 
waren im Verlauf der Zeit so völlig abgenutzt, doss sie nicht 
mehr xu brauchen waren , und der trot2 aller Macht doch 
schon sinkende Teufelfiglaube der Zeit bot nicht mehr recht 
die Grundlage Hir vino Litteratur, die doch aus ihm enUtanden 
war und immer mit ihm Fühlung behalten hatte, wenn sie 
auch immer mehr und mehr von eigentlicher DSmonologie 
sich entfernte und nur ihre Biichertitel von dieser borgte. 
Das Befremdliche, das schon um 1700 bei der Lektüre jeder- 
mann empfand, zeigt am besten Zeidler, der Übersetzer 
der „Rpistola", gewiss ein unverdfichtiger Zeuge, wenn «r in 
der Vorrede achreibt: ..Man rauss sich an die Kedensarten 
nicht kehren, dasa die lieben AIt«n ho einlUltig gewesen und 
allem, wie es ihnvn ins Maul kommen, Teoffel geheissen, naob 
dem Sprüchwort: homo bumini diabolus. Was mich anlanget, 
fürchte ich mich weder vorm Teuffei, noch vorm grossen 
Mogul." Die homiletische Bedeutung der TeafelbUcher aber 

') 8. 158 ff. 

*) J (ich er fuhrt noch einige Tcn(ol(«hriften de* Roteaburfrer 
SttpHrinleadcnten an. 

15' 




238 



OSBOfiX 



333 



8C:iiiltr,te mnn selir wobl noch , und in einer Anzeige des 
Thetttrnm Diabolorum iu den „Unschuldigen >'AchricIiten** 
von 1713 heisst es (S. 76): „Ist ein s«hr nützliches und 
löbltc-li-wtlrdiges Werk, in welches vieler goUseliger Uänner 
Schriften wid«r allorhacd im Schwange gehende Laster za- 
sAmmen getragen sind, daraus ihr Eifer vor die Gotseeligkeit 
iihztmehraeu ist uikI Pn-diger viel scbBn« CoUectanea und 
Argumenta wider die Sünden der jetzig«» Welt nehmen 
können." — ein Urteil, das noch im Jahre 1745 Johann 
Heinr. Zedier in sein Universnllexikon aller WissenRchaften 
nnd KSnst« unveriind«rt aufnahm,') 

Indessen der Rint)us.s derTeuMIi tteratur war doch vorllber, 
nnd CS ist Minor wold kaum zuzustimmen, wenn er noch oine 
unmittelbare Einwirkung auf den jungen Schiller für möglieb 
hält'). Nur die Namen der hüllisnhen (Gesellen blieben leben, 
sie bOrgerten sich ein und wurdeu fa festen Bestandloiteo 
des dentscben Sprachscliatzes '). Darin benibt neben der 
knlturhintoriHohen Leiatuntn das dauernde Venlienst der luthe- 
rischen Schriftsteller des Theatnini Diabolorum, dass sie neue 
Worte prägten, die noch nach drei Jahrhunderten volle Gel* 
tung bwitzeti sollten. Sie verstanden, der eine mehr, der 
andere minder, aber doch alle bis zu einem gewissen Grade 
die bewundeniswerte , uns nahezu völlig verloren gegangene 



Bd. *». Sp. 468. 

*) Uinor, Sdiillar I. 17Sf. bei 6«lctrenh«it <Ict Qi-spreohuD;; des 
verlorcDcn <ir.<liclita „TriuinphgtMSDfT der Hölle" (üocdoko 1, 116). 
Schill«p war von Craae beeiiifiu«»! (cf, VinrteljaliMchr. f. LMi. II, M4 
Änm.), dnr licJi nach ■ieni ka(boH»cIicn Teuft Im luWcibcr Johitnn Jotr|>h 
{4>tiii<tr (Roashnff II, 4ft5ff., Adelnu^, Forlwlrg. m Jf.ohnr H, lM7f.) 
Hpct«r OaMner den Jünger«a* ii&niite und uator dieM'in PRoudonyro ein 
Buch .Gallerie tl#r Teufel" 1776—7 »olirioli, da« SoLlller lekr gern Ins, 
nad in d«iu allerdiusv cinu oai dun vtiudo«n perwnifiKierteu Senden 
tuMmmeugeaetxte tcuäiadbu Fnmüie aur Blm!kri)ergveTtafntnlang ridi 
einfand (1. Stück. S. l^ltf.)' olme dat.i rann jedooh Mnoh bier an einen 
direkten Eicflun dM Ift. Jh. glauben tnuntr. 

•) cf. Duell. WSrtorbnch IV, I, 8.3828: IV, II, 16t«; 6fl3; 1964; 
V, 1082: VI. IS89: Vill. 188«; XI, 276. 



324 



"WIRKUNGEN UND NACHKLASGE. 



229 



EtiQst ihrer Zeit, mit spielender Leichtigkeit Abstraktes za 
Konkretem, ünsionlicheB zu sinnlich Greifbarem umzugestalten 
und durch bunt« Bilder, durch lebendige Personen, durch 
fassliche Verkörpemngen zum ganzen Volke so zu sprechen, 
dass jedermann sie verstand und jedermann seine Freude 
daran hatte. Hente noch, wo der Teufel seine lange mächtig 
behauptete Stellung im Leben des Volkes, im Kampf der 
Geister und somit auch in der Litteratnr Terloren hat, wo 
uns die Anschauungswelt des Reformationszeitalters und seiner 
Henschen ganz und gar entschwunden ist, leben in unserem 
Munde noch die Teofel ans Feyerabends Rieaenfolianten. Auch 
sie legen Zengnis ab von der Übermächtigen Sprachgewalt des 
16. Jahrhunderts. 



Nachträge. 



Zu S. Sl. über Sp&Dgenber;i «icbe jetrt kuch Edward ScbrSder In iet 
Ai\t^m. dtROh. BiogT. 36 (18»S). 87—41. 

Zu S. M. Üher Sig:>ii. Feyerub«u<l cf. die Uonogrkphi« von Htimr. Pall> 
tnaiin (•> Arclur für FTknltTurUT GMobichte u. Kuiut. Xeu« 
Potffe VII) 1B8I. 

Zu S. 4S. Za dem Olnubcii, di« Hölle bilile nnh erat rmch dem janirstcii 
U«Hcht of. nuch d*i vielgclesene ^Frirlaliciuni fiiioi' dea Alfoiuiu 
de Spin» (Koriiib. 1494. 4". Aiilon Knliprgsr. Jlcri. KrI. BiW. Do 
29Ö8) B!. CCLXSIVf.: De bnbJtWit'iie UenKmum jiort cMnni. 

Zu S. 71, Anm. 4. Übni- Hu8a«u*' Leben cf. ndch Leuckfeld, Hi«tori« 
$pan^nbpr(ten«ia S. 54 Äuiu. ^gji. Ein Brief dea llinisterium« 
ia Giilebeti vom 15. Juli Ifi76 bewutit seineu Tul in dimeui Jähre. 
Dm» er niuht t&8S ^tRl^rbeii sein kann, wi« SchimmetpffTUi:^ be- 
hauptet,' Migt schon der Titel doj Spekulation i»uben TeuCeU; 
„.. durch D. Rim. HaiHcum Selig beschrieben 167*.' 

Za S. 81. I)c.r Tcnfel alfi Kriinder des SpteU; „lAtnberti D^no«! in 
Acndvmia Ln^clnno Bntftva TheiiloRnne Profetsoris olim Cclebi^irimi 
opn«oulft omnis," Geuerse 1«64 (Üerl, Kgl. Bibl. Bf (iSli Vol.). 
De luilo alea«, X. (8. 814—82), 

Zu S. M. Dflr TeHfel liebt den Tum: cf. Hnns SnchB, „der Tcufffil 
racht ihm ein BuhMfttt auf Erden." (lAU). Der Trnfel kann c» 
nirgend» auf die Dauer aushalten, weder bei Hof noch bnini Biachof 
noch auust irgendwo; da kumiut er au einem Tantlioden vorüber ' 
und bMohliatat, dort zu bleiben. 

Zv 8. 104. Anm. £. Dir Nürnberger itat itIöjitI Verordomifen geeen ^a 
lÄiM. cf. Alwin Kc:h»lti, Utich. Leben ira 14. uiu) Ifi, Jh. 8. 88S. 

Zu S. 118. Anm. 6. „Doktor Sieniann" im SpHuhwon cf. U. Friedr. 
Petri, Der Teutschen \Vei»beit. Hamburg lß06. II, l&S (Beri. 
Kgl. Bibl, Vd lü'lü.) 

Zu 8, 11», Di« Weiber werden nach Lti«teni eirig«**ilt in Geilen Intcr« 
prvlatiun de» 84. oap. des Narre usthi II* (.Von li6»nn Weibern*) 
cf. Schcible» KIusUt I. 678, 

Zu S, 123. Zum Uureutrufcl cf. Haui Sachs, Comedia. darinn di« 
OJittin Palla* dl« Tuftend und die Göttin Venne (tie Wotliirt vitr- 




Zu 



Zu 

Zu 



Zn 



Zd 



331 



Acht (1530). Hier endwint S»tan >la Diener der W«Uust vor 
Karl» V. RioliUrrtlmin. 
S. 189. Anilr. HoppenrodK Heimat war nicht, wie JöcImt and 
Zedier melilcQ, HcolulaJt, loudeni Hetttrtedt im i1iuiiifr)ili*>:hcn. 
Kr «cbrieb auch eioe kleine Chronik dieeer Sudt^ .KiirUar und 
cinTmltigar Bcriclit von der Stadt HettaUidt. In 18 CapiUl ver^ 
GiMct, uml Anno 16<S4 xuJMiniiicn {«traKcn durcji Anilr. Hopp^B- 
rodl" : Kodrxickt nrnt i» <lcr ^diplonktHcheti and carieuMD .\acli- 
Iwe d»r fliitorio loa OWi^HacbMn' bsniiug. r. SohSttgeu und 
Krsyii«. V (1781). S. 60-i«i. 
8. ISI. Hermann Stntck verttb Min Amt alt il«r B«i-gkirohe muf dem 
ChrietcDbers wl^ bo^ oebeabeL £r war (nftvb Strieders bewiiKiher 
Oelehrtengeachicbte) um 1S53 auU wohl auch uoub I67G Prodiffor 
mUalicilbBUMaWiUlU'burKier ttarb, SSJnbreall, am IS.JunilfiSa. 
S. 813 (ieiifl ta S. 290f. 

S. aSOf. Ein ,Tont«.-h.FrmDtjiö«iwh«r8(ililaten-T*iiff*.l" befindet »icli 
auch, wie mir Herr Dr. Boil« *o«beD in leuter Staadi» uilt«ilt, 
im Ui»e.-Bd. 0^. 841—60. 4" der OrositiereoKt BibL lu Weimar. 
Sein VerfuMr iat JL S. Z., der Anoa>-mui des .TeuUdi-Franteö- 
uaohea Alaroode-Teufffln," 
8. liSS. Der voDitändiRr Titel den KuDnacbtt.tcufdii Inntei: ^t'niua- 
■aclita-Teuffol ' da« i«t: Kurtaer r' doch SchrifTtmiariiror ünt*rricbl / 
du* dsa FaabnBcht-io)iwmiiaa / S*uf)«R I TantMin / HwQinb lauSen / 
Bmmi «tc- niohtei acdcrea als wo» liaidniicbo und fchKadlicbe 
AnbtURg dei T*ufl«lR kj. Wobey fUnff Frag*» IcSrtiUch er- 
6t1«rl und hiudeu aii^e»eti^et. Alli^ lu GoTto» Ehren und B««Reruug 
de« NiK'hiit«[i aus 0ull(.-8 WuTt HulTi viiifitlli^te eutworfTen Von 
Henrio. Luberltn Paitur zu Bübleodorfr. VerlegU Ulrich Wet- 
•teiny Buokhündler tu Lübeck. Anno ISIS." 1«°. ISO S. ExL-mptar 
in der Heraojcl- BibL m Wolfenbültel (986). 
& SSa. Der rolbülndi^ Tic<^ d«« arwi*fen*t«u(cU lauli^t: „Ue- 
wiMeMt«nffel / da* int: £inbllif[«r vnd tiründlichtT Uericbt von 
dem aU«r «rK^irecklicliaten ' Or«wlich«t«n / vnd gronen TeulTel / 
de*Gewia*»D*Teufl«li' und deMelbigen Grew«U wie er die Uenachm 
'rerbleode / vud liatiger weit« in aUerley Sünde •ruA Scband« 
lUhre,< md uauh begaiig«a«r Suade / Jhn«n ■<» der Fll«|^n eiuen 
groeeen Elepbanten mache / vnd aie also io Ang^t vud NoUi, 
Schwcrmul viid Hcrteeleid ( ja ofil In Vcr»v.-oifftluug vud Ver- 
(«jpuiK bi-inffc ' vnd alao wol endlieb in« cwik« Vurdcrbou ritd 
Verdamni« ntürtse r an* h«ili][<*r Schrifit xuaammon )(<^*(Vea ' vnd 
durdi vtel« denkwürdige Hitrtorion «rkl^ret. Durch 31. lienricum 
Dicimatorvm Giffliomenaem F. L. (.'am ((r>t>a et privilotni« etc. 
Zu Uegdeburgk bey Juliaun Franken Buchfiihror. Im Jahr 



98S 




KACHTBAOE. 



ICOi." (Im WoircnbUUeler Mi>c«U,-JlHnd Ül. 177 Tli.) Über 
Decimfttor cf. Zedier, UDiTon»ll«x> VIl, 919. Brwar ,^iilli«n«cbBr 
Tlieolo^s tu, UUhUiaiLMD uiul Giofliom un Lfittcbut^gitdiM" und 
Um» uMilirere Si:brirt«ii dru<:k«ii. 

Zu S. 2^4. Der vullotSodiKU TiUl dca ^ QMiofatB" Ton Veridor 
V. Stnckdoni Uu<«t: Veridor» »on SUckdon» Eltgor ond rcrtnal- 
far, dal iit der Suldutcn- und Vprz«einuiif[B - TcuJfcL Zwoj'tei 
Gssicht. Dkrinn«» din iirauBamknit der Soldaten / and ilir Vfüveaf 
wted«r dia auiobuldig« Clirtat*B wir d«nn audt die PeiMo ' jlirer 
V4rt«iiff«)t«ii Ht'ri/^n / welche sie deneu Meiucheu authun ,' neb«! 
«Iner Bmhluag d«a h&llUuben Soldateu-LebL-tii / dftrgMtdlel wiid. 
AUeo Chriitllebea Soldakai die Grausamkeit zu metdMi ' jtir* 
Omriateu lu belncliteu / und mehr auff Gott/ Jruonderhcit m 
dieeer Schwer- und bctrSbUn Zeit/ al* auff jhr matwilli^ee 
Flei«obf uml woniKu Uowall,' welche jhnen zugejiebon wird/ tu 
«eben: Auf da» hieram ; jbnca der Himmel beliebt nnd die HiMle 
vcrhaHt werde/ boehniitzlich und ergwUlicb (u leieii." Letjieig. 
Gedr. bni Job. Erich Hdliuer. Iftü. lö". 

Zu 8. 237. Zu den Urleilen über da« Tbealr. Diabol. cf. tooh die An- 
teige dee HoHeuteurels von IBSO in den uuBohnldigcB Naelirichleo 
171&. S. ItOBf. S«lb*t bivr icbeinl dnm ReMniettten. „wie die 
Abeiubt do) Autoris gar gut gewcaoQ «cyn in».g," ,^U H^ er im 
EüCv UnneiUD allxuwoit gpgangen," 



I 



Register. 


<•. N. — liehe ^ÜKblrisc"). 


ÄgrwoHi, Stephan, d.}. 187f. 


Docimator, Hctar. 9M. 


AUmodetenfel 21I-1S, SS». 


DenUdilaad SS. 76. 100 L, 103. 


Albtttinin, A«fpd. 68, S98. 


l«8f., 184 r. 


AlaxM, Willili. 816 Ann. 4. 


Itouttcbe LitlenUir 181 f. 


A11«f[orie Sff. 


— r Teufel 1 ff. 


AmlMch, Heleluor Mf. 


DUblerius 4. 


AuuMnbftdi, Heinr, 9St. 


Didaktik 7 f. 


' Annkriot«n I80f. 


DrabitiuK, I^urcnlitu S9f. 


A^moiii lai, ittr, 1»»?., sosf. 


DnmiA. xviAl. 4, 7.», UA,4, ISff. 




DUrer, AIhr. SOA.S, 48 A. 7. TOff-, 


Ibinateuh) UfT. 


7aA.<, S3A.S. 


Bauernkriege 18&, 




Berthold v. Rce«iul>iiTs U. 7&, 180. 


Bbrlitleratnr 66, 118 ff. 


B«ttelt«tifel IM, 166 ff. 905. 


Ebetoafe:2fl, 116 ff, 198ff.,S06f..SS5. 


Bibel 8. IS9. 174. 


Eidt«afcl IMf. 


Bildende Kunst 9 ff., Mf. 


EOliBger, Job, S9fif. 


Birck, Tbomta SM f. 


Eiigellitt«r«lur t»7. 


, Blrakcaburir, Alt», v. 67f. 


Enlstehuug d. Teufellitt. 8 ff. 


Bü>oh«n*Uin, Joh. 85f. 


Eptatol» de miaeria Pleb. et Cur. 


Bocktpiel ISS. 


17, S3. 80, 196. 


Brant. Seb. 16, 74, 7A. 


Emmtu 67. 70. 91. 


Br«ntiu«. Joh. (U. 


Sxorcitmu« 54 ff. 


Briefe, »cberiJiafl« 77 ff. 


%b, Albr. *. 118. 


Brumm jlleai, Cup. 91. 




Baohh»ndel M, lOTf. 


Fab«-, U(^ 139t 




Pkbridiu, Andr. IMff, 


Chryieut, Job. i8f.. 61, M, 100, 


PMtMKhtMpiel 4, e, 114. 


147 ff., IM. 900 ff. 


FtatoMbtiteufe) 94 f.. 89 f.. 89S. 


CompoBition lB7ff, 


Fuiltoofel «sr. 


Coulwini 188. 


pMWUpiele Soor. 


Cnniidor SM f. 


Peyerabead. Siegn. 84 f. (i. N.), 87 ff. 




ISS, 140, 197. 


IWiiiotiolofn*chM 41 ff. 


Fkefcart 89, 74. 140 A. 8, 183, 


Danle, Floriui 83. 


197 A. 9. 



^L £^HHHH 


^H 334 REOISTEB. 839 


^1 Fincber, Joh, Riia. 90« C 


HaboriniMi C*«p. S7. 


^M Flucht^ufel 9», 00 ff., 301t. 


Hureateufel l^ilSir. (*. ^.). 300. 


^H Frnnck. Srb. ßtt, 161 1'. 


Halten, CIr. 78. 189. 


^H Fruuzösischa Lilt«ratiir 4, 9, 83, 9S. 




^M Fivud. Uich. il. i. 318 (T. 


Jagdteafel 38, t&Sff., 198. 


^H Friedoricli. Uattbeu« £6, 76 ff^ 196, 


JÜQ^m Oerichl tlf., 184 ff. 


^H SO? f. 

^^1 Fruichlin, Nicodeiniu SOI. 


KarnCflelipi«! 93. fSlff., SlSf. 


^M Frey, Herrn. Heinr. Uf. 
^^H Fuulii>BL'liweutz«r OSff. 


KialiDAnD, Heiur. SOI t 


KiDdermaan, Bnltfa. S34f. 


^^B Funckelin 15. 


Kircbentiti) 7, 130 f. 




EltMtSL-be Iiittenitur 177ff. 


^H fi«rtet«afGl I&SIT., S0$. 


Kleider-Ürdnucgeu 9&. 


^H Qciler r.KAuenb.fJÖ, »1, ISlf., 169. 


— , Pluder-, Paiuf n. Krau«>Taufel 


^H Geitteuf«! S7. 66, SOS. 


104 ff. 


^M Gelehrter Teufel ISS ff. 


—predigt 107t 


^^H Ocnnep, Jasp«r v. 13Sf. 


Klu^i-r Teufel IJWff. 


^H 0«richUteufcl l&4f. 


Kulros, Joli. 15. 


^B G«sbdot*[iIcl IS^ SI7fr. 


Krauitcufel 36. 104if. 


^H Oewii»>en*l«uf«l 3i2. 


Kriegsteufcl 807. gSOf. 


^H Olaacr, Petor Ut4f. 


Kunst 9ff., S19. 


^m Grobi&uiadhMfiJt, 118 IT., llSff^ IBS. 




^H Oruner, Oktp. S5. 


Liunpre«fat von Kagontburg 14. 


^^H 


L>»'l»kii««hte 97. (88. l&7ff. 


^^H Hnmelmaua, Herm. 41 f. 


Lang, Audna» tiaft'., 176. 


^H Harlumuu. Juli. Ludw. S18, S25fr 


Lfenge, Joh. 81 f. 


^^1 Htmeu-Jagd u. Ü. ^>(. 


Liiiipriciua, Doiubiic. 186f. 


^1 HauKteulvl S^, äR, ISOtT, ä06. 


Litteratur 88, 68. 


^H Uttyncccius, Uarc. ÜOO. 


Luberluii, Beiur. 8S8. 


^^m Heinrich v. Laugensteiu 77, 


LiiKcnleufcl efiff., 32S. 


^H Heinnch v- Mi^lk 13. «6. 


Lntlier &tf., äSf., 86, 37, 66. 68, 


^H Hexeaprozi^ssu 17, 46, 81. 


TOf., Ö7, 118 fr., 148. US, 


^B He;l. Kluge- n. (VI.-Tl-uM ISSfT. 


170 ff., 180. 


^H Hocker, Joilocun 41£r., iiff. 


Luthertum 81, ITSf. 


^B Hölle 4» (■. N.), 46. 




^H Hoffartdeufel lOSff. 


StKrahen 183. 


^H HofleWu U«. 


UAr^lalWr, Cbriat. 148 ff. 


^M Hon«ufei aa. :i4, S6, 88 A. i. 61, 


Mauriciu«, Georg. '1. £. S06f, 


^B ins. 19&, »OüfT-, SOSf. 


Uechtitil V. HuLgdebg. 14, 


^B Holachiiitto 84. 88, «7, 78. 60, »3t.. 


Mediiin 50t. 56, 188, 176. 


^B »7 f., 134, 167. 184. 


MuUnchoHicber Tvuf«l 88f., 70ff., 


^B HoppeDrodt, Andr. 188 f. («. N.), 166. 


SS3. 


^B Hnientcufel S9. Oeff., 195. Sllff. 


McitAKiiii, Philemon 8l9f. 


^^^^ HniiuE, SUniaL lS9f. 


Mcagcring, Arnold 331. i 





Uerckcr, Andr. Tbeob. M. 
HMMnohinifIt, Gwtrg F'riwlr. 19. 
Uilicbiu«, Lixlw. 49 fr, 9K. 145 ff. 

Uod* 26, s9. 96fr.. anir., n». 

USndi* ISBt, IftSf., aoi. 

UardteuTcl Sä, 119, 9». 

UoaoheroNh Sil, ÜSS- 

Müller, K>ler SIO. 

UuHiieuti. StmoH 98 f., 70 IT. (*. N.) 

Muiculu«. Aodi^a« iSB, »3f., 66, 

BOir., 98IT., lUff., las. 169, 

194 f., 318. 
MytJioloKiKbi-« Ht. töf. 

Siii, JubKooe* 19« C 
Naojjeorß. Thom. 160f. 
XarrcnliUcrntur IBff. 
^^2<«tdt«iife! (Neidharl) £9 ff. 



I a 



Obenhto. Christoph Ifi6f. 
Obrigkeit t-lSff., 191, 
Öffentlich«« L«beD 145 ff. 
Omiobio), Fnnsiio. SOOf. 
Oauider, Laca« 108, 106 ff. 



rkpe, Ambra. 159 ff. 

'■prttnu 4«, ISI. las, l»7tT. 
Fuqulllui 183. 
Peatücnxtctifirl 161 ff. 
Pf»rr- nnd Pfrümi-Boicbn .-Teufel 

143 ff. 
PßngMteafel ISO- 
PiM IV. 13* f. 
FltuterbiMen 29, 95 IT. 
Pulllourins, Job. 67. 
Port», Cmr. 65 ff. 
Pntotoriu. Ab(Uu ST. 
Predincrilaml 64f., 144, 192f. 

^P Ratz. Jkcob 88 f. 

f^ Rebiiw). Paul 84. 115. 116, ITOf. 

I H^inbut, Job. 907. 

I Rhode, Job. Uff. 

I RiatTnldt, BortlioUim. SO$f. 



2Sfi 



Skbbfttbitenfcl US IT. 

Shoh«, Huii 90. «7. 88. 117, 118 

A. 7, 1^1. 148, 1571, 181. 
8Bcraro«ataliHi(el 141 ff.. äOll 
SarcerivM, Brwmn« 34, B9f. • 
S«iu(Wufel S3, 29, 75ff., 11», 195, 

1W6. SSI, 2-J6, 
S«iir, Abraham 153. 
Säur. AndreuH 806. 
Schililu, Eu-iUiL-b. 80ff. 
Schiller »28 A. lt. 
Solmieichcltoufel 60, 62 ff. (Rhode), 

«4 f. <Fnj), S2S. 
Schmidt, Xieol. 80. 114, ll8ff. 
Scbnriiitcnt«ufc1 224. 
Schn>pt«afel 145 ff. 
Schubart. AdfttD 190ff. 
ScbUt«, Job. 140 ff. 
3chiüt«Dr«l 200, 306. 
Schupp, Ballh. 218. 
Scbwirs^iiberg, Job. t. 7Tff.. 181. 
S-^üM H^lbliut; 14, 16 A. 4. 
SelbatiuSrder 48. 
Sieben, BSse, in> T.'v Kmn. 181 ff., 

219 f. 
Sienwnn, Oootor 117f. (i.N.), 121. 
SoIdatenteiifUSaOf. (i.N.), aa4f.<* Jl.) 
Snrffcteufcl ßSff. 
Spangcnhev^, Cynacur 81 ff, (a. N.), 

ß5, 108 ff., 123, Ue. 131 ff.. 

I52ff.. 15B, 195. 

— Job. 13». 

— Wolfhirt 2031 
SpeoaUiioitiiKher Trufcl 72A. 1. 
Speocr 214. 

Spicltcufnl 61 ff. («. >'.), 202 ff., 226. 
Stutateufcl 200, 227. 
Stftckdoni, Vnridor v. 224 f. 
StaphytuK, Pr. 1361 
Stil 172 ff. 

Strack, Bern. 161 ff. (i. N.) 
Stratagema Diabolicum 3(09. 
StraaH. Job. 10811., SUf. 



n$ 



REaiSTZB. 



831 



Suchenwirt, Feter 14, IT A. 1. 
SiiiideD und Laster 6TS. 

labakteufcl SIO. 
Tajizteiifel 88S. (». N.), 336. 
TeUelocramia 101 f. 
Tenfei Iff. 
— bannen 54 ff. 
— briefe 77t.. 80ff. 
— einteilnng 47. 
—glaube 186 ff. 
— '■ Karnöffelspiel 83, 53 ff. 
— litteratur 7, fl9f., US.. 39f.. 59, 
310 f. 

— — Entfltehung 8 ff. 
Verbote 196. 

— — Vertreitang 34f., 197f. 

— namen 16 ff., 228 f. 
— aelba 41 ff. 

— azenen im Drama 4, 16ff., 114f., 

198, 307. 
— 'fl TjTanney, von des 29, 63 ff. 
Theatnim 86 A. 9. 

— DiaboloruiQ 86 ff., 59, 229. 
Theologischer Teufel 1B7, 



Theologiiehes 12B— 144. 
TrJQklitteratnr 251'., 74ff.. 228ff. 
Türken 167 f. 
Tyranaey, V. d. Teufels 39, 63 f. 

Cniversitäten 126, 186. 

Tolkslied 7. 88, 97, 188. 

Wagner, Grejtor., v. Rössel 102. 
— Tobias 217. 
Wald, Georg am 164f. 
Weckherlin, &. Rod. 118. 
Weiber, 10 Teufel der unartigen 

30, 118 f. 
Weier, 46, 51 ff. 
Weltuntergang 114». 
Westphal, Joachim 93 f., 108 ff. 
Wirtsb ausleben 74 — 94. 
Wucherteufel 57f., a08f-, 206f, 

Zauberteufel 48 ff. 

Zebn Teufel der unart. Weiber 30, 

iiaff. 

Zeidler, Job. Gotlfr. 195, 234, 2ä7. 



f 






ACTA GEMANICA. 

Organ für deutsche Philologie 

VLin 

Rudolf Henning uud Julius Uol'fory. 

Band lU, Heft 4. 

Die Mondsee- Wiener Liederhandschrift und der -Mönch 
von Salzburg. 

Von 

F. Arnold Mayer ud^ Heinrich Rietsch. 

Erster Teil. 



--H»^*- 



Berlin. 

Mayer & Müller. 
18«4 



Die 



lOBilsee-fiener LieileriianilsGlirin 

der Mönch von Salzburg. 

Eine Untersuchung zur Litteratur- und Musikgeschichte. 

Nebst den zngehArigea Texten 
aus der Handschrift 

und 

mit Anmerkungen. 

V.m 

F. Arnold Mayer und Uclnrlfh Bletseh. 

EnUr TelL 



•4-51 



Berlin. 

Uayer & UUlUr. 

1894. 



«t*« 





Pllr dcp Baobblnder lipfiniki aich nine Anweiiuuj; anl K. VI. 



Vorwgrt tind Inhal t*TM«cichn[« m der tn ibretn enlm Tdle hier 
vorli*!^«U(l«n Sclirift folgt mit dorn EvrsiUu Teile. Di«»er briniri kucli 
ein volUtüDili^rg Veneicliuii> Jer AbküncungM. Kintweilnt fc^nüge 
eine provisoriicbi.' ZuBUicmviiBlellmig. 
Acta (irnn. Ai-t« Ucnntmion. ßorÜn 1690 01 
ADB. AIlgi-mciDc di-utKlx- Binin^pliic. [ii-ipiiK IB75 fT. 
Ad. Bl. Altdratwlio ß1i(it*>r Ton ITaopt n. iloffmAnn. Lripnx 1837—40. 
AI. Alejn»iiiita. Bonn 1878 fT. 

Ambrot. Ambntt, Oticbioht« d«q- Uunh. *L«ipt% 1S80— 81 (II— IV). 
Ampf. oder Aoipferer. Über <l«ii M<incb von Salzburg (Progninm d. 

h. k. SUuls-Qvmiiaa t in SaUburj; I8M). 
Areb. r. E. fi. 0. Aroliir fiir Kundv Österreich. 0«4cliiRht>riurll(^ii. 

Wien lB43m 
Anh. Hs. (itn ücsRntutx r.ti Wnr. 111.^ d. i. UaadtcJirift der Wtcnnr 

Hcifbiblioth«^). & lt. 8. &e Änm. 1. 
B. Beltr. Bkrtacli, Hi-itriijie tur l^uelUnkimde 0. nlt(iout*cben Iiiteriitiir. 

Strsuibiu^ I8SS. 
ß. Cat. BartMih, Die klldeuUch. Hiinil>chrill«n d<r UniTPn^.Itiblratlieli 

1d Heidelberg, Heidelberg IdST. 
B. fir. Weinhold, Biiniclii^ Grammatik. Berlin 1867, 
B. 1_ Alldeuttcbea Lifdi-rbucli. Von BÜhme. Lä^äg 1877. 
R. ■!. Hciitcrliedur der Kolmarer Handiobrifl. Eng. v. BttHtcli. 

HtuUifkrt 186S. 
Burdkch Kelnni. Biirdach, R«ininAr der Alte n. Wsltlur v. d. Vognl- 

wttd«. Leipzig 1080. 
Cat. Catalogtis codloum anuia leriptor. bibliotbecae rogiM Honaceiu. 

MoBMliti 1875 IT. 
CB. Oarmina Bamia. Hrtg. r. SdwelW. *BrMleD 1888. 
DOrklier. [Düi-kiT (Diiokber), SalttbnrttiBolic ChrotiiLA. SaUburs 18611. 
ICnfclm. ('hnn. UnKlnAiT, Knn« Cbronik v. Itud.iiudt. SaUbui^ ISiQ. 
KrlO«iiii|[. Di« Krlmning. Bng. v. BarUtiii. (t<""l'i"biir(; 1868. 
P. A. FrSDkfurliacbe« Archiv f. IHer« 'leutM^he Litter. Hnjf. v. Rahard. 

Frankfurt ». H. 1811 ff. 
Palke Oewli. FKlke. Oeochielrt« de« furttl. Hauam I.i«dhtenitein. 

Wieo IM»«. 
F> L. Da« Pr»nkfurt<'r Liederbofb, hnir. v. Bcr|[niann, StnttRarl 1846, 

n. d. T.: D«i> AmhrxfT J.ii'a<-H>ucb v. Jnhro 1S8S. 



rv 



Ovrin. Germanin. SlntfKiLrl (Wioii) ISUIT. 

Gcrin. Stiid. ()<iriiiUNi<tii<:h<' Stinlicn. Hr>i[. v. tiurlwh. Wien 18TB— 7S. 
den. B. (i<^rviiiu>, (iDscliichtc <l. dciiticbon Diclitunif. " LripEig IS7I ff. 
6. G, tioedek«, OriiudriM n. Uo^hieKt« d. di^uinchvo J>ic!htuDt;. 

■Dreaden l«8<ff. 
flcllas. Gollu. StuiJetit^nlipd«Td.tfttteUHf.VnnL«i)rtner. Stutl«»rtllt7f^ 
6, ÜlwL H. tieriu. Ktud. 

H. F. FutidicniUu. Hrig. \. Uoffnmoii. ümlnti 1880—37. 
U< HS- Uauii^. Uermnuiu ;<ucrii. Aui;. Vind. LTäT ff- 
H>II. Licdirrbnch dnrCliiruHkltloriii. Hng. v. UalUu*. l^uuilliiiWrg liJW. 
B. £•' U. K<* ilotTmnnii. l)r«cliiohtR il. donUclioii Kirdiculicdri, 'Brenlku 

1832, 'Baonovei' 185«. 
H. V> Holüiiftuii, Venwioliui» der alKlruUch. Hnndtchrifteu cior k. k. 

HofbibliolWk »u Wio». l.--ipzi)i 18*1. 
Kb. S. BühiD. Di« Hkadschrifle'i <un»-. (u. S. 68 Arm. I), & lift iniiw 35«: 

A'amnKTfrücAfr <lo» £rNt^ Salzburg. 
Eiriin. Jbt. KIvtiiiiLjTii, NavbricUtHii v. ZmUiiili.' d«r Qugeadetk u. Hto<it 

.luvikvift. Sftiiburii 178(. 
E. n. Kubcrttcin, Orumlri» der Qe»olticiitc d. d«iil«ohuti National- 

litt,rulur. ^Lvijuijr 1872 ff. 
KnDimcr Wild. M\p p(>cti>i-h. Kriähliinccii <Im Homtud v. M'ildanw. 

Un%. 1. Kummer. Wum I»80. 
Leier. Li'x-i', Uitte^lbochdruUch-- HnndwGrtarbnA. Lupcig 1872 ff. 
Llndiier jdcr Lindner 0«U)h. Liadnt-r, GowMobt» d. dauU^h- Roirliok 

uuii>i' Vi. W^imel. Braunnohwei^ 1K79 ff. 
LI» i)i.- l/)i-b»nier (s. Viortetjnbntchrift I'. Uu&ILniHenücJiaft I, L«qi2)^ 

188&, S. 4Slb) Ijtderbui'h uucli dir Ausübe iu ilea Jftlirbiiulieni I'. 

uiu«ik«lisuli<! WiHtH-mioliad II. Leipzig 1)M7, S. I ff, 
M< An«. AnKcigpr I'. Kundr d, deiitioh. Mittel Ullirr». Brtg. v. AufsWü 

(u. Uoiif>, Siiniburs 18Sa ff. 
Meiitsner I4t4dntii. Upi>.<n'-r, Ü<'rto!d ät«inmnr. Fiulvrtiorti 1888. 
nbd. iir. Weiubulä, JliltclhochibuUuhe Üfumioatik. 'Puderborn 1883. 
Mhd. ffb. Uittcibochdcul liehet WortorbuRh. Von (Bamiukc} MüUcr ii. 

Ziiruuk«. lnupog I8M B'. 
MwiU^ oder Montfort. Hd^o v, Montfort. Hrw. v, W)iick«rn«lt. Inu»- 

brnck 18KI. 
M8F. Dp» ILitiut'tsu^'s Frühling. Hr^, t. Laclunaim u. Hnupl. 

*Leil>/.ig 188». 
H8H. Minnueinger. Von V. U. v. d. Haj^nn. Ulpiig 1838 (I— IV), 
MSL> MitthcilunguD diT Üeaellachntt L SkUliuriac IiKiutp»kun<l«- S*U- 

burK 1861 ff. 
NUIor oder MtUler, l,«u rpiiWru. Xiillnr, Heinricb LoufiTobcrK- 

Berlin 1880. 



J 




^Hbrxei' 



Obb. Arok. Oh«rbftjer. Anbi« f- <r»t4irLMd. GfschtGliI«. HnachuB 1089 fl. 
F*btli tiekwuc. Pi-IhJ. LebnuKMchickt« du rfim. u. bülim. S« 

WüuMBliai^ Pn« 1788-90. 
Pu. Script. Suriptvni m-um AiMtruw. Gdld, H. P«(- LijMia« (lUti-i- 

bouc) 17» ff. 

IMi Ui« Oedklit4! Keioinan v. Zwetor. Hng. v. Boetbu. Leipoti 18HT. 
Sob»r«r L. Schorvr, 0«««1iicbte iL dtalvchen LiUcralur. * Brrliii ISHT. 
Seeaucr Ckraa. 8. it. S. 41 Amn. I. 

MB. Di« Scbvrciscr Mirmetito^iitr. Hr^. v. &rtich. PrauoRfeM \<em. 
Tab. Talmlit- uixiicuiu idhiiu «cript. in tiibtiotbaca paUtin» Vindoboni-iMi 

niBpn-alonuu. Viudobouae 18M fl'. 
llt SohTt Ublsiiii, ScbrifltiD xur Oeaaliiclit« der Dicbtunit u. ^^'«. 

Stuitart 18« fr. 

yt, K*' Dw duaUcbi' Kunlwulied vi>a iL ältcatMi KaiteD bii in Anf&nn 

.1. XVII. .lKhrii.v Von P. W«ckcni«gi?l. LriiMiK leMfT. 
W. L. W. WiMk«miigul, ()c*ohichU <l.dcul*|^llcIl LitUmtur. *Ü»av\ i«79 IT. 
W. Lb. Wilmaon«. I.cb<'ii u, Dichten WaUli«n v. d VogHvcida. 

Bouu IS02- 
Wnr. Us. S. o. Ar«b. Üb. 
WftB. Silxuii^bc rieht« der k. Akadeini« d. Wi'tKuaclian«». Pbilut.- 

hirt. V\ia-K Wien 1848 fr. 
Xanncr« Chrcn. Zauiiui, Chronik v. Sitlilnirg. äokbarg 1196 iL 
SMIfr VnitrrHll. Zi-dln-.OnMnua tolUt. UuiTeniil Lvxikuu. Halb- ITMi tT, 
ZUIner. Zilloer, Salzljar{[i*cli<; Kutlurfrncbicbt«. Sal/burg 1871. 
Zt. Zoitscbrift f. deatscbc« AlUrtkum. Leipojg (Berlia) IStl IT. 
Zs. Au. Anuigrr f. d«at«cii«> Altcrtbum. Berlin ISTflfl'. 

Citalr au« DracIcoD Üa4 im allgemainen in drrrn OrUiDKrapliin 
und Iiit«rpuiik(ioti gi(g«beu ; inabetondaro gilt dia* von AwR^wn aa« 
der ältcivu Litt«nilar. Wo Zweifel beatebeo kSmit«, meinen (lie CiUt« 
Seit«. — Durch recbU oben sngeaMslea * iat bandeebriftlichi.' V^rderbui« 

i«lu)«l. 

Binij[n ortiinKi'apbiacItR lukOD«c<qu«nzcii io ilCD nratan Ti«i' Bogon 
lai'gw man entachaldifcen. — Hau Im>m ^ 19 unter 1, i^, Zeile 4 Diph- 
ihong ünat. DipbloB^, S. 1ä unter ii, Z. 4 Diphthonge auat. 
DipbtonKe: S. SM, Z. )t •& aniL 1M7; S. V7. AU. i. Z. 3 4t aiut. 
U2t S. 40. Ann. 4, Z. 8 H. U uiHt> 8. 41. S. 19. Z. 2 ist rar nicht 
ein Komma, S. 81, Anni. 8, Z. 8 v. n. nach u da« Wort Inrnrn ein- 
üolngrti. S. 6, Z. 3 ß totko laute o : 'Die Weiten von Nn. II bis 16. 
17—34 lind auf fiinriiniiten, alle Uhrigen, »wie die t'uniba/tiliminc lu 
No. II auf vi«rhn igen' >uw. S. IS unter (L, Z. S »Jnd die Wort« ertaturm 
tii> W. U6,i tu (troirlMu. Ebda. Z. S mII «• hvieaen; 'rg\. Ubd. Ur. 
g los, Wi inholil. Bniriaelw Uranimatik g 7i). In inel.reren FHIIcd, i. Et. 




-^ 



t'radJiirfn : »urvii ; Irttre» W. 5511, 6, nalur . Intr : »ur 80, 1 fT. rak^nni 
man' imw.; Z. H int itet« m »truk-bon tmit Z. ' nach Zllgen hiniii* 
iufüß*»i: 'Ell licfff hier wolil nur vtav Sohreiliung liir den Diphthia« «u 
vor, wie B utiii C für iImi Diphtbonft ou gMuhrieben weril*n'. Endliisk 
»tt mit Bmuk Ulf 8. 74 B'. si^hon bim' bemerkt, (Uu da« dort g«ge)ieiMl 
itiliiittBi^bu Schemti liereitt im .1. IB87 entworfen, »noli ^nPm dem Ver- 
rmiNT l>rfrpiindiilpii FBi-hjrrno«i«ii mitsi-tdit wur. «Uo lanffn bevor 
SiMeiiW^i^n" 'UnliTvnfliunjiPn iibrr WiMuncl« kinninchi' KrTShliinjfwi' rU] 
ertcheiii^ii be^nnan (Vipr1*ljiilir«cUrift fiir I.it.tpratiiritinaiiichtP !V, 
Weimar I8fl|, S. £81 IT.). Der Oenchlvponkl. von denen die i>lil»ti*Rfaa] 
Unl«rtuchung 8.« h. a. 0. S. fiUS aoa^^lit. triiR \<\\\i^ mit itm ii. B. 
uiu^iKinimi' Dilti /iittHinmvii. Hl^rouf ist aii dJe*er Stell« nicht woilfl 
rinKiiKC'hBTi. 

Im übrizen vcr>(«iiieii wir Mif die ' Berioliti)[ung«n, ZubuIm nnd 
NnclitrikEc' »u beiden Teilen des Werkt-», die df^r Lewr um Sc!ilu>»e de« 
üwnit^m Teile» tindi'u wird. Du-«w (enthüllend: V. Dti' Ueloil iour^^ 
tlann A» Teste, Anmerkungen pbilolojnioh-muJiikwiMenMliftiUidiei^H 
Notar XU diiuea. inhliewliob Ainen Anhang: von Liedrrrn aiu nndcntn^^ 
Hand'chriftrn) wird tntnnil dem Musiktoxt nml den Fnkniinilc* 
jcdfiirallK noch in dieneni Jolire erecbi'inen: da« Work wird dann anch 
als tiugetrenotcR Ganr.e ftU8geg«')i«ii werde». 

Der rorlie^'^nd« «iite Ti'il iil mit Auanabnie der aiiT die Mii>ik-| 
notpc heriiRlietien .Stellen in Absuhn, I durcliau» viri Mayer verfewl. 



Für tipii Biiclitiliulpr. 

8. III -VI i.t iinch ilerti Erscheinen von Band IV, Hell t d«! 
Acta llpmiamc« durch 'Vorwort'. ' Inhalt«rer»iobBi« und 'VerseicUnii 
der Abkürmngcn'. die mit diwt'-m Hi-fti- ertelicinen. xu enetireii, Bil. Ilfj 
wird nl*'i nni bcittin rnt diinn nelnindcn. 



Die Handschrift 



b 




Die Handschrift der Wiener Hofbibtiothek No. 2&56, 
olim LouaeUc. fol. 119 (Tabolae codiL-um U 144 f.), ist «la« 
Papierbandscbrif^. »'«Iche ueußrilings in H&lb&us gebuitdi^ii iüt, 
w&breDd sie noch im J. 1881 nur Hälfio erD«a»rte, zur Hälfte 
mit d«iu atUQ Lßder dberxogtae Hohdeckel liaUe. Sie ist. obne 
den Einband iu uatflrliolior Lage göinessen, 20 cm lang. 27^/, cm 
hoch. 8 cm dick. Die Ha. entbält (HofTniaon, Verzeicbois d. 
altdeiitsob. Hss. der h. k. Hofbibtiothek zu Wiou 242): 1. Bl. 
1—28» K. Ludwig'B Recbubocb. 2. BL 29«— 42a Mäuchoer 
.Sta<ltTe«bt 3. Bl. 42a-44b. 28b Jndenoid a. dgl. 4. Bl 
4'>a- 99a Schwftbucbes l,aodrecht. .'>. Bl. 99a-119a SobwlUiiacbes 
Lebciireclit 6. BL 119b~16&b Von den heiligen drei Kfinigen, 
ein Prosatractat. 7. BL Iö6b— 282b Lieder. 8. Bl 28£a— 414b 
Koara'i*8 Ton Megenberg Bacb der Natur (vor dem Schlnsse 
abbrechend). 

Schon durch diosen Inhalt charakterisiert sich die Hs. als 
SammcLbandscbrift. Was man auf einem Voritei-kblatt der ganzen 
Hs- als Noiix eines Schreiben oder BeBitxers liest: DU butft 
Ut nüA( Kiir Wn jeden j dan der tnftt die ttoUt vertthet / dtr 
kfiaii « niltt brauchtn, beliebt sich allein auf die Lieder (7) 
und kaim erat gesobrieben sein, als die einzelnen Teile des 
Bandes zu einem Ganzen vereinigt waren. Nur der Teil der 
die Lieder enttiilt, bescbüftigt uns hier. Dan diMer utsprftng- 
lieh «ine sclb«Uiodigi> Handschrift war, beweist »eine eigene 
Pi^^eruDg, sodann der Umstand, dass das erst« Blatt desselben 
mit seiner stark beaobmutiiteii und vergilbten Aossenseite von 
den Torbergebeoden und nachfolgenden Blättern sich sehr be- 
merUieb abhebt und dass sich am Schluss zwei eigene Deck- 
blätter befinden. 

Diesen Teil der Sammeihs. b«8ohr«lbt WaekemageL Das 
deutsche Kirchenlied, 1864 ff., I 3ö6 ff. mit manoben Unrichtig- 

X' 



F. Arnold Mayer a. Htiinrich Ricrtioh 



836 



keiteo und tlngenauigkeiteo '), Dschdem schon HofTmiiiui. Fund- 
gruben I 328 ff, dio Ha. besprochen und Proben mitgeteilt hatte. 

Die Lieder sind bluttweise selbstfindig paginiert, und zwar 
TOB 1 bis 115. Die neue Zählung hat also zwei Blätter mehr, 
namlirh zwoi eingoeohAltete kleine Zettel, welche die alte Zahlung 
nicht eelbstäudig bezeichnet; letztere hrzeirhnH nurh «ofh die 
beulen ihr Hi. fol^endeH Uerrn Blätter mit C 'JO tmd C 3t 
(nev€ ZtiMftHg 283 timl 2S4), womiu fol^t, das» tor dUsm Ittrat 
Blättern urxjtninffUrti nofh viiT ändert Blitttr rörlumd'fn ofwesen 
»ind, W. K.* I 366. Difise alt« Paginieruug ist, wie es scheiot, 
von der dritten Hand, die wir unten y nenneD, oder von Peter 
Spörl selbst (8. u. S. 11 und Faca. No. I. III. IV. VII. IX). 
Die IjSgen der Hs. sind nicht mehr zu zählen. Schuld trägt 
der neue Einband. Die Blätter 353 IT., ebenso dns Eweite ein- 
geschaltete Blntt 244 haben «in anderes \S'a8serzeichen als die 
fibrigen: eine Wage in einem Kreis, während frQher ein dem 
Fragmente eines Sterns ähnliches Siebeneck erscheint. Das 
wQrde zu dem unten S. 11 Äus^^ofübrten stimmen. Cbrigens 
fehlt das Wasserzeichen anf einigen Blättern ganz. 

Die erste Seite, ebenso die Rückäeiten der (auf den 
Vorderseiten leeren) zwei letzton Blätter der Liederhs. zeigen 
Schriftzßge, die wohl nur als Federproben anzusehen sind. So 
steht auf der letzten Seite a. A. : Mich ^üegt. vne e» golt füt^U f 
m Achieyttet' (AehU^Uererf s. W. K. ' I 366)*), darttber ein 
verachlungeues M und unter einer Krone, Unter den Peder- 
proben der drittletzten Seite steht der Name: Ilerdtgen von 
Hurnkain zum Hornhaut, auf der ersten Seite : Regina Nerrt/eldern, 
unten in der Ecke zweimal der Name: Maria (W. K.* a. a. 0.). 



') Du genannt« Werk itt Uberh&upt nicht gant tuvertütaig und 
verlangt liberall Naclipriiruu^ trotx aller pelnbchen Bucfasta beult lau barei 
(Qocdeke, GrundhH* 1 309), freilich tind VeralÜuo bei «iaem Werke 
TOB tolchen Verhältniisea fatt unvennuidlich. Kleinere Verwhen rer- 
beuere ich im Folgenden öfter« itilliohwcigpud. 

*) Ein Aobleiten im ^kbuLgiBL'hen Tbalgna «rwäliueii die uti- 
burgiichen Ksmmerbücber (im Veneiohnit der Abkürzungen unter Kb.) 
U Ko. 918. 



d 




336 



Die HkiKUchrift. 



Di« IniHaI«n sind dorehaus lebhaft rotb, sowohl b«i 
Strophen- ais bei LiedaDOngeo, bei letzteren grtazer, aber nui 
sehr nlt«a reicher aasgefnbrt. Auf Bl. 221a ittder Liedaufaog 
durch rothfl Initiale mit blauem Grund bezeichnet (Pacs. No. IV). 
BisweiIeD bab«n die luitialeii in dem ausgesparten Itaume die 
entsprechende Minuskel mit der gewilhnlichen Dint« vorgezeichoet 

Unsere Hs. enthalt 100 Gedicht«. Ton diesen haben 3t 
den Charakter von Kirchen* oder eigentlich geistlichen Lieilern, 
die fibrigen 69 sind meist weltlichen Inhalta. Bl. 166b — 18Sb 
stehen nur geistliche, I85b— 18da weltliche, 18% «in geist- 
liches, 189b— 214b weltIiok>. 2Hb ein geistliches. 215a-220a 
weltliche, 22la — 245s geiBtlich«. '24üb bia zum Scbluss weltliche. 
Mehrere Ueder sind unrellstlndig, so No. 60 am Schlüsse *). 
No. 11 Bteht nochmals als No. 80, No. 13 als No. 31. No. 20 
aU Ne. 40, No. 63 Str. 1—4 aU No. 77: alle Wer Wieder- 
holoagen sind im Gebiete der Hand ß nnd wohl durch eine Ver- 
inderung der Vorlage zu erklären '). 

An Melodien sind 83 vorhanden, und zwar 56 zu weit- 
liehen Gedicht«D incl. zwei MeistorgetäDgeu (Qber die 12 'Meister- 
gesfaig«' s. n. S. 31). In der Zfthlang musste selbstverstindlich 
d^ trumpft nnd die Wflchterstimme Iiiezu als ein Oesang ge- 
rechnet w«ideD *). Keine Melodien haben nur die (im folgenden 
wie bei W. E.* a. a. 0. mit forttauFeoden Nummern boieichneten) 
Stücke; 25—27. 66 (s. u. S. 6. 7) 89—91. «4—100; bei 8 
und 9 ist anf die Melodie zn 7. bei 10 auf die zu 6 verwieseo. 
Die Not«D stehen den Texten Qbergee«hriebea *). Aach wo dieM 
oho« Koten stehen, sind die VerszeÜen forUaufend geschrieben *}, 

•) Vgl. Kidwrd* Archi» IH «7. S72. 2!7. 

*) UiB nebtt bcRooden die Melodifiii. — Vgl. ilbri^iu Miillor, 
H«mricti Loufetiberg 1] übvr die alt« StmMburgvr H*. 

*) DnTcii AuiivnkubfUaauiif^iliFBevDntUudeaiiUileii W. uu*l Aruuld 
(imLoohamerLitdHH'Ucb.iiu V«rzeii.'hDiail«irAbkfiniiiig«(iuiit«rLL.,ä.l70) 
rtaLW mehr; öbenüesililillÄriiuldgnr 89 Melodien. ÄuchDeGroyler.D»» 
denladie To^Ued 60, oimnit die Wücblcrstirome »b ein nlbitätidigp) Slöok. 

*) Im L L. itcben die Noten lam Kräutea Teil för neb. 

*) V|[l. I. B. Wnckcraell. Hngo t. Montfort S. CXU über die 
Heiitelbergir H>. So. 929. 




F. An)i>l(l lia,yer n> Heinrich Rietseli 



33^ 



'H 



nadi dea ReimwSrtern, Bnd- und inneren Beimeo, maDehmal iri 
andi uch anderen WOrtora. stehen Punkte oder Striche. 

Die Weisen der ersten Gruppe woltliclier Lieder: Ko. 11 
bis 15. 17 — ri. &8— 60 sind auf fünfliniKen. die zweite Gruppe 
So. 80—88, sowie die MeistorgesÄnge Xo. 92 und 93 auf Tier- 
linigen Zeilen notiert. Dieselben sind ebenso wie die Seiten- 
leistea. die die Notensysbeme betdereeita <>inHi:.hlies£eu {bis Bl. 
201b und Bl. 267 ff. j« eine, sonst je zwei), mit gleicbmOsdg 
roter Diote g«£ogeu. Giai unansgefQllt blieben die Noteoliuiea 
bei No. 26 nnd 27, zum grMzten Teil bei 25 oud 66. 

Im Allgemeinen rerfahren alle HSnde bei der Textuoter- 
I«gDng torgftltig (anders als im L L.). obwohl auch in di 
Beüiehung nur die erste Band ftbsolot korrekt ist. 

Ks waren weuigstt'us drei H&nle »u der LioJerhs. 
Die erste, sie beiaze a. schreibt, abgesehen von den mit 
Dinte geschriebenen Cbersclirifben (s. u. S. 12), fivst durchaus 
mit Htark verblas^ter scbwaceer Dinte; BL I88b und I8da ist 
in Wort und Noten teils mit roter, teils mit der gewöhnlichen 
Terblassten Dinte ¥on a geschrieben, nni die Partie des Mances 
von der der Fran za nnterschetden (s. im Text No. 1&); 
a (FacB. No. L H) endet mit der di'itüetoten Zoilc von BL 196b, 
in den Noten schon mit BL 193a. An o schlieszt die zweite 
Haod, ß, an, im Worttext mitten in einer Strophe *) (No. 28, 
1. Str.), mit kräftig schwarzer Dinte (Facs. No. III) und geht 
dann in Noten und Text bis Bl. 220a. 220b ist leer (nur zwei 
Systeme Notenlioien). Von BL 221a— 226b reicht eine dritte 
Hand, y (Fsc«. No. IV). mit weit blasserer Dinte. aber lebhaft 
roten Üborschriften. Bis BL 240 b schreibt wieder ft. dann folgt 
ein erstes Einsetzblatt 241, von dem nur die Rückseite beschrieben 
ist, in den Schriftzägen noch am meisten a, in der Orthographie 
1^ ähnlich, mit blasser Dinte (Facs. No. V)^). Der Text dieses 



') Sowie in c!..rlI(intr.-U?.(lieHiin<J B eiiwM, vgl. Montf. S. t;XVni. 

*) Im L Ij. ichri'ibun nach dem UrrftuBfnebpr vmohicdeno Hiiiido 
nnr g»nx Ueioc Strtekra, «o nnd >'o. 89 nm) 4S von «iaer Kniid, von «iner 
aadcKi) wieder No, 88—37; in <Uf UaDU.-H». i«! der Schreiber C aar 
mit einem, D nnr mit xw«t 0«dicbt«n v<nret«ii, Uontf. S. CXVIII ff. 



a 



838 



D>o H*nd«i-hrifi. 



BIlHetabUttM sdilieezt mit dem Lesozeiefaen // an Bl. 242«: 
M ist atoo iiirtekzal«8«n. Daou weiter ß BL 342a— 243b, 
daraaf ein zweites EinseUblatt 244 b tod y. Bl. 244 a iBt leer. 
Von Bl. 24.^ a hat die erste Hälfte ß, die zweite •/ beBchiieben. 
Letztere Hand verweist sodann mit dem i^icben A auf die 
Mf dem vorliorgehendeu Eänsetzblatt 344b gteheode Forteetztuig 
Aes Teites. Xan reicht bis Bl. 252 b ß und von da bia zum Ende y 
(F«cs. No. VIII), dieselbe Hand, die BL 244 b und einen Teil Ton 
Bl. 245 a schrieb. Auch a hat nicht in einem Zage geschrieben, 
denn ihre Schrift ist nicht immer ganz gleich '). 

älitnnter, x. B. lU. lS7b und 1^8 a, ist dem Schreiber 
der Kaom xom Schluss knapp geworden, da er sich die Linien 
fttlber Torgeuigen hatte, ohne den für deu Text erforderlichen 
Kaum richtig abzuschätzen. 

Der Umstand, dass die zweite Hand mit den Noten £röher 
beginat als mit dem Wortteit, bietet Gel^enheit, die Art and 
Weise der Niederachrift ku koutroUeren. Es bat o&mlich, wie 
schon oben erwähnt, die er^t« Hand den Wortteit bis in die 
enie Strophe tod No. 2S hinein vorgeschrieben und acheint dann 
unterbrochen worden zu sein, so daas sie nicht mehr dazu buu, 
die noch leer gelMMBen Notenzeilen von No. 2h an mit den 
zugehöriges Melodien tu versehen. Die zweite Hand begann 
bei No. 2ä, offenbar in der Absicht, die fehlenden Melodien zu 
ergSnzen, das Aafimgsmelisma und die Noten zn den drei ersten 
Svlben Atrin U«rcz, pi» eiuzuzeicbuen, gab diesen Versoch aber 
aof und beschränkt« ticb daraaf, die Tollst&ndige Weise zu dem 
Uede No. 28 zu notieren, das sie ohnedies auoh dem Wortteite 
nach zu Tervollständigeu hatte. 

Hieraus erhellt, dass vom Schreiber zunächst die Noten» 
Unien gezogen, sodann der Text der ersten Strophe untergesetzt, 
dannf die Noten in das System eingetragen worden: ein Ver- 
hbtvt, das durch die räomlicb gröszer« Ansdehnnng des Wort- 
textes bedingt war. Nor bei den Melismen musste eine Aus- 
nahme gemacht werden. 

') VrT»Giiic<lriihcit«n einer und denelbni Buid anirt MMb die H«. 
dM LL., >. obd. S. 10. 




8 



F. Arnold Kay«- o. Heinrich Rictach 



3^^ 



Die Lieder ron Bl. 13öb bis 189 a sind g«naa in dm 
Ueosnralnoteo Dotiert Von lAed No. 16 (geistlich) uDd 17 an 
findet sich aolteo mehr das Zeichen fOr die Brevis oder Longa, 
BOndeni statt deren 2, 3 bis 4 eng aueinanilergesetste Rauten 
(Semibreres), ebenso toq Ligattuen nur mehr jene oppoeitaa 
proprietatis, welche, vrie es ficbeint. nicht bloa am längst«! 
iich erhalten, sondern »nclt von jeher die allgemeingto An- 
wendung gefunden hat Endlich tritt einmal, und zwar Bl. 
347 b fOc den zweiten Teil der Noten von No. 82 die fllr die 
geistlichen Lieder gebrauchte Choralnotation eio, d. b. statt der 
sofamalen Raute mit oder ohne Strich jene breite stet« sieb 
gleichbleibende Kautesform ohne Strich (ausser zur Verbindung 
mehrerer Tone auf eine Sylbe, also statt der späteren Ligatur- 
form) : ein Wechsel, der auch rhythmisch nicht ohne Bedeutung 
seio dOrfte. Vielleicht sollte hier einer strengen QuantitAteg- 
mesaung ausgewichen werden, ganz wie beim Choral, dem diese 
ftusserlicb einfache Notenschrift bei grdsster Veränderlichkeit 
ihres Wertes bis heute eignet 

Die zweite (/f) und dritte Haud (y) unterscheiden sich 
TOD der ersten sowohl durch die Schrift wie durch ihre geringere 
Korrektheit '). Mit dem Einsetzen der zweiten Hand wird die 
Fonn der Noten viel achleuderischer (s. Faca. No. III), was sich 
besonders bei der Semibrovonligatnr geltend macht, ebenso 
macht sich die Inkorrektheit gleich durch zwei Schreibfehler 
(8. zu No. 28) bemerkbar. Mit der zweiten Hand tritt femer 
der Gebrauch ein, senkrechte Abteiiungsatriche durch das Noten- 
system zu ziehen. Dieser Strich dient dazu, da» Veraende in 
der Melodie hie und da noch deutlicher ku kennzeichnen, er fehlt, 
wenn das Versende mit dem Knde der Notenzeile zusammentrifft; 
in der zweiten Reihe der geistlichen Lieder (No. 61 ff.) werden 
B(^r die je zu einem Wort gehörigen Noten durch kleinere 
Striche (zuerst mit roter, spÄter mit schwarzer Üinte) abgegrenzt; 
ebenso pflegen die melismatisnhen Figuren gegenflber dem 
syllabischen Melodientexte durch einen solchen Strich abgesondert 

') Erstero* UUat dArauf achlieszeD, das» Letzteres atokt, oJc-r 
weniKiteol nicht allein. Fehlem der Vorlage iiuueolireibifu Ut. 



d 




Die Ukiidtulirift. 

ZU «erden. Gr war ilso ein nicht notwendiges, aber znr ^(l8z«ren 

tpb«nichÜiciike)t beitragendei) PhrasidrUDgaz«icheD. 
P Die Noten der Melodien xn No. 92 aai t>3 atnd »omftgUeh 
QOcb weniger eorgflltdg sls die Notirongen der Hand ß und 
inrcJiweg in sdüeuderischer Kirakturform aufgexeicbnet. 
' AJJ ScUflssel sind nur oder F vorgesetzt; um hfiufigaten 
i«t C auf der Tieiten Linie, docb kommt es noch auf der 1., 
2.') nnd 3. Linie ror. Das F steht anf der 3. ivler 4. Linie. 
Daas die Schr«ib«r, besonders der iweit« (ß), «ehr wüIktlTliob 
die Schlttssel w«ebs«lii, leigt gleieh das «iBte Ton der zweiten 
Huid niddergMchriebene Lied No. 28, in welchem fQr die 
letzte Zeile der C-Schlfissel auf die dritte Linie herabgesetzt 
wiri, obwohl sich hiedorch fQi den Schlouton d die Notweudi^j- 
keit einer HilfeUoie ergibt. 
j FAr jene F&lle, welche bezfiglidi der richtigen Setunng 

dei Schlflmizsiehens Zweifel anf kommen lassen, ist oft der 
Custce (guidon) von Wichtigkeit*). Auch ßlr andere FlUe 
kann er entscheidend sein, so in No. 40, wo im vorletzten Vers 
^_der ersten Strophe eine Silbe rom Schreiber beim Beginn einer 
^BtiKlieu Zeile Qbersprungeu wurde (nach der ftUhereD Auf- 
' roicbnong in Ko. 20 das Wort d-u): hier zeigt der Custos ao. 
dsss die entsprechende Note g gewesen w&re, allerdings nicht 
conform der ersten Liwart in No. 20, doch li^ in der Äb- 
weicbong Consequenz (s. die Anmerkmigeu zu den Uedem). 
a ist nach GMtalt der Schriflzfige and der Orthographie 

kdie Altest« Hand, noch aus dem Kode des 14. oder Anfange 
Am 15. Jhs. (»0 W. K.* I S<>8), konnte aber dennoch den 
andern gleichzeitig sein, wenn der Schreiher etwa ein alter Mann 
war, der noch in der Weise seiner Jugend schrieb. An sich 
eracheioeo ß rtai y freilich jOoger a>wohI in der Schrift als in 

') Bo in No. II. Dm Sdehen enehdnt hier in der 0#«Ult ^. 
VgL Bienwnn, Studien t. Oeaehicbta dw Kotemcbrift, Tft(«l übtsr die 
SntwioUiinir Arr C'l>vi>* *i|nulM. Über din abwcichcndti Cbertrasvag 
rem Ambro« *. ilie Anm. zum Iiivd. 

*) S. r»c». Ko. n. VI. — InabMonden wirf die» bei der fttg- 
wmatuwium Ü))«rli«feruag der IhrtiniUodor im Qpn. 715 hcrvurtrcten. 



10 



F. Arnold Majvr q. Heinrich RivUcb 




dtr Orthoi^rapliie : nach W. a. &. 0. g«bOren sio dar 
tUlfbe des 15, JhH. im. Weon ab«r di« u. S. Uf. a' 
ADn&hme richtig ist, so lebte der Schreiber f um 1472. 

a schreibt recht sorgOiltig, während ß sofnrt durch « 
un^lnubliche Flöcbtigkoit und Willkör sehr übel auffallt, di 
haom auf Kecbntmg einer reraudert«!! Vorlage ku setzen sein 
mdohte. Dies warde in B«iug auf die NoüemDg schon bemerkt 
(o. S. 8 Anm. 1). Loidcr sind gerade die weltlichen Lieder, 
{Hr welche tusere Hb. fast die elxizige Quelle bietet (u. S. 20 IT.), 
von dieser Hand, daher die häufigen und groben Verderbnisse 
des Testes. 

Durch die wenigen, in doppelter Aufzeichnung erhaltenei 
Lieder wird ein» Vergleichnng der Lesarten nach ihren tonalen 
und rhythmischen Abweichungen (wovon noch o. Abschn. 
die Sprache sein wird) ermöglicht, und werden weitere Ashal 
punkte für die Beurteilung des relativen Alters der H 
geboten. (S. o. die Anm. zu No. 11. 13. 17. 20.) Bemerkeni- 
werth ist es , da«B die Melodie bei vtrschiedeneu Lesarten 
b&ufig um eine Tonstufe verschoben ist '). Obwohl nun der- 
artige Schreib versehen durch Köcfeiing der Note um ein halbes 
Spiatinm nns weniger natürlich erscheinen, als solche um ein 
ganzes Spatlnm, so finden sich doch gerade eiHtere in dei 
Spfirrschon ') und den i;ur Veigleichung herangezogenen H: 
h&ufig genug. Bie sind entweder vom Schreiber richtiggestelll 
sei es durch Cberschroibung (boi einem höheren Ton, indem 
eine Cauda zu demselben Ober die unrichtige tiefere Not« 
geführt wurde, z. B. in No. 31, viel hüuflger im Cgm. 716), 
sei es durch Anschreihnng, wobei der Schreiber meist rorgaaz. 
die unrichtige Note später zu löschen ') ; — oder die richtige Not*. 



sn 
balt»S 



i 



•) S. dio VOTgleioLeinle ZuMmiDRititvIlun^ ron No. SO mit No. 40 
und von Xo. 17 luil ii«r Variunle in dor H*. E. 

*) Wie die Hs. Huoh genannt wird, z. fi. von Böhme im Al! 
ileatich. Liederbuch 771 (*. u. S. 11). 

*) So da«« muu ■äe oft lur den erticn Aag-cnblich all m ligipreni 
XetM anithen mochte; ■. uicli du I. Hartinali«d in der 3. Ijnait 
(Anh. No. I}. 



I 

A 



342 



Dw HuubchrUL 



11 



ist gitr niclit ein^tragto. mag non der Sebraiher sein Verseben 
nicht bomerkt (z. ti. bei drei Noten in der vorletzten Zelle dea 
K«fruns von No. 8B, s. Anm.) oder sich besagt haben, wie in 
No. 11 dei hh., ein Zeichen an dor Stelle (als Vorbehalt f&r 
spfttere Korrektor?) aozubrin^o. Der Grund dieser hfluQgen 
Venafaen ist wobl in einer wenig deatJicheu, auf sehr schwiteh 
sichtbaren Notenlinien geschriebeneu Vorlage zu suchen, welche 
einen flfidhtigefi Scbreil>er veranlanste. bei zweifelhafter Stellung 
einer Note ohne langes Nachdenkeu sich fQr die eine oder andere 
LaeuDg in entscheiden. 

Ursprfliiglich schoint die Hs. vor den ancb nach ihrem 
textlichen niid mUBikalischeu ') Gehalt ganz fQr sich stehcR'Jea 
Heistorlicdern 61. 253 u fT. gescblosEen in haben (rgl. a. S. Sl) 
and bis dahin otu Ton zwei HAnden geschrieben zu sein, wenn 
das erste Biosetzblatt 241b einer derselben sogebOrt (?). Diese 
Ansicht wird noch wahr^cbeinlichor dadarob, dSM nicht nur 
auf Bl. 382 b am Schlüsse der Hs. der Name Pfter Sp&rU 
(Facs. 1^0. IX) steht, sondern auch auf Bl. 232b unten von der- 
selben Hand: Item da» pweh iU Feier Sporlt 1472 (Faca. 
JJo. VII)*). Peter Spörl wai' also einer der Besitzer der Hs.; 



') Mail T)tt- oax»a •lio unter No. ^ iiiul fiB mitf;« teilten UübdicQ 
tqwie di« NoUn unter "So. dS. 

*> Vgl. /fem dog jfxuh wt JSrg Beggenburg . , . 1470 Mf it«n I«txtoa 
Blatt« dvr Hltülerin-H«., ». H»tt«aB, LiMkrbach ier KUra HKtiUrJn 
S. tX; WolfUin von Lochame irt da» gesenitgk ptteA im LL., S. 41 iet 
Hb. Btgrg«!! sl«bt der Ktlni: d«r KUm HStzl«na tiur &I* d«r <Ier 
3chnib«nii am finde dm- Ha., B.H. S. IX. — Dan div Lieder uaob 
BL SHb Ton P«tiT SpSrI KMcbrie1>«ii -Au^uea, rngt fl. F. I 833; H.'« 
Aiuiuht war aaob die mcinr, nach bevor ich auf die SUIIe in den F. 
anfinerlnaiD Kcworden war, nn hat bei nältorer UDl«niuihiing nicht Stand 
l[«halt«nj TgL dto Fae*., ebaraktcrittiacb ial namaDtliefa der fincbttab« d 
in Nu. VI! g«t(cnüber y. VgL audi W. K. ■ I 96tii lon diraitr Hand 
(der de« I'etrr SpSrl) «ei mm! nichta in dem Uucb KCtchrieboa; dii? 
tsciite Ahnlichk«it mit ihr liättcn Jena (iImi TtUiln dnr Ijcdcr) raielusten 
Voti»i iiÜitUh. Müniehci. lUt MtlHkhct (t. u. S. 18). - raiU$ Spörel. 
BSfgir n KitahUbd. UT6. Mitteilnngao d. Oewllichan f. Salüburser 
Landeikiinde 16 S. US So. HS; 1490, 1« S 838 f. »o. ßlO. HI8 (üpärfll, 
SpSnlJi Atdhoni Spürt, Urkunde vou Inder«<lorf. 1616, Obnr bayrische i 



IS 




F. Aroolid Hajcr n. HeiBhch Kiotaeb 



er hQt wohl die Hb. durch dio Blätter 2ä8 ff. er^oreo und diese 
beschreiben lassen '), durch deiiselbeu Schreiber (y) fUUte er abe^y 
auch Lücken der ursprünglichen Hs. aus: Bl. 221—226, die waiuj^^ 
scheißlicb uraiTünglich leer waren *). feroer wurde 244 frisch ein- 
gesetzt und 245 a ergSjizt. Eigenhändig setzte er (aaszer der 
alten Faginierung?. a. o. S. 4) vicUeidit (?, i. Facs. No. I) 
fehlende Oberschriften (mit Bezeichnung des Dichters) Aber 
die StDcke, und stwar Ober : No. I {Ifas ^dn« abc de* Münchez). 
2 {P^lgnim Münchz), 3 (Räehtnu plehama | jt Rtutat | dt» 
Mwtic/ic:), 4 (Maria virgo de* Hilnichz), 67 (Aue j/rerlara dt» 
Münirhc:), 76 (A »o/ii orto cnrdine Jet Mnrtifkcz), 78 (De» 3/iimVÄ 
miUr don), 79 (Det Munichrz ktireze don). In den Cberflchrifteo 
Über No. 5—10. 61. 88—71. 7S— 75. 77. 82 ist nur der Ver- ! 
fassemame von dieser Hand nachtr^Iicb zum Titel, am Bande 
oder im Text*) (Münieh, Müniclic:, de* Münichfz, Münich», lu 
No. 82: MügUn *)> eingeflickt. Von /* geschrieben sind (mit roter 
Dinte) die Titel («her keine Verfassematocn) über No. 08—75. 1 
77. 82. von a über No. 5—19, von / über No. 61 — 05. 66 (De* 
Mimkkx paa*ion). 89. 90 (längere Cberschrift). 91.92.96—98. 
99 (Hie htbt »ieh an tin teuUcker cinoiantis dvt Mütäch»), 100 
(wie bei 90). Ohne Überschriften sind No. 20—60. 80. 81. 
83—88. OK— 9r>. Pßter 8pOrl(?) hat also vereinzelt blosze 
VerfaesernameD, aaszerdem volle Überschriften (diese Aber No. | 
1—4. 67. 7ii. 78. 79) nachträglich hinzugefügt. Von ihm 
geschrieben, vielleicht sogar gedichtet, scheinen zwei Verse, die 

Archiv fiB,!tÖ?; ein Joh. Spörl. Schullchr«r xu AlWorf, bU Verrnseer 
TOIJ Aiif»älzyii in den Verhuudlunpiti d. hi»t, Vcreiiu f. Nieilerbayem II 
und V. 1 Jatob Spar nennt JOÜcklicr in t«iner Chronik S. 184 uat«r dem 
Adel, der mit Kr/.b. Friedrich IIL I8fi9 h»\ Ampfing kümpfte. j 

') Äbalich vereinig IT. Ott. einer der BcsitJter der Loolum. 
Hs.i (wei Hrn., dif dc9 Licilfrbiichi>s und di^ der Ars organisaiidi. in dncr 
Papiencbatc, L L. 7. 

*t V|[L die Kolmnrer H>., Barttcb. Die Uei«t«rl)oder der KalmArer 
H*. 4; kucb in der Lncham. H*. wurden t«o vinein apfitercn Bi'KitfM 
xw« Linder aiif xir«i lußUi^ frei ^liliebeue S«it«u gi-echi'iebpn. | 

*) UiiB rg\, z. B. daa Factimil« kiu der J>^nB«^ Hs. der Hinn*- 
■ät^!«!' b«> T, <l- Hs,g«u, UiuQMitiger IV 706. 

*) W.K.* ». •• 0. liett liiicxliK iStüe^in?). S. Face. So. VI. 



344 



0M Butdwlirift. 



18 



am Rande von Bl. 221 b st«hea. Sie schlteszen sich durch ein 
Verweiiungszeich*!! in der Hs. an Str. 8 dca Liedes W. K.* 
II No. ööO »0, die durch sie fiberRillt wird. Bei W. stehen 
diese Verse unter den Lesarten. 

üuwre Abgrenzung der Hftnde (mit der Folge: \.a2. ß^. y 
4. fa ?ß 5. ;* 6. / 7. ß 9. y 9. ß 10. y) rechtfertigt sich 
lonSchst durch die Qestalt der Schriftuflge und Ketenzeichen 
TOD a. ß UQd y, Tgl. die Facs. Aber eine BettStigong liefert 
auch die Orthographie (beziehungswoiae Sprachgebrauch). Diese 
kennteichne die folgende Zasammenstelloag. 

1. Vokale. 

Mhd. ^. 

a. vatikUiek (im Ürock bei W. K.» U No. 580, Str. 21 
L«8art) tiltnd W. No. 547, Str. 5. ~ mfnkHch n. No. 17'). 
82. — ^Mrtlicher 18. &. 

ß. edh 33. 12 gtft^tt W. 576. 1 dttknt W. 563, I 
(Bl. 342a) hmd W. 54d. 2 Uhengk 80, s. 11. 12. — jttämklHeh 
34. 3 esärüiieh W. 579. 2 ffetläiJa W. 548, 1 «JA*r W. 549. 1 
ärmlein 80, a. 11,28 Lesart. (Im Diphtong erscheint immer 
8 in j'rlvl, z. I(. 54,26, frtwden 66,1, usw. in dt-n Foriiion 
difMs Stammes). 

y. ft-nftikait W. 560, 2 herriikUkk W. 660, 1 1 Lesart, herrt 
W. 652. 4 bfixhm W. 549. 3 hi-rrtm W. 649. 2 tnade 89, Str. 2. 
— «cdAer W. 660, 12 aimäcMig W. 649,5 MV^ocA W. 549, 4 
mäniJUneA W. 649, 2 (I. so statt mamUeie/t) gCtnctlich 90, Str. I. 

Mhd. le. 

a. fanden W. 581. 11 «cvtr 17, 29. — geffrd 19, 28. 

ß. itäliiatl 33, 1 icär W. 578, 2 nenrnt W. 563, 3 ye- 
däcJiUH W. 649. 1 Irti^ 8), 28. — w?rlfieJien 33. 14 riHm W. 
688, II. — MlJenreUhe 50, 37. 

y. »äläen W. 56S, 1 mir W. 562. 1 gMär W. 549, 3 
(wo ffmar steht) vär 89. Str. 67. 

*) Cna«r« Zfihliuig d«r Slu«lu> in d«r Hb. difioTierl tod Nu. t& an 
roo der ZUIiuk W. K.' I HflS C um eiiw, ■. o. ä. b Aon. 8. — Wo 
bd d«n Citatt'Q dat W^nokcmi^I) flshI^ ist di« Ko. dar «aten ab. 
odruckUii Listler j,'eineinl. 



14 




V. Arnold Unfer u. Hdnriok Ri?t*oh 



Mhd. e 
und das « der Ableitung werden stets durch e wiedeigegeben. 

Mbd. eL 

a. Id der Regel »i (ay) aber anch ei (tte^ 13, 12): fteUig 
W. 855,3. W. 651. 1 iind so regetinÄszig ; Tgl. auch leiden W. 
665,1 gegenüber /oiWct- ebd. 4. (Bl. 241b'): aiit und W« W. 
662, 3 ratn ebd. eheäm ebd. 4.) 

ß. ai (nebeu ay) : ratn 28, 44. 66, 22 petaät 66. 1 tUlttkait 
ebd. 4 ftaUet: rrutile* W. 583, l käme» W. 583, 7 Iraii W. 548, 1 
mmen W. 64Ö. 2 trait 87. 7. — ei: ein und «in neben einaodet 
28, 25 f. W. 683, 12. W. 56S, 6 Jtc>« 56. 6 rwj^i 87, 16. 

■/. Neben ay (»w.v*'«- W. 626. 8 pra>/ten 92. Str. 2 
»bu/win W. 5.i2, 3) ai: «-«rAaü W. 560, I. W. .^26.2 sckain 
W. 626, 6 Küü ebd. 3 pro»( W. S60. 2 chain W. 526. 3 laiät 
W. 562. I öezaUAunri \V. 549. 3 licKfiotjurn ebd. 2 Aaifei 89, 
atr. 3 maUt«rt 90, Str. 1 taidei 92, Str. 2. — ei : ein W. 626, 1 
(doch Ol« für laL tolam >V. 560, 7 terai«e( ebd. 4) /««cä W. 
660, 8 ImliffSH \V. 549. 5 (leüu» 89, Str. 8 (vgl. oben c ijowt« 
W. 663, 2 nnd rogolmfiaüg so). 

Mbd. i. 

a. Kegelui&B7ig i, aber h&ulig ancli y; ym W. 580, 6. 16, 
Prosa j/R (Prouom.) uobeu in (Praep.) W. 680, 6 mj/^me ebd. 8 
dahifn 17.25. (Bl- 241 br h^mlmch W. 562.7). 

^ i: i»i 56, 11 litfmmelisc/ie» W. 683, 1 durehj'einiff . . , 
durefiiclieiniif ebd. 6 durch prüettiff . . , durf/trüftfiff ebd. £ü W. 
562, 1 teirt 81, 6. — J- (y, y) : ly 28, 21 «ynwf 28, 32 pym 
ebd. «ynn 66, 11 rti/vimm W. 559, 1 dyter W. 563, 2. 

y.U inyf. 660,1 «n.veX W. 536. S himeU W. 658.1 
im ebd. 2 hmfl W. 549, 5. 89. Str. 2 u-i/ W. 549, 2. — y: ^s^m* 
W. 660, 2 »i/n W. 826, 1 nr/w W. 549, 3 «ynn ebl eyitw« 
89, Str. 1 ffryrtmen 92, Str. 2. 

Mbd. t. 
a. RegftlmiSiig «i C«y) : «' ^^'- 580. 8 vm/ ebd. dW« 
V. 680, 9 rpeif ebd. 16 reicher W. 582, 1, 1, wo in dou Left* 
•> S. o. a «. 



M6 



Dia Bnidiclirin. 



IE 



arten rü^ aDgegeben ist, aber deutlich n strebt, nur dass das 
e durch die grosxe Initiale des K fast gsoz verdeckt worden ist; 
/«* W. 582, 2 erjml W. fl67. 4 «:A«iA 16, 36 ffeme/td Vf. M7, 9 
gelnchft obd. Fflr hymeirieh W. 600. S Tgl. Weinliold, Mhd. 
Grammatik* § 16, woDach ricJu iu ComposiUs im Mhd. aacb 
burz gebraucht wird; aber o schreibt auch noch ^ S7, 28, 
vgl. dazu u. noter Q. (Bl. 241 b : «:Am'n : tdtrin W. &6ä. 3 
ehindtltin ebd. ^a6«4 cbd, 4 fftiti^li obd. 7). 

ß. ei (ey): «imfonisc^^n 28, 19 ruMn ebd. SS j<«m 56,9 
Min« W. 5<S8, 3 »pei» ebd. 3 *;>«'«{ W. 662, 6 mk W. 549, 1 
Brhrtibet 82. Str. 2. 

/. ei (ey); prfi* W. 560, 1 »ehtin ebd. 2 Uichnam ebd. 4 
8p«/« W. 549, 4 »mlHiA/ncA ebd. 2 /«y 89, Str. 1. Fflr erdtnc/t» 
W. 595, 5 vgl. 0. za b^ntirieh aai mcA W. 660, 8. 

Mhd. d. 

ff. au: «nur: HacJigtbaur : »chmtr: Iraur: bthawr: ßffour 
W, 667, 5 kaum 18. 16 ; ond noch fl: »ahuT« : tnurn W. 557, S 
crfoftii-wi: ruren: trurtn W. 555,5. Cber die Mischung der 
alt«D Üiphtönge mit den neuen bei Dicht«m und Schreibern 
vgl. Mhd. Gr. § 106. Iu unseren Fällen erkennt man Aber 
dem dem & rorauMtohondou Keusoiiautcu stets ein klcinea a In 
gani feinen Zflgen. Vgl. ß: Itneter 38, S9 tnma-t 29, 12 
»au/t 34, 35. y: autt^ W. 560, 2 tratet W. 526, 2 au/ ebd. 6, 
& hier und dort nur In F2Ueu wie rreatttr 55, 43 natura zfigur(4) : 
fore-.Jumrt W. 860, 7. 

Mhd. ie. 

a. ie: hü W. 680.8. — ye; yt ebd., gavShuliefa. — 
i: gedin^ W. 680.23 lOattr 17, 14. — y: ny W. 680,6 wy 
ebd. 15. (Bl. 241b: emp/ienff W. 668,3. — M^e ebd. 4. — 
^jcAir «bd. 5. — liff ebd. 7). 

^ ie: titiK 28,31 /wÄ 66.46 eHerd W. 683,4 Lesart. 
■»«A* W. 563, 1 vfrdritum W. 649, 1 «-Ator 81. 36 dit W. 559, 6 
(und dfy ebd.). — fv: nye 66,6 di/emüetikail W. 583,5 (jy« 
W. 548. 1 ny««»fii W. 649, 1 i»ya ebd. i^ 86, 68. 



16 



S. Arnolil lUfcr a. Ucinrieh Ri«Uch 



y. ie; du (die steht MhoD ftüh nelwn diu, Uhä. Gr. S. &99} 
W. 660, l fci ebd. i .m W. 526, 6 ^ W. 652, 2 cw W. 
546, 3 d« ebd. 2 ßühen 89. Str. 23. — ye: (njl« W. M9. 6. 
90. Str. 3 ist vereinzelt): i^i W. 660,7 yaUicher ebd. du 
und ./ye W. 549.5 lyer 92, Str. 2. — y: <iy W. 626, i 
W. 649. 2. 4. 89. Str. 1. — i: »ckir W. 552, I. W. 549, S. 



Mild. B«. 

o. fl:5ßr.-^mß(18, 27. 29. (Bl. 241b: wiirärt W. 562, 4). 

ß, fle: grüemm 28, 19 tfrütMnn abd. 26 plüernlfiit 56, 6 
niy^'a^ww W. 686,4 'li/emüetikieich W. 568.5 Mfi3«(t W. 569, 
^ribncr W. 548, 2 mietet 82, Str. 1. 

j-, fle : rü*/ W. 6.12, 1 brüeder W. 649, 5 ^tikKt 89, 
Str. 20. — a-.jürl W. 626, 3 m«# W. 649, 5 ßat 92, Str. 2. 



^ 



Mhd. uo. 

c. no (gesi^hr. ü, vgl. ft o. S. 15): (5 W. 580,16 ffli 
«bd. 17. — u, das bald allciu herrscht : plut W. 580, 2 do/ucAcI 
ebd. 5 muter W. 681,1 imten ebd. 10. (B\. 241 b: ftwy W. 
562, 3, ue kommt bei u nicht vor, wohl aber bei ßl o. ti. S. 
18 ; muf.Ur W. 662, 5, wobei e auB o gebesiort ist). 

jK ue: ffiiet $i,5 tuet 65, 16. W. 588, 6. 87, 16 pluem 
W. 583, 2 Tvem ebd. mwsier W. 583, 1. 11 ffueter ebd. and 87, 
10 czve W. 563,3 (neben c:u, x. U. 51,8. 19). 

y. oe: (we W. 560,11 mffien \V. 526,4 ptia: ffrtut: 
tue» W. 649, 4 vergaechen ebd. 3 giuter 89, Str. 3 ßuecliet ebd. 
62 hirf 92, Str. 2. — o: («*( W. 560,12 ;« W. 549,2 
/luches 89, Str. 3. 



2. Konsoiunteit. 

Mhd. k(ck). 



4 



a. R«geln)äszig k, aber auch ch: ehain W. 580,9 oAom 
W. 557, 2, und aaslautend nach r: mereh W. 580, 18 würclt ebd. 
vtrpan-h W. 647,5 tarch ebd. — kch; trkehant W. 557,8. 
(BL 241b: km$the W. 562,3, meist ci: ekindtiexn ebd. 3 
«AoiiM ebd. 4 ^rchant ebd. 6). 




I 



Pie HkotUclihft. 



fi. fc (kk. cfc): *.iK-*«W W. 68e, 2 klar W. 576. l krönt 
W. S78, 1 kri*tenlne}ient W. 549, 1 cr«cAn>f 38, 45 gtdenk 56, 19 
onp/icXr 98, 18 dikken «bd. 20. — gk: /(i>i9<t S8, 21 umaijk W. 
583,4 Khxädigk W. 563,3. — ch: «cArwA«».- mäicAct 44, 34 f. 
— kcb : dikch 82, Sti. 2. 

/. cfa: i^AotR W. 663.3 e^^ln«n W. 696,6 chßrtn W. 
549. 3 fidar ebd. rAon ebd. 4 ckain ebd. 3 rAun^f 89. Str. 1 
tJUamme 90, Str. 1 chain 98, Str. 2 hechamt W. 595, 3. — k : 
Jr«Ht;)A W. 563, 5 iiinu; (lohd. künie) W. 695, 1 jbtjfMriN 89, 
Str. 54 kmiehtn 90, Str. 1 »eiiikeH W. 595,4 ttr^n 100, 
Str. l. — g* »ereiatelt: herrttigUeieh W. 615. 1. — kch: dankek 
W. 615. I ktkihen W. 549, 3 ^otcAeu ebd. fiikdt ebd. lUtic^J^Aw 
ebd. :*tkela 9S, Str. 2. 



Mhd. w. 

a. w: iciiN«cA 11,2 «min 11,20 swir 11,30. (BI. 241b: 
«wrt W. 562, 4). 

fi. w : wnnn 38, 2 icaffrn W. 548, 1. 

y. w: wtltUieh W. 560, 13 tKwrf«/« ebd. 14 fcieart W. 660, 1 
mtveifm 89, Str. I. — h: friV W. S63, 2 btX<Um W. 549,3 
elÄg W. 616, 1 eniiiij' 89. Str. 1 and oft 80. 



Mhd. 8 



ist regolftr. 



k„ 



Mhd. 3 (50- 
o. Bes^elm&saig z, iz: laxt W. 580, 6 jrruu W. 580, 13 
TOS ebd. 14 täzztr ebd. 16 «fmiu ebd. 17 dat ebd. 22 alla 18, 4 
wttz ebd. 6 uxu ebd. 18. Aach %, im Fron. (Art,) </«?, z. B. 
W. 567,1. 13.46 u. sonst o. (BL 241b: dot W. 662,3 dcuebd.). 
^h ß. s: <{<» 56, 10 tergi» ebd. 31 «/«ä W. 583, II. — es: 
^^xrtlonm W. 583, 3 verdtiattn W. 549, 1 pAnig 82, Str. 2 
[ iciA 87,2; anch h: mafz 66,14 »d*/; W. 583,«. — z, T*r- 
1 eiDzeli: gtuU 35,2. 

}>, 8: txeört* W. 563, 3 au« W. 595, 1 vtrto» ebd. 5 lat 
W. 649, 3 da» ebd. 4 <'a< 90, Str. 8 fitu ebd. 10. Auch n, 
z. ß. iwMiw 91, Str. 4 OToA (Praet.) 90, Str. 8. 

9 



18 



F. Arnold Uajer n. Hdariob Ui«Ucb 



849 



Mild. T. 

o. z: £11 23, 9 j<w(wK 23. 40 svtar ebd. 46. — cz: «phpct 
22,2 ^ow««. ebd. »1 /wnri«i 83,81. (Bl. 241 b: htrfzm W. 
S62. 8). 

^ k: 2«Tvn W. 648. 1 ze W. 649, 1. 80, 9. II, 10 Lesart. 
— os:crNn^40, 8. SO, 13 ^n 40, 8. 80, 16. W. 686, 1. W. 662,8 
czaH 41.1. 80. «. 11,39 czaivf W. 686,6 ««Aer W. 549.1 
cxwir 80. B. 11. 20 tw«er( 40. s. 20, ö hfirczUirJi 41, 18 Jl#r«CTi 
ebd. 22. W. 686, 6 heezmthmt ebd. h^xftz ebd. A«r« W. 668, 4, 
W. 549,2. 80. 8. 11.3. 

/. t : zart W. 568. 2 rn ebd. zwtg Vf. 549, 5 rrfr ebd. S 
jnfarAt 98. Str. 2 bfzaü-hatff W. 549, S. — cz: «wm W. 552, 5 
«rwar W. 549, 3 ciwei/l ebd. esKfifeU 89, Str. 8 Aerc; V. 558, 2 
veripitrczte» ebd. 3 ehrfucz ebd. 4 vertzbei/el W. 549, 3 /tereze» 
ebd. 89. Str. I tjUmzlv^h 90, Str. 1. 

Dios wird geuOgcii zur Eeunzeicbuung der Schreiber und 
zur Recbtferti^ug der vorgpnoramenan Unterscheidung der- 
selben TOD Seite der Orthograpbis. Gegeu W.'ä Aiigabeu 
(K.» I S6ß) liat also 

1) o noch ie, freilich selten, vielmehr spratih ebenso wie 
y auch a schon ie = i. und ebenso kommt auch no hier nocb 
vor; richtig ist dagegen, dass Qe unil iie liier fohlen, b uud t 
gCBcbieden werden, -lieh uud -ieiek, -Un (z, B. drWin 11,28, 
aber auch -lein, t.. B. plilmlein W. 580,18); nymattd z. 
B. 11,9. 

S) {i scheidet zwar i and ie, bat a and ne, ü und. fie, 
unterscheidet aber nicht immer ei und ai. nift 56, 6. W. 
583, ö njfemand 38. 16. 

3) ist gegen W.'s Angaben zu bemerken, daas / zwiBchen 
i and ie, n and ae, fl and de flberhaupt keinen, zwischen ei 
und ai nicht durchweg einen Unterschied macht; nuemaiuit W. 
526. 7 f>/emanl 89, Str. 2. 

Was wir unten nuter VI aus der Hs. mitteilen, beschrSnkt 
ticb im Wesentlichen auf die weltlichen Lieder. Fßr die 
flbrigeu Stöcke rerweisen wir unter dem Text auf die Drucke 
und fOhrea auch ungednickte Stacke nur mit den Anfang»- 



360 



Die Uftodschritl. 



19 



Worten an. Der Text maclit den Anspracb einer ^mtuen 
'Wiedergabe der Cberliefenmg nicbt mehr. Nur baben vir 
die Zeilen abgewtst. and swar mit wenigen Auankbmen 
alle Reime, da eich rerbfllCnismlLatig sichere Kriterien für 
tnaere Ueime nnr in den seltensten Ffillen boten (s. Abschn. V 
B nnd die Antn. zu No. 21. 23); in ihrer Bedentung klare Ab- 
kflnangen sind aufgclfiat, in der Ha. getrennt gceefarielMme Cem- 
pesita Tereinigt (beides schon oben iu den B«iBi>ieIen für die 
Orthographie, nnd Qberhanpe im Folgenden bei Oicaben aus Rss.), 
Inttrpunktionszeiebea wurden gesetzt und die Minuskel im Ccntext 
gteicbmtexig dorcbgeführt. }', f, y erscheinen duri-'baua in der 
Uestalt Ton y widei^egeben, das lange T schon oben ab s, ausser 
in b. h. Von den roUsttodig mitgeteilten Nummern sind unter dem 
Teit auch etwa erhaltene Lesarten angegeben, Beeaeruugen, 
auch gani eridente, durchaos in die Anmerkongen venrieses. 
Pfir die kritische Behandlnng des Werttextes bAtte man von 
sprachlicher Seite insbesoudere die Punkte 3 und 5 S. 1S4 f. zu 
buchua. 

Ober die Art, wie hier der Notentext zum Abdruck 
gelangte, noch einige Bemerkungen. Die einlachen Mensoral- 
verh&ltniBse der Lieder Uesien eine möglichste AnnAherung an 
die Qberlieferte Fenn m, so daes nur bozt^Ucb der Ligatorou 
ein Zugeständnis au die modenie Schrift gemacht werden 
nnuate; dieselben erechcineu hier stets durch eine Klammer 
^^ Aber den getrennt gMchriebenon Not«D anagedrflckt. Wir 
hielten uns auch nicht berechtigt, statt der Doppelr&uten je das 
Speichen einer Brevis einzaMtzen. da in anderen Pillen diese 
•elblC geeetzt ist und der Schreiber also doch wot einen Doter- 
Bchied gemacht haben wellte ; welchen, ist allerdings nicht 
klar. Dagegen wurde in der Cbertragung stets das fQnflinige 
Nnbensysiem angewendet, da hierdurch grtewre Gleichheit 
«rzielt and u. K. anch das Leeen erleichtert wird '). Auch 



>) Bei Übertragong vom TierliDif.-eii Sylt««! 6m Oripnal« «rtr« u 
g«aMV, äi» tätdU littie Um n p«nkti«r«a, vri« et £. Fi»chBr üi U S U. 
IV TTSff. thut, doeb wnHe d)M wegen («chnitübsr Schwierig keit«n 
ualrriaMcD. 



so 




F. Arnold Miyar u. Heinrioli Ri«tBch 



361 



in der ScblÜBselTorxeichDung, die wir Oben als sehr willkSrlioh 
bezeichaen laoasteo, warde dem Original nicht sklavisch gefolgt, 
auszer bei zweifelhaften Stellen, wobei stet« die fünft«, ol>erete 
KottnUnie ü» die im Original fehlcudo m botraclitou ist. Dai 
Notentext selbst ist ganz unverflndert abgedruckt und auch liier 
Bind alle Vemintuugcß Aber verderbte Überlieferung einzelner 
Stollen und dor«n etwaige wahre Gestalt in die Anmerkungen 
lerwiesen. — 

Fast nur die geistlichen Stücke unserer Hb. (D) und die 
Qedicht« von BL 253 a ab *) finden steh, bald alle, bald einzelne, 
zum Teil auch um andere, hier nicht eracfaeinendo vermehrt, 
mit und ohne Musiknotcn, noch in vielen *) Hsfl., die hier in 
möglichster Vollständigkeit angeführt werden. Direkt benQtzen 
konnten wir von dieoen (meines Wissens durchaus Papierhss. — 
doch s. u. Texte No. 16 Hs. 13) die Hss. 1. 12—17. 41a; aus 
Us. 3 Terechaffteu wir uns die nötigsten Collationen. ") FQr den 
grölten Teil der Uss., fibrigons meist solche von genng^nrem 
Belang fOr onseren Gegenstand, standen nur abgeleitet« Quellen 
ZB Gebote. 

I. Mfinchner Hss. 

I. A, Cgm. 71.5, ■**, aus Tegemsee, (im Catalogus codicum" 
T lld), die vergleicbBweisc vollsUndigste imd beste der hier 
zu nennenden Ues., aus der ersten Hfilfte des 15. .Jbe.. s. Pfeiffer 
in den Altdeutschen Blättern II 325. P. beschreibt sie und 
gibt den Inhalt ansfahrlich an ; ein altes ('horalbnch (a. a. 0. 
326} war sie aber ebenso wenig wie D, denn sie enthält oder 
enthielt wenigstens auch weltliche Lieder. A bietet aus D, 
mit Ansnabnie von No. 52 und den wenigstens ini alten Rpgistev 
der Hs. augoführton NKo. Öl. ÖG, alle eigentlich geistlichen 

') Wo noch »cilera Lioder aua D eracheinen, «ind im folgoud«» 
Ver«eichni« ihr« SummiTO durth clon Druuk htrvorijcli'jbeü. 

■) So wie HoffmAnn, Oi-ioliicbta d. cleultoh. Kirohenliedei ■ 149 f. 
■chon vermutete, nli er durt au« dem Inbnlt« von D Üo. 6- 61. 6S. 
64. «7. 60. 71. 73-7S. 76 »ofdlirtB. 

*) Sine» Aufotilhnlt in Uünchert tot mebrcren Jabrea beuiitat« 
ich fMt aimtelilietzlioli lu NKrfafonuhnngen über den Stoff de» IL Ab- 
aobnill«! (vgl. u. S. 6& Ann. 1). 




86S 



Die HanduliriA. 



Lieder '), sowie wenige weltliche (tkber die»e o. S- 36 f.). D 
No. 99, der Cisioiauos («■ o. S. 18), ist in A, wie 'So. 61 und 
66, anr im Register angeFOhrt Aoszerdem entbäh die Us. 
in Obersetximgen und dentschen Originalen: 4 (IV) (Nomerinuig 
Dadi Pfeiffer a. a. 0., der auch die Alinoa Terzeichnet) Kin 
andtr UMijMr') Salue mater 6 (V) At« rir^inalU fonna 7 (KI) 
Vterv» virpineut 12 (X[I) Stabat mater 15 (XXllI) F^tlmn www 
16 (XXIT) Surffit C'Amh« cum tropfito 23 (SVI) Cnix juUlit 24 
(XXXII) Von '»emd El^fzabtthai 25 (XXXI) [CWV r«(imm;] ') 26 
(XXXIlIa) JöwpA /wJer iw/e mnVi 29 (XVU) imwfn;*«»- ndiK 
30 (XVIU) SalMfttia die» 13 (XIX) Zw otttm 32 (XXI) ^«t 
andtr*) MuH'ii rtnouaöo /da WcitxhfnslaimfrJ 33 Von vnnter 
rrduvn ;m*eA 34 Ave merea tttme usw. 3ö (VIII) }liuü a<i nrffitum 
/hat der Otwatd Wclkemtainer iimtaehtf 44 (XJiVII) Von tont 
Marttüu ^aeilrschafl 45 (XLVIIl) Ein (rädd wn $and Marttm/ 
(XLK) i£in r.id«i vm teirttenj (beide nur mehr fragmentarisch 
erbalteo, a. n&heres im Anh. unter 2 und 3). Gleichfalls in D 
fehlend, aber auch in A nnr im Register angeführt sind: «XXXIV) 
Ein litd dt» jWwiMcA usw. (XXXV) Saiue re^ina fflorit (LIII) 
Oncald WoilKher>»tainrr von fftspol der vraioin USW. (LV) Von 
I MW. (IjVI) Von de* A^mmeU un^moeif usw. (XXIV) Der 

npnus te phitifltUnu UBw. (XXV) Veni tanete tpirüu» usw. 
I) Der t/mpnus von der Iieyli^en rfry/d/öiaii USW. 
1 a. An, Ogm. 379, 4**, 14r>4 in Augsburg geschrieben (s. 

olte. Ein Aiigsburger Liederbuch rom J. 1454, in der Alemannia 

}. 97 ff.) enthält D Xo. 53. 26. 17. 60. 

2. C. Cgm. 628, foL, von 1468 (Cat V 101, Ad. Bl. 11 
325): D No. 1. 5. 6. 70.;72. 78, auszonicm BL 2Öl)d_bi8 251b 
A No. »3. 




*) Die Alinea Ul uiit«ii in VI iiiit«r der Xo. das «iiitelnen Lieds« 
JedsHMl g»ti«uuti duielb« gilt tob dea im Fol^endeu aufgeführtou Rnt. 
nr die SläcJie *m D. 

•) L, rxHgtr. 

*) Wm hier in [ ] lUbt, rtt ttu d«m »lluQ Regiit«r der Bt. 

*} Im Kvtniter jtekt asBiiltclbor raraui: UunJi rMOtMcio 
(ntM ü«. 71). 



F. Arnold Uayer n. Heüiriob BietKb 



1 



3. K, Cgm. 4997, 4». 15. Jh„ Tgl. B. JIl. und da 
Cit VI 511 ff.: D No. 1. S. 7. 8. 9. 10. II. 12. 52. 6Ö. 78. 71 
82. 89 (70 Str.). 90 (4 Str.). 91. 93. 96 (blos 3 Str.). 99. 100. 
A 46 (XXIT)?? (8. n. S. 38). Mitten unter diesen Liedern 
steht eine« Bl. üS8, das beginnt : Ick Ht dich, yeler guter ding«. 

Es folgen ntu: 4. Cgm. 1U;>, foL, eiste U&lft« des 15. 
Jba. (Oat V 170; W. K.* I 865; ebd. II 409 mit B bewichnet). 
Hier stehen hinter Notata dren rt» »aertu mria latina: D 4. 
61. 62 (nur die ersten Zeilen, vgl W. K.» I 866. die AngBbe_ 
ebd. II 378 kannte iireffihreo). 69. 70—76; dain ans A: BI. 211" 
N& 6 (V). 28b No. 7 (XI), 39 No. 26 (XXXÜla). 

5. Cgm. 444. 4", voo 1422 (Cat. V 73): am D No. 
N-Z au4 de* Attine&i von S<üil>vrg ABC auf Maria; ferner 
No. 61 (mit dem Orig.); dann BL 16 (vgL W. K'.* II zu N<^ 
610) das tetecz maffnum tioitun, voran geht BL 17 (vgL den Cil^^ 
a. a. 0.) daa lateinische Original; BL 20 I/it» est laetiti<K, eboufaUa 
lateinisch und deutsch. ^H 

6. G. Clm. 4423, 8», J. 1481—1492 (Cat III 2 S. 164^ 
W. K. * II 409) enthält unter Anderem Carmina Monachi Saliz- 
bwgenfii, nSmlich: D No. 1. ö- 6. 16. 70. 72. 78; Bl. 56 

A Ke. 33. ^ 

7. Cgm. 351, 4", v. .1. 1474 (Ad. BL II .146 steht inS 
tfimlich: 13. Jh.). Darin D No. 8. 96. (S. Aretiu's Beitrige 
I. Geschichte u. Littoratur 9, 1128—78). 

8. Cgm. 716, i", 15. Jh. (Cat V 119): D No. 3; at 
No. 1? (a. Cat V 34). 

9. Cgm. 270, 2», 1464 CCat V 34): D X». 1. 

10. Cgm. 1019, 4", 15. Jh. (Cat V. 166): D No. 9. 

11. Clm. 5967, 4^ 15. Jh., enthält nach dem Cat Ut 
8 S. 60 D No. 5. 67. 71. 



rtge 

1 

9. ^ 
. Ut 



II. HandKhrifteu doi Wiener Hofbibliothek. 

12. E, 4696, 4°. von Lambacb, aus der ersten H&lfte 
des 15. Jhs. (so W.K.* II 409; schlechtweg aus dem 15. Jh. 
Tab. in 353, Wolf in den Ad. BL H 311 und H. V. 167) ist 
Mufflhrlicher tod W. K. ^ I 369 beschrieben, nachdem zueist 




l>i« fiuiltcbrift. 



PrimisKr ') in Uormavr's Archiv 1822 S. 362 und danach H. K. ' 
143 di«H3. erwlhnt hatte» : D No. 2— 4. 16 (mit ein«r Stiopho 
mehr als D). 17. 61. 62. 67—69. 71. 73. 74: atw A: Bl. 159b 
6 (Vj, ßl. Uöb 32 (XXII, BL 131»» Sß (VIU). Bl. 149a 46 
(XXIV). Kl. 1.10a 47 (XXV). Bl. 152a 48 (XXVI). Bl. 168a 
44 (XLVII). Bl. 170b 45 (XLVIU); dann ein wuIUiclies Ued, 
das ich im Anh. unter Ko. 4 mitt«!!«.*) 

IS. d, 3741, fol.. l.'i. Jh. (1469). wie D aus Mocdaw» 
((dim Luoaelae. f. 195. Tab. UI 72> Das Papier hat ein WuMf 
zeichen, dnsa sich Ähnlich ancJi in D findet, osd ea sind beide 
Hbs. ntOglicherweist! an demselben Orte, vielleicht in Uondsee 
selbst, entstanden, il enthalt D Xo. 1. 5. 6. 16 (s. unter der 
No. in den Texten). 70. 72. 78. daau Bl. 17» A No. 33. 

14. F, 2975, 4", von 146.'. (s. die Tab. U lö.l f.; beschrieben 
aaeh Tön H. V. 170 ff.. W. K.» I 369 f.): aus D So. 2. 3. 4. 61. 
63—65. 67—77. aus A Bl. 152a Ko. 4 Q\), Bl. 156» 32 (XXI), 
Bl. Ut4h 3.^ (VIII) (Verxeichnis schon in Mone'a Aoieiger 1888 
S^ 577). 

15. 4494, 4^ 15. Jh. (Tab. HI 286), enthalt D 76, 
nnmittelbar vorher (BL 61» ff.) das Orig. 

16. 3946. f". 15. Jb. (lab. III 123). euthfilt deutsche 
ieder. unter ihnen D 70. 71, BL 471b A 4 (IV). 

17. 3027,8M5.— 16.Jh.a"ab.U182;TgLH.V.188):Dl6. 

nr. Hoidelbcr^r Hss.: 

18. No. lOÖ (nach »Iter Bezeicbnnng, bei Bartach, Die 
Itdeutech. Hss. der Üniv.-Biblioth. Heidelbei^: No. 66), 4*, 
16. Jh.: D 7. 9. 

19. No. 355 (in B. Cat. 182), 4". 15. Jh.: D 8. 

20. Ko. 356 (in B. Cat. 183J, 4* 15. Jh.: zuBretBL 87» 
ein (ledicht, das beginnt: IM ffOt jn lintr Meyenttat I Gar 
virdiciifJi rtn Aaiw/ fffiat nsir-, T<H& UjJncb v. Salzburg? s. Bartsch' 
Germanist. Stud. h 3091; weiter D 1. 8. 9. 89 (Str. 30, 

') der ÜB aocb ia L*&>1>ftch fanr], 

*) Ampftni, Cb«r d. USnch v. SaUbnrg &• * rcrwecbselt diew 
Hi^ mit I>, Kbulich» V«rM)i«a giU e» in d«r gcnanotAR Schrift *t)ch 
(onit Boch. 



u 




F. Aniuld Hn)*Br n. Heinrich Bietaob 



a u. Vi. 
NBtd- I 

M 



ebenso, wsa uuf Str. 60 foli^, fclilt. vgl. SifanngsbericlitB d. 

Wiener Aksdemie, Pbilo3.-hiHt. K\&m. 1^67 S. 471 ff.); 90. 

208. No. 372 (in B. Cat. 199). f". 14. Jh.: D 62. 

21. ISo. 392 (üi B. Cat. 214). i\ Ib. Jh.: D 82; Ö6 
(bricht ab in Str. 6 mit: nodt hat vnt got ein ueuen sin ffe/ffehmf,}. 

22. No. 693 (in B. Cat 314)," 4", lÄ. Jh.: D 82.' 00. 92. 
Fcnwr 

IV.: 

23. Eine von B. Ml. 70 nicht säher beieichnete 
berger Hs. «ntliält D 9t (identisch mit einer der folgenttMi 
Hss. 24. 25 nnd 26?). 

24. No. 3910 des Germ. Maseuma. kl. S^ von 142 
euthfilt D ö2, 3. Die ßrlösung von Bartsch H. :tOB und 8. I^XTV f. 

25. Hg. der Nflmberger Staatbibliothok eent. VI. 86, 
1&. Jh., 8": D 67, rerh&ttitism&sBig nur ganz unbedeutend weicht der 
Nfimberger Text von der sonstigen Oberliefening ab, a. dagegeo 
a. a. 0. 8. 293 nnd S. LX, wonach die Nttruberger Aufzeichnoug 
eine altere Übersetzung sein soll. 

(26. In der Hb. cent VI!. 24, 8 », 15. Jh., steht (BL PI 
ein deutsches Stabat mater. dessen Verfasser nach Ilartech ^H 
a. 0. LVITf. (vgl. 290 ff.) mit dorn von Hs. A No. 12 (SJ^T 
dem Mönch r. Sabburg. identisch ist, jene sei eine filtere Cfaetj 
Setzung des Originals, aber ron demselben Dichter.) 

27. Kine Strassburger Hs. (wie 28. 28 a, 1870 Terbrannt)T 
B 121. 4". 15. Jh. (W. K.* II 443. 528. MfUler, Loufenberg 
9ff.) euUiieltD 1. 7. 8. 71. 82 (nur vier Str.? MflUer 16); UL 

sht ein deutsches Salve mater salvatoris, vielleicht vom 
ch (s. W. K.* 11 zu No. 585) und dann seine dritte Ober- 
aetinng des Originals. 

28. Job. A 82, {", Zeit? (s. W. K." II 420), enthielt D 7. 
28 a. 374, 15. Jh., enthielt Str. 1. 2 und die ersten 

fönf Zeüen der dritteu Strophe von D 93 (s. W. K.* II No. 845). 

29. Die Hs. der Klara Hitzlerin, fol., von 1471 (s. H. H. 
S. IX) enthalt: D No. 7—10. 16. 52. 59. 66. 

30. B echstoins') Hs. (s. H. H. S. XXXVIH ff., der aber 
') Ludwig Bechatcio, cliedom BililiolbokiLr iu l[«iniugoii> 



336 



Die HtDlt•l^hrift. 



S5 



hier ehenw wenig, wie im Bericht der Deutschen Oes«llsehafb 
zo Leipzig 1839 S. 44 Aber die Süssere Be»chaffenbeit der Hs. 
0«iuiueres mitteilt; s. jedoch AL 18,98), 4". (1&12): D 69. 

31. Die Hs. des LL-, 4*, zum grOssten Teile um die Mitte 
des 15. Jbs. geschrieben, enth&lt D 16. 17 (Ad. BI. II 848 iUh 
UmMbMfa's Lioderhs., s. &a«h M. Aai. 9. 277 f.). 

31a. Fichard's Hs., 4^ aus derselben Zeit, aoazugsweise 
gedmekt F. A. lU 196 ff. : D 60- 

(32. H9. 1305 der Leipiigor Dniv.-BibUothek, Ende des 

14. oder Anfang dee 15. Jha. (W. K.« U za Xo. 605): Bl. 115 
A 26 (XXXIII a), der Text stimmt mit dem tob A ziemlicb 
genau, nur hat jener nm eine Strophe mehr, ebenso wie oben 
Hs. 4, 8. W. K* Ü No. 606). 

(SS. Zwickauer Hs. No. X. 15. Jh. (s. MQller, Lourenberg 
23 ff.) enthält wie Hs. 27 W. K.* U No. 585.) 

34. Eine Hs. in lö" aus der ersten H&Ifte dea 15. Jhs., 
die fHher dem Wiener Antiquar Euppitsch gehörte (Kanjao, 
Der Schftt^7flb«r I4S f.> enthält Dl; Bl. 158 A 6 (V). Wo 
die Ha. jetzt sich befindet, ist nicht bekannt. 

35. Klosterueuburger Hs. 533, f, enthält, wie H. K.* 285 
Termutet, wirklich D 67, auszerdem aber D 74: beide Ober- 
setzungen mit dem Datum 1418 am Scblusse*). 

36. In einer Hs. voa St. Floriaa (Czerny's Catalog XI. 37), 
4^ Aufang des 15. Jhs., stehen D 73 (Strophe am Strophe die 
Cbersetzung mit dem lateinischen Original wechselnd). 16 (unter 
dem Titel ; Ein ,jutt fftpett) ; rgL Ad. BL H 348. 

37. Hs. I 28 der kgL Privatbibliothek in Stuttgart, 4^ 

15. Jh.. enthält D 16 (M. Anz. 1S38 Sp. 288). ebenso 

37 a. Cod. asc 38 tod ebd. nach Bartach, Beitrage z. 
Quellenkunde 381. 

38. Us.der CffenÜ. Bibliothek ebd., Theolog. 19, 1S''(\V. K* 
n 421 : 8*J, 15. Jh.: D 8 (aber nach W. K. a. a. 0. nur der 
Anfgeoang der 1. Str. ; M. .Vnz. 18S8 Sp. 282). 63 (a. a. 0. 283). 

39 a. Hs. 392 der Stiflsbibliothek in St Gallen, 4*, 16. Jh. 

■) Hern: tJililiotlmktr P. Pol«rUn in Kloirt«raeubnrg büt i^ >u 
DeiÜc verpflichtet. 




36 



F. Amoltl Ibycr a. Hf^mricfa RieUcli 



3S7 






(ca. H70— H80. W. Am. 1833, 277), bietet 1) 16 (7 Str.). ». 
Sclierer. V6r2«ichms der Hm- der Stiftsbiblioüielt tod St. Qal]«B 
S. 344. 

:töh. Dasselbe Uej enthält die Ht. 455. {", 15. Jb., d«r 
doriigeii Vadiana, Scii«rer, St Gallische Hss. in Auszttgpu S. S6, 
dam Scilonr, Verzeichnis i. Mouuscripte n. Inctmabeln d«i 
Vadianischen Bibliothek in St. (lallen S. ISO (das Beoedicit«. 
dem das Gratias folgt, stellt hier als Dt* Männe/i» bettedid 
von Saitzhiirtt: im gauiOD 5 Str.). 

40. He. 4^ der Grazer Ümv.-Bibliotli.. 8". 13.— 14. Jh.: 
D 8S, s. Beiträge z. Kaode steieno&rkiacher GeschichteqneUen I 1 
35, Gerniaui« 20, 442. ^ 

41. Hs. H ebd., f^ 15. Jh.: D 52 (8. H. K.' 382). fl 

41 u. S., die SterÜDger MisoeUaoMnba., 4", aus dem 
Ende des 14. Jhs. (WSB. 54, 293 ff.) enthält von D: 12. 15i 
26. 36. 63. 73. 76. 

42. Die Wilten. MeiBtersaDgerhs.. kl. f». 15. Jh. (WSB.' 
37, 331 ff., dam B. ML 108 unter 66) hat vou D 89 Str. 1—18. 
43 — 45, dazn am .Anfang 3 Str., die in D fehleo, aber in Hs. 20. 
44 (alle 3 wohl aach in K, s. WSB. 55, 471 f.) stehen; dann 

D 90 (WSB. 37,340, B. Ml. 102) «ud 98 (WSB. 37. 859 £^ 
B. Ml. 07). ■ 

42a. Eine Friauler Hr., gr. 4*, N. Jh. (?). enthält D 
No, 68, 69. 70, 8. Germ. 23, SO f. ^ 

42 b. Gdrzer Us. No. 447, 4 ", vom Ausgang des 14. Jhl^l 
Bl. 1 Str. 1 von I) 16; Prof. Adler io l^ag besitzt eine photo- 
graphisclic Beprodtikliou. 

43. Die Donaaeschinger Hs. 120, kl. 2 ". 15. Jh. (& Bartck'U 
Catalog) ist ein Auszug aus K (B. Ml. 92): D 8. d 

43a. Hs. in ebd.. i". 15. Jb.: D 16 {8. n. die Teite). ' 

44. Die Göttbger Hs. 21. C. von 1463 (WSB. 65. 452), 
gibt D 82 (s. a. a. 0. 485 unter .Vill, 16—30) unter 25 Str., 
die twn <l>fr ttinit des gutan^ und anderem handeln ; D 89 unter den 
72 Strophen Zv hhf un»er fnmtcm (a. a. 0. 471 B'.. 4 — 72; 
Str. 47 von D steht vor D 46, die Ordnung von D ancli in 
Hs. 20 oben); D 90 (s. a. a. 0. VIH, S. 477 f.: Vm der leh^nde 





3«8 



Die Hmndielirift. 



■iJ 



der natura); OS (a. ». 0. S. 46-1, 21—23. unter U, S. -161 ff.: 
32 Sprtche Vok der hh^Kha/t dtr mle); 93 {Von der httut 
attrönomit, a. a. 0. XH S. 482 f. ; D Str. 13 steht vor D Str. 11); 
100 (*. a. 0. 470 f.: Di b&tle und di prop/tgten). 

45. Karlsruher Hs. 81. 4 ■>. 16. Jh., b. M. Am. 7. 393: D 82. 

46. Üb. IV 38 d«r Dasl«r Dmv.-Bihlioth., U. 4", xweit« 
HUfte des 15. .Ihs.: D 82 (B. Beitr. 277). 

47. Die Grßgoriashs. aus Spiez am Thunerse«. KeitrSge z. 
GueMchte d. deatscheo Sprache a. Littoratur vou Paul u. Drauo« 
m 90 ff., kl. 4", aus dem «rst«u Viortel des 15. .Tbl., eotbalt 
D 7. 9 (a. a. 0. 358 ff.). Beide Gedichte sind in der Tfaat 'von 
domselben Verfasser', wie Paul nach der gloiclieu Strophenfornj 
vermiitet, and 'nicht riel ilt«r als die Hb.' 

Von den o. S. 20 Aam. 1 b«mchneten weltlichen Liedern, 
die D enthält, finden sich, nie das Vorstehende zeigt, nar wenige 
noch In anderen Hss. ausier dieser (rgl. o. S. 142). 

Clan Pigt hin«!, in I: 
«, Cgtn. 7M, 4^ 1&. Jb. (Cat. V IM): D ^fo. 91. 
Sa. Cgta. 811.8°. Uilt« de« IK. Jbi. (Keim Ja don SiUung»- 
M d«r bair. Älcad., Philo«.-hi»lor. Cl., 1891 8. 68»fr.): D No. 78 

(Keinz m. %. O. 6«Q. 

49. Uonu in «ciiMna Aatcistcr 1838 Sp. 498 £ ToMiuhiKt d<m In* 
balt aatr Kräneren H*. au« dem Anfang dr* 16. Jh$. in 4er Stadt- 
NNwtJM m Htgenthurg. DImc Hu. niuu lick jcUt in UÜDchan befinden, 
wuigtten« rind &\e Hm. der K«i;<nabuifrer Stadtbiblintkck dahin j^c- 
koUB««. A.a.O. Sp 496 uul«r 49 buMt st: VäneA von Satespnrg 
(dit Henorbebaag ilt vod Uone) kinrbrift. Iit da» S<Ut« Regina gtoirirt 
(TgL o. S. 81 H«. !>, 

ZbIV; 

50. KlotieRicuburger Hi. No. 7)6, am itm Ai&mge det 15. Jbt. 
(to der geaohri«b«ii« HundaehriftenoKUlug inKlotternetibag): D No. 9. 
Vgl. U. Aot. 1838 Sp. 579. Diew H*. nnd H«. U kouute iob wlbit 
einMbeii. 

&I. Br«iUDer H*. 1. 4* 48$ cntbäit onoh H. K.* No. ISS D 67 
in einer 'im Wrtentliclutcn' nborgiMtitnmcndcn Fwiung. Vgl. Ettörang 
S. LX und 0. Hl. äfl. 



F. Arnold Mayer u, Heinrich Hietsch. 



359 



(BS. V. d. Hagen kennt MS. IV 762 eine Perglia. (vgl. o. S. 20) 
de» 13. (vielmehr 14.) Jlts., welche Dr, Soller in London beeilzt, und 
scheint eines der beiden Gedichts T> No. 9 oder 7 ab in ihr enthalten 
m beaeiolinen. Diese Hs. ist nicht die einzige unter den aufgeführten. 
aber deren Verbleib mir die Nachrichten fehlen.) 

Hb. 4S wäre all Cgm. 6198 anzaTühren gewesen. — Yen Hs. IS 
beBitet W. Bäumker eine Copie, denn offenbar ist nichts anderes die 
Copie eine» geiellichen Liedcrbuehes aus dnn Anfange de» 15. Jahr- 
hunderts, aus der er in setneni Bache : Das katholische deuUcbe Kirchen- 
lied, 1666 ff., wiederholt citirt (z. B. I 366). 



n. 

Der Mönch von Salzburg und der 
Erzbischof Pilgrim IL 

Der Hof von Salzburg und salzbuigische 

Lyrik. 




Die 31 geistlichen Lieder unserer Ha. D. zu der wir 
UX8 uns zUDäclist rQckwendeo, sind bekannt aus W. K.* II 40i)ff., 
DOr No. 62 Ich wtchter $*>l enttckm osw. steht a. a. 0. 328, 
es ist Tou Peter Ton Arberg '). Von den Obrigou 30 nenut £a 
25 (da in No. 77 So. B3 wiederholt wird *)) die Hs. selbst im Titel 
Ober den Liedern als Verfasser den UHüch (s. o. 8. 13). Ka bleiben 
TOn den goiatÜcheu Liedern somit noch: No. 16 {AUmäckiff got, 
harr Jietu ChrUt, W. K.*II No. 600). 62 (Ega, htrr* gel, tea« 
mag da» tfew», W. K.* No. r>2ä). M {Kuniff Ckritte, macher 
aller dinff, ebd. No. 595). 65 {Jiga der grottm littet, ebd. No. 
615). 72 (Sälig »ey dtr tfldeti czeit, ebd. No. 588) = fllnf. 
Dnter der oben (S. 5) abgetremiteu zweiten Gruppe tou 69 Ge- 
diobteo sind 12 Gedichte, z. T. sehr omlangreich and in der Art 
d0B fpSt«reu Meistersanges *), die den Scliluss der Hs. bilden, 
wir heh«n vorläufig rou diesen uur etces heraus, No. 99, das, 
ähnlich trocken und lehrhaft wie -lie anderen, docli in der Us. 
selbst schon als Citioiatwu de» Atäniei» unterschieden wir<i 
(TgL 0. S. 12. 21). 



') Xiclit, viv- Genn. 19,90 6npTiotmn*ii wnrd*. BiirfigTnf tob 
TftDttr* in der Scbwdi (w nocb W. L. I 46&): «um Jahr 185» führt 
dis Limburgvr Chronik Min« groixe TsK«weüe an. S. über tlio die weitere 
Litt«ralnr bei li. O. 1 S»7. 

•) Unrichtig Mgt W.K.* H 481 (w No. M3) Tan dteteni Liede; 
D baticknet iireimal den itifiKh «J» Verfaster. 

•) E* und Hat durcbaiu cignitlich meiattrli'ihc Dichtmiya : 
Ko. 09. BO bvjwiohnct der Schreiber je •!» Schlafe ■!■ mai»Urgrtangk ; 
vgL andi über 90: Hit leil der maitttr lutgrH mv.; über 100: l7tV- 
naeh trit der n>ai$ter iiii^«n aiw.; 9S, Str. 1 ich hSr die maitter 
den geUmbtn ander» »chreiben; 98, Str. I Wer imeM tieh mai$tfr für, 
der f/em . . . avff tlUttmn halft . . . mit der kür grtang, td» nidn M 
«ot, 94, Str. 9 ich iprieJt, dai maitter tMng ir icvjwAaif «ycMand 
lernen be$r«iffen cftan; duu d. S. ISi Aam. S. 




P. Arnold llfty«r a. Hdarich Rittacb 



OenaneTe KacbTichten Ober dieseB MCocb , TW Um ■ 
eclion j«tzt behauptet werden kasD, dass er j«de80dlt fit 
bedeatendem Masi« an den Gedichten tmsi>rer Hs. b«t«iligt 
gewesen ist, and seine dicbteriecbe TbStigkeit geben non einige 
der anderen, o. (S. 30 ff.) geoannKn nud im folgendeii nochmals 
anzuziehenden Hsg. Dem Alter und der Bedeutung nach «t«kt 
A (o. als Hs. 1) voran. Hier besagt die Vorschrift auf Bl. 1 a >), 
das3 folge: 

Ein rttfitttr mit diteUektn ttqutntatn wn vnnter liAm 
vrawen, auch tequenaen von etlnriten heyligen vnä auch ympHiOf 
aiteft ^fütliehe vnä werttlicfie titd, so ein icolffelerter /xrr. hir 
Berman. tin mnnich bmedictiner oräen eno Sainbwffk. ztr d«n 
Klben ezeiten mit sampt atnem layprittter herm Marttin ^maeid 
haben vnil nc lii-wUeh liracht Jiitvh btgrOwen vnd an befferen 
(Ut hochwirdigen filrUtn vnd ha-en, kemi Pylgreim, erczlfifsehe/, 
teffat t« Rom, st Saictptirk erahytehof, vnd e* hat gedtr 
pueehlab seine nainent ainen vert, darjnn man *) manige fiffur 
OH« der hyhel getammet *) vnn>er liehm vraicm zugeUteM ian» 
md iit dl/ erst y«7CC»CTj, darrmb jn der lemeU htrr se dett ttlbt» 
rzeiien ein ritter p/ruent geben hat. 

Hier ist der Wortlaut genau ku flbcrlcgon. Das folgend» 
Register enthalte, heisit os: 1) Deutsche Sequenzen auf die W. 
Maria 2) solche auf andere Heilige 3) HymneD 4) geistliche 
6) weltliche Lieder •). Diese hatten gemaelu ... vnd zib tt brachlj 

'") Pfeiffer Ad. Bl. II 8S«: Amp(. £; W. K.* X «6. 

*) »Ulli i*t KU tilg«u. 

*) gttamtt (*o eclireibt die Hb.) tiitd wollt« Profestor Heüm-'l 
U«en, derselbe im foigendeo ist dai (tls) für itt dy. 

*) Die aua dem Likt«iiii«i.'lieii überMtuten Gesänj,'« iiaA im Reg-igter 
cor zam T«tl gp«dell «U Hjuiduh oder ttla SeqDtfDx bK«ic'hiiut. BL 8b 
»ben ttcht Ympnvt, du acbeiot vteuigslcn« für alle Qenäuge dteter 
Seite m ^«Iteo, licnii von diesco i>t mit Auanahme eine* eiiucigen jeder 
DOeb ktudrückliirb nU 'Hymnm' boKeichiiet ; von Bl. 3a folgeo dann 
irieder 'Hymnen' and 'Sequunren' virmischi. — 'Lied' dürfte hier, wenn 
der Aundruok von cici^m Gedicht >li [[an;!pm gebraucht wird (z. B. Reig. 
No. XXXV 11 Ein kotlUieh lied ....), dcut>ch« Originaldichtung bc- 
Michnon, da« Wort itohi aber auch cinfeeh für 'Stropbe (c B. R»g. No. 
XLI Zt lerytiachttt fünf koalith lud , . .). 



364 



Der USnth von Sslibuig. 



88 



d. b. ja wot aus dem LiMisiKhea übersetzt fsi/- J. hr.) und selbst 
v«rfas8t (ffemachi) zwei Mfimier: ein B<>uediktiD«rniOocfa, Herr') 
H«niiaiiD, «IM usolytltrUr herr (er Tflntand Latcttüsch. deiu er 
flbersetBt« latetmscbe Ori^inalo tuid dichtete auch luteinisch, s. il 
S. 48), no <im tdben ez. mit sampt, also im vereine mit, untfir- 
«tOit TOD einem tat/prittier ^) herm Marta'ii ; und swu bitten diese 
beIdl^D gedlcbtet durch hr^. md an btg. det . . . I)/lffreim, ercz- 
l^tdtof, . . . Hier heisst an be^eren jedes&lls aof Wnnsch, die 
eisbe Formel dwcA l/t^rOiattn scbeint dieser zweiten nicht blos for- 
mell, sondern auch dem Sinne nach parallol. srnonym zu stehen. 
TgL sach in der Vorschrift der I^ambAoher Us.: dvr<h bf^trtn 
vnrffi«« (unten S. 39). Man bStt« dann an di« alte allgemeinere Be- 
deatiiog des WortM gräesen zu denken (HittelhochdentecbM 
Wört«rbuch von Benecke. Müller und Zarncke I 583). Was nun 
in der Vorschrift folgt, kann sich nur auf eines der folgendes 
Lieder beii«h«n, Xo. 1, welches im Register fohlt (No. 2 in 
D): 'da» jeder Buchstabe seines (des Bribischofs) Kam«ns 
eineo ver» ('.Stropbenabschuitt', vgl. Ubd. Wb. UI 303 b, 
Leier III 208 nuter vers (Strophe: ileqxmsorium)) bab«*, 
das Gedicht bildet ein Akrostichon nach den WortAti: 
PYLGREIM ERCZPISCHOr LEGAT. SchÜMBÜßli betet 
es: 'das besprochene Gedicht sei das erst« gflweBUi, darum 
iboen (n&mlich den zweien) der Krzbtscfaof eine Ritter- 
p&Qnde gegeben', wofal so zu verstehen, es war das erste, was 
sie machten, und der Erzbisohof belohnt« sie dafOr (für di(^ge< eine 
Gedicht oder lieber für ihre ganze Tbätigkeit?) in dieser Weise. 
Aas dieser Angabe wtlrde also folgender Sachverhalt 
hervorgehen: der Erzbischof Pilgrim von Salzburg, ein kunst- 
sinniger Uerr, stand mit dem Benediktinerm^ncb Hermann in 
Verbindung, der nir ihn geistliche und weltliche Lieder dichtete 

■) Bwioicbnnt hier irnhl nicht den Adel, Tgl. I-^xot"» Wörterb. 
1 1&69 outcr hörr«; r«rii«r du D«utKb« WÖi-terb. d. Dr. Grinitn IV>, 
1127, atit«r d. V. Sc), wooMh di« 0«i(tli«bsQ volkumäaiag auch Unrreit 
bouMn (Eirchlietr « F&rrbwr), auch der 'I^typrieaUr' beiazt «. Hcrr 
(■. Ama. V). 

•) d. i. WeltgflbtUcW, •. L«Mr'» W8««rboch 1 IMJ unter 
Joienpbaffe. 



u 



F. Arnold Ua?«* o. Huaiiah Bietsch 



ää5 



ond Qtxnetztc und dabei tou einem Loat^rißst«r M&rtäQ untet^ 
stützt wurde; der Erzbischof belohnte beide für ihre ßemfllmo^. 

Durch diese Krklärang der Hs. arJieint Hermann mit 
dem Martin Hur alle Lieder, die das non folgende Bcgister von 
A entbftlt, als Verfasser bezeugt Da nun dieses Register olle 
geistlichen Lieder, die in enthalten sind, auffährt (mit Ao*- 
nabme von No. 52, 8. o. S. 20), ao Utten wir ja auch flb* 
die ßnf geistlichen Lieder von D, bei deneo dort der Verf&SMT 
Dicht angegeben ist (o. S. 31), den MöncJi, das bicsse nach der 
genaaereu Angabe in A : den Mönch Hermann mit dem Lent- 
prieeber Uartin, als solchen von vornherein bestfitigt. Dem 
stelleo fliob aber sogleich Bedenken gegenüber, wenn die obi^ 
Angab« von A vor dem Begister sich ans dem Inhalt der 
selbst als ungenau eriroist. Demi nemi au<;h 

Heg. No, V (Text Xo. ti) Ave virffinaU» jorma, «n 
ta:mtu hat maisttr Jacob, ein seliiutmaiiter :i! MiUdorf, genuukt 
fgn^M nur se gemeint ist. dass das Original von diesem Jacob 
■w») (es steht Ad. Bl. U 332, W. K.' I 220), so Terhilt 
ach doch anders mit den >r\o. 

Tut (35) Ein ander MtUit ad oirfftnem. ftat der OsirtUd 
WtUkclienttainer gtinacht; und 

XXI (32) Einander Mitndi renouacio, des Wolkclifnttaintr. 

Diese zwei werden indes nur so hinzugekommen sein, dass 
der Schreiber zo den Ühersetinngen des M^inchs, die er in seiner 
Vorlage fand, uoeh je eine des <). v. Wolkenstein ^) hinzufügte 
als ihm bekannte andere Obersetzungen derselheu Originale'). 

') 0. G. I S37 fniat iui tivgentviU dic'jun Jütob als deataubea 
OrigiualdicihtLT. 

*} Die Anagobe von Bvdn Weber nnchKU sie nicht, aber nuch den 
Hm. fehlen ri«, s. Zingerla W8B. U, «S7. 

*) Di* Hg. S7 (oben) bcxitichnct in eber VoMclmfl Laufiubtrg 
■li VtrfuMT dca Bucbcs, aber Buch hier fiml<^a nah nuuh Lti^dcr <'r«miler 
VerfluHT. xn (nngm katko httnurVX die Hs. »Ibst, iIms er eicht voii 
Laufeoberg wi, er »wht hier nur we^eu iIhb folgeod«i L.'icbFii KmcIm, 
MülUr, LoufenburK 13. G«d4 ithiilich folgt iii unserer Hb. D ouf No. 81 
nur dcohalb No. 81t (von Heinrich vou Uüg:<^ln, o. S. IS), weil in j^ncm 
gldchfaÜB da» Motiv der ■Tümperamenlf' vurwendet iit. 



ibige, 

% 

■M 
ob 

1 




Sooit findet sieh hier unter deo Liedern in der Th£t cor ein«8 
noeli, b«i dem anedrAcklicb ein anderer Verfasser als der UAnoh 
g«ttaont ist: 

Lm (f«hlt dann im Text) Oneaid Woikehenfteäner cxm 
pe»j}Ot der vrateen. Der maif Da» gg/rJfz May dein*). 

Wir werden wol aonehmen dürfen, dafiB die Erkliruug der 
Vorschrift Qeltnng hnben soll, wo die Hs. nicht eigens einen 
anderen Dichter nennt. 

XXXIV (fehlt im Text) ist noch speziell als Kigentom dM 
Mfincbea bezeichnet : Ein litd da Münieiic c:tt de» loeynaehun, ..,, 
ebenso XLVI (im Text 43) Da» Btntdidte md Onuiaa dtt 
JUhumA;. BL 4 li beisst ee nochmals fim Register) : EUeitJu 
kottparieifheit' hlibatfte lud*), *o der fmmfli herr <fttnaeht hat mit 
rii ffiffurw vnd nhtilittten, patdt gwtläck vnd wgrtUich. Dl« 
irelUichen Lieder, von denen schon in der Vorschrift ror dem 
Register and jetzt wieder die Kede ist, stehen anf Itl. R b vei^ 
zeichnet, wir dnrfen anch diese nach der wiederholten Angabe 
der Hs. dem Hdnch und seioeni tienosaen Martin zuweisen, in- 
dem wir nnr das schon erwähnte, nach der Hs. selbst dem 
Wolkenstein angobArige LIU, femer auch die vier Ueistetlieder, 
die wie in D den Schluss der Hs. bilden und sich auch ohne 
«ig«ie Beieichnong schon darch den Inhalt genugBato ron den 
flbijgen scheiden (rgl. o. S. 3t, u. S. 37), hieroa atUDOhmen. 

Ks ist nötig, eine Vorstellung dmvMi zu gewiimeo, in 
welcher Art sich Hermann nnd Martin in die Abfassung der 
Lieder geteilt haben könnten. Vor Jem Register von A beiut 
es, der M(nch Hcrmunu habe die Lieder gemacht 'zu den- 
selben Zeiten mitsamt dem Leutfriester Martin'; dann in 

') Bei Weber liesrinnt No. XLI. SU". i: Der may mit lieber 
m/; liXXXlV, Str. l: O mtiüklicksr, volgnUrter Mat/, dein «iUu 
gaekray; XXXV, % WS.-, maf/, itiit s^ritr^y »iek lUtrirtt u*w. 
XXXVl. $, I t«;>:t die Dan« ni dam iMbe^rrendnn Bitter: Ir Ucst 
gfn mir ictfl ciTfr» ipot MW. (?); faingegsn wird vmgnkciirt der 
I>ioht«r Ton Kraitvii tu Aogiburg verspottet, XCt. Scblammer- 
H«ier LVIÜ. LX (?). 

*) Die geUtlkben Länder, dio j«tzt fotfiea, nud fut aar douUaba 
otl«, diM «|>Hcht für die obiye DeutoBg tos Lisd (t. S. 83 Anm. 4). 



86 



F. Arnold Uayer u. Hetnricb BieUcli 



867 



der Erklärung auf Bl- 4ti ist von Uim überhanpt nicht die 
Uede, der betitelt herr, also jedesfalls Hermann allein, bab« di« 
folgendßn geietUch«D aiid wcltlichon Lieder goin&cht; wo ferner 
bei einem oiiizeloeD Liede ein Verfassonianie steht, ist es diu 
der dus 'Mönchs*. «)so wieder dos Hermanu: die anderen Hss. 
endlich (s. u. S. 38 f.), kennen tlberhäupt nur d^^n 'Mi>nch', 
keinen Martin *). Cberl«^ man dies, to schoiot, dass dieser 
M&rtiii, wenn anders die Nachricht von A überhaupt Glauben 
rerdient, den zn weigern zunflchst nichts nötigt, bei der Abfassung 
der Lieder eine — wenigstens in den Augen des Schreibors von K 
— mehr uutergeordnoto, 1>fiholfende Rolle gespielt habe, und 
da liosze sich wohl vermiitoD. dass er die- Gedichte, die der 
Mönch allein verfasste, in Musik setzte: ^s finden sieb unter 
den Melodien manche Yolkstüuilichen Charakters ( s. Abschn. V C), 
der Leutpriester kam viel unters Volk und hatte so Gelegeuh«it, 
manches der Art aufzuuehnie». Ich könnte dabei auf die Ana- 
logie des Hugo von Montfort verweisen, deseon Gedichte der Knappe 
Mangold komponierte'). Ist das rinbtig. so fallen auch die 
Folgerungen fort, die Wackem^el wai andere ans der EüstenE des 
Martin ■) füllr die Autorschaft mancher der Lieder gftKOgen haben. 

Ans dem Liederbestande von A waren ans (o. S. 34) die 
geistlichen Lieder, der hei weitem grössere Teil, wichtig för 
die Antoracbaft der geistlichen Lieder unserer Hs. D. Die , 
weltlichen Lieder in A sind: jfl 

XLVII (44) Sand MartHn» ptiutf schaff. Wol mif, /m*^ 



)) Vgl. d»zu kunli B. E.* MO. 

') £iue DarnUllung, wie Ttif. 91 der Eniw'scheD Uiniatur«!! ina 
ilur Unueüau'aobeo Lkderha. (vgl. M8U. IV 434) wiedergibt, l>«£«ufft m- 
nücbit Dtir die rouailmlischi' Begleitung de* vortragenden Herm durch 
den Di«n«-. — No. 7Ö A iii UhUnds Volkiliedem isl von 'iwei Kriüncr» 
jungen', Tielleii-'ht einer der Komponist? Vgl., wenn Widaw v. Rü^n 
«uf eine fremde 'Weise' diclitete. Überhaupt gilt die IdrutitÄI roB 
Ciohtor and Kompoiiiit nur für die mbd. BltUGzeit, weiJnr früber, noch 
tpttUr, wn man so gern beliebten Tönen' neoe Text« unterlegt«. 

*) Wi« aber, nenn diese erjt durcli grobe« IflMventindnis und 
FUditigheit iv* Schreiber« nui don Hartinilied«ra der H«. (Anh. 
Mo. 1 — 3) enclil(M*en wiirol' 




Der liÖBcb von 6ib1>nig. 



tf«telJenl (im Text Bl. 180a mic dem Titel: Von aata Marteint 
gettlUtehaj't). 

XLVIII*) (45) Ein rädtl von Mmd Mariein, d6D ToU- 
stindigCQ Text dieses and des vorbeigehenden Stackes bietet 
nur 'lie Wiener Hs. V. (o. als 12). 

XLIX (im Text nur in wouigen Cberrosten «rliAlteii. s. 
im Anb. Ulitei No. 3) Ein rädrl von wirtten, 

L (nicbi im Text) Von </«i klafem md verraUm vnd 
tehtnder prietler vnd vramn. nnt Juäat e:ug*lticM: dies wild 
dasMlbe Lied sein, nie in D No. 59, t|^ V. 1 luffnir, klaffer 
9 Judas i»t dein aidgetell 20 dvi fehätett prieiter pnd 
fraw€» 25f. «er leeii» vnd prieiter »chendet. de* leben püt- 
Imehen endet . . . 

LI (ftblt im Text) Zum netcmjar. von anruefm ffetetltn 
(wohl Gen. sg.) ist Tielleiclit D 17, vgl. V. 1 Mein traut 
stall . . ., Cberscbrifl auch hier: Zu nfiem iar'). 

Dag^eD ist LH (nar im Register) Von der pratenn: /^ 
•lein vnd pey tpangtn Bicber D 28. 

Von dou nun folgenden rier MoigtetÜedein gbeht ein«, 
(Begister LIV) Von den vier compfexionen, in D No. 82, ich leM 
hier CompUxion, von den/yren (Wackug. Q/ren), den Beisatz zum 
Titel (s. e. S. 12 Anm. 4) Müt/Un (AVackng. Müczlin. Müexlin). 
es ist ein in mehreren Hss. öberliefertes Gedicht des Heinrich 
Ton Udgelo (u. S. 39). Cber (Register LV) Von drehten, wie ty 
huut lernen tollen, atlronomia vnd phylo^oplda, atieh phyiica ond 
(Begiflter LVI) Von de* liymmeU vmbttcaif, in me vH jaren weisz 
ich nichts ku sagen: (Register LVII) Von der planeten reffirung 
halt« ich fllr J) 93, die Cbersrlirift Von der »leren (so lies) vnd 
planäten ifonkeh steht fölschllch über 92. Du Heiaterlicd erörtert, 
nie die Gestirne da« Leben der Menschen 'regiereu', wie die 'Kom- 
plexion' der Menschen je nach der NatiritAt Tersohieden sei. 

Nach der Ha. A sind nun auch diu anderen Uss. fär die 
Frage der Autorschaft der Lieder zu prüfen. 

1) S. im Anli. DOter No. S. 

•) V^. jedoch Mich wp(t>>n anrueffen <li<i Klophnli«dor «» Nc»- 
jthnrtati, über w«lQb« Schftdc, W«iniariicho* Jalirb. II til ff., liuKlelt. 



^^trt 



88 




F. Arnold Uajrcr u. Hnnricli RiutMh 



C (o. 3) enthält die Lieder bij)t«r dem 2. Teil der Pi«digtu' 
doa Johaimes T^oler. Hier steht dqh Dl. 2^b ror dem 
'goldenen ABC Fo^odes Ober den Dichter (i. Ad. BL n 
887"): Maytter Hannt predigers ortient*), der gnceten Ut pty 
dem erezpjftehof zu Sa/ezpurff, genannt pt/aohojf I'yt<fram, hol 
ftmaeht vrut iietioht da» nacfufttciiriöen köstiicti jitt von vnt«r 
fraieen (nämlich das fol^ude golduo ABC), er /tat auch tjttioht 
die oben ffttehnben pet von vmer /rateen. Pet igt im letuteu 
Satz PI. (frflher Noni. sg.): damit werden dem Dichter des 
ABC noch weitoi'O 5 pet aus D, eines aus A zugeschriebeD, alle äiiid 
Marienlieder (s. o. S. 21 unter 2). Im Widersprucho mit A oeoDt 
also U den Dichter Johannes, nicht Hermann, und bezeichnet ihl^^ 
als Predi^r — , Dicht Benediktinermönch, aber auch hier steht il^B 
in Dieoston des Pilgrim, 'er ist gowosen bei Bischof Pil^rim 
beiszt irieder: er war ao soinem Hofe uud dichtete in soinei^— 
Auftrage i*h sein 'Hofdichter', vgl. o. i^. 33, u. S. 54). ^| 

In E (o. 3) stebt xuerat itl. 6^t0 vor den Ltederu und 
für alle geltend Darnach Mum-he von Salalivri/, hierauf folgt 
in 'dos Mönchs zartem Ton' D No. 10, dann 'in des Mönchs 
Hofion' (631 und 6äS) D 78. 79, 'in des MSot-hs v. S. langem 
Ton' (682—634) D 8. 7. 9, "in des M. sfissi'ui Ton (Korwelie)' 
(638) daa o. S. 32 unter K am Schlüsse erwähnte Gedicht, alfti 
'des M. T. S. goldnes ABC' (639) Dl; 643 V^fz i»t c2aJ| 
toijhom dez Munfh* von SalctpHnj 644 b Daz naehtfiom; 644 d 
heifizt es: 'Dies ist es des M. Korweise', und es folgen D 66 
and ein Qedicht mit der Überschrift Jiin ander par itt dytem 
nnd dem Anfang Goc, vater, ton, heiliger geist, tur das Bartsch 
vielleicht mit Unrecht auf A 46 (XXIV) (Ad. Bl. II 348) ver- 
waist; 'in des M. v. S. kurzem Ton' (647) folgt D 5; 648 
Dez Munchet eithjaniu, du janei/te (D 99). Dem Narht- 
Aorn i«t nicht wie den öbrigen Liedern noch eine epeüeUe 
Hinweisuug auf den Manch beigefügt, es steht aber hier mitten 
anter seinen Oedichten, die allgemetue Überschrift vor diesen 
hat auch auf jenes Geltung, uud oa kommt auch iu D immitteU 
bar Terbuadon mit dvm Taghom des Mönchs vor. 



') Die H>. hat Ulu- und nach Pylgram eiucn Punkt (>. 



i 



370 ^r UBoeh von Sabboig. 39 

R(o. 12)B1. lÖ7a stellt: Dy »equenatn hat tin gtltrtttr 
Herr. herJohawu.aiii munieJi, fftmaeÄt dvreh bej/tren vadbeUde» 
hocliwiriti^ett Herren titrren Pi/liiret/in, erezbtfacAof 
«nd ItgaO). vnd hat ytder pu«ch»tab »«in» »am« 
aittfn eert mit vit luibtcl^en fiffurfn,m»Merl{tb€n/ratren,(l«r 
muelirr Marie c£u ^eieiehet etc. (vgl. Ad. Bl. U 311, wo U. K.* 
142 {. schon citirt ist). Ndd folgt zuerst D No. 2. Zhj im Anfange 
bezieht sich wohl uuf alle folgenden *S»qucREea', nicht blos auf dl« 
erat«, das Akrostichon auf Pilgrim. welches ohnehin den lägen- 
titel bat: -'Wr kotüiohe (Tgl. hcttparieichets o- S. 35) tequencztn. 
Bei — oben dnrch den Dntclc berrorgeboboneD — wArtlicben Ober- 
einstimmangen mit A weicht die Bezeichnung des Namens 
and Standes des Dichters ab, darauf komme ich unten zuräck. 

Die fibrigen Has. bieten Aber •ilo Person dos MOochs nichts 
weiter von Belang. >So steht in d (o. i:)) nur Über dem goldnea 
ABC von derselben Hand MowKMif, bei den andern sechs geist- 
lichen Liedern ans D (o. 3- S3) ist der Verfasser nicht ange- 
geben. P (14) nennt zu sieben Liedern den 'Mduch' als Ver- 
fasser, zu zweien Oswald von Wolkenst«iu in CbereinatJmmnng 
mit A*). Bei den ersteren hetsit es in den von deiBtIben Hand 
wi« der Text geschriebenen Cberschrifteu schlechthin: tf^ 
Homehy oder Mtmaditu. Die Hs. der Belara Hätzlerin (23) giebt 
bei Tier Gedichten als Verfasser den 'Hftnch ron Salzburg'. 
3 (41«) gi«bt BL 8b D 36 mit der Cberschrift Mtmeli vtm SaU- 
Imy, 41b D 96 mit der Aufsclirifl Umtieh. Im Anschlösse 
stelle ich aas den genannten Hss. Zeugnisse für andere Dichter 
Ton Liedern in D zusammen, D No. £2 steht in K unter Peter v. Ar* 
berg, No. 82 ebd. im 'grOncn Ton Meister Heinrichs v. MOgcliu' *). 
in 21 als 'Müglins gröner Ton'. No. 9(1 bietet 'im kurzen Ton 
Heister Heinrichs t. HQglin' Us. 42, 'im kurzen MOgting* 

') Dar Punkt, Jer hiur naoli der H». geseUt i*t, mU «lurt riollriclit 
dodi andmtcti, da» <U* Foljrcnde rieb nietit auf alle Lieder I>czi«bt9, 
in A r«kH «r as der «nUprcefaendoD Stallo. 

*) W.K.* I 870 iinUir g bat bi«r w)e4«r «in klrüiw V«neh«n. 

*1 In kll^^meitirii iat nalCirkcbwahliruboachioit. dw««ineHf.,ili««ia 
Gedicht tia 'in dem Ton* einet bsvlimmtea Dichien abgefaatt bemuhiMt, 
damil Ducli nidit sogt. tfaMs c« von diesem wlbst Mcli wirkllob iMTrOhr«. 



40 



F. Araold 3Eay«r u. Heintkli Rietooh 



371 



inK; auch in Hs. 44, der 'vollständigsten Sitmmloug' der Ge- 
dichte des H. V. MQgeln (WSB. 55, 453), steht es. Im 'schwanen 
Ton KlingSOrs' ist <fer hori ron dtr attronomy (No. 91) in K. 
No. 93. lOÜ (dieses über die Bücher der Bibel) stehen tu K 10 
wie No. IKt, flberdies beide such in Um. 44. 'Regenbogens gnner 
Ton' bei No. 96 in 21. ebenso im 'grauen Ton Regenbogens' in K. 
Aus dem Vorangeschickteo erwächst uns Jiunflchjt fOr di« 
geistlichen Lieder, bei denen D keinen Verfasser neuct (o. S. 31), 
noch weitere Gewehr. Von denselben ist No. Itl im Register 
TOD A Bl. öh ausdrücklich liem JKjnch zugewiesen, ebenso in 
Hs. 39 b, abgesehen von der allgemeinen Ertläruug in A and 
(o. S. 89) E, in der letzteren Hs. kommt e» nämlich such 
Tor (o. S. 23). Die Erklärung in Ä und K gilt auch flir 62 •), 
die in A (Br 04. 65 *). No. 72 wird durch die Erklärungen in 
A ■) nnd C gesichert Von den Obrigen 69 Gedichten 
(o. S. 31) nennt die Hs. selbst als Verfasser: ta No. 
MfigUn (s. 0. S. 12. 37. 39)'), zu 91 Eliugsor ($. 



* 



1 



>) Nach W. K.* It 878 tteht diese« Oediobt ancb in 'Bs. 4, t' 
nach deniielben I 86S bricht diene Hi. mit den Anfan^zeiltn ab, 
«in Einblick in <\m fl', nach hiinlütitiftq. 

») No, 66 ipricbl W. K.' II «8 dem Mündi ab, offenbar n 
weil in keiner H*. der JIoiieL a>i*drilcklich aU VerfaMer ([enannl vfird, 
■oloha Li«der weist er überbaujit nur mit Bedenken dem Mönch m, 
vgL II 461 : Nu. TS mit noch fünf anderen Gcdichien ifirit man iton 
MSnek von Saltturg tuichreibfn dürfen, ohtehon dertribc in Urinier 
der H»t. oll Ver/atirr hrtrkhnrf itt. — la No. 6S kann Übrigen« Str. 11 
immerhin aiu dem Volktmundc itammen (*. ebd. It 4W), 

') Bier allerding« mir ira Text: im Ket!)iit<ir nicht g^annt. 

*) Der Stoff da« Gedichtea iit bei den U«i8ter«äugeru beliebt : vgl. e, 
B. Germ. fi7. 413 ff., ein Gedicht au« eiuer PapivrhK, dee IG. JL«. ; MSH.TV 
641 Aum. 4. ein GeJichi in der TnnuwetHe Regvnbu^fenBübr^r die Veneliieiten* 
beit der vier k-nipltxen; H. H. II No. II, 69 ff. : Der rier eonptexeit rraffl 
Trtgt ty mit tiller maiit erschafft Zärtlieh geformt an tr person. Eine H». 
de 4. homini» complej^ionibus luhrt die Mantigta Chronici ].unael*Ma*U 
(tob 174«) S. 419 auf. Über tlie CompUxion auch Fitchart. Aller Praktik 
Oroatmulter S. 7 ff. (dct Halleuaer Neudrucke«). Ann rin«m Antiquai^ 
katalog notierte ich mir grlegentlicb : In dU»nn biVrUein loirt er/«nif«i<i 
von CwpUxion dtr mtnteh . . . Austptirg Itan» Seliinpergfr läl4. 



372 



Der JlöiMh vou SaUbnrg. 



41 



Dieses letztere ist der Meistergesang von dem Teufel im Gins, 
der dem BsoDuiden Itede steht *), der Titel ist hier CAlini/ftor, 
lutronuy (s. 0.). Deinsellwn aageohaften Meister schreibt auch 
die Hs. 42 zwei Qcdiclite zu: KÜrtgtor im tehtcurzen iIoh 
(wie No. l'I) ...(/«• hlU krity (Germ. 6, 295 ff.) und eines 
auf den Zauberer Virgil (ebd. ■!, 237 S.), aoch im »chwareen 
iion, aacb Bartsch aus der ersten H&Ut« des 14. Jlu. KUngsor 
und seinen »chwari«ü Toii kenut ferner die steiriKhe Heistor- 
siDgerfas.. ScbrGer, 6. Stud. II 226. No. 96 ist schon hier in D 
(s. audi 0.} fiberschrieben : Iie<ie»p<>ifenM mul. jn dem graben 
(i. i. graaeo) äon, es ist der Meistergesang RegenbogtDB, der 
bei W. K.* 11 Ko. 419 nach besserer Cberlieferung gedruckt 
ist')t Ko. 97: Albreeit LeteA') in Btiner /ewertni». von 
dm /rtKdm (l. frewnlen und 8. Q. G. I 312 unter 24); 
No. 98: /."<« ander i/<*anij Albrtthl LtKh: dat gtUdtin 

") Z« dem DisloK twiicben Banu«iideiB untl TviiM vgl. dlo 
Quptii^ (vlfdieii Salmkn und llorolf, bcaiebun^oweii« Saloiuo und 
dcBDiiBoa, iiid«rdeat»ctieD, jüdisch«!), jilil.-i>Urit!tlicL>eii und inoHlitniKbeu 
8«^ V<^ Di« ilrutecli, Dii^lttiiiig«n \a\\ Sftlouoii u. M»rkulf IS.LIIfr., 
Tgl. nuBcntliob (Ii<< oriv als tische Tr»dit)i>u, wo ajcli Sfklijnioa von 
DKmooen in verbor^uer Weisheit anterTichl«» Ui*t. 9. LIH IT.; im 
ilputicbeii riit«prtclit 9pezi«U der Uorulf de« SprucLgedicfaU, S. LH. V(>1. 
teroer du ogi. Ucdicbt von Sütumun und SaluruuB, «bd. LUI ff., und nuok 
lUe 0«*cbichto vom 'fivuber mit livm Ociilu' in 1001 Nnobt (äbeia. r. 
UslMohti V. d. Ilascn mid Schall in den Ergäiumigiiierkeii der C3ft». 
Cabineubibliothok, Wien 1836. Bd. I lU iT.>. 

*) Di* Hl. 1> (und K, o. S. 231 kommt aUn uoRb w Ava «. ü. I 
355 uater Rtgcnho^n 6. v«rx*t«hncton Hw. de» Gedicht« hiosu. — 
Dkwelb« Bild der 'Muble' geiillicb avcb bei Huikitblut (vd. Groole) Nu. S9 
vnd \m Lmfenberg, W. K." II So. 704 («. Müller. Lwufctiberg US), hei 
KämcKUnd auf Eunatsachon au»f;eileut«t, ■, MSH. IV S. fiel li und die olid. 
Aiun. 4 belgi-bncbteu FarAltcku; auf den Licbodinn»! in ninem Neu- 
jdinliod« H. H. H No. 89, Vgl. Miob den KRnxler (JISH. II 845) 
Xin. 1, S din (Wintrr*-) m«l itüU nur malt; SttobieBheim. Uürin 1679 
DtH mtüin maUt vii in grof» (du redmt lu viel), vgl. Hnrtin lu 1678. 

■) EioA. L. iatali tlürgrrzuHUucben (wonach O.G. 1 SlSiiotldcht 
tu herichU;;«!! iet> am 19. XI. 14«0 bez«ug1, Obb. Arch. 18, 316. \aa dem 
Dichter atebt ft»t. daM tr ein« Walllährt im Salxbiirgiicbe Luid nwh St. 
WoIljgmBg (noi MuaileM rt«mml die IIr. Dr) uBternommen, «itM» »ftlner 
Q«diclite beriet >iob bienni; *. WSB. 07, 861. 




43 



F. Arnold Hayer u. Heinrich BieUob 



878 



ffaanji<; (aas der Hb. 42 ancli am eb«D a. 0. gouaunt, W. E.* 
U No. »45 setzt sein Bnicbstück (s. o. S. 24 mUit 2Sa) ohiM 
Angabe äes V«Tfaasen schlechthin luiter 'Fünfzehntes Jahp> 
htmdort*). D S9 G«Mtn^ von den edln pestattt uod 92. eine 
philosophierende Örilbelei fibcr die '.vdea*. Jeu 'Willen, d«r 
io Gottes Herzen ewig ist', stehen in Hs. 44 unter den 
Gedichten Heinrichs von ^fag«ln, der sich in 89 Str. 6 selbst 
nennt. D du Uuft hinaus auf das Lob der hl. Jungfrau uod 
des Kindes und zieht dabei gewisse merkwürdige Fabeln, wie 
vom Pelikan, der seine Jungen mit seinem Blute nähre, herein, Hs 
VerÜHsaer fanden wir (o. S. 39 f.) denselben Heinrich von MOgeln. 
ihm sind auch 93 nnd lOÜ ruEuwciscu (o, S. 40). D 94. 95 kann ich 
sonst nicht uacliwetsen. Von diesen preist das erste die als sieben 
'Töchter' personifi<;ierten 'freien Künste', dos zweite bandolt von 
ErschalTung des Himmelreiches, Stura der bösen Eugol, Schöpfung 
des Uensohen, 'dasa die ChSre nicht leer stünden', Fall der ersten 
Menschen, Fluch Gottes. 'Erbarmung, Milde und Gnade' bitten 
vor den drei göttlichen Personen, 'fierechtiglceit' widerspricht, 
die drei Personen gehen mit eLuaudcr zu Bat und Gott boschlieszt, 
den Sohn zur Erlösung zu sentlen. Cber D 9!J oben (S. 3 
dazu K, h. S. 38, und die Vorschrift von A). 

Von den nun nbrigen .^7 durchans weltlichen Liedern, 
deueu D koitien Verfasser nennt, kennen wir noch gleich No. 11, 
das Nachthorn, 12, das Taghom. 26, dann 28, Pe>/ perlin vnd 
pey ipatiffen, 36 und 59 einem Dichter zuweisen : dem 'Mönc^i 
von Salzburg', II and IS gestOtzt auf K (s. o. S. 22. 38), g^J 
36 nach 8 (s. o, S. 39), 28. 59 nach A, nach A vielleicht auch 
No. 17. wenn es wirklich mit dem hier im Register angef&hi' 
identisch ist (s. o. S. 37). 

Wer ist nun dieser Slöuch von Salzburg? Cberlogeu 
die Zeugnisse der Hes. Dur Nachricht in A. die unter 
Hss. einen so hervorragenden Platz einnimmt (o. S. 20) und 
daher von vornherein einen gewissen Anspruch auf Glauben hat. 
widersprocheu nur zum Teile die in C und E. Die Frage ist 
hier zunächst: wie kommt C zu einem Meister Hans Prediger- 
ordeos, das letztere um so aufßUiger. als aus jener Zeit tos 



"La 

I 

und 

lucb 

1 

de^^ 





374 



Der Möooh rou Salibuif. 



43 



DoBunikuieni in der Stadt Sahlinrg selbst *) nichts bekannt ist. 
I^ gtenbe die Sache dnroh den Cmst*nd erklir«n zu k<Vnu»n, data 
die Lieder des MGnchs, wolofao C enthUt, Unter d«n3 zweiten Teile 
der Predi^rten des Dominikaners Johannes Tauler stehen. 

Das mag dem .Schreiber von C Aolass gegeben haben, 
onaein Mönch mit jenem audoron Mönch tu remecbselD. sei 
ea, dass er nur ongenaue Kachriehten fiber den ersteren hatte 
— nnr diese, dass er im AuRnge Pilgrims gedichtet hal>e — 
and die Mr ihn nnhefricdigenden Nachrichten zu ergäuzeu 
suchte, Mi M, dasa der ganze Irrtum auf einen Schreibfehler 
zurflckznfQhren ist. ^Vas £ betriflt. so vriri 'der Schreiber so- 
Wohl A als gekannt haben*). Die Vorschrift stjumit fast 
wörüicb mit der tu A, der Käme de« Dichters stammt aus C, 
anJ da die Hss. in der Bezeichnung des Ordens abwichen, so 
balf sich der Schreiber so, dass er eiDfa^-^h setzt« ; ein MCncli. — 
Di« andern Hss. auucr ACE nciuion deu Dichter nur »chleclitbiu 
UJbicb, Uonachtts, oder M^dicli von ^isUburg. ersteies schon in 
D Dod S. In der Kolmarer Hs. erscheinen die T6fie des 
'UfiDchs (ron Salzburg)' als ganz gehrituctilich (o. S. 36). 

Also der 'Mönch rou Sahburg', Verfasser der geistlichen 
nod sicher eines Teiles der neltlichen liieder in D (s. e.), 
Ue« Hermann") und gehörte dem BenedikÜDerorden an. 
Heiszt aber neiter Hermann in A ebt Mönch Benodik- 
tioerordens zu Salzburg, so scheint damit schon gesagt. 



') Son*t finden ticb kllenlinii» tchioc (Hih DnmitiikftBer auf dna 
OebieU de« Erzbiitani« (in »icMch Kit IS17, Zuiner, Oironik v. S*U- 
l.urs I SM). 

*) Duo muM ab«r B jünger Kin aU IW8 (>. o. S. Sl)! 

■) VteiBer m^ di« Saotie nicks gtradektn m fnlaeheidtn, neigt« 
«ich nb«r xn HcnsauD (Ad. Bl. It 887), w tiu«h Koltunttiit, UrunilriM 
d. OeMluoht« d. (l«ultch«a NationaUittomtur ^ I 3S0. utsA Herciam 
(Ocadtidit« d. deatMboa I>icbttiii£* III IS; die irrliimlichRa Aiieabi-u 
An vwrtMi Avigabe hotte liereiU IfrifTwr (nefrea H, H, S. XXVII) 
bvncfatigt.). Kiir lirrmunn «rar aocii BarUch in der Allgmix^iiieD Dcnt- 
■obaa Biographi« 13. 165. II. K*. 239 «teilt beidv Namen Deb«iicinaDder, 
chneoiiMmden VorxuKxai^^ti. Dagegen für Joiiaonet: Kehrcin. Kir«beu 
und n-]f. Lieder au* d. IS. bia 15. Jh., ll}53. & XIX. und W. K.* II 40H IT.. 
i;^l. aiiab G. G. 1 8t>7: Johannet («ibr Hermann). 




44 ^- Arnold Mayer u. Heinrich itiettch 

dass ev ein Konventual des salz,burfri«chen Benediktinerkloftten 
KU St. Potor irar. Findet aich nun in joner Zeit ein solcher, 
in dem wir unMran Diebtor orkouuou kOimten? 

Ampferer s. s. 0. 2 entscheidet sich auch für iea 
Namen Uermann and venautet, dass er der petrische Prior 
Hermannus eei, der in einer Stlfteurkiuido von 1424 *) mit 
einem ' Fräfekten' .lacob Steiner zu Mühldorf erscheint. Nur dieser 
eine Hermann finale sich in Klostnnirkunden aus der 3. HätAe 
des 14. und dem 1. Viertel des 15. Jhs.*). Was fUr Ampt'» 
Meinung spricht, ist der Xame llormuun ; die Äbfassun^pizeit der 
Urkunde wEIrdc wenigstens nicht wiiifirstreben, der Dichter w4t» 
damals hoch bei Jufaron gewesen (vgl. ii. S. 145). Et orschieM 
als Zeitgenosse des l'rüf. Steiner, und dieser wird in der TDai, 
wie Anipf. meint, mit dem Meister .üakob. Schulmeister xa 
Mühldorf, der nach A das Ave v. f. verfasst« (o. S. 34), 
doraelbe sein : es w&re dann ganz begreiflich , wenn Her- 
mann ein lateinisches Gedicht dieses ^lannes. mit dem er 
nach der Urkunde in Verbindung stand, (übersetzt bfitte. Kau 
wird aber Aber eioe dichterische Thütigkeit dieses Münchs nichts 
berichtet: weuigatons in den mir erreichbaren Quellen ßr die 
Geschichte Salzburgs und insbesondere des Klosters fand ich nlobtl 
einschlägiges, die Chroniken, die sonst oft Kleinlichstes gewlMenfalft 
rereeichnen, wissen nichts von einem Dichter Hormaun. So wurden 
mir schon Zweifel rege, ob Hermann wirklich dem Stift« St Peter 
angehört hat,^) ja, ob llbeihaiipt die Nachricht der Hs. A sicLet 
isi Jedesfalls spricht auch die ganze Cberliefcrung der 
Folgezeit von einem Mönch v. Salzburg: aber immerhin 

') &\f. iit nicht nnhür angegetien ; s. j<;do>'!) B. .Soennvr'a KoviN, 
Chron. antiqiii nionsst, ftd S. Petr. Salisb. (177S) 5- 863 »nm Jahr lUl! 
in dit cmivernoni» Üatitti Pauü apottoU (d. i. 9fi. L) tlocavü Dominnt 
Abbat <-ui<l0iN Jacobo Striner . . . etir'tam «oatram im Mülldorf «t«. 

*) Doch vg>L die im Aichiv f. Euud« ÜHterr. GeachiL'litiiiu. BtL 19 
gcdriickten »uliburg. Xekrologien : Itu L Ni-kr. (uacb AKh. 38,9 roin 
Domitift, uiclit von St. Poier) tlvht iiiit«r dem 8. IX. &ui ilcni U. Jh. 
(•. B. 0. 878) ein Fr. HennantiH» preab. H prafttnu t. rdri. 

'} OvwiM nicht dem UumkHpiteh hi«r wAren Augu*liu«r, such 
bMcichnetc raan di<;>« uiuht ali 'Slönuha', «ondern «Ln 'Herren'. 




Der M&nch von Sddmrg. 



46 



die Meiano^ iii A aucli auf etneii BenediktinernidDch 
hm, der sieb tu SoUburg am Hofe des Erzbiscbo^ nur eben 
^Uflttelt, vielleicbt tod di^üem aas einem frenideii Benediktiuer- 
UosMr (die pQclibeim waren i^in Asterreicbisches Gescklecht, u. 
8. &8 *)) las Land gebracht. Bodeakt man indes, dass die alten 
Geichichtoqaelten aucli berflliiate Dichter nicht erwfthn«a *), 
daai iasbeModere die Historiker des Hauses von 8t. Peter ~ 
derartig« Aof^elchmuigeD, die icb kenne (u. S. 58 Anm. 1). sind 
fifarigens vohl allo aus viel spStfirer Zeit — TJelleicht gefliKsentlich 
dicbteriscbeo Bestr^brnigen Hermanns Qhergingeo, weil ja 
leichte weltliche Lieder tod ihm herrflbreu (s. o. S. ^i das 
MMdrIkcUiebe Zeugnis der Ha. A). die auch der Dichter selbst 
Tor der Öffentlichkeit mag verleugnet haben *), so scheint die 
Sache nicht zu aatTalleaJ. Ampf.'s Identiliuemng tat an sich 
statthaft, Bchiecbthin Dberzeagendo Kraft besitzt sie freilich 
nicht Abt de« Klosters war im 3. Viertel des 14. Jhs. Johann IL 
(Bosses)*), der eifrig Jen KirclieofreBang pflegte und reformierte*), 
hi«r oder vielleicht erst am Hdfe Pilgrlms konute die dicbterisehe 
Thitigkeit eines Hermann wohl Förderung finden. 

H. F. I 328 sagt von unserer Hs. D unter anderem: 
17i.a hat eint {ein Lied) </tf Ütitr»rhrij't: P^lffrtim müiirh, tatd 
OH* lUn An/anffulinehMabe» MiVr 34. Str^it^m er^ebtti nM du 
Worut PYLGREIM ERCZPISCBOF LEGAT (s. o. S. 33); 
wir »cAetN/ ed$ hab» tich tler unter dem Xamen dti SSönekt Mn 
SalxbuTff behamle Difhttr kitr mit eeintm leaJtren JVonu» ffenatmt; 
tUnn setir teahrtf/ieirtlieh iri dtt» ZAed nelnt mehreren andeiwi 



*) Am d«an Jetxt oberötUrrn^it^as Hoadsee ■Umtut di« H«- D. 

*) Von K. Heiiirit'h VI. alt Diclit«r *i-h«reift die Oetuhickt«, nie 
kennt nicht uiuniKl Wallher von der Vog«lwvide. 

*) Scboa früh ichrilt^n dii: KouoiLien gcK^n die fcriatlichen Dicbtcr* 
Vifsntea etu. lo dai Cunril. &liib>urE«D. Iä91 «. 8. 1310 g 8 (Wein- 
hold, Di« deatKh«» Frauen* U 143), tkI. u. S. U Anm. 3, »iS. 

*) Wenn Ampf. ■- *. 0. tbm Kfttnan Ji>buin«« fUr den Müncik in 
£ aad «af Verwccbilnnn mit dicMm Abt« nirtcknihTcii «dl, »o i>( 
■Im Ktch rai-iuT Ann^hmf (S> 41) nicbt aZtig, aach bleilil prtd*s«r» 
ardemä la C dann norli uiierklUrt. 

*> Fci, Scriptore« rarani Auatri»c. t 4I&. 




46 



F. Aniold Usyer u. Heiarieli HieUcli 



377 



um ihm usv. ') Dagegen ist nun za sagen, dass Hoffmann loi 
dein Akrostdction allein dieRen 8r.hlus» darchao» niclit zufafo 
durfte, lien nbrigena er selbst im E. * 239 niid schon* Asm. 
155 ") tJallcn Ifi<st. Die mittelalte rlicb«<o Dichter brachten in 
ibre Gedichte , wenn auch zum Teil , nie Heioricli von 
TarliB, ihre eigenen Nameu (Tgl. Wackemagol, Geschichte 
d. deutschen Litteratur' I im Reg. unter Akiostichon), 
so doch ebenso oft die Namen ihrer Freunde und tiAnn«r. 
deoeu sie ihre Werke widmeten ')■ EDtscheidonder ist, dus 
aber dem Gedicht nicht, wie HoSbium liest, miineA stellt, 
sondern I'^l^reim Mämfis, dabei soll nämlich Pj.'lgTeim gleich 
dem Leeer das AkroBticbon oniieigeo, und das zweit« Wort 
beeeichoet den Verfasser (vgl. die Zusätze in der Hs. za den 
Titeln, 0, S. IS). In gleicher Weise ist das folgende Slüok ein 
Akrostichon auf: Hnchrni*, plAMnw jn fiatttit, die Formel steht 
wieder über dem Liodo und daneben det Beisstx: da MuuUha. 
Dieser Keicherua ist also kein eigener Dichter, wie W. t. I 842, 
nur auf unser Gedicht geät&tzl, auoalim. 

leb kann ihn übrigens in Urkunden als Zeitgenossen 
PUgrims und daher auch unsres MOnchs nachweisen. Am I. 
III. 1369 stellt I'Ugrim dem Reicberus, Plobauus zu Bastat. 
auf dessen Bitte eine Urkunde auH. worin er ihm gestattet, 
däü sali-,burgische Lehen MosäUhen der Kirche in Ilastat (Rad- 
stadt), fflr die er es gekauft hat, wirklich eiozii verleiben (War. 
Hs. No. 9273. im Diplomstar Ortolfs und FilgrimB Bl, 36). 
Ohne urkundliche Nacbweisungen bietet auch Engimayr, Chronik 
von Radstadt 33 : Im J. ISffi «-ar Rtiiclier Pfarrer in Rattat — 
Rii-hern», rtctoT paracliialU ttxliniae in HaMal. Er frhtärbt an 
Tu'je St. Johann» dei Tauj'er», das* ihm die Bar(ierrchafi «w 

■) Aach in U. Anz. 18S8 Sp. 964 wind d«r Möncb mit dem 
Bntiitchflf Jdvtiiiticicft. 

*) Hier ''rkliirt tr sich ohae «eitprea fdr den DAin^n Jabanii dar 
Hu. E, it« ihm dii- H». A noch iiolickBimt war. tj;!. n. S, 43 Atiin. 3. 

') i>a sWhl tclinn iler Ihctrich in üollfrieü» Triitnii, Ki» JJiu- 
TMTftSndiiiii liotft ki«T nabn, wi« es c. B. bei ilem XAtnvti daa Urnfnn 
Eberhard ton Wlin^mbera »m Anfang d«- liouttchoti Cbi-wcliiina fio« 
BStopad«» »ehr bald der Fall wnr, <i'tx. ti. TT 333 mii Anm. Si^fl. 



] 



378 Dv JUocb von Saliburg. 47 

HoMlai tee^ftH der täifiinJie» Meu itamiltt tüiifft G>U«r 

übtrgtben habe. . . . Knbüehof PUgrim batätigt« e» unterm 4. Jult/ 
i38A. 139ä baute ein Pfarrer Reicher (wohl derselbe) die Kapelle 
der U. Anna zu Kadstait, nacb Winkelhofer, Der Saliaefa- 
kreia, 1818, S. 230. //«•.- Her HtytAer Pfarra- ze HtuUil « 
(tot ttäer* Hy'maiMtr :t SaUbury erscbeint aber aach in der 
Kesideiu: des Enbtscbofs als Zeuge und Mitsiegler in einer 
Urkande des Simon, Pfarrers zu Kachel, aungestollt zu Salz- 
burg, 6. XII. 1384 (MSI,. 12. 237 (No. 151». Hier dürfte 
avBzer dem Ort doi Abrnsäun^ auch der Aasdruck: Uofmaitter 
£€ StUsbttrg, nicht, wie es sonst gewöholicb heiext, KoAnetster 
dM Hofs zu Salzbu^ '), darauf hindeuten, dses sich Reicher 
dgmals in Sokbnrg als Ho&ieister <1es Hofs dauernd uufbielt '). 

') Z. B. Erhart ... dU teit hofmaüter dn }tof» « SaUhvr^ 84. IL 
tSBl OläL. 13, S55 (Xo. 166}). - Übi-r <Ui Hulincittenrnt tiuMlnlt 
ScQÜgcr, Dm dnutichc UofBiei»ter«iut ha ipütcricii HiUclnltcr (Bcrlintr 
Dixartation 1684 und volbtändig lomliruck 1686). Nn«^ ihm vncbeiut 
der 'Bofin«i"tcr' zuont in Ana Klüstcrn, nxi tiu uri]ii-iiii),'lic>i «iitweder 
I^MBbriidw rU licilnr der stiHlichcti AckcrhSfe od«r (die« «peiiell bot 
■Jen BeasdilctiDcni ddcI Augustinern) wcltlictie Miuitterialeo »h A^t^iiteu 
d«r WirttdianiiKobAmiiK dw Abtei wuon CChef iler Beamtea und ü«« 
OetindM b«) Hof, 'Aia «nteo der weltliciieu ScJfUbeainUu, & 7 tT. dfir 
TulMbidJgeB Sclirill); atn FUnteobofo liv){)-);nvl im 14. Jh. c'ia Suiti«ree 
Uofmi^iitentnit (BolliUigimg an der LBodecregii-'ruujil uud uin inncrei 
(LdUmjc de« BauDweienB) (&. a. 0. 18), Lund- und Bnuihormebtor 
(S. Äl). Untrr Karl IV, und Wtna-I hatten die Hofmeister doa rr»ten 
Platx in der Hoflicnnitcnbicirftrobie (ä. HOf,}. An unierem orxliiiicliöflioli«» 
Hofevird dorn UaDubofmcittcr dor 'Huftiif'iatvr m Sabiburn' (■. o.), (]?m 
lA&dlioftii«iat«r W4:rdcn veni.-biedoiia 'Unfmoiater d<i Hnfi xn Salzburg* 
ab Über die «inivlnca eriibiichöfliclien (lütor KCKrtzt« VfT«-altung»beaint« 
enttprecbcii, vgl. diua Klcimnyrn, Inraria 48T', der dem Hofineitt«r die 
LatKOg de« ninüidien Urbanreeens nwchreibt. 

*) Er w{rd aUo ejnca Prarrrerweeer ffebabt and nur die Ein. 
Itönfte winur Pfurro bozogen liaben, di«s betagt Mbon der Auxlruck 
raotor «eoleeia« ('KiioliliMT') , a. Bortsob, Diu ScJnretxer JüuDcaiiiiRer 
S. CCXVI. Ander« ßi^iipielc^ bt-ttcuneo mahrfnoli, ich führe an: Ilaniu, 
eharhcrr te VoKtote vnd :c drn teilm eliaattUr untert hof» te SaUilfurcb 
in «tner Urknad« (Moif* ISS5. Wnr. IIa. 9273, BL 12 im Diplomaiari 
«in gtmiu^ Lorär, Auditor doa Uol* sa Uom, beitoUt lich cia<.-u lYarrviliar, 
En^lm. CbroQ. S4. 




P. Ammld AUyar n. ncäaricli Kiot*ch 



!?o mag Hermiuiii sieb mit ihm befreundet und dißter Freond- 
Bchaft in der ob«o besproeheDeii Widmung Ausdruck gegeben 
babiMi, n'&hrcnd ein andcire« Gedicht so sc<iu«D Ffinten oiitl 
Gtkiner l'Ugrim ausdrücklich erinnera sollt«. Noch bemerke ich: 
in dem zweiten der a. (H. 44 Anni. 2) a. 0. gedruckten NekrologiM 
steht zum 10. September (ana dem 14. Jabrbnndert): Reicluna 
pl^anut in Ranltil, ijvonilam matter airü ^ialzhitr^nfii i im 
ersten Nekrologium wird sein Todestag auf den 11. Septetnber 
angegeben: Re'u-htrus rector parrochialtt tcelttie in 
Raflatl*) fr. nr. iptondam viO'j. evri« SaUhurp. (taecillHD 
XTV/XV). Also am 10. oder 11. September eines der letzten 
Jahre des .Jahrhunderts (1395 lebte er noch? s. oben) wird er 
gestorben sein, wol am 11., denn damit stimmt auch die £üh 
bragung iji einem Nekrolog des Domstifto (Arch. f. K-G. G. 28. 
135): JIJ hlut (Sept): Keii-hi-rw pM/anti» in railat fr. h. 
Diesem Nekrolog ist beigefügt ein lUgUlrvm fraimm «t aoromm 
vivmwn und da findet sich (a. a. 0. 171): t384 receptti» nt 
Rädterua, rector parochialU eccUtiae iti Haetat, qnondam ma^Uter 
curiae eecl. Salzburffennii. 

Die Hb. K bericbtet Bl. Idc (bei 1). Ml. 6 f.) FolgtndM: 

AI» /iiT pelur von Saftsai*) dem viüneh von (die H». hat vo) 
Salczbura dt/fz vort/enohr. par gcMcktt da tchiektf er ytne dg& 
nar/ipfiul« tati/nitch par her tot/dtr vtrJi in dem Mlben tone, iamt 
folgt die Hymne, gedruckt bei Mone, Latein. Hymnen, 18.^3 ff., 11 
329 ff. aus einer Hs., die vorher dem Domdecbauteu Greitli ia 
St (lallen^) gelif^rte, spster nach Donaueschingen gekommen ist, 
«B ist die oben mit 43. von B. Ml. mit L bezeichnete Hs. Ancb sü 
gibtdie Nachricht tod K. Eingebende Nachforschungen in St. GaUot 

■) Vgl. ß. lim tltet nun EnKim. Obrem. 

■J Ein Bttrant von htr Peter von Saften in K Bl. 19«, L 8 
<B«rtshb 11. n. 0. «). 

*) Nur BDf dJQie, wie ich bekenne, «chwachc Stütiu grünJtft *ieb, 
(o TJel ich sehn, dio Meinantr, <ia*> dieser PHtorSaaba o^ch St <HUen 
gtbÜte (Ampf. S. S8; V«L u. 8, liS), ÜbriHPB» i«l dk urktiutlliobe 
SchKihung d^R Nsmeui nur Sofien oder Sahten (so in E, in L nur 
84ieliae«. B.MI 90), Uoue a.a.O. 830 msubt daraiu i^inen i'der fon Sax 
4Uid «rst Aui[>r. u. n. 0. »pricbt Ht-hladitwcK von cinoiu F^er Sax. 




Ihr Mriacli von Sfttdiunr, 



49 



Jen Ti«IIeicht noch manches Aber P«t«r Sachs (v<hi Sachsen) 
ermitUlo. VorUnfig oor di«a : Han« Pols ftlbrt als ältere Divhtw 
anter uidorou eiuua Ptter S<kA fPüttrlem Sax) auf, G. Q. I 308, 
J^terUinn Saeh» ist auch Unter den 'alt«n Meisteni' in der 
Jenaer Handschrifc Valentin Voigts genannt (s. MSH. IV 892). 
lob finde flbrigcus den Namen in salzlKirgiscben Quellen ziemlich 
h&ofig. rielleicbt stammte auch dieser Peter (in 8t. nalleo?) 
ans änlibuig. Da ^t e<s einen Eberhard Saeim, Domprobet 1315 
Cgm. 2906 Bl. &9,h, ge9torl>eD 1319, 8. den Cgm. 2889 Bl. SöSa. 
Ein Beinrich and ein Eberhard ron Sachs sbd als Dichter 
bekannt, %. MSII. IV 98 ff., yielloicht ist dieser Peter aus ihrem 
tieschlechte? Dabei vUl ich anmerken, daes Eberhard ron 
Sadis 1309 bezeugt ist, SMB. ä CXOIXf., also in derselben 
Zeit wie iler Domprobst Eberhard Sachs, jenen beseichnet freilich 
die 'Pariser' Hb. (s. a. a. 0. S. CXCIX) als PredigermOach 
OwL 0. S. 44 Anm. 3) '). 

wm Nach diesen Erörterungen gehe ich an die Plage der 
^Rtorschaft der noch nicht besprochenen (weltlichen) Gedichte 
VM D. Va blieben oben (S. 42) 51 (äO) Stücke, 
^fc Ich b«tra<.'hte rorerst No. 18. Hier hetszt ea am Schlüsse: 
^K D«m tmtwurt »ckrtib mir, tibsUz E, 

^^^^ mir t^iffram fier gen Kntn »tat, 

^^^H gegdin, da man zalt M drfu C 

^^M vor vasnarht sttot/ vnd tumeziff ür. 

^^ Das Lied ist »einer Form nach eigentlich ein 'Lielw^ 
brief (e. die Anmerk. x. IJede), ffemaeAtt, wie die Hs. angibt, 
itfl Prag, als der fc^.biHchor bei dem ihm 'abholden' KOnig 
Wenzel wcUbo. und gesendet dnn aiUrlibtim . . . teeib im Frtadm' 
mI, mit der Bitte um Antwort ^e» miwi stai (d- i Stitte des 
Sebnens, n&mlich Prag). Das f&hrt uns also neuerdings in 
d0B Knie des Grzbischofs Piigrim v. Pnchheim, auf den uns 
dM Bsgist«! von A Torwtcs und dem der MAncb Hermann 

■) CiMjMU- dtr Stku Kb. U. S. 3U, J. ISeO; Johnma Soxv 
pUbam» in £6* I. N«kroL (von 81. Pat«r, *. o. S. U Anm. S) n» 
17. Ct. (Meo- XIVj, nnd elwn»» Johannet 4i<t«« Sturo ptcAanw m Eb» 
JM V. NektoL tum 8. X. (tue. XIV). 

4 




k 



k 



1 



F. Arnold Uayn- o. HetarJch Btotwh 38X 

Miii«r geistUcbeji Gedicht« zueigoDt« (o. S. 45 f.). Wir 
haboi hier auch di« beräliimut» Z^ürnffkit« 1392. Damals lebte 
Pilgiim BUerdingG oocb (s. o. S.ÖO ), «ber fraiUch ist auch trotz 
den anadrficklicheu Worten de» Iiied<>s nicht ohne weit«ree aw> 
gemacht, dsss er wirklich der Dichter iat. Von eiiier diolito* 
riachou Thätigkeit Pilgriius wissen wir sonnt nicht», indes be- 
weist der Mangel an i^eugnisseii hier so wenig wie ob«n (S. 45). 
Ist dagegen ein Aufenthalt 'iea Er/bischofs in Prag bei K. Weiuel 
anderweitig uucLmweiBeQ? 

Kh. n S. 68ä ff. Sndo ich folgende Korrespondenz. 
Wenxel schreibt l'^SB d^ni Pilgriio nnd gebietet ihm. ernsÜicheB 
Frieden mit den HerxAgen ron Itayem. denen er bereits das 
eut«pre«beude Gebot aaterlegt habe, zu machen. Gr soll •lann 
zum Könige kommen: io u^ollen wir ilieJi mit »ampt «im tttbiM 
viueri\ ('heitMn trUifr verltDren vnd »oMte tadien . . . ffenfizUehai 
vermhte'i . . . fftben awn Betlem ') t/as aunabeniiu vor sand 

(1) Andrts toff (d. i. 30. XI.) . . . Kb. 633. Darauf erklärt in 
demMlben J. am Eritag nach St Nikloa (6. Xll.) von Burg- 

(2) bausen Herzog Friedricb alcb bereit, zum KSnig zu kommen 
(o. a. O.)- S. 685 folgt der dem vorigen inhaltlich ent- 
sprechende Brief TOD Seite Pilgriius ohne Datum nud Ort, 

(3) über gewiss au« derMlben Zeit wie der vorige. S. 6S6 stellt 
dann ein Schreiben Wen7.el3, in dem er Pilgrim befiehlt, au 
Sonntag nach St. Martiu» Tag (11. XI.) nach PÜsen m kommen 
(zugleich mit Heriiüg Friedrich), nachdem er schon früher auf 
St. Micbaele Tag (20. IX.) hfitte erscheinen sollen; jebt will 

(4) Wenzel im Notfall auch nhne ihn die Sache eutscfaeiden, ffebeit 
ctevt Bftier an aller tele ta^ 1S89. Dagegen erhebt P. Eio- 
Sprache, S. 684 (ohne Zweifel vom selben J.>. er hfitte den 
letsten Brief zu spSt bekommen, um rechtzeitig eintreffen zu 
können, zumal er durch Alter und Krankheit gedrftckt 
sei; er hofft, der ESnig werde «s bei dum Termine bewendeiL 



ndwL J 



"} ß. i. BetUnni, tsobocli. ZobnUc, ein« kleinr Togeroiiie von 
U der Rcicluitruz« gcleg«ii. wo Wcaxel »ich K<Fti attfhiett, c* knmini 
tun rxtiva HkIc 1883 ror, Pcixel, L(!b«i*);«*cliicht« ä. Romiicli. 
Böliiniiidi. Königs Wrncriiau* I 137 f. 






Der Hondi von Sakburg. 



61- 



lasBra, den sein (des Bnbüeboß) Schwager, Hans tod Liecht«ii- 
stein *}. mit dem K5iitg und seineD Kfitlien festgesetzt, nimlich 
nscb WeilmarliMn. und bittet nocb uiu einen gelegenen Ort 
(Ortäaogabe fehlt dem ScbTeibeo). Sc)iU««zlicb schreibt aus 
Sb FloriaQ am Martiust^ (11. X(.) 138U ein Ungenannter (5) 
an den genanoieii Hans von Liecbt«nst«tD, er mOgc sich dabin 
bemflbeB, dass diese Sltere Bestimmiuig wirkllcli tafivcbt bleibe. 
CS. 685). (6) 

Also K. AVenzel forderb 1:188 Ptlgrim and die HerxAge 
TOD Barem ?or sieb. Wen»! g«bietet jenem dum oocb wieder- 
holt, Tor ihm zu encbeioea: zuerst am 20. IX. und dami am 
11. XI. 1389 sollte er sich in Pilsen einfinden. FilgrUu bittet 
tun einen nftbercn Ort nnd deo frOher bettimmten Termin 
(nach Weibnaclit<-n). Wir atod hier in dflu VsrwiokloDgeu 
des Stidtekriegs , der im letzten Viertel des Jahrbnnderts 
DeatscUand venrAstete. Krtbischof Filgrim war von Uercog 
Friedricb tod Bayern 1387 (jedesfalls in den letztAD Tagen des 
Norembers, 8. Lindnor Gosoh. II 448) bei einer Zosaumen- 
kanfl io Raitenbaslacb goEangeo genommen worden, es brach 
der Krieg ans. wobei die mit P. rerbündeten StAdt« fär ihn 
lüLnipfteit, a. s. 0. II 5. Pilgrim wurde scblieBzlicb der Haft 
«ntlaneo. niid zwar aof drüekende BodingongeD, welche deno 
aach das salzburgiacbe Domkapitel niefat ratlficierte, ebd. II 7. 
.\m 23. IV., beziehungsweise l-V V. 1S88 wurden die Friedens- 
orkniiden von Friedrich und Pilgrim aasgestellt, ebd. II 22 f. 
Docb brach »choii am 19. X. der Krieg von neuem aus, 
Pilgrim musste, obwohl «r den Bayern Crfcbde geschworen hatte, 
docb ehrenhalbttr die StSdte weiter nnterstützeu. Xnn gebot 
W«iim1, dessen Haltung flbrigens iu der ganzen Angelegenheit 



'} Jofaaiiu von Idecht«otl«in-NikoU)iiir^, der in d«ii Wiireo jener 
ZritongeBttuuteBofiuHUUr Albrf^ta vonötterrotcfafLioditw, G«icliicbt« 
d. dntMk. Betcliw Qtit«r K. W«iml II S03 f.. Falke, Oetchidite den 
fnrstL Hmiwu I>i«vbt«ii stein I 3ySt> halte zur Urillen G«nMblln BUwbolb 
ron PscUidM. Pitgrioi« SobwIT^t«r. Er -xar wi«<d«rbolt all SckJedunaan 
b«t StrtUigkeilt^ii tbülie. Falke 1 83& S.. nuioentlick aucb bei K. Wctuel 
«oMgeliUui, a. ft. U. 3W f. 878. 



62 



F. Arnold Hajvt d. Heinridi Siettch 



38a 



sehwmnlieiKl vrar , Pilgrun brieflieh nnterm 28. XI.. sofort 
Frieden xa schüeszen tiud perBOnlicli 7or ihm zu erscbeineii, 
ebd. II 57, wo der Brief aogeföbrt wird (o. No. 1). Pilgrim 
erklärte darauf, dem Gebot des KOntg» oacfakoionien zu wollen 
(o. Ko. 3)'). Herzog Friedrich war gegoii Endo 1388 wirklich 
ia Prag und der angelubrte Brief Weazels Dach der DarHtellimg 
Ltndiiers, Gesch. II 51, eine Folge dieses Besaches. SchoB 
früher hatte sich iu diesem J. das GerQcht verbreitet, die beides 
Gegner worden zusammen kq den Hof nach Prag kommeo: 
jeilfitfall* ät dtu niela yeteJielien, nieiut lindner 11 '£i *). Die 
andi^ren Briefe, die ich oben aas dem J. 13Sd mitteilte, öiad 
Zengnisae von weiteren Bemflhungou des Königs um den Frieden; 
Aber die spätere Urled^'ung des Streites a. a. a. 0. U 57 f., der 
Friede wnrde am 10. 111. IS'JO geschlossen. Ich bemerke our 
noch, ilass Wenzel die Bayernherzüge nud den Salzburger am 
lii. IT. 1889 einlud, zur Fastnacht (vgl u. Anm. 5) zu ihm 
nach Prag zu kommen, a. a. O. £8. Im April und Mai 1389 
hielt er einen Reichstag m Bger (Palacky, (iescbichte von 
Böhmen, 1844 ff., 111:1, 52), bei dem frelÜch Pilgrims An- 
wesenheit nicht be/.outft ist. Möglich, duss letzterer um diese 
Zeit, vielleicht gelegentlich <Ier im selben .1. vor P^rfilTnang das 
Reichstages zu Prag gefeierten Hochzeit Wenzels mit Sophie 
T. Bayeni, die er im Anftr^ des Königs vermittelt hatte 
(l. Liudner II 45. 61), doch in Prag war, in dem Liede No. 18 
also anstatt 92 einzusetzen wSre : 80 '). Übrigens sei zxaa 
äcbtosse angeführt, dass in dem oben citierten Briefe No. 5 



>) Woh«r hier lÄudner du Ofttum 8. XH- nimmt, wgUz ich nicht, 
in der Urknndn f«hlt Datum »od Ort. 

*) E* ist hier der Erwühuung wertb, dua Weniol am !4. X. einen 
Thk /uomC EU Weideu, dnon xa Pituuii (u. No. 4. 8) halten sollt«. d«<r 
nb*r nicht •tattR»AiRd«D bähen diirftf^ (niich Lindner II \W Anm. 1). 

*) ADdar«r*MU Jit Wennel gendo 13B8 am Sonntage vor Faat- 
Dftrht aU in I'rag anwesend bexeiigt, Fl^l;ttl Ijchumi;. I iI47. Auf «iuea 
späteren Beiucb In Prag deut«t der Greleitabrief, den er lur Kcii« n«c]i 
Prag fUr sich und die Seinen ein IS. II. 1896 von Wenivl erhii^lt, obd. 
n 319: über einen früliereii bei Kaiser Ssrl, der dem lürzbitohof gewiM 
auch 'abhold' Miiii mutslc, u. S. 50. 




Do- Monoh von äaUhiir([. 



PUgrmi von Urkunden spricht, die er dem Künig nach Prag, 
E^r and tlndweis 'nachgi>fahrt' bab«. Ganz erfbndea ist die 
Nachricht, welche tms die Überacbrift von Xo. 18 aufbeKahrt, 
schwerlich, wenn auch auf den Erzbischof bier eine gangbare 
Anekdote nur flbertragen acheint, die z. B. Eneokel von 
Pri»irich EI. und Hertog Leopold eriililt (dieser will der kaiser- 
Uchen Einladung xu Tische nicbt folgen, der t^rst, ilariber 
erzürnt, verbietet ihm daa Holz fiir seine 'Knchcl', der Herzog 
Usst, wie hier, Nüsse kaoTou, Zeitschrift für deutsches Alter- 
tarn 5, 282 f.)')- VeraulaMong nu dieser flbertragung bot der 
umstand, dassK.Weuzel dem Sulzburger 'abhold' war. dies begreif- 
lich bei den oben geschilderten VerhftJtaissen, da der Stidteband 
in letaber Linie gegen den Künig gorichtot war, MSL. 28. U 
Anch der formolhaftc Schlnea des Liedes: gegt^n, da . . . 
sobeint ffiia erste spedell aof fürstlichen Verfasser ?.a deuten. 
DerMUw findet sich aber auch in No. 30, nnd Oberhaupt wird 
man erwfigen, da88 die zwei Kftlle stattfinden können: der wirkUelie 
Dichter kann in einer Absicht der Parodie oder Urstifikation 
eine Maske vorgeDommou haben, oder es kann ja aucli Pilgrim 
durch seinen 'Ilofdichter', eb«u den Mönch (u. 3. 54), das 
Gedicht haben anfertigen lassen. Ich gebe zu bedenken, daas 
sich der Enibischof 1389 vor dem König mit Alt«ir nnd Krankheit 
cutschuldigt, was schwerlich als leere AusSucht passieren konnte. 
aiul dass man ihm dabei noch drei Jahre sp&ter, wenn 1392 
in Xo. 18 richtig ist, Lust und Fähigkeit xq Bol<:her dichtorisohen 
TfaStigkeit zntraaea mfisate. Eher dichtete Hermann, der iluu 
durch geisüiche Lieder Erbanong, durch woltUcho Zerstreuung 
Terscballte (u. ebd.), auch dieses Stock für ihn ~ wie wir 
aus den Hss. A nnd E (o. S. 32 (f.) wisse», arbeitete er ja auf 
usdrQcklicben Wunsch P.s -~ mag der Zweck welcher immer 
«een sein. Doch haben wir, wie angedeutet, vielleicht auch 
iB ohne Wissen P.s abgefaaste Parodie vor ans. leb rerhehle 



, Msa 

Kl 



') FrtvndUclier Nadiweia too Prof. Seemäller. tTnler den Aoek- 
tlot«B, welche die iU«r«n bibniMlien 0«»obicliUobreibcr (z. B. Dubraviu 
Ib Minor Biitoriu Boliemii«. xuent IfiiUij von Ui'enxel lu erzihlcn «riMan, 
fiade ieh die« Dkht. 



54 



F. Arnold Usyor n. Hcinneli RietMh 



SBS 



mir Dicht, dass diese ganxe ÄTgnmeatadon keine zwinguiide 
ist, und wir werden bi>i der Dühereo Dntersucbmig der tiieder 
No. 18 besonders im Aage behalten. 

Betbitigte »ch der i^biscbof nicht selbst als Dichter. 
•0 war er doch angenscheinlich ein Förderer der Dichtkanst 
in Hinem Lande. Wir d&rfeu uus woM seinen Hof als einü 
Art poetischen Liebeahofes vorstellen ') , der JU6nch Hennaim 
als ein eigener erzbischöflicher Hordichter. wie wir ihn jetxt 
nennen kennen, belebt denselben, oud mif^m er geistliche mit 
weltlicher Dichtkunst veretnigit, sorgt er fQr religifJse Bedarfitiw 
dnrch seine prunkvollen ^^equcuzcu und HyiiiiiDu, für die gesetligsn 
durch sein« leichten Liebes- uud Trinklieder '). Hier in SaU^ 



■) Hi«<r wSro der Ort, auf geiehiclitliohe Annlogjon UiiutweiMii. 
deati iii«lirfacli «piall«D di^utichc! Fürftcnhöfc nnd Fürsten Jie otivn >»■ 
IteilenteM Kolla. In Am Slütexcit dnr mlid. DichtiiU),' der 5tt«rr«KibiM)ba 
ood tbOrinfptcli« Hof; im 14. Jb. «Und K&r) IT. ru H«umcti tm 
HUgtln und P«trarch rIr Gönner und y^rderer: ini 16. 3h. IwhUt dii 
ERbeRogiu Miitliilde in Siidwe«Ul»uUcttl)ULd «iiii.-u ^riaUgen MitUI 
punkl, ScLerer iu d«iu QueU«n u- F<jrMliuiig«<ii t, Spnah> u. Kulta» 
gMchicIitv d. (fennaiiischeu Völki-r 81, IS, »iioh uoeh audri? höh« OSiiiivr 
fand di* Dichtkumt in diesiT Zeit. Adlige waren milUlbur oder nnmittfl- 
hmr bei der fjbeMetJ^unfr iln Amudis ihütiit, lam Teil bi-gugniin an» bi«r 
dicMlIwn Familien wie im 16. Jh. (ebd. 88 f.) u«w. Bck«uiit« Bciipi«!» 
E«b«ii dauu die fuL^'endvD Johrhuadertv. Nucb tiüher K'&g'en atin npeciell 
^itliohe Fürnlen ah Uüccitr an, wolür ich nar an die Itvziebungen 
tJIriclu TOD Eachcnbaflh xum SaUburger Hof (ii. K. 144) rrinni>r«. Eine 
dgcatliclii.- 'Hofpuenin' i^^iht «■ aber doch HenigHT in der d*iit«oh«n, ab 
in geviineu triTtodcn Littcrataren. der portag^eMsoben, arabiaohen. 

*) iJbcr'Gciitlichc all lEiiiu«*))n^^r »ernleiolie itberliaupt Waoker- 
nageU Umehicht« der deaiacben Uttetratur*. Band I § 71 Anrn. 8. Bd- 
*piele tind Best toel SaniMt (vgl. BarUch, Die Sohwoizer Uiuneiäager 
S. CCXVI und di« AUp^mtine Deutitb« Biogr^hie. Band 89. 271), 
lleiao Ton Biiiach (vgl, 8MB. 8. LIXVI ff.). Abt Wilhelm von St. (lallen, 
fiiachof Heinritb von Kootanz. Bpiondcra gab es in Zürich üppig;«, 
«•Itlioli f-winut« Oeimlich«. rpl. Uhland in d«n Sohriften zur <iaiichichte 
d«r Dichtung und Sugt, Band V 874; nm MQn*lnr entstand naoh dem- 
■elben Fondier (tkI. »eine «b«n genannten Schrjft«n c Ueanhichie der 
iDichtunfc nnd Sage a. a. O.) die ehetnala PariMr, j«t(t wieder Heidel- 
bn^r (Mann ein eicbe) Haadichrifl. für dercin Zfiriebor ünpniug »ich 
ja die ceucaUn L'utcrnichungoQ auigriprochva babeo (vgl. beauaderi 




D« IKiMb TOB Sftblwirs. 



barg scheine eine Xnohblöte ixt ritterücben MinnehCfo. ein« 
Vorblfite der Itenaissance Aeb eatfalt«! zu haben, ein Kreta, 
_äer dem in Odthes UCtz geschilderten Bamborger Hof ähnelt«. 
Soblioszen lassen xnf all dies auBier dem Liedo No. 18 
ich die fibrixen in D ge«amineHeD Stöcke. Denn gerade auf 
ebnrger Zustände und höfische Kreise weist noch mehrere«: 
No. 13 hat nwb dem 'lltel (Das kc/tHAom) noch weit« 
ObeTtclirift : Vn/am itt (fewwdtfh rfdtn zt Saltbnrg vnd 
fiedAttt nsw. : dass das gaoz« Gedicht eine hDfische Form anf 
Ifttsdlicbe Verhüttnisse des Alpenlaades flbeitrigl, wird iint«a 
aofgMeigt worden ; b<<«onder8 aber gohOrt nochmals No. 18 hle- 
Br, mit d«D «rsben Wortes (l«t Cb«Fechrifl: Der tenor hakt dtr 



JLnfMtx von ZiiD^«ni*i>ter in Avr VT^AAimUtibm ZdUckrift fUr 
U aaä Kuniii, Bantl VII 935 ff.). Übrig;«DR ilicht«ii tclion im 
'^n> Jahrhuniii^rin Klaril[«r Li*bMlt*daT, Weiahold, Die d«<ut8oli«ii 
% Baii'i II Ut f.-, die UVncbo von St. Qalku waroa die «ntca 
FScgBT der ixtlkiniÄMif;»!) Vuljtfcrpocric, T^l. Wackoniagvl, Die V«r- 
o der Scliw«<iMr um die dput»cho LitUrttar 9, TT. Sdir. V 10; 
iWB und SahivibeQ ward« von Nonnen nicht bloM Kum kircUichea 
g«flbt, ■ondem «ucb ^ur AnfioicbnuD^ wekliclir Liedeben, 
aie eisRDiler xut<;ut!«<len. wogegen f«ibon 789 ein Verbot erging, 
'eänh. n. >. 0. 1 188. Der Kleriker wurde bald eiu get^hrlicLer Nebwi- 
iler du Ritter* in der Onntt der Damen, «o dichten suoh in Fraoli- 
näek QcMtlioh« im Wcttirifcr mit den HitUni, TgL Qiei«brecbt bei 
QoliM S. XVI. In d«r volkitnmliobon Lyrik ipieg^lt nch 
nb, vgl. Garminn Banina No. 66 (noch jetzt i>t den Klrrikera, 
im VnlkigMMig* d«-r Br«tagae eine bedentande Holle ^lUfieteilt, 
Scbr. m 4M): bJebei noch der 8tr«it ivcder JungfmQeo, Carmina 
BuruM No. 66, die eine liebi einen Ritler, die andere einen 'Studenten'. 
Vgl. anoh <li« gntüiobaa Penon«a, die Sfter* in inbd. Tamlie'lern 
emkeinea, und Hoini«lin von Kumtanx, Vom Flaffen and dem Ritler. 
!« wir uiin die Snoheinuug in jinur ent^u übej-gangaieit am E«a> 
der mhd. Iitter*liir beobacblun kSnnen, su auch in der ^tereni 
•UB d«r nnaer« Bs. «lammt, am Anigang der Pcriudo. Es wir« ic^blieBzliob 
anf die bekannt« Verwand tschofl, die zvi>cii«n Uinoe- und ([«iKilicfaer 
Dichtitny bcatcbt, biniinreiaen, jeoo Int auf dieae gewirkt, weltlicl» 
ToratallBsgen wurden noii geiatüche Gebiet Übertragen, vgl. V- Sohr. 
V 178. 140*): haaonde» iat bier an die Dlchtong der jljitiker ni 
erinnera. 8. noch Ro«lhe, Reinmar von Zweier 936 mit Antnerli. M6 
ebd. m 19. IM, S. 966. I %«. 





66 




F. Aruold JUyer u. Heioricli Bictook 



f\rtadm»iU nach ainem tjutAam piy Sat^vrg tun-, and wvkIh 
T. 1 f. Pem alUrlihtUn, «eii&ruten uwü im Freädental USW. 

Dieses 'Luatiiaus' fand ich oacb legerem Sachen eu- 
B&chst bei Zauotr, Ohron. T 307: Ifa* Sciticu Vrtyiaal odtt 
FrendeKtaat, out tettfhem die ErzbüeiOf« tat ttralUn Zatt» 
Ürm Einritt in die Stadt zu halten pßefftett. hatte er (Enies^ 
1540' — b4) . . ■ vom Omnd« ati» mm erbauen . . • lasifn. VgL 
Bübue» Beschreibung der Haopb- und B«sideni8tadt Salzburg 
(1792—1793) l -143 f.: />«■ Fre^sahi, nahB d«r HoUebnmner- 
strasze iDmitten eioes Weihen, mit meien BeqwmUciiixH«n för 
eine nit'M »ehr :ahIreUfte Herrschaft . . . Ja/ir der Erhauuttff . . . 
int nicht beicatmt. Stetit/fjuwr nennt « Fmidensald (wO?)- Ich 
finde es schliesziicb auch urkuudlieb: Kb. V No. 82(3, S. 522 
beiengt "Hu/man Wyihay am Mittwoch vor FrobnleiclituUD 1463, 
dass er Aber seine Forderungen, ein bestimmtes tiut atMwrMi 
der »tat Salesbtirg pty dem Fn^detunä betreffend, sich mit den 
EnbUebof Burkhard geeinigt hübe. Die Bildung ist wie 
Preudeaberg, das Kb. U No. 712 belegt wird; vgl. auch die 
Preadenau bei Wien (Herders Volkslieder, Werke haransg^. t. 
Supliau 25, 419: L»bt Schv^tUm all' im FrttuJeruaid). Es war 
also ein Luatscbloss der th-zbisRhOfe von Salzburg, eio EleiiiMJ 
Versaillea, in dem es gewiss lustig genug zugegangen ist ^H 

Ferner gehört hierher No. 19 Ain tenor von hübtchermelodey, 
ab t>/ es ffem ifemurlt ftnhen, darauf niefit i/i)!icher kutui vt>a-ti»ffen. 
Bewahrt hier ty eine Kriimening an Hermann uod Martin? Daon 
kQnate nglicher auf die Hoflentc gaben, das Publikum, fQr das 
das Gedicht boatinunt war ') (s. übrigens die Anm. xum liiede). 

Weiters 25 . 96 ff. ieh hold, da: ick mil frumer diet mieA 
fritidm niet. ju! aber dar, du frUlieh tchar. Üb frawen ffor 
süln yr hüf danv ttrekeu. Dor Dichter fordert die HoHeut«, 
TioUeicht im Preudeusaal, zu Pflege fröhlicher ijeseltigkeit mit 
den Hofdamen auf, er rftth ihnen, sich um die Q o f gallen 
34, 3<} hoftteff 40 ho/pall) nicht m kOmmem. 



IIb UMU 



') Vbertingcn bietet Le<x«r 11 1668 nur in den Bcdcutumien: 
'einen Prubegestiig ksiten' XtaA 'im Singen übei-treßea'. Ei atelit aber 
hior ab Uuliniaolior Ausdruck. *. dir AaiuiTk. zum Lieil. 



d 



S88 



D«r KöMfc «OB ^Utorf . 



57 



H«. SO (ijfi. beaoodCTs 1 ff. H'ür «rwr dtr jiwai^mt* «m 
dir «dkir da im* kofcttind* ^ar dt* koft civ Sates- 
burfk tten Am btMtd . . . Jtn /rmmi, dit nu iaba* tvnr«ul) 
gawilirt uns «iiu>& wüteno BinhUck in dia galut« Treib»ti du 
Salibarg«r Hofes: ist das Gedieht tod Henninn. so bat er hier 
für die Hofleate gedichtet (vgL damit o. &. 53). Am ächlosM 
beiHt «8 dana : 41 ff. dU han^ui yar om ar^tn liit mdet keyteri 
kof jM^ni id horh nur der olhtH i» /lerbtl /ritt, da drew^fieH 
kimtdert jar hiet Krist vnä nuM drty setÜi^* ') an drw jar. 
HoMtfal . . . iftittt erimurt an Ana Ausdruck In No. 18 (s. o. 
S. öS), hier kamt docb gewiss nicht ao PUgrim gedacht worden. 
Di» Hofleate befinden sich, wie ee scheint, mit ihm tn «ler 
Premde, 'in des Kaisers Hof (?), hoch oben im Gebirge'), im 
Heitst 1387, iind sohteiben an ihre Damen : kijoneu wir an die 
GeCugenschaft Pil^'rims za Raitenhaslaoh im Koveinbor d. J. 
(s. o. S. 51) denken? 

Die eben besprochenen Ueder weisen also iü der That 
aasdrflcklich aaf Salzbarg und den Satxbarger Hof oder doch 
wenigeteos auf hofiich« GeMUschaft, wofnr sich oben am D&uhsten 
die Salzbuiger darbietet. Aber auch der Best der Ueder setzt 
meistens hOGsche Kreise voraos, die 'Elaffer' sirieleii eine besondere 
BoU» (So. 14. 15. 19—21. 2-3—2.'.. 34. M. 45. ST*. 59), ein Ziig, 
der, wean auch Oberhaupt der hyiüc der Zeit gemein, hier Im 
Zusammenhang erhöht« BoJentung erhÜL 

Es ist mir nicht gelungen, in Chroniken und anderen 
baitdwhrifUicben oder gedruckten ({nellen weitere bestätigende 
Berichte über jene durch unsere Liedersammlung bezeugten 
eigentümlichen KuHurzuntftnde am Salzbnrger Hofe xu er- 
halten, ebenso wenig kann ich genauere unmittelbare I^acb- 
ricfaben Ober Pilgrim, der Ja als Uittälpuukt dieser Zustände 
erscheint, besonders auch Über sein Leben bis üu seiner 



■} Über Schilling a. X^ier «. d. W. (hier dmaaelb«, wm *oi»t dir 
iMigen Schilling bedeuten. — aO>. 

'i £• gibt aW sttck Ortsdiaften d«« Nuneua Alm, m Iwi 8m1- 
foldm und noch »onat, Weilmefr. Tupogr. Lexioou vooi Sniiachkwint 
Iglä, t ä&, der auch (S. 3i) ^n Altwn bd TmnattiB BMUtt. 




36 F. Arnold Uayer u. Hworick RictMb 389 

Erw&blnng Kam Eribischof, boibringeß. Aus den His. nivl 
DroidlMi. die ich in Wien, Salzburg und Manchen darctinh, 
Btelle ich unten das Wichtigere, soweit en noch nicht «rwftliut 
ist, zasammen, am etwa weiter ForscbetideD überflüssige MOhe 
SB sparen'): noch anderes wird an seinem Orte genannt. Pilgrima 
QMcUecht stammte aus OberQstcrreich (s. o. S. 45), das Stamm- 
schloss liegt im Haasruckviertel, nahe der Balmstatioii Ättoaug. 
Die Piu^heim hatten das LandmarRtrhallamt von Österreich and 
waren «rbliche Trachsessen in Ostermicli ob u. anter i. Knna; 

') Wnr. Hw. (Tab.) : 4B4. UM, 6. 2317. 3. 3029. 8841, *. 83«. IH. 
17. 8402,15. 3768. 3«ei. 4010,98. 488fl,8, 4««9,6. 4«7&. 1-8. 78*8, IS 
7251. 1 — a. 7307. 1. 7898. 7380, 1. 3-4. 738a 7887. 7-ia8. 8. 743Ä. 7450, 1. 
756S. 7691. 7693. 800». 807S, I. 8120. 614^. äl»l. 83BS. SU!), I. »HS. 
S447. S637. 1. 8545, 1. 8517, 1. 9273. 9329. 9803. 12014. 19683. 1S«S». 
18210. 18516. — Arch. Hs«. (Böhm. Die Hs». rtc» k. u. k. Hau«-. Hof- u. 
StaaU-Arohivn, Wieo 1873): tOn, 11. Bd. 115, 1. Bd.. I. 8S3— SS8. 8S7.S. 
Brl. 88a, 1.8. a44.U. Ib— 2a. 845. 347,1— 3.1». SSO. 853,3.7.9. We—SaO. 
865, 1. Bd., a— 4. 5b. 2. Bd.. 9. 870, 1081. — Coildttm. : 1683. 1688. 1S91. 
lHtl6. 1698. 169». 1732. 2860-8885. KSHU. Ü8»4. 8695— 2906. 8690. 4406. 
— CdUlm.: »n. 1874. 1876. IS73. 1686. 1926. 18635. 14511. 14S94. 
88846. 87077. 87085. 27148. MaturiiJ für die Ocscbiohtc der Pucbheim, 
■bcr gi-TiidB für Pilgrim Itt-ino oder nur die bcknnnt«ii An^ben bieten 
Werke wie: Hond, Molmpülis Salifburgenii» 1582, -Ipsielbi-n Bayer. 
StMnmvn.Buuh 1598 (HrgÜnoiDgun dnzu im 3. Ud. von Vn-yheig'i SamniL 
hiitoi'. SoliTillen 1834 fr.), Sibmacbvr, Wnppenbuch leO^Ö'., Bucelinn*. 
Germuiia top« • chrono - itemm&to - gmpbin 11155 ff., Yslva-ior, Ehre d. 
Hencogtlw. Knün ItSSft?., Wurrabriind. CalleclATica genualoginn-hiiitoTica 
1705, P«ct, Theniin» 1781 ff, , Duellius, Ex^rirpta ^"noünKlca 1780, 
Ilohmutck. Löbliche Herren StSnd« 17S6 R., Hinüber, Aiistria ex archivia 
llollicctii. illuitnttn 17SS. Steyerer, Comment. pro hiatr>r. Albert. II. duci* 
Auitria« 1785, Oordo. Her. Boiearum scnptore« L7H8, Caeaar. Aanal«« 
Stjria« 1708 (T.. Klmmsym, Javavia 1784, Rauch. Ker. Auntr. icriptona 
1793f,, Wiffigrili, Sehauplatü 1794 ff.. Hantholwr, Fftstonim OampÜlI.... 
oonUnnatio 1818, de«ielben Reueusu« ... ardiiv, Oampitil. 1819 f., TIU, 
Oeach. dea ß«iiedict.-Slift«a Uidmelbeuora 1833. E8t«rl, Chroolk dea 
FraneiMtiftM Nounberg 1841, Miicbar, Gi<Buh. dun Ht^rzu^tha. SW^ennark 
1844 IT., Pritt, Oeech. d. Laud-.*« ob der Eiin» 1818 t'., Earajun, Ver- 
brüderuugHbuoh d. Stifles Sl. P«ter 1858. Knuschku, Deutaob. Ade)^ 
l«»koii 1859 ff.. Pjohler, Salzburg'« Landi-sgeauh. 1865. Zilltior, Sal/borf. 
Kalturicnch. 1871. Zahn. Urkundcnbaob d«* HenuiKtbt. Steiermark ISTSC 
Wichdcn tiwcbiohtti Admonla 1674 (F. 



J 



390 



Der Monäi von Sklibiirg. 



5» 



ihr Wappeo. me t>a auch in den Chroniken encbeint, war ein 
SQberKhild mit roter }litt«lfa8oia. Erzb. Pilgrim I[.') war ein 
Sohn Pitgrim n. t. Fuchbeim*J. Seine 6eschiohte beginnt io 
den Chroniken eigentlich erst mit seiner Krwfthlang zum Bnc- 
biKhof *> (o. S. Ö7). JedMfalls hatte er dem Domkapitel aogehSrt 
weaiTBtens heissb ee Arefa. Es. S^5 II S. 2403, doM PSiffn'nm 
diA mMNinans der zweite, ein herr wm Pitehkiim und domherr 
:u Satsbitr^*) xnni Erzbischof gewtthlt wurde. Nach dem 
phroD. Salisb. (Poz, Scriptore« 1 418) geschah dies 1365. 

Die Zeit war rauh und kriegerisch. VielÜ&ch nahmen die 
geUtiidien Forsten an den Welthandeln teil. Auch unser Rrz- 
iscfaof). Er trat als ein sehr streitbarer, nichts weniger als 
geistlicher Herr auf. Schon 1371 unterstützte er die 
HerxJJge Friedrich und Stephan Ton Bayern, um sich ihren 
Beistand gegen seine Widenacber zu schaffen, 'lagegeu traten 
die Hetzfigo von Österreich, Kaiser Karl und der Papst Gregor 
auf und brachten das Bündnis nur Auflösung, was nur schwer 
gelang. P. besuchte daranf den Kaiser zu Prag and die Oster- 
rticher in Wien (1374) ")■ 13ä2 kam er dagegen mit Friedrich 
von Bayern in Krieg, weil er den Probst der Kirche in Berchtea- 
gadta, einen Bayern, ubgesetüt hatte '). Aber wichtiger war 
seine Beteiligung an dem groazen Stddtekrt^e (s. o. S. öOff.). 
Aoszerdem wird noch manches abenteuerliche rou ihm erzfiblt, 



's 




*) Auch Hautit. Ocmunk Moni II i68— 465, gitit uur die muoh 
MnM bekwuilvn N»-'hriukluu übt-r ihu. 

■) Vftl. 8cblai:btiier in der Aroh. H*. 836 U S. S405. 

') Dkmai) nvL'bL'iuuD noub nnilm MilRliRdor d«« OoKchlr^htn ju 
Balxbnrs (vielluieht vou junvin hu Lduid gczOfTtm?): rin Htuu WH 
nehaim . . . pKUger i« Atyn 1887 (Aroli. H«. BS« n S. 488); 
1874 — 1S87 Albert von Pnchboim »1* BauptniRmi in Saliburg, Obb, 
Ar<-h. XXVni 79; PÜKrim von Fualibeim. HAUpImsnu in Salibar^. 
Arvli. H«. 869 n S. «SB. «97. BW (1384). 

*) 0er ril«>irnnu* canonkiu SaliiborKcruis <lrr XoDumenU Bcii^n II 
936 (von 1690) muM W(>fal ein aiicl«r«r »eia. 

*) Xknlicli i. B. mtui älMrer Zettg«no»e Bttldaiu vou Trier ff 18M), 
le Pflgriu kioi iiaeb diHKr in ÖgfugmKbBft (vgL ADB. II II fT.). 

•> Pez Script. I 491. 

'> Ebd. 497 f. 




t 




60 P- Aruold lUyer u. Heükrich Ri«tM>h 3dl 

das nicht iie'ba tteltt: Z«dlOr, GDiv«räaIl«iican XXIX 1153. 
wili wiflsen. dut «r, mit dem 6raf(<a H^lfenstein mm t'eld- 
herrn gegen Karl V. tob Frankreict omantit, neun Jahre in Pari« 
gefangen gowosen sein wU, eiiie Nacliricht, die i^nnz unglutbUck 
ist, Karl V. (1864—1280) fftbrte ja nie mit ll«atsobUad Krieg'). 
Cnter PilgriniB kriegnmclier R«gi«niRg wurde die Stadt 
Klierst mit Maaem und 'rhöreii umgeben (Clm. 27077 II 793) und 
entstand vielleicht die Börgerwehr am Mßnchaberg (MSL. I 70). 
Kr niiBS viel Ansehen und tSinfluxii gent^noen haben: nicht bloo, 
data er einen Streit zwischen seiner Sohweeter Scholastica und 
seinen Verwandten Pilgrim *), Albort dpm jüngoren und Oeorg 
schlichten durfte, er vermittelte auch den Frieden zu Schirding 
Kivisoheu Österreich und Bayern, 29. IX. 1869 *), und er watde 
Bop>r von K. Wendel erwählt, zwiscLoii diesem nnd dam Papst 
zn Aviguou, Clemens Vn., zu verhandeln*). 1884 bestätigte 
er ala Metropolit die Universität Wien"). Kr starb Dimstag 
5. IV. 1390 *), nachdem er auch seinen Landbenite erweitert hatte. 

Allem nach war er eine nicht nubedeutende, in gewissem 
Sinne imponierende Erscheinung. fUbig. Willens- und Thatkraft 
zn entwickeln. Er i»t air» proszmfiettiffer fiirtt ffmcfsen (Cgm. 2906 
BI. 35), ain Itfrrlirhir r^iml ^mztnüettigfr jnvlai (%o oder fihnlich 
in den Coddgm. 2895 — 2900 and sonst). Noch Megiser, Annales 
Carinth. Leipzig 1612, S. 1030 sagt von ihm, dass er fiw.* 
eiiauinchffti vtmd gro/imMi^n BerUen» gewesen. Im Cgm. 1600 

>) Zu Pil^'rim« Zeit nuiulit« K^rl VI. von Fninkreieli mchrfBcbe 
VorttöWf aiif deutsüheii Gebiet, t, Ltndner ObiuIi. II 81 IT. 319 ff., die 
B«idiMUtl(« fiirchUUn. da»i die Franntm lUn Fürsten HUfe gegen $ie 
anbieten leiirden, uM. flS, unil um^fuhi^lirl benorgtc niKU in Franki-eich 
«ineii L'btrfail der Di-uUch«ii; viulleicht liegt ia ilcr obigeii Nacbrioh^. 
ebe Erümorung an dicue ZuBtiimle vor? 

*) Die» wird jener Pilürim «dn, der bfi ^enng Älbrecht lam' ' 
Sturx des Johaan von LieuhtuiuteiD mitwirkte, Fnlkc Ursel), I 899; 
vgl. auch n. S. 61 Atim. I. 

*) Nnch Kleini. Jnv. 3B9. 

*} USL. XII 343 Anm. 1. 

•) So KIfim. Jnv. 170. 

*) Sex Script I 481. 




ääS 



Dar ÜSnab von Salxbiu^. 



61 



S> 428 beiSEt es (nach Aügabfl der Hs.: ex chwaeo S. /Vtn) 
such anders: Duer war ein mann etnfr »oHäerharen de* 
fftmüett beaUHdt^ckehait. Nach dem Clm. 14894 Bl. I46a 
var er pottn» in opvrt et termene. Anch aeice fürsorgliche 
B^emn^ wird hervorgebobea '), lifi besoaders — nach den oben 
gegebenen Aiiszageu — seine 'Groszmatigkeit* geitboit, d. i. sein 
f&rstlicber Sinn, seine Festlf^koit ond l<:nergie, und ferner, dass 
er ein 'herrlicher Frftlaf gewesen sei. Diese« letzter« meint 
nun nohl die Praoht seiues Auftretens, seinen glanzTolleo Hof. 
Seine Energie giu^ allerdings bis zur Uficksichtslonigheit, indem 
er sich fiber die Itechte seiner Unterthanen hinwegsetxbe, venn 
er eben etwas zn erreichen wAnschta, und Widerspenstägo mit 
stvker Hand bändigt« oder auch Torgennltigte: die Kb. bevrabren 
verschiedene Grfehdebriefe (z. B. QI 8. 4ä2. 485). Andererseits 
verzeichnet die (Jeschichte von ihm Handlungen, die als Zeichen 
von SchtrSche gO'üeutet werden ki>anten*). Nach seinem Tode 
beklagte aicb denn auch die Landschaft hei seinem Nachfolger, 
Uregor von Osterwitx, über die Besobwemis, die sie unter jenem 
erlitten*), ond nicht umsonst wird die Freude benrorgehobeu, 
die jedermann, Klerus und Volk, bei der Wahl (jregots empfand*). 
In einer eigenen ürknode musste noch Eiv.lfischof Bberhard UOS 
'Kittem, Knechten und B&rgern', die sich nach Pilgrims Tode in 
dem Igetbunde zar Verteidigung ihrer Kechte vereinigt hatten ^), 
Ttrvprochen, dass die BedrQcknngen, welche sie von Pilgrim, 
bed^ungaweise von seinem Nachfolger Gregor, erfahren h&tben. 
aolbSreD würden *). Die von ihnen damals erhobenen Beechnerden^ 



') Id d«r Tliat hat i-r maucbe grot« Fri«dt-uawvrku »atKU führt : 
«r Uell auf gule Ruuhtnpllet'i^, Kleim. Juv. 664, uud gab OrdnuiiL'i-u, 
ebd. 878 g. h. Ober di« gnt« Bebaudlung; der Bitu«ru im Grzitift 

ebd. ses. 

*> Bei Linilner H 93 iat P. Qberkmapt «in 'tcliwachor ChttrakU-r*. 

*) Cgm. lees Bi. la&b. 

*) Wnr. Hs. S07S Bl. 18. 

>) Die L'rkutKlu irt i. B. U8L. V WS tt, ^nieku 
^ Ebd. V 160; Abdrwik Am T«t«i <k<r Urknnde Eboriianb vom 
SS. V. 1403 «bd. ITft. Vgl. aueb Kluim. Jav. 447. 
'j ilSL. V läa. 



62 




F. Arnold SUftr o. H«inrii:h Rkt«ch 



2^An wieder, dass T^lgrim mitunter ein recht gevalt 
Herr wur. 

In dieses UUd eines kriegärisuheu, eigenwilligen, rieilelt-bt 
tyrannisch dn Fftrsten bringen nun künsÜeriche Neigungen einen 
mildernden Zog. Das ist nlcbt soniiorhar — ich erinnere aar 
an den deutschen Heinrich VI. — und obeuao 'galant« Lyrik", 
wie sie unsere jedasfallB zam Hofe Ton Salzburg enge ^hörig« ') 
Sammlung zeigt, geraiie in dieser Zeit und an diesem Orte ganz 
gut denkbar: äitlzburg, fern im Südosten Detitschlauds, erscheint 
damit als ein /.uflucbtaort der Musen in rauhen ICriegsUuft«B. 
Eiben damals, am Ende des 14. Jhs., war ja überall in 
das geistliche Wesen 'weltliche Üppigkeit' aller Formen etn- 
gedrongen: man denke daran, daas scheu am Anfang des 15. 
Jhs. das Konstnnzer KodzU stattflmict. Was insbesondere Satz- 
burg betrifft, so gestatten die erhaltenen ddrftigeQ Berichte. 
wenigstens zwischen den Zeilen za lesen . dsM hier eine 
hervorragende Statte solchen Treibens gewesen sein moss, so> 
wohl am erzbischöfÜL^hen Hofe, als auch im Kloster St. Peter. 

Pilgrim selbst liebte Glanz und Pracht: er fing den 
I)om und viele andere Gebfiudo zu erneuern au-j und nahm 
auch den erzbischofliiheu Hof iu Angriff. Zum Teile wenigsleos 
wurde seine Tliätigkeit auf diesem (iebiete schoo du 
grosse Feucrsbmnst von 1383 veranlasst ">. 

Der Hofliall wird schon «uUr ihm ziemlich au 
gewesen seiu. ein eigentlicher Hofstaat, dessen UauptbesUmmnaf 
war, den Glanz des fürstlichen Hauses zu erh&beu, wie an den 
anderen Hflfen der Zeit. Das ist das Hofgosiad in No. 30 
unserer Sammlung, Hofherren und Hofdamen, deren Beziehungen 
zu einander die eigentliche Grundlage für die Lieder gegeben 
haben dfirft en*). Kine vollständige Hofordnung des Hefa xa 

') 0. S, 49 ff. fiS ff. 

') Arc-h. Hs. 327 U 8. BI7; Pm ScrfpU I 4M. 

») Ar^;li-H.-337«.n.a.;I'«:.ii.a.0.S.uoebAfcb. Ht.8S6nS.ä480l 

*) Elwriiani JU. von SnUhursr (vgl. ji-duoli aatU u. S, 87 Über i 
iiaUc auf dem Koiuäl m Komtanx rinen «otctieu ho/itatt uui »icK ni 
c« vrrd«D Ritter aua demaellien mit NnmeQ suli^efiibrt (Areb. B*. 8S4 '. 
B1. 4a0b): Er/liiichof Frivdricli m. orwäUiit vnntcm Hof, USL. V 14 



wenigsleos 
dorey^ 

au«3BP1 
Bstimmna« I 



394 



Der Mönck von SaUbuff. 



63 



Salzburg konnte ich ffir diese Zeit zw&c nicht finden *), aber 
einxelne WQrdentr&ger und Beamtete Verden erirahut. So 
enoheint ein Hofüianchall ■), Scbraiber'') und Kanzler*) des 
Hofs, Kaimuermcister *), Kellner (K^Uenaeister) *>, Kästner '); 
anszerdem l'feifrer"). Büclieejuueister*), Küchenmeister '"), Mnnd> 
sobeok ' '), Thürhflter und Ji^rmeirter'*). Dazu kommt natürUcii 
dar Hofmeister (o. S. 47 Anni. 1). Äusfölirlichere Nachrichten 

') EtJt *on IGaOilnhtrinellofnrdnnnKWoirDietHcliaeba.XIIStK. 

») 1892: Ohunr»a der «rann., Kh. U S. 668. uud uocU »oiHt, 
t. B. in»: WWkatm WUptJcrb ebd. III 8. 6-t». Ht. ~ Nur dvr Hof- 
nikr«ch*n tritt hiiiißx«<r in ürkiitid«n alt Zeuge aul, auden Uitglieder 
^tm Hofgcundv« tIoI iult«u«r. 

■) C'kuenrat, UofRclirciber 13»1, USL. XII 23S X». KU); Jatann 
UtüleT Paul ebfntrr Sehreihtr dtt Bof» t\t SaUburg, Uitgli«<l d*» 
*gMcbwMni«n lUthoa Pilgriiiis'. 1B70. Kleim. Jitr. 57A. 

•) HaM Batttttr aus »iner Ürknndi- «bd. 

*} Vgl. Conitre SalttburgtiMi» IHagiatro, USIi. XIJI No. 190 der 
UrkuDdeo d«« CouMBiuHal-Aruliivs. 'Mi-ini) H«riL-D roa Saklmr^ Kummer- 
meMe/, ISTV, Kb. II S. 66ä. — l>«r Kaniinerm<;itter tiusurgt dai Kammer- 
wcoeo üb«rbatipt. aacli Eli-iin. J<i*. 197 dL 

■) Konrad Hombtl IS87. JISL. XX 187 : Bann» SaHchenperger . . . 
AofeMlner i« SaUtbtirg. Kb. Vi S. 81. J. 1491. 8. W». J. liSS. 

') (Jtmnrat, probst n Gömili, |io) (l«n tet/lUn it» von Siüabn¥y 
ihattnärr (V^l. a. Ü. 47 Auic. % Arch. lU. 858 £L S73. J. 139b: 
n«iiun .Sin((Aa«»er. Kattner d«a Hoda an .S., ubd. Bl. 33!t, .). 1443. 

') (rüg der InetUrr , . . mcini hrrrtn von Salaburi/ Ifviffer, 
I8M, XSL. Xil W& No. L92, vkI. auch XIU 94 (im [Jrkundt^abache) 
No. 44, J. 1407, wo noch «in zwritrr mit diMem encheint 

*) £iii Erkart Ilan ron Zabem UW, ebd. XIV N'o. StH) d«i ' Arehin'. 
'•) IV41 <nn Küclietiiii«L8t«r nVntAnr. «bd. XX 187 ; 1300 Ckvno 
de TtjfMi*g, Magltttr Caquiiie Curie n^rfre, vlA. X Nu. 13 des Aictuv» 
mil Anmerk. t (S. 141'}. 

"] TuriMr d« iVeufcwim . . . nupretHun pincrma Salifburgrnti». 
IS./]«. Jb.. SeeBu«T Cbron. 34«. 

'*) JJIiM uu/haiui«r. Tliürhiiter, ilSl.. XIV Nn. SOI d.s Archin 
(1447); DvrfrtirA AeAuim. JÖKcnBcirtcr. 1418. obd. XXVI S-JO. .Spüt^i' 
nm die Uitu- de* 16. Jbt. findn icb eiii«n TIoliakrotAr, Bainrich cen 
P^ailc (uImI. XIV üo. 369. SW de« ArcliiTs), eiiieii Zdir^mer (Z>>br. 
Kadett — ^iwkamiiicT) XklM Winkeiler, ebd. Na 178. Für dia Aiu- 
dthnntig, di« it«r HofliaU nehoa im IS. Jb. bokam. t. Pirckmajer «bd. 
XX 187: 'Au Küche u.E«Uer, Gad«u u. Katten d. Ftinteu-Bnb. t. SaUb.' 



Q4 ^- Arnold Mayor n. Ueinricli RicUnh 39S 

beBitzen wir Über einen anderen, freiliob kleineren, geistUcben 
Hof aus dieser Zeit, den von Freising '). Hier gab ab schon 
im 13. Jb. an Laiesliof^^Huidfl : zoOkchäi den Pra&positus Domini 
Episcopi, Uausbofmeistor des Dlscbofs. Er stand an der Spitze 
dei ftlrstbischöflichen Hauses und gebCrtc zu den höheren 
BMuat«D des Hofes, wie der Dieostkimmorer des Bisehoä (Uiles). 
Ihm ist das Hofgesinde unterstellt, und er bat (als Vicedominus) 
auf den IWelgötem doa Bischofs Recht xu sprechen. AnBMt 
diesem werden genannt: 1. Mactator, 2. Taaemarius (fCkr du 
Hofbräuhaus mit Gastwirtschaft), 3. Chaatnorius. 4. Piator. 
ö. Picariater (Oborpecblor? sorgt» für alle kleineren GeAaze fKr 
Keller und Tafel, för Spunde nnd Bohrer für die FSsser), 
6. Hostiarlu« collarü (KellerthürTorsteher), 7, Hortulanos (Ober- 
gilrtner), 8. Kofgaemlinus ; dann dor Coqainarius, der wohl zur 
Domgeistlicbkeit gehörte, und noch einige Kautmoiboten. Im 
14. Jh. wurden diese Ämter eingeschränkt. Wir finden jetzt den 
Hofgämel (Hausmeister), den Pistor (Hofb&cker), «inen Molen- 
dinatov (Mftller) und den Grassarius (der, wie es scheint, ur- 
eprüDglicli dem Pflster das Holz zum Backen üurecht zu machen 
hatte, dum als zweiter Hofdiener dem Hofgämel an die Seit« 
trat), XU oberat aber trat das Hofmarschallamt, welches den 
fOrstlicben Hanshatt zum Teil durch Qewerbsleute besorgen 
licsz. Auch sonst haben wir Nachrichten über das Leben am 
Hofe. Der Hofg&mel und der Grassarius hatten die besondere 
Pflicht, der Hoftafel beiznwobneD. GiUto waren hAufig, da 
wurden Kber aufgetischt. Der fürstUcheo Tafel fehlt« nichts: 
Allectia (d. i. marinierte Fische), Bohnen, Ktbesn, Mohn 
werden genannt. 6fters gab es ein »ollempn« condvivm. Di9 
Hofküche wnrde dem Bischof stets naehgeführt , wenn er 
die Stadt verliosz. Übr^cn» scheint er den Sommer immer 



») 8. CH)b. Aiv'L. XXXV 88-lr 'Dm Hofgeiinde der Furrtbiwhbfc von 
Frebtn? in MilW de* 13. und im 14. Jh.' Von FriciJr. H«kt. Graf. Uandl. 
Tgl.MuerileDt iibpr duiahln.'iuhoGi!(iiBdi'do«KraacaklootcrsNiodi.Tnb«rfF 
an Anfftu(f Jt's IK. Jbi- •lio Vvrbviil]. dei bist. Vcr. f. NUderI»;«ra ITlS 
114; daxu uoch Ü1>b, Aroh. XI 9&7 übi-r die Kosten d*« Hofhklt* imd <t«D 
Käch«nxGttcl dcR Ilofct in ; ' Uliaclinor Bilder uns d«m 14. Jb.' von 



Heber. I 






« 



Ml «ll ÜB UhM» ii tt» 

Stiik tili will a aö. Jigin Oiin «i|taM Bnrtlintuiit. 

DoB gMeUtelM Uadif^ onr tnf Do«b grteifnu PiMt, 
wird dw Grii^wgM Hat «iagcrielitot g«irMM Bttia. Von Am obnn 
a^oAIirtBa HoOmtera begaana wi« dar RnftamebaU, KwUmf 
md KtUun- mithrfarb, «in Hortuluaa ist witcir d«n KntM«cli. 
Eberhnd IV. (1427 U->9^ imd Friwiricli IV. tU4l-14fi31 
bsMUgt*) (meb der Ausdruck llofjiftin«! koDitut vor*). Audi 
hier wir du Gesiode wenigst«!!» uiin 'IVUp sns dum [.Hioii- 
staode, aofli der Enbiscbof «inl dou Sammer niif tloni IiIldiIp 
rerlebt bsben. aaf soincn LastechlOH»», hier i. M. im Knindnn- 
sui *). in fn'ihliclisr (ieselligkoit *), mit fn"«»]!«!! T«ri'lii tiiid 
Jagdvo*). im Kreise smin«! HoflicrTen und 'lloQanfffraiinn'*). 
Zxaa Hofstaat ^hOrte gewiss au«b 'Maiator lluu don lll«i)i<ir 
Axzl von Saizbaix' ')■ 

DioM HofluO. konnte künstleriMlipn IlMlrfttitinir«ii ntir 
(Urderlicli soin. Solcbeo fehltü hier aiifib die TnullUon nlnht 
^zliob. Die groaze mbd. liiltnriiturblAt« w«lit x««r w»ii1k 
Vertreter in diesen Oe^iiden auf fdoeb ■. o. H. 144 fl), ilaltlr 
encbeint diti bildende Ktinat »chon im 12. .Ih. In Kslrbury 
gepflegt*). Bs mag aJmu emt Pilgrim dar<:fa win lltt«rariftfiliM 



>> JtSL. VI 319 C, liirr mit kiKl«!r«a •'•uh <h» Tnioli« 
*) Xida» hofyepmfl «»• Kgk, 1483, Kb. IV M. S8I. 
*) Em uidcrta Latfatcblo** wkr da* ftelil'M« IfoalMiH Utui M'MI»- 
bn^, nt «mm Ixf- «iwi ow/'eiitlUll . . . roN frwndt tmffrfomlh. I^m. IWI 
Bl. SMh. 

•) VgL oatar .Im Uuimnk fcw»lliff 3i», UU ». W, 

■) &MI J a cdoiAi— g von Orfadpfc, nifrioM VavxtNiiKr, Nk Mtn* 

Jt«d Ibi SbMrf •. Kb. T B. 137 (In DiMk MML. XSVII 444 f.j. Jgr 

vfvtabi lafiO 4m ■ftgWBiUiiiM* 4m U lli, 4m t»n tJtMa Um^mmmm 

■«'. Heinikk dM Olnur. KK V IL US, m( .ImmU» tMUbl «M •>« 

PilffräM •» Vir» U7t, B. Uft, 

«) So MMt Kmot L«4«k M «ivr trrlM4* «<w tM» •«*•• 

fii Bi^ UatiM MMT Ji/S^uyi— M^, fM,. Aff<«. V tM) 4M 

*> CfftMfc «w Un, OM. Ank UUV IW, 
■) & 2^»- I«., n« fl — JUüt«- O^mmA 4br •mU', ill» 
Kk.TlLaU. 




¥. Arnold Ibyer u. Heinriob RieUch 

Interääso einen nachhaltigoreo Austosz 2U hoimUcher Produktion 
gegeben haben, der aticb in der FolgOKeit nicht ganz ohne Wirkoag 
blieb. Wenigstens heisxt es tod seineiD Nachfolger Gregor'): 
er i*t aurh ein ^pvuer tübhalrer dtr mamea gewaen vnd hat dit 
mtuico» in sondern lietfvnd wtrlhp^uäim; and nocb TOD Frtftdrich IT. 
(-{- 1452)*): liberaix» m <mmi$, tum m numiw in liUerato», Quorum 
famitiarilaU deiectalu* etL Die WeltllcJikeit Im allgemeineB 
nabiD Bogat derart fiberhaod. das« Maezrogoln dagegfeo nötig 
Bcbienen. Die Eircbenzucbt war freilich seit langem in Verfall, 
hier wie flberall (o. S. 62): Hansiz führt eine Keihe tob 
KoDÜlion an, die von Seite der KrxbiachOfo abgehalten treidui 
mussten: schon 1310 (gegen die cloricox jaculatores) , tod 
Filgrim eelbst 1386 (gegen das Leben der Geistlichkeit flbet» 
haupt)'). 141S wendete sich eine Synode gegen das KonbobiiHU 
der Kleriker'), und Johann (t 1441) erliesr. zur VerbeMonug 
dar Sitten von Klerus and Volk ein Dekret, worin sogar strenge 
bestimmt war, wie die Kleriker sich klt^idon sullten * ). DerettB 
Ortolpb batbe Erfolge In diesen Bestrebungen erzielt : er hat .., 
ilie ob»enta«z de$ htlige» ordern aaimt Av^ugtiH auf dem timitb 
hir jftUtiert, die r« ab/aal trar kfhomtn ffetoaett*); freilich h&tte 
er eher an eeiueni eigenen Hofe die ZOgel straffer anzieheo 
mtlssen, denn, wie später unter P., scheint es auch m seisw 
Zeit schon hier recht lose zugegangen zu sein '). Aber auoli 
am Hofe selbst trat wohl bald nach Pilgrim eine Reaktion ein. 
Von der Kr^iuRiigkeit des letzteren erzählen die Chroniken wenig 
— dU8 er Kirchenlieder äberüKtzim liocz. ist kein ausreicbendw 
Beweis für eine geistliche Lebensführung — auch noch Gregor 

') Cfiu. IÖ99 S. 480 (r^ chronico S. frtri). 

*) Wi^ntr H». Biso ßl. öS. M) «uüh iu. Clia. !27B Bl. 47 a. 

■) H. GS. U 44S C 4ttS. Kin Konzil I'ilffrinii ■ehon ISSO, ebd. 460. 

*) Ebd. 4fi«. 

») Clm. ST077 U 938. 

*> Ckto. 3WM B1. 84: ütim. SSOI Bl. Mo. 

*) EbcrbKnl, PrcpoK. meLrupulition — Rol., klftut Qbnr ihn bo! dem 
Pftpat zu Arisnon; er rcnuu^liaN^ icinc Pflicbton, bcK^iDi^ligc »eiiM 
UioDcr, Vcnrandtou nnil Iftieae pcrioaai: aod Tiuvchleadoro Giiler 
an lio. Clm a70T7 11 TeOt 






398 



Der MÖDcb von Sdtboi^. 



67 



Scbenk (f 1403) fnit quktudim et tranquillUati dedüus, etä 
venatio ^ aueupüim, caTte« et equi, tolatiu tt voluptati pure rMi- 
giont tanten non nt^lecta (die letzten Worte wohl sls elo vor- 
sicliUger ZnMtz des Chroniateo aufzufassen, der «iner Obleu 
Meinung von seinem Erzbücbof vorbou^n will). Svmpttu in 
eäifiaa et in tfttonmdam tmptionem /eck . . . tHueicot amacil et 
fmit (Vgl. 0. S. 66) '). Jedoch Bberhard III. (■;■ 1427) war 
einer der frömmsten Herren *), dtvotUmi tantoptrt itUtfUut, vt et 
matuHnali officio in tJutro cum oanomm* rarittinu n&n affturit . . . 
gmtfe mbieetonun devoUo tt divinus eultut pttu solito ttmc cremt *). 
Gegen die Rfiform erhob sich oatQrlich lebh&fte Bewegung, die 
Klerisei soll Eberbud IV. (1429) haben vergiften lassen*). 
Keinesfalls kann diese Richtung von langer Dauer gewesen 
sein, s. 0. S. 66 die Mitteilung aber Friedrich IV.'); Remban^ 
TOD Salibnrg (seit 1466) war bereits wieder ein flppiger und 
bequemer FGrst, nnd bekannt ist der prunkliebende M&ttbaeus 
Lmig (t 1540). 

.\bnlich durften sich auch die Zust&nde im Klostor St 
Peter entwickelt haben. Naob dem l'ode des Abtes Johannes n. 
Roeees*), der den Kirchengesang so sorgsam pflegte (s. o. S. 45), 
aber auch viel ScÄiädm ffemaeht^ (gestorben den 19. 1. 1375)'] 
wurde xunärbst Otto Chtättperger II. gew&hlt "). Er war ein 
Finanzgenie, die 6000 fl. Schulden zahlte er binnen wenigeu 
Jahren ab '*"), und die Einkaufte des Konvents wussto er zu 
erhßben. Er hielt also schon strengeres Regiment. Cbrigeus 



*> Clm. IS76 fii. 44 b; im CIni. 27077 n S. SI6 »im einer metd- 
ach«u mH« rpitooporum erhaltene V«rae nutchen um zs tänm Kviuid* 
<ter Mook (und der Jond). 

*) Cpn. 18(» S. MB. 

*} Clin. iS7fi Ul. 4Ra. 

V S. Arcli. H>. 825 n S. »07 IT. B, GS. 11 47V. 

*) Ül>«r du von ihm I4S1 >bK«lialU>ii<f Koiizil B. 08. 11 483»'. 

*) Wftiz. Onbilt'iikiufiler vi>u St. Petw I S. 4» N». SO. 

») Düokli«r 190. 

») ». ft. O. 

t I*« ftcrii>t. I 438 ff. 
'•> Cftn. 290« W. flj. 




68 



F. Arnold Ibyar u. Heinricii Rictacli. 



399 



verschfineite and beieicherto auch er das Kloster, baute, kaufte 
Kunstgegenstände. Georg Waller ^er (1428—1435) machte 
sich an eine gründliche Reform '). Dcmdbiff luii dji difericana 
der kayligen regia «und Benedkten icideTliracld , djt hei seinen 
virmudern in abixtU loatz kommen jwu dUien kloeter, darum er vät 
leideneärtif/ktiil erliiteiiti lial ti/btn jar «nd iti ffnv^iekeil penrjien 
ist setww le/ims (vgl. 0. "^"t ''^■irhard IV.) -). Petrw Klti^ 
hahter (seit 1436} wn un ein Abt von unveigleichlicher 
FrSnimigkeit, sehr gottc chtig uttd sparsam ''). 



') Dückher 303; 
') Clm. 27077 I 



Bi m-, H. OS. n 47». 



■) C^. S8S9 Bi. — Unter all dieien Wandlungen ge- 

Inn^en jedoch die eif^pot i Studien in St. Peter za einer 

auszerordentlioheu Blüte, i UBaniBiima in dem letzten Z>um- 

tiiiim dtx Ifi. Jahrhimdfrm .. jinent gtivxsscn OedeUtai gelangt. 

Tiamentlidi ragte da der Abt Chllian hervor, und sogar raanche Dichter 
werden jetzt genannt; übrigens gibt es schon im In. Jh. zaMreiche 
Zeugnisse für diese Studien in den Klöstern der Alpenlander (Horawitz, 
Z. Gesch. des Htimaoism. in den Alpcnländem I, W8B. 111, 331 ff.. 
über die litteraritche Bedeutung Mondsees speciell S. 337, dazu auch 
Staufer, Mondseer Gelehrte, in den Programmen des Jlelker Gjmn. 1864. 
1865, und Horawitz, Z. Gesch. ... III in den WSB 114. 76a ff.) 



HL 



Autorschaft der weltlichen Lieder 
der Handschrift 





im Torst«liondoD habe ich die historischen Verhältuisso. 
aus denen die Lieder unsrcr Samiiiluiig dor Hauptjnaasd nach 
erwacJisen sind, klarzulegen versucht, soweit ich sie ermittolji 
konnte. Freilich werden diese durch die Lieder seibat atu 
beet«a b«t«ugt D«nn Anas einige von ihnen nnmittelbar auf 
Salzbarg und seinen Hof weisen, ist oben (S. 49 f. 55 ff.) dar- 
gethao ; dass auch die übrigen, die jetzt in Frage hommen 
(<t. S. 57), ifla allgemeinen hotische VArbUtoisee znr Omndiage 
haben oder mm mindesten solchen nicht widorsprechen, ni<^ 
eine kurze Oborschiiu deutlicher zeif^a. 

(No. 1 — 10 sind geistlich.i Ko. 11: Das 'Nachthorn', 
der Liebende träumt von der Geliebten. No. 18: Das 'Taghom', 
ein TagUed, vie No. 13: Das 'KHhh»rii'. wo ein hofischer Dichter 
eine dBrehaas l&udliche SituaUou vorftlhrt, vgl. u. R. 14:4 und die 
Amn. No. 14 : ein Dialog, der Liebende wird von seinem 'Fr&olein' 
empfangen, sie sprechen einander Trost zu über die Nach- 
stellungen der 'Klaffer', er soll sich nur nicht m riel 'rlLhmen'. 
Dialogisch ferner: No. loa (Besuch bei Nacfat, Ahnlicli der 
rorigen No., Verwünschung der Klaffer, vor denen noch tn No. 
16 b der Wichter warnt) No. 43 (^genseitige Liebe und IVeae). 
4o. 16 ist ein Ki'i't^t^hes Lied). No. 17 (der Dichter in Sehn- 
SQcht), ebenso No. 43 (Glückwfinscli, Trsue), No. 57 und No. 
36 (die ganze AVeit mßchte er ihr zu FOszen legen) sind Neu- 
Ueder. No. 18, der 'Fieniiensaal', ein eigentlicbei- Liebefi- 
brief, so aocb No. 30, wo die Hofherren au die Hofdamen 
^lehreiben. No. 19: Mahnung; zur Verschwiegenheit; die bäsen 
Ter. No. 20 : Mögen die Klaffer noch so viel ihren Teufels- 
ten aottSeo, es bleibt die Hoffnung auf bessere Zeit! No. 
21 : Wnnseh, wenigstens im Mai mit dor Dame beisammen zu 
sein, wenn es schon zur Fastnacht nicht sein konnte; wieder 
die bO(»en Klsffer! No. 22: An rtaeU and Verschwiegenheit 
will ich mich halten ! No. S3 : Leiden der Minne durch Schuld 



7S 




F. Amald ünjvr \i. Hriuricli Ruit»oh 



4er KIolTür, UofftinDg auf gutes Ende, vgl. No. 80. Xo. S4: 
'UOchton sie sich doch in ihren eigeDsn Stricken faugen T 
Ko. 25: 'Freut eui:h. ßenosapn, kümmert euch nicht um ü» 
ko/gaUm!' No. 28; Die Herrliche ! Seine Verlegenheit vor ihr. 
No. 37: Bitt« iui die Botfernt« nm oinon Brief, wie in No. 
M; TgL No. 18. 30. Ko- Sä: Seine Freude steht bei dur «taid 
. . . ra h/UU klaitl, nicht hei hohen Damen. No. 29: 'Scheidw!* 
«benso »0. 64, vgl- So. 47. (No. 31 ^ No. 13). No. 32: Ihr 
'Gube-Niicht-Grttsz'. No. 33: Versicherung der Treue, er fUfalt 
sich in ihren Banden. Ko. 34: 'Fluch den Klsifera!' (ko/»Uf, 
ho/iflill, Str. 3). No. 36: 'Verloren ist alle Mühe der Ver^ 
liumder!' No. 36: Ihr« ScliOnheit und Aiimat. No. 37: Biete 
um Versöhnung. No. 38: Sehnsucht, Hoffnung. No. 39: Br 
hat das Schmachten satt. (No. 40 = No. ao). No. 41: Sehn- 
sucht und Liebe. No. 44 : Ihre Schönheit, ansführlicb geschildert 
No. 4&: Keilen (aber nicht der Klaffer) besser in der Liebe 
als Sohwoigeu, No. 46: Er hjit endlich Gewährung erbalteo, 
sein DankgeföUL No. 47 : Scheiden von ihr. seiner erston Liebe. 
No. 48: Sie ist sein Stern. No. 49: Sie ist eine Rose. Ho. 
50: Gostünduis der Liebe. No. 51: Kcsigoatiou und HoltViung 
auf die Zukunft. (No. 6S. s. o. S. 31). No. 63: Sein Äig- 
wohn. No. 55: Sie soll sich mit den 'klaffenden AfTen' nicht 
«bgebcii! No. 56: ' Vergissmeiiinicht'. No. '>8: Nahes Wieder- 
sahea. No. 59: Grbitteriiog gegen die Klaffer. No. 60: Lob 
der Geliebten. (No. 61—79 sind geistliche Lieder). (No. 80 
— No. 11).') No. 81: Übermütagee Herbstlied. (No. 8B, a. 
o. S. 40). No. 83 : Von dem geliebten Falken, den «ine Trappe 
«atmhrt hat. No. 84: Sehnsucht nach einer Zusammeukooft 
mit ihr. No. 85: 'Wflrde mir das Kr3D£loin 'Wolgemnt' von ihr!' 
No. 87 : Schmerz des Getrenntseins. No. 88 : ' Kratea Veilchen'. 

Die ÄumorkungQu werden die traditiouull-hGfischen Elemente 
io diesen Liedern (schon jetzt fällt die fortwährende Botonong 
der Klaffer. der VerscbRiegenheit u. s. f. anf, vgl. o. S. 57) 
im einzelnen nachweisen. 

*) Wu W. in MiinoiD VermiohDia der LimlprkRßRX'' (K-' ' "7} 



nichl anmoriit. 



9 



Hm AntoncliBft (l«r woltlidwa Liedar. 73 

ft Mut M stellt Dnomelir feet: 1. iaaa ein H&uptteil der 
buMn Saoinila&g, g«istlicb<!> Lieder, uach Salzburg and dem 
MAnoh Ht-rmaim g^ebOrt (o. S, 31 f. 34) : H. aber glanht«n vir 
web welilicbe Lieder nach dem /«ugnis der Hsa. sich»r dem- 
»dbeo Dichter zuacJireiben la k^Ducn (S. 42); 3. weisen ron 
Jeu Qbrigou wieder einige ausdrQckltok auf den Salzburgor Hof 
(& 4y f. 55 ff.). So Ue^t schon von vonüierejii di» VennnluoK nahe, 
dass mit diiJMii letzteren auch der Keat der Lieder (mit Aus- 
ualuoe jener, die sogleich auGzuscfaeiden waren, s. o. ä. 31. 34 f. 
40 ff.) TM SaUbiurg and deiM6lb«u Dicht«r ansgeguigea sei. 

Di» Liodor dor eben ui zweitvi Stvll« c^rwUmtan Gruppe 
sind wohl ZQ uodI^, als dass sie ein Bild tod UermunoB »cbrift- 
sieUeriacbem V'harakter und >o eioeo PrQf&tein für die fra^r- 
Udwa Lieder in D gaben ki>nut«ii. Immorhin zei^n schon 
diM« ««aigea (No. 11. 12. »6. 2U. 3«. ö9 und rieUoicbt auch 17) 
eine verhUtaiamfisägie ManuigfalÜgkeit der Formen, und wenn 
mao weit«r bedenkt, da»? derselbe Dichter im Staude war, 
iwci Kirchonliedor zu diclitou, wie z. B. W. K.- No. 56ö und 
Ne. 6O0, so wird man ihm auch sonst gar verschiedenartige 
Scbfipfongen zutrauen dürfen. Gewisslioit des Krgebniäaas wird 
sich unter diesen Umstiuid^ii ebenso wfiiig wie bei allen ähn- 
lichen Cnteriuchongeu erreichen lassen, und ich würde mich 
mit dem Nachweise begntigeu mQaseD. dass die zu untemucbendeo 
Lieder nach ihrer ganzen BeschnCr«nhoit der Anuahoie eines 
VerfasMta nicht entgegen sind, vielmehr durchgehende Ähnlich- 
keiten mit eiusndi-r xeigen. Dabei beachte ich beeoodors (las 
Lied 1 1 und die übrigen <^en genannten (im folgenden mit einem *, 
17 mit zwei "* hexeichuct), denen ich jetzt auch die erhaltenen (im 
Aiib. gedruckten) MartiusHeder (s. o. S. 23 unter 12 und S. 36£) 
beiziehe, während No. 91), der Cisioianus des M9nchs, seiner 
gaBz«n Art nach fllr die ünt«rsQchung ziemlich abseits bleü>eii 
wird (o. S. 31): danu No. IS, du am Schlüsse den Erzbischof 
Pilgrim nennt (o. S. 49, bezeichnet als 19); ferner Lieder, 
deren Stil in seiner Einfachheit und Volkstümlichkeit ron dem 
der anderen besonders al>zuweiohen scheint (s. die AnmerkongeD 
zu den einzelnen Liedern): zu nennen wiren etwii NNo. t^- 






F. Aruold MmjvT n. Heioricb KioUcb 

41. 42. 46—49. 51. 53. 56— 68. 66. 83. 86. Das am htOfm 
hexeagte Eigentum Hermanns, die KircheDÜeder, ist gleichfalls 
noch heraD7.tiKieben, um vielleicht aach Ton dieser Seit« hör 
7.nr Entäcfaoiduug dor Fri^o boizutrogtiD. 

Ich unterHuche : A. Stil. Cber diese Kategorie noch nntM. 
B. Phraseologie. Hier ist fQr den Dichter charakte* 
listiacli. inwiöwuit ibm das Spmcligut zur Verfdguiig «tetit 
QDd welche Auswahl er daraus trifft; der 'Formelschate' ist 
dannistellen, zu betrachten, welche Ausdrücke and Wendtu^en 
er für bestiiumt« Begriffe niid Motive verwendet Für nitsore 
UnterBuchong insbesündor«« ist es wtciibig, Cbcreinstimmung uod 
Gletcbbeit im Oebrauche dor Phrasun festzustellen. C. Metrum. 
Für UD8 sind unter anderem gleiche Keimbindungen ber.eJelH 
nender Xatur von IJedeutung. In diesem Abschnitt kaui auch 
ilber IteiiurciohtitDi und -ariuiit (Flickn5rt«r) gebandelt werden. 
D. Sprachliche EigentQmlichkeiten, wesentlich wieder aof 
den Oesichtspunkt des Zieles dieser ganzen Untersuchung ein- 
geschritoht. 

A. Stil. 

Ftlr die Methodik der atillstiscben üiitcrsurlning habffiT 
noch immer keiu allgemein brauchbares natürliches Schema. 
Das hier folgende gibt sich nur als eine Art Notdach fttr das 
augenblickliche ßedorfnis. 

Ich orlne die stilistischen Erscheinungen ') nach den 
< jesichtepuukten : Episch verweilend oder Dramatisch 
b«vegt Auf diese zwei Kategorien hin kann man gewiss den 
Stil eines Scbriflstellors ohuo Zwang betrachten. Natürlich 
paset sieb im ein7,elnen Falle die Darstellung der Art des 
Stoffes mCgliclist an, im ganzen wird sich doch der eine mehr 
auf diese, der nudere mehr auf Jene Seite neigen, damit abei 
eeioen Ausdruck versobiedem entweder mehr sinnlich -konkret 




■) Für di« otijelctivi? BeochrribuD^ de» Stilt l*t W gleichgUtig, ob 
«in Stilmiltel be&bsichtigl odfr unbi-witstt verwendet wtrd: aadwi fr^üdi 
nir diu ^-keimang de* dioht«nd«n Subji^M. 




Antoncban der wclUicIwii Lieder. 



76 



L 



oder mehr gdistig-abstrakt. realistigcli oder idealisierend (maleud 
oder rbetonsch) gestaltoD. Danach beetimmt sich aber aacti, 
welche specietlen Stünüttel er anwendet. Die bezeichnete Unter- 
Mhoidang gesKbieht 2. T, schon in der 

(1.) Syntax (aaf dem Staudpnnkte ^ntwictelter Konst- 
flhong) nach Vorherrschen Ton 
(ft) Parataxe oder 
(b) Hypotaxe (die Terschiedcneu Arten der IIeb«n- 

sätze). Auinsehlicszcu sind noch 
(e) Anakoluth (PsrenUiese) tind 
(d) Oobraoch der Wortarten. 
Aber besonders darf man 
(2.) die eigenüichen Stilmittel sondern in 
a. 'Epische' *) Figoren: 
1. Fleonasmua. 
Umschreibung *). 
Vergleich. 
Uetapher. 
Oxymoron. 
Antithese. 

Annominatio (Polyptoton). 
R«petitio. 
ParaUelismna. 
Onmnlatjo (HSaüing). 
Polysyndeton. 
'DramatJBcfae': 
1. Asyndeton — Kürze. 
S. Climax — Steigemng. 

') Es venUht lioh, due ilie» i.-tf[cDt]ivb lUnlcud-rtUnlierenilen 
Kirnrtm •nob in tlem kbbafl dalitMilentiMi, oben *•> KCntmaUn ilnuna- 
ti>^en Stik Anwendung Gnden. aber Bciria «eiu)[or ali div uiit«r li 
wi%«nihitc& (k. i>. ^ 74). 

*) Kitnnti^r frrilich Dur itavh Rnimnot iibtii-''vaingcil, wie dM 
K. B. Minor >n WinlrrftiitlPn (S. XX fT. <l<ir Aucgn)») vii-mpliriciert: 
'Isnn nur in d«r Himicht tUlistimbct MctIhdbI, nU auch in diMcm IMle 
Hn bmtiiBmter Dicfaler gewine ümMhmibnnKi-n bcTorangt. 




76 



P. Arnold Hayer u. Hetoricti Rielsuli 



407 



— Bewegung. 



3. tt. Apoetroplie 

ß. Aasmfe 

y, Khetoriach» Kragen 

ö. Wünsche 
Hudelt «8 sieh nun bei »ülittischon nntwrsucbai^^ 
dariuD, die SÜleigeutümlicbkeit bestimmter poetischer SohOpfongH 
oder einer bestimmten dicliteriachen PerHSnIichkeit tesix-U-ttelleD, 
M vird mau, wie ja bei älmlichcu Gologouheitcn wiederholt bek>al 
worden ist. wolil diirsur acbteo mügsen. wts Hllgeineio gobiindt- 
lich ist zu einer bestimmtet) Zeit, etwa aaeh in bestimnitn 
OegendeD, eine GrwOgung, die oft mit ScIjwieriglceit«D verbimiieii 
sein wird : die Zerlegung darf eben nicht »u weit g«hoa 'J. 

1. Santax. 

<b> Hypotaxe. Wenig poedache, schleppende Da»SAt». 
u&chst relative sind in deu Liedern ziemlich gleiobmAtfig 
botiebt. Beispiele in Hiille und Fölle. Ich föbre nur an: IT, 
37 IT. Snczuket wird ich o/t so hart, daz ivJt wün . . . ieJi tfh Jidi . .. 
vor irUr . . . iilaii, daz ich denn /tan den wan, i/m sei/ alto, md 
pin gar JTC. 81, 11 ff. tSleteh saft ... ac/iaft, Ja» fia/t tum 
csung, daz sy uifM Haft. *17", XIT. teizz, das dir wäiucJkn 
meine wort . . . daz dich tmid, was dir venrtuiciu, IH, 6ff. teisz, 
das mein litrc: ... ncfi tmt, das mir dg iceil itt taiJi, 19, 
18 ff. Wi: z, dai üJi nyvuuut klag da» tmien, da» tc/i trag, hi* ... 
daz wir . , . niüfftti pe>f ainander SM, 

Parataxe (a) tritt in der Begel oui- iu gewissen inhaltlich 
lebhaft orregtou Gedichten auf: so Anb. No. 1*. 1 8'.: Wohi^ 
. . . reit gemait . . . tat sor^e» , . . ww /lutjriwde brarkt Martein usw. 
Hierher gehören auch vielfach die erbitterten gegen die Klaffer 
gerichteleu Gedichto. die z. T. in einer Art von senteuziöeeefl 
Form erscheinen: 25, Str. 1. 24. Str. 2: vgl. 19. 7 ff. vemeiff«!^ 
itt dah'fti, nav}i Iwgen »tet der *i/n. wtr all sein ding UäW. 25, 
91 ff. i/i«n /rSiut nUt euJt tiock frfud geviäit: kumpt hail, sieh 

*) Deu Im folgenden ii«s«benuu Bt^l«f^t^tl «chictio icb Rir Ab- 
«olmin B gleloh Uer die Btuncrkuag lonius, iIbhi Wiederhol utii^u uic'it 
zu TOTTneidett wann. 



i 



I 



Auiar»cliafl der iir<?ltltalMn lauder. 



77 



HOtA «!»nil«r. 30, 23 ff. »auch <lingk . . . der volg yem vnitffr 
ÖMT nwA(, de» näU wir kaum ptttikiieh. 34 ff. ffuti üt gelrfwei 
Hiernach /äer pSsea tust . . . ein yegltieh $u4t geaeti der 
kI; 34, :ä6 (T. ieh mmirA in VHgefeU, nin i/tffleieh gvet 
titll dfr mm*--* mir nocA. Vgl. aacU 35. 20 ff. 28, 49 f. 
6a, 37 ff. 14, 31 ff. PuratÄX* ferner in mehr tolkstümücli 
tnfocheo tiedicbt«a. wie 56, 21 ff. E» itt *o .. . gUma . .. no 
•A j« ttager an »ifch, i/i mer . . . !ust e* (för einen DaM-Ssts'). 
benso zoigt 83 mt-ist parataktische Aureihong d»c Sätze. Beliebt 
It dabei die Anviitboso (s. z. B. tn Xo. 5Ö), also so. dass selbst 
ie beiordnenden Konjonktionen meist fehlen. 

Direkt« Rede statt indirekter : 65, 28 f. itorr aiarr »jmcht, 
ff taiekt miefi. 81. 30 ff. {<•&... mtwr, mit «tttrcker uw ain 
rtute* Aw ieA pald verkfr (?). 51, 13 f. ie& höret yt dy vw^k 
a^m, got biet alte itinl: dan-h da* pnt. 1 6 f. »o rfd iefts auf 
'tf (mev man, e* mörht noch vol geralttt mir. 57, 15 f. vnd 
prie^ <m alUn fztcä/tl rsmir, dein ffüet mag nifJU verpergen neJ». 
7, Sf. inA, «f teortt mein hera dir ain. 17 Jcä hof, mein 
mir an dir b^H, 

bflmerkenswertb i«t (d) der U^braoch des demonatrativen 
"rtMiomens und AdTerbiums zur Aufnahme ^ines 7orbergohiMideii 
VMtw oder Satzes'): '1*- l* f»"^«"' •'." mofhgnt. 28", 37 ff. 
liM man . . . jieil nttmd . . . sf.Kanmen eztennff, Jax oft icA. Aoh. 
•, 41 f, «Mv/fH hrt rfy wy. 14, 38 Tutt du wol, das tut. 
13. 3 f. terr fiffi d'irinn reriüiri, der itt. II f. am hlaffer ... 
irr (M(. IS f. litr fnim , . . der «h-«ü^. S8 frßmd ukA dy tunt. 
Et-, 30 f. dein liepUich plirk rn Aeivzen »fhrikch die madtent. SO, 
i f. ain khine j'rfud . . . di/ toirdt 84, 13 f. frftßden , . . rftf 
tum. 83, 22 f. tmiägeaeiUn, dit habenl. .S9*, 18 dnn hmoft 
Um. 29, iS f. foll >wm herez ein rneen Ann mvA Inet, dag M( 
cA fem peif dir. 50, 33 ff. wif lang e* hat in ieil gfdort, den 
nOdli rt« /. g. mir marhen jmt». 60, IS f. vrtrd t/f kam fr. 
•tnh *rh. grert, de» pi»l dn ... mrd. Vgl. 50. 9 lag emi nackt 
O iet m, lyn. 49. ß Czw der ain to gel ein a. 



') R"vthe £93 r. 



78 ^- Aruold Mayer u. Heinrich Rictack 40ft 

a. Stilmittel, 
a, 'Rpiscbe*. 
1. Pteonasmus. 
Besouders gern wini 'Hen' pleooastiscli zugesetzt: 11*, 
45 f. piit , . . J'ro IM herczen grund. 15a, 43 in herczt» 
/ro (vgl. 13, 7 f. in 'ler utirtn matht « fro.). 30. 6 vn* 
bdanfft in hereztn grünt. 38, 33 des _/>*» " mich in 
hercien ^runt. ßO, 37 S. ein *. »ttintl, dy tnir idt kutui in 
hereeen grnnt, IS*, 44 ff. mich //etwa/u/ ...indem Aercsca. 
47, 6 iek ... in /terczen gewan. 8 mich in hereztn tndit 
eerlcerH. 57, 10 die mir in herezen fr. seit. 88, 10 das tut 
mir ve in herr.zen. 35, 51 dem e<i von herezenvot iftfA. 
ÄU8E9rdem vgl.: 34, 5 *y gelatfien in yer j'äutt. Anli. l*. 
it. »eit gemaii in der Jrfviden klaid. 'l?*, 7 in fr. pail. 
65, lOff. ffflüfl: . . . ah »neiden , . . mit leiden. — 19, 50 
mein Aw« auf e rd nieht me heffer(, 47, 32 die weU ieA Üb auf 
erden. 56, 18 meins herae» tuet auf erd. 85, 63 m> vär 
ni/e tnoN avf erd so ffatl. 14, 14 (u, S. 99), 67, 14 in aller 
icertd, wo icli kinfar. SCi, 23 der plüeinlein in dem geuild, 
— 86, 36 machen echaUn für dye sunn. — Anh. l", 55 f. «. 
Siartäns nwJil . . . heinl «tu naeht. 51, 1 hev>er dat iär. 
85, 6 der herfmt wtrd hi-iner so ffuet. 88, 83 liewer in djfetm 
vierczen. — 88, Ü2 f. mijul, den ih vant ... ttatt. 

2. Umschreibung. 

ii ) Gepaarte Begriffe (Zwillingsfornjelii) Tär einen tiesammt- 
begfriff. All: Anh. S*, 7 (feioten vnd ;ieprat^n. 86, 20 itauf 
end allt. 2S esam vnd wild. 32, 22 ariiieu md reie/i. 13, 47 
ffut vnd mut. Überall; 55, 26 /ijm vnd andersum. 56, \6 ze 
kircJitu wd ezii strafi. Imuier: 26*. 66 lag vnd nacht. 50, 9 
ebeoso. 37, 19 naeM vnd ta.j. 38, 13. 44, 2. 86, 29 ebeiäO. 
4B, 2 dex atientz cui de* morgen. Nichts: 48, 27 lOt notk 
taid nocfi otigemach. Vgl, 13, 48 gold vnd wrJl* (:= *KotV 
barkeitun') niid outor 'Synekdocli«' unten S. 83. 

/f) Subätantiva gauK ronnelbafior, x. T. abgeschwächt 
metaphorischer Ueileatung treten zu Adjoktivon, Prouomiaon, 




410 



AvtoraRbafi der «vJtlicbcD Lieder. 



79 



ZsblwArteni: 36*. S9 dv Ubiicfi j'r^rhi (•= sie, die liebliche), 
$3, 13 mttreie tat mir «in kertUt tpU (= hart). 85, 37 ä<M recM 
gguert (^^ das Rechte), no ipU, feuert gjutz pleooastiscb neben 
dem Adjektiv stoben. Vgl. noch: 54, 35 »cJioiiUnleKh mort 
(— Scbeiden). 51. 19 alU dwtjk (= alles). 27, S2 all werlt 
(= «lle). 57, 9 Vor aller wcrlt (= vor allem). 11*. 1 in 
i&tr acht. IS*, 10 m tiber aA;^. 28 in lib«T «ocA. 11", 18 in 
aCU/ier lib^ Mteh. ii, 14 aü uriit »aeh. 36*, 33 zu alier ffutm tacJt, 
16a, 26 EtiicA tae/i. 33, 33 Jrömd »aeh, die (Jmscbreibnng 
tat beliebt (vgl. docIi S3. 7 lib laeh ■= die Liobfoden). i)3, 14 
and 56, 14 i« i^liuc/ter tnafz (=» ho). 29. 25 in falm/ien litt 
(j= ohne Falschheit). 30. 41. 31, 26 «n ar^en lüt, vgl. 87, 13 
4trff Ust, Insbesondero stehen OcueÜvc mit einem regierenden 
Nomen in der Weise, dass der eigentUcho Träger des Begriffes 
der G«neliv ist: 28*, 6 in kyuU klaiH. Anh. 1*, 30 ke<ker 
tränekt f^ 30. 6 and 4fler in here-zen ^runt, s. 0. unt«r 1 
(8. 78, baam verschieden von: im HerKcu), was auch sonst 
aehr gebriocMich ist bei allea Dichtern, ebenso FSlle wie 
30,43 in herbtt jriit. 33, 10 an enda v^yl. 54. 18 /«r cnnwr 
paider tail, 85, 44 aller nhtAtewer ant/angk. — Auch in Ver- 
bindiiDgen wie 67, 6 aller tttgent vd. 16 a, 61 aller »fJtandat vol. 
36, 2i) ffaai-srr jWieiiirn vot. lh\t, S9 alter tuffutd llr. 34, \i Karltait 
ptozi enthfilt der Genitiv das eigentlich materielle Element. 

Participia formelhaft gesetzt : 36*, 6 f. mü ^\iet hehuet. 
29 ivngk/rewleich l^teart. 21, 22 frum ffentmttt (= /rum). 

y) Umschreibung von Adverbien durch einen p r ä - 
posittonalen Ausdruck. F&lle wie 25, 11 in kurezem sil. 
34, 31 ebenso. 38, 22 in kwrtzer »tnitd. 11*. 34 in den tagten 
berfibreu sich mit den Heispielen unter ß. Vgl. aber für 
immer: 22,9 t\t aller /ritt. 24, 13 ebenso. 18,7 an abtgaitk. 
47, 17 ebenso. 87, 6 ^r au ane/anffk'), für sogleich: 
11*, 3« an der tfUren ivirt, femer noch: 38*, 38 mit tuet. 

13, 9 ebenso. 86, l noM Itm. 38*. 16 f. nt/maud ,.. an tey 

allein (nar sie). 

') Vgl. W, 51. «7, B. 3«*. 30 all eart. M. S uUwen- 4S, « all frUt. 

14, i» all tttmd. 13, 47 alUrU. 



CSU 

1 



$0 F. Arnold IU;rer u. Heintiab KwIkIi 4t t 

S) Verb» (imscliriebeD. 7. T. wieder in ziomlieh gebrtach- 
licUeo Formen'): 48, SI Mein *t«m i»t ffenama. 35. 4 «^ üt 
jrmeimf. 88*. 9 f. mem Manffm itt . . . tu yr alain^). 11*, 
43 f. (icA) AflN </mi tran. S9. 13 iti» HWM-n Aon. 48. 17 Ad! ... 
;?«»««. 26*. 23 ;^--AaA«i fcW. 21. lÄ iwaM«( /ru. 49. 29. 13, 8 
ebeoso (vgl. 28*. 16 f. Arwi*»! qutU . . . gmtaeltfn naal). 51, 80 
wirt er gra. 49, 10 darviniir vntnl «•/< uymmtr <fro (vgl. 5B, 27 
DMieAeN ^»w). 19. 33 »yml »ut. 21. 6 Ai-nrrr an/<^'(. 39. 31 
trtUg n*id. S7, 10 wir . . . j'rneJrn t/tä. 3 /rfwtlm ttitt. 
22. 21 "II' ffonr^en frruden iwrt. 13. 52 sh /riwUn rmexen. 
35, 8 mo« Ae/f «W* . . . i« kttet. 36', 17 (ir (»w) kwnpt . . . 
■mi ftH (=■ irtj. 84, 16 himpt nar .. . est uncx, 5\', 19 «u 
A(Tc;<N •«•;*. 14, 9 A/fin gedank xtfl alt :tU, fr., mi d% 
•17*. SI Dkh laiMml metn ^edarik meht ain. 60. 10 fpoen 
21. 8 /ä?«" ^"i. 

e) Umschreibimg durch eioeo ganfen Satz: 23, 45 «ra* 
ÜA ynuMr ktr. 88, 6 wo ic/w hin her") (boiiJos = itbflrall). 
'IT*. 3 auj den lag. »o ttat. iiir an varJd. ♦ ma: zti getük y reard 
erdaeid. 15 b. 77 uv ihu Üb tUr liben gert, da» AiU siek (>« dJA 
Liebenden hQten sich !). 33. 18 f. i>y rnyiin ^tnl . . . sK<rr6>A on, 
IT« ^i£ d«m l. ijutfr ffon. 2ö, 19 f. der Judo» IxhuA mir jTtuntiiek 
taigt. (e3 der KlaffT. zug)«i«li Beispiel für di« Metapher). d*r 
teirdt . . . 39, 31 f. diu mir twh trrrd csv Ion, darnach nwü 
A. latig Kttet ärh. 57, 3 ffelück, w«« j'r^oden tuet. 48, 15 oo 
freu>t «iob alie*, da» ich jpin *). 

3. Vei;glcich. 

16 b, 79 f. <rr püier, /aUcJier nyn heixt at» dtf »lang, 
anBj;ef[)brterer Dctailschildoraug 36*. Wi, ain den «dl*n itmgen 
Mv/jT, f/.v mit den tiic^tn ncheraen. 25. 7 /rwcA «/« ain grnslm 
(die Geliebte). 38*. 3)i UrOstlein o/« nro tynwel pifrn. At 

*) diö. hier uur bt^iRi)>eUw«i8e &agef<ihr1. für tioli uatUrlicIi 
nicht« cfaa»kti-HitiHcfai-t hnbrn. • 

•) Vgl. ÖH. 38 f. ilcin gutt tat g. rein rju mir aüri». 

■) Vgl. ßi. 10 welichen vtf er keret »icA- 15b. 78 iry man M Äcft 

*) Vgl. S9, IS «0 (mri'rrr till<-« mein gtilMgkeit (rar 'Helapbc 



412 



Antanoban der weltlieben Lieder. 



81 



1*, 4ö er ftiftb aü vtn- dem mtit ein ait. 48 ait ein patt 
(ftut fgi gH>rAiichliclifl Cmschreibtui; für: nicbte). 36*. II f. 
tt*/ roltH Hiüiullein taehtn *am rvle» r/nUätt pronMii. SS, 76 If, 
le/iaJJk, der itinen palk /rüzt al» der kalk. 44, bü t. TAiatB aU 
he^enpain. 36 f. Haar (U* oold gti'ar. 28*. 25 i> mund ab 
aitt rot rubein. 34, 17 ptäst . .. lup aü dat nul. 

4. Metapher. 

Sie dient iaebesondoro dem Zwecke der Situüichkeit d»r 
Bede, wi« lUoa vielfach schon die unter 1 — 3 behandelten 
EracheinuDgen tbun. 

r) Die luiter 9 /f) gonaanto genitivisch« Dm- 
schreibnng vt^rbindet sich auch mit der Metapher: Anh. 
1*, 3 in dtr /reieden klaid. 41 »or^m latt. 84, 27 der ior<ftn 
rtut. 34, 4 in tCmdfit kalk. 18, 11 dtr rrtn }>fat. 

0) Atich von den nnber 8 d) gestellten Beispielen können 
einigB Dorh als Metaphern wigeseben werden; deatlicher aber 
&iod etwa folgende P&lle: SO, SS »enfn, da* mrin Anw durrli 
port. 45. 19 f. Hafen . . . BtUi j'r^vd. 50, 33 e» (das Herz) 
hct in teil ffedori. 34, 17 platt ... luff. Metaphorisch heigzt 
es ftOcb 58, 7 ich teil mich fiWn«'). 

y) AU S 1 f f ge biete lär die tuetaphorischea Vor- 
stellunFj'en sind besonders xa uenneo: 

1. Naturleben (Tbierwelt usw.): 19, 31 f. mn tropf an 
melä ifOit jrfuden me, denn i^n*r Hb ain goMitr h. Ä3, 47 f. 
uwnRuf« pilirrkail, dy manger mir beraü. 44, 33 faiektn äugen. 
66. 62 affm (von den Klaffora). 11". 81 '/y htrcsen lW*ten pim. 
85, 32 die Brost« m cxicai gepiry . . . getmogen. — Die Metapher 
wird zur Allegorie in 48 (die Geliebte als ein Stern). 
49 (aU eine Rose). fs3 (der Mann als ein Falke). 

2. Menschenleben: 2r>, 20 dm angel ttintUn (o. S. 80). 
S8', h (mein) Aurrc /lui^ (sie) ^uf dem tmgen. 63, 21 w »I der 
ptywfg gar c:a vil. öl, 15 gvt ein geleither tckialmann. 34, 
33 ff. m fätieliein tpil *) irirt of't atn /. ktafer bin gesehupht, der 

■) VrL 80, 19 Aarinn »o Utfz Uh vinden. midt. 90, jH Mvr lieh 
daritM trfinJen läl. U. 99 f. vnd vindel «mA yemn-. diu, 
*} M. IS VHtrtK . . . «tt titrllu $pil (o. 8. 79). 

« 



äs 




f. Arnold lUyer a. Heiuridi lUatach 



mr l. virl ^gruphL 35, 55 f. 4aji iek mk mnniiiem tati/, tfrr parr, 
vnd Uh d«H Vorlauf d. erltarr. 41, 87 dfr cxi/ter hm mich «uj 
d. gtesUt, Zb, SS m?^ ». da» ctU. 4 f. ist die Dam« ein l. pUd. 
39. 35 dtu ül ein w. le. piltl. 45, 19 t/u/« tu* nn r. ./jirf. 

1$) Anf der aaderen Seite, unter den Be}n''^«ii. )Ue darch 
motnphoriscliit VorsteUui^n gegeben wertleo. tritt beeonden 
die Lieb» mit den zugchörigou Gedanken hervor. 1^ gibt 
Liebeswunden: 30, 6 den jr^we», die vnt k. verwunt, vgl. 9 
da» (die Damen Ta seben) inCcId vm machtn u-. gesunt, 35,60 
HmU "*/ nteüi »«uiUeirh. wntndeH. 44, 8 «y hat m. h. twAntMii 
LiebeBbaode '); 11", öS ff. dein heian^fn hat peran^en mieL 

41, 9 ff. icJi hob mich exu gffangen dir, xmgepuwien paü mUk. 

35. 59 *y i»t mir nicht ^pututen. 46, 11 Gefangen vnd fffjrundtn 
33, 1 f. Hrra: . . . wir diejt verttricke/*) hat. Vgl. 23. 1 ff. myiwi . . . 
wer »ifh itariiut verwirt, der i»l sein »elbet nii-ht (vgL U. S. 103). 
Uebesfeuor: 35, 3 die mieh in h. prennt. 21,33 lib. dy jyrennt. 
SO, 1 ff. dein gliel tuet, daf ieJi teilet^) in lietseer glüH. 37, 13 
Dein lieb (ebeuso *17*, 15) hm gar eni^-imdet mich. 

«) Zur ]Uetapb(>r gebör«u 

1. die Synekdoche; 

56. 89 Ml meinem herczai fiel rein *lam. 11*, 36 rmin h. 
aold iTülieh »ein. 49 dem armen /lerczen. 14. 3ö c^beOBO. 12*, 
22 dai "»ein h. in freOden uckrik. "17*. 7 «o icurd m. h. in 
freOden gail. 28*. 45 mein h. trtehriM. Aub. l*. 60 (älet, diu 
wein h. hab tfe gedacAt. 14. 19 dein i. nicht mag rerge^sert mein. 
13. 52 »ein h. Ann »>f z. fr. raiccen (o. S. 80 unter J). 30, 14 
vnntre hfn-z (sind euch) allczeü bamt. 39 treue» here: »ein trew 
ny« praeh. 33, 3ß meine» h. van. 49. 4 (der Gltmz zweier Ro8«i) 



3/, IS 

4 




') VgL dagog«!! SS. 13 ym umrd laid aitgetigen. 

*) Ba/ii 34. 16 fo »ehalk »ich recht in »einem »trikeh. 

') Vf(i. SB. 81 ff. gemüt, nii ttuf durcli frawen gilt (Jftm 89 t 
ln»l, uninn e. frfmt. nu pis btrttit durch r. frawen wiÜrn. 47 f. fro 
r. gail dunh atler w. frawen hait). fiO, 6 er tobt (und zwHr 4 f. ^ mer 
ieft mick vor tetKu küel, ye feeUr, vgl. n. 8. 88 unter I, ftrtivT 18,38 
(3. lOS) und M, 23 i. «o ith ye Unger an neth. t/e ner tem mAcm 
«8 mich. A8, 19 f. itii lirbcel mir . . . yr paa yc pa»). 




414 



Aslcnobaft der w^lÜichMi Li«d«r. 



88 



k. durch /rfiet tta* h. matt. 11 «y durrJi/rrvt da* K. mein. 
56, 8 tiMtrt* A. Ii4el>»u aujfmwaid, eine Verbindung, die eigentlich 
nicht sUtthafl ist, aber wigt, «rie fonndbafl die Umsctireibung 
mit 'Herx' in unseren Liedern schon geworden ist, 7gl. auch 
86, 10 atUs, dat tr K. begert cnd »%«eht; 39. 5 mem^ h. ^ier. 
11'. 19. 57. 23 eb«ri90. 41, 11 deine» h. gier. 18, 19 nteitt$ 
h. pitttr quai. Sl mäfu h. /rSudenaat. 25, 90 feäneher h. j'rfuU 
jf. vemeinl. 18. 29 erfreß mir h. mein gemät. 14. 16 Dan k. 
frrSi mein ffemüt. 60, 9 erfrfxeen . . . metn gemikt. 36*, 5 
(Scham xavi.) Mrd woi iV jungk/r. ^nütt. 50, 5 ^ /««tfr 
itM alt m. ffemäet. S9. IS ao trauert alle» mein gedmgken *). 
21, 18 ff. Ja* weib, der t. zarter leib nymer Hbel tut. 
35, 61 f. leeibUrUr UA ttt tatdvertreib. 26*, 1 ff. Ain libl. 
treib, der zarter leib t«X laidverlrelb. 15a. 54 Vtäg 
itt yr leih (die Klaffer)! 50. 34 ff. ein litM. gruet . . . von 
deinem roten mmui. 14. 26 Dank f. höh mein" r. mwnd. 65, 46 
«rin €*ung dii-k rüegt. 81, 14 f. da* haft »Mtn esung, dax *y 
nich hla/t. 

9. die Hyperbel: 

68, 19 cfu lidmt tiwr loieeent/ettig m«r. 60, 14 lateaent- 
»tiuid. 47, 19 ebenso. 

3. die Metonrmie: 

41, 6 f. ieh piu dein güet (dich bei deiner Güte) . . . dttn 
gettad tue mich Meneien (du in deiner Gaad«). S8 de» mag 
dein guet w. rr/riicen miefi (du mit deiner OQte). Ö3. 20 ob et 
deifi gütt tterwider tat. 60, 38 tet gern *), tnu d. guet micft Urt, 
58, |0 wie miiA enpha/ixn tcii dein güet. 12*. 33 f. znvtreicht, 
der mir d. ireibi. gut wrjic/U. 17 ff. giiien tag, den mir h?iU 
tag ... d. gut. II*, 64 hie du tröeiett mein eilend (d. b. mich 
Im ellCKd). 16 b, 91 des /rftU ticA tein jalteker litt. 21, 11 bix 
lUu enpfwäm ld> erhema (d, h. bis ich durch Empf . . .). 

>) VkI. »■ S. m uuler < <IS. 16). 

■) Vgl. ^. U da* ist iek gern, Ifi«, 31 0, wy geren irJi dnt tat! 
14. 15 Vngtm icM aniirm tat. 'AB, "ii tet »yr dingli so pnrcii. 2&, 27 
,cfr da» tat. 30, I? iiwr de» niekt biL SB*. IS du* tat ick. 

ft* 



P- Aroolli Mmynr a. ilninncb Kicttfch 




49. 7 wvrd mir vcn ir ä» /retBiiltU-Jt ya. Aub. l*. 44 er fftt 
<KtN *^«l> fi&. 27 nuK/ien grro (alt m&obM). 49. 10 v^urd . 
ffre. fil, 20 UTt'rt er ^ra (altern). 

4. im weiteren Siduo aacU dio PersomficatioD : 
85, I ff, Seint rSilein . . . hat mU im hin gejüfrl tl, mag, 
88, 3 erczaii^ er (i). i, .Jer Mai) tkh. 19 hi^, u-. J/oy. 9 
tnich" mich tnphiüitn well d. maif*). 24 f. der alyrill micA des 
■Kol «rmatü, ttie ich mphaken toi d. magm. 21, 1 f. O, Vatt- 
nacht, tpy i/ar off ich dich lietrafht! 23 f. 0. tüzter MayJ J&^. 
87, 24 oft in bflur* dtr mi/nnt rat. 25. 1 Mein Hercz, p« 
fro. 31 f. Oemät, nu wnit. 12*, 53 ff. IJb teil ... »«y dein fftlail. 
42, 5 ffflOgklcieh lioil drin pßfg- 63. 9 f. M>ie vtutätiitait äfif 
lierez hafr anderftco gelait. 25, 43 f. dein viUr^ kan w. jindtn i 
dich. 61, 3 vngej'eU da» gel mir nacA. 'i4, 22 f. micJi httU d. hi d. , 

5. Oijuioron. ^M 

87, 14 Seind mir »o kürest zeit lank iet (Tgl. 5S, 48 
unter 6: Antithösen). 43, 15 Lang ezfit hob ich in kttmer 
j'risi, in weiterem Siane auch t'^le wie 47, 10 f. ich wil d. h. 
nickt gefcitaiden »ein, ob »ich mnn tccve» *cAoit von dir, 58, 23 f. 
da» >nir dein anplik nähet, den ich von mir ntfc hon getan. ^H 

6. ÄiititheBon. ^1 
15 b, 75 f. sdlikait hat klaffer mer denn vn»dtd. 

*17*, 15 dein Hb mein leid teprfch. 23, 14 das Hb icht leid, 
20 f. ff »tfler man, y gr^zzgr . , . herczett laid. 22, 6 f. 
umikait kan machen, daz frffxd nach laid Hb »ach ervert. 
54, 1 Mein lißdisle j'riwd gibt groew» laid. 18, 18 f. was irA 
nh freüdtn Sbrral, dy ist meint h. piUer quäl. 55,42 Seitä 
»üetfer an/angk utirt fo » wi r" . 21,IOf. wencn /rfuet nicht, 
bis dat enpfinden Hh erkennt. 24, 1 A'iuAts freipet mich 
fSr altet, 3 vier etwat winl, da ny nicht» ma». 7 aur 
nicht leinlt etwaz grozs. 12 wer ich, sucht, da nicht 
enisl. 25, 14 f. dy &<iH hercz dert mä mieh ernert 
(Tgl. 18,23 u. S. 102). 24 ff. ich reid dm tnandei gett dem 

■) VgL duu 68, 10 0. 8. 8» unter 8. 




416 



Antonchftft ilor v«ltlictian Liodor. 



86 



• 



I 



I0IN<J, pis iefi mp/ind der auunen tflanrt. 86*, 17 f. kün::, 
Untf, hßchj nyiler, nnal vnd prait, tinii, Ziert. 27, 14 f. S«ind 
nttr w kurctt seit laut i4t, vy tu teh dann dff tanken /riet. 
20, 4 f. fliw klaint /rfnd . . . mit grozzer /orc/it cerezeri. 
48, a f. da* er m. rndnekleie/i wUldet vuä pin im dfiim allaiii. 

7, AnnotDiuatJo (uod Polyptottm). 
39, 3S Kalu ffroBwr gati wart »tfe ^gebeit. 50, 15 ff. Den 
>infa»^ . . . nicht vahtn an. 27, 3 ipy Hb mir i*t m. U&tte minn. 
33,3 w liehe» lieb vor allem laid. 14, 34 f. laid . . . winll , , . 
laider. M, 17 ff. Irh han dick iitb t^-habt pis litr vnd i»t mir 
lieb «rtt wcnle» new: du liebest mir. EM, 37 ff. leenn $jf dtn 
ic'UueA von mir enpfiien^, lo icdr mein h. ffensee», wann ich ir 
icäneefi . . . vie ich ir ee alles erwSttaeht» mag. 68, 7 li^iel mir 
ii\ lieber ja. 19, 25 ff. tUg ab m, m, lait mit liher aäszikhait, 
tilt Üb mit nfwer Hb p^ttiAc. 49 </. Üb ncA liblifh t. mert. 21, 14 f. 
irt lA mit Hb gelibet to, daz Hb in Hb m. machet j'ro. 24, 6 da* 
pÜt von p&f in pönem kaj't. 23, 19 toct Hb dem Hlten tpUen gan. 
30, 39 treae* fterct tein trete tuf« praeh. 

S. Repetitio')- 
Anapher: 
28*, 44 die lieb, dif rain. 49. 2ö rfy tiei»t, </y mein. 
50, 7 «rit Heb, teie hold. fi5, 2 dein fr, dein lieb, dein Khün. 
56. 1 e» i*t mir Iraiol, et itt mir ezart. 59*, 2 du pCeer laeter 
»ehafer, du teh. ttacAdraber. 60, 1 1 mi4 rch-in, mit jfepärd, im< 
alter gäet. 

EpiiflUiis : 
28*, 36 dai fierttz gein kerci in fr. epruny, 48, 17 «Ä»o 

Heb an Hrli geiein. 

Das Vollwort niedorbolt statt des farblosen ProDomeos: 

26, 61 ff. ürA lg mut ng . . , waim y mut g iet mut aiu 

, . , 64, 1 2 f. so tpart mein leiden n^e so gras, dein leide» 

mir näher. 51, 14 f. got tuet . . . well got . . . hQ, 17 www 

iMndän, vgl. uuch 85 mein pluem. 50. 41 f. lo vmrd mein 

■) & BocUio £911 IT. fUr dsn Oobnueb in der mbd. Lyrilc überliAupt. 



e« 



F. Arnold Xaj«r u. Heinricfa Biotoob 



417 



htraz in Utb «o ffoil, da» i/y Ueh. Y^ BUeh 86, 24 f. et ffitnf 
$ucA inm wiUtn. vnd da» e» mocA irtm vUien erffimg. 

In Wiederholungen, wie 
13, 46 ff. Da» f&gt mol cmxm arm. hwcAt . . , tfold v. t, 
üt ym nit refht. ^m f&ijt vit paz ... — 37. 7 da» »oitdu inx 
fftlauben mir. 12 da» aoU dw mir ijttrateen ez\car. ~- Si>, 1 Aim 
mnucA erjrfat all m. natw. 16 f. y mer liab ic/i vor mAkUwA 
Uold otn meti»eh wnb fr. r. »old. — 46, 4 UDil 9 ieh dantfk usw. — 
84, 7 S. wort vti'i leerch . . . do aiiier ^ee^rl mid teerch, S6 ff. dai 
ich anptiekt mein liebttes taU , . . tearai ich anplikt man liAtUn fro*l 
darf man wohl Tolkstümlicbon Stil sehen. 

RespouBionen ') : 

45. 14 lied geit troat «, darrzu j'rhed und 18 rvd ^1 
iroit V. mao/ift Ueh. 29, 16 vor allfr wtrlt »o fic^fdu mir upd 
20 liebt iek dir fütr all werät. 

Anderü Wiederholungen, es ist die weitans gTRawr« 
sind kein Stümittcl, zeuguii uur rou einer gewisscD Armut 
d«B Aosdruckes. Ich fühie bei jedem Lied« die wiederholten 
Worte nur einmal (meist in nhd. Fonn) an, ohne KQckaicht 
auf diu Vorfiuderung der Flexion, Steigerung usw. *). 

No. 11*: liebV. I. 18. 31. 39. Hera 3. 19. 26. 31. 86. 
46. fröhUch 2. 22. 36. sösz 14. 31. No. 12*: Wille 16. 59. 
Freude 54. 66. 76. No. 13: Wohl thun 2. 12. No. 14: 
freuen, Fr«ade 7. 16. 27, liob 1, 14. 22. 23. 27, 28. No. 16*: 
atsete (adj.), stsÜkoit 22. 23. 44. No. IBb: Sor^'e (besoi^n) 
73. 74. No. *17*: Freude 7. 13. 23. No. l»: Freude, freaeo. 
«freueu 5. 10. 29. lieb. Uebe 16.20. 22, 30. No. 19: Ding 
10. 11. leideti. Leid 4. 16. W. 2ö. gchnlich 2. 25. 48. Uebe. 
lifib 37. 26. 32. 35. No. 20: sehnlich 2. 21. No. 23: fnim 
18. ft2. No. 24: frum 11. 20. freuen, Freude 1. 10. No. 25: 
empfinden 10. 26. No. 26*: Liobe, lieblich 1. 29. 33. zart. 



H 

ml 
mir mi I 



'J Roclhn 313 ff. 

*) Kin ühnliclic* Ver&lirtfa kftlU kh anten in AbRohnitt B(Pbr[i«e< 
logio) ein (i. B. S. 100: 28,S. fiO, 17 mangmi loiciit Rlr: 29,6 
10. SO, 17 mant^ trirAt), 



eo» 1 



418 



Aut«r>chatl der ««UlidMn lisder. 



87 



aftitadt 2. 24. 49. No. 27: Trost, trOstfln 7. 19. 29. No. 28*: 
Bch&Q. äcliOne 26. 34. 47. :tTo. 29: Trouo 6. 7. 24. gedenken 
4. 12. No. 3U: lieblich, Li«blicbkeit 9. 11. Treu, getreu 16. 
34. 39. No. :)2: lieben 2U. 32. No. 34: (jeseil 12. 16. 28. 
No. 35 : lieblich, Li«be, lieb, liobfio b. 8. 24. 28. 45. eiitbehreii 
16.37. No. 36': jungfräulich 1.3. 21. 29. No. 37 : lieb, Liebe. 
liebUcb 2. 13. 16. 22. 27. 29. No. 88: entbehren 8. 10, 
^)rreii«n, Freude M. 14. 20. 23. No. 39: boffon 2. 7. Sl. No. 
42: ^QcUicIi 1. ö. Heil 8. &. No. 43: tnaen 18. 23. No. 
44: lieb. Liebe 4. 22. 43. 74. 98. edel 40. S.'). No. 48: lüb 
I. 7. No. 49: loben 13. 26. No. SO: GQte I. 28. No. 51: 
geben 2. S. .5. Glttck 6. 8. No. .53: treu, Troae 3. 6. 19. be- 
denken 2, 14. No. 54: Leid, leiden 1- 6. 9. No. 56: lieb 6. 
17. S6. Herz 8. 18. {Aim:en)\Veide, weidlich 8. 35. No. 57: 
\Vtln»cliett, Wan&ob {= VoUkomuienheit) 1. 4. Freude 3. 10. 
üaado 7. 24. trauen 7. 28. No. 58: Fronde, freuen 32. 23. 
No. 59*: 2 Uuiifr scAi/er. 8 /nfUr, No. 83: verlieren 3. 8. filr- 
tam 36. 89. No. 85: lieb, Liebe 8. 14. 18. No. 86: begehr«n 
4. 10. No. 87: Treue, tivulich 7. 17. 23. No. 88: stebftn 5. 
6. 15. 17. Zeit 13. 12 (c/y »tu»d vtui <fy ezfü). helfen \fi. 38. 
Anh. I*: gut 14. 23. 37. 

Nicht blosiL der Wortvorraib. auch der Oed an kenkreis 
unserer Gedichte ist k«in allzu grosier. Die Nachweise (a) mfig^en, 
wenn auch nicbt tarn Kapitel Stil gehfirig, doch anhangsweiM hier 
ihre 8t«lle tioiIeD. eiwnso (b) die Bel^ für Benntzung bereib- 
liegcnder volkstCimlicher Spruohwoisheit (Sprichwörter). 

a. IS, 6 fl'. und 23: Sehnsucht 33, S f. und 11 f.: von 
eiaem 'Wicht' alles dulden zu iBABseo! 25. 19 f. nnd 43 f.: der 
Fskche fällt selbst in die Grub«. 61 f. und 68 : AVcü> ist Leid- 
Tertreil). 39 f. und 12 f. 92: Noch geb ich*» nicht verloren. 
49 f. und 67 tl.: auf 'ihre' Hilfe kommt's an. 27, 28 und 33: 
die Zeit wird lang. 30, 16 und 3t: Treue. 34, 8 ff. nnd 18 f.: 
die Znoge . die Unheil anrichtet. 39 ff. nnd 38 : wer Kich 2u 
viel herauaiimmt , muss es bOsKen. 38, 12 ff. und IS ff.: ihr 
Aoblick wire sein (des Dichters) GlQok. 39, 16 und 18: Dm 
die 'Welt' kQmmerfl icli micli nicht! 41, 3 und 6: loh boffe 



I 



86 




F. Arnold Mayer u. Heinrich Ricttch 



auf dein« gnädige Ueeiiuiung. 43. 6 f. und 14: leb bin gamt 
dfliu BigeDtum. 43, 7 and 10: Versprocho Tmuc 1I> f. und 
23: Fem von dir ist mir die Zeit lang. 46, 14 f. und 27: Vof* 
xug des Uedens vor dem äcbweigeu, Tgl. «ucb 2. 15. 26. 47. SC 
und 15 f.: Du bist meioe eiste Liebe. SIT. und 27 f.: Aacb 
in dor t'orne gehöre leb dir. 49, 3 {. nitd 1 1 : Sie ist muM 
HereeoHfreude. &0. 18 ff. tuid 27 f.: Mdcht« g«ni dir £u Gtboc 
als dein Diener leben. 5:-!. 4 ff. und 19 f.: (tugenscitige Treue. 
65. 49 und 58: Hßte dich vor den Klaffern! 56, 19 nnd SS: 
Von iliu] (dem Blümloin) läse« ic)i uicmaU. 57, II und 17 T; 
Nur dir allein will ich dienen. 69*, 9 und 18: derKlafforg»- 
bdrb unter die Verdauimten. 87, 15. 17: Dein eigen für inuaar! 
b. 84. 29 ff, H'iT auf dem ruck Irak su eil uaVi. 88 f. i«r 
hotJi kit/mpt, teil mai», da» er hoch J<UI, tgl. aucb 25, 19 f. d> 
Judo* kehtu mir fr. zaigt, dtr wirdt dm ant/tl sÜnden. 



9. 



r. di^ 



lOg^^i 



Kar eine bosoudor« Form der GedauheuwiedorlioluDi; 
(o. uotoi a) ist der I'araltellsiDus, als solcher synonymer 
genaijpt (u) uiid vom antithetischen xu trennen, wogegen- 
sätxliche G^dunkeu in paralielor Form der Satiglieder vcrb' 
werden (il. hier wenig ausgubildet). 

a (häufig in einer Form, dass die Keje vom AUgemetnra 
Kiun Besonderen oder unigekebrt fortsciireitet). 27, ff. aa^ 
«rib , . . der teit uichl wart vmi piy yr »ey. S8*, 40 ff. ob "^^B 
an ir to teol pelung, ich leoll mit ir nicht rangen; of> n/ müh ' 
lUbltick 'bemn0, eziear ich liniffrl der ttangen. 29, 24 f. mit 
trewCH leben cm/ IiaUlen ffor an jaUchen li»t (Tgl. 43 , 7 f. »tut 
an /altchen rat). 34, 8 ff. ^lere scliorjfe wort »neident pr. vtnb 
dat ort vnd ttiffUid morl. 36 , 6 f. getconhaii kan tr/ tnaeluti 
fftut, «y maimerl natSerUirh tnnrl, 39 , 12 f. trat »lif iumA^ 
verd ezn tml oder tctn mir möfM au ^va pefc/teMn. 23 fl^ 
wurd erfütt mein gier vnd erfriwt da» heres« mein, eil trai 
war mir dann vnmär . . . aÜerertt to v>är mir wol se mi 
28 ff. iTüm Ui>, toem faid, de» acht ich nicM auf meinen aid; 
mir lUtrvmb yetnaad auch träeff neid, de» acht iek wlterteii 



420 



Aut«raoli*fl dar welUicIica Lioiloiv 



89 



ümn. 45, 20 da» ttUt yViVrf mit nuieAgt hat. 4Ö, Iß ey Uez 
vnd woUz dvrelt iiyfitwnd /<wt, Tgl. 83, 7 da* trt ich »ieht ewl 
tie* dtrch ffMi (dam 0. 3. 83 ontor 8 uod Aum. 2). 47, 7 f. 
das du miWi fftutrtt vnd mkh . , . mrht rtr^erif, 49, 7 IT. ururd 
mir VOH tf ein fr, ya, «« *>^*i?Aii(-A wiir wo/ »in/ nyinm^r «>.■; 
neun' mir der rotun «n hr^etttein, darwtdtr wmrd ich Ht/imnir 
ffro (a dopjpcJi)- 51, S4 f. «o kU tth aüe* traaren tait vnd teil 
btteibm «dl tnd vtft, 56, WS. rioAoim. tu kirrJten vndazu gtmfz 
ist mir mein plxrnnUirt iieb r. werd: es isl meinr A, tust nttf erd. 
83, 28 f. das titA nicht twl eerßirgvn vr»d kaütat färha* hetriepen. 
t)7, 7 f. mnn fifrci iHr ganfz v. gereckt trew trmt o. t»ut mieh 
ytinetUirh aigen dein. 20 (T. dieh meiden tnir esu mal abpreek, 
das ist mein üag: das ick nirhl mag peg dir geseiu, das ist mir 
Ireteiifh laid vnd pringt mir nyrUieit tAgUii'.h pein (doppelt). 

fL l&a, 19 ImiI tut Wf, iib Jr?u>el mich. 30, 38 teatdcM 
imitt ist aäcx. swaeb. trett*» kertz sein trete nye pravh. 4S, 1 f. 
üyl maniper gvml von riteiffen sich, c, ich tob retien da/Her ait/':, 
18 f. rtil ijeit tratt vnd macfiet lieb, kiafen ist ein reehttr diitb 
(ft mit ii). 86. 26 f. ni/rlen »mal v. <d>en prait. 

10. Uuinulacio. < 

\l*. 2 Üblich, /WJicl, nackt. 14, 28 Liber, säzier KorL 
l&O, 12 Pötrr, jaUrher kiaßer. 19, 3fi piue, f'aUrltt uvrt. 
28*. 34 /tefr, sehfin, exarU 29 f. iiueter fei, ganc:, ttiui vnd hei, 
49 ezartten, nufnnHäeiehen leib. 44 die lieb, dy rai« (mit Anapher. 
O. S. 85), Tgl. 87. 1 1 litpkich V. min ; 36'. 1 7 ff. liMeirh aU ir 
tuu... mit seid (ß. HO uütei 6. n. S. Q6). ii.B g«peM,»eha^,tHemd 
hah. 44, \h ir schimpften, sf^ltrrsen, sehalUn. Zß,*, 32 (tL S. 118). 
4i|>, 1 hüb'rhfji/r. ezarl. 48,7 deftter, t&Ulenreitlia- hort. 27 lieino«h 
laid MKh rngemaeh. 49. 27 Heben, gueten woh. SO, 7 (o. S. 85 
nnter 8). '26 dein ezarter, vxdge&aUer Uib. 47, 3 here^, mvet, 
gedangk v. itin. AI. 21. *17'. 24 hen::, nuiM v. sin, 21, 13 
imtt V. herr-z v, all mein »ynn. 63, 2 lieben, sätsfOt «ort 55, 8 
pOsen, falseheti »tfnn. 151), 79 ^r pöter, j'tUtfh, «y«. 66. 6 willig . 
worhaflg trev herail. 30 toarder, hoehgelobter lutm. 59*, 1 f. 
tupner, klaj'er . . . pAm- laebrr Khaßtr. 87, 4 ff. <^lci«U . . . 
erar an anefangk. Anh. 1*, 17 lieber, ezartter, troKter, — 



90 P- Arnold Mayer o. Hoianiofa BietMb iü 

Hieher stell« ich aoch die 'geptarton' Ansdiücko (anderer 
Art «1> 0. S. 78): 11*. 4 krtgi vml macJiL 8 tUmä v. «n. 
13, 39 Di»»t r. Im. 34 kan v. leaü:. SO, 19. 61, 9 kmut t. 
tncx. 14, 86 Haä v. »äM. 3S J'ivuä v. umnit. 36 (mUr oni 
V. fu^. 83, 8 w€rch v. wort. 84, 9 (rorf v. mrcA (rgL. 66, 3 
tdort ». t0«r<:iA tt. «fi<A fftdön), 64, S9 t^w v. tevrt. S4, 18 
o/( V. dikcA. 86, 36 ha«/ v. ha=. 47. &&. 44 /ro r. ffoit. 86, iS 
/re%mt v. gttlUn. 55, 36 /rmemt v. maffrn. 87, 33 ro«/ v. mL 
34, IS jv^ütA V. <r«t 36 mo/t v- fup/t (eo? 8. s.',SteUe). 44, 6i 
gtläk t. hau (vgl. 18, 4 nieimt diiut, gtUik v. aUUz hmt). 46, II 
OtfanfftH (?. gepiindtM, 47, 89 tlät v. mar. 61, 86 »lät v. vttL 
26*, 38 ve»t v. etfl. 63, 19 trtte v. »tat. 56, 17 &fr n. wtnL 
49, I5/rMfA u. i&o/(«n mwrt {e. z. St.). 57.1 ff, /mi v. aUe* ffiut ... 
cfclück, Hh, ^^ tftkrivpett V. •jepogen. ^Q, \^ betfert v. »üekU 87.7 
pauez V, gtTtekl trtvr. 11 ütpteüA v. rain. äS, 8 aUe*, da* iti 
t/t här V. uur/t si«rh. Anb. 1*, 4 aorgen v. auch Icäd, 

Zu 9 (PKraUslismus) leiten zurflck Formeln wie : 18^ 6 
nuin iiercj v. m. gedank. 88*, 1 I-'<!t/ peiiin v, p«t/ tpan^im. 
49, 86 m«tn hört v. auch m. lro»f. ftS. 49 czu /rrwdm V. ts» 
ir«int}Br). Anb- 8*. 3 f. ctu deinen frfn v. durch den u-ltUn dtin. 
86, 18 d^ Hund i: dtf c^tit (vgl. S. 79 unter y mit Aum. I 
nod S. 104). 

II. Das Polysyndeton') 
ist in den Liedern wenig beliebt: 18'*, 76 f. gedatk an müft 
vnd hab dein rti v. slaf. 65, S (o. Tiiit«r 10). 86. 19 ff. Ui>d M 
ich aUer ir>. tfeaallt . , , vnd aneh das m. <*m »tiUen, v. atl IfferMn. 
91, 13 m. V. h. V. a. m. ti/nn (o. S. 89 unter 10). 

C. 'DramatiHclie' StUmittel. 

1. .\Byn[ietou.'j 

(Mit Anapher verbundOD c. S. 85 luiter 8.) 

22, 20 pla, fwares. 88, 4 yrüfn, rot, twarct, weie. 

1M7 (o. S. 89 uütcc 10). 57, 12 f. vertui^en, »tat . 

darcm mifh tieing( dein trev. 22, 4 nlüi, rerrtinffeii. 17 i>eri 

•) Ro«tbo 833. 
*) Roetbe »18 ff. 



422 



AutundMA ikr «eltlkkn UbAet. 



91 



tut (jgl. 56, 4r. veriwifftn v. amM itätikait , . , trete). 
57. 17 Mein »täte trete. dUiitti. nmet. 26*, 17 f. (o. S. 85 taUst 6). 
26*. SS gtAeri, ^preyct nacA tut u tat. 34 (o. S- 89 unter 10). 
44, lö (o. ebd.). mit Alliteration, wie 36*, 32 i/e m«r »y 
tcht/mphett, »thaüert. 27 iV treUn, tonc^m, tprii^tH. Ä9*, 1 
rutmer. Uignlr, klarer. 

2. CUmu. 
Etwa F^Ue, wie t&a, 61 f. Sturmm ffitMun, plat: rumor/ 
ifit '/» au: für alfe lor! Vgl. auch 'l?*, 1 Mein troNt grtell. 
mein h-iriiater kort. 

3. a. Apostrophe. 
Der Dame: Ko. 11'. 12*.*17*. 18. 22. 29. 37. 43. 47. 
50. 54. 55. 57. 60. 87; mit Wochwl von zweiter in dritte 
Person: S7 (Str. 2 und 3 in zweiter Person). 36 (Wechsel innerfaslb 
der Str. 3). 39 (xweite Person nur 38 etUndew icmii, sonst ancb in 
diMer Strophe dritte Person). 41 (dritte Person 21 AaJ irhi, s. z. 
Stelle). 46 (vgl. 4 f. daiiyk dir mit 14 f.). 49 (zweite Penon In 
Str. 3J. 58 (in Str. 1 Wechsel von zweiter und dritter. Str. 2. 
3 in dritter Person); der Kläffer: 35. Str. 3. 59*; der 
Zuhörer: 15a, 57 f. Menktich »ekr^ ... Snutek fif ... 15b, 
81 meritt, tetj ain g. Maßet prang.') SS, 87 ff. geUmbet 
min. ... 44, 114 seit g. nackt^pcaenn! 26, 99 f. jv! abtr 
aar, ibi /r. »f/iar. Anli. l*. 1 ff. Wolau/ üfiin i/euellm UHW., 
TgL ebd. den Refr. -rn** aiu, ifktnkrh ein. 61 raieh her; 36 ff. 
(0. S. 93, /). Ferner: 16 Seit wilUkomen her Martein. 2*, l f. 
Martein, l. Aerw. nu lafx vm frßleick «et«. 88, 19 (o. S. 84 
nnt«r 4). 31, 1. 33 (ebd., wo auch Doch weitere Apostrophen 
an 'Bert', 'Oeinfit' und anderes Dobelebto). In No. 13 ist der 
Teil a epi«cb, in b nur die SchluMstrophe. dagegen sind die Gbrigen 
Strophen (abgeiiehen vom Keftvin) ganz draniatiscb (Dialog des 
Paares). Oans dialogisch (Kwisdien d^u Liebenden) sind No. 
14. 15a (15 b wendet sich der WSchter an das Paar). 43. 

*) 94, 4 merk mi»kliek, vy mcA (audi eine fT'^ffen div KJafler 
KiricbUtr fthtUo). 13, 86 aar vaib »org nj/man. 87, 89 ibtrmnft mir lieb 
«ycmdiad <A trdrfwd- K, 19 nycmiDid gedenk. 




92 



F. Amol<) H*yer n. Heinrich Kteuub 



423 



ß. Ausrufe. 
IS, 19 f. ho, trab aux:'. hoho, da iU eeit! 40 wisx ytt! 
18 key, tey woC et ttit! Tgl. 37 f. wy wol (VA tpOr, dax . . ■' 
19. 83 f. im/ paid nyatt eitä mein l, vk . . .! loa. 5 0. uy W 
mir meiden titl! 52 f. Pßifh d*r i. f. tungen! ä6 Amen, herean 
L wäb! 61 Stürmen fflokkan usw. (o. S. dl nnter 2). 21, t( 
0, Viuenaeht, wy gar 6ft . . .'. 12 0,n*that ntynR...23 (o.S-Sl 
unter 4). 23. 41 f. o, wy yar tcolyeear . . . 36*. 1 ff. 0. wit 
i. j. gdimph'. 0, icie ffar csari . . .' 25. 41 f. Ppiett, rtrr km 
dan . . .! 99 ju! öfter dar. 

y. Blwtor. Frafe^eu '). 

21, 8S MW »nifeAt yflaxzen Hb, dy prenntf 24. 1» (Pj 
mfieht mir ymer pa£ geaein (Tg). 0. anter ß). 27, 15 vy (m ui 
<^M. 20 wer tut mir dann (vgl- 25, 5 uw tut dir mi?J . . .' 
44, 20 ff, «olt ich die niefit yeren »chnwen, die . , .? Anh. 1*. 
3t» ff. wie KU her Äppet, /ler Dyetd . , . ob ir nu exu yriji 
P(= grein; zu!) 

li. Wöiuchö-). 

16a, 55 Vnyelük yr sälil oeHreüi. 1 2*. 53 ff. (o. S. 84 ODtW 4). 

Das Grgebuis des Vorstehenden kann dahin zusauneit- 
gefasst werden, da»s unsere lüedor die Stümittol der erstt« 
Gruppe (epische) ansgebil'Jet«r zeigen als die der zweitn 
(dramatäsclie), letztere treten in der Kegel nur bei einei 
gswisaen, schon o. (S. 7G unter la) bezeicbnetou Beschaffoubeit 
des Inhaltes auf: auch die 'Uialoge' gehören z. T. biohor. 

B. Phraseologie. 

Die 'pootiscbea Qedanlcea' unserer Lieder sind w«8«atUct 
typischer Natnr. Nicht in demselben Maszu tvpisch ist derHi 
Ausprägung durch den Wortschatz. Die Herauabebung dieser 
Gedanken kann ein Schema liereru fOr die Darstellnng der Phraseo- 
lo^, aowoit sie mein Zweck erfordert. Dabei bemerke ich nnr, 
in die einzelnen (irujtpen gelegentlich auch Ausdröcke und 

*) 'Frft|t«n cnd Aufriifa' Kncthe 898 (T. 
■) Ro«th6 SS7 f. 




i,ut«r«^aft der weltlielwii LMer. 



9S 



endongeD aar auf Omnd eln«r üuszerUcbou B«iJ«1iuiig gestellt 
id (iL fi. unter 'QlQck' in der (Jnippe S. 9ä Mich Aiis- 
Bcke für 'liläck' nicht gerade nb Liebfisglfick), Qud doas 
f die Phraii«ol<^e hie und da mcb im Alwclio. A aom«rkuDg»- 
1186 RSdcsicbC goDOnuneo nonidn ist. 
^ Fast deo aosacliliflaxlicheu Inhalt der Liedor bildet die 

■ denn uur, 37, 22 f., ^^tr tirit ni/e rtrit vertueehet bat, der 
IK wol Itoüifn mi'M Ol« gaucJi (rgL 35, 54 rw^rA nuhiikUiefi, 
U/t attf ain narr). Die /rttmtlieh Ittb seiner Dame wfioitobt 
K> der Dicbter (50, 40; 46, SO U^ «i/t«l rein), und sie soll 
rerseits erfahren, teif lieh, wU hold^) (50, 7) er ihr ist. 

Die Jiiebe erscheint gern als feindliche Macht. 
t Terwnndet, aber die verursachten ScfamereeD (32, 30) 
iCh heilen kann, mit Votxeu, Fallstricken und FesBeln 
»ht, oder wie l^'euer wirkt (o. S. ä3 unter Ö). äie kann einen 
«ondflrs hohen oder höchsten Grad erreicfaeo, uod das 
id dami in vcrjchiodciieu Formen ausgedrAekt: 

56, 25 f. ni«fit ptwm . . . HÜ-ht Heber moeht gt'&n. 44. 22 
» üA gttorh . . . ny« Heber wnfr. 60« IB toi» meiutJt «ye lieher. 
I, 16 ror allrr verlt to lieii*ldu mir. 58, 19 du lidiett mir 
»tent/eltig m«r. 57. 9 f. Vor alUr «erll^ ptftitu allein USW. 
I*, 50 f. wirf hiet ieh alUr fraieen teat,*} n/ «vir Jye Uehrt nwr. 
I, 11 f. VMir aU dtff teerÜI ffür aüjwii mein, mit dem teurd irh 
r t)nderbM (vgl. S. 83 UDt«r 2 und 37, 10 f. »olt ifh au/enl «ein 

fj„ ifh imm* dir ymmer veetn fiold, 36*, 35 f. vnd tekoU ieh 
£e6en, e» war mir vauerdromtRn). 19, 16 f. mir tut pat, das 
dich leiit trenn du für mi^h. 54, 1 2 f. w tearl nMt'n leiden 
1^» gros, dein leiden kam mir näAer.*) — S. BUch Anm. 1. 

^Fl Vgl. W, 17 lUb cnd uwrj {TOm Blümk-iti ' Vcr^nnciiuiicbt'). 
xoH plfiemt^n . . . lUher. 7 f. «a {«I mir traiet, es int mir aarl, mein» 
Ibbile aitffenieaid. IS t» tat mein« h. lutt avf erd. 
H *) Vgl- U in aller teertd. 85, 48 en liet cor aUen dingen leot. 
^V aUen dingen inh beginn. 

^ß *) VxL 23, 11 hifi ain moimA alter mcnxAm ti/nn. 
^ *) VrI. Ot die Swrfona U. « f. me Aer te»ftl feintMeh rÄi»e*(, 
mir wiertffr ah dem Uaffer frätttt. 




f^ F. Amoltl it»y«t n. HMOrioh Kietoob 

Di« Li«b«ndeD selbst preissn «iDftnder uft 4ei 
sftrtlichsten IJameD; 

d«r Mann heiait l^ 44 herejm tibtUr man, 15a, (>4 Trum 
gettU, 44. 103 /uraen tratet pf*eü — die Kniu &8. 2 tiebaUr Iravt 
ytotü. 38.12- 19.1. n?', 1 tmwt {ftwü. 13,27.35,31 /«di 
^pt/. U, 41 htrc2f» traut gt«^. 26", 29 d>j lihUch /rwM. 
45 dw liblü-f' hört. 50, 29. 19, 35. .^.'7, 2 i/m /(«^«(a- hört. 
58, 1 1 meti» aU^Uehster hört. 48, 7 wt*in litb»ter, »dJdenreieAer Aort 
41, Ö csarS lUhnttr hört. 54, 11 man aUerliehtU csuvertidi. 
32 ifm (rori. 49, 2Ö mni» Awt v. <uteJt mein trort. 84. 2f 
gtMn &6»(et totL 28 mein lUbtten er-i»{.') 43, 16 mein Uid- 
vrrtr€ib*)(i). 54. 19 m«'« höeJaU» hall. 2S*. 44 ((w /«*, <ly f«m. 
55, 26 um titbf/rmo. 21, 4 lihtten j'rawtn mein. 12", 3. lös. I 
HhHe Jra, 27, [6 >ninri Hhntr. frau. 15 a, 7 ll«rcse» lAtt« frm, 
84, 8 dar aütriüifittfn frawen mein. 11*, 1 Zm^ tibtte fnm. 
44, 4 Uebite». eohihittm jrawn. 50, 1. 12*, 68 7Vi»rt /nor. 
74 /ran aiaerietlt. 25, 60 rainer fraieen. 39. 4 o/fcn raitu* 
J'raatn czier. 15a, 6ö. 18*. 58 frau g<jnait. 11*, 3» I3»tn 
frtviin zart. 60, 1. 39, 38. 57, 4 lifb* jrivuUm etart. 4ti, 1 
hühachei frfwelein rjart. 14, 2 tränt j'rihäin rain. 21, 18 WÄ. 
27, 27. 50. 27 aller liltixz veib. 18. 1 D-^n a//erlihitm, «cianttm 
K>n6. 15a, 5(5 A«rc:«n Ubftex weib, 26*. 1 ^in iiblieh imA. 
^,6 immschleick weib. 23,39 ain myjmikdcha reeib.') S8* 4 
ffi'ji myrmikiicJie maiJ. II", 30 miinHUdic/ie dir». 12", 9 fiwis 
MtynmU. i/tVit. 28*, 31 mtft'n beiundre lithe dirn, 39. 3ö «R K 
w. p. (o, 8. 82 unter y). 55, 1 IFInfr, aUer frStoden ebtrkraK 
43 tmt^, hochhobt« rreatur. 

Speciell ^It von dor Frau, dass ilir ganzes Wests 
edelster Art ist, 

18, 11 f. auf der ertn pfat yewöiäich komen v. von ort. 



*} 87, S r. ntn u<ei6 «o tttH tu tmt moelt- fiS, IS cnt frofl «nsill 
(dM Blüml«iB). aS, 49 mar werd yr Irotl «n (oiJ. 8H,S4 f. nwiiu 
ft«r»en (rüst, cIiM iat . . . 

*) Vgl. o. 8. 88 guter 1. 

■) Vgl, 98*, <8 f. ^at ich gtdenek. grtran nye tecift »o aartten, 
mynniklricknn Mb. 





Antonchaft der ««ItiidMn Liedv. 



9h 



24 f. zart *<Om ort. Ü2, 12 Ir etllt ort, nchSn wtipi. ezart. 
10 'y i»l pepom au» holter ort. 18 ir edle friimkeif. 
Ton auB«rIesßa«r Sch&Dbeit, 

41. 13 Mich iiat bftutvuff&t dein gatait. 43, II Vnn tith 
tfftetaJt hrinfft mieh daresw. 33, 2L da* maeht dem gOet vnd guei 

yenttUb. S8*, 47 yer fcAfin das sckikt. 34 9 ü( /., scji., ct. 

^btral (o.S. 91 nutor l). SO, 36 «fein r-^,, tetttg. leib (0. S. RS nntor 10). 

ai, 19 über, tarier WÄ — im oinzolnen: 28*, 29 f. tin L/et, g., 

f. V. h, (o- «bd.). 20*. 1 5 f. biaici, rot vnd weizx ge»ael\ ieh ny »0 wo 

gutelttket. 44. 5G ff. obttt in der kfvt geüder tretet, klatn geeaoUen. 
hertt ffidmile». 29 f. »lieren , , . vOlHg vHuerpUcJten. 28*, 23 
ti Ulfen tifUi /tin. 44, 38 jaUken augtn. 28*. 23 tmat bra. 
44. 31 L nnal gettriehen rinC ir pra mit jki*. 38*, S4 rtufnoarb^i 
vangen. 44, 33 nätifflein rot r. wti*. 23 ff. yur klar ist t> 
Aar, reelil nU •toUi -jtpir: krai^e lAcMän tiepieieh ffar. 28". 20 f. 
z/ip& von diikfii «ti-nng«», laH'jk, 'jotdfar, ai* tjf (ao I.) güUen sein. 
32. 4 ain mündtein rot. 36', 11 dy rottn inändtein. 14, 26 
dein (iO L) r. mutui. TtO, 36 von deinem roten mnnd. 44. 50 
ir tmmd iu fffHMft, 28*. 27 ir send eint Idain. 44, ÖO f. 
zändUin Hain, vnpenött^ aU helßfnpain. 47 f. euuerwelt iet ir 
tiäslein, tchßu j/epog^n. '>itt. k/ior ffexpalten i*t ir tynn, dy 
mytM darinn. 28*. 26 f. ein ffniehlein hat empfangen ir käres 
kynn, 44, 49 Srlein gar nuhtU vnd gwmogen (s. dlO kritJMb« 
Amnerk. z. Stotle). 38*. 38 ein ecKOne IteL 13*. 34 brüettirt 
teoigettatt. 44. 60 ff. ir tiitlein »int find. 38*. 33 f. tätUin o/k 
stro egnieei pgrn') asw. (o. S. 81 unter y.\. Vgl. 85. 28 mit 
ganesetn tuet ff. n. g., 0. S. 90 nntflr 10. 82 m cswai gepirg . , . 
fchon getmogen). 44. 63 ff. hilndlein ■ Armhin ir tangk . . . prg 
«0i(j/>n iangen «eilen, and (44, 67 ff.) nutt all tail hant gelük vtul 
hau gtinitleicArn, nu/$imileieken, tehin polieret, durdt meiert, 
VOD tadellosem Benebraen und Anstund, 
36*. 37. 4y. 30 Yr gut geperd. 3Ö*, 1 lift> jungk/reieleirJi 

geümjih. 17 ff. ^ o. ir t. . . . m. «. (0. S. 8*J unter 10). 12*. 44 f. 

try mich bttwang^i lätl. »ehercten, 71 ff. mit geigmp/en, fröUth 

"i VgL II*. 31 Jy kereten lUitten pim. 

*) VttLwolRroImnii.la, l«rni'r»-9riiiiilcrG<aT, 18). 103 (81, 1& f.-J 




96 P- Aniolii Hmyer u. Ueiiincb KieUsk 427 

*eAymj^en, su IraU '), den <iein gtpfrd mütwU. 44, lö 11. da» ir 
fffi., ft'A.. «<h, (o. 8- 89 unter 10) kamtm fi-noKn mojr myttuiUen: 
rcann t* Ut . . . mit gfltpnpheri leolheAuel, 35, 14 fftlympA mit 
ercN. 82. 81 /read Ut mit ereu (rgL 87, 14 in eren) ai» /ftit »i. 
'A3, 12 n*. Ir edle iirl , . , kan mit geiimpii woi ir^fbtH *c/iiiHpi,'i 
81 ff, iV tcAertim . . . da» kan ny wot mit tAitriJi(»iy, 

voll <iüte. 

33, 38 dtu vuieAt dein ffOet. . , . 57, ll3 dem gSet may 
rncJit verperfffn fir/i. 50, 1 ff, (», 0. S. 8S Dnter d mit Ajun. 3} 
lind die Itoidpiüle o. S. HS nntor 3. 

mit ciuom Worte, an Eöipur und tieiet 

47, 3 A.. m., ff. r. ». M, ai. 'l?*, 24 /.., wt. r. <. (o. 8. 69 
tmter 10), vgl. 21. 13 m. v. A. v. all m. ».: 18, li m. A. tr. «». g. (o. S.»l 
unter 10). 44. 55 «W Ktipl. «ynn. 81, 23 ain Iröff ßUymatia»!. 

vollkou)in«D: 

4S, Ö vnittteMeich weit. 44, 21 die alUtt imnuM hat M 
dem teilt. 00, 2 tri« atlur «-«»«■•/( ffuwz in dir Uit, 5^, 3 t 
ffttäck . . . »arh allem wuntrA, SO', 17 f. h'irac, Ung . , . ül 
alle nach Wantch berait. SS, 26 ff. sinat v. . . . prait noch neiUt 
tcal, mit ganeitm laut (vgl. 57, 83 nacA Iwt), GÖ, 12 tKaari 
ilein gtleicJien nye kain man. 16 niemand mag voüohfn dicA. 

Die I.iebeiidon besitzen eines des andern Persoti 
(Hera. Leib): 

42, Ö f. JrA ffth dir fftni . . . keret, miirt r. Uib. 29. 23 
seitU dein herc: mftji eigen ist, 47, 3 f. A., m., g. rr. s. (s, weiter ft.) 
damit icil ich dir, j'raie, rcu Itete ') la». 87, 7 f. nMtN Uercs . , . 
laet mielt ^änrzL ai^en dein. 13 AT. dein tc.fijtl. wird . , . tvet 
mich dirk in eiriktit (7 3. dio kritlBcllO Anm. z. Stelle). 

Andererseits ist das VerfaSltnis des Singers not Oaoie 
wie ein Dienst, 

84, 6 do dient ich tr . . , 55. 8 f. «Ptf n: v, w, v. süifz gedün 
(0. S. 90 anter II) dir dienet vmb Uepl. myn«. 57, 1 7 dimrtleieAf» 
IHM«. 38*, 44 nur gtpHü (sie). 50, 13 f. da» du mir, fnie, 

*) Vgl, Sl. 31 träaen ad>( ich ehlain. 

*) 84. 10 IT. «in p. Ao/j«iIf, fo all arin n-AmpA irirl vnj/elimpK. 

■) Vgl. 61, ai A., m. V. 8. wirf im gelecit. 



498 



AMondiBJt <l«r weltlichnn Lieder. 



97 



ab tUinem htteht gtptKttM. S8*, 15 das IJlt i^ alt ir aifffUr 
buelU (Tgl. 33. 11 f. tun kl., der nein huebt kaum tefr. d. t.. 
0. S. 77 unter d). 

ecbon ein bl<Ku«r Orasz 

33, 8 morgen ffnienen. 39 vmb ffveten tag iek ir eztaprifh 
(s. di« kritJBcbe Antu. z. St.). IS*. 36 mir wäntnA guttn lag 
dän mund. I5a. 65 Wüjuch mir ffitt nach. 11*. S wiIn«eA mir 
ain lOL, /röl. nacht. 33, 3 ff. die guetea naehl, dttc mir enpot 
axn BtündtHn rot. 

maobt Freude: 

33, 25 f. ffuet nacM . . . lübet mir. 44, 14 frhed. 12*, 66 
fßUh j'rtüd. '17*. 13 mil freädat. Aidi. 1*, 3 in d. fr. kl. 
(o. S. 81 ant«r4,ß). h m* hat JtIuhU brwlr. 36 yWir«i. 37,12 
mit koken j'rhtdeii. 64, 1 Man höehile friied. 38, 30 ff. fr. v. 
(©. S- 79 unter fi). 44. 84 mil ganaer /rnod. vgl. auch 0. S. 
m oBtcr &: U, 32 fr. V. w. (0. S. 9«) unter 10). 8ö. 49 «. fr. 
V. fg. w. [0. ebda.). 26, 59 trort, wunn tmdjrfud. 44. 109 f. ftylsf- 
leieh vahen an fr(iml, ipunn, 20, 1 >lif> m. erfrfut all mem iiaXur. 
49, 4 hat dureh frfwt da» hercze mein. 39, 23 f. «t> wurd . . . 
erfrftet d. hert-ze m. 25. 1 /n» fro. IT, 45 jnn gar fro. 55, 44 
jt. fr. V. g.. Vgl. 25, 47 (0. S, 90 unter lOj; 11', 14 dy maehml 
mich so gail. 49. 39 das ntaeht mich fro, weitere Beispiele s. 
S. 80 unter d\ 16a, 43 De* pin ich . . .fro. 14, 12 d. p. L /. 
96, 6 sprich frsliek: ju! 80 froltch woneu mit. 89 alr pald yr 
fröi, mit mir eint. Anb. 2". 3 nu lafi vnt frßleick sein. 21, 3 f. 
gar /Hitiek sedi dort tnü der l. fratc. 1 1*, 22 tey iek gar /röUr/i 
»€g bey dir. 39. 27 mW m murt. 

Ufihere Oanst wird erst nur erbeten 
18, 34 tedenk, «nu ich eoit er$i erpat. 84, 18 da» e» 
mein KndUieh pet figdrnk.^) 
UDd zugesichert: 

B3, 3 dein trete . . . vereprach, 6 d, tr. verJtit*. 
Einstweilen verscbSnt BriuoeruDg das I<ebeu, 



Vfl. 08, S ptdtngk df l s. wort. S6, S Motct *r«tM er <u<k 
M. 6 gtdengk, wo wart ye laid so A. t 

1 




F. AtmU H*]r«r u. HcinrMi Ki«Ucli 

64, 39 (/d< tVA btmm ■) dtut w. v. w. (o. 8. 90 onUr 10>. 
44, 96 f. HocA ptdenek wA !»»■ teoKtt cxmet*) an du Itcctm wwl 

Horfnung 

26, 49 r>/( Art/, .«»> vfrd yr hiM. 14, 36 G. m. •) o, A. 
(o. ebda.) gehört dar m. 49, 27 mi/ L, g. tran (o. & 8d uitt«r 10). 
35, 33 noM ÄiÄ ich den fingen. 41 nocA lian ic/i de» ffeiAgt». 
61, 16 f. M red teilt auf äi/ trmre niein, e« niAeht noch teol gerate» 
mir. 39, 12 t (o. S. 88 unter ». vgl. 19. 88 i<y pald nyM 
«nd irMJN langet tee). 20, 16 muerM'At. 20 lang jnt mrdt 
/rötieJi o/t enolt (fiüniicli antithetische WeDdODgÄD o. unter A. 
2, a. 6 und 6, S. t^). 

and Vertraaea, 

S4, 1 1 jVu> trauf ich ir. 86, 40 doch iren <ienaden ich wof (rar. 
57,7 vnd träte aueh,fr<iw), deinen genad. \r. (vgl. noch 24 dein gewai). 
47, 13 rmrf träte aueA, fr., der güeU (vgl. o. S. 83 ODtcr 3) deiit. 

angetrabt durch Eif«rsacht, 

denn (36, 21 ff.) der etifrfr water oft »wachen in h. adUK, 
iMtm ein gfsell toirt lachen, der . . . vor vorcld darff ni/mtner uacAtn 
(rgL 30, 36 ein ijegi. gaet genell der lach uud uuten S. 100); 

bis endlich das hocberwfln achte 'Glück und Heil' 
eintritt, 

14, 24 SöUh geiük. 25 de» tuünscA ich dir. 29 SiflikhaU. 
la*, 53 ff. Lih ;««, dg ganaz Jrikid geil . . , mit i-älikatt. 26,48 
(durch aäer werden fraaen) hau. *17'. 8 ff. dir mineehen meini 
itorl , . . tmr m gelük y teard erdacht. 8 dein gelßk da* ü( 
irtnn hau. 42, 5 gtlügkl, hatl. 85. 61 m gueUm hail. 55, 10 d»n 
guet gtlütk. ^. 4 g. v. a. U. (o. S. 90 unter 10). 36, ^\ da» hml 
han ich erfinden. 23, 34 sein geniet*). — 35, 63 eo iet itMW 

') Vgl. t'l, S8 teiiU icA mich da beginnen kan. ^^^| 

*) VrI. U*, 90 BW trenn ncir. 

*) Vjrl. 43, lef. da» . . . pringt mir muet. 46, 13 d. p. m. 
49, Ift ir atige-»icU gibt fr. v. AoAm m. (o. %. 90 unt«r 10). 40. 8 if 
tnphahe» gttt mir hohfn muet (ditiii SB. Sl da» enphahen mich erlott. 
14 Titvl: Ain tnpfahrn). 

'1 Vgl. S7, 17 krenkct mein geni»t. 39 f. »chaff, dac mein heret 
M gar iekt krenk durth »einen Itut oK in«i» grdenk. 39, 10 an /rr'wdeK 
krenektn. 11*, la mit »enm icÄ dtn tlaf bikrttik. 




A>(onch*ft Art w«iltlicben Uvdttv 



18, 16 f. 



-aid B*riwtindtn, 90, 31 dat ngmt tnir sMädi /(Üicn. 
^^hhJ . . , dy tnir benim den vigemaeA. 
^B die Liebe ihr Ziel findet: 

^H IS, 4 f. täd. rii^n ». pty der diren. 9 ff. D^ tmt ItiH d^m 

^^e»tiUn <tM driJä tnii hrutt. 21 f. «y ervachel luich d«r mü, 

XI*, 27 f. ikAoh fffdruki in nrWüi kvü ond di« ganze ijtroplie. 

^K Bedingung ein«8 dauernden Terhiltmeees ist Treue. 

^H 63, 3 lifin irfur. 33, 1 Such, Hera, dtin Irew, </. ftiU, 

^^■*, 3 »o >n«tn /urrci dein trvü betraehl.'') 87, 17 mein (r«w 

^Ki iJn- hefiarl. 30, 37. 5*6, 10 mä (14, 19 tn) ^one?«?-*) treK-, 

^87, 7 j. r. <?. öw (o. S. 90 unter 10). 56, 5 w. w. ir. i. 

(O. S. äd llDt«r I0>. 15ft, 23 /» >(<i/^. 14, 14 Hbfr dhy tcard 

ttg auf' trd Kvnn ((öl, 57, 17 Man nttäe trw. 19 fiät. 43, 7 

/M M^ dir fXät. 26*. 28 e. r. «L (o. S. 90 unter 10). 61, SS 

^. P. c. (8. ebd.). 47, 29 »t. v. ic. (ebd.)- 53, 19 Ir. r. st. (oM.). 

^|W, 16 mit wiUen Hat. 89, 15 «ju farbm hon itA mich verpßieht, 

^7 ff. (o. S. 81 Anm. 1). 14, 10 An gevfr, i. y, »*. (n. 

I Amn. i)f 30, 15 mit g. tr. (ebd.), an al» gevär. Sl, 96 m 

I or^i U*U 41, 8 wi ö-rtr<tn . . . am umkeh^n (b, X, St.). 

58, 7 f. ee ich dich Um, ich koÜ ee humma- It^dtn. 1 7 Witi, 

dai irh ndfh puffern tehmd. S4 ich wä di^ n^mmfr meiden. 

S6, 28 d«» ich mieJi Hymmtr ron im tchaid, 48, IS tta» ich 

jifvmd lith oMch mädfn tac 

IM wechselseitig: 

^^ 68. 4 ff. Iid> . . . ffertm htUiUn teil, twM da, alt mir dän 
^ tt tu verhiu. 19 f. leA lewr ^«m trtte r. «(,, oi <v d. ff. htrmdtr 
^Bm.*) 47, 13 f. tr. a., /r„ d. ff. d. (o. 3. 98), du tut>t aUao 
^Tto gdtiehm nur. 

Sonst TertUlt der betrogene Teil aoeb seiuereeite leicht 
der üntreae: 
^^ S'S, 29 betrieffm. 85. 3i fräMiaeh betrieffen. 

^H •> Vgl ia\ -tl ff. ifh betraeH . . . dtn libttea anevang. 
^^ ^ VgL Bis, 8 ^na betchtädenktit. M, 89 getirilich rtän. *9, 16 

fncdw'A. eruwll. 14. 10 in jiunarr $lätikk. f 30, IC mtl yonci. (rvw. 

■j Vgl. Uf, 47 C da toh <tm 1. wtcksd traib, t« tjoj m. Wc< ^ty 
Ür b^ib: du kvcAmI* kA htr wider wart con <ltr. 

1" 



100 



F. Arnold Uuycr u. Hvinridi Riutach 



431 



liiebe gebt zusammeu mit Leid: 

19. 19 tädan. 33, Sl. 3S, 7 Aereftm tmt. 38. I mnmw. 
6 jww. 1 9. 48 tofin retdich laiil. SO, S I *«i/. UUUtt. 3 »(wt fnir, 
26. 66 raoMnocA. 70 laid. 4S. S}7 J. ». /. ». r. (o. S. 89 imt«i 10>, 
]6a, 5 im. IK, 1» ;)ä(er fmi/. 38, 1 ;nXter «merc;. 23, IS püUr 
nefr, 61.3 im^t/tU. 14, 34 f. /air/ . . . wirtH dtm annett hemm 
Iaido- gar ze •«*.') 83, 3 «o 1. 1. '•. o. laid (g. 0. S. 85 unter 7)i 
19, 48 wirdt m. »enl. laid terkert. 23, 14 (o. S. 84 unter ö). »0. 8 
mir roard ny lih tior.fi laid »o nur. 8t, 29 f. lih nocli laid mü- maehit 
vndtruekaid. 16a, 17 f. Ich hati von dir I. v. l. Hast du da* am 
vndersc/taiiiT^) 27, 3 f . wy /^ . . . fid was iel> davon !aid* ffema«. 

54, 1 Mein hfiehnte jrrxed ffiöt gro»see taid als Stropheosatatig wie 

55. 42 S. »Otner anfatigk ieirt »o nedr" (s. noch U, Ann). *), 

Insbesondave ist das LiebesglQck daich die bOse Welk 
gefUirdet, 

19, 6 r. dy legrit nu hat ff. selten treu. 23. 29 d»f teeü «ni 
nicttf aUo. 19, 39 'S, dt/ leüt nnt rirt »o icmiddber, ay «a^l 
mir V, laztmt mehu ^ii/en. 30. 1 1 % Ituzent toerdfu nirhu zu lä>, 

die Klaffe r: 

so beseicbnet ■/.. B. 34, 7. 23, 11. 24. 8, 20. 10, Dag«: 
15 a, 34. 2&, 30 »chelk. 35, 70 weittn »ehulk. 55, 7 dvreh 
tribm »ehalk. 24, 5 ain yffftrh p6»er toh. der Haft. ISa, 37 f. 
Pfif fftteäen (im Gegeogatz zu ^4, 12 all geliert gtiet. 30,36 
ytgl. ffuet geidl, daffir auch Ö. 101 u. dtr j'rttni) /read hin rdlm, 
SB, 95 pös ijtwald. 59*. 1 ff. Phueeh, ntaner, lu^nSr, Uafer, 
du pdn. liiittrr »fhnfffT, du tc/icdkhaiter nachdral>fr° . 34, 14 dw 
pdt. maci. 34, 40. 2.'>, 84 ein pm hofgaü. Vgl. .36, 4ti f. der 
klaffer Wort sinl mir <iIk pilkr ^idUn. 59*, 1 1 dein (dos Klaffen) 
frihed j«( von dtr gallm; 23, 5. 20, 17 mangem wicht. 24, 19. 
16&, 36 den faUcJien leicKu. l.'ja, 52 f. i^W- (vgl. o. aus 69*) 
der tunken fa/sefien tujigeti! 69*, 7 /. czwigen. 25, 41 f. P/wA. 
verr hi» dan,') du faleeh. man! 34, 33 ain J. klaffer. 25. 90 



ß 



') VgL ir, 49 daa viirdt dem orm. krrr.x. ml « mir. 36* 
onfKna man. 60, 16 icA armrr' mo». 

•j VrI. 23, 82 /"röwid itafA rfy (un( ym vndnrsrAoii. 
^ Vgl. 4fi. I« «(*Wti**i*«( muQi frrr daAin. 



U mir 




Autonchaft d«r wdttjclicn lAtAnr. 



101 



jaUektr htrc£. 15a, 18 Pßter, f. kl, tag (o. S. 89,10). 66,8. 
16b. 79 (o. obd.)- 19.36 (o.«bd.l. 56.59 (o. S. 81.4. y.V). 
15a, 54 Vaig, 60 dff vniffeH, 65, IS dm gttcAeiden. LÖa, 63 
Dat «y nymait ,yiT«n mn*. 87, 19 di^ nieAt enirri kam arg 
Ä«t(derKiaffernflraIiph), Vgl. 21,26. 29,25. 30,41 (o. 8. 79.^: 
16a. 48 Er*i imrk ich Am itlffanci. 26. i9 t. <lfK ai . . . mpUkm. 
36, 36 in«rit n. r. A. (o. S. 90, 10). 2S. 18 »-m Mo&n. 34, 35 
da* er (der Kl.) Min Ubtlag vaMurtn," i, 84, 3 wer ttvax 
tefnt, da ny nicht* tm«. 12 uMr "cAiUtöeA «ucAL 59*, 80 du 
»ehilUft, 16 h, 49 ^y «!«*«»( /»f^wA. 28, 32 wild gtvert d^i 
ßvmendert. 47 f. (o. S.81,4,7,1). Ihn, äl S. Mr-nkHet> n-Arei/, 
ttae man ry paniL, Stnäch M/, acht «y . . . Man iiol zaigm auf 

d, B Wi( yn rt« für alle tor! Und so enden derm die 

Kkffer scbliesKlich (59*, 29) ('« t/bterleieik. tekatuUn. 27 w üKm«-- 
UvJi, rngt/fU. 25, 43 f. dein rtttr, kan w. finden d. (o. 8. 84, 4), 
^_ Um sicher vor ihnen icu eein, 

^y 21, 4 f. dort mil der l. fratven m. ati ger?r. 19, 21 f. 

F an »eArikat . . . peif ainandfr. 

^H ist Vorsicht geboten, vor allem Verschwiegenheit 
^^P dflOIl (15b, 73) meiwti un svrtf der hat nicht ter: liamni 
r (19, 38. 14, 40) 6i» trrtwiffen. 14, 40 rüm dirh meht st mt 
I 15a, 28 Iht räiiut dicfi poii mir :h i-il. 35, II f. mÜ ieA dU, ,, 
dun-h meäten ditmt pfrkrren. 37, 8 f. das ith dir dyim ntit 
ganes, fffftr. eaear ich dich nicht terkeren m>Ü. Vgl. 19, 31 f. 
ain tropf an inM U8W. (o. S, 81, 4, y, 1). 

Im QbHgen nur nicht zu sehr bebllmmert Ober 
die bo«faa(l«n Ndcbstellungen I 

24, 19 f. fo /rffr ich tiUeh de» j. mehU, daz er d«n frutnen 
i$t aU rueliU (23, 13 ff. der Jrum . . . hat jfedtnff). Tgl. 24, 10 f. 
MoeA ffrfizzer jrtud hat , , . d. ftHm, der waiz, daz er itt rfltn 
(vgl. weiter o. ans demselben Lied) ; 25, Str. 3 gehört auch in 
diesen ZosammenhaDg (97 mit frumer diel) -, ebd. 1 ff. Mein 
Sgrer, jnifro, tu nicht alto ditreh ymands dro. 34, 12 n. petelUn 
ffuet dy »preehent: tract. 65,44 pi» /r. v. p.. to ein »ekalkch traieer, 
PreUJch bringen es djete bisweilen sogar lor Trennung 
des Lieboapaares, Terursacheo das biklistc Leid dea ächeid^uv. 




iQii 



F. Arnold Hay«r u. Heioricli RieUch 



433 



53, 34. 87. 90 meidm. Sit f. nifM . . . pey dir ^«mm. 
44, 89 nw-A eUmdm. 43. 1 3 ^nul. 56, 28 ich m. nym$H. K>n 
m »cAaid. 47, 10 f. nicht petc/unden »«n, ob neA . , . ncAoct 
(«. 0. S. 84 'Oiymor.'). 26 «daid ditA. 

Dum entsteht Sehnsucht: 

38, 4 am mW/, heres. 18, 6 ff. unnn A. v. tn. ^. (o. S- 90, 10) 
. . , tüA tent. 83 ley u<uf mnit A. in «nun dnl. 58. 81 stno 
Aal rnecA uiNir brueJU.'") 19, S Mi>/. tmgtv^l. 48 m»/. ittrf. 
60, 39 «M Hn«n, da« mciR A. (iitrrA ;>i>r(.*) 38. I P^/oMf^ai üt 
am pitUr gmerez. 30> 6 deu m« lifJangt in A. j^nnil. 37, 19 1 
iidAil r, tag *o tuet f/nlangm mic/i c^i d. 38, 12 f. vor ic^ pty 
<lir, ^enck ifJi »end!. n. r. (. 20, 2 »ni/, trur. 31 «W. lädi». 
50, 9 C '. V- n. '0 Mt "t^rt tr^ ceu dir do hin. ' 17*, Sl IStA 
latieni m. ^lani mt-ht ain. II*. 19 Dirk !nt nicht am nwöu A. gir. 

Fern rou eiuander gibt es für die Liebutdei) k 
Freude: 

5B, S2 t/, I. jtum fmo<{ nn dlrJi riuin him. 29, 15 an tUei 
vätk fdck: erfr^wen kan, 84, 16 aii tfjf hnnpl mir kaüi liebe est 
^uet, 28*, 16 f. nyeniattd mag mäna h, quäl an tet/ all. fftmacken 
rmal, 44, 93 f. mech ich 'dien liut lun- mir, ytdoeh ist rneitt h. all, 
fey tr. '17*, 23 ff. vnd wa irh nift. pey /reüden pi$i, fo i»t jwy 
dir h,, m, V. ».; rntd mßcht ieh *db alf teot dahyn, man /und mjcA 
t^fmtr n. J>t*f yn, petf dtn ic/i imder dank beleih t: darrh gtt. stMntff 
mit ^ treib. 38, 2 f. frfmd«r »thertz in friteden nir/it rni A«rczM 
gel. 18, 18 f. imir ieh nih /reäden rberal, dy ist ineitix h. päUr 
gfuU, Tgl. 26 f. >N«»t A. nymandt me begert denn dein tu trait 
betunderwar. 1 9, 50 f. mel» h . nicht nM bsgerl zu Irwt trenn difA. 

AUr selbst jetEt sind sie sich wenigstens geistig Dafae, 

58. M ff. mein gem. . . . ganct pey dir *) geaeten tat, viit 
wA ptg dir nicht mag gteeiti. 87, 1 ff. Wye fremd ich dir jn», 




') Vgl. 80, 17 Ieh tcai«*, wie ieh dich inne fring. 

*) V^L M. 37 dein lieb»ter .... plick mein h. durch fort. 

•) Vgl. 41.91 mein h. all pey ir. 29, 18 f. Vnd äoU mein h. ein 
loesen han mich iitsl. Ha» tat ich jam pey dir. 87. 23 f. da» icA nirhl 
mag pt^ dir jW«in. 68. 8 pey nyemaHd dann pey ir aüain. &7, 17 f. 
dtän et. tr. . . . behalt ich dir v. nyenuind mer. 



Ä 



434 



AKt«r*ohA(t der «eltti«h«i Lieder. 



los 



ftr*. /. fr. e:„ <I<nri teif», e» warft »mto A, ilir am, r. iM atiek 

aücs., t«f du pifi, ffane: m, gedank, vgl. 37. 15 f, mm twn- «•. 

icA dodt von Jir pm, »o twhtffet micA dein lurpl. tehem; 37, 34 ff. 

m«M k. . . . aU m, gedftJi . . . p«y (Kr hol wirf «mcA trotilottm 

ontMr') tat, 

und die Hoffnung des WidersehoDS trOstet ntwh, 
89, 28 f. tnw frftcden mir da» l/ritt^n mag, wann üA diei 

pa^l »bti »ek«M an. 58, I f. Eiu esärii., ligpf, an^mfAt »ekmekt 

mir mein l. tr, ff. 23 mid /rfwt, dar mir d. anpUk Ȋhtt 

(O. S. 84, 5). 

es kommt Prend nach Leid 

99, 6 f. ri. Aar m., daz JT. nach i. lii nuA HVtrt (o. S. 84. 6). 
14. 31 f. A'oeA reffen ^ rtieint dy ntnn. NaeA iaid kämbt fr. v. M>. 

dordi die beseligende Gegenwart der Geliebten. 
Diese verwirrt mitunter auch den Liebenden, raubt Uuo, 
obwohl ihm Reden in diesem Falte mehr nfitxte als 
Schweigen (4S, Str. 1. 2. doch vgl. 3ö*, 53 f.), die Sprache: 

26*. 45 ff. der Hbt. /iort nur w. f. w. to ifor tntort'), das 
micA er*tiintbt yr libiicldi. 38*, 45 f. tneiii A. ema/iriict, venn ay 
auf piHt,*) 86*. ii ^ la mir aü m. »yttn «rrMmt.'). 

Ueist nur zur Verherrltchung des geliebten Wesens (o. 
S. 94) wird auch die Naturwett (Tiere, Pflanzen, Gestiroe) 
herange«i(;ofl, weniger oU StatTage denn su atUistiscben Zwecken; 

36', 14 d. e. I. tp. (o. S. 80. 3). 83.2 ainfaUken waidettteiehm*) 
(o. S- bl. 4, ■/, 1). 6 e» U!är <iU mild nyt tcorden. 9 mgertSm. 
lö <f€dtr«pä. 49, 13 left Ivb ley fCtr des »6f*fen magen (s. U. 
8. IM) blSet. 14 für dy HeefUfi» roMii eiorl (o. S. 81, 4, y, 1). 
2 ('n KtchUm refinn. 3 ir titclitet prthnt. 48, 13 wwV lU^hlem prfJitn 
(des bildlich gi-ibrauchleo Stemee). 1 1 f. uari ge Hern , . , . 
MidvMr. 3 am fflanet. »tertn. 23 (. (i^rffUtUn mit mm. fiancz. 

') Vgl. o. S. m.3. 90. 10 aas No. 'll*. II*. 

•) VkI. Bü. S3 ikt» ieJt lir» rtgtn, mm» k« loott. 



M (ffe* itr fmm amfiidK». 



*) T(1. 83. 9 f. da» trMwt tSldtn Aert. 
•) V)[l. W. IS f. ihi»d.f0».4rtdiriekd. 
^ Vgl 88, 17 £>w IT. v. (MMteest mhA. 

*> Tml. SS. S3. »4. 3 «äXrm- MÜT M, ft lH«l(fi (tMjW>t<MM( (dM 

Bll«l«in>. S6 w. fiftinM M( M kvimImJ. 




B6, 91 Et (das piAtmUin nergii metH nieht, 81) ist to mymntf. 
ifltMei!. 8S, ] 1 dif provmen (bo L> plüfmUm (das Kräiuileiii Wohl- 
gemut) n'ni so fflanr.:. 48, 5 getaut m Mein ort (der Sbera). 
56, I Ein blüeifd, m f"ih» arl grt. 81.1 IMr kerlut (fi. den ^. 
Absatz) tiUt •riUtneit traabfn, 1 1*. 3 1 dy herezen I. pim. 28*, 8 tmt 
ynu mm grünrr htäd, 44, 36 alt yo/d ffef'ar (Haare). 5 1 hdftn- 
petüt (Zaiine). 38*. 32 (o. S. 80 uoMt 3). 86, 96 «///r £ä«/. pnn. 

Vorwiegend in Ueziehimg zu den geiuuiuten MotivM 
prackeinen auch Zeit- and Kauiubeatimmungeii 

27, 14 to kuri-ze zeit, 16 ä'/ lang. /rixt. 32 dtr liuiff. tonlL 
18, 14 f. Uenl vatitaeht, maif v, nnd. zeit «iM /äptm, daz . . . 
21, S8 0, mzzer Mat/! >) /dg (vgl. 0. S. 9S, ^ und S. 84 unter 4). 
26*. 56 ra(f ''. nacht (o. S. 78, a, 2. a). 24, 10 /ru v. tpal 
(vgl. ebd.)' 37, 4 nUcseil nnd die Übrigen Beispiele S. 79 Anm. 1. 

und Negationen: 

60, lÜ nye k, man (ge»ach dein gtl.) (o. S, 96). 16 tuiem. 
mag voü, dich (ebd.). 18 kain mf.nvch nye lifhrr. 65, 53 i^ 
man (fronte sich so wie ich, wenn . . .). 

Ana den Kircbenliedern zu Äbscbnitt A und Bi 
Der ätil der frühesten deutschen Kircbenliederdicbter 
(we«ntlicb ÜberBetzer) trfigt einen nneelbatfindigen*) Charakter 
(Hflller, Lonfenberg 137 0'.); ich durfte also eine eingehende 
Untersuchung für meinen oÄchsten Zweck sparen.') Hin paar 
Einzelheiten habe ich angemerkt 

W. K." 11 No. 550, ö auf gnaden ronl. vgl. n. 84, 27 
eorgm raul (o. S. 81, 4, a) ; 551, 8 der herpjtn Mank md aUer 

') Vgl. 49. tS (o. 8. 103). 

*) Per Eiiidruck. den die einzelnen ÜborBeteiingen mai^hen. i« 
Grunde durch die Oriffinnle Vjosliniitit. So klinsl x. Ü. W. K.' 11 No. B78 
1^1 flüiiis, weil diu Vortkge eine rinfacho, un;[<^küniitclte Dichtung iM, 
dagegen int Nu. 690, da« die Utviaiiieh«n [nncnruimc wicdorüUKQben 
Buobt, obn« Ueibilfo de« OrigioBl« kaam veratündlich. 

*) Eine iuiBiiinienhiinK''nde Bctrochtung de« Stile« dte««r Dichtungen 
hätte zanüelul dir Cir^iuen fe^tmutellcn. innerhalb deren »ich aat dein 
fiiaflnue d«r latciii. OriifiiiBlr' einer-, der diuliMrinohen Individualitäten 
Mtdeiwntt« (doch käme nach da* gcintllche Volkslii-d in fietrucht, u, S. Ul) 
die ftiliftiache Tntdition entwickelt«, and wi« dieie nun welterwirkte- 



3" 

ter] 

ter 1 




436 



AHKMTMlnft dir wehlidien Iilecter. 



1U5 



fOzs '} getatik, a, 8S. 42 f. Der pff^'n r. r/<r »aittH ktangk . . . 
V, ffOKxiigk; 5S1, 4 <m jaitihe zuitff eng nag. — lÖa, 63. SQ*. 7 
/. zimffm (o. S. 100); 561,4 hi^ daz fhain mtntch reraag. — 
88, 19 Aii; «-. M., f/a ror UAüet (o. S. «l. 3. o). 43. 27 hilf, 
da* när awJi nirM fUhrrt tcvrä; Ö6I.4 d«r nmden tot. — 34,4 
m ». katk (Ton den Klaffen), o. S. 81 unter -l.a); 552, I f/y 
morgen röt xaii. klingt wie «io^ Togüedstrophe , Tgl. besonJAra 
V. 14 dat tcAaitifn lUr ^fMliü-ht, 84 da* er mich von t/m tehn/d 
Dud 0. S. 101 f. CScbeiiien') ; 653, I D«r AiWV akk veitleOtt 
hol von graben eidaid xtt wOBter teuf. — 1 8*, 6 IT. tey l. ffra i» 
gar j. pla ül zwüeh. dem ^Mtirri; 558, 5 (djfri'M nurm, cbeo- 
N U. 12*, 60. täglich mrrt I«, 49. alleuü gemert 60, 42; 
M5, 8 dei- tot daz Üben »tÜt. — 46, 19 f. jtA»/«i . . . M. j'rfted 
(*. S. 81 anter 4, ß) : 555. 3 hwftig .-;«>, — 27. 3 üi i. zeit; 555. 5 </«/■ 
«rt» rytiH »trätet, — 26*, 34 //r /, in. n. i'i. f^n» erttrrul (o. S. 103); 
565. 5 gewonieieA güet, — 18, 1 1 f. nw/ dar eren p/at getPötUicti 
kotiten: 657. 2 Maria machet Got ao ezain. — 48, 10 im er, 
aUam; 567, 3 gwt j'uer Iraurre«, — 35. 5 F. Jver trateret». geu>on- 
hait , . . gu*l; 657. 3 toer ncit aber teibt hall m huet. — 
35, 8 man A. », ir cm lieb i. A..* 667, 4 Watm twl das lebeu 
tAe^neit. — .55. 10 f. gelBek ...ahm. (o. S. 78, a. 1) ; 557, 6 kaint 
meHteiiert her'-: briii/nni, — 27, 8 'la: ich . , , be»in>i, auch 54, 39; 
580, 4 dein khurier nam Qot maehet ezam, der aäer %etril teaa 
will. — 48, 9 f. rf. er m. m. le. (o. 8. 8ö unter 6) i^d pin usv. 
(wie zu 557, 2); 580, 10 Kf.n*rJiUir-hem UA gab rerkt gtlidmatt 
dg moddt^äb. — 26*. 19 f. da» mojiz on gr gewürket hat, daz 
gr aliz ding rteht teal an »tat, Tgl. 13 f. daz alU zaichen gr Jlgur 
gepiiäet hont mit ganezem ßeizz. Daxn 35, 1 tS. Ptande» e, die 
«tement haben all. ir. jtri/z gewent an die . . , 60, 6 dg »o 
reeht »ehön leg g^ormiert ; 580» 12 »g kan tertn rtm »undett ken^. 
~ Tgl. 36, 6 r. (o. S. 86.9); 580, 15 me leicht dein pannung 
t'n entwich, m teär der li^'et/roi mein kittd, tue nieiil aUto. — 
66. 46 f. vege lacht d. Heb ein fr. me ßiegt, ««tu /. heret d*» 
meht beilegt <90 L> 26, l f. M. Herez . . . tu meht aUo (o. 

') W. druckt hi^^r abfi. eiiUpr»eh«n<l nu^ bei aniloreii (/luUutrn, 
idi Milircibe wi« oben und entiprecbeiKl in don niwlogm VUI«n. 




106 P- Arnold lUyrr m. Remrteli RirlMh 437 

S. 84, 4): 580. 16 »i.v rn- nfl ttertlJwi iäft rrtM-nät. — »7. M 
du hati mir nU w«rU eraert; 680, 19 Toren WtAm torliait an. 
— 0. 8. 86, 7 ; 580, 20 Vfid hUt hhm jrrtait alt »&nd. — 82. II 
A, fiin m, d//. nt. «ynn (o. S. 93 Änm. 3); 681, 7 '/(U 'fu wnuiiiil 
atUt iraterm ist wieder ganz Stil der Liebeedichtutig. o. zn 662, 1. 
657, 3; 681, 11 t^emtmd* dro. — 86, 3 ymand* dro; 688.4 
kiaaeh in ifiiteh dtiz hru«cA <jej}ar. Tgl. o. S. 86, 7 ; 58A (tob 
H«niuun9 •. o. S. :M nutor H». 37), 1 1 din Muchgr lip got Twtdtti 
xam, vgl 0. KU 680, 4: 686, 12 errhot dz teir nüt vnrdent 
^eet. — 88, 19 (o. m 551, 4): 690. 3 kämeAer käueeU kAudt 
gtpvrd, WO die stitistischo Figur ohne laMinischoo Vorgug 8t«lil 
(O. zu 688); 691, 7 die/i )i'm rnnji<r klainÜstiit gänczlmh nifkt 
voäoben. — 60, 16 «yew>. moff ruUobfn die/i; 593, 6 Got, du 
veräer nam. — 66, 60 f. dn edl. vreipL nam : 608, 6 vnä hitt 
ÜA kvmdert tammt ezmiffe» ittd rtiit . . . (o)iDe EiDttpnollQlV 
im Onginal; nach W. ist das Gedickt nicht vom Mönch. B. in» 
deeMO 0. 8. 40 Anni. 8). — 37, 10 »olt icli a. e. •«« A. jar, 
duu 0. zu 680, 80 und S. 93 (bflsonders 28*, 60); 608 (Tgi «. 
S. 24 Doter S6), 7 Hilf tun-, da: ich mit dir uroine . . . W rfi 
vmit >cfi Üb '111^ erd . . . gesell mieh dir an abelan. — Tgl. zb 
661. 4. 47,32 die v>. i. t. a. e. (o. H. 78, a. 1, u. S. 118). \». 7 
«1 abeff. (o. S. 79, y); 616, II (s. 0. S. 40 Anin. 2) Darumk 
so muMi du (oamlich Jadfts) fer/den hrUixche pfin, Lmiftr geuSt 
nuKAf du fftnumr tein. — 69*. 9 Juda» ist d. (des Klaffen) aUl- 
gtteÜ, 18 <i. hawpt dai naigt sieh nu tltr lull. 




t 



C. Metnun. 

Auftakt: 

Zweisylbig ». B. 29, 18 da: ith häh (do«b a. die kritiBch« 
ABinerkung 2. diwer Stelle, ebenso bei den folgenden). 35, 8 
Kabtn äUfK. 36", 23 aölich lieb. 37. 4 </«» ffeUteb. 39, 4 riuler 
dätn. 63, 13 temn vntr^w; mir eüimal (12*, 36 dg dem Armtt*. 
B. aber die L«earteD und lüe Anmerkung i. St.) im Bereich« 
im sorgßiltigon Schreiben u (oben S. 8 f.). wo doppelter, dnrefa 
Apokope. ^vukope usw. leiclit ku tilgender Äofbikt, ebenso 
geartete mehrfache Senkung snnst oirgendg beobachtet werden. 



43H 



AnUirwhkfl der ««Hlidirn liirilnr. 



107 



indem die Apokopen, Srnkopea asw. ^phiscb auDgeftlhrt sintl. 
Dunit Btinunt dann aach die Mnuk. Die tllmraaa nachlässige 
Huiil fl fortiert Dicht uor solche Apokopt«rung«u ugw. »hr oft vom 
Leeer, si« scheint auch nach dem so gMchriebeaen Worttext in 
den Noten das rrHprTiogUche geändert xn haben. 

Hier qii>j im folgenden ÜDd wi«der die KirchABlieder 
zum Vergleich bonuutuziefaeD. Dsb«i beschräolcd ich mich ab- 
sichtlich auf die. welche in mehr als einer Hs. unter Liedern 
des MOocbs Uermano überliefert sind. ZanflcJigt: dem doppelten 
Auftakt gegenOher zeigt neb ein Slmlicbes VorhAltni» vie io 
den weltlichen Liedern anserer Ua.. insbesondere stAht wioder 
die Band a in der gleichen Weise gegen die übrigen. Leider 
nur tragen für die KircbeoIieiJer die Note]) kaum etwas Ii^rheb- 
lichea znr Beurteilung des Worttext«8 bei. 

Die Beispiele, die Wackernell, Uentf. S. OCX, für doppelten 
Aul^akt in den Kirt^tienUedeni beibringt, geboren z. T. nicht 
Hermann ao. * 

FOr deü Gebrauch der Zeitgenostui, firOhwer ond späterer 
rHchter e. Wackereell S. CCV ff. Vgl ^ei»U ascfa Laofeubo^, 
bei Wackefoell a. a. 0., Mllller, Loufenberg M. 

Oebrancbliche Mittel zDr Herstellong von Kinsylbigkeit 
der Hebung und Senkung: 

1. Apokope. 

wOttteii (Imp.J 11*, 3. vtU 13, 87 (im Keim), vertnih 
(Cwy.) 16, 5.'». «/"(■Aä'A ,- (w iffh : srprffti : tu tprfeh (Onj.) *]7*, 
13 ff. V*/^* (Imp.) 18, 24. Wo? (Ind.) 19, \. mtfcAt (Conj.) 
SSr, 19. merk ((\»ij.) 24. 4. kehaU (Coi^.) .- hofg^Jl : mitnaS 
{CoD}.) 2Ä, 83 ff. fffd^fik ((nip.) 29, 4. 33, 2. %«i (Ind.) 37, 8. 
vml (lud.) (:r:aH) 41, 3. <lanffk (Ind.) 46, 4 f. wfrti (Conj.) 
«, 7. »tift (Imp.) (: tJ-Ari/t) 64, 84. ßm (Ind.) 59. 9. rerhrr 
(inii.) 57, 20. möeht 83, 14. y.r<f«4( 84, 25. tyim : f>egm« : 
^flrt"(tBfi. und ronj.)85, I7ff. jpm? 86. a4. A»/ (Ind.) 87. 17. 
k^r (lud.) 88,6. laifh (Imp.j Anh. 1", 51. wrni (Conj.) ebd. 
68. — #fr(i/(Acc.) f>»Aj^ 18.3. errf(Dat) 14,14. «wy (Acc.) 
15,73. j»*-.-A<w«-(Aoc.) 21. Sr. Aui/ (I)at.) 23, 27. j^rpfl-./ 
(Nom.): ffnerd (Aoc.): betxea-d (Ac«.) 26', 37 ff. A«ri ^7, 6. 



106 



V, ikTMld Hmj^t u. Heinrich RicUeb 



43» 



42. 7. 44. 8. 51, 21. 53, 10 (Nom. und Acc). lefd (Nool) 
26*. 27. »mJi COec.) (: un^mach) 30,33. flikeh (Dat) 32. 1». 
ir (Ni>mOr>A«r) 34,23. h- (Acc.): ibn- (so ]., aU Inip.) 43, ).3. 
j'rfHid (Aw.) 36-. 13. S8. 14. stHing (Nom.) 45, 7. ^« (Ott.) 
48. 24. «1* (Voc.) 49. 22. ^ütl (Nom.): wütt (Ind.): ^ 
(Dat.): W( (Ind.): ^nörf (Nom.) 50, t ff. xciäb (Dst)55,31. 
gatU (Nom.): tmtf 58, 2. 4. j^-jHSr./ (Dat.) 60, 1 1. csvm^ (Nom,) 
81. 16. kUüd (Dat.) (: /<«>/; Anh. t*. 3. wtnt (Acc pL> eM. 60. 
genn» (Acc.) Anh. 2*. 5. ezbe^pat 9«'. 83. — tämd (Adj.) 39. I. 
tftl fr vtrkent) 47, 5. — /m (Adt., im Keim) 12*, 1. lang 20. 7. 
refJu 59*. 14. /tWnf Anh. 2». 3. iimkjräwUkh 99», 10. /w««». 
i/trUkh (90 I.I) ebd. 61. inifiinikleiirfi ebd. 81. — S. noch dis 
kritischen Anmßricangdu zu 84, 16. 85. 6. 

Aus den Kirchenliedern, z, B. W. K.' No. 682: 1, 2 fzung 
(Nora.). 4 f/'r&n (Dat.). 4, 2 »pKrt (Ind. prt.) (: gepurd). 6, 7 
•waM (tmp.). 8, 6 erlo*t(iai. prt.) (/(wjO- 10, 1 »cAffn (Dst). 

Aach andere Dichter der Zeit gostetton ai<.-h di« Apokopa 
in sehr «asgedehntcm Ubszb. z. B. Suchenwirt (Kobersteii, 
Cbor die Sprache des Österreich. Dichters Peter .Sachenwirt I 
58 f., H 6 f. nud sonst, III 2 f. 19 ff.) oder Mentfort (Wackor- 
netl S, CXLK}. Vgl. Möller, Loufenbers 97 fdr Laufenberg. 

2. tllision. 

«niwr'-A(Iud.)ll« 20. «aj?(Coiy.) 14,3. mScU 15,24. 60,34. 
Uu (Ind.) 20, 16. hoff (Ind.) 23, 35. werd (Conj.) 25, 4«. 
vaeM 26*, 6. tat 28*. 15. 35. 13. lUbt (Coqj.) 29, 20. vtl^ 
(Conj.) 30, 24. wünneht (Coiy.) 32, 6. »(JioU 36*, 35. ttcx 
(lad.) 37. 5. war 38, 20. mird 39, 23. kiH 41. 17. 45, 3. 
46, 13. 83, 5. pfieg (CoDJ.) 42, 5. imrck (Imp.) 55, 9. »pridi 
(Ind.| 57, 16. iicz (Ind.) 81, 27. havr (Conj.) 84. 11. säch 
85, 30. <niu»i 86, 16. wift (Imp.) 87, 2. hör (Ind.) 88. 8. 
weil (Acc.) Anh. 1*. IS. ichmkfh (Imp.) Anh. 1*, 16. triakA 
(Coiy.) ebd. 43. inni (Dat.) ebd. 46. — S. noch die kriti*cheo 
Anmerk. «n 38, 23. 39. 24. 41, 14. 59*. 26. 86, S. 15. 48. 

V|jl. W. E.» II No. 547. 2 encetul (Imp.). 550, 1 i.rA*R* 
(Ind.). 7 tnoM (Imp.). 679, 1 lobscmgk (Dat.). 584, 4 genad (Nom.). 



1| 



440 



Anloncbafl Atr welttiflhtn iMdqr. 



109 



6 a^hoen .... aUett (Gen.). 18 «Asnn (Imp.) .... ffOtttich (Adr.). 
688, : tod (DatJ. 

Suchonwiit liest statt der EUsioa Uebtr den Hiatu» 
(b. a. S. 113} gelten (Kolierstoin «. a. 0. II 6). Ober Luufenber^ 
MfiUer 97. 

3. Synkope (die folg«Dden BoUpiele bieten anter audereu 
atioh schon frKher gebiiacliliche Fälle, ferner solche, die man 
sonst wohl auch als 'Veracbleining' anffassen kannte). 

bftrac/it (!nd. pra.) 11*. 3. mafJu 13, 8. u^Ü ebd. 14. 
freut 14, 16. tfkemt cbd- 31. bmUtiU 15, 2. gdingt : niMit ebd. 
82 f. tveigt 23, 14. Ichoit : «i'iott 2h, 65 f. lübttdu 39. 16, 
haUi 56, 31. tP«( (2. sing. Cory. prt.; vgl. Mhd. Gr. § 404. 368) 
60, 1. Card (Ind.) 87, 14. grift (Coiy. prt.) Anh. 1*. 88. (S. noch 
die kriüschon -Unierkiingen üu 29. IS. 33, 19. 34. 16. 44. 89. 
47, 22. 57, 8. 68, 19. 23. 84, 8. Sh, 49.) — ii*em (Inf., im Keim) 
12* 60, ff^ij^H _I8, 38. m Anh. 1', 26. (S. Bocb die kritischen 
Anmert zu 29. 1. 3. 39, 17. 18. 41. 7. 16. 49, 22. 24. 
60, 9.) — mei»» II*. 19. 39, 34. mkA^ 15, 2. ymaiuU 25. 3. 
hof» 30, 3. kaiiu 41, 18. a*«Ui tö, 2. »pringtn» 54, 16. Uidene 
ebd. 26. i/orui'»* 99*. 73. Anh. 1*. 40. 55. (S. noob die 
kritisclieii Anui. zu 30, 2. SS, 5. 45, 27. 64, 35. 86, 36.) — 
aifftm 12* 12. iffrt-- 22,3 (im Reim). <wet; 85,34. liebfr» 
43, 27. HAa 57. 4. tdigt 86, 43. {&. noch tu 39, 38.) 

— mäntt V^, 4. tdtm 36*. 14. Vradn 99\ 68. kmdeln Aull. 
I* 13. (S. noch zu 29. 6. 86". 24. 41, 22, 23. 45. 24. 
49, 9. 67, 7. 83. 29. 86. 41. 88, 25.) — »eUh 14. 24. (S, 
noch zu 30, 23. 32, 9. 36*, 23. 50, 32. 55. 27. 52. 81. II. 
43- 84, 15.) — Zu h'isäg 99", 2. — man^fem 12*. 21. mihttM, 
•17", 22. 19.45. 21, 17. ko/nuHQ 41. 19. gtatiUfJtajt 46. 22. 
ahriUetx (: gttOlm) 99*. 26 (und 7.. St.). ßertlomt (ao 1.) ebd. 65. 

— Abr 14, 35. 26, 7. kUIt 14, 37. (S. noch zu 39, 4. 13. 44. 7. 
46, 5.) - gdenh 22, 3. gttUm 26. 79. m Anh. l*, I. (S. 
Doch za 29, S. 30, S. 32, 7. 83, 83. 37, 4. 39. 8. 9. 28. 
41, 3. 6. 10. 42, 1, 5. 8. 43, 18. 47. 6. 10. 49, 1. 8. 61. 6. 7. 
67. 7. 24. 60. 3. 11. 84, 4. 86, 18. 23. 33. 40. 87. 7.) — 
& aoeh £U 89, 6. 37, 39. 39, 30. 41. 18. 45, 82. 46, 7. 



uo 



P. Anuld Xkyer a. Heioricli Rietoob 



441 



51, W. &9* SO. 81. 28. 63, 80. 8ö, 44. 86, S6. 87, & 

Mittmter mÜBBen recht harte Fälle angpaommen «erden. 

Vgi. W. K.» [I No. 659, 7 Cxai^t. 578, 3 mit. 579. 1 
vt^obutu. 563, 13 wttrM. 586, 2 »mtI. 588, i klagU — 
606, 7 aMtrhom : reriom usw. — 581, 5 künigt (hängt*}. — 547, (. 
SSO, 4. 678, 2 dfüu. 576. & <rm. — 647, "i mig^ 683. II 
gtdrfiu. — 584, 7 fi^rru. — 547, Ti heägtn. 560, 4 AiuJ^. 

Sucheuwirt ist strenger (KoberstetD a. a. 0. I 56, 11 i. 
7 f. und iKNtst. lU 3 ff. 19 ff.). Far Montfort Wackernell S. 
CXCL Ober Uafenberg MOUer 98 f. 

4. Enklüe. 

ietu (— ich es) 85. 62. 51, 16. 83, 6. 8. (^ ich sie) 
46, 16. mtuu (— man sie) ebd. SO. teez r. teolu 46, 14 (, 
mir» (■= m. es) 83, 23. ira 85, 57. — S. noch die kritiscbeD 
Anmerlt. ku 34, 17. 39, 5. 41, 21. 47, 32. 55, 31. 60, 17. 
86. 30. 32. 

Vgl, W. K.* U No. 552. 2 pins. 575. 2 miehg (= m. mit 
d«m Graetiv m), Eoberstetn a. s. t). 11 65. 66 und MftlUr, 
Loufenberg 97. 

5. VcncliIciTiuig (F&lle, die sicli Lacbmannscher B«gal 
fügen würden : aber aar ausserhalb des <iebietea der Haod a, 
u hat nichts dergleichen, oben S. 106 f.). 

Auf der Hebung: 30, 5 futl^n. 34, 32 u. 6. tOHeim 
(= ■^öUtiiMi). 37. 1 raren. 45, 2 rtdm. 47, 19 gnegm. 
69*, 26 Wen; im Ileim 49, 1. 3 geteitm : preiun, 61, 8. 10 
fftpvrm : verloren, ebd. 11. 13 veraagen : ^agen. la dar 
Senkang: 86, 85 vilUn erging. S. die kritisohoD AnniorkaiigWI 
tn diesen ätclleu und noch m 33, 8. 34. 3, 35. 50. 64. 
55. 86'. 34. 37, 26. Ü6. 3S, 5. 39. 7. 9. 41, 27. 44, TS; 
45, 1. 5. 50, 8. .-.'3. 14. 5G, 14. 59*, 15. 81, 7. 85, !. 88,4. 

Ans den KircheDÜedem nur Beispiele aus der Zeile. 1b 
der Hebung: hahtnt. 548, 2. 616, 3, l. 4. 8, 7. hegvreti 568, 4 
rttim 560, 14. lohen 56SJ, 1. setein 563,4. litbl-iben ebd. Uhenlig 
678, 1. komen ebd. 3. vber 575, I. 583, II. QoU» 575, I. 591, 9. 
MIX« .... M>m 579, 9. tvgmt 683, 3. 8. tttgenden ebd. 1& 
<lvren 684, 3. prehendem 9bd. 5. vnuertnilen ebd. 6. regenpögi* 



I 



I 



44ä 



Aatomlkaft da weltlicbcu Licdur- 



111 



690. 10. mA«« 595. 6. tiuifnJe 606, «. In der Senkiui([: 562, 
l «Mde tirr. ebd. 7 u//<f g^eieA, 573, 1 tterUle QeUQfiifiait. 

Cber Ltufenborg Müller S. 97 f. Zn dem Qainftn Wacker- 
nell S. CXCII ff. CCXIX ff. 

Ü. Betonung. 

H«rTortuhcbeu ttberbaupt siod Fälle (aas dem Anfang 
und Inneni des Verses) wie ^lend II*, 8. htitdUth 16, 46. 
iSrÜieker 18, 5. wermit 23, 50. teeibiicAer 2fi, 51. Ao/jjti// 
ebd. 84. zHßiirJa 26*, 31. trottliit<tt 27, 39. (rno^;« 30. 19. 
fMrttmi»9er S4, 19. ^wkM^ 53, II. faeiffitiUeüA 54, 8. 
laätg 58, 5. lUpUeh ßbd. 13. pläemltin ebd. 31. gij'orttdwt 
60, 6. ffißarieri-l 99', 10. rn/^tn ebil. lä. 6<j&nW ebd. 20. 
Jhr«n^ ebd. 27. Si^mmd ebd. 29. raw/^ ebd. 41. OneälH 
eM. 51. i&% ebd. 71. Zärtliche ebd. 78. n.«*.^ Anb. 1*, 7 
(1^ V. 33. 61> tim«, ebd. 96. — (eh entndg 15, 10. tv» 
(to- ebd. 17. <i(>« hat «ieh ebd. 78. d/« «r fd ebd. 90. mein 
herex 19, 5. daz *)tn laid SS, 14. dy Htb 50, 42. d«n hvrniing 
99', 14. d^ wU Anh. 1*, 12. rfy ^a^hrift ebd. 26 n. dgL 
FiUe «fler. 

Dazu W. K.* II 546, 1 y^ai (: ee). 550, 2 hontünff. 
&5I, 1 ytfUehti. 653. 5 pfirmAcroi^«. 556, 1 on/i^. 567, 6 tiMrA> 
/«jeA< .... ;piHiif. 559, 3 on^T. ebd. 7 ond^-. ebd. 9 Sand4n. «bd. 
tl v<Wm&. 560, 2 haytdndt*. ebd. 5 o;yVr. ebd. 12 ezOhir. 
563. I Chritti-. ebd. 2 heyligtr. 676. 3 ^f«fni/2 .... ofrAhar. 
678. 1 .^rwW/. 583, 3 Awl^ri«. 590. 1 /rWA. 691, 7 *^»/««.^i. 

Cber Unfenbei^ MiLUer 100; fQr Mo&tfort oud sadere 
Wackernell S. CCXSXVni ff. 

Fflr den im allgemeinen beabsiobtigtoB AVeofasel Ton 
Hebung und Senkung spricht auch die Anwendniig der Distractio 
(WortTerlftngerung). Vgl. tu den %. Stetlen wieder die Musik. 

13,6. 7 diren : ttiren, ebd. 13. 16 :orfn .- horfn. 28*. 22 
iit ttitrm ra lasen, vgl. aacb unter: 'Feblen der Senkungen', 
(Baten S. 112 f.) und 14, 41. 16, 21. *I7», 29. 28, 81. 38. 24. 53, 
5 «?(T«rt. 35. 13 rn^tTfl»; 36, 40. 42. 6. 50, 28 1. geren. 68, 
!7. 19 1. vn^en .... fftiren; 48, 3 ateht tirren (im Reim) 
nnd so 1. 48, II. 21. 




F. Aniold lUy«r u. Heiniidi Ri«iiL-h 



Vgl. W.K.' n No. 548. I :oreu:ore«. 553, 3. 666, «. 
58l> 9. 684, 13 ««ren (teilweine darch den Keim gesichert). 
565. 2 trhi!rttiuir.hUt. 567. I (meren :) i/eren. 577, 6 gertH 
{:terfn), hier auch noch weit«rgflh»nde Pille: 579, 1 mcu^« 
(.= malit, 2. Person des PraeteritopFfiseDB) {^: betTochu, Imp.). 
Dil? ErBcheinnng der Distractio beobachtet man namentlich Im 
noch HpStoreii Dichtern 8<^hr h&uög; fQr Laafenbei^ Mfillec 100. 

Mehrfache Sttukuug findet aicb wieder nur sasier- 
balb des Gebietes der Hand o und ist meiiit leicht xu beseitigen: 
Tgl-obeuS. li)6f. und die kritischen Anmerkungeo ünden cönulin 
MUen. öo wi XS', 19 grum,-m vor. aif, Ü gib 'Ur getwii. 
30, 33 wM *ölkh. 55, 62 fnurmeid wlirfi. 32, 5 ndehte* gedäeia. 
ii, b 'ti<iei> ffetjiba,. 34,8. 35,64. 6'.)*. 15 tmmihlfifh. 36*, S4 
fyimtH vee»lii»*im. 38, 6. 53, H. 5*6. 14 sUfirh<^. 39, 7. 45. t. 
81, 7. 85, 1 frviriigni (- r). 41, Ü3 yVo«-«! Iierdän. 44, 7 Huf 
oder, 47, S wÜ tlem ffeliMien. 61. 6 Im- kam ffeläiti^A. 65, 4 
äpenet vmb. 57. 7 frtiw, deinen fftnii'Un, 59*, 6 t/muier htUiixn. 
(iO, 1 1 itrASw, mi't geparä. 83, 20 JallrUin betr6gm. 84, 4 ««*( 
/TM^ fftivm. 86, 49 erdhwket ctu. 86, 7 t^e^t, </ann rr, ebd. 30 
ick ir ta dUf» enn^ttschfn. 87, 7 i}<h\r: vnd ^fer^rht. 88, 8 düt», 
da* . . . hör vnd atieh. ebd. 28 liilf mir vxrtrtihfn tnem. 

In den Eirchenliederu scheinen auch schwerere Fälle ge- 
stattet: ist ja doch auch die Muüik eine wesentlich ander«: ^H 

549, i tciJiiif den. .15;J, 5 erfüll mit tf^näd (in D von Haad a tj^ 
669, I w^rcli dein*. 660, a duimm wirf imif. ebd. 9 wrWrt ttnd 
^tfDhmt, ebd. 10 »HUrlifn. 562, 3 heiügtn. ebd. 7 Hnffent die . ,^1 
Behepher iwn. 568, ö sr/t!// uw</ ciucA. 576. 3 pUlncJt dein. obd. 1^^ 
Atfi'f (/u (/jr. ebd. V. Ü jiOUiek du. obd. V. 13 ieM*n siin. 676, 2 AijA«n 
vitd. ebd. 4 )KfA«n( (/«r. 678, S müfter von. 679, 4 ^t^ü fftv^n- 
hatt dif. ebd. V. 6 fffuittert veriail. 580, 8 (in I) unter o) /«rwr 
md. 681, 3 (D or) heiliget* (und so gewOhnUch in den Hss.. auaxer 
in D a). 68S, 1 ktftiviMlitehin gendd, ebd. 12 kindff fffcs^^wel. 
M4, 7 «rpuirmi ie«r(. 595, 2 »chiip/er der. 600 (Dal), 4 ^mmar 
iW. 606, 1 wtttfen mein. ebd. 2 u>Ugen dein. 

Ähnlich steht es mit dem Fehleu der Seoknugen: 
34, 29 nfcJt trau. 35, 40 girn mich. 42. 6 gim uninacMeieA. 



A 






Anlendiaft dar wdUidieii Lwdtr. 113 



ftO, 28 <fin>, v4» u. A. grm tla Hebung nnd Ssokuiig {s. ci. 
OUtnetio): 37. 19 wieh, nAeM. 39,35 teinh wifUieli. 43, 17 
äü c^eiftl. 48, il »U-n, feltter. ebd. 21 Hiru ist. 68, 12 <il» 
mein 87, 12 Ury li*t. 88, 1 fftwirl dU, 

Vgl. W. K.* II No. 660, 4 UicJtHdm. hÜi, 2 mrfj^ v>imM- 
Mm. Ö76, I (Tebidij' tlrhKrUirii. ebd. 3 Wrr himpl. «hd. 4 f/o/, (rf(ip(. 

Zu dem Vorstellenden vgl. für Laufoubers Uflllsr 96. 102. 
Waokenwll ä. C^'XXXIIl, (ür Montfort und die Abrige [.itteratuv 
Wackornetl S. CCSlIlff. t.^'X(Xff. 

Hiatus iiu «ng;ereii Sinno sbebl nur 5ß, 8 Hrltte au^i- 
«eoüf. 99*. -SH Ma^nf rnd (?); und hemericsnawerÜi ist, due 
anch di« Kirchenlieder ih» zu meiden seheinMi. 

Für Moütfort Wuckarnell S. COXLI, ftr Lanfenberg 
Malier 101. 

Qaantitftt. 

L&ngung der Wurxelvokale: I2*,<il gem (imSm). IK. 14 
her(:nwr). «bd. 77 (kthirt:) ^rl. 19,50 (•nfrti) htgtrl. 23,46. 
33, 24 her (: b«r) («. die kntiecbe Anm. ui 33, 17 ff.). 
24,2 ttperl (-.Kerkert). 34,^4 (^r :) /irr. 42, 4 (vmitrhh-tij 
w«r</. 47. 7 (int:) g^erM (: rerk^-et). 60, 14 befiert (lUrt). 
56, 6 heffoH (so I.!) (:mtMj. 68, 17 Arr (:m^). 60, 14 f^^MrJ 
trertt (: fftitiert). 81, 30 ff. neer : te«r : Iter (: vtrkrr). 36, 13. 
38, 8. 24 vn^trtK (gtreu) (: erc») : euperett (klingend, und »cbon 
ilanacb iJiu^^uug ku koD8tatier«u. s. die Slnslk und Wackernell 
a CXLVIH. CXOIV f.). ebeuw 48. 3 »(«r» (: irm). 9»*, 61 
heyerttt (tterrn) (so 1.); 36*, 18 metd (: fäd), rg). dazu fOr 
noeb b««ahrt6 KQrxe: 34. 17 (*iuUI:) nwl (:hä); 14, 30 teiil 
(:wmt). 21,9 «pn«! (.-w^en): 36*, Mtff.h-n.-Uhe» (klingend!): 
28*, 16. 32.6 (ffedetM:) tn^-At — 23, 44 (Uih- :) nar. 67, 18f. 
fiar:hmjar (:esK*ir). 88, 3 (iAr:) ttmdervar (sol.?); 18, I8tr. 
*ArtW (; (]H<U) : val : frfvdtnML 28% 17 (tpt<U:) unal~i^. 16 
(kä»!) kau. fibd. 29 (hä>i:) an. 39,8 (1. km tut may^). 61, 28 
hm (: tAiJ. &'l, 6 «^r (: him); 41. 14 <uA/ (: tfdeit). 88. 15 
(näeh:) fffMcft. Anh. P, 69 (fftdneM :) ^maehl. — 13, 18. 
15 torm ! hwert. 16.62 (ntmA- .-J tor. 28.8. 26*. 46 *»»rt 
(.' er«(di-r>. 60. 30 ff. v>ort (.• m-*(A< :} port. 54, 36 ff. inort 



114 



F. Arnold ii%yer v. H*iarieh Ruttaeli 



44« 



(:*r>t6rl, 80 l.):j>ort; 85.28. 32 fftpopen : fff-»nu>^n: 47, IftU. 
ffot (: «61) : rpol. — 35, 39 ff. /nffta ; barmjru usw. 36', 3 l 

Vgl. W. K.» 11 No. 551. 3 ./wer (.-JA-;. «57, 5 (*^:} Mpn: 
htr, 675, 1 («^c-) A«r, tiOO, 5 (yfitMi^rmtr:^ hirr. 5&7, I (teret: 
mertn:) ffrrm. 679, IS iww .• (* - tfr«J. 680, IS (eertn:) gera 
nsw. 581. 9 (ea-en !} geperfii : »tfreH. 583. 9 #/«■*« (".- frmi: 
ööö, 2 irini/ : c/MtM«r (:stent); 657, 2 (/itj'>ttn .■>•/•«>«.■ /«5n. 660,1 
/«/'«N .' ffeg«b«n : </eweiten ; ebeM, ebd. 6 /«frm .' ibinfben OBW. — 
656, 3 ilar : gar (: kt-ir) 119W. 669. 6 (idrm :) erj'arm, 660. IJ 
noTf : oft<niiarf ; S53. ö bi-mn (: min). 580, ]9 f'^etm : hm (: mdff 
*twi) : pon nsw. 684, 8 fAün .-^ '-/mn; 567, 5 namru : miua; 
656. 1 mitr/ieji .■ wA^R f; rui/Vi<-Afji^, 668, 1 naekt (: bräeJU); 
&M,2 maif Opit'ifj). hSä, \i veriatrcn : '•erczaffeM USV.; 662.9 
(ffäd :) tfraff. — 5.^3. 4 ort (: bet6rt) : moH (: ent6rt). 5ft3, 3 
(bft6r:) vor. 568,6 ffeporcN : rrkorm. 681, I '{oren : erkortK; 
560, 3 (ISn.-) ron; 660, II ioch (: ItSr/,); 57C, 5 ftöd :) GoL 

Am . siebersten flli' die neue Dehnnitg sind <iie xweisLllHg 
Uis^nden Reime mit kurzer Päuultlnia. Der Mi^ncb v«rweft> 
det alt- and neakliogendo IteimbiTiduDgen bereits gleichwerthig, 
WackernoU S. CXrVII. Lnulenherg Hbeht auf demselbAn StasA- 
puiikt«, ebd., für den Gebraucli auderttr Dichter ebd. (?XCVTff. 

Beim. 

DioHPr ist im ganzen Cdialektischl rein (s. S. 123 ff.). 
In 84. auch sonst nocli, ai-beineri nicht alle lieinie erhalten; 
in inobreron Stellen auszerhalb der Hand » ist der Reim duicb 
Verderbnis gestOrt (». die kritisohe Anni. zu 37, 16), So bleibt 
an wirUichcü und sicheren Cngenauigkeiten ausser Anh. 1*, 61. 
54 laKlrn (1. mit Synkope des f):ha»t (auter 45 ^iner, ca. S^a) 
kaum mehr als 83, 6. 8 worjert : verdorbm (so l.f). was za 
den leichteren Fallen hei «'aokernell S. OLXXII gehört (ca. 8»,;). 

Stellung: gepaart, gebiliift, Qberschlagend , umschlingend, 
verschränkt und ToreteckU Goseblocht: ein- bis Biebeiib«bi^[ 
stumpf filier ein- bis fönfhobig klingend. Dabei ist nur m be- 
rücksichtigen, dasa die Versabteilung nicht immer eine sicher» 
bleibt; Tgl. unten S. ISS für die inneren Reime. K6rner weist 



446 



Aolvaohafi iler w«lüick«D Lwdsr. 



116 



tarnt di« SchlDanOe d«T Strophe (Ahne 1t«fnis g«iMMnm«n): 
No. ll-. \'ä*. 19. 80. 21—24. 32. 35. 36V 38. 39. 42. 48, 
KD. 66. S7. 60. 88; am .A.nftog des Abf^san^ st«bt nin Korn 
in Xo. 27; im rnneiron lu No. 14. &4. 84: in No. 81 io itm 
Afasclinitlcn Ü. 3: jwei Kftmer: No. 18. 26". 30. 46, im An- 
hi^ vmä 8chlass des .\bgvBat)g3 in No. ö3, io den iw«i Schlas»- 
teilen in No. 35 — alle Fäll« durchaus rpimloe in der Strophe 
(il^;e«eheti vom R«Craiii). In Ko. 28* ist in jeder Strophe ein 
fllifEuber Keim als Koro, suszerdem am Schloss oin Reimpaar 
nnd in der Mitce eine Waise als Korn; mehrere K&rner sind 
k^«b in No. 87, 9. das Schema. 

^B Auob die Reime der Kirchenlieder sind meist (dimlcktiach) rein 
Hw. K.* II No. 547. r>48. 550. fi.SI. .'iSS. 665. 657. 56». 563. 668. 
^^73. 677. 6T8. .'>80— 683. 6h6. 596. 600. 6I>6. 615); ca. 1"/, ist 
I unrein iu No. 55if, i% iii 64«. 5^0. 579, 3°/, in 675 (nach W.8 
' ömck). 691: in684(?): 4",',, in 676, 5*/, (P) io688; 6%(?) in 
690 (OrigiRal mit sehr kOnsÜichen Keimen), ?",„ io 569 rmetriscb 
schwierig als Nacbahmang der sapphischeo ätr. des Orig.). 
SteUang und Geschleclit sind, wie 0.. sehr manmK&ch, innere 
Keime (nach W.8 Druck) in No. 677. 690. Körner in 677. 580. 
j^H Fflrdie Autorfrage sind auch gleiche Reimbiodungen 

^Hoa Wichtigkeit, wriii<,'8r«us dann, wenn sich mit ihnen (ilcich- 
^Keit de« «Jedankvns verbindet. Beides trifft in nnsem Liedom 
^^Bemlich bfin% znsainmpn. 
^B S6*. 45 ff. »"-in /ufr<-: ertehritt, w>«NN »^ Oig pltkt ,' tcAiJci. 

I Ä6*. 16. 36. 51 f. fffßfhiiti : »mm» «^ «« mywiütÜM oHj'ptikft 

^^. herez mit iÜfr foreht ab yr eru^hritJttt, Tgl. 12*. 21 t. p/it: 
^mArik. 44. 34 tr. »fhrie/um i^^Jum : piü-ifn. — 26*. 24 f. (sie 
^^k) iort pon ort, Tgi. 1 1*. 39 f. 32. IS f. (dieselben Keime). — 
49, 22 IT. hfx mirh ^eHj/tn/vfif lieu irh deiu »toter (/imiMr pm . . . 
tut als rerdrioKn. 29, 6. 8 ta nucA meiner tretcftt ^ent/eeten . ■ . 
aU rerdr. — 14, 40 f. räm die/i nicht le vi/. Gtren htrea^n 
traM fffpiL 16. 28 f. IM nbnxt lüeA .. .xu viL Ntäit ich, A. (r. 
fft»p. — 15, 43 f. De* pm iVA . . . /ro. Pitt du *tft, i^h pin 
19, 46 f. iml du o/», w piH irh jm. — 19, 49 ff. <'*^' 
»dl . . . täg&A mtrt. «leäi heret . . . mcAl m« befftrt rti 





116 



F. Arnold Mayn* o. Hoiiuich KicUd 



447 



troat wenn dirh. 44, \fit[. da» icA :atroH... amlm-t nir/it br^r , . . 
frfiednofii «wrr Ifr. 60, 13 f. Ä8. 42. ii*u tiu mir . .. fffptraluL 
we» dein A«rc: Itfffrt , . , im« (/«in ^H mtrh UH • . . dar tfy M 
vanl aÜezril gemtrt. — B4i 18 f. Am jro j'är w»iw>«" paider loa, 
ntfin Aackntf» haä. 23, S6 ff. da: paid taU tii dein haU . . , tmr- 
den /ro, — 14« 21 f. ^(tiUz m rrm dfat, lÄlrr te«äi mrtf ngam 
mir ffetein. 16, 23 f. ro pai iV^ dein, Jjitfr m^ffAt . , . mv- nicAl* 
f^r«!^. 43, 2. 4 (VA ;>m aifftn dein : »ein, — II *, 33 f. nach dtu 
vrilUin »tnn, aU icli da *rÜt sott atiu, 21, 3f. i^h «vtnt, ich nb 
par fVö/Wl «tfm.-mnn. — 81, l8ff. vnd »eet www ßfftm . . . dm 
irh ffnrynn dtf litfiiti nitfim. 60, 9 ff. »O ist wiW« >yn etudir... 
auf dfn //rtryn, oh irA , . . reräieiaum tnficAt. — 1 6, 6 4 ff . leih : wr- 
treib : weiti. 69*, 4 f. tfetrfUien : w^.il'ctt (bfiide Stellen geffen di» 
KlaJfer). — 25, 61 f. ti-d'Hfiifr leih «( hidverlrtü: 36*, 1 ff. wA: 
ieHr : tiiidvertreib, — 85, 20 ff. utatAen : ricM/ifti : aciien : taekm: 
saeAm : tiiaeAen (Kifersiicht luid VertraUDU üi der Lieba), »gL 
30, 33 ff. (der Dugotrouc und dor eiuet gerfU) *arJ> : pnt/*mwA : . . . 
Ueh : tnath : mnuh. — 18, 31 ff. ol' et dein kfafer nieAt 4fee^ . . . 
fram aurertPfJt, 12", 7Sf, zu inUz, den dein inj)^d mismtll . . . 
frauauzerttelt. — 34, 26 f. rmtf^'dl : peteil, 68', 9. 27 md^nü: 

tngtfeU (beide stellen ge^en die Kläffer)- — ^t l^f- **'" ••" 
m Uiäen mir pe*f/iiAc , . . in/in zitvi^mAt. 64, 10 f. was cj. L m. 
ffMckidtt, m. , . . fzuvenärlu. — 24, I2f. oMl: friH. 34, I9ff. 

i»t : JriM. ir pön reivzaf/ten fi^t, 1 5, 89 ff. />r5« . . . ak tt 

M( ... »ein faitehfr Htt. — 16, i7 f. lä> v»ä iaid. Hatt dm 
da» «m vndeiurhaitif 21. 29 f. icnui iA noeA taid mir markei 
itttirrKihiwI, — 48 , 27 ff. /ifh norh iaid . . . tnieA von int nirfe 
»ol »t'Jttiden . . . mir mfemand eriaidfn. 66, 19. 28 nyeituutd . . . 
mir et Iaid . . , micA ntfinmer ron im »rAaiä, vgl. 29, !, > 
srAaiden ... näeA dir nyfmmvl eriaidm. — 26*. 12 ff. wt/w.* 
d/i: aUr zairAeM ifr fioMr ttrpi/det hont mit ff, ßäzz . . . roC 
wirf iP«üi. 44, 31 ff. ^Mriehen. . . . mit ßti», . - . rot rnd irm, 
ebd. 74 f. die liih mim; .Vy päldH wtincA ßgnr. — »4, 8. !<► 
hat. . . . fru pijrf »put (der X/eyjVr und der frunt). üO, 8. \(^ 

fm tmit «pat ... Aal (der Hafer als Feind der LiebendeD), ^ 

89, 34. 36 ni«m kerezen tro'l /rewntleicA koet. 25, 63 ff— J 



J 




AnloTKluIl inr w«1Um1md Livder. 



lU 



rame: teeib pU4 ***i/t. ttvtt, tii/ yrAmf/üA tehoH. — I ö, 47 f. 

95. ä8 f. iianci : altfanc:. — 1 9, 44 f. /Uu : luil JüA . . . dttUr 

jpae. ih, 34 ff. käl iti^A . . . df*ier paz : kax. — tS*, 45 f. 

mUeh »i^rrien in dem herein, 38, 31 f. i> »rkerez«n luU mir 

im ktmen. — 90, 18 f. h^H . . . vuttt friwten rrlehen *old. 

äB*, II f. hold rmA Ul-rn loU. — &3, I B. mein li^iiUr hört, 

peftf.fiffk dtf . . . Wort, d. iitir J. /rn«t *o Ituiif rtrapriuA. 

44> 96 ff. nocJk f/edmi-l i-h ... cwi dir. Uexte» teoH, dU exu mir 

«pr>ii-/i IB. /tW'if. liort. ■— lil, 35 ff, BMent, mein liefut. hoH, 

tiuz i>ö*f, fidffite urort ffroi Hb zrntort. i3, 7 IT. utort . . . teorl, 

da» frttort *atden hört. 34, 8. 10 ntwt . . . ai^tetU morl. 

35, 45 f. Avrf .- tewt (gloichfaUs von den Klaflfern). — 15, 41 t. 

ring : iftding (wir vroUon uns um <lie KUffOr niobC k9miD»ni !). 

33. 15 f. ffodin^: . . . n'nif (UofToiii^, den Klafeni zu eat- 

g^en). — S7, 9. 2S h«rt : wann du itaM mir all tewlt frtetrt. 

54. Ö r. herU : trint trliaülm mir titl fr?ml rnwi-(. — 38, 3K f, 

gte€rt:deft: ... «mtfrf, ebenso 2b, 14 ff. (von den Kläffern). 

^ 25, 31 IT. Gtmüt, nu teüt durch fratetn güi. hO, I f. /rau», 

«fem gM ... üt/i vOft. — IS, 10. 12 ffOtt : fft/raefst al» mm 

grmOH. 14, 16 f. freut titrin fftmSt : ^L 18, Ä7. SS ffM: 

rrj'r^ . . , mein ptsnät, — 23, 35 ff. An hoff uA, mtin ding 

wwTff »elär gut , . , tun L mtlgemvt, der mir pat fuf. 80, 4 ff. 

irittd . . . </y« mtinem Atrri«! nuifu tttet, ich hoff, der herhtt 

wtrti h. to gttft, litt» mir con prateiien rvolffemveL — 64, 9. 40 

htm ! güneh aU ich dittt dori Mch üetl. »tan. 1 1*, 38 ff. icli le^ . . , 

ieh *eA di^h . . . ror mir , . . par teeibl. »tan, das ich detm /tun. 

— 30, 4. 7 »haul . . . mttnd es» namd. 84, 1 f. »t»ml mund 

tw. m.. Vgl. 50, 36 f. nuotd : thtnd. — 41, 17 ff. kaiit» umnteh 
Mit ieh wy« litfter e:eit , , , daran . . . mein ho/nunp leü. SO, 8. 
4 teie aller rrururA ijaHtj: in dir leit .- r^tit. — 5d, 14 f. M 
iBltiehtr mafs, halt nder iafi. 56, 14 f. in '. uiaA. ... (um 
mtl mith ta/k, — 33, 81. 83 dm macht dein ... gvet ^auUU 
, .. du htul tnii-h ccfcar mit giutfsem getnillt. 50, 80 (. dttn L 
gttnit ttirt mir ge\eaüt. — 34, 1 ff. *^haüaJ\ : latUrpalkeh: 
mUkeh : kalk: ebd. 39 f. Jaä : h^'gtdl; 85, 76 ff. «cAa/J: ■- H^-' 
kalk . . . lxh<*U : hofffotl : nnMinaH (beide Wale von den KUtTero). 



118 




F. Amiild Hsy«r u. Hvinrieh UivUcb 



— 21, 22. 33 frum gmmnt . . . lih. dy prennt. :J5, 3 i. du 
mirA in hrrfze» prennt : pfuninl. — 4ä, [3 f. (s. die initlscbe 
Aiuu. ZU 4B, 14). 49, 1. 3 pnkei» : ~$ehen (die Qeii«t>» 
allefforisiert als Steni, hezgv. Kose). — 36* 32 f. y* mrr *» 
lehfmpht«, »chnlUn, ye pa» mue» 6» gejalUn. 44, ISf. da» nr 
Kiymp/en, ocA., Khaile» kaiiiem frwnat map mytttaütti. — 26' 
29 f. dy l. f'mdit hat veibtieJt mcAt. 44, 39 f. ic frfu-M 
n£»rlu ... dit fdel j'rucht. — 19, 16 f. aA«H«rf .• lad. 55, II f. 
a& meiden: leiden (vom KUffer isl die Rede). — ßO, 12 f. SÜ, 
6 f. Hi6c}u : hweht (er wönflcht in lliram ' DiooBt' itn stehen) 
43. 13. \h too du püt . . . l.,nng rzeit ... in htrfzer frift, i' 
14 ff, *o Jt, zeit lani üt . . . /ritt, da, du . . . niihl pi*t, — 37, l' 
IS »oU icA auf erd 'ein humUrt jar : rxtrar. 47, 31 f. ««■ 
iar 'jw iur, die teeil ich Üb auf' trden fztear. — ebd. 15, 17 I>i 
pist die enl an anefangk ... an aiieffonpk. 18, 5. 7 zJrtt. jrfudai 
anevank , . . an abtijmik. — 50, 22 ff. y« itttv ich düi» an ritck, 
i/e mi/nntrr . . . kp Menlieh (eo 1.) cr/rvwt mic/i. 56, äÜ tt. iv icA t/r 
letiger an necA, _v* "**•" ■ • ■ '*•*' '* "'iffi . . . *" wcätienieifJi?, — 
19, 27f, (dt ia> mt newer (ib v^n^ : trew. 58, 17 ff. fifib ^haU 
pit Aw vntl iM mir lieh rrnt worden ntw : Irew. 

In den Kircfaenliudeni ^tebt es eine grosze Anzahl von Beim 
die sich &ncb in den welUiuhea Asdeu. auf die aber weit«r kein 
Gewicht 7.u legen ist. In Betracht, weil gehnllptl an Oedanken, 
die illinlicli auch uuh den weltlichen Liedoni zu belogen Sind, 
kämen etwa nur Keime wie: W. K.* 11 No. 547, 2 D» Aatt yena^\ 
vnd auch gewatt mii tw« . . . dein ziirtlei^ iimh/r<näieA ffe»talt . Jj^H 
vgl. aus N«. 33 und 50 auf S, 117. — W. K. ehd. 3 »ft'jr kü>w^ 
drutrt dein tmmd an kitidleiiui mtind, da er ncA an dein hnMJeia 
»muit. Vgl. I]*,26ff. an htnz ffeanaJit vnd »chon gedndet in 
Ormlin wäz. — W. K. No. 558, 7 Sy (Maria) ht/it jtt o/l in irem 
taid vntl tprii-h 'mein {ieli»te nugefwaiti . . .»o ieh niut ran dir 
»ckaid, wer »ol dann trotten micht '...' tcA bin ffetitziieh eUend 
vnd weili nü, leÜ ieA Idti ker, vgl. 56, 8. 19. 28 mein* k. UehMe 
auffimwaid .* I'tid .' da» ifh inii-h ntpnmer von im *ehaitf. — Vgl. 
noch W. K. No. 577. 9 säe»Ui<-/i yräe>,leieh liint dein er, da» 
kain tsvtg dein ffuet eohait und «üefleitit, ^rüetteieh Ko. 44, 41 £ 



habt 



Ä 



Aaior*c)isfi ier w«1tludieii Li«d«r. 



tl9 



I Stropb». 

I t. Urei wesentUeb gleich« Strophen in Xo. U*. 12*. 14. 

Il7». ^-2.^. 26'-a8'. 29. 30. 32—36*. 37—39. 41. 42. 43. 

K. 46. 47. 4*6. 4»- 51. 53- R6. 56. 57. 58. 58*. 60. 83—85. 

M~88. 

i Unter diesen Ust sich tnetriacbe 'üreiteiligkeit' anfsteÜNi 

hr (KOrner bezeichne ich durch fette Bachstabeo) : a) No. Ü4 : 

^.4-a^4-h ^4.ii^4.b II ^4-i^4-c^4hI. No. 27: „4-ii^4-a^4-a 

^4-» ^4-b^4-b^4-b^4-b ( ^4-c^4-<,4-<,4-fl^4-e. No. 28»: 

^3^«^4.b^3^a^4-b , ^3^a^4-b^3^«^4-b \ ^3^„4-«^2Hi ^h1 

^3.d„4-O-0w<-f^4-l'- No. 48: ^3,a.3^ i ^J>JiJ> || 
^4-e^4-c^4-ci^jd^^3-e. No. 63; ^4-«^4-a [ ^4-b^4-li || 
^4-c^4-d^2.<i^3^e. No. .17 : ^4.a^4.b ^4.Ji^4-b j ^4-c^4^s 
^4-1.^4-d. No. 59*: ^^^S^\ßj^ w^^M^M^b li ^3^ 
,_.3^c^4-4. No. 60 = No. 57. Von allen diesen iat nnr No. S7 
Kucli mnaikaltsch geg:Uedert (b. n. S 189), die uideren wären 
aar metriKcb (also Aberbaupt?) dreit«ilig (wo^n No. 27 $. o. 
8.6). b)No.it5:^ü-a^.a^2.a^-b^Ü-b^2-b^4-c^4-c^4M:^3^| 
^a-«^V-6jJ-e^-f^2-^-C4-g^4-g^4-g.3^d || ^l-h^l-h^-h 
^l-b^3-i^2-i^-kj?-ltji-k^3^1 1 Kefr. = Abgosaug mit Reim 
der leUt«D Zeile. No. 29: ^4-a^4-b ^4-ii^4-b ^4-c^4^d^4-c 
^4-d . ^4^^a J.4H!„3^f als Rofr. No. 33: ^4.a^4.b | ^4-a 
^4-b I v.,4-««*-d^4-<!^4-c^4-»:^4-d | Kefr. = Äbgesaug. Da« 
löad, wi« auch noch andere im Bereiche der Hand ß, scheint 
•buk Tordorben ond das M«truin gesUirt, 8. unten die Ao- 
■ksrkoiigen, die Itier Oberhaupt xu vergleichen und, uainonüich 
W4 die Oborlieferung zu den hier gegebenen Schemen nicht 
Kinuilt. No. 35: ^4-a^4-a^4-ii^-a^3^b ^4-c^4-c^4-c^>C 
JJi II ^^d^3^d^3jd^jC3^3^3.«^a.e^8^ ; Refr. 
* Abgesang, die Schlussxeilen beider mit einander reimend. 
No. 37: ^4-a^4.b , ^4-8^4-b '| ^4-c^4Hl^4-c^4-d Kefr. « Ab- 
tmug. No. 39: >i^4^4-b ; ^4^j^4H^^4-b ( ^4.d^4^4-d 
_4-e^4-f Refr. — Abgeaaog mit Reim der Schluaazeilen. No. 41 : 
^4-a^4-b C3J>) : ^4.a^4-b (^3^b) || „4-c^^d (^4-d) ^4-c^3^d 
(^4-d) I ^4-6^4-E^4-e^4-f ala Refr. No. 43: ^4-a^4-b i ^4-a 




lao 



V. Arnnid Ukyer q. Ueinricli UieUch 




^4-«^4-b l| ^4.c^4-c„4-il Ji-e^2-U?-v2-C2-gw3-g «1» R«^- 
N«. 47: ^4-ii^4-b ^i-a^-t-b || 4-c^-i-d^4.c^4.c^4-d | Befr. 
Abgesang. No. 49: ^4.a^4-b^4-a^4.b ^4-c^4-d^4-<(^4-d ,| 
^4-i;_,4^^4-f alfl Hefr. No. ftl : ^4-a^4-b \ ^4-a^4-l> I 
^4-c^4-c^4-d I Kefr. ^ Abgesang. No. S5: ^4-»^4-n^4-»j_4-ti ) 

^4-c^4.c^4-<-^4-b i^-d^^<A.« K" K,» ,^^K,'*'K^'« \ Rffr- 
= Abgesang mit Reim dor KCrner. No. 83: ^4-a^^b ^4-» 
J»^b i| ^4-c^a^d^4-<:^:i^d Kefr. = Abgesaiig. No. 85: „4-a 
^4.a^4.n^5>!^4-c^4M;^4-c,A>i:^-|.d^^A^4-J^4-d^-dJi-r 
w**C^w* I ^f'- = AbgesBng. war hat die vorlotute Zeile 5 
Hehungea. No. Sfi: ^4.8^4-a^4-b (^3^bj | ^4-c^4.o^4-b {^3Jb) 
^4-<^4.*. C3^e) „4-J„4-B (^3^e) ^4-C4-f | Rofr. = Abgeawg 
(aber durchaus ^4-). No. 88: ^4-a^4-b | ^4-u^4-b || ^4-0^4-« 
^^4-c^4-d I Refr. = Abgesaag mit Reim d«r ScIiIas3i«Ue. — 
No. M: ^4-ii^i*.a^a-<^.b^-b^4-b^4-b^4-b^4-c ' ^4Hi„4^ 
^4-6^3^ Tier VV. wie die letzten, mit diesou retmond, all« 
aofat Rofr. In glolcber Weise goi;lic>i«rt »ohcint mir ilis Scbenia 
ton No. 56: ^4-ii^-Ä^4-h^4-b^4-b ^4-c^4-c^4hI ^4.e^4-e 
^4-f I ^4-g^4-g^4-f (die letzten wcbs Zeilen st«heu zuMjni»6n 
als Refrain. S. Dbrigcn» die A unter knug(Mi). Ungeteilt 
(vgldninS. 199): No. U*:^4-iK^4-&^4-ii^4-tt^a-bjr-b^I-liJt-« 
Ji-c^2-d^l-d„4-e^«.e^4-i;^3-f 2^ 2^g^4-b. No. 12': ^M 
J*-a^-bjä.b^t-bJ!-b^l».b^^-c^4-cji-(i^l-<i^.«^2-eJ(^ 

^>UK^(Tgi. 11' y..R-8) jt-ga^h a^h^4-i^4-i^ 4-k^4-v 

(vgl, II* Z. 1 — 4) ^2.k^4-l. No. 14: ^3-n^3-ji^3-li 7-c 7-c 
5-d 6-d 5-0 S-« a-f 4.f S-g S-g 5-b^3-h. No. 'IT*: ^4-a^4-» 
^4-b^4.b„4.b^4-b^4-c^4-c^4-d^4Hl.No.i8:^4.a^4.b^4-«^4-b 
^4-c.4-c.iSc_4-c_4-d_4-d_4-«_4-d_4-f. No. 19: _3-a.3-a_2-a 
.a_b_4-c_2H;,3_b_3.d_3^,4^_4-&.Ä-f.2-f,4-g_4-g_4-g_a* 
No. 20: .4-a„4-a.4-»_4-b_4-b.4-b,3.c. No. ai: .2-» 4-a 
,4-b_4-b 3jc^3^t(A)_2-d.3.d 3^e3-e(ll)_4-f (A-"B). No. 22: 
_2-».8-».Vb_4-b_3_o_3_«,4-4. No. 23: _4-a^4.«_2-*_4-b 
^i-b^i-h 2-c 2-c 2-c 2.c,4-C3-d„8-e_3-e_4-M-f,8-t. 
S«. 26": .2-ft.24i.2-a, l-b,l-b.2-c_2-c.4Hl_2-«_2-e_2-e^4-f 
.4.f_4-g_2^[_4_h_4-i„4-i_4-k_4-k. No. 30: _4-*.2-a.4-b 
^4.b.4-b_4-b.4-b,4-b.4-b.4-c^4-d_4-d_4-d,4-d_4-e. Nc 



A 



r 

^t-ii,4-a.4-a.S-a_5-b 4-b^6.b^3.c 4-c_V-c,J-dJ^d„a-o„2-e. 
^o. 36": ,4-s,4-a.3.b,3,b_4-c_l-c^l-c,8_d_3_d.3_6_3_6 
,3^f. No. 38: .4-a.2-a_4-b.4-a_4-h^4-c,4-c_3„d. No. 42: 
_4-a.4-«.+*,4-b_4-c. No. 46: .4-«,4-b_4Hi.4-d_4-e. Die 
xweite Strophe wio'Ierholt dio zwei Schlusszoilea der ersten, in 
der iiritton Strophe Lauten je Jie fwei letzten ZeUeo T^llig, in 
der erst«o uiid enoit«u Htropbe Rahezn gleich. Xo. 50: ,ä-a^ü-a 
.2-a,4-a.4-a.3-b,2-b_8-c_4.c_2-c_Ä.c.4-d,4-iU4-e. No. Ä8: 
_4-*_*-b.4-a,4-b_4-c,4-d,4-c.4-d. No. 84: .4-»_4-b^4-c 
_4-c.4-d.4-d,4-e,4-«_4-f_4-f. No. 87: ,4-a_2-»„2.b„4-e 
,2-d.2-d.4-e_4-f. 

II. Au» xwMf gleicbeo Strophen besteht No. 99*: .3,a 
_3„b.„3,a.5_b_l>,c_S.d.5_c. Es ist die lauge beliebte, aU 
'jöDKere TitureUtrophe' bekannte Fonn. 

III. No. 13 besteht sna zwei je dreistropbigen Teilen: 
A (2-a 3-b 2-ft 3-b , y_c 2-d 2_c 2-ii) und B (4-a_5^ i 
4-a,5-b I) ,4_t 3-d ,4,c 8-d | _4_e 3-f _4,e 3-f als Rcfr.). 
Über die Art des Vortrages s. unten S. 215. Auch No. 16 
lerfäUlt io zwei Teile. A ist draiatrophig, B einstmphig: A. _4-a 
Ä-«.4-b 4-b 4-b 4-c 4-c i?_d 2.d.2-e 4-e 4-e 4-f 4-f 2.g 
Slb 4-Ii 4-h 4-i 4-i A-k 4-k. B. _3-a 2-a g-b l-e_l-c.>b 
4-c 4-« 4-c 4-d 4-d 3-e 4-e 3-f 6-r 3-g_l-p 2-h 4-h 2-h 3-h 
4-i 4-i 2-k 4-k. Dazu die AamerkuugeD. Im ersten Msrtin»- 
lied, Anh. No. 1*. ist Teil A vierstrophig, jt^le :^trophe mit 
dem Schema: fi-ai-a3-a(„)3-a3-*„4-a<_)3_b,l.b_l.c_l_c3-d 
S.e_3.e(_)3tL2-r, die lebete Zeile ist eine Rerrainieile ; Teil 

|B iat der Tonor: .4-a -Va _l-a 2-« 2-a 6-a 2-a.3-a 4-a 2-a. 
^K Über den Vurtni^ iuit«a S. 216. 

^H IV. Kinstrophig tat daa xweite MartJualied, Anh. No. 2*: 
^K_a.3-b 3.a_3-b_3_a3-b_3.c_8-b (rein metrisoh kSnnte man 
[ nach der xweiteu oad vierten Zeile Binschoitto setxen). 

V. Keine atrophen, sondern nar .\bflrhiiitt« (Leichforml 
l bittet zunichsl No. 81 : 1. (Äa) .3,a 2,a 2_a 2_a _2_a 
(Ab) 3-b 2-b 2-b 2-h (Ac) 4-b_I-*_l-cl-c_l-c_3-o (Ab* 
■chnitt I - V. 1-lS, Aa= 1-5. Ab — 6-9, Ac— 10-16). 



AuUirichart d<r ««Itlictien Li«<ler. 



121 




IM 



y. Amoid UiiyiT u- Heiunch Ri«Uch 



453 



2. (B) .4-d_2-e,Z-e,i?-e.a-fl | . 4-d. ii-f_if-f_Ä-LS-f (Abscho. 
9 = V. 16— 2R). 3. (B) .4-(l,2-g,2-g„a-g,2-g I ^4-d_2-h 
^-li_2-h_,2.h (AbsohiL 3 = V. 26—35), 4. (C) ,l-i_l-L.3.k 
_I-i-,4-l (AbMhn. 4 = V. 36—40). No. 44 stoho Ich tiamlkh 
raCblos gegonflber. Vom masücaliscb^a Standpunkte uiu '} ergftbea 
stcb dni AbschDttte (t:«ilweiee mit Unterteilungen) : A (2-a 2-« 
5-a 4.b 3-» 2,c 4-a.3_b 2-d ^3-d 3-d S-d _S„c Ä-d 4,e 4_» 
4-f 4-f 4-f 4.b .4-g .6-g l-h l-h V-li 3-h 4-h 8_i IJ AJk 
2.k 3-1 S-l): V, 1—33. B <l.m l.m 3_m Iji l_n 3-o4-o 
l_p 1-P Kl 1-q l,<i -4-r S-r 4^8 4,8 _4-a' 5-a' 4-h' _l-b' 
_l-b' 6-b' 3-c' _2-c' 2.d' 2.d' 2-e' I-f l-f „1-e' _!-«' ,1-g' 
.4„li' S-i' 3-i' 2^k' 2_k' 2^' it.l' 4-g' .2-m* .3-m* l.o' l.p 
l_p' l.q' I.q' I-q' 3_Ii' 4-r' ,2-r' 2-r' 2_8' 2_8' 2_s' 4-i 
S_t' 2„t' 8-t 4-v S-v 4-T 4-T 3-w _4-w): V. 34—98, dabei 
V. 34—86 metriscb = 37—39. C (2_o 2_« _l./( 1.^ S-f 
*-r^i-Y S-y^a-^ '2-6 3-d 4-«_ 1_* 4_#.2-( 5.5) : V. 99— 1 14. 
Die bier aufgestelltem Schemen kCiimen nicbt durchgebends 
als sicher angesehen werden. Hier ist ein Hauptpunkt, dass das 
Metrum kaum ein zuverlässiges Mittel bietet, die ioneren Reime 
als solche auch zu erkennen. Die von Bartsch, Genn. 1 2, 129 ff., 
dafür auf^i^ätällten Kriterieu crv'eixen sich auch au unseren Liedern 
als unbrauchbar, vgl. Minor, Winteratetten S. V. Auch die Mu»ik 
gewährt keine ganz sichere Hilfe, trotz. Lachniannn Bemerkung zu 
Walther 98, 40 ; alles r,usamuicnzustellen. was sich von dieser Seite 
ermitteln Iflsst, wbd ^. 190 ff. vtrsucbt. Im vorstehenden sind 
darnach fast alle Iteime regelmfiszig abgesetzt, die wenigen als 
inui<re angennmmeuen Heime nicht ansdrficklich markiert (in 
dieser Hinsicht zweifelhaft sind die Schomeu eu II". 12*. 13. 15. 
28. 19. ai 23. 25. 26*. 2Ö'. 34-36*. 38. 44. 50. 64. 56. 81 n. a.). 



M 



') Dieser itt anlürliuh liri dnr BRurtüUuDK dci StrophenbMiM 
Lieder, die »mwt eine unzureichende blJobn, xu borÜRkuobtt^Dn. K«Lii 
mHtrMok uugMeJMii, viiiv dii? o. iiDt{«g«hpiie UUed«ruiig der cüwelDen 
SvliciUFD uicht tinm«r die oJaxij{ mÖKlIohr. Uukl&r Jat mir hier gebUebon. 
wi« in Nu. 44 du Vcrlütitnli von Mntrum und Uoivik »ioli tI«llL V|;l 
audi Anh. No. t*. a* o. iiiitfr 111. IV und n. S. 189 f.. die luau übeih 
huipt hnar «ehe. 




Aotoraclind der weliticbcn Licdur. 



193 



Auf die vres«uüich verschiedene StropbeDbildung der Kirchcn- 
er, die t. T. ron latfiinischen Originalen sbh&ngig ist (so sind 
z. B. tio. &60. 573 unö nooh and«» metrisch oaeL dem Original) 
gebe ich nicht ein. Auch hier ^«bt es nnter ilou glt-iubstrophigen 
Stücken nichtdreiteiligf, so No. fi62 und zahlreirlie der fnigenden. 
Refrain Hilde üb nar in No. 606 (600) (voUctnniliches Lind), 
nod zwar nicht Ar allo Stropiion nrörtUuh gleich. 

Nebenbei bemerke ich zu dem Vorbergehendeii, dass gegen 
Binbeit des Ver&aaei'S die MannigfaJtigkeit des Metrums nichts 
bttweiBt. Ich verweise z. B, auf RaprooktswU (SMB. 381 ff.), 
■lesBea erstes ßedicht einen einfaohou Ton hat. w&hri.>ud das 
tweite durch K«imspieterei ausgezeichnet ist: auf Muskatblut, 
iMsen Ocdicht« sicli mei&t in kurzen KeimKeilen bewegten, der 
ü»er auch längere Verse hat. vgl. S. 1 Ü6 bei Groote ; auf Wolfram, 
in dessen l.iedei-a taao auch die karten Beimrerse findet, aber 
nur 7,41 ff. i.Actimann; Botenlauben, der einfache Metia. aber 
ucb (MSU. 1 S. 29 XI) Keim^ielereieD weist: Reismar, der 
■nr mitunter Körner braucht, ebenso wie Steinmar, vgl. SSIB. 
S. CXX; tiutenbnrgs (MSF. 70, 19 IT.), Herngers von Horbeim 
(ebd. 1 15. ■ä7 ff.) und Wcmhcrs toq Teufen iSMB. S. 5d f., so 
^nr in diesem Lieile) R«imspielereieu. 

^ft Ü. Zar Onmmatik. 

^^ Ich beabsichtige kstneswegs , eine Oramnutik unserer 
Lieder ui geben ; die fo^odea Bemerkungen sind nur bestimmt, 
im Id den vorhergehenden Abschnitt«» gesammelt« Material 
auch vom Gesichtspunkt« der Sprache her einigenuu^eu zu ver- 
stftrken. Ich b^chiänke mich auf Notizen xur I^autlebre aus 
den Reimen. 

l) a: o. \8, ftf. ztirl : wart (i. i. «ww-y. 57, 2. 4 Aort.- 
tsan. Kirchenlieder No. 5S3, 18 poHe .- v>arte. &9Ü, 7 ^r : riyor. 
AUgemeio oberdeutsch, nach Mhd. tir. § 33, aber TOrzQglich 
baihsch, B. Gr. § 6. ^i mit Beispielen aus Otocker. ToichDer, 
Sachenwirt, Wolkenütein und andeien. Auch bei Montfort, vgl. 
Wackeniell .S. Cl.Ü, uud bei Laufonberg, Mflller 12&. — d:6. 3», 
20 1 trän .■ lou. Kirchenlieder No. ä68, 4 rot : ttroi. S7tf, 1 1 «o/ .- 



1. 



1S4 




F. Aruolil Utty«r a. H«tariob tUeUch 



(irot. 606(606),8 not : fmi : pi-ot. Vgl. Mhd. Ur. § 86. 90; Dadl 
Batr. iit. § 38 ist bei Osterreicbischen Dichtern Tom Ende d« 
drnMfantnn Jabrbonderts ao der K<)iui unb«d«nl:lich (Beleg« ans 
Ot>filc«r. dem so^ounoDtoo Seifriod Holbllug, WolkoBsteLn osw.j; 
bei Motitfort (vgl. Wuckernell S. CLII) uiil L.aur«iibfiTg (s. If&Uer 
IS5) ebeüfslls b«lagt. — a: 6. 33,31ff. kam tfkoH : van ! pm. 
Kirchenlieder No, 549, 1 tin:bau:Üir<rn:hfijan. vgl, 579, 13 nar*,* 
M»äerj>are : ktyr^, &7ri. 2 »riton: tntut, V'gL obOB S. 1 13 f. Belege 
B. Gr. § SS, ans Montfort bei Wsckernell 8. CLII. aus Lauren- 
berg bei MttUor lÄS. 

3) i: ü. llMöf. SWC jn>.-;w.ruBK../i"m;;>^ IS*.8f. 
pfttimzdim. 88*, 31 f. 4im:p;fm. 44. iJ8f. diertH:»Hrrtn. Ööf. 
tNjnfT : czwUr. 60, »ff. tpirt : ffffortniert : gf'^*«*^- 87. 13 f. uwd; 
«W, Anh. 1*. 67f. riervii : pt/Tvn: nur POr den Schreiber: 
37, 7 f. mo" ■• ffytr. 38, ft ff. /wir .- ^npiVr ; </«>. KirchosUeder Na 
562, 6 »fAwT .■ ir, 681. 8 ffe«tier«n : d^eren. 583, 8 t/rr -■ «W. 
.184,6 etirdf : \ifirde. 590.2 Uieriwir. ebd. 5 ^j>otiH : ri-rirttr. 
hol, h (rill: lid. Dies«) Keime sind besonder« bitiri»eb, daneben 
uich alemanntBch (wBuig« aus Moutforl führt Wnekemcll S. CLIV 
an), seit dem 12. .Ib.. Mbd. Gr. % 45, Belege aus Clrich von 
Licbtcusloin , dfni Pleier, Otacker, Toiclmer , Suclienwii 
Wolkenstoiu u. a. bringt B. Gr. § 90. 

3) Koues ri, 53,8 16.24 Itiflen : paiiUn : mtüttTt. 57,9. 
II a//eüi .- Min. 85, 1 f. maHiperlaif : gescfirai/. Andererseits wird 
aber ai von « dentlieh uatoi-achieden entsprocbeud der dialektlscii 
verschi«doHi>n Aussprache (B. tir. § 64): 39, aSf. imtl:ai*t Dclwn 
ebii. 30. 33 tieitl:i.:ei/, metriBch a- und b-Reime. ebenso 88', 19 ff. 
»r/teiu : HJH : /ein liehen 10. 27. 44 nlain : hiain : raät ; j», fllr 
Anh. !•, 30f. rt(/>.-p/i/lt (eo I.) bleibt niiAt« übrig, als al(09 ' xu 
kenstatieren; dann dürfte aiicli -19, 2:{. iö pin ■• '"■nn Jas Hichtige 
bieten und keine Verderbnis vorliegeo, wie man vermut«n kilnnte 
(fflr die Dehnung des i B. Gr. § 5 1). Reime nie »9', 64. 66 
weifen : Dytmü^i baben natürlich an sich nichts Beweisendet. — 
Neues ei benoisen auch für die Kinbitolieder 56a, 3 kimleliin : 
ittin, 590, 5 ttain : xt^hetn. Altes ■' begeg'net xwav nicht, aber 
daf9r «nch hier der Cntorschied im Reime: 689, 18 preji»*: 



■* 



A 



Aiftondiad il«r weltllefai-n L(«d«r. 



185 



17 

^Bp^aillt gtitU : tvÜttftt als a- and b-UeiioP, ebenso 373, I 

ga Ug cntttit : ytunait und czeii : weü, — Kflf diß ^m» Hlitivtcklung 

des ueueD Dipbthoiigs in den OnntEiuiloni vgl. Mbd. Cr. § IOr>ä'., 

woraas die Sprödigkcit di<r DiutiMr gp}!ouflb«r dum indcrlubODdigeu 

8pr«obe bereits ganz durcbgAdrungencn «i erhellt. In sah- 

liurgtsclien Urkunden aiis dem leUteu Viertel in Jahrbanderts 

«ini man den alt«n Laut vergebens eocheu (vgl. t. B. järtärh, 

.SalKburg 1 IX 1373 (MSL. 13. 19»), meim, von ebd. (a. a. 0.). 

ceiXr^ von ebd. 2211 )37fi (a. a. O. S02), uvjMn, von «hd. {a. 

a. O. SOS), ffetctir/u, Halleiu 3I,V 1365 (a. a. 0. S»8), :"3r. von 

eba. (». N. 0.). Ifä. (8. u. 0. 269). Urkunde I'ilgrims vom 2 II 13»3 

Salrtturg). Anders, wie bemerkt, ilie Dichter: die östermclier 

des 14. Jfas. (Teicbncr, SuchoBwirt) verwouden das neue m nnr 

Mbr sparsum, Uhd. Ur. S. \02. Aucb uosere I.ic>dor, sowohl 

die weltlichen alu die geistliclien, biaiieiieu es nach der obigen 

ZasanmeDstellung nur selten, ja nun findet sr^ar noch Spnrsn 

des altieii Utttes. 

4) 6 : at, 56, 1 ff. : tltertrOit : gefiöH : tjtdOn. Kirchenlieder 
No. K49, S (toTt : entdri 1 ptfrt. Im 14. Jh. ist dieser Umlaut 
in aUg«m«i]»eu »cho» iSagst gcbrU^uiäitx : s. dazu Hhd. Gr. 
S 11 1 (§ 1 16) and vgl. oouh B. 6r. g 54. &7 mit Keimen aus Ütacker, 
Teicbner u8w.:eDdiit:liMoDtfort S.CLVf., MflUor, Loufenberg 127, 
.'i) Altes u ist nirgen-ls m lonstatieren (Beim« wie die 
«. S. lä aul«r u angefütiTten »itHrvti : tntrtn \V. 557, 3. nabirt : 
f0mi«) osw. ebd. 560, 7 sind nicht beweisend), ab«r auch uicfat 
UWB IN. Dieses, wie ä in den salzhurgischen Urifundt-n gaiK 
tirfl^ruugeu (vgl. r.. B. hau^, Sahburg liX I37;j (MSL 
12. 199), rt«;. Mflbidorf UXD 1378 (a. a. O. »16) und (a. a. 
0. 862) Salzburg 8 11 1393), gcbeioen sich die Dichter Mnst 
•her erlaubt zu hahen als ei. Mbd. Gr. g I IM, Teichner und 
Soeheunirt haben hier eiue gan» Amabl von Keimen, Tgl. data 
«. a. 0. S. 100 r. 

6) ä (ur om, IUI. 12*, 3 ff. /ra .- pra .• »c/ui .• fpvi .• p/o, 14, 
Bf. tuuUrrtca : an wAa. 19, 29 f. nfhaiwa. 22, l f. an ftha: pla. 
34, 27 f. nat-h:atwh. ^ä,2if./raw;aRiI«mto:yrv. 99*, 40. 42 
motoi .• Paulen. Kirchenlieder No. 548, I ttaffen : nhertatifm: 



126 



y. Amuld Uttyer n- Ucinndi Biebwh. 



467 



/(ity^<rn .■ tawfen : Mratifen, .">82, I Maria : vrav. Solch« Reim» 
»nd vorzQglich bairtBcher Dialekt des 13' 14. Jhs-, Mlid. Gr. 
g 12a (Ki^imo <!.- 6 (=- mi) aus Montforb b«i Wackcrnell & OLIIJ, 
Belege aus dem T«icbner und anderen auch Ü. tir. g 40. 

7) m: n. 26", 63 f. »tan i ffraii. .'i8, 6. 8 daim : itüaiit. 
83, 9. 11 rngfceäin : ifON. Kirchen lioiler No. .'>51,5. 5&S,4fft:main: 
hmn:rmH. 552, 1 gram: an. 55<l, 5 von : hh^MiR : ateran. 560,4 
leiehiMin: srhnm: fhon: ttain. Dieser Iteim tRt nur bei wenden 
Dichtern bedenklich, Mhd. Gr. i$ 216. SI8, speciell bairtsclie 
Belege B. Gr. § IC9; für MonWort WackönioU S. CLXVl, fili 
Laufeiibers Mtiller I2'J. 

8) t: 3. i4, 1 . 3. 66, 1 f. da» : wu*. 26, 86 f. mn : min. 
Die»e Reime sind ober- und niitteldentsoh dialektisch, Mhd. 
Gr. S ^*^- '^^^' ^^'^^ sforadc bairisch sonst seltonor (einer aus 
dem Teichnor B. Gr. § 151); für Montfort WackemeU S. CLXII. 
für Laufcnbei-g Müller lüö. — Bin regulärer Reim ist 22, 3f- 
zartt 1 »icarcz, vgl. KirchenÜMer No. nOö, S fi-heüt: : hrrües. 

9) » (3): teil (st: »cfitj. 34, 6 ff. /liml : rt\ufcM : grtüut. 
Anh. l*. I2f. /l<i»chm : va»»en. Vgl. Kiri^henlieder No. 683, 10 
erliigch : ^liiH (a. die I:.e8arten). S. da?.u B. Gr. g 164, wo «in 
Reim rven : gnlronlum ftus Otackcr augefQhrt wird, Mhi 
g 210: Montfort bei WackemeU S. CLXIV. 

Einige andere Kintelheiten hebe ich noch gelegen 
hervor. Aber schon hier ergibt sich : unsere Lieder zeigen ent- 
schieden bairiscben Dialt^kt (vgl. besouders unter I. 2. 3 und 6), 
uud zwar ist der KinSuas de» dialektischen Klementes ein xiemlich 
bedeutender, wofiir namentlirb auch einige z. T. roh dialektische, 
noch untno (so zu 44, 108, 49.6. 29. 86,34. 88, 16. 26. Anh. 
4** 6- 2*. 3) besprochene Reime zeugen. Andererseits hat der 
Dichter doch nieder ein ScbriftbewasHtsein, wenn er <las neue 
M spärlich, im, wie es scheint, gar nicht verwendet. 



WO «in 
rentRP 



rv. 



Iiitterarhistorische Stellung 
Hermanns. 



<^ 



!;J 




Unser Dichter hat geisÜiche und weltliche Lieder rerfasst 
Tod« logt« ihm schon sein Stand nahe, dazu knni noch äi« 
KofTorderuDg von Seit« »oines Ober^u und Fürutoii '). Ihr« 
Hellang in der Oeschichte des Kirchenliedes ist im iresentlicbea 
)«9timmt: H. K. » 339 ff., Koch. Ceachichte des Kirchfnliede-s ' 
1 196 f., dazu Ampferer 6 ff., MfUlc<r. Loufenherg 46 f. 48. 56. 
i9 ff. lOS ff. Zimflcbst wäre da berTorznheben, dass er Oberhaupt 
ier ertU namhoj'u ChfntiUer lateinischer HTmnen und Sequenzen 
£t (H.K.' 239), dann wäreu namentlich die Boziohtmgeu zu 
tteiorich LauTenberg, seinem Nachfolger (s. a. a. 0. 247), zu 
»rOrtem. Darfiber hat Müller a. a. O. Nachweianngen gegeben. 
3o gshen die Oedichte Lauf.a W. K. * n. No. 732. 73S auf 
Ajbeiteu HerDianue zunlcfc, s. Müller 57 f. 60 f.. W. K. No. 796 
Kheint eine Koutiafaktur iles Martiiietiedes ontea Anh. No. 1*. 
i. Müller 91 f. Im öbrigen wird Müller dem Dichter Hermann nicht 
jpuu gerecht. Eine gewisse Iteimarmut haben beide, a. a. 0- 72, 
H. aber eine ?od Latinismen IVeiere Sprache, a. «. 0. 76 f.; 
lu seiner Nachbildung des Goldnen .ABC (W. K.* H. No. 5fiO) 
«cheint mir L. unter seinem Vorbild zu bleiben (vgl. Müller 144). 
S. ancb Litt Oentralbl. 1890, Sp. 836. Mag aber auch H. als 
(Tbenetsor immerhlD hinter dem jOngeren Dichter, der an jenem 
»cbOD einen VorgiUiger hatte, zuruckst«bea, so gibt es doch 
reu ihm anch geistliche Originale (unten im Text Ko. 1. 2. 5. 
B. 7. 16. 6S. 66. 72. 78. 79), die. xam Teile lieblich und kuuat> 
roll tugleich (wie No. 6), von innigem Gefühle getragen sinl. 
Ibrigens eine bedeutende Vielseitigkeit des Dichters beweisen 
[mao TgL etwa xwei Stacke wie No. 16 und 79). Dennoch 
nflMto ich der Cberschfitzung dieser Dichtungen von Selbe 
SoUands, Geschichte der altdeutscben Dichtkunst in Bayern 480. 

*) Qtbtlichf u u d ireltljobe Qedtohle auch HMist, W mdilraicbea 
McbUrn, aidit b)«M K«i«tJic)i«i> StaudM. beaondM« \m 'EUmndra': ■» 
Mi den Kanzler lUSH. [V 703t.), Bopp« («IkI. «W C). Btmeduid (ebd. 
l8Pf.J. UoDtfuit, SkchMiUuiüii. 

% 





lao 



F. Arnold Hkfer n. Ueinricfa Btctwh 



meinerseit» eutg^K^ntreU-n aoil fiber den ästfaetiscbeD Werth der> 
selben eher nie H. K.' 240f. urteilen: obwohl solche 8Ug»mdM 
Werthurtßile immer eine missliche Saoh« bloiben. 

Den geisUiclien Liedein i^egenüber ist die Bedeutung der 
weltlichen iu der (jeschichte der deutschen Lyrik erst aofit- 
£ei£;eu, dabei aber ein weiteres Ansbolea luivermotdlich- 

Wie überall bo ist auch in DeutscbUmd die Kanstlvnt, 
speciell die Liebeslyrik, aus dem Volkaliede hervorgegangea *). 
Freilich siud von lyrischeu Volksliedi^rn aus der Zeit vor im 
Äuftrebin der hOfiscbeu Eiuut kaum sichere Reste*) vorhandeo. 
und auch die Uekonstmlctioa, die Meyer in »einem oben erwähnten 
Aufsatze voisucht hat. gibt m. K. kein Bild dieser ftlteftao 
Volkslieder. Aach die zahlreichen erhalteueü VollcsUeder >pU«rK 
Zeiten sind daza nicht geeignet, deuo es ist dooh ohne weitem 
gewiss, dsss auch das Volkslied eine (Jatwicklnng wird darel)> 
gemacht haben. Eher mag <iie specielle BetraoLtung der Uteatci 
Lieder in MSF., wie der sogeuäimten Ktireubergsliedet, 4» 
Dietmar von Aist taugen. Denn dass Jer Minnesang, je ilttr. 
dem Volkslied um an nAIier steht und sich im Laufe der 2(il 
immer mehr davon entfernt. dOrfle scbou daraoe herrorgvhah 
ilass uiioli dem AuflidreD des Minoesanges die nun erst onseiti 
Betrachtung zugftnglieheD Volkslieder gerade mit den frftbettM 
Dichtungen dieser Art Verwandtschaft «eigen^); und eotspreeheiii 

') Ü1>«r (Ion B«gri(r ilei VoLkitHcd«» ßiidet man u. S. 150 Ann l 
■liiMfiemrrltniiß. Im iibnf;enaimii>tiler«bigeSHti«oli(iDSti>11uuirgeffei]di* 
AntichUii WIltnuiiiiH' iLcbuu Walthm 16E. alinlii^h tiuhun W.L. I SWA. 
vt;L audi iUrliii Zt. 30. 46 R'. und Ucrv. 0. 11 48ü I'.). <iie von vorabercn 
der Wiil^rtvKui»,' (Burdauh Z». ST. 843 0"., K. U. M<;yer 39. 131 ff., frübcr 
.Hütl«[iliolTiiiicinun uml Sr.horer« )Wt!tniileni3B3ff.)kiiami»ehrli«htrft«a. 

•) \'iiL <I««i Wp)-.t ». •. O. 187 ff. 

') Xachdtm in thutaekem Lande» <ier häfiache SlmneioHg w 
klitngrit war. fanden dif LUbr.ilirdcr da Volk* von neuen» (iebSr imJ 
aügtmtinrre Orltung. Hie kalirn die jIcirAr »alürliflit (Irnndl/tgt: »■ 
Beatui ahitr, data lie nicht ein Xnr.liklani) dfn ahgatorbenrn JSTiuur 
atttM^e» tinA, knüpfen rit tich nickt an feine leUttn Kruugnittt, »owtir* 
b*r1ilin» MrA urit mehr mit dfx wrhtmtrkUH Wttit der lUfaitim ilhm»- 
tieier, dfutn eben liontit ein« tetiterf (rtwAAr tAtvr votkttumlicht» Ab- 
itammitng TtiKächst. V. Sehr. III 3S9. 



462 



Litt«i«rhntAniK'.hF 8tel)iiiif Bennum«. 



131 



wftre, dass die von Mejer a. a. 0. als volkutfimticlic geummelt«]! 
FormelD boi "ha siüliUni Mbo^sSn^em in (;eringerem Muze 
taftiAteD. Ferner »ind hier die Tamiina Kurana' ganz her- 
vorragend wichtig '), die ForBcbang dar letzten Jahre liat sich 
ihnen deno auch wiederholt »igeirmdeL Neben Tielem. dae 
gpecioll fllr die Fnbreodeii charakteristisch ist Cm ist i:. B. No. 
19] , 3 gegen die Geidgen und Wortbrüchigen . die ihr« Tei^ 
sprechimgeD nicht halten, gerichtet) klingt aoderes ia der That 
ganz TolksmSMig. Vor altem aber wiren die 'Vieizeiligen', 
wie sie unsere Bauom noch heut» singen and wie sie aticli 
fremder Volksgesang wohl kennt *), zn beachten *). Wenn wir 
also aaf Vnlkslieder vor imd wibreud der BlOt« der ritter- 
Ucben Kunst fast nur scfalieezen dürfen, so ist es nichtedeeto- 
minder gewiss, dass immer der Volkügesang der Baaero neben 
den Kunstli^dom der Ritter ertftnt« *). Hiobei darf man kamo 
einige uDt«r Ne i<iliart8 Liedern flberllofert« Stücke als 'biuriache 
Tratastrophen' heranzieheu, s. darOber Haupt zu Neidb. 31. 9 und 
geg«a dteseo S^hOnbacfa, Walther ISäf. Die Bauern waren 
Tirifaeh reich ^eworiien, flbermfitig strebten sie nach (ieitung 
gegeofib^r den ritterlicbou Kreisen, während die Kitter selbst 
loch wieder in manchen Beziehungen dem Volke näherten "). 
Bexeicfanend dafHr sind Hchnn Neidharte Gedicht«, dann der 
* Jüngling' von Konrad von Haslnn, der sogonannt« Seifried 
Helbling und noch manche andere litternrtiche Erscheiniingen. 
Aber seit dem 14. Jh. kamen gegen die RitMr und Bauern die 

^^p ') Die Varaina Hurana im 'iU<)rmciHen sldktH der V«ik»p«r*U nährt, 

^^Bl irgend ein« aitdtrr oJ. lAtderliaitdMckrifl. ik^viur im Am. lur Z». 1 iOV- 
^B *} Vgl. SchftiYT H. k. 0- IM ff., bMond«n sbnr UtutHv M«>-pn 
^n*y» uBil SUKÜrn S. 3HS ff. 

^ AmUm dum viMi K. M. Hoyir in Anm gcnumtcn Aobttie in 
ilarZ*. — Zn dem Obigren aockäcborw, (ipichlciiV <\. Ucqtach. LitUr. DOS: 
Der adetigt Minne»ati^ gimg m 0**trrrrich und ßaUrn am dem i«ft*> 
MmUcJUh Liebe^Ude hervor; denelb« Oelelirle wetet im toljrvkdoii mcb 
nuDencita uif die bair.-iSaUrrmobbcbeD ImproviwtJcnMn hin- 
*) Oben a 13a 

*} VkL >I>z» U. 8vkr. tll 476 (Anm. 40) Ober dl« Mmngvng dar 
SÜbidii; ober aucli dcu £xkim u. S. läO ff. 

V 




a 



133 



F. Arnold Ibffw ■■■ HeiBrio)i lUctMh 



463 



Bflrger tn&chtig herauf, politiseb-social and als Trfiger 4ts 
GMUges. Merkir&rdig fOr diesea Verhälbnia aifid eiaigp Ut-dicbte 
aus dem aUenUi^ orst im 15. Jh. gnaammengwchriolMmen. aber 
in eiiiKplneii Teilen beträchtUcb lüteren Lietlerbucbe der Kim 
HStzleriB. (jleichaam syuiboIiEH^h ist hier II Ko. 18: swei 
Schwestern streiten, wolcho vod beiden sieh des vonOgUobsru 
Geliebten rfibmen dArfe, der eine ist ein BfirgerUcber, der tiiim 
ein Ritter, fQr den letzteren entecheidet denn niletzt die Mtnoe, 
d. h. wobl aacb der Dichti^r. II No. 67. Keinipaave itu NeM- 
bartschen Stile, greift die Bsuoni und die Stnachritter an, g^ 
also jedenfalls von den Itürgeni aus. die sich gflgcu die beidea 
Eitreme der (ieselischaft wenden, äo verspottet auch Witteo- 
weiler im 'Ring' xugleicli Bauern und Ritter, wenn man Gerriitm' 
(0. U 420 f.) Auffassung folgt. Anf die Bauern allein tirieo 
mehrere Lieder des Krankfurtor (Ambraser) Liederbuchee and 
in Ohiaods Volbliedeni , hier z. B. No. 361, wo de» Bauen 
die 'Hursen' und ihr Leben entgegentreten. So war die ritttr- 
Uche Gesellschaft von zwei Seiten, von den bSuerlicbeo und dm 
bürgerlichen Kreisen her. unterwühlt und iem Cntei^[a&g ni- 
fiUen. Sell>Bt solche Dichter, die ihr nahe standen, wift der 
Teicbner, erkannten dies und haben jede Holfiiniig aufgegeben, 
schlagen sogar einen parodisttschen Ton an. Damit mnsste aacb 
die ritterliebe Dichtung als solche zur AuflOsu^ gelangen 0^ 
Die TolkstÜmlicfae Dichtung drang jetzt geradezu an die HOli^ 
Koeeoplüt t. B. suchte dieselben auf. Es ist bekannt, wie sick 
die Dichtung zuDäcbst weiter cntwii^kelte. Die alt« Kunst* 
dichtung brach keineswegs ganz ab, rielmebr trat«n mit direkter 
Anknüpfung an die ritterlich« Lyrik die bflrgerlichen Fahtendea 
auf, der Maruer, Rümezlaud. Hermann der Damen, und andere, 
wie der Regenbogen und numentlicb Frauenlob, die ganz unmittel- 
bar zu den eigentlichen Meistetsli^rn der ^tern ^t*) Ober- 

•) «CT*. U. II 578ff. vHbljt iUmch Proww. 

*} Don bctütnmt«!! tMhniiabea äinn , in dem die BpwMbnnaB 
'Mrialor' jciitt auftntt. bat aie gewiM noob nkht im 13. JL. (W. L. I SM 
Ann- U], in diMem Sinne wendete nwn n« wohl mnt vt, Hitdctn ilie 
gewerblichen ']lei>t«r' in aiuiged«luit«r WeiM lu ilichten bcgnunco; nei- 
leicht übertragen dieee da* Wort blcMt vom Uuidverk oaf die DicmkunH 



nUireii. Sie pfle^n vor allem die Formeo. du ÄosEerliche der 
alteo Dichtung, dM sie io ihrer Weise um- und wetcerbildet«n. 
wfthrend die Stoffe unter ToUst&ndig ungewaudeltea VfirUttniMea 
aadere «erdeo massieo. ZoD&chst besteht >lenii aach hier noch 
eis durchuu chrfurchterolle« Verhillnis sa 'der Minne Orden and 
R«gel': dann freilich